Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 104 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Wirbel der Geschichte Rückblick au! 1937 - Was bringt uns die Zukunft? - Jüdisches Aktionsprogramm Es ist eines der Kennzeichen für die Lage der Judenheit, daß sie •durch ihre Zerstreuung über alle Weltteile mit dem Leben und den Schicksalen der Völker, in deren Mitte sie existiert, verknüpft ist. Unabhängig davon, in welchem Grade das jüdische Selbstbewußtsein erwacht ist und wie groß der Bezirk des jüdischen Eigenlebens i!st, besteht die Tatsache, daß wir Juden von den allgemeinen Vorgängen politischer und wirtschaftlicher Art, die in der Welt bestimmend sind, mitbetroffen werden. Aus diesem Grunde gibt der Ablauf eines bürgerlichen Jahres auch uns Veranlassung zum Nachdenken, zürn Rückblick auf das, was geschah, und zur Fragestellung nach der Zukunft, die sich unbekannt vor ums ausbreitet. Unser Schicksal als Juden ist in besonders starker Art von den allgemeinen Wellenbewegungen der Geschichte abhängig. Einerseits erleben wir als Angehörige staatlicher Organisationen deren Schicksal in vollem Maße, nehmen teil am Auf und Nieder des Völkerlebeus, andererseits sind wir in eine eigene jüdische Geschichte hincingestellt, die nach besonderen Gesetzen abzulaufen scheint. Dies hat eine erhallte Empfindlichkeit der Juden für das geschichtliche Geschehen zur Folge gehabt. Wir sind so etwas wie die ״Scismographen“ der Gesell ich te, die auch die feinsten Schwankungen und Stöße registrieren, ja vielleicht auf Grund der Summe an historischen Erfahrungen mannigfaltiger Art, die wir gesammelt haben, beinahe im voraus das kommende Geschehen zu ahnen vermögen. Politik und Wirtschaft in der Welt Das Jahr 1937 w׳ar in der Tat kein Jahr der Ruhe und der langsamen, friedlichen Entwicklung in der Welt. F.s ist hier nicht der Ort, um eine genaue Uebersicht über die tief eingreifenden Ereignisse zu geben, die diesem Jahre ihren Stempel aufdrückten und durch die starken Bewegungen historischer Kräfte auch für das jüdische Volk Bedeutung haben. Wir erwähnen nur einige Hauptzen- Wenden wir uns nun nach diesem kurzen Blick auf die allgemeinen Vorgänge des Lebens der Situation des jüdischen Volkes zu, so wird diese durch ein Moment charakterisiert: 1937 wird in die jüdische Geschichte als das Jahr des Pecl-Berichtes mit seinem Vorschlag der Teilung Palästinas und der Errichtung eines jüdischen Staates eingehen. Gewiß kann heute noch nicht übersehen werden, ob und wie dieser Vorschlag verwirklicht werden wird, dennoch aber bedeutet er ohne jeden Zweifel nicht mir eine neue Epoche in der Geschichte Palästinas, sondern auch in der des jü- ,dischen Volkes, da die Grundgedanken des Peel-Berichtes in ihrer welthistorischen Bedeutung nicht mehr aus der Diskussion verschwinden werden. Zu Beginn des Jahres 1937 verhandelte die Königliehe Kommission noch in Palästina; nachdem die Araber den Boykott der Kommission aufgehoben hatten, kam es zur Vernehmung der arabischen Führer und insbesondere des Mufti. Die Kommission verlegte ihre weiteren Beratungen sodann nach London, wo neben einer Reihe englischer Politiker auch Jabotinsky vernommen wurde. Bereits Anfang April sickerten die ersten Gerüchte über einen Teilungsplaii für Palästina in der Oeffentiichkeit durch, doch wurde erst am 7. Juli der Peel-Bericht mit einer gleichzeitigen Regierungserklärung, in der sich die englische Rcgierung seine Vorschläge zu eigen machte, veröffentlicht. Die Behandlung der Angelegenheit verlief dann weiter so, daß zunächst irn englischen Ober- und Unterhaus eine Diskussion stattfand mit dem Ergebnis, daß die britische Regierung zur Fortführung der Verhandlungen freie Hand erhielt. Die Mandatskommission des Völkerbundes