Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1933)
- Date
- 1933-01-03
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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NSDAP, und tschechische Nationalsozialisten Einzelnummer 0£$ Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. F reitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Atisland&abonnements werden in der Wahrung der einzelnen Länder berechnet, Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin WlS.Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und1 Freitag nach m i 4 V h r Postscheck - Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355. Belgrad 680 32, Brüssel 39433, Budapest 596 93. Dann«: 1973, Haar 140 470, Prag 59410, Riea 4155, Strafiburg 164 30. Warschau 190708, Wien 156 030. Bank.Kontent Dresdener Bank, Depositen Kasse Berlin, Kurfüratendamm 52; Rumänische Kreditbank, Ceraauti ^Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, Nummer 1 | Berlin, 3.1. 1933 Redaktionsschluß Sonntag und Mi ttwoch nachmittag. ה׳ הבת תרצ״ג ) xxxvm. jahrg. Der Zionismus erstrebt für das JQdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•• Der erste hcbräisdie WeUhongreft im Jahre 1933 in Palästina 1 Zur Frage der Einkommensteuer ׳ in Palästina ן Von Dr, A. Ru pp in, Jerusalem. 1 ״. Theorie und Praxis der Einkommensteuer. Die Absicht der Regierung, in Palästina eine Einkommen- Vor anderthalb Jahren fand in Berlin die hebräische Konferenz statt, die den Beschluß faßte, einen hebräischen Weltbund, die Brit Iwrit Olamit, zu organisieren. Die seit jener Konferenz verflossenen 18 Monate wurden vom Zentralkomitee der Brit Iwrit Olamit dazu benützt, die hebräischen Kräfte in der ganzen Welt zu sammeln und den Boden für die Einberufung eines hebräischen Weltkongresses vorzubereiten. In diesen Blättern ist cs überflüssig, ausführlich darzulegen, wie lebenswichtig für die Erneuerung des jüdischen Volkstums und für die Erhaltung jüdischer Werte innerhalb der Judenhcit in der ganzen Welt die Organisierung der vorhandenen hebräischen Interessen und die Belebung aller auf Pflege der hebräischen Sprache, ihrer Wissenschaft, ihrer Kunst gerichteten Be- Strebungen ist. Diesen Aufgabenkreis hat die Brit Iwrit Olamit übernommen und nunmehr schickt sie sich an, in einer machtvollen Kundgebung der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit den Beweis zu erbringen, daß neben den unleugbaren Verfallserseheinungen in der Weltjudenheit auch eine starke Bewegung zur Konzentration und zur Wiederbelebung jüdischer Werte vorhanden ist. Ein weithin sichtbarer Ausdruck der hebräischen Renaissance soll der hebräische Weltkongreß sein. Seine Aufgabe besteht in erster Reihe in einer möglichst weitgehenden Zusammenfassung aller Kräfte der hebräischen Kulturbewegung, die in der ganzen Welt verstreut sind und nur durch das Fehlen einer umspannenden Organisation daran verhindert sind, die ihnen innewohnenden Energien in den Dienst des hebräischen Renaissance-Werkes zu stellen. In einer weltumspannenden Organisation zusammcngeschlossen, wird die Armee der hebräisch Lesenden, hebräisch Sprechenden, hebräisch Denkenden, die auch noch heute nach Hunderttausenden zählt, die berufene Trägerin des bedeutsamen Entwicklungsprozesses werden, der in der hebräischen Literatur, Kunst und Wissenschaft vor sich gellt und der nur durch die Schaffung