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Jüdische Rundschau · 1937-12-14 · Heft 99 (14.12.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 99 (14.12.1937)
Date
1937-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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IMPPWnP 9ו9י »■!למממ״״ל, 1!!״״uu■... ,״, ..׳... ...׳-, ....■. m.m:■.....ä!...l-,j. (.u.,r :י, « ,,,,!. .. Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 99, 14. XII. 1937 Von der Woche In Haifa wurden am Sonnabend zwei Araber ange* schossen. Der eine von ihnen starb. Es handelt sich um den Landbesitzer Scheich Mamud el Katab. Der andere Araber war ein Polizist; seine Verletzungen sind nicht schwer. Der Attentäter wird als ein Araber beschrieben. Auf ’drei jüdische Regicrimgsbcamtc, die sich unterwegs nach dem Amt im Musara-Viertel in Jerusalem befanden, wurde von einem Araber eine Bombe geschleudert, die nicht zur Explosion kam. Der Attentäter ergriff die Flucht. Im Musara-Vicrtel in Jerusalem wurde eine Bombe in das Haus von Scheich Jawdat Ansary geworfen, der kürzlich bereits vor der Omar-Moschee einem Angriff ausgesetzt war. Von der Polizei wurden zwei Araber verhaftet. Die militärische Aktion in den Bergen um Safed und Akko, bei der die Truppen von Flugzeugen unterstützt werden, wurde wieder aufgenommen. Zweck der Aktion ist es, der Freischärler habhaft zu werden. Britische Truppen haben in einem Dorf in der Nähe von Nazareth ein Haus dem Erdboden gleichgemacht, weil sich in seiner Nähe vor kurzem «in Angriff auf einen Autobus ereignet hatte. Mr. K e i t h - R 0 a c 11, der!uwrnanntc Distriktskom* missar von Jerusalem, ordnete an, <laf! alle Tore der Alt- Stadt, mit Ausnahme des Jaffa- und Dem■:•!ais-Tores, von 5 Uhr nachmittags bis 3 Uhr früh geschlossen werden. Die Regierung beriet eine Versammlung der arabischen Dorfvorstelicr im Distrikt Dschenin ein, um mit ihnen über die Beruhigung des Distrikts zu beraten. Die arnbiM'he Zeitung ״Islnmia“ führt aus, es bestehe gar kein Zweitel, 11 all die b׳•irische Rcg׳e־u1׳ : d״n!,!an der Teilung Palästinas atisluhrcn werde, 11ml!neblet, (Tr erste Schritt zur Verwirklichung des Planes werde n i c.h t s p a - ter als im Mär/ 11)'iS unternmn inen \v: ul׳•׳!. I )i־ y'lbe Zeitung berichtet, da 13 der arabhclte Te/ror ini'D;;׳' mi'itä• rischer Aktionen der (iren/patrouillen eriie'1'1 di i in bückgang begriffen sei, und tilgt hinzu, König Ihn Sauds neu־ trale Haltung gegenüber der läge!!1 PVastina sei von Großbritannien emsclie!dem! beemilulSt. worden. ln B a s r a (Irak) fand eine antizionistische De Monstra• tion statt. Audi vergangene Woche fand keine Stadtrats-Sitzung in Jerusalem mangels einer btschliißlähigc״ Anzahl von Stadtraten statt, da sich die arabischen Stadtriitc weigerten, an Sitzungen teil/um 11i1h;1, solange nicht die jüdischen Mitglicder ihre Stimme zugunsten einer Weiterzahlung des Gchaltes an Dr. K11.:11 di, den früheren Bürgermeister von Jerusalem, abgeben. Generalmajor W a v e 11, Chefsekretär der Regierung B a 11 c r s h i I I, hohe Regie׳ungsheamte und Armee-Offiziere sowie das Mitglied der Agency-Exekutive, Mosche Schertok, waren Ehrengäste hei einem Bankett der ehemaligen jüdischen Frontsoldaten, das im Metiorah-Klub in Jerusalem unter Vorsitz von Oberst F. ff. Kisch zur Feier des 20. Jahrestages der Befreiung Jerusalems stattfand. Ben Z vv i keime von seiner Reis« nach Polen, wo er an der Keren Hajcssod-Kampagne teilgenommen hat, wieder nach Jerusalem zurück. Die Palästina-Regierung hat eine