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Jüdische Rundschau · 1937-11-26 · Heft 94 (26.11.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 94 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 26. NOVEMBER 1937 PALÄSTINA r:׳. Palältinas wichtiglte Indultrie Am 20. November begann, wie wir in der vorigen Nummer berichteten, der offizielle Orangen-Bxport dieser Saison. Be• kanntlich befand sich die Orangen-lndustrie im letzten Jahre in einer Krise. Nach der Darlegung unseres Korresponden• ten werden die Aussichten der diesjährigen Saison günstig beurteilt. Der Erfolg des Orangen-Exporis ist für das gesamte Wirtschaftsleben des Landes von ausschlaggebender Bedeutung. (Red.) Beginn der Orangensaison Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, im November Die palästinensischen Tageszeitungen bringen seit kur• rem wieder neben den täglichen Hafenberichten über allgemeine Schiffahrt Spezialmeidungen über Orangenverschiffungen und über die in London erzielten Preise für Zitrusfrüchte. Die Exportsaison 1937/38 hat begonnen und die Verschiffun• gen beginnen rasch zu wachsen, da die zeitigen und reichliehen Regen dieses Jahres ein frühes Reifen der Ernte ermöglicht haben. Als dem einzigen großen Exportzweige der Palästinawirtschaft kommt der Orangenverschiffung eine besondere Bedeutung innerhalb des ökonomischen Rahmens zu, und es scheint daher wichtig, die Bedingungen zusammen zustellen, unter denen die Arbeit für die diesjährige Exportsaison einsetzt. Die Schwierigkeiten der vorigen Saison sind noch allen frisch im Gedächtnis. Der durch verschiedene Ursachen — Fäulnis der Frucht, schlecht organisierte Sendungen, Ueberfüllung der Märkte, Konkurrenz von außen — verursachte Preissturz der Zitrusfrüchte, insbesondere die großen durch die Fäulnis hervorgerufenen Verluste, schufen im vorigen Winter eine überaus pessimistische Stimmung unter den Pflanzern, und das Zusammenfallen der Orangenkrise mit der allgemeinen Wirtschaftsdepression komplizierte die ökonomische Situation in Palästina. Die Schwarzseher prophezeiten eine Katastrophe, auch die Optimisten schütreiten recht bedenklich die Köpfe, manche gingen so weit, zu behaupten, daß man viele Plantagen einfach nicht weiter bearbeiten, sondern liegen lassen würde, weil man doch die Kosten nicht aufbringen oder nicht hereinbringen könne. Wenn man sich jetzt bei Beginn der neuen Saison diese Stimmung zurückruft, kann man mit Befriedigung fesfstellen, daß die Pessimisten unrecht behalten haben. Gewiß war die Zeit für die Pflanzer und den mit ihnen verbundenen Wirtschaftssektor keineswegs leicht, sondern voll von Sorgen und Entbehrungen. Aber wenn man sich die Plantagen als Ganzes bei Beginn der neuen Saison ansieht, so zeigt sich, daß die Pflanzerklasse als solche durchgehalten hat und sogar mit einem gewissen Optimismus in die jetzt beginnende Saison hineingeht. Wie Ist man Ober die Schwierigkeiten des letzten Winters hinweggekommen? In einer ״normalen“ Situation, das heißt also in Palästina bei weitergehender Einwanderung und ohne die hier herrsehende Wirtschaftskrise, hätten die Ereignisse im vorigen Jahre dazu führen müssen, daß eine große Zahl der Plantagen ihre Besitzer wechselte. Unter dem Eindruck der schlechten Preise sanken die Werte der Plantagen in ähnllcher Art, wie sie in Zeiten des fieberhaften Pflanzens in die Höhe geschnellt waren. Wer in Plantagen investieren wollte, hätte sie im letzten halben Jahre zu Preisen kaufen können, die ihm eine sehr schöne Rentabilität versprachen. So wie sich die Verhältnisse jedoch gestalteten, gab es kaum Investitionslustige in Palästina lind es wurde nichts gekauft. So hat die Orangenkrise dieses Mal nicht zu Besitzverschiebungen geführt und die bisherigen Besitzer mußten Mittel und Wege finden, um die schwere Zeit zu iiberstehen, insbesondere die nötigen Kredite aufzubringen. Dieses Durchhalten hat einem bestimmten Kreis der Pflanzer beträchtliche Opfer gekostet. Sie mußten sich aufs äußerste einschränken, ihren Standard senken, alle Kreditquellen, sowohl private wie öffentliche, heranziehen. Sie mußten nicht nur bis zur nächsten Ernte aushalten, sondern auch in dieser Zeit die genügende Bearbeitung ihrer Plantage sichern wenn nicht schwer reparable Schäden für