der entsprechenden Resonanz Zur vollen Geltung gelangen kann. Das schwer um seine Existenz ringende moderne 11 ebräische Sch ul werk, das schon heute einen Nachwuchs von mindestens hunderttausend Kindern erzieht, wird erst in der großen hebräischen Organisation, die der Weltkongreß zu schaffen berufen ist, seine geistige und materielle Grundlage finden, die einzig und allein seinen Bestand und seine Entwickiung zu gewährleisten vermag. Ein hebräischer Kulturfonds — der Traum von Generationen — soll das Finanzinstrument der hebräischen Bewegung in all ihren Erscheinungsformen werden. Er soll als Kundgebung des jüdischen Volks willens auf diesem Kongreß ins Leben gerufen werden. Durch ihn soll die Voraussetzung geschaffen werden für die würdige Existenz der zahlreichen Stätten der hebräischen Erziehung, für das Gedeihen alles lebensfähigen Schaffens auf dem Gebiete der hebräischen Literatur und Presse, der Sprachforschung und des Theaters. Das Zentralkomitee der Brit Iwrit Olamit, welches im Dezember 1932 in Berlin tagte, faßte den Beschluß, den ersten hebräischen Weltkongreß für das Jahr 1933 nach Palästina einzuberufen. Bei dieser Beschlußfassung ging die Tagung davon aus, daß Vertretern sämtlicher hebräischer Organisationen und größerer Institutionen die Möglichkeit gegeben werden soll, am hebräischen Weltkongreß teilzunehmen und daß alle Länder des Galnth durch Delegierte vertreten sein sollen, die, an ihre Arbeitsstätten zurückgekehrt, Kunde von der in Erez Israel aufblühenden hebräischen Kultur überbringen und mit neuen! Mut die Kulturarbeit auf einer neuen gefestigten Grundlage fortsetzen An alle Freunde der hebräischen Bewegung in der ganzen Welt ergeht die Aufforderung, die Voraussetzungen für das Gelingen des Kongresses zu schaffen, in erster Reihe den Waldkörper zu erweitern, aus dem die Delegierten zum Weltkongreß hervorgehen werden. Hunderttausend Sela-Zahler im Jahre 5693 ist die Parole der in der Brit Iwrit Olamit organisierten hebräischen Bewegung. Um dieses Ziel zu erreichen, muß die Sela-Aktion sofort mit besonderer Energie einsetzen. Der Sela, der Jahresbeitrag für die Brit iwrit Olamit, dient zugleich als Wahlausweis für den hebräischen Weltkongreß. Aktives und passives Wahlrecht zum Kongreß besitzt nur derjenige, der einen Sela des Jahres 5693 gekauft hat. Alle Gruppen, alle Vertrauensleute und Gesinnungsgenossen, alle hebräischen Schriftsteller und Lehrer, besonders aber die jiidische Jugend, werden aufgefordert: Auf zur Arbeit für den ersten hebräischen Weltkongreß in Palästina! Hunderttausend Seiaim im Jahre 5693! Die Wichtigkeit dieser Parole braucht nicht unterstrichen zu werden. Wir sind überzeugt, daß der Appell des Zentralkomitees der Brit Iwrit Olamit starkes Echo und begeisterte Unterstützung finden wird. Die Steuerleistung der Jaden Palästinas J erusalem, I. Januar. (J.T. A.) Der Direktor des Statistischen Departements der Jewish Agency, D. Gure vi ch, hat festgestellt, daß die Juden Palästinas im Jahre 1930, als sie 18 Prozent der Gesamtbevölkerung bildeten, nicht weniger als 40 Prozent zu dem Einkommen der Palästina-Regierung beigetragen haben. Heute, wo sich die Zahl der jüdischen Bcvölkerung absolut und prozentual erhöht hat, hat sich auch der Anteil der Juden an dem Einkommen der Regierung absolut und relativ erhöht. Die Juden, stellt Gurevich fest, leisten 24 Prozent