Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1312,1837 Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHÄO S5d«ktio1k»VerUg und A.nzeigenvt»rwa!tusigt Berlin W15, M«in>ekc!str. 10 fsniraft 91*031, Telegramm -Adresse < Orghip. — Bejtu?sj-*ret& einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, *e Vierteljahr RM! 5,75, bei Abholung RM 1,88 b2w. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertrieb* ♦ Abteilung Berlin 71573 »für Groß-Berlin). Berlin 17392 (für das übrig« Reich). In Pallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Betugsgebührea. — Eradeint jeden Dlanstsr ur׳d Prefteg, BERLIN ו׳ טבת תרצ״ח FREITAG, 10. DEZEMBER 1937 Gttltigi AnzelgenpreUiliste Nr• 5. Die 12 gespaltene mm *Zeile 20 Rpf״ für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmtes Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit*« anzeigea nur gegart Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar M0Q;ag bi* Frei 18 —9 ייג י Uhr. Annahmeachtuß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die c r 0 i t a g - Ausgab• Mittwoch 13 Uhr. (Für Familie•־ •Anzeigen am Ta״ vor Erscheinen 13 Ul») Der Zionismus erstrebt Wr das (Odlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Besprechungen mit Delbos? Frankreich und die polnisch * jüdische Emigration Aus Warschau wird über den Besuch des französischen Außenministers Delbos berichtet, daß bei dieser Gelegenheit u. a. auch die polnischen Kolonialwünsche erörtert wurden. ln diesem Zusammenhang soll auch die Frage der Bereit- Stellung ven Siedlungsland für jüdische Emigranten aus Polen und die Erweiterung der jüdischen Einwanderungsquote in Palästina berührt worden sein. Es heißt, daß von polnischer Seite gewünscht wurde, Delbos solle sich bei dem englischen Außenminister Eden dafür Einsetzen, daß eine stärkere Einwanderung polnischer Juden nach Palästina möglich gemacht werde. Weiterhin soll sich Minister Delbos mit jüdischen Vertretern über das Problem der Bereit- Stellung von Siedlungsland in Madagaskar unterhalten haben. Wenn in diesem Zusammenhang aus Warschau bcrichtet wird, Frankreich habe sieh bereiterklärt, in Madagaskar Siedlungsland für rund 3 0 000 jüdische Familien bereitzuhalten, so ist diese Information jedoch mit Vorsicht aufzunehmen. Soweit bisher von französischer Seite, insbesondere von Kolonialminister Mo u tet zu dem Madagaskar- Problem Stellung genommen wurde, blieben die Versprechungen in sehr engen Grenzen; der Minister betonte sogar ausdrücklich, daß es sich um eine quantitativ vorerst nur sehr kleine Siedlung handeln könne, die in erster Linie polnischen Juden zugute kommen solle, die bereits in Frankreich leben, ohne dort eine dauernde Existenz gefunden zu haben, und auf Kosten Die Prozedur vor dem Völkerbund Von unserem Berichterstatter y, Genf, 8. Dezember Die im vorigen Monat abgehaltene Herbsttagung der Ständigen Mandatskommission des Völker* bund es hat sich mit keinen das Palästina-Mandat direkt betreffenden Fragen beschäftigt. Die Kommission prüfte hingegen u. a. den Jahresbericht 1936 der französischen Mandatarmacht in Syrien und im Libanon. Die Verhandlungen der Kommission waren, wie immer, geheim, und man wird über ihren Verlauf und ihr Ergebnis erst nach der Veröffentlichung des Verhandlungsprotokolls und des für den Völkerhundrat bestimmten Berichtes unterrichtet sein. Da der Völkerbundrat zu seiner nächsten — der hundertsten — ordentlichen Tagung am 17. Januar Zusammentritt, wird die Veröffentlichung des Verhandlungsprotokolls und des Berichtes der Mandatskommission über ihre letzte Tagung kaum vor diesem Datum erfolgen. Die nächste ordentliche Tagung der Ständigen Mandatskommission ist auf den 8. Juni 1938 festgesetzt. Es sei hierbei daran• erinnert, daß die Mandatskommission immer zwei ordentliehe Tagungen im Jahre abhalt, die regelmäßig im November und im Juni statt!inden. Ein Teil der