Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Saite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 86, 29. X. 1937 Die Orangen-Straße Von Tel Aviv nach Haifa auf der neuen Chaussee Schafft Qualitätsarbeit! Von C. Z. Kloetzel, Jerusalem Die neue Straße hat schon ihren volkstümlichen Namen: ״Derech hatapusim“ die ״Orangen-Straße“. Das ist ein Name, wie er sein soll: schön und sachlich zugleich. Poetische Gemüter denken dabei an ■die tiefgrünen Pardessim mit den foldenen Früchten, die auf zwei Dritteln ihrer Länge die traße flankieren. Prosaischere oder solche, die sich an Zahlen berauschen, denken an die mehr als zehn Millionen Orangenkisten, die in dieser Saison über die neue Straße zu den Verschiffungshäfen Haifa, Tel Aviv und Jaffa rollen werden — denn auch ein Teil der arabischen Ernte muß diesen Weg nehmen. Jedenfalls verspricht der ״neue Kwisch“ für Erez Israel von einer ähnlichen Bedeutung zu werden, wie sie eirrmat die ״Seidenstraße“ für China und der ״Gewürzweg“ für den Orient hatte. Sofern man eine moderne Chaussee von knapp zwei Autofahrstunden Länge mit jenen altehrwürdigen transkontinentalen Karawanenstraßen vergleichen darf.... Wie weit reicht Tel Aviv? Es gibt Phantasten, die man in fünfzig Jahren vielleicht Realisten nennen wird, die malen uns das Bild einer einzigen, ununterbrochenen Stadt von Tel Aviv bis Haifa. Die Vor- Stellung ist alarmierend, aber man kann nicht leugnen, daß Ansätze zu ihrer Verwirklichung bereite vorhanden sind. Wie weit reicht Tel Aviv heute schon nach Norden? Petach Tikwah mag auf seine neu erworbene Würde als ״township“ s־chr stolz sein, in Wirklichkeit ist es nichts als ein Vorort Tel Avivs. Dessen Einflußsphäre reicht kilometerweit darüber hinaus. Bis nach Raanana weist der Verkehr jene Dichte und Frequenz auf, die dem ״Vorortverkehr“ aller Städte eigen sind. Erst hinter der Wegkreuzung nach Herzliah beginnt die neue Chaussee — die erst von hier ab auch wirklich ״neu“ ist — den Charakter einer großen Ueberlandstraße anzunehmen. Von plötzlicher Verkchrsschwcllung ist schon mehr als eine Stadt überrascht worden; warum sollte Tel Aviv eine Ausnahme machen? Da man dort nicht jene Großzügigkeit -MAGISTER KIRSCH- Der gute llkör M&ßister-Likörfabrik, MUnchen VII• In BtrMntubtiieh.durchd!• Weingroßhandlung Bernhard Brauer, Burgstraße 3 / Ruf: 5t 43 40 bei der Anlage des Ortes bewies, die Chederah durchgehend mit 30 m breiten Straßen versah (was es jetzt vor einer Verkehrs-Katastrophe bewahrt), so muß sich der plötz■ lieh auf mindestens das Vierfache gesteigerte Nordverkehr durch eine enge und gefährliche Pforte zwängen, wo ein Ausfallstor von größtem Ausmaß gerade genügen würde. Zu manchen Stunden des Tages bewegt sich zwischen Tel Aviv und Petach Tikwah ein einziger, ununterbrochener Strom von Fahrzeugen aller Art in beiden Richtungen. Dabei gibt oft das langsamste Vehikel das Tempo an, da• es nicht Platz zum Ueberholen zu machen vermag. Dieser Teil der Straße ist ein buntes Mosaik von Pardessim, industriellen Anlagen und laudwirtschaftlichen Betrieben. Es gibt hier mehr Pferdefuhrwerke, als der Motorverkehr ohne Schwierigkeit neben sich dulden kann. Sehr bald wird das Problem auftauchen, aus der Orangenstraße eine reine Autostraße zu machen und den lokalen Verkehr auf Parallelstraßen zu