der Steuern, absorbieren 44 Prozent aller Postwertzeichen und leisten 75 Prozent aller Registrierabgaben für Grundbesitz. Jerusalem, 1. Januar. _(J. T. A.) Die Getreide- und Mehlkaufleute in J a f f a haben in einer Versammlung gegen die von der Regierung geplante Einführung einer Steuer auf Weizen und Mehl protestiert. Die jüdische und die arabische Handelskammer in Haifa überreichten der Regierung Protestcrklärungen gegen diesen Steuerplan. Die Handelskammern fordern, daß es bei der geltenden Steuer von 1,5 Pfund pro Tonne Weizen und 3 Pfund pro Tonne Mehl sein Bewenden haben soll. Die Handelskammer in Nablus forderte in einem Telegramm Reduzierung der Steuer im Interesse der Armen. Jerusalem, 1. Januar. (J. T. A.) Zu Ehren der gegen- "artig in Palästina weilenden Frau Frieda Warbu rg , Gattin von Felix M. Warburg und Tochter von Jacob Schiff, fand ein Empfang in Form eines Chanukkah-Tecs statt, an dem mehr als 300 führende jüdische PciVk.lichkeiten, unter ihnen Nahum S o k o I o w, Miß Henrietta S z o 1 d , Dr. Chaim Arlosoroff und David Yellin, teilnahmen. Dr. J. L. Magnes zündete die Chanukkah-Lichter an und sprach das Chanukkah-Gcbet. Im Verlaut des Abends hielt Frau Frieda Warburg eine Anspräche an die Versammelten, in der sie dem Jischttw die Grüße □er amerikanisch-jüdischen Frauen überbrachte und sich bewundernd über den Optimismus äußerte, von dem der Jiscliuw beseelt ist. Jer}lsale!n> 1. Januar. (J. T. A.) Führer der transjordanischen Araber haben der Regierung Transjordaniens ein Memorandum unterbreitet, in dem die Aufhebung des Gesetzes betreffend Verbot des Verkaufs von Boden an Fremde (Juden) pordert wird. Ein gleiches Memorandum wurde dem trans- Ktcianischen Herrscher, Emir Abdullah, unterbreitet. Das Munfzipalitätengesetz J e r u s a I e m, 1. Januar. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung teilte den Bürgermeistern der palästinensischen Städte mit, daß sie entschlossen sei, das neue Munizipalitätengcsctz in Kraft zu setzen, auch wenn die Munizipalitäten selbst in ihrer Weigerung, der Regierung ihre Bemerkungen über das Gesetz zu unterbreiten, verharren sollten. Der Termin zur Unterbringung dieser Bemerkungen lief Ende Dezember 1932 ab. Sollten irgendwelche Korrekturen an dem Gesetz sich als notwendig erweisen, so werden sie im Verlauf der Zeit vorgenommen werden. In aller Kürze Jerusalem, 30. Dezember. (J. T. A.) Im Monat N 0 - vember 1932 sind 1329 Personen, unter ihnen 1192 J u - den, in Palästina eingewandert. Von den eingewanderten iuden fallen 111 in die Kategorie der Einwanderer'mit eigenen Mitteln (Kapitalisten). Jerusalem, 1. Januar. (J.T. A.) Mehr als 21 000 jüdische Arbeiter Palästinas haben an den Wahlen von Delegierten zur Konferenz der Föderation jüdischer Arbeiter Pa• lästinas (Histadruth Haowditn) teilgenommen, d. s. 73 3<> der über 29 000 Wahlberechtigten. Die von Ben G u r i o n geführte vereinigte jüdische Arbeiterpartei erhielt mehr als 80 00׳ der Stimmen, der Rest der Stimmen entfiel auf Haschomcr H a z a i r und P o a 1 e Z i o n, Bei den letzten Wahlen im Jahre 1926 hatten sicli 17 189 Arbeiter an den Histadruth-W/at11cn beteiligt. Jerusalem, 1. Januar. (J. T. A.) Aus Anlaß des Besuches des Präsidenten Nahum Sokolow in Haifa und des 60. Geburtstages von Chaim Nachinan B i a 1 i k hat der Stadlrat von Haifa beschlossen, eine Straße der Stadt als ,,Nahum- Straße“ und eine andere in ״Nachman-Straßc“ zu benennen. Jerusalem, 29. Dezember. (J.T. A.) Die Palästina-Regierung wird den von ihr im Gebiete des Haifaer Hafens für Staatszwecke reklamierten Boden als S t a a t s d o m ä n e behandein und vom Boden-Departement verwalten lassen; keineswegs werde dieser Boden einer privaten Körperschaft zur Entwicklung überlassen werden. Der reklamierte Boden wird nach Aut- Stellung des neuen Stadtplanes zur Vermessung gelangen, in Grundstücke geteilt und einzeln verpachtet werden. Einen ansehnlichen Teil dieses Bodens benötigt die Regierung für den Bau eines Zolidepartements. Man nimmt an, daß eine Anzahl bedeutender Geschäftshäuser Angebote auf langfristige Pachtverträge für Baugelände am Haifaer Hafen einreichen wird. Steuer einzuführen, ist im Jiscliuw auf starken Widerstand gestoßen. Es wird zwar nicht verkannt, daß in der Theorie die Einkommensteuer vor anderen Steuern viele Vorzüge hat, weil sie sich der Steuerfähigkeit des Steuerpflichtige״'besser anselnniegt als andere Steuern. Die Einkommensteuer macht es möglich, das gesamte Nettoeinkommen des Steuerpflichtigen zu erfassen (nach Abzug aller Ausgaben, die zur Erzielung seines Einkommens notwendig sind) utid außerdem auf gewisse persönliehe Verhältnisse des Steuerpflichtigen, z. B. 'Zahl seiner Kinder oder auf die Art seiner Einnahmequellen (Einnahmen aus Vermögen oder aus gewerblicher Beschäftigung) Rücksicht zu nehmen. Aber diesen theoretischen Vorzügen der Einkommensteuer steht gegenüber, daß die Höhe des Einkommens leicht fest/ustcllen ist. Bei der eine Vermögensobjt lerobjekt vor aller Au״ lieh sicher'abg idiätzt mit ander , Hin or der ו derselben Art z :: das egt kommen des Steuerpflichtigen, das die Grundlage für die Festsetzung der Einkommensteuer bildet, nicht ein sichtbares Objekt, sondern ein Komplex von vielen sichtbaren und unsichtbaren Objekten. Für die Beamten, die mit der Abschätzung des Einkommens einer Bevölkerung betraut sind, ist es so gut wie unmöglich, ihre Aufgaben zu erfüllen, wenn sie nicht durch die eigenen Erklärungen der Steuerpflichtigen dafür die Grundläge bekommen. Ob und wie weit aber der Steuerpflichtige bereit ist, wahre Angaben zu machen und keinen Teil seines Vermögens zu verheimlichen, hängt von der Steuermoral der Bevölkerung ab, d. h. von dein Grade, in welchem sie sich bereits zu dem Bewußtsein dtirchgcrungcn hat, daß Staatsbürger verpflichtet sind, ohne Rücksicht auf ihren persönlichem Vorteil, in gerechtem Maße zu den Ausgaben ihres Landes beizutragen. Es hängt auch davon ab, ob die Bevölkerung bereits eine solche wirtschaftliche Bildung hat, daß sie über ihre jährlichen Einnahmen und Ausgaben Rechnung führt und darüber genaue Angaben zu machen imstande ist. Sowohl in bezug au! die Steuermoral als in bezug auf die wirtschaftliche Bildungsstufe ist es sehr zweifelhaft, ob Palästina die notwer.digen Voraussetzungen für die Einführung einer Einkommen- Steuer erfüllt. Dies gilt vielleicht in geringerem Maße für die cingewanderte Bevölkerung, da die meisten Einwanderer von ihren europäischen Herkunftsländern her an eine Einkommen- Steuer gewohnt sind und als Kaufleute und Industrielle die wirtschaftlichen Kenntnisse haben, die ihnen einen Ueberblick über ihre jährlichen Einnahmen und Ausgaben ermöglichen. Dagegen ist die einheimische Bevölkerung noch aus den Zeiten