Jahresberichte der verschiedenen Mandatsländer, darunter der Palästinas, wird regelmäßig «׳ährend der Sommertagung (Juni—Juli), ein anderer Teil, darunter der Syriens, regelmäßig während der MacMichael kommt nach London Neue Kommission Im Februar? Wie die ״Sunday Times“ meldet, beabsichtigt Sir Harold MacMichael, der neu ernannte Oberkommissar Palästinas, vor Antritt seines Amtes nach London zu kommen, um dort mit dem Kolonialamt Beratungen über sein künftiges Amt abzuhalten. Er wird Tanganyika bereits im Januar verlassen. Wie der Korrespondent der ״Sunday Times“ weiter meldet, wird die Königliche Kommission für Palästina, die zwecks endgültiger Festlegung der Einzelheiten des Teilungsplanes angekündigt wurde, ihre Tätigkeit im Lande im Februar aulnehmen. Die erforderlichen Vorbereitungen für ihre Arbeit sind bereits eingeleitet. Die hebräische Presse Palästinas begrüßt die Ernennung des neuen High Commissioner MacMichael, ohne jedoch irgendwelche Kommentare zu geben. ״Haarez“ ist der Meinung, daß die neue Kommission jetzt ernannt werden und sich nach Palästina begeben wird, um die politische Un- Sicherheit zu beenden. ״Felestin“, das einzige arabische Organ, das während des Ramadhan-Monats erscheint, gibt der Annahme Ausdruck, daß die Ernennung von Sir Harold MacMichael zum High Commissioncr und von Sir Charles Tegart zum Berater der Regierung in Polizeiangclegenheiten ein Beweis dafür sei, daß die feste Absicht besteht, den Teilungsplan zur Durchführung zu bringen. * Eine Palästina-Debatte ln Oxford. Aus Oxford wird uns berichtet: Am 27. und 28. November veranstaltete die ״International Student Service“ eine Konferenz, in welcher Engländer, Araber und Juden sich über das Palästina- Problem auseinandersetzten. Die Teilnehmcrschaft bestand zum größten Teil aus Studenten, hauptsächlich aus Oxford und London, aber auch einigen anderen Universitäten. Unter diesen Umständen konnte die Konferenz natürlich keine politische Bedeutung beanspruchen. Auf der arabischen Seite, welche Mr. Isal N a k h e h führt«, sprachen nicht nur Pafästinenser, sondern auch Aegypter und Araber der anliegenden Länder. — Der Hauptredner auf der jüdischen Seite war Prof. L. B. Namier. Die Konferenz tagte in der Juden selbst Szv. der jüdischen Organisationen durchgeführt werden müßt־’ ,״*aß andererseits das heute sehr dünn bevölkerte Hoch'and ח״־י Madagaskar, das auch klimatisch geeignet ist, eine größere Judensiedlung aufnehmen könnte, wurde gerade in de* ״lüdisrhen Rundschau“ von fachmännischer Seite ausführlich dargelegt. Wie die Warschauer Zeitung ״Nowa Prawda״, das Organ der neugebildeten Paderewski-Partei, mitteilt, beschränkte sich die Unterhaltung zwischen Oberst Beck und Minister Delbos nur auf das Problem der polnischen Auswanderung und berührte überhaupt nicht die Frage der jüdischen Emigration. Die französische Presse bemerkt hierzu, daß gegenüber dem polnischen Wunsche, vor allem den jüdischen Bevölkerungsübersclutß in den Kolonien ansiedeln zu können, der französische Außenminister betont habe, daß eine. solche ji'idisehe Ansiedlung lediglich für Pa’ästina tnög. lieh sei: in anderen Gebieten sei sie für Frankreich nicht annehmbar, da sie einer ״ethnologischen Diskriminierung“ gleichkäme. Oberst Beck habe sich damit e invers tanden erklärt, (Wenn diese Darstellung zutrifft, so soll damit wohl gesagt sein, daß nur in Palästina die Juden als J «den, d. h. in der Form eines jüdischen Gemeinwesens, angesiedelt werden, während andere Einwanderungszentren einfach ohne Unterschied den Auswanderungsbedürftigen — darunter natiirlieh auch Juden offen stehen. — Red.) Herbsttagung (Oktober—November) geprüft. Die Festsetzung des Datums der nächsten ordentlichen Tagung der Mandatskommission auf den 8. Juni steht daher m gar keinem Zusammenhang mit den eventuellen Berichten, die die britische Regierung dem Völkerbund über den