Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-01-17 · Heft 5 (17.1.1933) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 5 (17.1.1933)
Date
1933-01-17
Page
Seite 21 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653734--23513-2686381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Einzelnummer 0,2$ Goldmark Max Hodann über Osteuropa, und Judenjraqc JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5>75 Goldmark. Auslannsahcmnemcnts werden in der Wahrung der einzelnen Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 £esp. Nonparcillezcile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.«M. Nummer 5 ( Berlin, 17.1. 1933 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin Wl5,MeinekestT. 10. Telefon: J I Bismarck 7165-70. Anzeißensdhluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Brüssel Bank- Rumäni! check - Konten: Berlin 173 92. B־»*ci V 9355, Belgrad 680 32, 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Hipa 4155, Straßhurg 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030. Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurhirstendamm 52; sehe Kreditbank, Cernauti (RutnäniefO; Anglo Palestine Co. in Haifa, Jahr,״. Per Zionismus erstrebt tOr das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseter Programm.“ Fall Cohn beigelegt? Ob durch die neue Erklärung des Senats der Universität Breslau der Fall Colin bcigclcgt ist, werden die nächsten Tafe zeigen. Wie es heißt, gedenkt die nationalsozialistische Stutleitdentenschaft nicht zurückzuweichen. Die jüdische Oeffentlichkeit verlangt selbstverständlich, daß das Ministerium und die Universitätsbehörden fest bleiben. Die Antastung der Lehrfreiheit Prof. (?.011ns wäre eine so eklatante Verletzung der gesetzliclicn Gleichberechtigung der deutschen Juden, daß die Juden sich mit Nachdruck dagegen zur Wehr setzen müssen. Der Bericht über die letzten Verhandlungen des Breslauer Senats wirkt nicht sehr erhebend. Durch die Beteiligung Cohns an der T rotzki-Rundfrage ist in diese Angelegenheit ein beinahe komisches Zwischenspiel eingeschaltet worden. Die Entschuldigung, die Prof, Cohn abgab, dürfte ihn keineswegs als besondere Kämpfernatur erscheinen lassen. Wir haben schon in der ״Jüdischen Rundschau“ ausgesprochen, dab Vir seine Beteiligung an der Rundfrage für eine Geschmacklo s i g k e i t halten, nicht weil er dies oder jenes sagte, sondern aus dem einfachen Grunde, weil doch jener betriebsame Journalistnur darum auf den Gedanken kam, ausgerechnet Professor Cohn, von dem die weitere Üeffentlichkeit bis jetzt noch nicht einmal soviel wie von dem gleichfalls befragten Boxer Sch nieling gehört hat, zu befragen, weil er gerade im Mittelpunkt einer Sensationsaffäre stand, und der einzige Grundsatz, den diese Anreißer-Presse kennt, der ist: Sensation um jeden Preis. Der ״Montagmorgen“ darf mit Befriedigung verzeichnen, daß er durch diese Affäre berühmt geworden ist. Prof. Cohn ist es weniger gut bekommen, und die Öffentlichkeit wurde angewidert. Wogegen wir uns aber mit aller Entschiedenheit wenden müssen, ist der Versuch, den wahren Sach v e r 11 alt zu vernebeln und es jetzt so darzusielleu, als ob die Angelegenheit Cohn eine Angelegenheit seiner Rundfrage-Antwort war. In dieser W'eise z. B. behandelt die Zeitschrift ״Deutsches Volkstum“ in ihrem zweiten Januar-Heft diese Sache. Das ist eine unerlaubte Entstellung der Tatsache 11. Die Attacke gegen Cohn begann lange vor seiner ,,Montag-, morgen“-Aeuilerung und es wäre bestimmt zu dieser ״Montag-’ morgcn“-Aeu(ierung und überhaupt zu seiner Befragung nicht gekommen, wenn nicht bereits seine Affäre im Laufe gewesen wäre. Es darf nicht verdunkelt werden: Prof. Colin sollte an seiner Lehrtätigkeit einzig u n <i allein aus d e m Ci r u 11 d e v e r 11 i 11 d e r t \v erden, weil er d e n N a m e n ei e s alt e n j ii disc 11 c n Priester g e s c 111 e c 111 e s f ü h r t. Alles was sonst nachtr.