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Jüdische Rundschau · 1937-11-19 · Heft 92 (19.11.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 92 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 92 19. XI 193? JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Vorschläge zur Sdiabbat-Feier Vor wenigen Wochen griff die ״Jüdische Rundschau“ (in Nr. 80 vom 8. 10. 37) die Frage des Oneg Schabbat auf und stellte sie erneut zur Diskussion. Ich möchte zu diesem Problem einige konkrete Vorschläge unterbreiten. Man muß zwischen zwei Fragen unterscheiden: dem Schabbat-Problem der Erwachsenen und dern Oneg Schahbat für Kinder. Rückblickend auf die letzten fünf Jahre können wir sagen, daß es uns n i c h t gelungen ist, den Schabhat in das jüdische Haus zu bringen. Es müssen sich aber Wege aufzeigen lassen, um den Schahhat — oder wenigstens den Freitagabend —hei den Juden unserer Generation ״populärer“ und ״heimischer“ machen zu können. Dafür gibt es ein gutes Beispiel: Palästina. In Erez Israel ist vor nicht allzu langer Zeit ein ganzer Monat — ich glaube, es war der Nissan — zu einem Propaganda- Monat für den Schahhat erklärt worden. Die Presse brachte Aufsätze, und alle Schichten des palästinensischen Jischmv, bis weit hinein in Arbeiterkreise, sind zu Kundgebungen für die Schahbat-Idee herangezogen worden. ln Analogie hierzu schlage ich vor, den Monat Tewet — weil er an sich festlos ist — als Propaganda-Monat für den Schahbat-Gedanken in Deutschland zu erklären. Ich stelle mir dies praktisch so vor: 1. In diesen vier Wochen erscheinen in der gesamten jüdischen Presse, einschließlich der Oemeindeblätter der Provinz, Artikel über Wesen und Bedeutung des Schabbat für unsere Zeit. 2. Die Vorstände sämtlicher Gemeinden veranlassen alle Rabbiner, sich in den Predigten dieser vier Freitagabende ausschließlich mit der Schabhat-Idee — selbstverständlich m aktueller Art — zu beschäftigen. 3. In jeder Stad? — in Berlin in den verschiedener Gegenden der Stadt — werden Gemcimle-Ahende veranstaitet mit Rednern aller Richtungen, die auf diese Weise ein jüdisches Gesamtbekenntnis zum Schabbat ablegen. 4. Der Religionsunterricht wird in allen jüdischcn Rcligionsschulen innerhalb Deutschlands auf den Schabbat-Gcdanken abgestellt, und der Preußische Landesverband sorgt dafür, daß dies auch in den kleinen Gemein den durchgeführt wird. 5. Die Ciemeindevorstlimle bieten die praktische Möglichkeif, in jeder Stadt — in Berlin in den verschiedenen Gegenden — gemeinsame Freitagabende für alle diejenigen Juden zu arrangieren, die zu Hause keinen Schabbat halten, oder einen richtigen Freitagabend noch nicht gesehen haben. Dieser Oneg Schabbat der Erwachsenen soll von Rabbinern oder Lehrern geleitet werden. Ein ganz anderes Problem stellt der Oneg Schabbat für die Jugend dar. Auf Grund der Erfahrungen der Praxis schlage ich hierfür folgendes vor: 1. Der Oneg Schabbat am Freitagabend sollte nur in jenen Synagogen stattfinden, die mit dem ״Snian“ (mit der traditionell festgesetzten Zeit) anfangen, so daß zwischen dem Schluß des Gottesdienstes und dem Abendbrot wenigstens 1>/2 Stunden liegen. Aber auch dieser Oneg Schabhat muß von einem Lehrer abgehalten werden, am besten von einen solchen, der mit den Kindern von der Schule her den nötigen Kontakt hat. Keinesfalls darf die Leitung in den Händen des amtierenden Rabbiners liegen. 2. In den liberalen Synagogen sollte am Freitagabend nur ein Kiddusch stattfinden, und zwar ausschließlich für Kinder bis zur Barmizwah. Es genügt, wenn bei einer solchen Feier folgender Rahmen cingehalten wird: Am Anfang der Kiddusch, dann ein paar hebräische Lieder und eine 5—10-Minuten-Anspraclie des Rabbiners; am Schluß das Tischgebet. Dieser Kidatisch sollte vom Oberkantor und vom Rabbiner geleitet werden. 