verweisen. Wo die neue Straße Ortschaften durchschneidet, wie z. B. in Ramatajim, ist dieses Problem schon heute brennend fewordeil. Auch ohne Zitrassaison mit ihren Hunderten von astautos ist der Verkehr auf der Straße eine Gefahr insbesondere für die Kinder. Solche Orte sind zu klein, um eine Verlegung der Chaussee an ihre Peripherie zu rechtfertigen; sie müssen ihre eigene Verkehrsfront ändern und sich eine neue ״Hauptstraße“ schaffen, die unberührt bleibt vom Transitverkehr. Ein zweites ״Ramoth Haschawim" Wer nicht im 80-km-Tcmpo über die neue Straße rast, sondern sich hier und da Zeit läßt zu einem Abstecher, wird manche interessanten Entwicklungstendenzen feststclien können. So kann man beobachten, wie die Stadtnahe einer heißumstrittenen Siedlungsform zum Durchbruch verholten hat, deren Bedeutung für Erez Israel auch heute noch nicht abzuschätzen ist. Neben Ramatajim liegt dicht an der Chaussee, aber mit der Achse senkrecht zu ihr, das ״Eierdorf“ Ramoth Haschawim. Es sind zum größten Teil Akademiker aus Deutschland, die hier eine neue Existenz gefunden haben. Die ״Hier-Jecken“ von Ramoth Mascha wim haben heute ihre wirtschaftlichen Sorgen, wie die ganze landwirtschaftliche Bevölkerung. Aber es herrscht bei ihnen übereinstimmend •die Ueberzeugung, daß Grundidee und Aufbau ihrer Siedlung sich in den vier Jahren ihrer Existenz durchaus b ewährt haben. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß unter der gleichen Leitung, unter der Ramoth Haschawim entstanden ist, in unmittelbarer Nähe eine zweite Siedlung des gleichen Typs, Ramath Hadar, in Angriff genommen wurde, die weiteren 35 Sicdlerfamilien aus Deutschland Raum bieten soll. Das heißt ein bereits gelungenes Experiment wiederholen — vermehrt um die Erfahrungen, die man in Ramoth Haschawim gesammet hat. Der Mann, der diese Siedlungsform ein halbes Leben lang gegen Widerstände aller Art verteidigt hat, Davis Trietsch, hat den Beginn der Verwirklichung seines Gedankens noch erlebt. Er starb bald daraut in Ramatajim und liegt dicht an der Orangenstraße begraben, aut dem Friedhot von Magdiel. Die Siedler von Ramoth Haschawim haben inmitten ihres Ortes •ein wundervolles Ruheplätzchen feschaffen, von dem aus man weit in das Land hineinsielrt, as mit seinem tiefen Grün hier eines der schönsten Fleckchen Erde in Erez Israel bildet. Dieser baumbestandene Hügel heißt ״Gan Davis Trietsch“. Das befreite Emek Chefer In anderen Ländern, vornehmlich in Amerika, treibt man als erstes Chausseen und Eisenbahnen in unerschlossene Gebiete vor in der Gewißheit, daß die Ansiedler bald ihnen fo!־ gen werden. Die palästinensische Verwaltung ist wejt entfernt von solch amerikanischer ״Wagehalsigkeit“. Und man darf getrost behaupten, daß die große Küstenstraße Tel Aviv— Haifa wohl nie Wirklichkeit geworden wäre, hätten Keren K a j emeth und Keren Hajessod nicht das Emek-Chefer erworben und besiedelt. Hier klaffte die große Lücke zwischen den jüdischen Siedlungen, die nördlich von Tel Aviv und siid- ]ich von Haifa ausstrahlen. Erst durch den Erwerb dieses ״missing link“ konnte der neue Kwisch im wesentlichen ein jüdischer Kwisch werden. Für das Emek Chefer bedeutet die Oeffming der neuen Straße tatsächlich eine Befreiung aus ökonomischer wie aus vtrkehrstechnischer Isolation. Wer da weiß, wie un