ägiicll zur Begründung herangeholt wurde, jede versuchte Verquickung mit Politik, hat sich bereits als fadenscheinig erwiesen, sogar ein so weit rechtsstehendes Blatt wie die ״D. A. Z.“ erklärt, daß sich die nationale Bewegung diesmal in der Wahl ihres Objektes vergriffen hat. Hier ist ein Pall anti jüdischer Hetze in R e i n k u 11 u r, gegen eine Persönlichkeit, von der man nichts weiß, als daß sie Jude ist. Gerade darum ist die Sache für das Judentum von prinzipieller Bedeutung, sogar unabhängig davon, wie etwa Prof. Cohn selbst zu seinem Judentum ■stehen mag. Ls geht nicht um einen Einzelfall, sondern um die Rechtsstel i u n g der deutschen Juden. Diese wird das gesamte deutsche Judentum mit Entschlossenheit verteidigen. Rflcklrifi Dr. Rufeisens (Von unserem Prager Korrespondenten.) h. 1. Prag, 15. Januar 1933. 111 der am S. d. M. in Mähriseh-Ostrau stattgefundenen Sitzung des zionistischen Landeskomitees gab der Landes- Vorstand mit 13r. R 11 f e i s e 11 an der Spitze seine Demission. Die Verhandlungen über die Neuwahl des Landcsvorstandes konnten nicht zu Ende geführt werden, so daß eine neue Sitzung für Mitte Februar nach Prag einberufen werden muß; bis dahin führt der bisherige Vorstand die Geschäfte der zionistischeii Organisation weiter. Die Gründe für diese Demission liegen vornehmlich in der unzureichenden finanziellen Unterstützung der zionfstischen Ortsgruppen für die Organisafionsleitung. Es ergab sich darum schon seit Jahren ein, wenn auch im Verhältnis zu den Gcsamtleistungen der Organisation nicht allzu großes Defizit, das aber von Jahr zu Jahr mitgcschleppt werden mußte und heute bereits eine bedenkliche Höhe erreicht hat. Dr. Rufeisen leitet über ein Jahrzehnt die zionistische Organisation in der Tschechoslowakei und hat in dieser Zeit beachtliche Erfolge erzielt. Die zionistische 1,andesexekutive stand vor der Autgäbe, in großen Teilen der jungen Republik, vornehmlich in der Slowakei, zionistische Erziehungs- und Propagandaarhcit vom Anfänge an zu leisten, kam mit Bevölkerungsschiditcn in Kai pathorußland in Berührung, zu denen überhaupt zum ersten Male der Ruf des Zionismus drang, stand vor der Aufgabe, in den historischen Ländern die zionistische [lewegung auszubauen und den geänderten Zeitverhältnissen anzupassen. Man kann ohne jede Uebertreibung feststelleti, daß auf all diesen Gebieten Erfolge erzielt worden sind, daß die zielbewußte organisatorische Tätigkeit des Generalsekretärs Dr. Franz Kahns die zionistische Bewegung in solide Bahnen gelenkt hat. Trotz der mannigfachen landespolilischen Aufgaben hat die Leitung unablässig im palästinoz Cufrischen Sinne gewirkt und so eine Atmosphä re geschaffen, in der sich die nationalen Fonde günstig entwickeln und immer steigende Einnahmen erzielen konnten, in der eine Clialuzbewcgung entstand, die bereits etliche hundert vortieftlieh ausgebildcter lind nützlicher Menschen für Palästina licrungebildet' hat und in der überhaupt der Sinn für reale Palästina- Tätigkeit in beachtlicher Weise sich ansgebildet hat. Die Zahl der Schekelträger ist von Jahr zu Jahr im Steigen begriffen, Beiträge