war die nächste Station der Erörterung; die Kommission sprach sich für den Grundgedanken des Berichtes aus, forderte aber eine ״Lehrzeit“ für die beiden zu errichtenden Staaten. Im September folgte eine ausführliche Diskussion des Peel - Berichtes im Völkerbundsrat, der gleichfalls den britischen Vorschlag prinzipiell akzeptierte, seine endgültige Stellungnahme jedoch von dem Bericht einer weiteren Kommission abhängig machte, die England zur genaueren Festlegung des Teilungsprojektes entsenden soll. Diese Kommission ist bis jetzt noch nicht ernannt worden, es scheint jedoch, daß die Ernennung erfolgen wird. Inzwischen fanden in Zürich im August die Tagungen des Zionisten Kongresses und des Council der Jewish Agency statt. Der Kongreß gab der Exekutive unter Führung von Dr. Wcizmann, die unverändert wiedergewählt wurde, nach langen Debatten die Möglichkeit zu weiteren Verhandlungen mit der britischen Regierung, und auch die Jcwisli Agency schloß sich mit einigen Modifikationen diesem hei 11 utnkamnftcn Beschluß an. Dennoch endete damit nicht die innerjüdische Diskussion über das Teilungsprojekt, und die Agitation der sogen. ״Neinsager“, die sich aus verschiedenen Gründen gegen den Plan der Teilung zusammenschlossen, wurde weiter lebhaft tortgeführt. Die Unruhen in Palästina In Palästina selbst begann das Jahr 1937 mit einer Zeit der verhältnismäßigen Ruhe, die ja Vorbedingung für die Arbeit der Königlichen Kommission war. Im März wurde diese Ruh« von einer neuen Terror welle abgelöst. Während des Sommers folgte wiederum eine Periode der Ruhe, bis dann Ende August neue schwer« Terrorakte «insetzten, die mit geringen Unterbrechungen bis heute andauern. Nachdem der britische Distriktskommissar von Nazareth, Andrews, von Terroristen ermordet worden war, entschloß sich die Regierung zu einem scharfen Kurswechsel. Sie löste das Oberste Arabische Komitee auf, entkleidete den Jerusalemcr Mufti seiner politischen Aemter und verhaftete eine Reih« prominenter arabischer Führer, soweit sic sich nicht durch Flucht der Verhaftung entzogen hatten, um sie nach den Seychellen zu deportieren. Mitte Oktober floh der Mufti nach Syrien. Nach weiteren schweren Attentaten und nachdem neue Männer mit der Leitung der Palästina-Polizei betraut worden waren — zum Leiter der Polizei wurde Major Saunders, zu seinem Berater Sir Charles Tegart ernannt —, traten am 18. November nach einem besonders schweren Attentat bei Kirjath Anawim Militärgerichte in Aktion, die für die hauptsächlichsten Terrorverbrechen die tren der Ereignisse, um den Rahmen abzustecken, in dessen Grenzen sich auch das jüdische Geschehen abspieite. Die Spannungen im westlichen Mitteln! e er, die bereits im Jahre 1936 infolge des spanischen Bürgerk r i e g e s entstanden waren, hielten an und nahmen zeitweise Dimensionen an, die für die Erhaltung des Weltfriedens äußerst bedrohlich waren. Auch am Ende dos Jahres ist dieses Problem noch nicht aus der Welt geschafft. Im östlichen Becken des M i 11 c I 111 e e r s und in seinen Rand- und Nachbargebieten verlief das Jahr ebenfalls nicht glatt, wobei die Vorgänge in Palästina im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit standen. Ucberschattet wurden jedoch diese Konflikte durch die Ereignisse in Ostasien, seitdem im Juli der Konflikt zwischen Japan und China zum Ausbruch gekommen war, ein Ereignis, das möglicherweise der Beginn oder das Vorspiel einer völligen Umwälzung unseres weltpolitischen Fildes seid mag. Und während so die Zahl der Konflikte nicht abgenommen hat, ergab sich als ihr Spiegelbild eine w e i - tere Minderung der Autorität und Bedeutung des Genfer Völkerbundes, der nicht imstande war, in irgendeinem der vorhandenen wichtigen Fälle wirklich schlichtend und Frieden