Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1933)
- Date
- 1933-01-24
- Page
- Seite 31 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0£5 Goldmark Einengung des Lebensraumes der deutschen Juden JÜDISCHE RUNDSCHAU Erschein t jeden Diens tag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Geldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Aualandsabonnemcnts «״«de in der Währung der einzelne Länder berechn«. Anzeigenpreis: 8 *esp. Nonpsreillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen •Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag and Freitag nachmittag« 4 Uhr Po.t.check - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355. Belgrad 660 32, Brüssel 394 33, Bud.pe.t 596 93. Danzig 1973, Haag )40 470. Prag 59410, Riga 4155. Straßburg 164 30. Warschau 190708, Wien 156 030. Bank-Konten: Dresdener Bank. Depositen - Kasse Berlin, Kurlüratemlamm 52, Rumänische Kreditbank. Cern.uti (Rumänien): Anglo Palertine Co. in H.iia; Nummer 7 | Berlin, 24. I. 1933 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ד גבת תרצ״ג | xxxviii. jahrg. Per Zionismus erstrebt «Qr da» indische Voll! di» Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.״ Jüdische Siedlung in Transjordanien Sturm gegen Emir Abdullah Ausschreitungen in Czernowiiz Sirafjenkämpfe *wischen cuzistlschen und jüdischen Siudenien Czernowitz, 20. Januar. (J. T. A.) Czernosvitz (Cernauti), die Hauptstadt der Bukowina mit einer jüdischen Bevölkerung von mehr als 50003 (bei einer Gesamtbevölkerung von 140 000) Seelen, war am 19. Januar, von morgens bis abends, Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen Cuzastudcntcn, die die jüdische Bevölkerung terrorisicren wollten, und jüdischen Studenten, die sich den antisemitischen Angreifern entgegenstellten. Anlaß zu den Ausschreitungen gab ein Prozeß gegen neun junge Juden, die sich angeblich kommunistischer Propaganda schuldig machten. Dem Verlauf des Prozesses sah man in ganz Rumänien schon darum mit gespanntestem Interesse entgegen, weil man hoffte, daß die unbeschreiblichen Folterunen des Kommunismus verdächtiger Jugendlicher, deren ufdcckting seinerzeit stärkstes Aufsehen erregte und im anzen Lande ungeheure Empörung auslöste, zur Sprache ommen werde. Als bekannt wurde, daß der Prozeß auf den 26. Januar vertagt wurde, formierten sich die antisemitischen Studenten zu einem Monstre-Zug, der durch das Zentrum der Stadt in die Richtung der Universität und des jüdischen Nationalhauses zog. Auf dem Wege wurden jiidis che Passanten überfallen und niedergeschlagen. Jüdische Studeuten stellten sich zum Schutze der angegriffenen Juden den Angreifern entgegen. Es kam zu einem schweren Zusammenstoß, wobei sich die beiden streitenden Parteien mit Ziegelsteinen und Holzstöcken bewarfen. Es gab auf beiden Seiten eine Anzahl Verletzte. Das jüdische Mitglied des Stadtrates Dr. Rosenzweig, der rat vermitteln versuchte, wurde ebenfalls erheblich verletzt. Nach einer kurzen Ruhepause erneuerten sich die Zusammenstöße, als die antisemitischen Studenten vor den Redaktionen ״Vorwärts“ (sozialistisch) und ״Czcrnowitzer Morgcnblatt“ (fortschrittlich) demonstrierten und wiederum jiidisehe Passanten niederschhigen. Auch hier leisteten jüdische Studenten und andere junge Juden energische Gegenwehr. Es gab auf beiden Seiten Verletzte. Schwerverletzt wurden zwei Cuzastudcntcn und der jüdische Beamte Hasenfratz. Erst spät am Abend trat