Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 90 (12.11.1937)
- Date
- 1937-11-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 12. XI. 1937!1יי Ein Buch über Mordechai Noah Isaac Goldberg: ״Major Noah — American-Jewish Pioneer“. — Jewish Publication Society of America. Philadelphia 1936. Die Gestalt Mordechai Manuel Noahs ist zumeist nur aus der Biographie bekannt, die Gelber in seiner ״Vorgesellichte des Zionismus“ gab oder aus der Schilderung, die D 11 b n o w seiner mißglückten Judcnstaats-Griindung gewidmet hat. Aus beiden erhalten wir fast nur Angaben über die geplante und mit der Grundsteinlegung schon wieder beendete Errichtung von ״Ararat“, die nach Noahs Ideen zum Asyl der Juden hätte werden sollen. Es ist nicht zu leugnen, daß jener feierlich und pompös gestalteten Stadtgründungsfeier besonders für europäische Betrachter tragikomische Züge anhaften, und so ist es begreiflich, wenn Noah bisher zumeist bloß als kuriose Gestalt gewertet wurde. Um so dankenswerter ist die umfangreiche Beschreibung seines Lebens, di-e uns durch einen kundigen und geschulten Historiker gegeben Wird: isaac Gold h erg hat nach umfangreichen Quellen- Der Schocken Verlag (Fortsetzung von Seite 9) jüdischen Schule in Deutschland sorgen, das Jahr 1937 die ספרי מיפת eine Sammlung klassischer Biicher des Judentums in vorbildlichen Drucken. Der hebräische Bestand des Verlage.^, der sich Ins dahin vor allem um das Gesamtwerk des Dichters Agnon und die Arbeiten des Forsch un^si n s t i 1111 s für hebräische Dichtung konzentriert hatte, wurde damit wesentlich erweitert. \Vas sind Sinn und Wirkung dieser Leistung? 1111 Laufe von funf Jahren hat der Sdiockeri-Veriag an die 200 Bände veröffentlicht und verbreitet. Der innere Umfang seiner Ge- Samtproduktion ist ein Spiegel beinahe allen jüdischen Seins und Denkens, mit zwei großen, freilich bezeichnenden Ausnahmen: die Gebiete der Wirtschaft und der Politik sind nur in Ansätzen vertreten, als die Silbergleits großes statistisches Werk, ßuhers prinzipielle Darlegungen und die deutsche Ueherset/ung des IW cl-Berichtcs genannt seien. So entspricht das Werk des Verlages jenem tieferen Streben, auf die Aktualität nicht mir in der aktuellen Schicht zu reagieren, sondern die Antwort aus tieferen Quellen 711 holen. Der Schockcn-Verlag hat dieses Bedürfnis erkannt, zum Teil befriedigt, und vor allem unablässig genährt. Vielleicht steht ihm noch die weitere Aufgabe bevor, von den geistigen Grundlagen des Judentums her die aktuellen Aufgaben des Volkes anzugehen, ohne deren Bewältigung vom Geiste her dieser zur Flucht aus der Wirklichkeit verleiten kann. Dr. Ernst Simon, Jerusalem Studien und unter Benutzung unveröffentlichter Briefe ein ausgezeichnetes Bildnis Major Noahs entworfen. Es beweist, daß Noah nicht allein ein Mann ungewöhnlich vielseitiger Begabung war — er war gleichermaßen angesehen als Journabst wie als Politiker, als Jurist und als Dramatiker, als hoher Staatsbeamter in diplomatischen und anderen Diensten und als Philanthrop —, sondern auch ein Denker außerordentliehen Formats. — Bei der Beurteilung von Noahs ersten Judenstaatsprojekten <1825) zitiert