stiftend einzugreifen. Auch äußerlieh ist diese Minderung in der Geltung Genfs bekanntlich zu sichtbarem Ausdruck gelangt. Während so auf dem Feld« der Politik teils die Waffen angerufen, teils diplomatische Kriege geführt wurden, wird das Bild der wirtschaftlichen Entwicklung der Welt durch die weiter fortschreitenden Rüstungen der meisten Staaten und die damit verbundene Rohst offko 11 junktur charakterisiert. Dennoch darf man nicht übersehen, daß im Rahmen dieser Konjunktur erhebliche Schwierigkeiten vorhanden sind, die darauf hisideuten, daß das Gefüge der Weltwirtschaft schwache Punkte 'aufweist. Wir erinnern in diesem Zusammenhänge an den Börsenkrach in New York, der große Verluste infolge sehr starker Kurseinbrüche brachte. Aber auch anderswo ging es nicht ohne Schwierigkeiten ab; hinzuweisen ist auf Frankreich, dessen finanzpolitische Sorgen zu einer weiteren Abwertung des Franc führten und immer noch nicht behoben sind. Todesstrafe androhen. Bisher wurde ein Todesurteil an einem arabischen Scheich vollstreckt. In den letzten Wochen des Jahres wurde insbesondere im Norden des Landes eine starke militärische Tätigkeit entfaltet, um die Banden zu vernichten, und es scheint, daß hierbei erhebliche Erfolge erzielt worden sind. Das arabische Lager Werfen wir einen Blick auf die Situation auf der arabischen Seite, so fällt auf, daß die arabische Hai- Hing nicht einheitlich war. Zeiten einer gewissen Verhandhingsbereitschaft wie z. B. bei dem Erscheinen vor der Königlichen Kommission und bei der späteren Entsendung einer Delegation nach London wechseln mit Perioden der Unnachgiebigkeit ab. Die Beseitigung des Obersten Arabischen Komitees und die Uebernalime der Verwaltung der Wakfgelder, die ihm bisher praktisch zur Verfügung gestanden hatten, durch die Regierung war ohne Zweifel ein schwerer Schlag für die arabischen Nationalisten. Es gelang ihnen nicht, eine Ersatzkörpcrschaft in Palästina zu bilden, und auch der Mufti scheint von seinem Exil im Libanon aus keinen besonderen Einfluß gewonnen zu haben. Es gab zwar noch vor der Auflösung des Komitees einen großangelegten Versuch, die gesamten panarabischen Kräfte in den Dienst der Palästinasache zu stellen — wir meinen die panarabische Konferenz in Bloudari aber ein besonderer Effekt scheint aus all diesen Versuchen nicht entsprungen zii sein. Dazu trägt bei, daß die arabischen Staaten selbst schwere politische Sorgen haben; in Aegypten sind die innerpolitischen Spannungen außerordentlich stark, das gleiche gilt vom Irak, und Syrien hat infolge des Sandschakkonfliktes eine nicht ganz einfache Situation zu bewältigen. Allerdings muß man als Kehrseite dieser Tat- Sachen in Rechnung stellen, daß mangels eines entschiedeneren Einflusses von außen die terroristischen Gruppen, die zahlenmäßig klein sein mögen, in Palästina das Heft der Entwicklung weitgehend in der Hand behalten haben und dadurch die Lage praktisch verschärften. Aus der palästinensischen Beamtenschaft im Laufe dieses Jahres sind eine Reihe wichtiger Veränderungen in der P a 1 ä s t i n a ve r w a 11 u n g durchgeführt worden. Wir erwähnten bereits die Veränderungen in der PoiizeiverwaItung nach dem Abgang des Polizeikommandanten Spicer. Als wichtigstes ist in diesem Zusammenhänge die Resignation von High Commissioner Sir Arthur Wauchope zu erwähnen, der im Februar aus seinem Amt ausscheiden wird. Zu seinem Nachfolger wurde Sir Harold Mac Michael, der bisherige High Commissioner von Tanganyika, ernannt. Auch im Chefsekretariat der Regierung ist eine Veränderung eingetreten, nachdem Hathorn Hall zum Residenten von Sansibar ernannt worden war. Sein Nachfolger im Amte ist ßattcrshill. Im militärischen Oberkommando trat bereits im Sommer eine Veränderung ein. Generalleutnant