3. Der Oneg Schabbat dagegen — in seines Sinnes vollster Bedeutung — muß — anknüpfend an alte jüdische Tra• dition und auch an Bialik — am Schab batnachmittag Liebermann - Briefe Eine Nachlese Von Franz Landsberger Erst nach Herausgabe meiner 70״ Liebermann-Briefc“ (im Schocken Verlag, siche die Besprechung in ״Jüdische Rundschau“ Nr. 74/75) wurde ich mit einigen weiteren Briefen des Künstlers bekannt, die mir der Veröffentlichung wert erscheinen. Die beiden ersten, um 1000 geschrieben, richten sich an Ff ans Rosenhagen, den bekannten Kunstkritiker, der seiner Bewunderung für Liebermann in einem Buche — dem ersten, das über den Künstler erschien — Ausdruck gab. Ihm hat Liehcrmann in besonders freimütiger Weise seine künstlerischen Ideen offenbart. 18. 6. 1900 Lieber Herr Rosenhagen, vor einer Stunde hat mir Ernesti Ihr Buch gesandt und brühwarm will ich Ihnen meinen Dank senden. Zwar habe ichs noch nicht gelesen, sondern nur hincingcguekl; auch dürfen Sie kein Urteil von mir darüber verlangen: aber das sehe ich, daß Sie es mit kolossaler Hingebung und Liehe geschrieben haben. Oh ich diese Liebe verdiene? das wird die Zukunft entscheiden. Jedenfalls dürfen Sie überzeugt sein, daß ich mich tief in Ihrer Schuld fühle, deun. ich bin mir wohl bewußt, welche Mühe es Ihnen gekostet haben wird, ein so dickes Buch über einen Maler zu schreiben, dessen einziges Verdienst darin beruht, daß er nicht ״liUerüriseh“ ist. Und über das litteriirische läßt sich schreiben; aber über das andre? F.s ist ein Hauch, kaum spürbar und doch das ganze Wesen der Kunst drinnen. Doch kommen Sie nächstens mal: Schreiben ist zu schwer. Jetzt will ich Ihnen nur nochmals meinen herzlichsten Dank sagen Und verbleibe mit bestem Gruß Ihr sehr ergebener Max Lieberinan!» Ohne Datum (um 1900) Verehrter Herr Rosenhagen, einliegend sende ich Ihnen die Reproduktionen mit dem nötigen Vermerk zurück. Sie waren kaum aus meinem Atelier, als mir der Gegensatz in Menzels und meiner Kunst klar wurde. Vor Menzels Bildern scheint Einem die Kunst unend* lieh schwer; ich möchte, daß man vor den meänigen denkt, daß sie zu machen ganz leicht wären. Wie die japanischen Schächtclchen, wo immer eine ins andere eingekapselt ist, so kommen mir in einem Menzelschea Bilde immer ein Detail ins andre eingcschlossen vor. Der Beschauer ist ganz baff vor all den Schwierigkeiten, die überwunden sind. Ich unterdrücke soviel wie möglich das Detail, um dadurch der Einfachheit der Natur näher zu kommen. Menzel ist positiv; ich möchte suggestiv sein. Er macht faktisch alles; ich möchte den Eindruck hervoTstattfinden und mit der Hawdalah schließen. A11 diesem Oneg Schabbat, der selbstverständlich den ganzen Winter hindurch nur von ein und demselben Rabbiner oder Lehrer geleitet werden darf, sollen nur Kinder zwischen 13 und 18 Jahren teilnchmen. Natürlich darf ein solcher Oneg Schahbat nicht zur Lernstunde ausarten. Er muß — im Gegenteil — die Möglichkeit lebendiger Diskussion gehen, anknüpfend an Predigten, Vorträge, Aufführungen des Kulturbundes, an Erlebnisse in der Schule und auf der Straße. Es muß eine überaus aktuelle Form sein, in der man diesen jungen Menschen Judentum bietet. Das gesangliche Moment muß eine große Rolle spielen, und der betreffende Rabbiner oder Lehrer muß mit allen neuen hebräischen Liedern ״auf dem Laufenden“ sein. Es ergeht auf diesem Wege der Appell an alle Gemeinden, auf schnellstem Wege eine Auswahl derjenigen Menschen zu treffen, die die Verantwortung eines solchen Werkes auf sich nehmen können. Es ist hier eine seltene Gelegenheit gegeben, unseren Menschen zu. ermöglichen, das Judentum von einer Seite zu erfassen, die ihnen verständlich ist und gewiß zu den schönsten, farbenreichsten unserer Welt gehört. Rabb. Max Nuß bäum Moezah