für zionistische Zwecke immer zu haben, wann sie angefordert werden. Es sind zur Zeit Verhandlungen im Gange, um eine Lösung der Leilungskrise herbeizuführen, so daß der von einigen Seifen proponierte Plan, die Leitung nach Prag zu• verlegen, wohl nicht zur Durchführung gelangen wird. Jfidlsdier freiwilliger Arbeitsdienst Wie alle anderen Jugendlichen ist auch die jüdische Jugend infolge der schweren Wirtschaftskrise von dem f u r c h tbaren Uebcl der Arbeit slosi g k c i t lieiingestiehf worden, ln der ״Jüdischen Rundschau“ wird seit Jahr mul Tag darauf hingewiesen, daß die Lage der Juden in der Krise noch dadurch Rompli/ieit wird, daß. zu der a 11 g e in eine!1 Not eine spezifische Judennot zusätzlich hinzutiitt. Wir sind daher stets dafür eingetreten, daß die jüdische Gemeinschaft und ihre offiziellen Institutionen siel! ihrer Verpflichtung bewußt werden, in Werken sozialer Selbsthilfe den ■Kampf gegen die jüdische Not zu führen. Dieser von zionistischer Seite — und in der Gemeindearbeit von der Jüdischen Volkspartei — verfociitene Grundsatz stieß zunächst bei den meisten nicht/ionistischen und daher im voikspoütischen Denken ungeschulten jüdischen Gruppen auf Widerstand. Es ist jetzt gelungen, tim׳ stärkere sachliche Beschäftigung mit diesen Problemen, die sich ja heute fast von seihst aufdrängen, in der jüdischen ()cffcntlichkeit durch/usetzen, mit dem erfreulichen Ergebnis, daß die von uns vertretene Auffassung immer mehr an Boden gewann. Wir haben im jüdischen Leben nicht oft Gelegenheit zu so ha r m onischer Zus a m in e n a r b e i t, wie sie sich in der letzten Zeit auf manchcn Gebieten der sozialen Fürsorge zwischen Zionisten und Nichtzionisten, ja ausgesprochenen Aniizionistcn, entwickelt hat. Mag man nun aus mehr charitativer oder mehr nationaler Einstellung an die Dinge hcrangehen, man versteht, daß ohne Rettung des jüdischen Menschen die künftige Existenz der jüdischen Gemeinschaft gefährdet ist. Soziale Arbeit ist Arbeit an der S11 bsta nz des Volkes, ist in der heufigen Zeit aus individuellen ebenso wie aus kollektiven Gründen erforderlich, und die Anerkennung moderner sozialpolitischer Methoden wird auch immer mehr zum Gemeingut insbesondere der jüngeren Generation, der sich in den meisten Füllen die ältere willig anschließt. So begegnen sich auf diesem Gebiete Menschen sonst verschiedener (irtmdeinsfelhmg. Ein Bild solcher jüdischen sozialen Tätigkeit erhielten die Vertreter der jüdischen [kesse am letzten Sonntag bei einer Besichtigung des jüdischen freiwilligen Arbeitsdienstes im Land״ werk N e u e n <1 o r f bei Fiirstenwakle, die von der ״Hauptstelle für Waiulerfürsorge“ und der ״Zentralwohlfahrtsstelle“ der deutschen Juden für Vorstand und Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Berlin sowie für die Presse veranstaltet wurde. Landwerk Neuendorf ist ein Gut von 1500 Morgen, davon 300 Morgen Wald, das von den erwähnten Organisationen gepachtet wurde zu dem Zweck, jüdischen Arbeitern eine Stätte der Ausbildung und Betätigung in der Landwirtschaft zu gehen. Dieses Werk gelangte schon während seiner Begründung zu einer unerwarteten Bedeutung durch die inzwischen von den Staatsbehörden geschaffene Institution des freiwilligen Arbeitsdienstes, die Gelegenheit gab, jüdische Arbeifslose mit Hilfe der staatlichen Unterstützung in der Arbeit auf dein Gute iinterzubringen. Gegenwärtig arbeiten dort etwa <)0 jüdische Arbeiter, davon über die Hälfte Angehörige־ des freiwilligen Arbeitsdienstes, die nach den geltenden Bestimmungen