Dill, der die militärische Expedition des vergangenen Jahres geleitet hatte, wurde von Generalmajor w'aveli abgelöst, dem Anfang des neuen Jahres General R. H. Haining nach folgen soll. Auch in anderen Zweigen der Verwaltung sind erhebliche Veränderungen und Verjüngungen eingetreten. Das Ein Wanderungsproblem ln engem Zusammenhänge mit der Entwicklung der politischen Fragen in Palästina steht das Problem der Regulierung der Einwanderung. Auf diesem Gebiete gab es im abgelaufenen Jahre erhebliche Konflikte. Als Mitte Mai von der Regierung für die Zeit von April bis Juni nur 779 Arbeiterzertifikate gewährt wurden, lehnte die Exekutive der jewish Agency die Annahme der Zertifikate mit Ausnahme derjenigen, die für Juden aus Deutschland bestimmt waren, ab, so daß die Regierung sieh entschloß, die Zertifikate seihst zu verteilen, fm Herbst führte die Regierung sodann auf Grund der Alternativ- Vorschläge des Peel-Berichtes, die für den Fall, daß es zu keiner Teilung käme, gemacht worden waren, für die Periode von August 1937 bis März 1938• ein sogen, ״politisches Maximum“ der Einwanderung ein, das mit 8000 Ein- Wanderern aller Kategorien für diesen Zeitraum festgclegt wurde. Es gab über diese Frage vor den Instanzen des Völkerbundes wie auch im britischen Parlament erhebliche Auseinandersetzungen, deren Ergebnis war, daß die Regierung erklärte, die in Frage kommende Verordnung bedeute noch keine Vorwegnalmi« der weiteren Beschlüsse auf diesem Gebiete für die Zeit nach dem 1. April des kommenden Jahres. Palästinas Wirtschaftslage Die wirtschaftliche Entwicklung Paiästi• nas im Jahre 1937 stand naturgemäß ganz und gar unter dem Einfluß der politischen Diskussionen und des mit ihnen verbundenen Zustandes der Ungewißheit. Infolge der Zuriickhaltung des Kapitals, verbunden mit dem Rückgang der Einwanderung von Menschen und Mitteln verstärkte sich die Depression weiter, wozu 110dl kam, daß aus ganz anderen Ursachen in der Zitruswirtschaft erhebliche Schwierigkeifen zu überwinden waren. Ganz .besonders auf dem Gebiete des Bauwesens und der Industrie wurden diese Sorgen deutlich, aber auch z. B. in der Landwirtschaft traten manche Mängel und Probleme wieder hervor, die von jeher bestanden, aber in der Prosperity-Periode kaum beachtet wurden. Dennoch kann inan feststellen, daß sich die Wirtschaft Palästinas in ihrem jüdischen Sektor als Ganzes erheblich krisenfest gezeigt hat, und daß ein Zusammenbrueh größerer Komplexe vermieden werden konnte. Die Arbeitslosigkeit hält sieh in erträglichen Grenzen, wenn auch besonders die Lage weiter iiiittclstiiiidischcr Kreise recht kompliziert ist. Man darf aber nicht übersehen, daß trotz dieser Depression erhebliche L 111 w i c k 111 n g e n a u f wirtsc 11 a f tli chem Gebiet erfolgten. Wir erwähnen z. B. die Gründüng einer großen Reihe auch politisch-strategisch wichtiger Sicdlungspunkte in verschiedenen Teilen des Landes, die Gründung der Siedlungsgesellschaft ״Pasa“ durch die Jewish Agencv, den weiteren Aushau des Tel Avivcr Hafens, der jetzt die erste normale Oratigensaisnn bewältigt und in( kurzer Zeit auch für den Passagierverlu-br geöffnet werden wird, den Bau eines neuen Ruthenberg-Kraftwerkes bei Tel Aviv, die baldige Inangriffnahme des Tel Avivcr Strandrcgulierungsprojektes, den Uebcrgang der Hule-Konzession aut die Etnka unter Beteiligung des Keren Kajemeth und ihre Sanktionierung durch die Regierung und die Eröffnung der Ludwig Tiet/-Schule in Jagur zur handwerklichen Ausbildüng jugendlicher Einwanderer aus Deutschland, uni nur einige wenige besonders markante Dinge herauszugreifen. Auch die Eröffnung der neuen Nord-Siidstraße von Tel Aviv nach Haifa ist in diesem Zusammenhänge zu nennen, hat sie doch gerade für den Orangentransport