des Makkabi Hazair. Am 28. und 29. Oktober fand in Leipzig eine Moezah des Makkabi Hazair statt, im Mittelpunkt der Tagung stand die Diskussion um das Referat von Dr, Hardi Swarscnsky über die Lage und die Aufgaben des Bundes. Aus dem reinen Jugendbund ist eine chaluzisclie Bewegung geworden. In einem angesiedelten Meschek und ln drei Plugotli Awodah arbeiten Chawerim und Chawerot des Bundes in Erez Israel. Daneben bestehen sechs Jugendalijahgruppen, die aus dem Bunde hervorgegangen sind, ln dieser Situation des wirtschaftlichen Aufbaus und der Konsolidierung der ßiindesgriippcr» in Erez Israel erhebt sich die Frage nach der Zukunft der Bewegung. Der Bund bejaht grundsätzlich alle Bestrebungen, die auf eine Sammjung der chaiuzischen Kräjte hinauslaufen, wie er überhaupt die Vereinigung aller nationalen Kräfte für eines der dringlichsten Erfordernisse des Aufbaues erklärt. Es könnte somit vielleicht als ein Schritt zu dieser Vereinheitlichung der Kräfte angesehen werden, wenn der Bund sich darauf beschränken würde, durch seine Bewegung in der Golah dem Lande wertvolle und in jeglicher Hinsicht gut vorbereitete Menschen zu liefern, die in den Kwn/otli des Chewer Hakwuzoth ihre Vorstellungen verwirklichen. Die Moezah kam in einer ausführlichen Aussprache zu dem Ergebnis, daß eine solche Entwicklung den Vorstellungen des Makkabi Hazair nicht entsprechen würde. Es ist zu bedauern, daß die Einigungsbestrebungen in der Kibbuzbevvegung des Landes noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Es kann aber keinesfalls die Aufgabe des Bundes sein, :zur Nachwuchsbewegung eines bestehenden Kihbuzverhandcs zu werden, selbst wenn dessen Vorstellungen vom Wesen der Kwuzah denen des Bundes sehr nahe kommen. Die Oiim des Makkabi Hazair sind nicht ״Nachwuchs“ bestehender Kibbuz- Bewegungen des Landes, sondern der Vortrupp der Eigen- Bewegung des Makkabi Hazair, die am Beginn ihres ehaluzischen Werkes steht. Ferner beschäftigte sich die Moezah mit der Lage der jüdischen Jugendbewegung. Die Chawerim der Moezah waren der Auffassung, daß nicht zu leugnen ist, daß die jüdische Jugendbewegung in Deutschland ihrer Aufgabe und ihren Möglichkeiten nicht ausreichend entsprochen hat. Angesichts der Größe der Verantwortung gegentiber der jüdischen Jugend in Deutschland sieht sich der Makkabi Hazair berufen, die jüdische Jugend i!1 noch weit größerem Maße als seither für seine Vorstellungen der Zofiuth und Chaluziuth zu erfassen. Nach der Behandlung dieser beiden grundsätzlichen Fragen nahm die Moezah einen Bericht von Ernst Strauß entgegen, der in jüngster Zeit die Gruppen des Bundes in Erez Israel besucht hat, und widmete sich Fragen der praktischen Arbeit. H. G. rufen, als hätte ich alles gemacht durch Andeutungen, wie z. B. Maupassant in den paar Worten: il la deshabillait de ses yeux, womit er die Begierde eines Mannes vollständig schildert, viel besser, als wenn er sie seitenlang ausein• andersetzte. Natürlich muß man bei derartigen Andeutungen den Nngel auf den Kopf treffen, sonst ists gar nichts, während bei der detaillierten Art der Darstellung immer noch das reizende pikante Detail!)leiht, vvenns auch im Großen nebenheigeirril'fen ist. Vor allem aber hält sich der Bildungsphilister nur ans Detail, da er das Große Überhaupt nicht imstande ist zu sehen, da er ja nur mit dem Verstände sicht. Bevor wir eine große Kunst haben können, müssen wir erst wieder lernen groß zu sehen. Vielleicht ist es mir geglückt, den Leuten etwas die Augen geöffnet zu haben. Sie brauchen mich deswegen nicht für größenwahnsinnig zu halten: ich weiß (leider nur zu genau), daß ich mein Talent nicht entfernt mit Menzels messen kann und darf. Mit bestem Gruß Ihr sehr ergebener Max Liebermann Der folgende Brief ist an Herrn Stadtrat Krön• 111 a 1 