Summe von £ 4000 für die Beduinen des Beer S c h e b a - D i s t r i k t e s als Hilfsmaßnahme bewilligt. ln Re t ach Tikwah wurden von jüdischen Arbeitern Demonstrationen veranstaltet als Protest gegen die Nichtberücksichtigung jüdischer Arbeiter beim Zitruspflückcn. Hunderte von Arbeitern aller jüdischen Parteien versammelten sich und drängten darauf, daß diejenigen, die bei der Bewachung der Fruchtliaiiic während der Unruhen ihr Leben aufs Spiel setzten, jetzt bei der Arbeitsverteilung berücksichtigt würden. Die Mit a c 11 d 111 h Olej Germania in Jerusalem lud zu einer Gemeitidewahlversaminhing unter dem Motto: ״Erneuerung der Kehillnh Jerusalem“ ein, bei der die Herren A. Berger, Dr. H. Epstein, Dr. J. Rosenfeld und Jizchak Sanionow sprachen. Eine Orijipi.■ langer ilwt׳ü .1־ hlui: 0 11.1t v״r kurzem da, Savoy- Hotel in Ilnii.1 üVcriMm;!׳״!! uml auf eine vollkommen neue Bau, gc.:!׳!!!.. D״, Ihm-,!!.!. uuni'in!ii.u .1:11 Hafen und am neuen B.ü.nhi'i gl׳:׳, gen!-!,!,״! •eine Pu. ׳-.!• T.110! :1׳;igen LcbcnzbcTiigiingen •arg;■;■.־!'■!. I'<1״,.׳:' frrmi Zu ■pru '!1. erfnni; .-ich :״'limi heute (lau Dachgarten Re ml. Chanukkah Tel Aviv, 6. Dezember Die Kaufleute dürften in diesem Jahre nicht annähernd die Chanukkah-Umsätze früherer Jahre erzielt haben. Der größere Teil des Publikums entschloß sich erst in den letzten Tagen vor Chanukkah zum Einkauf von Geschenken und die Auswahl erstreckte sich vorwiegend auf ״Gebrauchsartikel“, wobei niedrige Preiskategorien bevorzugt wurden. Fast hatte es den Anschein, als ob parallel damit ein verminderte« Bemühen um das Dekorieren der Schaufenster laufe, denn in vielen Fenstern wurde das Symbol der Menorah erst sehr spät sichtbar und der allgemeine Zwang zur Sparsamkeit machte sich bei diesen Dekorationen bemerkbar. Trotzdem, als am Sonntag abend das erste Licht auf dem Dach der Großen Synagoge, auf den Wassertürmen und in den der Straffe zugewandte!! Wohnungsfenstern aufflammtc, beherrschte Tel Aviv jene Atmosphäre des jüdischen Festes, des ״Jom tow“, wie sie so wohl nirgends anders spürbar wird. In früheren Jahren versammelten sich die Kinder auf dein Gelände, auf dem der Hahimah-Bau begonnen wurde. Der Dizengoff-Platz, der noch im vergangenen Jahr dem gleichen Zweck diente, wurde inzwischen in eine Grünanlage verwandelt. So entschloß man sich diesmal, in Ermanglung eines anderen Forums, die Festlichkeiten auf den Höfen von vier, in entgegengesetzten Stadtteilen gelegenen Schulen gleichzeitig zu veranstalten, und zwar im Hur/i-Oviniiasium, in der Tel-Nordaii-, Balfour- und Bialik-Schule. In jedem der festlich erleuchteten und dekorierten Gebäude nahmen etwa 2500 Kinder, nach Schulen und Klassen eingeteilt, Aufstelhing. Bis zu Beginn der Feierlichkeiten ertönten Chanukkah• Gesänge. Punkt 5 Uhr wurde an allen Stellen durch einen Chasan die Menorah entzündet, gleichzeitig flammte eine große elektrische Menorah auf dem Podium auf. Die Kinder steckten dann ihre Lichter und Fackeln an und das ״Maos Zur“, von einer Kapelle begleitet, klang aus tausend Kehlen. Nach einer kurzen Ansprache verließ man in vorbildlicher Ordnung den Hof und das leuchtende Band zog den bereits vorher genau festgelegten Weg, durch Straßen, in denen für diese Stunde der wagenverkchr unterbrochen war. Das Publikuiri, das dichtgedrängt den Fahrdamm umsäuintc, empfing überall die Züge, die ihre Schulfahnen mit sich führten und auch hier von Kapellen begleitet wurden, mit Händeklatschen und Hedad-Rufen. Selbstverständlich veranstalteten alle Kindergärten