die kommenden Jahre angerichtet werden sollten. Die lokalen Kooperativen schenkten gerade diesem Punkte, der Bewahrung der Plantagen vor Vernachlässigung, besondere Aufmerksamkeit, stützten ihre Mitglieder, soweit es nur anging, und übten eine bestimmte Aufsicht über die Pflanzungen aus. Insbesondere wurde dafür gesorgt, daß die Bewässerung in enügendem Maße durchgeführt werden konnte. Und diese tützungsaktion und vergrößerte Kontrolle hat das wichtige Resultat ergeben, daß die Pflanzungen im großen ganzen vor Vernachlässigung bewahrt blieben. An manchen Orten wurden die Arbeiten summarischer durchgeführt als in normalen Zeiten, an manchen Stellen vielleicht etwas verspätet, aber so gut wie überall wurde Dauerschaden vermieden. Ein bedeutender Erfolg. Dieser ist neben den Bemühungen der Kooperativen und der Pflanzer selbst den Banken zu danken, die mit Hilfskrediten einsprangen, Es war zuerst eine gemeinsame Anleihe an alle Kooperativen geplant, die jedoch von einer derselben als unangebracht abgelchnt wurde. So erhielten die einzelnen Kooperativen Sonderkredite, insbesondere von der Anglo-Palestine Bank, die für Pflanzer, die nur Juden beschäftigen, Anleihen bis zu £ 3 pro Dunam ausgab. Damit wollte man sowohl die Pflanzer aus ihrer Geldnot, wie die Arbeiter vor Beschäftigungslosigkeit retten. Nachdem die Bearbeitung der Plantagen im Frühjahr und Sommer gesichert war, haben die Banken, wie jedes Jahr, mit der Vorfinanzierung der neuen Exportsaison begonnen, den Kredit pro Kiste entsprechend den niedrigeren Preisen des Vorjahres jedoch herabgesetzt. Die noch nicht gelöste Frage der Organisation Die Stimmen, die von der mangelnden Organisation der Zitrusverschiffungen sprachen, sind nicht mehr still geworden, seit palästinensische Exporte im letzten Jahrfünft größeren Umfang annahmen. Sie erhoben sich während und nach der Preiskatastrophe des Vorjahres in einem laut mahnenden Chor. Alle waren sich darüber einig, daß in Verkauf und Verschiffung eine Reform an Haupt und Gliedern nötig sei, wenn wilde Konkurrenz, Verschiffung unreifer oder minderwertiger Frucht, Ueberfüllung der Märkte und schlechter Ruf der eingeführten Marken verhindert, vergrößerter Absatz dagegen gesichert werden sollte. Aber wie diese Reform durchzuführen sei und wer sie durchführen sollte, darüber gingen die Meinungen auseinander, und es machte sich bald ein ganzes Knäuel von widerstreitenden Interessen geltend, das den Weg der Reformer stark erschweren mußte. Vor allem bot sich sofort ein augenblicklich unübersteigliches Hindernis, nämlich die Unmöglichkeit der Organisierung des g e s a m t e n palästinensischen Zitrushandels. Eine wirklich durchgängige Reform muß das arabische Produkt ebenso wie das jüdische umfassen. Unter den bestehenden olitischen Verhältnissen ist jedoch an eine gemeinsame Areit jüdischer und arabischer Pflanzer und Schiffer nicht zu denken. Eine derartige Organisation im Landesmaßstab ist überhaupt nur von einer zentralen Instanz durchzuführen, nämlich der Regierung. Sie hätte die Mittel in der Hand, eine strikte und alle Kisten umfassende Kontrolle der Exporte durchzuführen, einen Standard für die Frucht aufzustellen und seine Einhaltung zu erzwingen. Die vorsichtigen Anfänge, die auf diesem Gebiet gemacht worden sind, geniigen jedoch in keiner Hinsicht und an den Versuchen zur Einigung, die jetzt unternommen werden, ist die Regierung nicht beteiligt. Es gehen auch alle im Lande von der mit Selbstverständlichkeit angenommenen Voraussetzung aus, daß von der Regierung auf diesem Gebiet kein entscheidender Schritt in nächster Zeit zu erwarten ist und daß man gar nicht einmal versuchen kann, jüdische und arabische Pflanzer unter einen Hut zu bringen. Soweit es sich jetzt um eine Die Arbeit geht weiter In den jüdischen Siedlungen wird weiter gearbeitet. Unser Bild zeigt das Herstellen von Gräben in einer Orangen• Pflanzung bei Naanch K0«0: Klaget ff tr:*‘!»»'