Goldberg die Urteile von Gelber und Raisen (der 1905 eine hebräische Biographie Noahs schrieb) und macht sich ihre Ansicht, daß Noah nicht nur der erste Zionist Amerikas, sondern überhaupt der erste politische Zionist war, zu eigen. Es ist verständlich, wenn uns ein Vergleich Noahs mit Herzi naheliegend erscheint, nicht allein auf Grund äußerlichcr Aehnlichkcitcn (Herkunft von journalistischer, politischer und literarischer Arbeit; Erfahrung der objektiven Judenfrage), sondern mehr noch auf Grund gedanklicher Verwandfschaft. Diese wird mehr noch als bei dem noch reichlieh utopischen Projekt von 1825 fühlbar, als Noah 1814 zwei viel beachtete Reden über die ״Wiederherstellung der Juden“ hält und nun eindeutig eine Ncubesiedlung Palästinas fordert. Er war dabei freilich mehr als Herzi von messianischen Ideen nütbestimrnt und überhaupt scheint Noah — der auch als Journalist stets den Schabbat hielt — mehr als Herzi dem jüdischen Lehen verbunden, sei es durch seine Erziehung, sei es durch seine vielfachen Beziehungen zu Juden in zahlreichen Ländern, die er als amerikanischer Konsul in Tunis oder auf seinen weifen Reisen kemiengelernt hatte. Noahs Eigenheiten sind allein zu verstehen, wenn wir ihn (mit Goldberg) als typischen Vertreter der Juden Amerikas erkennen. Zweifellos hat Noah Wesentliches von dem schon konzipiert, was erst von Herzi neu formuliert werden mußte, um allmählich gehört zu werden: eine Idee, die zur rechten Stunde ausgesprochen wird und Feuer schlägt, kann ihren Träger zum Heros machen, — vorzeitig veröffentlicht, verdämmt sie oft zur Lächerlichkeit. Noah hatte mit den gleichen Widerständen wie Herzi zu kämpfen: Protestrabbiner und Mißdeutungen lernte er Jahrzehnte vor ilun kennen, aber auch der Mißerfolg machte den unerschöpflich planenden und tätigen Major nicht verzweifeln und die erstaunlich weitsichtigen Ideen für eine Erneuerung des jüdischen Erziehungswesens, die er als Alternder aussprach und zum Teil sogar noch verwirklichen konnte, beweisen, daß er tatsächlich in keiner Weise ein Phantast war, sondern ein (zwar vielfach schillernder und deswegen nicht eindeutig festzulegender) Kopf, dem es seiir ernst war um eine Erneuerung und Festi- 1111g des jüdischen Geistes und Volkes, ein Mann, der auch icrin also seiner Zeit weit vorauseilte. Hans Lamm ROMANE Kurban Said: Ali und Nino, Roman. —■ E. P. Tal & Co., Wien-Leipzig 1937. In einem spannenden Roman, der den Kampf eines Mohammedaners um die Liebe eines georgischen Mädchens schildert, erleben wir ein Schicksal dieser beiden jungen Menschen, der: Vertretern zweier so verschiedener Völkergruppen und Religionen, die schwere Zeit während des Weltkrieges, und der Auseinandersetzungen der Naclikriegszeit, den Freiheitskampf der Völker Aserbaidschans. Ali und Nino leben in Baku und Heben sich schon seit ihrer Schulzeit, die Ali in einem russischen Gymnasium verbrachte, Nino in einem Mädchenlyzeum. Wunderschön ist die spannende Erzählung ihrer jungen, kraftvollen Liebe geschrieben. Aber auch der Zauber des Orients fesselt ganz ungemein, eines Orients, der uns oft zugleich unheimlich erscheint und durch das Vordringen