gerichtet, den eifrigen Förderer von Kunst und Kultur in seiner damaligen Heimatstadt Posen. Zu ihm war 1901 aus Zerkow der 17jährige, blutarme Jakob Steinhardt gekommen mit dem heißen Wunsche, Künstler zu werden. Kronthal ließ ihn ein paar Jahre in der Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums aushildcn, aber Steinhardt fand dabei keine Befriedigung; er strebte zur freien Kunst, Um nun festzustellen, ob die Begabung Steinhardts dafür ausreiche, wollte Kronthal einigen bekannten Künstlern eine Mappe mit seinen Zeichnungen senden. Es ist nun rührend, zu sehen, mit welchem Ernst der vielbeschäftigte Liebermann sich des Falles annahm. N\V Berlin, 5. 4. 1906 Pariser Platz Sehr geehrter Herr, auf Ihr Schreiben vom S. 4. möchte ich Ihnen folgendes erwidern. Ist es schon an und für sich schwer, nach Schülerarbeiten das Talent zu erkennen, so ist es doppelt schwer, wenn man den Betreffenden nicht kennt, wenn man nicht weiß, unter welchen Umständen er gearbeitet hat. Ich glaube, daß die Lehrer des Steinhardt; eher in der Lage wären, zu sagen, ob er zur Malerei genügendes Talent hat, als ich. Auch gehe ich Ihnen zu bedenken, daß der Junge Mann, sobald er zur Kunst ttbergegangen Ist, für das Handwerk verloren ist. Dagegen ist die handwerkliche Ausbildüng zuki Dekorationsmaler durchaus nicht seiner künftigen Entwicklung zum Maler im Weg«: ist er begabt genug, wird er sich schon durcharbeiten (wie das unzählige Beispiele beweisen). Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottsnburg, Wilmersdorf er Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Die jüdische Theater-Saison in New York hat begonnen, ihr erster Auftakt und Höhepunkt war die Inszcnlicrung von j. J. Singers ״Brüder Aschkenasi*‘ durch Morris .Schwarz, ihr nächster Glanzpunkt verspricht die ״Night of Stars“ zu werden, in der am 17. November die bekanntesten Personlichkeiten von Bühne, Film und Literatur verschiedener Nationen ihre Kunst in den Dienst der Arbeit fiir Palästina stellen werden. ״Die Brüder Aschkcriasi“ ist die Drimatisicrung von Singers gleichnamigem Roman des tragischen Aufstiegs und Niederganges der Industriestadt Lodz, und die Aufführungen im Jüdischen Kunsttheatcr mit Morris Schwarz, und Kurt Katsch haben solchen Erfolg, daß das Haus seit nun fast ach( Wochen allabendlich ausverkauft ist. Eine andere künstlerische Sensation ist K u 1 b a k s F> rann ״Boitre Gaslen“ im Artcf-Thcater, das über die jüdischen Kreise hinaus Aufsehen erregt. Es ist ein jüdisches Räuberdrama, dessen Held, der gewaltige, gegen Reiche und Geizkragen gewalttätige und den Armen wohltätige Räuber, eine legendäre Figur auch im jüdischen Osten ist. Mosche Kulbak, einer der begabtesten jiddischen!Dichter der jüngeren Generation (dessen Gedichtzyklus ״Wilna“ deutsch in der ״jüdischcn Rundschau“ erschien), verlegt die Geschichte in die Zeit Nikolaus L: Chaimke, ein kleiner, zum Soldaten gepreßter Schusterjunge, entläuft nach sieben ja irre ה Dienst, wird Waldräuber kämpft gegen die Ungerecht igheiten in der Gemeinde, fiir die schlecht angesehenen Dorfjuden, liebt seit seiner Kindheit des Vorstehers Töchterlcm und entführt die Braut, als sie einen andern ne 11 tnen soll, von der Trauung weg, zwingt dann die hohen Herren und den Rabbi, zu seiner Hochzeit in den Waid zu kommen, aber Soldaten umzingeln die Hochzeit, und ihre Kugeln treffen «,len Räuber und die Räuberhraut. Kulbak macht aus dem volkstümlichen Räuber einen fast sozialphilosophischen Fürsprecher aller Erniedrigten und Beleidigten, jedoch ohne daß das Ganze ins Tendenziöse entglitte. Die Darstellung des Artefd nscnihles ist klar und eindrucksvoll, ״New York Fi nies“ rühmt den Realismus, die Schlichtheit und Verve der Aufführung, die einen solchen Erfolg hat, daß den I laupUIarstcIIcrn bereits von Warner Bros. Filmangebot« für liollvwoml gemacht worden sind. I)r. Walter F i s c h e 1 (Jerusalem) hielt an der Harvard- Universität (Cambridge, USA..) eine Vorlesung über das moderne Iran. Aus der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU" v, t5. 