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Jüdische Rundschau · 1937-11-12 · Heft 90 (12.11.1937) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 90 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT Nr. 90, 12. NOVEMBER 193? Was geschieht zur Besserung der Wirtschaftslage? Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl., Tel Aviv, 3. November 1937 01• Privatwirtschaft verlangt Stütze Wie immer in Zeiten wirtsehaftlicher Schwierigkeiten bekommt das öffentliche und halb-öffentliche Kapital in der jüdischen Wirtschaft in Palästina auch jetzt eine vermehrte Bedeutung. Wenn Prosperity herrscht, das Rad der Wirtschaft sich rasen dreht und der Optimismus aut allen Gebieten Triumphe feiert, deuten die Anhänger des Privatkapitals aut die von ihm vollbrachten Wunder und sind leicht geneigt, die Rolle der öffentlichen Gelder, insbesondere der n a t i o - aalen Fonds, als gering anzitsehen. Wendet sich jedoch das Blatt und kommen sorgenvolle Zeiten, so steigen automatisch die Anforderungen an die Exekutive. Von allen Seiten werden Forderungen laut, und die Agency sieht wohl ein, daß mit deren Befriedigung viele Schäden behoben werden könnten, aber das Geld reicht nirgends, und auch die M. M. WARBURG & CO. QEORÜNDET 1797 HAMBURG FER 0 INAN □ STR. 75 BERLINER BÜRO: TIERBARTENSTR. 2h besten Pläne bleiben unwirksam, wenn sie nicht den entsprechenden finanziellen Rückhalt haben. Die Kolonisation muß weitergeführt werden; angefangene Sicdlunfen dürfen nicht steckenbleiben; Arbeitsbeschaffung in den tädten tut not; die Zitrasplantagen brauchen in ihrer durch die letzte Saison erschütterten Position Hilfskredite; die Industrie erhebt ihre Stimme und verlangt Unterstützung von der Agency. Es gibt kaum einen Zweig der Wirtschaft, der nicht Anleihen, Zuschüsse, Ueberbrückungskredite fordert, und dazu kommt das große Gebiet der sozialen Fürsorge, das halte meiir denn je die Aufmerksamkeit und die Mittel der Oeffentlichkeit verlangt. Während jedoch die Exekutive der Agency die Verpflichtungen eines Staates besitzt, an den sich in Zeiten der Not die Oeffentlichkeit mit Selbstverständlichkeit tan Rat und Hilfe wendet, fehlen ihr die Organe, um diesen Verpflichtungen entsprechend gerecht zu werden. Ohne einen Steuerapparat, der sie zur Einhebung der notwendigen Mittel befähigt, ist sie aut die freiwilligen Spenden für die nationalen Fonds in der Welt angewiesen, und diese reichen für die vergrößerten Aufgaben nicht aus. Bei genügendem Verständnis dieser exzeptionellen Situation müßten heute die Juden der Welt alles tun, um die Mittel für Pa- Iäsfina heranzuschaffen. Im Lande versucht man unterdes, mit den vorhandenen Mitteln soweit wie möglich auf die Wirtschaft einzuwirken und hat im Laufe der letzten Zeit verschiedene neue Methoden ausgearbeitet, um neben den öffentlichen Kapitalien auch private heranzuziehen. Da trotz aller Anstrengungen nicht genügend zur Besserung der Wirtschaftslage getan werden kann, hört man im Lande häufig die Ansicht äußern, es ״geschehe überhaupt nichts“. Es scheint daher im Anschluß an die kürzlich gegebene Analyse der Wirtschaftslage geboten, aufzuzeigen, in welcher Richtung die Wirtschaftspolitik geht und was zur Erleichterung der Situation geschehen ist. Die Tendenz der Aktionen Von der Erkenntnis ausgehend, daß die gegenwärtige Wirtschaftsdepression in der Hauptsache aut der Senkung der Kaufkraft beruht — diese These ist in einer Reihe von Aufsätzen von den verschiedensten Wirtschaftlern im Lande aufgestellt und bewiesen worden —, bemüht sich das Wirtschaftsdepartement der Agency zusammen mit anderen öffentlichen und halböffentlichen