der türkischen Herrschaft her, in denen in räuberischer Weise Steuern eingetrieben wurden, geneigt, in jeder Steuer eine feindselige Maßnahme der Regierung zu erblicken. Ferner ist ein sehr großer Teil der Steuerpflichtigen in Palästina, das erst in den Anfängen der kapitalistischen Wirtschaft stellt, gar nicht in der Lage, sein Nettoeinkommen genau atmigehen und zwisehen den Ausgaben für den persönlichen Bedarf, die Steuerpflichtig sind, und den gewerblichen Ausgaben, die nicht Steuerpflichtig sind, zu unterscheiden. Es muß deshalb damit gereclinet werden, daß die Angaben, die die Steuerpflichtigen machen, zu einem großen Teil der Wahrheit nicht entsprechen. Auf diese Weise wird der Wahrheitsliebende Schaden, der Unwahrhaltige Vorteil haben. Gladstone hat seinerzeit die Einkommen- Steuer für England mit der Begründung bekämpft, daß sie das englische Volk zu einem Volk von Lügnern mache. Dieser Fehler kann in den meisten Fällen auch nicht durch die Kontrolle der mit der Einschätzung betrauten Regicrungskoinmission korrigiert werden. Es kommt hier noch hinzu, daß der zurzeit in Palästina zwischen Juden und Arabern bestehende Gegensatz den Steuerpflichtigen der einen Nationalität Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit jedes Steuerbeamten der anderen Nationalität eiuflößen und ihn veranlassen wird, ihm so wenig wie möglich Angaben zu machen. Bei dieser Sachlage ist nach unserer Meinung Palästina für die Einführung einer Einkommensteuer noch nicht reif. Es trifft liier das zu, was der deutsche Nationalökonom Popitz in bezug auf die Einkommensfeuer gesagt hat: ״Die Einkommensteuer mag begrifflich gewiß als die gerechteste aller Steuern erscheinen, aber bei ihr wie bei keiner anderen Steuer sollten die Schwierigkeiten einer richtigen Ausgestaltung in rechtlicher, technischer, verwaltungsmäßiger und psychologischer Beziehung vor Ueberschätzung warnen. Die theoretisch größte G er c c h t i g k e i't k an n s i c h in der praktischen Auswirkung leicht in g r ö fl t e Ungleichmäßigkeit wände! n.“1) Ebenso betont der englische Nationalökonom G. D. H. Coie trotz seiner sozialistischen Grundauffassung in seinem eben erschienenen Buche2), daß ,,Einkommensteuern nur in denjenigen Ländern in richtiger Weise erhoben werden, welche eine gewisse Höhe der wirtschaftlichen Entwicklung erreicht haben. Großbritannien versuchte es zum ersten Male mit der Einkommensteuer während der Napofeonisclien Kriege, aber die Steuer war so unpopulär und so schwer einzuziehen, daß sie bald nach den Kriegen wieder abgeschafft und erst 1S42 wieder eiiigcführt wurde. Die Bundes-Einkommcnsfeuer in den Vcreinigten Staaten datiert erst vom Jahre 1913. ln Frankreich wurde sie auch erst 1916 eingeführt — als Folge der hohen Kriegsaiisgaben. Die Einziehung der Einkommensteuer ist bis jetzt in Frankreich viel mangelhafter als in England und den Vereinigten Staaten. Es dauert lange Zeit, den Apparat zur Ein- Ziehung der Einkommensteuer zu vervollkommnen. Unter den amerikanischen und noch mehr unter den französischen Steuer- :hier!! besteht eine starke Abneigung gegen die notwendige Nachforschung i:1 ihr Einkommen. Die Einkommensteuer in Frankreich unzweifelhaft in großen! Umfange umgangen ׳ird 1) Handwörterbuch der Staatswissenschaffen, Band 3, S. 404, Jena 1926. 2) The Intelligent ManV Guide through World Chaos. P, 460, London 1932.