und Schulen für unsere Jüngsten Chanukkah-Feiern, bei denen größtenteils die Kinder als Akteure mitwirkten und das Lied von den ״Lewiwotli“ ״ ־Lewiwoth“: ein spezielles Chanukkah- Gebäck, das in Osteuropa unter dem Namen ״Latkes“ sich großer Popularität erfreut — wurde von den Kleinen nicht mir bei dieser Gelegenheit, sondern in allen Straßen der Siadt gesungen. Mit großer Begeisterung folgten die Kinder einer Matinee im ״Beth Haarn“. Es wirktet! mit: das Kinder- Orchester des Konservatoriums ״Tel Aviv“ unter Leitung seines Dirigenten Harry Blumberg, ein Kindcr-Ensemble, das zwei Szenen zur Aufführung brachte, die jemenitische Sängerin Esther Gamlieli, die Tänzerin Mia Pick. Auch sonst war Tel Aviv in dieser Woche reich an gesellschaftlichen und künstlerischen Veran s t a 11 u n g e n. Die großen Sportklubs ״Makkabi“, ״Makkabi-Atid“ und die Vereinigung ״Forum״, die Juden aus englischsprechenden Ländern umfaßt, gaben ihre traditionellen Bulle, ebenso wie die Wizo im Rahmen ihres ״Bazars“, der im ״Mograbi“ zum achtenmal zugunsten des ״Kinder-Fonds“ (Keren Hajeled) und zur Propagierung der Landescrzeugtiisse arrangiert wurde. Der Bazar wurde von Bürgermeister Rokach, nach einleitenden Worten der Vorsitzenden, Frau Teiber, feierlieh eröffnet. — Auch der 17. Geburtstag der ״Histadruth Haowdim“ wurde im überfüllten Konzertsaal des Messegeländes festlich begangen. Rubaschow und Ben-Aharon hielten Ansprachen. Dann folgte eine Wiederholung des Händelschen ״Judas Maccabäus“'. Mit ״Judas Maccabäus“ wurden im ״öhel Schein“ die Chanukkah-Tagc würdig eingeleitet. Mit dieser Oratoriums- Aufführung, die unter sorgfältigster Leitung; des Dirigenten Woifgatig Friedländer stand, hat man sich —■ nicht nur, weil sie künstlerischer Ausdruck der Makkabäer-Geschichte ist —- ein großes Verdienst erworben. Insbesondere bewies der von Fordhaus Ben-Zisi gegründete, 160 Personen starke Oratoriums-Chor, daß er auch schwierigsten Anforderungen genügt (was von den mitwirkenden Solisten leider nicht behauptet werden kann). Bedauerlich, daß es der Zusammen- Stellung eines Orchesters von Amateuren und Berufsmusikern (Konzertmeister: Sascha Parnes) bedurfte und daß das ״Palästina-Orchester“ nicht nur als geschlossener Klangkörper nicht in Tel Aviv mitwirkte, sondern auch die Beteiligung einzelner seiner Mitglieder untersagte. — ״Matate“ brachte eine neue Revue, eine ״Chalukiade“, die sich in satirischer Form mit der Ent- Wicklung eines selbständigen jüdischen Staates befaßt. — Von den Lehrern des Konservatoriums ״Tel Aviv“ hörte man ein ausgezeichnetes Kammermusik-Konzert. — Der jerusaleiner bender übernahm nicht nur den ersten Teil der Oratoriums-Aufführung, sondern trug auch sonst dem Chanukkah-Fest Rechnung. Die hebräische Stunde begann, regelmäßig mit den Segenssprüchen über die Lichter und dem Gesang •des ״Maos Zur“. Dabei wechselten — ebenso wie in Chanukk ah-Liedern — aschkenasischcr, chassidischer, sephardischer, jemenitischer ״Nussach“. Man hörte eine Reihe ernster und heiterer Vorträge und musikalische Veranstaltungen, die im Zeichen des Tages standen. Selbstverständlich waren die ״Kinderstunden“ ganz dem Fest und seiner Geschichte gewidmet. Uefaerfiillt waren die Veranstaltungen des ״One זן Sc 11 ab hat“ sowohl am Schabbat Chanukkah selbst, bet welchem Dr. Jehtida Kaufmann (Leiter der Kulturabteilung des Waad Leumi) über ״Agadah in der Ueberlieferung des Talmud“ referierte, wie auch eine Woche vorher, als Dr. Mossinson zum Thema ״... in jenen Tagen, in dieser Zeit“ sprach. Wie immer begeisterte die Zuhörer der Knabenchor der Großen Synagoge (der auch bei den gottesdienstlichen Veranstaltungen der Chanukkah-Tage, die es natürlich itt großer Zahl gab, starke Anziehungskraft ausiibte). Am Schabbat Chanukkah im ״Ohel Schern“, nach Eintritt völliger Dunkelheit, nach Verrichtung des Maarivv-Gebetes und der Hawdalall (erst bei den Worten ״... bei den Juden war Licht“ flammten die elektrischen Birnen auf), würde von Knaben die Menorah entzündet. Mit ״Maos Zur“ und ״Hatikwah“ schloß die Versammlung. Manfred Gei* Der Hafen König Salomos. Wie aus Palästina gemeldet wird, hat Dr. Sukenik bei seinen letzten Ausgrabungen nördlich von Tel Aviv einen langen steinernen Quai und verschiedene Hafengebäude aufgefunden, deren Alter auf 30(X) Jahre geschätzt wird. Mart nimmt an, daß die Gebäude ein Teil des Hafens sind, über den zur Zeit Salomos die Libanonzcdcrn zum Bau des Tempels eingeführt wurden. Nach II- Chrom, Kap. 2, 15, sollen die Zedern über Joppa (Jaffa) verschifft worden sein; da aber Jaffa eine felsige Küste hat, hält man es für wahrscheinlich, daß die Hölzer nach der Mündung des Jarkonflusses gebracht und von dort nach Jerusalem geschafft wurden. Der jetzt entdeckte Hafen befindet sich sehr nahe dem neuen Hafen Tel-Avivs; eine Menge von Töpfen und Keramiken aus der Regierungszeit Salomos sind in dieser Gegend gefunden worden. Ausstellung Melitta Schiffer in Haifa. Im Pewsner-Museutn stellt die Malerin Melitta Schiffer ihre in diesem Jahre entstandenen Arbeiten aus. Die Künstlerin, die vor etwa zwei Jahren in zwei Ausstellungen des ״Jüdischen Museums“ in Berlin aufgefallen war Und bereits in Haifa vor einem Jahre ausgestellt hat, erweist auch in ihren neuesten Schöpfungen ihr beträchtliches Können, Ihre Porträts sind scharf erfaßt und in Aufbau, Bewegung und Farbe außerordentlich wirksam gestaltet, vor allem das Porträt Dr. Weinschalls, der lebendig dargestNlte Mädchenkopf, ein Kinderbild und das durch Komposition und malerische Ausführung in gleichem AAaße überzeugende Selbstbildnis der Malerin mit ihrem Töchterchen. Eine Sammlung von Stillleben zeigt die Fähigkeit der Künstlerin, Duft und Anmut der Blume in satte Farbigkeit einzufangen. Palästinensische Landschaften (vor allem Pastelle) und Kohlezeichnungen rttnden die Ausstellung eindrucksvoll ab. Dr. Georg Saiomonski, Haifa Eine Auto-Zeitschrift in Palästina. Die ״Jewish Auto Association“ in Haifa gibt neuerdings eine Zeitschrift heraus, die den englischen Titel ״The Motorist“ und den hebräischen Titel ״Hatiohcg“ trägt. Die Beiträge sind in hebräischer und deutscher Sprache gehalten. Das erste Heft gibt bereits einen sehr interessanten Ueberblick über Motor- Wettbewerbe sowie auch über praktische Autoiragen. Gleichzeitig hat die Vereinigung eine Straßenkarte von Frei Israel herausgegeben, die vor allem durch ihre Entfernungsangaben nützlich sein kann. Barmizwah-Termin: Am 25. Dezember (21. Tewelhp Ludwig Vogel, Sohn von Bruno Vogel, Tel Aviv, Arnostraßc 10,11. Im wahren Kampf Es war vor langen lahreti — weit länger als ein Jahrzehnt ist es her , da kam ich als ein ganz ,,Neuer“ nach Palästina. Die Zeiten sahen sehr anders aus als heute, so anders, daß 'es niemals gelingt, einem ״Neuen“ von heute die Zustande von damals klarzumachen. Ein kleiner Jischuw, Mangel jeden Komforts, schlechte Wohnungen, ein niedriger Lebensstandard, bescheidenste Ansprüche auf allen Lebensebieten, das war die Regel, auch in der dünnen Schicht er Bemittelten. Nicht nur draußen, in den Baracken