ergründlieh im Sommer der Sandweg, im Winter der Schlammweg war. der die Siedlungen des Emek Chefer früher auch nur mit dem nahegelegenen Chederah verband, der wird die Befriedigung ermessen können, mit der man heute von Mischmar Hascharon und Kfar Jedidja, von Maabaroth und selbst von Die ״Tozereth-Haarez'*-Frage Im Handelsteil des ״Haarez“ wird ausgeführt: Der Verband zur Förderung der einheimischen Waren (״Tozereth Haarez“) führte Klage über die Hafengesellschaft von Tel Aviv, weil sie Boote aus dem Auslande bestellt hat. Die Hafengesellschaft stellte daraufhin richtig, daß sie 35 Boote hei hiesigen Bootsbauern bestellt habe und für das nächste Halbjahr Arbeiten für £P 10 000 vergeben habe. Die einheimischen Unternehmungen seien jedoch nicht imstände, die große Zahl von Booten zu liefern, die für die Orangensaison benötigt werden, nachdem die Exporteure bis 2 Millionen Kisten über den Hafen von Tel Aviv verladen wollen. Auch die Qualität der von den hiesigen Boots-Bauwerkstätten gelieferten Arbeit stehe noch nicht aut der gewünschten Höhe, Einzelne Boote mußten, da sie leckten, sofort wieder aus dem Wasser geholt werden. Es ist bedauerlich, daß die Bootsbauleute glauben, unter dem Schutz der Tozereth-Haarez-Propaganda von Qualitätsarbeit absehen zu können. Wenn die einheimische Industrie bessere Produkte liefern wird, so werde sie auch das Vertrauen bei der Kundschaft heben. Diese Feststellungen sind von allgemeiner Bedeutung. Die Preise der jüdischen Produkte sind ohnedies schon hoch. Die Anregungen der Hafengesellschaft über Qualitätsarbeit können viel zur Lösung des Problems über den Absatz der jüdischen Produkte beitragen. Der ,,Haarez" konstatiert die großen Erfolge der Tätigkeit der Liga für Landesproduktion: 612 Lebensmittelgesc hafte haben sich verpflichtet, 40 verschiedene Artikel •nicht aus dem Ausland zu beziehen. Unter diesen sind 15 Delikatessengeschäfte, die bisher solchen Abmachungen fern standen. Die angeschlossenen Geschäfte bekommen Marken für den Verkauf von Landesprodukten zugeteilt, und in den Schulen wihl Propaganda für das Sammeln dieser Marken gemacht, fn 400 Läden wurden in den letzten Monaten Nachprüfungen vorgenommen. Es ergab sich, daß viele Artikel zum größten Teil aus Landesprodukten gedeckt werden, so zu 80—00 % Backpulver, Speisefette, Puddingpulver, Schokolade, Bonbons, Kakao, Kakes, Fruchtsäfte, Hefe, Honig, Würste, Mazzoth, Wein und alkoholische Getränke, Salz, Zigaretten, Streichhölzer, Kerzen, Zahnpasten, Tüten. — Teigwaren, Bier, Rasierklingen, Schuhcreme, Margarine, Besen und Waschmittel hingegen sind wohl meistens aus dem Inland, aber werden auch noch in großen Mengen eingefühlt. Bei eingelegten Gemüsen und Gurken und Marmelade und bei gewissen Reinigungsmitteln setzt sich die einheimische Produktion nur langsam durch. Auf dem Gebiete der Bekleidungsindustrie hat die Schuhindustrie den größten Erfolg. Die Kleiderindustrie kommt langsamer vorwärts. Einheimische Seide wird jetzt mehr als bisher verkauft. Hüte aus Stroh und aus Filz werden im Lande gemocht. Die einheimische Trikotagenindustrie beginnt sich durclizusetzen, obgleich auch aut diesem Gebiete der Import noch groß ist Die Herrenkonfektion kann noch nicht mit der ausländischen Ware konkurrieren und macht darin auch keine Fortschritte. Die