Institutionen, insbesondere der Arbeiterorganisation und den Banken, um eine Ankurbeln ng der Wirtschaft. Es gilt Arbeit zu schaffen, bestehende Betriebe in Gang zu halten, den Anstoß zu weiteren Entwicklungen zu geben, jedoch — heute ein anerkannter Grundsatz bei der Bekämpfung von Krisen — nicht mit neuerzeugten Waren aut den ohnehin beengten Markt zu drücken, sondern im Gegenteil das Publikum instand zu setzen, von den vorhandenen mehr als bisher zu kaufen. Oeffentliche Arbeiten, die der Wirtschaft dienen, jedoch den Markt nicht beschweren, sind somit eine der Forderungen der Stunde. Als typisches Beispiel können die Zufahrt- und inneren Verbindungsstraßen im Orangengebiet genannt werden. Hier ist ein Feld für sehr weite Arbeiten vorhanden, die viele Hände beschäftigen, zugleich dem Pflanzer seinen Export verbilligen und erleichtern und die Frucht vor Transportschäden bewahren. Es sind auch einige dieser Projekte begonnen worden, sie an allen Stellen, wo sie notwendig sind, durchzuführen, sind jedoch größere Mittel notwendig, als da sind. Eine' weitere von allen — sowohl ökonomischen wie auch sozialen -- Gesichtspunkten wichtige Aktion wäre billiger Wohnungsbau. Es ist dabei an die Behausung der ärmsten Schichten gedacht, die heute in menschenunwürdigen Verhältnissen, in Baracken und Kellern unterschlüpfen und auch von dem großen Wohnurigstinfemehmen der Arbeitersehaft nicht erfaßt werden können, weil ihnen jedes Eigenkapital zur Investierung fehlt. Die Erstellung von einfachen Wohnungen zu geringen Preisen für diese Schichten würde eine der wachsenden sozialen und hygienischen Gefahren in unseren Städten, die Bildung der fürchterlichen Armenviertel beschränken und zugleich in weitem Maße Arbeit schaffen. West- und Mitteleuropa haben den Weg gezeigt, wie solche Probleme in großem Maßstabe angepackt werden können. Wir jedoch stoßen auch hier wieder auf die Geld trage, und alles, was getan werden kann, ist die Beschaffung zweiter billiger Hypotheken zur Aufrechterhaitung des Wohnungsbaus für Arbeiter. Zugleich mit der Ankurbelung der Wirtschaft geht die Tendenz, neue, bisher nur gering oder gar nicht von Juden besetzte Arbeitszweige aufzuschließen. Hier sind vor allem die Steinbrüche, Schiffahrt und Fischfang zu nennen. Es ist eine alte Erscheinung in Palästina, daß gerade Zeiten der Not den Anstoß für derartige Kampagnen zur Eroberung der Arbeit geben. Eine Zeit acr Arbeitslosigkeit brachte die Ausbildung der ersten jüdischen Chaussee- und Bauarbeiter in größerem Umfang. Jetzt wo seit dem arabisehen Streik sich die Notwendigkeit nerausstellte, jüdische Militärgerichte angekündigt Nach dem furchtbaren Attentat bei Kirjath Anawim, dem sechs jüdische Arbeiter zum Opler fielen (siehe weiter unten), hat sich die Palästina-Regierung dazu entschlossen, die Einsetzung von Militärgerichten anzukündigen. Es heißt in der am Mittwoch herausgegebenen Mitteilung, daß ihre Einsetzung ״im Hinblick auf die fortgesetzten Mordtaten und Sabotageakte in Palästina“ im Interesse der allgemeinen Sicherheit im Lande erfolge. Sie bestehen jeweils aus einem Stabsoffizier als Präsidenten und zwei anderen Offizieren. Die entsprechende Verordnung wurde am 11. November veröffentlicht und tritt am 18. November in Kraft. Zu der Zuständigkeit der Militärgerichtshöfe gehören Fälle, in denen auf irgendwelche Personen geschossen worden ist und das Tragen von Waffen. Auf diese Vergehen steht Todesstrafe, während Sabotageakte und gewaltsame Beeinflussung entsprechend hoch bestraft werden. Die Urteiisspriiche müssen vom Oberstkommandierenden der britischen Streitkräfte in Palästina bestätigt werden. Seine Entscheidung ist