Europas in diesen Teil Asiens schon nicht mehr ganz seine alte Form erhalten kann. Der Untergang des jungen aserbaidschanischen Staates nach dem Abzug der Engländer bildet den packenden Abschluß der Erzählung. Emil Lucka: Der Impresario, Roman. — Herbert Reichner Verlag, Wien 1937. Ein Kaffeehauskellner erlebt den Aufstieg zum Impresario, wird Entdecker Rossinis und Mitgestalter der damaligen Opernwelt, ohne auch nur das geringste von Musik zu verstehen, nur durch seine Intelligenz und den starken Willen zu Macht und Reichtum. In diesem Roman erfindet Rarhaia, Kellner in einem kleinen italienischen Cafe, den Milchkaffee, geht dann als Löwenbändiger in den Zirkus, um den Löwen Abend für Abend seinen von ihm entdeckten Milchkaffee zu servieren. Aber nicht lange bleibt es dabei, er wird der Geliebte einer sehr einflußreichen, vermögenden Dame der italienischen Gesellschaft und arbeitet sich weiter herauf, bis zum allmächtigsten Impresario Italiens. Seine spätere Geliebte, die Sängerin Collan, wird die Frau Rossinis. Vor unseren Augen rollt die Opcrnwelt der damaligen Zeit ab, mit ihren großen Könnern aut dem Gebiete der Koloratur. Am besten gezeichnet ist die kraftvolle Persönlichkeit Barbaias. Lucile Decaux: Madame Waiewska. Napoleons große Liebe. Ans dem Französischen von Dr. Otto AI brecht van Bebber. — Wilhelm Goldmarin Verlag, Leipzig 1937. Im Mittelpunkt dieses biographischen Romans steht eine junge polnische Gräfin, Marie Waiewska, die Napoleon bei seinem Einzug in Polen begegnet und ihm die Worte ״Retten Sie Polen“ entgegenruft. Sie will die Fürsprecherin ihres Vaterlandes, das sie glühend liebt, sein, aber ihre Liebe zu Napoleon überwiegt ihren politischen Ehrgeiz, und sie ist ihm dann nur Geliebte, die treueste Freundin bis zu ihrem Torfe. Auch in die Verbannung nach Sf. Helena wäre sie ihm gefolgt, wenn sie nicht kurz zuvor einer plötzlich ausgebrochenen Krankheit erlegen wäre. Die Frauengcstalt Maries zeichnet Decaux mit großer Zartheit und Verständnis für ihr tragisches Schicksal. Ch, F. ■ , Jüdischer Buchverlag Erwin Löwe BERLIN W50 Schaperstr. 8 Uns 8r§ A ul 0 r ©m E. B. Cohn « 5, Duhnow * Pro!. 0bogen Arthur Eloesser Karl Escher * Georg Landauftr . Sthmarjshu Levin * Jacob Picard Joachim Prinz » Martha Warthelmer u. a. J Der Verbreitung jüdischen Wissens und jüdischen Schrifttums, der Förderung jüdischer Autoren und der Erweckung iüdischen Bewußtseins dient die Arbeit aes PHILO VERLAGS Wir verlegten in Phi!״ L^ikon. _ . 4.80 Philo Zitaten.Lexikon . , , . 3.50 Philo fjitihe rei je . » . , . 1.10 Poppudbände je . LsruLbf r^er, Einführung in d i i e 1,60 jüdiAclif Kumi. Stern, Pftlä'.iinervfüj.che 3.40 Alt.r! um״. 4.00 Maybnurr, Pfli'tfihetrdte«; Ju׳L MAvbj1״m, Neue Jugend und ׳nt um alter 2.00 Gl. mb«. 2.80 Jürii'dt־׳ Gestalten und ihre jeroWMn. SabsthUan* und Zeit 3.60 f e e <,«.:> *ר £.. ״ 1.70 Sin-hfimtr, Mann Nunnez ״ , 3,25 den letzten Jahren: W.1r5chrtu<pr, Jüdisch Jugend b»ut auf 1.50 C7rilii?<*r, Mun Stammbaum , . 1.30 Blumr nfrld, Psychologie der Reifezeit 4.00 Apt, Konstruktive Auswanderung׳*• politik. 0.70 Ede'.hfim. 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