nur 20 (bzw. 40) Wochen im Dienst verbleiben, so daß infolge des entstellenden Turnus viele hunderte arbeitsloser Jugendlieber wenigstens zeitweise eine Arbeitsgelegenheit finden. Die Besichtigung am 15. d. M. ließ auch den landwirtschaftlichen Laien zu der Ucherzeugung kommen, daß die von Herrn und Frau Modi geleitete Land- und Hauswirtschaft mustergültig eingerichtet ist. Nach einer Führung durch'das (lut und das Haus versammelten sich die Gäste im Saale des Gutshnuses, wo unter den! Vorsitz von Alfred Berger ein Empfang stattfand, bei dem die Entstehung des Werkes geschildert wurde und Einzelbeiten über seinen Aufbau mitgcieilt wurden. Alfred Berger, der die Anwesenden herzlich begrüßte, gab seiner Freude Ausdruck, daß sich ,endlich dieses Werk in der jüdischen Oeffentlichkeit duu׳h<WM.׳t/t 11:1t, und man darf wohl hinzufügen, daß Alfred Berger seihst, dem unermüdlichen Propagandisten für eine moderne j laii-che So/ialarbeit, ein nicht unbeträchtliches Verdienst an dieser Tatsache zukommt. Redner sehen Landesverband Jüdischer ( ieriicinden und begrüßte hedi-cheii Gut die wertvollste Hilfe .־,!!g aleilien ließ. In einer län- B r 11 1! o W o y d a die Linriclnungeu. Es berührte sympathisch, als der Redner zu Bc״in11 seiner Aüdtihnnigen das Bekenntnis ablegte, daß er aus einem Gegner und Skeptiker zu einem ber und Modi für die!rauf 1 1 dann 1 ¬ז Mitte An :ammeiteil «len Appell richtete, auf die kiinfung vier ״NeuotKlorfer“ bedacht zu sein, damit diese nicht nach 20 Wochen beglückender Arbeit wieder zu beschäftigungslosem I lerumhingeri! verurteilt sind. Liiidrueksvoll und bemerkenswert waren die Worte, die Pastor Braune an die Versammlung richtete. Er begann mit einem hehräiselien Psalmwort und beglückwünschte die Initiatoren des Lar.dv.erks Neuendorf zu dem gelungenen Versuch und den großen Fortschritten. Wünschenswert sei es, so führte der Redner aus, nun auch, die Brücke zur S i e d 1 u n g zu schlagen; sei es ja durch die jüngsten Versuche erwiesen, daß der alte Geist des Volkes Israel, der es einst zur Siedlung im Heiligen Lande befähigte, noch lebendig ist. Auch der Sprecher der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Wilhelm Graetz, der die bis- ■ noch fehlende Unterstützung der Berliner Gemeinde für uendorf in Aussicht stellte, wies darauf hin, daß die Juden c Eignung für die Landwirtschaft auch in unserer Zeit in ßland, Palästina, und nun aueli in Deutschland erwiesen haben, seiner Schlußrede gedachte Berger des ersten Anregers Arbeltsnaehwei Un! r hrin der . 1s dem Arb Leiter des Gutes, He״■ Modi, um die Sache erworben haben. Man konnte das Laiuhverk 'V-uendorf nicht ohne den aufrichtigen Wunsch verlas,.,״], daß durch Einsatz.;1.Her hierzu herufenen jüdischen Instanzen dieses Werk fortgeluhrt und weiter ausgebaut werde, sowie versucht werde, neben Neuendorf noch andere Einrichtungen dieser Art zu schaffen. Man nahm den Eindruck mit, daß die jungen Menschen, die aus den versehiedensten Schichten herkommen und sich in Neucm'orf zusammenfinden, sich glücklich und wohl fühlen, ihre Arbeit mit Bcgciderung tun und daß diese Zeit für sic beruflich, charakterlich und stärkster innerer Entwicklung ist. Neuer Geist in der Wiener Gemeinde Anfriffsrede des zionistischen Kultuspräsidenten In der konstituierenden Sitzung des Kultusvorstaiides hielt der iioiJgewsähite Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann eine Ansprache, in der er zunächst der zwölfjährigen Tätigkeit des bisherigen Gemeindepräsidenten Professors Alois