endgültig. Die Mandatsregierung erklärt hierzu weiter, daß diese Maßnahme nicht auf das Versagen der zivilen Gerich^höfe zurückzuführen sei. Sie werden vielmehr weiter die für sie zuständigen Vergehen aburteilen. Die neuen Gerichte sollen allein zum Schutz der Bevölkerung den Terrorismus ausrotten. Die Mitteilung muß bis zum 18. November täglich von allen Landeszeitungsn veröffentlicht und durch den Rundfunk bekanntgegeben werden. Sechs Juden bei Kirjath Anawim erschossen Bei Kirjath Anawim ist am Dienstagvormittag auf eine Gruppe von Mitgliedern der Kwuzah ״Bama’aleh“, die sich zur Feldarbeit begaben, ein Feuerüberfall verübt worden. Die Arbeiter Puchowsky, Bar Giora, Baumgarten, Olischewski und Morduchowitz sowie der Hilfspolizist Jizchak Migdal wurden tödlich getroffen. Nach dem Attentat nahm die Polizei unter Leitung des Generalinspektors der Palästina-Polizei, Rice, die Verfolgung der Mörder auf und wurde hierbei von Flugzeugen unterstützt. Gerüchtweise verlautet, daß sie die arabische Bandl stellte und in einem Gefecht einen Araber tötete. Wie weiter gemeldet wird, führten die Spuren in das arabische Dorf Yalu, wo 15 Araber verhaftet wurden, während eine weitere Verhaftung in dem Ort Be Ith ul vorgenommen wurde. Die Empörung im gesamten Jischuw über den Mord bei Kirjath Anawim ist außerordentlich groß. Während des Begräbnisses wurde die Arbeit überall eingestellt. Die Bei- Setzung fand in Kirjath Anawim statt, wobei Tausende anwesend waren, u. a. Vertreter der Jewish Agency und der übrigen jüdischen Organisationen. Ansprachen hielten Oberrabbiner Dr. Hertz, Mosche Schertok, Ben Zwi, Mereminski und Rabbi Blau. " Ausnahmezustand in Jerusalems Altstadt _ in Jerusalem wurde am Mittwoch ein arabischer Qärtner durch mehrere Schüsse getötet. In der Alt* Stadt kam es zu Ausschreitungen, bei denen ein Araber״ scheich und ein Jude schwer verletzt wurden. Beide wurden in das Krankenhaus eingeliefert. Wegen dieser Zwi״ schenfälle wurde über die Altstadt von Jerusalem der Ausnaiimezustand verhängt. * Die Nachricht über das Attentat bei Kirjath Anawim übersteigt beinahe das Maß dessen, was faßbar erscheint. Nach den vielen entsetzlichen Attentaten und Ueberfällcn der letzten Zeit ist diese Meldung über den Tod von sechs jungen Menschen besonders erschütternd. Es ist nicht verständlich, wie derartige Ueberfälle fast Tag um Tag, Monat um Monat durch Jahre hindurch Vorkommen können, ohne daß es der Polizei gelingt, auch nur einen Mörder zu fassen und zu überführen. Die Zahl derjenigen Araber, die Juden und Engländer (b/w. gemäßigte Araber) während der Unruhen getötet haben, muß in die Hunderte gehen, und cs׳ gelingt Polizei und Militär trotz Aufgebot großer Hilfsmittel nicht, auch mir einen zu fassen! Selbst wenn man die besonderen Bedingungen eines orientalischen Landes, wie Palästina es ist, in Rechnung stellt, ist dieses Ergebnis völlig unbegreiflich, 11113 man kann es nicht anders als mit einem völligen Versagen der betreffenden Verwalt migszweige erklären. Manche haben die Hoffnung, daß durch das Eingreifen eines Spezialheraters der Polizei, Sir Charles Tegart, dein ein außerordentlieber Ruf vorangeht, diese Sache sich bessern wird. Außerdem hat sich die Regierung wohl auf Grund des letzten Vorfallcs nach langem Zögern dazu entschlossen, Militärg e r i e 111 s 11 ö f e ein/usetzen, die gegenüber den mit den Unruhen verbundenen Straftaten drakonische Strafen an wenden sollen. Wir müssen hoffen, daß schon die Ankündigung dieser Maßnahmen abschreckend wirken wird, so daß das Land endlich zur Ruhe kommt. Der seiner friedlichen Arbeit nachgehende Jischuw kann und muß ja verlangen, daß die