Wirkindustrie versucht jetzt Schulen und Sportvereine für ihre Produktion za interessieren. Auch Verbandstoffe werden jetzt im Lande hergestellt. — Betrübend ist, daß die Kaufleute die Abmachungen mit der Liga häufig nicht oder nur teilweise einhalten. Man müßte die Aufsicht verstärken, was wegen der hohen Unkosten schwierig ist Lohnsenkung schwächt Kaufkraft Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: In Entgegnung auf viele Anregungen aus den Kreisen der Histadruth, den Lebensstandard der städtischen Bevölkerung zu erniedrigen und dadurch die Krise zu erleichtern, weist Eh-, Horowitz im ״Dawar“ nach, daß ein solches Vorgehen nur zu eine* Verschärfung der Krise für die Landwirtschatt führen könne: Die ausgegebene Parole ist ein Beispiel für eine irrationale Gedankenrichtung, deren Träger ihre eigenen Interessen gering achten. So nur ist es zu verstehen, daß sie gerade in den Kreisen der Landwirtschaft populär werden konnte. Die Kundschaft der jüdischen Land- Wirtschaft in den Städten sind meist Beamte, Angehörige der freien Berufe und bessergestellte Arbeiter. Sinken die Gehälter und Löhne, so sinkt der Lebensstandard dieser Schichten Der gesunkene Verkauf von Milch und Milch- Produkten in diesem Jahre ist dafür ein belehrendes Beispiel. Die Höhe des Erlöses der landwirtschaftlichen Produkte spiegelt treulich die Lohnschwankungen in der Stadt wider. Die dünnen Schichten aber, die ihre Einnahmen nicht verbrauchen, verändern ihr Kaufvolumen auch in Zeiten Wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht. Sinken die Gehälter, so kann sich nur ihr Kapital vermehren. So friert durch eine solche Minderung der Löhne nur noch mehr Kapital ein und geht der Landwirtschaft als Geld des Käufers' verloren. Die von dem Lohnabbau betroffenen Familien aber greifen zunächst zu den billigeren Importwaren, damit sie die Einschränkungen weniger fühlen. Natürlich liegt die Frage der Lohnhöhe in jedem Lande je nach seiner wirtschaftlichen Struktur verschieden. In einem Lande, das vom Export lebt, kann die Verbilligung der Produktion durch Lohneinschränkung ein wirtschaftlich belebender Faktor sein. Aber in Palästina liegen die Dinge anders. Weniger als ein Sechstel der Jahresproduktion kommt zur Ausfuhr, und nur dieser Teil kann bei einem Lohn- und Gehalteabbau gewinnen. Und das würde noch dazu bei uns im wesentlichen den Landarbeiter der Plantagen betreffen, der ohnehin wirtschaftlich schlecht gestellt ist, nicht aber den städtisehen Arbeiter und Angestellten. Die sonstige Produktion hängt von der inneren Kaufkraft ab. Wenn die gemischten Wirtschaften also den Lohn- und Gehaltsabbau in der Stadt verlangen, so fordern sie damit, den Ast abzusägen, auf dem sie selbst sitzen. dem entfernter liegenden Kfar Witkin auf das breite, ebene Straßenband blickt, das auf einer funkelnagelneuen Brücke den Alexanderfluß überquert. Es bedeutet nicht nur eine zuverlässige Verbindung mit der Außenwelt zu allen Jahres- Zeiten und eine erhebliche Verbilligung aller Transporte, sondern vor atlem .... Sicherheit! Mißvergnügtes Chederah Auch die heilste Mittagssonne kann es nicht ganz vermeiden, Schatten zu werfen. Wenn alle Welt das Loblied der Orangenstraße singt — Chederah stimmt eine Jeremiade an. Der ״neue Kwisch‘‘ macht ihm Sorgen. Eine dieser Sorgen wird