Teilungsplan Palästinas zukommen lassen soll. Die füi den 8. Juni festgesetzte ordentliche Tagung der Mandatskommission wird normalerweise den Bericht der palästinensischen Verwaltung für das Jahr 1937 zu prüfen haben. Es steht aber keineswegs fest, daß die britische Regierung einen Bericht über die endgültige politische Lösung des Palästina-Problems der Mandatskommission zur Begutachtung '׳orlegt. Es ist sehr gut möglich und sogar wahrscheinlich, daß die britische . Regierung einen solchen Bericht in erster Linie dem Völkerbundrat selbst unterbreiten wird, da es sich ja nicht mehr um die weitere Ausführung, sondern um eine grundlegende Aenderung und, zum großen Teil, um die Beendigung des Mandates handeln wird. Der Völkerbundrat kann von sich aus beschließen, ob er diesen Bericht vor oder nach eigener Prüfung und Annahme auch der Mandatskommission zur teilweisen oder gänzlichen Begutachtung überweisen will. Die zweitnächste ordentliche Tagung des Völkerbundrates findet im Mai 1938 statt, und es wird angenommen, daß die britische Regierung anläßlich dieser Tagung dem Rat ihren, sei es vorbereitenden, sei es endgültigen, Bericht über die von ihr ins Auge gefaßte politische Lösung des Palästina-Problems unterbreiten wird. Der Rat kann — aber muß nicht — die Prüfung dieses Berichtes der im Juni zusammentretenden Mandatskommission überweisen. vier Sitzungen. Die erste Rede war eine außerordentlich gute historische Einleitung von Miß M. Conte. Darauf folgte eine Diskussion. Die zweite Sitzung behandelte haupfsächlich die jüdische Frage, soweit sich diese von der arabischen trennen läßt; während die dritte Sitzung mehr der arabischen Seite gewidmet war. Bis dahin zeigten beide Seifen außerordentlich wenig Entgegenkommen: die meisten Araber sprachen sich gegen, und die meisten Juden für die Teilung aus. Die vierte Sitzung brachte jedoch eine viel freundlichere Atmosphäre und die Araber kamen mit einem konkreten Vorschlag, welcher zumindest ein gewisses Verständnis für die schwierige Lage der Juden zeigte. Die Hauptpunkte des Vorschlages waren folgende: L)em Auswanderungsbedürfnis der jüdischen Massen solle durch die Schaffung neuer Einwanderungsmöglichkeiten in den verschicdenen arabischen Ländern bis zu einem gewissen Maße Rechnung getragen werden. Als Gegenleistung müßten die Juden ihren Anspruch auf Palästina fallen lassen und sich mit einem permanenten Minoritätenstatus von 30 °,ö abfinden; dieser Anteil an der Bevölkerung sollte aufrecht erhalten bleiben und der natürliche arabische Zuwachs sollte durch eine propoTtionelle Alijah ausgeglichen werden. Die Regierung soll eine ״nationale“ (d. h. die Bevölkerung rcpräscntierende) sein; jedoch wären Juden nicht davon ausgcschlossen, da sie gleiche Bürgerrechte genießen würden und ihre Minoritätenrechte soweit w׳ie möglich international gesichert sein sollten. Der Vorsitzende schlug am Ende vor, daß Araber und Juden versuchen sollten, in einer Round Table-Konferenz zu einer Einigung zu kommen, und dieser Vorschlag fand starke Sympathie. M. N. Ghettobänke auch ln Rumänien? Prof. Cassasovici von der Bukarester Technischen Hochschule hat für die jüdischen Studenten angeordnet, daß sie besondere Bänke in den Hörsälen einnehmen müßten. Die ״Union der rumänischen Juden“ hat in Telegrammen an den Ministerpräsidenten, den Erzichungs- 111 i i ier und den Präsidenten der Liberalen Partei gegen diese Maßnahme protestiert. Wochen - Umschau Asien den Asiaten? — Delbos urd die Judenirage Palästinas neuer Start Der japanische Feldzug, der jetzt bis vor die Tore der chinesischen Hauptstadt geführt hat, ist ein Fanal für die gewaltigen Veränderungen, die sich in unserem Jahrhundert vollziehen und eine neue Epoche der Weltgeschieht״ ein'eiten. Die Jahrhundert.