staatlichen Organe auf d i e Höhe gebracht werden, die notwendig ist, um die Sicherheit von Leben, Eigentum und Arbeit zu schützen. Trauer in Polen Von unserem Berichterstatter Warsch au, 10. November Die Nachricht vom Mordüberfall bei Kirjath-Anawim, wo-, bei fünf Chaluzim aus Polen ihr Leben verloren haben, rief hier einen erschütternden Eindruck hervor. Tiefe Trauer herrscht überall. Fünf der Ermordeten stammen aus Polen und sind aus der Chaluzbewegung der ״Hitachduth“: der ״Gordonia“ und ״Witkinia“ hervorgegangen. Die Kwuzah ״Bama’aleh“ ist eine verhältnismäßig junge Kwuzah der ״Gordonia“, die vor vier. Jahren zuerst bei Rccliowotli arbeitete und nachher bei Kirjath- Anawim angesiedelt wurde. Fast sämtliche Mitglieder der Kwtizah kamen aus Polen und waren mit ihrer Jugendorganisation und der gesamten Chaluzbewegung in Polen sehr stark verbunden. Die Trauernachricht wirkte hier im ganzen Lande und besonders in Lodz, in dessen Umgebung die Gefallenen ihre Hachscharah durchgemacht haben, überaus schmerzlieh. Heute waren zum Zeichen der Trauer sämtliche zionistisclie Institutionen und Büros von 1—2 Uhr mittags geschlossen. Es fand eine gemeinsame Trauersitzung aller zionistisclien Parteien und Gruppen statt. Abends hielten Spr'mzak und Bistrizki bei der Eröffnung des vom Keren Kajemcth einberafenen Jugendtages Trauerreden. Steinbrüche in entsprechendem Maße zu entwickeln, hat man systematisch in dieser Richtung gearbeitet, versorgt die jüdischen Bauten in Jerusalem und hat an verschiedenen Stellen im Lande Steinbrüche eingerichtet. Die ersten Versuche jüdischen Bootbaues, jüdischer Schiffahrt und jüdischen Fischfangs gehen zusammen mit der Entwicklung der Anlegesteile in Tel Aviv und dem stärkeren Eindringen des jüdischen Arbeiters in die Haifaer Hafenarbeiten. Zeiten der Not, in denen die öffentlichen Stellen zur Hilfe mehr als sonst herangezogen werden, sind in der Regel günstig für eine genaue Planung der Wirtschaft, die Anpassung ihrer verschiedenen Teile untereinander, die Eliminierung ungesunder Elemente und die Reorganisierung schlecht geieiteter Unternehmungen. Während der Prosperity schwimmen auch schwächer fundierte Betriebe auf der großen Welle, Schäden werden nicht so leicht sichtbar, die Schnelligkeit der Entwicklung täuscht oft über kranke Grundlagen und Organisationsfehler hinweg. In Depressionszeiten jedoch kommen alle Mängel an die Oberfläche. Damit präsentiert die Wirtschaft mehr als je verwundbare Stellen, gint jedoch auch den leitenden Instanzen, vor allem den Banken, die Möglichkeit zuzugreifen und zu einer Reorganisation zu bringen, wo es nötig ist. Es gibt heute eine Anzahl von Gebieten, wo eine gründliche Prüfung der Wirtsch aftsmethoden und eine Aenderung der Wirtschaftsführung notwendig erscheint. Das gilt sowohl für manche Teile der Industrie wie für die Orangenplantagen, soweit es sich um Transport und Absatz handelt. Es gibt jedoch heute noch keine Stelle im Lande, die die genügende ökonomisch-politische Macht hätte, um Reorganisationen in entsprechendem Umfange zu erzwingen. Das organisatorische Chaos in der Orangenwirtschaft ist einer der Beweise für diese These. Immerhin kann man an einigen Stellen Anfänge einer Politik erkennen, die nicht nur darauf ausgeht, aas Bestehende in der Wirtschaft aufrechtzuerhalten, sondern auch Reformen durchzuführen und die Wirtschaftshilfe mit einer gewissen Wirtschaftsplanung zu verbinden. Die Quellen Aus weichen Quellen fließen nun die Mittel, die zur Ankurbelung der Wirtschaft verwandt werden? Hier sind in erster Linie die Mittel des Keren Hajessod zu nennen, die von der Agency auf dem Wege über die Gesellschaft