Pick gedachte, der ״vorbildlich mul beispielgebend seines Amtes gewaltet hat". Wenn ich heute, sagte Dr. Friedmann, den Präsidenten Professor Pick rühmend als leuchtendes Vorbild nenne, so bringe ich damit meinen ernsten Vorsatz zum Ausdruck, ihm nach Kräften nachzusfrebei! und vor allem die Objektivität seiner Amtsführung als Tradition treu zu bewahren. Der Beginn unserer Funktionsperiode fällt in eine Zeit drückender Wirtsehaftsnot, der viele jüdische Existenzen bereits zum Opfer gefallen sind und die täglich neue Opfer fordert. Wir müssen darauf bedacht sein, das schon in den letzten Jahren mühsam ausnalanc'ierte f i n a 11 7 i c 11 e (i 1 e i c h - gewicht aufrechtzuerhalten und jede Defizitenrtscha ft zu vermeiden. Jedoch das Reformwerk unserer sozialen Fürsorge wird weiter ansgebaut, die im Zuge befindliehe Winternotstamlsaktion wird mit aller Energie betrieben, die Zusammenarbeit mit der privaten Wohltätigkeit 111 noch stärkerem Maße als bisher angestrebt, die Institutionen der Fürsorgeräte vervollkommnet werden müssen. Nach dem eindeutigen, von der jüdischen Wählerschaft zum Ausdruck gebrachten Willen hat der neue l<ultnsvorstand die Verpflichtung, die seit langem aktuelle Aenderiuig der Konstitution unserer Gemeinde zu beschließen, das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht das durch Jahrzehnte Gegenstand des Streite^ der Parteien im Kultusvorstand gewesen ist, in der Wahloulmmg zu vorankern. Wir dürfen von dieser demokratischen Relorm eine Steigerung des Interesses unserer üemeindcangehörigen an den Aufgaben der Gemeinde erwarten. Der Zusammenschluß der Juden Oesterreichs in eine höhere Organisationsform, die Vereinigung der jüdischen (icineiuden zu einem mit dem Rechte und der Legitimation der Oes a m t v e r t r e t ti 11 g der J u d e n () e s t e r r e i c h s ausgestatteten repräsentativen Verbände, bilden seit 111 dir als zwei Jahrzehnten den Gegenstand vorbereitender Beratungen, ohne der Verwirklichung näher gekommen zu sein. Während in den Nachbarländtrn hei wesentlich analogen Verhältnissen die Entwicklung schon seit längerem zu einer organischen Zusammenfassung der einzelnen Gemeinden in Landesverbänden vorgeschritten ist, besteht bei uns in Oesterreich die Isoliertheit der jiidisehen Gemeinden weiter fort. Da auf der Seite der Provinzgemeinden mit ganz wenigen Ausnahmen die Bereitwilligkeit zur Schaffung eines österreichischen jüdischen Gemeindebttndes vorhanden ist, sollte nicht langer gezögert werden, diesen Verband ehestens in Wirksamkeit treten zu lassen und damit eine Rechtspersönlichkeit zu schaffen, die wir zur Durchs e t 7, u n g der k o I I c k t i v e n R echt c d e r j ii d i s c I! c n B e v ö I k c r 1!!1 g unserer Republik vielleicht schon in allernächster Zeit dringend benötigen werden. Unter diesen Rechten ist eines der bedeutsamsten der uns verfassungsmäßig zustehende Anspruch auf den Bundesbcitra״, der 1ms bisher trotz langjähriger Betreibung vorenthalten wurde und den mit allen uns nach dem Gesetze zustehendm Mitteln durchzusetzen eine der wichtigsten im Interesse der Konsolidierung unserer Gcnu'indcwirtschaft gelegenen Aufgaben des neuen Kultusvor- Standes bilden wird. Eine unserer grüßten Aufgaben ist nun die Fürsorge für unsere hcrainvachsendc Jugend. Sie ist die Zukunft unseres Volkes und unserer Gemeinde. Ihre Anhangliehkeit an die jüdische Gemeinschaft zu stärken, sie mit jiidischein Wissen zu erfüllen, sic durch die Kenntnis der hebrä-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.