׳ währende Inferiorität Asiens gegenüber Europa 1 nicht mehr vorhanden. Es wird oft darauf liingewiesc’׳, daß die Vorgängc im Fernen Osten, deren eigentlic'm Endabsichten noch undurchsichtig sind, nicht bloß eine Auseinander- Setzung zwischen zwei asiatischen Staaten darstellen, sondern bewußt oder unbewußt mit einer Zurückd r ä 11 g u n g des e u ropäischen Einflusses verbunden sind. Der japanische Demonstratioiismarsch in der internationalen Zone von Schanghai ist nur ein kleines Anzeichen dieser latenten Tendenz. Der Zusammeribruch des chinesischen Kaiserreiches der Mandschus (1911/12) hat unübersehbare Probleme!unterlassen, die sich in inneren Wirren kundigaben, eine Folge des Pochens europäischer Gedanken und Methoden an die Große Mauer. Zugleich vollzieht sich der Aufstieg der japanischen Macht, nachdem in Japan in einer einzigartigen Weise die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften Europas übernon . cn und organisch mit der eigenen Kultur verschmolzen wurden, in jenem neuen ״Geist Japans“, über den Rabindranath Tagore bewundernd geschrieben hat. Manche sprechen davon, daß wir am Anfang einer Entwicklung stehen, in der unter japanischer Führung zunächst der gewaltige ostasiatische Raum, den wir China nennen, organisiert, reformiert, von Grund auf neugestaltet werden soll, und zwar unter Ausschaltung Europas, dessen bisherige zivilisatorische Funktion heute Japan zu übernehmen imstande ist. Gewiß ist.dies alles nur mit zeitlichen und sachlichen Einschränkungen richtig, die Entwicklungen gehen nicht so schnell, und in dem überaus komplizierten System der heutigen Weltwirtschaft ist bei so gewaltigen Aufgaben wahrscheinlich die europäische Hilfe nicht ohne weiteres entbehrlich. Wie immer dem sein mag, entscheidend für unsere Betrachtung ist die Tatsache, daß durch die japanischen Erfolge, trotzdem sie sich zunächst gegen eine asiatische Nation richten, das asiatische Selbstgefühl außerordentlich gestärkt wird. Das dreihundert]'/ihrige Dogma der asiatischen Inferiorität wurde bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erschüttert, als im russisch-japanischen Kriege von 1904 Japan Sieger blieb, d. h. zum ersten Male eine asiatische Macht über eine europäische Großmacht siegte. Die Vorgänge unserer Tage bilden zweifellos eine wichtige Etappe dieser Entwicklung, denn die entscheidende Erfahrtmg ist die Ohnmacht Europas, sich in die Ereignisse einzuschalten. Das ist aber eine Tatsache, deren geistige Wirkungen weit über das Militärisch-Roh• tische, auch über den geographischen Raum der eigentliehen Kämpfe hinausrcichen. Die Raroie ״Asien den Asiaten“ ist für viele moderne Köpfe Asiens, die freilich meist in Europa oder Amerika ausgebildet wurden, mehr als eine literarische Phrase, Sie findet fruchtbaren Boden in allen Teilen des riesigen asiatischen Kontinentes, sie muß notwendigerweise die europäischen Kolonialmächte beunruhigen und das vorausschauende Denken auf neue Methoden des Zusammenlebens europä* ischer und asiatischer Völker hinlenken. Der Versuch Englands, Indien eine Verfassung und allmählich Dominion-Status zu geben, gehört auf dieses Blatt. Die fortschreitende Emanzipation Asiens ist von besonderem Interesse auch für das jüdische Volk, das, asiatischer Herkunft, heute fast völlig europäisiert ist, aber gerade in den letzten Jahren durch viele Erlebnisse, die das geschichtliche Bewußtsein wach werden ließen, seines Ursprungs wieder inne wurde. Das jüdische Volk, aus seinen Jahrhunderte alten Wohnsitzen in (Asket, UetetMUk Die palästinensischen Militärgerichte verurteilten drei Araber wegen Waffenbesitzes zu lebenslänglichem Zuchthaus. Der Rat des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden beschloß, den Preußen• verband zu einem ״Verband der Jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich" zu erweitern und dt״ entsprechen• den Verhandlungen in Angriff m nehmen. Karpcles (Bralislawa) erzielte in Wien einen neuen Makhabi-W eltrekor d im 200-m-Brusf schwimmen.