Ruhe ein. Allgemeines Wahlrecht in der Wiener Gemeinde Wien, 20. Januar. (J. T. A.) Auf einer Vollsitzung des Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemeindc wurde nach lebhafter Aussprache, in der Vertreter aller Parteien zu Worte kamen, ein von den Zionisten und den Poale Zion- Hitachduth eingebrachter Dringlichkeitsantrag auf E i n f ü h י rung des allgemeinen gleichen Wahlrechts für alle Juden Wiens beiderlei Geschlechts, bzw. auf sofortige Zuweisung dieses Antrages an die Statutenkommission zwecks Ausarbeitung darauf bezüglicher Gesetzesanträge mit großer Mehrheit angenommen. Für das allemeine Wahlrecht stimmten Zionisten, Poale Zion-Hitachduth, adikale Zionisten, Alisrachi und Werktätige Juden. Dagegen stimmten bloß die Mandatare der ״Union österreichischer Juden“. Der Antrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts auch für Frauen wurde mit einer kleineren Majorität angenommen, da neben Unionisten auch Misrachisten und Werktätige gegen diesen Antrag gestimmt haben. Die ״Union“ begründete ihre Gegnerschaft gegen das allgemeine Wahlrecht damit, daß sie in dessen ,Einführung eine ״Gefährdung des religiösen Charakters“ der Gemeinde erblicke. Die Redner aller zionistischen Schattierungen sprachen die Ueberzeugung aus, daß das allgemeine Wahlrecht für die; Demokratisierung der Gemeinde und deren Verwurzelung in den breiten jüdischen Volksmassen erforderlich sei. Unsere Monats&usgabe tritt mit der neuert eben erscheinenden Nummer in ihren zweiten Jahrgang. Die Monatsausgabe soll, wie, wir bei ihrer Begründung mitg«teilt haben, nichtjüdische Kreise über die zionistische Bewegung und über die zionistische Auffassung! der Judenfrage unterrichten, die sonst wenig Gelegenheit haben, den Zionismus unmittelbar aus authentischer Quelle kennenzulernen. I>ic Monatsausgabe enthält aber keine Beiträge, die für diesen speziellen Zweck geschrieben sind, sattdem sie ist zusammengesetzt ausschließlich aus Aufsätzen lind Beiträgen, die zuvor in der zweimal wöchentlich erscheinenden Normalausgabc veröffentlicht wurden; und zwaj werden solche Beiträge ausgewählt, die über die bloße Tages• aktuaiität hinaus grundsätzliche Darlegungen oder allgemein interessierende Schilderungen enthalten. Auf diese Weise glauben wir den Lesern der Monatsausgabe einen viel leben• digeren Eindruck des zionistischen Lebens und Denkens zu vermitteln, als wenn wir ihnen speziell für Außenstehende zurechtgemachtes Material vorlcgten. Zu unserer Freude können wir feststellen, daß der erste Jahrgang unserer Monatsausgabe eine überaus freundliche Aufnahme gefunden hat. Zahlreiche Zuschriften beweisen uns, daß die tiidttjüdischen Leser dieser Ausgabe oft zum ersten Male durch die ״Jüdische Rundschau“ Kenntnis von zionistischen Oedankengiüigen erhielten und mit Ueber• raschung und Anteilnahme, wir können wohl auch sagen: mit Respekt, die zionistische Auseinandersetzung und das zio• nistischc Werk verfolgen. Die Monatsausgabc hat bei vielen wichtigen Personen des deutschen öffentlichen Lebens Ver• ständnis für das Wesen der Judenfragc geweckt und einen wertvollen Dienst in der gegenseitigen Aussprache geleistet, Wir bitten unsere Freunde und Leser, uns Adressen von Nichtjuden anzugeben, von denen angenommen werden kann, daß sie für die Alonatsausgabe Interesse haben. Die Monatsausgabe ist im Zeiturigshandel nicht erhältlich und wird ledig, lieh von der Zentrale, Berlin W15, Meinekcstr. 