in absehbarer Zeit behoben sein. Heute bildet eine der Hauptstraßen einen Teil der neuen Chaussee? und der ganze Verkehr Haifa—Tel Aviv muß den Ort passieren. Wären seine Straßen nicht so breit, so wären zahlreiche Unfälle kaum zu vermeiden. Aber in absehbarer Zeit wird die Chaussee um Chederah herumgeführt werden, und damit dieser Grund zur Klage verschwinden. Der andere wird bleiben: daß die schnelle Verbindung in je einer Stunde nach Haifa oder Tel Aviv die Einwohner Chederahs verleitet, ihre Einkäufe nicht am Ort, sondern in einer der beiden ״Großstädte“ zu machen, wo es vermeintlich größere Auswähl und bestimmt größere ״Bummelmöglichkeiten“ gibt. Wer aber in Chederah Station macht, wird in ihm nicht nur einen der landschaftlich schönsten Orte Erez Israels finden, sondern auch einen der fortschrittlichsten. So wird es wenige Plätze der gleichen Größenordnung geben, die ein so ausgezeichnet eingerichtetes Krankenhaus hanen, wie Chederah es dank privater Initiative besitzt, und das schwer um seine Existenz ringen muß, weil die Krankenkasse es vorzieht, ihre eigenen Ratienten nach Petadh Tikwah zu schicken. Und wer zufällig eines der — ebenfalls privat organisierten — monatlichen Kammerkonzerte mitmachen darf, zu denen die besten Künstler des Landes aufgefordert werden, scheidet von Chederah mit einem Gefühl von Respekt und Sympathie. Von Herrlingen nach Meged Besucher aus Deutschland, die über die Orangenstraße fahren, sollten es nicht versäumen, dicht bei Pardeß Channa an der Stelle haltzumachen, wo ein Schild zu ״Meschek Jeladim Meged“ weist. Dort hat, im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Jaffa Pianlation Company, die frühere Leiterin eines Kinderheimes in Herrlingen ein Heim für Kinder eröffnet. Die gute Frequenz des Heims, das insbesondere Kindern aus zerrütfeten Familien Verhältnissen und Schwererziehbaren dient, beweist, daß es auch im sozialen Sinne eine Lücke ausfüllt. Hinter B e n j a m i n a tritt bald das Meer an die Straße heran, Sichron Jaakow liegt schon abseits auf der Höhe eines Karmelausläufers. Noch zehn, fünfzehn Minuten, und die ersten Häuser von Haifa künden an, daß die Reise über die Orangenstraße beendet ist. Neue englisch ־ arabische Verhandlungen? ״Haarez“ berichtet, Kolonienminister Ormsby-Gore habe den Chefsekretär der Palästina-Regierung, William Denis Batters 11 i11, als Stellvertreter des High Commissioner beauftragt, mit den vier in Palästina noch verbliebenen Mitgliedern des Obersten Moslemischen Rates die Forderungen zu besprechen, die sie in ihrer Denkschrift an die Regierung als Vorbedingung für ihre Mitarbeit erhoben haben. Die Scheichs und Ulemas von Akko habe nan den Distriktekommissar eine Bittschrift gerichtet, in der sie ersuchen, die politischen Gefangenen anläßlich des bevorstehenden Ramadan-Fastens freizulassen, da sie den re Ligiösen Vorschriften im Gefängnis nicht entsprechen könnten. Besuch in ״Kfar Shmaryahu“ Von Adolf Pollak Bei der landwirtschaftlichen Ansiedlung von Juden aus Deutschland hat in erster Reihe die bei der Jewish Agency bestehende (von Dr. Georg Landauer geleitete) ״Zentralstelle für die Ansiedlung der Juden aus Deutschland“ mitgewirkt, deren Leitung in den letzten vjer Jahren auf den verschiedensten Gebieten des Aufbaus eine sehr umfassende war. Zu