oder Zelten der Siedler, sondern auch ir, den Städten trug Palästina überall die Charakteristika des Kolonisationslandes. Das gab der Einwanderung ihren großen Reiz und ihre großen Schwierigkeiten. Ein paar Tage nach der Landung nahm ich an meiner ersten Sitzung in Palästina teil. Ich habe sie nie wieder vergessen. Wir kamen aus einer intensiven zionistischen Arbeit in Europa, wir wußten — so glaubten wir — in Palästina recht gut Bescheid, wir hatten uns Jahre hindurch mit den Fragen des Landes beschäftigt, darüber geschrieben, darüber referiert, wir konnten uns einigermaßen hebräisch verständigen — wir hatten schon in Europa in einer palästinensischen Atmosphäre gelebt. Aber diese erste Sitzung in Jerusalem brachte mir eine völlig neue Erfahrung. Sie brachte mir zum ersten Male Kontakt mit der pafästinensischen Realität. Da saßen eine Reihe von Männern, die ich schon im Ausland bei Konferenzen getroffen hatte, und berieten mit einer uns in der Gahith völlig neuen Art über praktische Dinge, über Viehzucht und Cliansseebau, über Arbeiter- Organisation und Lohnhöhe, über neue Kulturen und Schultragen, und plötzlich wurde es mir klar, daß wir draußen in Europa, die wir 11ns doch dauernd mit Zionismus beschäftißt hatten, keinen rechten Boden unter die Fiiße bekamen, weil jener selbstverständliche tägliche Kontakt mit den einfachen praktischen Lchenssnrgen uns fehlte. Wir kannten die Dinge allgemein, wir verstanden sie, wir versuchten sie anderen 211 erklären, aber es hatte alles einen theoretischen fieschnuck, Zum ersten Male bekamen wir in dieser Besprechung in Jerusalem die tausendfaltigen Fragen des realen, komplizierten palästinensischen Lebens zu spüren. Das machte jene erste Sitzung in dem kahlen, unbequemen und ungemütlichen Zimmer zum Beginn einer neuen Lebensepoche. In der! langen folgenden Jahren bin ich dann mehrmals nach Europa gekommen zu dcnsclhen Zionisten, wie ich selbst früher einer war, zu Menschen, die das Land vom* Lesen, Berichten und Hören kannten und habe versucht, mit ihnen über Palästina zu sprechen. Und immer wieder fand ich, daß alle Erklärungen und Berichte nur bis zu einer bestimmten Grenze reichten, zu jenem Punkt nämlich, wo der echte Kontakt mit den kleinen paläst inensischen Tagesfragen anfängt, den man anscheinend nicht übermitteln, nur erfahren kann. Ais dann seit 1933 die Juden aus Deutschland anfingen, nach Palästina einzuwandern, sah man es deutlich, wie jeder einzelne für sich diesen ersten Kontakt erfuhr, machmal als Bestätigung seiner Erwartungen aus der Galuth, manchmal als einen schweren Chok, der ihn aus den draußen so gern genährten Illusionen unsanft weckte. Und vielfach schien die Schwierigkeit der Immigranten aus Deutschland darin zu bestehen, daß sie den Kontakt mit dem Lande und seinen praktischen Fragen mir schwer, langsam, ungenügend, unter innerem Protest herstellten. Sie bürgerten sich nur unter Opfern, sozusagen stoßweise ein. Vor einigen Tagen war Ich ln einer Sitzung von Siedlern aus Deutschland, die mich plötzlich an jene ereignisreiche Sitzung in Jerusalem vor mehr als zehr! Jahren denken ließ. Da "saßen Dutzende jener Leute, die wir aus den Städten Deutschlands und in den letzten Jahren aus den Städten Palästinas kennen, dem Aussehen nach typisehe jüdische Akademiker und Kaufleute, mit der Ausdrucksweise und Denkungsart des geistigen Arbeiters. Wenn man jedoch den Debatten zuhörte, wurde man Zeuge einer ungewohnlichen Revolution, die in den wenigen Jahren seit ihrer Einwanderung diesen Menschen