*I *4» ־ * cd angestrebte Vereinheitlichung handelt, sind die jüdischen Pflanzungen allein gemeint. Da die Regierung ausfällt, bleibt ein zweiter zentraler Faktor übrig, der die Neuorganisation vorwärts bringen könnte, das sind die Banken. Sie geben an die Pflanzer pro Saison £ 850 dX> Kredite und hätten daher bei der Ordnung des Wirtschaftszweiges ein gewichtiges Wort mit- Zureden. Es handelt sich dabei um die Anglo-Palestine Bank, Barclays, die zentrale Genossenschaftsbank und zu einem geringeren Teil die Bank Ottoman. Die Banken sind zwar über die verschiedenen Reorganisatio.11sversnche orientiert, aber von einer Erzwingung einer Neuordnung durch diese wirtschaftlich starken Faktoren kann keine Rede sein. Es scheint, daß hier etwas von der nötigen Initiativ« fehlt, wohl auch noch nicht alle Materialien in entsprechender Uebersicht vorliegen und eine vielleicht zu große ZuTÜckhaltiing besteht. Tatsache ist jedenfalls, daß die Versuche einer Neuordnung, die auf eine mehr oder minder starke Vereinigmig der verschiedenen Kooperativen hinauslaufen, allein von den Pflanzern selbst ausgehen. Es gehen seit längerem Verhandlungen zwischen Vertretern der Verkatifskooperativen über den ״Ichtid“, also eine Einigung der Verbände. Dabei gibt es Anhänger einer völligen Verschmelzung der einzelnen Organisationen, die zur Schaffung einer einzigen großen Verschiffungs- und Absat/organisation fuhren würde, und Anhänger einer loseren Affinierung, die bestimmte Regulierungen des Verkaufs vorschlügt und eventuell für später eine weitgehendere Vereinigmig ins Auge faßt. Im Zusammenhang mit den Verhatnlluiigen stößt inan auf eine ganze Reihe mit den Reform- Vorschlägen verbundener Probleme. Es sieht jedoch danach aus, als ob zumindest bestimmte Aufangsstadieii einer besseren Organisierung, insbesondere in der Belieferung der Markte, sich werden durchführen lassen. Die gegenwärtige Saison Der Beginn der gegenwärtigen Saison steht jedoch bisher durchaus im Zeichen der Anarchie in den?endungen. Man hatte eine vorläufige Ordnung in der Verschiffung von Grapefruits gemacht, die jedoch kann irgend eine Wirkling gehabt hat. Der Markt ist wieder einmal wie schon in trüberen Jahren durch Verbände, die anderen zuvorzukommen suchten, anarchisch beschickt worden und die anfänglich guten Preise i!1 London sind bald wieder gesunken, weil man nicht verstanden hat, auf die Aufnahmefähigkeit des Marktes Rücksicht zai nehmen. Wenn man nach der Stimmung der Verkäufer für die Saison 1937-38 fragt, so bekommt man zwar vorsichtige, aber im Durchschnitt optimistische Antworten. Da man allgemein annimmt, daß sich die Katastrophe der Fäulnis dieses Jahr nicht wiederholen wird und da die Rekordernte des vorigen Winters von einer geringeren gefolgt ist, hofft man im allgemeinen auf bessere Bedingungen. Es mag auch eine Rolle spielen, daß man jetzt sieht, daß mail die schwere Zeit doch einigermaßen Überständer! hat, und daß man sich klar darüber geworden ist, daß eine bescheidene Rentabilität doch aus den Plantagen herausgeholt werden kann. Einen Verlauf der Saison vorausznsagen, ist jedoch unmöglich, denn der unbekannten Faktoren sind viele. Da ist Spanien, von dem man nicht weiß, oh es imstande sein wird, die Märkte zu beliefern und in welchem Umfange. Da ist die Frage, inwieweit sich die Jaffa-Orange von ihreni durch die Fäulnis des letzten Jahres verschlechterten Namen erholt hat. Da sind die stark fluktuierenden Wirtschaftsverhältnisse in Europa, die sich in den Absatzmöglichkeiten auswirken. Und da ist schließlich die Verteuerung der Verpackung und Verschiffung, wie sie sich durch die Gestaltung der Weltmärkte ergibt. Immerhin hofft man allgemein auf eine bescheidene Verdienstgrenze. Es wird darauf hingewiesen, daß der Kontinent sich stärker als bisher an die Jaffa-Orange gewöhnt hat und ein besserer Abnehmer wird. Auch hat sich gerade durch die schlechten Preise des Vorjahres die Grapefruit, die bisher als eine Linusfrucht galt, in viel weiteren Kreisen eingebürgert und damit wurden neue Möglichkelten erschlossen. Im allgemeinen steht man unter dem Eindruck, daß man im Begriffe ist, sich über den Tiefpunkt des letzten Jahres hinwegzuarbeiten. Das neue Ruthenberg-Kraftwerk bei Tel Aviv r ■■■ - ■ •־־ , - >?llpt ____! Das neue Ruthenberg-Kraftwerk (auf den Namen Lord Readings) und die Brücke über den Jarhonfluß im Norden von Tel Aviv gehen ihrer Vollendung entgegen, Während die ersten Autos über die Brücke fahren, waten Kamele mit ihren Lasten noch durch den Fluß Foto! W«lt«r M. Schwur«, in a«»

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