10 unerstgcltlich zugesandt. Jerusalem, 19. Januar. (J.T.A.) Wie arabische Zeitungen behaupten, ist in dem Entwurf des Abkommens zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und einer jüdischen Gesellschalt betreffend Pacht von 70 000 Dunam Boden am Ostufer des Jordan vorgesehen, daß etwa 3000 Juden aut dem gepachteten Boden Beschäftigung finden; ein zionistischer Führer aus Amerika wird die Koionisationsarbcit in Transjordanien leiten. Die Leitung der extremistischen arabischen Partei 1״ s t i k 1 a 1“ (Unabhängigkeitspartei) hat nach einer sechsständigen stürmisch verlaufenen Sitzung beschlossen, den Emir Abdullah durch eine Abordnung ersuchen zu lassen, einen Verkauf von Boden in Transjordanien an die Juden nicht zuz u lassen, da dies den größten Schlag für die Araber Palästinas bedeuten würde. Aus verschiedenen Teilen Palästinas werden an den Emir Abdullah telegraphische Ersuchen gerichtet, es nicht zuzulassen, daß Juden in Transjordanien Fuß fassen. Die arabische Presse teilt mit, daß die arabischen Nationalisten den Emir Abdullah von Transjordanien bestürmen, den mit einer jüdischen Gesellschaft bereits abgeschlossenen Pachtvertrag betreffend 70 000 Dunam Boden rückgängig zu machen. Eine arabische Bank — den Namen verschweigt die arabische Presse — habe dem Emir ein Kaufangebot betreffend diese Böden, auf denen sie Araber ansiedeln will, gemacht. Wie verlautet, planen die palästinensischen Nationalisten folgendes: 1. König Feisal vom Irak zu bitten, bei seinem Bruder Abdullah dahin zu Intervenieren, daß er den Pachtvertrag mit der jüdischen Ge- Seilschaft rückgängig macht; 2. eine starke All-Moslem-Front In Palästina, Syrien, Irak und Transjordanien zu bilden, die den Emir Abdullah zur Aufgabe seiner Pläne bezüglich einer Zulassung jüdischer Arbeit in Transjordanien zwingen soll; 3. eine Abordnung arabischer Anwälte nach Amman zu entsenden, die die Möglichkeit einer Annullierung des Vertrages juristisch prüfen soll. Wie die JTA. erfährt, machen diese Aktionen der arabischen Nationalisten Palästinas auf die Araber in Transjordanien wenig Eindruck, da man sich in Transjordanien aus einer Bodenentwicklung durch die Juden eine Linderung der dort herrschenden schweren Wirtschaftsnot verspricht. Am 19. Januar hat in Amman, der Hauptstadt Transiordaniens, eine Versammlung transjordanischer Scheichs den Beschluß gefaßt, den Emir Abdullah in seinen Plänen, jüdische Arbeit in Transjordanien zu sichern, zu unterstützen. Jerusalem .23. Januar. (J. T. A.) Die hebräische Presse Palästinas bezeichnet es heute zum erstenmal als eine feststehende Tatsache, daß von jüdischer Seite ein bindendes Abkommen mit dem Emir Abdullah von Transjordanien betreffend Pacht von 70 000 Dunam Boden in Transjordanien für eine Dauer von 99 Jahren getroffen worden ist. Der J. T. A. wird seitens der Jewish Agency in Palästina erklärt, daß diese Meldung der hebräischen Presse unrichtig sei; die Jewish Agency werde in diesen Tagen zu dieser ganzen Angelegenheit in einem Communiquc Stellung nehmen. Noch sind keine näheren Einzelheiten über das Abkommen mit dem Emir Abdullah von Transjordanien bekannt, ja cs stellt nicht einmal fest, ob der Vertrag bereits abgeschlossen ist oder sich noch im Stadium des Entwurfs befindet. Dennoch ist diese ״In alter Frische..." Neue Kampfansage an die deutschen Juden Während der Zusammentritt des deutschen Reichstages wieder hinausgeschoben