vorgegangen ist. Diese Revolution hat nichts von Pathetischem, nichts von großen Reden an sieh, sie gibt sich überhaupt nicht als Revolution zu erkennen und wird gerade dadurch um so eindrucksvoller. Unter diesen Juden aus Deutschland, die hier zu siedeln begannen, hat der Kontakt mit der ganz anders gearteten Realität seine große Wirkung getan. Er hat sie überaus praktisch und ruhig denken gelehrt, sie aus der schweren täglichen Arbeit heraus die palästinensischen Fragen, insbesondere die ökonomischen, verstehen lassen. Als ich Stunde für Stunde die Debatten über Absatzmöglichketten für Gemüse und Eier, über < ':•gmiisntion der Landwirte und Krcditfragcn anh&rtc, :ידי e ich viel über Palästina und die Siedler aus Deutschland z ׳'?r׳t. Die besondere Kraft des Landes, die einfach d1' .״ "i.e Wirklichkeit die Menschen zwingt, sich zu ändern utnl a״•/• i-rsen, die aus Kaufleuten und Aerzfen Eierzöchter und Gemüsebauer macht, wirkt auch heute noch, ebenso wie sie vor Jahrzehnten wirkte. Und der Einwanderer aus Deutschland, der von Palästina nicht viel, von Landwirtschaft gar nichts verstand, hat in wenigen Jahren umgelernt, er ist bodenständig geworden, er hat arbeiten gelernt. Aber noch mehr. Der Akademiker, der geistige Arbeiter hat sich durch die Umwandlung zum Landwirt nicht wegwischen lassen. Die Art, wie er an die Schwierigkeiten seiner Wirtschaft hcrangeht, wie er die Fragen der Produktion und des Absatzes studiert und sie verstehen lernt, die Objektivität, mit der er die begangenen Fehler erkennt, die wachsende Sicherheit, mit der er an die Basierung seiner unsicheren Wirtschaftsposition herangeht, ist ein Beweis dafür, daß die lange geistige Schulung, die Neigung, Dinge in größerem! Zusammenhang zu sehen, auch dem neuen Landwirt stark zugute kommt. Die heutige schwierige Situation, wo jeder einzelne Betrieb schwer um seine Existenz ringen muß, wo man schwer arbeitet und oft enug nichts herausschlägt, wäre dazu angetan, eine solche eratung zu einein Sammelplatz von Verbitterten und Enttäuschten zu machen, die sich selbst aus der Patsche helfen wollen, indem sie alle anderen an klagen. Nun gibt es fraglos in den Siedlungen genug der Erbitterten und Enttäuschten, und in der Versammlung gab es bestimmt nicht einen einzigen blinden Opiimisten. Daß dennoch durchweg die Diskussion o b j e k t i v blieb, ohne deswegen den Boden der Realität zu verlassen, ist ein Zeichen dafür, wieviele dieser Siedler aus Deutschland in das Land und ihre Realität hereingewachsen sind. Man hört hier dieselbe Art der Ver- Handlungen, wie man sie sonst in den Arbeitersiedlungen gewöhnt ist, mit einer besonderen, wenn magwill, wissenschaftlich zu nennenden Note, einer typischen Abgewogenheit und Bedächtigkeit, eine Bedächtigkeit, die nicht so sehr die des Bauern wie die des Professors ist. In der Sitzung in jenen grauen Zeiten fand ich zum ersten Male Palästina; in der Sitzung jetzt fand ich zum ersten Male einen Siedlertyp aus Deutschland, der Palästinenser geworden war. Und dieser Typ beginnt erst jetzt seinen wahren Kampf. Bisher hat er das Land kennengelernt, sich dem Lande angepaßi Jetzt beginnt er unter voller Kenntnis der Bedingungen seinen Kampf um seine Position und damit um die Position der gesamten jüdischen Wirtschaft im Lande. Das wird schwer sein, enttäuschend und unbequem. Aber vielleicht stimmt cs doch, daß die ״Luft Palästinas weise macht“? W. K., Tel Aviv (Schluß des PalSstfnateifs) mm aüüMüti Ü m |

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