j,B i z u r“ zur Verfügung gestellt wurden. Dazu kamen Bank- Kredite und Mittel des allgemeinen Geldmarktes, die durch Obligationen herangezogen wurden. Schließlich ist als einer der wichtigsten Faxtoren der ArbeitslosenfondsderArbeiterschaft zu nennen, dessen Gründung in den Anfang der Prosperity, ins Jahr 1932 fällt und teils durch Steuern, teils durch Spenden der Arbeiter aufgebracht wurde. Der Fonds hat seine Mittel zusammen mit denen der Agency den verschiedensten Wirtschaftsgebieten zufließen lassen. Das Prinzip der Agency׳ bei allen Aktionen war die Schaffung einer finanziellen Basis aus öffentlichen Geldern, die dann durch private Mittel stark vergrößert wurde. Ankurbelungsaktlonen Von den genannten Stellen wurden und werden vor allem eine Reihe von öffentlichen Arbeiten, sowohl Straßen wie Bauten, ausgeführt, die in Stadt wie Land Arbeitsquellen eröffneten, Die Beschaffung zweiter Hypotheken für Bau7.\v־ecke erwähnten wir bereits, ebenso den Beginn der Zufahrtsstraßen in den Plantagen und die Entwicklungeti der S t e i n i n d us t r i e und Schiffahrt. Weiter sind von Bedeutung der Versuch einer Exportförder u n g der jüdischen Industrie für den Absatz in den Landern des Nahen Ostens und Zypern. Hier haben wir einen bescheidenen Anfang in einer wichtigen Richtung, denn cs unterliegt keinem Zweifel, daß die Entwicklung der jüdischen Industrie im Lande sie immer stärker auf den Export drängen muß und daß dieser Export besonders mit <U n Nachbarländern zu rechnen hat. Außerdem wurden der Industrie verschiedene Ueberbrückungskredite zur Verfügung gestellt und ein San i eru n gs f on ds geschaffen, der die Reorganisation solcher Betriebe int Auge hat, die entweder für den Innenmarkt oder den Export besondere Bedeut urig 11110 dadurch Lebensfähigkeit haben. Schließlich ist noch die Schaffung eines Instituts für technische Beratung der Industrie zu nennen, das den Betrieben die Möglichkeit geben soll, fachmännischen Rat in technischen Fragen zu erhalten. Viel und zu wenig Faßt man die hier genannten Aktionen zusammen, so zeigt sich, daß mit beschränkten Mitteln doch manches getan wurde, und eine genauere Analyse in den Betrieben beweist auch, daß an vielen Stellen wirklich geholfen werden konnte. Nach dem Bericht des Arbeitslosen Fonds sind über eine Million zusätzliche Arbeitstage beschafft worden. Und trotzalledcm genügen alle diese Anstrengungen keineswegs, um dem wirtschaftlichen Problem im Kern beizukommen. Es fehlt vor allem am Geld. Pläne gibt es genug und zum guten Teil gesttnde und gute Pläne, aber sie sind ohne den nötigen finanziellen Rückhalt wertlos. Es wird für die rasche IJeberwindung der gegenwärtigen Situation viel darauf ankommen, ob es in nächster Zeit gelingt, die nötigen Mittel in der öffentlichen Hand zu konzentrieren. Ist dann erst wieder der erste Anstoß gegeben, so folgt das private Kapital, das ja immer noch in Millionen in den palästinensischen Banken auf Anlage wartet, bald nach. Auszahlung von Entschädigungen In der letzten Woche sind an Einwohner von Tel Aviv und Umgebung, die während der Unruhen von 1036 verwundet wurden oder Angehörige verloren haben, etwa 10000 Pfund Entschädigung ausgezahlt worden. Der Höchstbetrag von 250 Plund wurde in Fällen bezahlt, wo das Familienoberhaupt getötet worden ist. Denselben Betrag erhielten ausnahmsweise auch die Angehörigen der ermordeten Krankenschwestern Martha Fink und Jecliama Zedek. In Fällen, wo andere Familienangehörige getötet wurden, sind Beträge von 80 bis 100 Pfund bezahlt worden. Für Verwundungen wurden Entschädigungen bis zu 25 Phind gewährt

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