größte Bedeutung. Mit Hilfe der verschiedenen Aktionen zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit, die von der Jewish Agency und der Arbeiterschaft unternommen worden sind, wurden besonders auf dem Gebiete des Straßenimd Wohnungsbaues bleibende Werte geschaffen. Die arabische Wirtschaft des Landes leidet naturgemäß unter den politischen Ereignissen sehr schwer. Der lang anhaltende Streik des vergangenen Jahres hat die Reserven erschöpft, und dazu kommt, daß der innere Terror und die Gcldforderutigen der Terroristen bei den wohlhallenderen Kreisen diese nicht nur eiiigesclüiehtert, sondern auch ihre wirtschaftliche Aktivität gelähmt haben. Ohne Zweifel wird das Problem der arabischen Wirtschaft in dem Augenblick, in dem wieder ruhigere Zustände in das Land einziehen, auch von unserer Seite aus eine ernste Würdigung verlangen. Die zionistische Bewegung Die zionistische Rewcgung in der Welt stand naturgemäß ganz; unter dein Eindruck der politischen Palästinaercignisse, denen in erster Linie, wie bereits erwähnt, auch das Interesse der Züricher Tagungen des Kongresses und der Jewish Agencv galt. Auch eine Sitzung des Aktions-Co mit es, die im April in Jerusalem stattfand, beschäftigte sich in der Hauptsache hiermit. Daneben beging man in diesem fahre während des Kongresses das Jubiläum der Erinnerung an den I. Ko״ r reß in-Basel, der vor 40 (aliren stattgcfiindrn hatte, mit einer sehr cindrucksvollen 'Feier. Auch die Zionisten in Deutschland gedachten in diesem Jahre des 40jährigen Bestehens der Z. V.f. I). Ein weiteres Jubiläum wurde in Amerika gefeiert, wo die große und verdienstvolle zionistische Frauen- Organisation ״Hadassah“ '25 Jahre bestellt. In diesem Zusammenhänge muß noch ein Blick auf die Lage in U. S. A. geworfen werden. Dort beschloß eine große Paiästinakonferenz in Washington Anfang des Jahres die Durchführung eines 4';-Millionen-Drives für die Palästina- Arbeit. Eine Reise von Dr, Wcizmann nach Amerika, die in dieser Hinsicht und auch unter politischen Gesichtspunkten geplant war, kam leider nicht zustande. Auch die Tagung des Council der Jewish Agency in Zürich wurde von USA. aus stark beeinflußt, spiegelten sich doch in den Züricher Debatten gewisse Gegensätze, die im arnerikanischen Judentum bestehen und dort ein Hemmnis für die Durchführung der gemeinschaftlichen Aufgaben darstelien. Der Tod von Felix M. War bürg, der eine wirklich führende Gestalt des amerikanischen Judentums darstelltc und manche Gegensätze überbrücken konnte, gewinnt um so schmerzlichere Bedeutung. Eine Tagung der Kenessio Ge da 1110 der Agudas Jisroei in Marienbad beschäftigte sich auch in der Hauptsache mit dem PaMstinaproblem, Die Juden in Deutschland Wenn wir unsere Blicke nunmehr der Lage unserer engeren Gemeinschaft, der Juden in Deutschland, zuwenden, sc müssen wir fcststelien, daß im ahgelaufenen. Jahr die bereits früher cingdeitcten Entwicklungen weiter fortgesetzt wurden. Die Auswanderung, ihre Vorbereitung und Durchführung, stand im Vordergrund des Interesses aller jüdischen Kreise, wobei sich naturgemäß infolge der wachsenden Ueberalterung der hier zurückgebliebenen Juden und der Schwierigkeiten in zahlreichen Eimvanderungsliindcrn zusätzliche Probleme ergaben. Zu ihrer Bewältigung wurde eine Zentralstelle für Aus vanderungsfragen bei der Reichs- Vertretung gebildet. Der Prozeß der wirtschaftlichen Ausgliederung, der sich in der Liquidation oder im Verkauf zahlreicher Unternehmungen offenbart, schritt weiter fort. Ferner ist die Einführung der Rassengesetze in Obcrsehledcn nach dem Ablauf der Genfer Mindcrhciten-Konvention zu erwähnen, sowie die Verfügung, daß Juden zur Doktorprüfung an üeutsehen Hochschulen nicht mehr /!!gelassen werden. Das Jahr des Peel-Berichtes