den Institutionen, die ihre Entstehung dieser Zentralstelle verdanken, gehört auch die Rural Suburban Settlement Company, kurz RASSCO genannt, die sich der landwirtschaftliehen, vorstädtischen und städtischen Kolonisation widmet. Es besteht die Absicht, die gesamte Mittelstandskolonisation, soweit sie sich auf Juden aus Deutschland erstreckt und von der Zentralstelle initiiert ist, durch die RASSCO durchführen zu lassen. Nach gründlicher Vorbereitung ist die RASSCO im Mal d. J. zur Schaffung der ersten landwirtschaftlichen Siedlung f‘ Angrenzend an Herzliah, das nach neunjährigem Bestand heute über 4000 Einwohner zählt, wurde ein Punkt gewählt, der gleichermaßen durch seine landschaftliche Schönheit wie günstige Lage auffällt. Zu beiden Seiten eines sanften Hügels, auf dessen Abhängen die Häuser errichtet werden, sind die Gärten und Felder. Nach dem Westen erbückt man das Meer, dessen Strand nur einen Kilometer von der Siedlung entfernt liegt Die Bodenfläche, zirka 600 Dunam, wird 80—90 Familien Raum geben, wobei sowohl Vollsiedler mit 11—13 Dunam, wie Hilfswirtschaften mit 2—3 Dunam geschaffen werden sollen. Audi eine Reihe vorstädtischer Bauplatze sind vorhanden. Alle Erfahrungen der letzten Jahre wird man bei dem weiteren Ausbau dieser neuen Siedlung verwenden. Man ist sich darüber im klaren, daß für jeden Siedler eine hinreichend roße Bodenfläche vorhanden sein muß, daß eine, den edürfnissen der Siedler wirklich angepaßte Planung notwendig ist, durch welche die Vielseitigkeit der Wirtschaft auch in Krisenzeiten eine Existenz bietet und daß eine vernünftige kooperative Organisation für Einkauf und Absatz sorgen muß. Beste, anerkannte Sachverständige für alle Zweige der Land- Wirtschaft, des Häuserbaus usw. sind Vorhanden. Seit Mai sind etwa 20 Häuser fertiggestellt, ein Teil der Gärten und Felder vorbereitet worden und die meisten anderen Häuser im Bau. Die einfache äußere Schönheit und Zweckmäßigkeit der inneren Einrichtung der Häuser macht einen ausgezeichneten Eindruck. Neben den Vollsiedlern, die bereits dort sind, wurden auch eine Anzahl von Hiifswirtsdiaften eingerichtet, wobei diese Siedler ihre ersten Ansiedlungskosten durch den Coundl for the German Jewry erhalten haben. Kfar Shmaryahu ist eine junge Siedlung, auch im Hinblick auf die Menschen, die dorthin gingen. Meist sind es junge Ehepaare, die Vollsiedler bauen ihre Wirtschaft auf, die andern helfen dabei und finden einen Teil ihrer Existenz in der Siedlung selbst oder durch Lohnarbeit in den großen Siedlungen des Scharon. Man ist sich der Schwierigkeiten bewußt, aber es herrscht kein Pessimismus, von dem heute ein so großer Teil des Jischuw auch auf dem Lande ergriffen wurde. Letztes Verantwortungsgefühl der Initiatoren dieser neuen Siedlung, gründliche Sachkenntnis aller Zweige der Wirt- Schaft bei den Instruktoren und der stille aber echte Pioniergeist des Jungen Jischuw schafft einen neuen Punkt In der lieblichen Scharon-Ebene. In ernster Zeit entstanden, wird auch diese Position sich behaupten und gleich den heroischen, neuen Siedlungspunkten auf KKL-Boden im Jordantal ein Wahrzeichen ungebrochener Kraft und zielbewußten Aufbauwillens sein. Die Palestine Land Development Co. hat beschlossen, eine Zwisdhendividende von 3 % auszuschütten, (Schluß des PalSstfnateils) i %