11. 19t me m «י*, S. FS. Gar (ein, der Chefredakteur des ״Ohserver“, ein einflußreicher englischer Politiker, macht . . . den Vorschlag, der Stadl (Saloniki) mit Rücksicht auf die Majoritätsverhältnisse eine f ü d i s ehe Fe ru' a I t 11 n g zu gehen. üas T es l a tn ent des Herrn Isidor Str <1 u fl, der bei der Titanic-Katastrophe ntngehommen ist, wurde jetzt veröffentlicht. Es beläuft sich auf 3,5—t Mil!■ Dollar. Bisher sind in die neue russische Reich s d u m a drei jüdische Abgeordnete gewählt worden. In Kacno wurde der frühere jüdische Abgeordnete Friedmann wieder• gewählt. In Kurland wurde Dr. Gurcwitz und in Lodz Dr. Bomasz gewählt. Ich rate Ihnen daher, das Urteil seiner Lehrer einzuholen. Nur, ■wenn diese eine sehr starke Begabung konstatieren, dürfte der junge Mnim Maler werden. Denn es handelt sieh nicht allein darum, ihm auf mindestens 3—4 Jahre die Subsistenzmittel zu gewähren, — was Ihr Verein wohl tun würde, wie mir aus Ihrem Brief hcrvorz.ugehn scheint — sondern, was viel schwerer wiegt, auch dann ist die Zukunft des Steinhardt höchst unsicher. Sollten Sie aber auf mein Urteil Wert legen, so bin ich gern erhötig, mir die Arbeiten nnzuschn. Doch wollen Sie nur Arbeiten nach der Natur .Schieber«, besonders Skizzcnhlätter, die ohne Korrektur des Lehrers aus dem Gedächtnis «der nach dem Leben gezeichnet sind. Alles andere gestattet kein Urteil für die Begabung, Hochachtungsvoll Ihr sehr ergebener Max Liehcrmann Ucbrigetis wartete Steinhardt das Resultat nicht ab! sondern verließ kurzerhand seine Lehn- und ging nach Paris, Der letzte Brief findet sich in einem nur in wenigen Exemplaren nach Deutschland gedrungenen Katalog, nämlich dem zur Gedächtnis-Ausstellung für Max Lieberrnann, die Dr. Kart Schwarz, der rührige Leiter des Museums von Tel Aviv, im Februar l35<׳ veranstaltete. Er gehört zu jener kleinen Gruppe von Briden, die in den letzten Jahren des Künstlers entstanden sind und in ergreifender Weise seine veränderte Haltung gegenüber der Assimilation und dem Zionismus zum Ausdruck bringen. 28. 6. 1933 An die Präsidenten des Museums Tel Aviv, Herrn Ch, N. Bialik und M. Dizcngoff. Ihren Briet vom 7. Juni beantwortend, teile ich Ihnen mit, daß mich der Beschluß fies Kuratoriums, einen Saal Ihres Museums nach mir zu benennen, hoch erfreut hat. Grade in diesen schweren Zeiten ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu meinen jüdischen Glaubensgenossen doppelt erfreulich und tröstlich. Wie ein fürchterlicher Alpdruck lastet die Aufhebung der Gleichbercchtignug auf uns Allen. Besonders aber auf den Juden, die, wie ich, sieh dem Traume der Assimilation hingegeben hatten. Sie, Herr Blalik, erinnern sich vielleicht der Gespräche, die wir, als!eh Sie radieren durfte, über diesen Gegenstand führten und in denen ich zu erklären suchte, warum ich dem Zionismus fern gestanden hin. Ifeut denke ich anders. So schwer es mir auch wurde, ich hin aus dem Traume, den ich' mein langes Leben geträumt habe, erwacht. Leider kann man einen so alten Baum — ich werde im nächsten Monat 86 Jahre alt — nicht mehr verpflanzen. Doch lege ich die Hände nicht in den Schoß und wäre es nur, damit die Arbeit mir über die Zeit, die ich noch zu leben habe, hinweghilft. Indem ich Ihnen, meine verehrten Herren, herzlichsten Dank für die mir erwiesene seltene Ehre sage, bitte ich Sie, diesen Dank auch den andern Mitgliedern des Kuratoriums zu übermitteln. Ihr sehr ergebener Dr. 11. c. Max Liebermann

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