wurde, muß cs wieder als völlig unsicher bezeichnet werden, wie sich die Regicrungsver• häitnisse in Deutschland gestalten werden. Niemand kann Voraussagen, ob es gelingen wird, eine parlamentarisehe Mehrheit zustande zu bringen oder ob ein anderer verfassungsmäßiger Weg beschritten werden muß. Diese entscheidenden Tage sind eine Kraftprobe für die Parteien, und vor allem die Nationalsozialisten, die auf diesem oder jenem Weg diesmal an die Macht zu kommen hoffen — wenn sie auch wohl nicht mehr an die Möglichkeit ihrer Alleinhcrrschaft glauben —, bieten alles auf, um den Kampf zu gewinnen. Dabei kommt ihnen die von uns oft festgestellte Tatsachc zu Hilfe, daß auch außerhalb der nationalsozialistischen Partei weite Kreise in Deutschland mit der nationalistischen Grundhaltung sympathisieren, ganz abgesehen davon, daß sogar manche demokratische Gruppen aus Gründen des demokralisehen Prinzips und der politischen Verantwortungs-Verteilung einen Eintritt in die NSDAP, in die Regierung befürworten. Die nationalsozialistische Partei hat aber offenbar das Gefühl, daß es darauf ankommt, in diesem Moment besonderen agitatorischcnSchwungin die Bewegung zu bringen, und sie greift wieder zu dem bewährten Mittel der J u d e n h e t z e. Der ״Vorwärts“ berichtet, daß auf der Amtswalter-Tagung des Kreises III der Berliner NSDAP, am 8. Januar der Kreispropaganda-Leiter Witzei folgendes erklärte: ״Unser Hauptkampf gilt den Juden. Unser Gauleiter hat schon mehrmals darauf hlngewiesen, daß wir wieder verstärkt den Kampf gegen die Juden aufnehmen müssen. Die jüdische Weltpest, die hinter allem steht, muß ausgeschaltet werden. Nehmen Sie jede Gelegenheit wahr, darauf hinzuweisen, daß alles Elend und alle Not nur durch die Juden gekommen Ist.“ Angelegenheit von größter praktischer und vielleicht noch mehr symptomatischer Bedeutung für das jüdische Aufbauwerk in Palästina. Es zeigt sich hier in eklatanter Weise, daß Tatsachen stärker sind als Agitation, und die jüdische Darstellung des wirtschaftlichen Palästina-Problems gewinnt durch die jetzige Haltung der transjordanisclicu Araber eine unverhoffte Bestätigung und Rechtfertigung. Die übermächtige Tatsache, die die Vorgänge der letzten Tage erklärt, ist: in Tran s j o r d a 11 i e n 11 e r r seht H u n - gersnot, seit Jahren sind die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes und seiner Bewohner trostlos, das Land vermag sich selbst nicht zu helfen. Informierten Kreisen war schon seit langer Zeit bekannt, daß einzelne transjordanische Scheichs mit der Jewish Agcncv in Verbindung getreten waren und um Hilfe, insbesondere um landwirtschaftliche Instruktoren, gebeten hatten. Diese Scheichs salirn den großen Nutzen, den die Nachbarschaft der Juden ihren palästinensischen Genossen gebracht hatte. Während Fürsten und Minister hin- und herislamische Kundgebungen stattfinden, weiß die bäuerliche Rcvölkerung niclit, wovon sie ihr Lehen fristen soll. In Palästina, wo es den Arabern verhältnismäßig unvergleichlich besser geht als im Nachbarlande, hat man Enquete über Enquete voranstaltet, ja man hat eine Einschränkung der jüdischen Siedlung als ein Heilmittel für die Not der arabischen Fellachen Palästinas hingestdlt. Demgegenüber wurde von jüdischer Seite, ■/. B. erst kürzlich von Dr. Arthur Ruppin in der ״Jüdischen Rundschau“, die These aufgestellt, daß bei aller scheinbaren Fürsorge der Regierung in Wahrheit dem Fellachen nicht gehohen werden wird, wenn er nicht in das jüdische Siedlungssystein cinbezogen wird, in der Weise, daß durch den Verkauf eines Teiles seines Bodens an Juden der Fellache die Möglichkeit erhält, sich von seinen Schulden zu befreien und eine kleinere, aber ertragreichere Eigenwirtschaft aufzubauen. Die Haltung Transjordaniens beweist, daß der Grundgedanke dieser jüdischen Konzeption richtig ist und die Gegenexpertisen mehr von politischen als von wirtschaftlich sachliehen Motiven bestimmt waren. Denn hei dem heutigen Stande der arabischen Nationalbewegung und unter dem Druck und der ständigen Kontrolle der nationalistischen Propaganda hätte der Emir von Transjordanien diesen Schritt nicht gewagt, wenn nicht die äußerste Not dazu gezwungen hätte und er infolgedessen der Zustimmung der notleidenden Bevölkerung sicher gewesen wäre. Trotzdem ist die Bedeutung der nationalistisch-arabischen Gegenagitation natürlich nicht‘zu unterschätzen. Wenn, wie wir hoffen, als Resultat der jetzt schwebenden Verhandlungen eine größere jüdische Sicdlungstäiigkeit in Transjordanien möglieh wird, dann wird zweifellos die politische Leitung der Jewish Agency darauf bedacht sein, die B e z i e 11 u 11 g e n z. w i s c 11 c n Juden und t r זו ה s j o rd a n i s c 11 e n Arabern herzlich und freundschaftlich zu gestalten. Es wird zum großen Teil von der Haltung «1er Juden abhängeii, 011 der jetzige Versuch erfolgreich und expansionsfäbig sein wird. Bei der gleichen Gelegenheit wurde diese Parole von dem Gauleiter Protze, der als Vertreter des Berliner Gauleiters Goebbels sprach, nochmals unterstrichen, Protze führte in dieser Versammlung aus: ״Wir wollen den Kampf gegen die Juden in alter Frische wieder aufnehmen. Lassen wir alle kleinlichen Diskussionen, der Kampf gegen die Juden, der eine Zeitlang in den Hintergrund getreten war, ist wieder an erste Stelle gerück t.“ Hier ist Judenhetze ein Mittel der Politik. Aber die davon erzeugte Atmosphäre verbreitet sich in ganz Deutschland. Die Nationalsozialisten sind tonangebend. Vor allem gilt das natürlich an ■den Hochschulen. Noch ist unklar, was in Breslau geschehen wird. Man verhandelt hin und her und ist offenkundig iu Verlegenheit. Die akademischen Behörden haben theoretisch anerkannt, daß Cohn, trotzdem er Cohn heißt, lesen darf. Faktisch aber werden die Vorlesungen Cohns, weil er Cohn heißt, immer wieder vertagt. Wo ist ein Ausweg zu finden? ״Cohn“ ist doch ein ״caractcr iridelebilis“. Würde es sich um eine Tat oder eine Aeußerung handeln, könnte man au Wiedergutmachung, Zurücknahme, irgendeine Farm der Demütigung denken. Prof. Cohn scheint ja zu Demütigungen bereit zu sein. Aber es geht ja nicht um etwas Reparierbares, sondern einfach um den schlichten Tatbestand, daß Prof. Cohn seines Vaters Sohn ist. Da ist nichts zu machen. Gerade weil hier nicht einmal der Vorwand einer Tat oder einer Aeußerung (wie noch z. B. im Falle Theodor Lessing) zur Verfügung steht, sondern einzig und allein der jüdische N ame der Stein des Anstoßes ist, ist die Sache auch f ü r u n s von prinzipieller Bedeutung. Werden das Recht und die Verfassung die Grundlage des Lebens in Deutschland bleiben oder aber die Weisung des Kreispropagandaleiters Witzei vom Kreise III der Amtswalter-Tagung? Wie sehr die Angst vor dem nationalsozialistischen Terror die Hochschulen bereits vergiftet, zeigt auch ein Zwischen- Fall an 4«* Köl4»«r Ma-ivcrs־i'tät, Dort hat der Rektor