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Jüdische Rundschau · 1937-10-29 · Heft 86 (29.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 86 (29.10.1937)
Date
1937-10-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-1.11.1S37 Rr. *yf Jahrgang; 42 fUdnktion,Verlag and Anzelgenvtrwaltiing 1 Berlin W15, HelnekeBtr. 10 Fernruf« 919091, Telegramm •Adrema• t Orghlp. — B«zug«preia •üu&Heßlich BtsUilgeldl je Mannt RM 2,״■“, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung׳ RM 1,88 brw. RM 5,39. — PostscJiedc יי Konten der Vertriebs »Abteilung Berlin 715 73 (für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Preis 25 Rpf. E RUNDSCHAU Gültig: Anzeigenpreisliete Nr. 5• Die 12 gespaltene mm . Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»- anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9— J 8 Uhr. Anoahnaeschluß für die Dienstag ** Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Familien *Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) BERLIN כ״ד מרוזשון תרצ״ח FREITAG, 29. OKTOBER 1937 Der Zionismus erstrebt für das (ddisclie Volk die Schaffung einer öffentlich ■ rechtlich gesicherten Heimstatt« in Palästina. (Baseler Programm) Botschaft Weizmanns an die Landes-Konferenz des Keren Kajemeth Lejisrael in England ״Vor wichtigen Entscheidungen“ Der Präsident der jewish Agency lind der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, hat eine Botschaft an die am 23. und 24. Oktober in London abgehaltene 14. Jahreskonferenz des Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland gerichtet. Der Be- Schluß des Fonds, so heißt es in der Botschaft, die Auslösung des Gabi fortzuführen, ist in diesem Atigenblick von höchster Bedeutung. Galiläa ist verhältnismäßig gut bewässert und für geschlossene Siedlung und intensive Kultur hervorragend geeignet. Noch nie in der Geschichte der Entwicklung P a 1 ä s t i n a s war das Bedürfnis nach landwirtschaftlicher Siedlung größer als jetzt. Der Jüdische Na!io11:1!fonds hat bei diesem großen Werk eine hervorragende Rolle gespielt; die Errichtung von 13 neuen Siedlungen im vergangenen Jahr war allen, denen Palästina teuer ist, eine Quelle der Freude und des Stolzes. Der Fonds muß einer vergrößerten landwirtschaftlichen Sied- Iung die Bahn ebnen; darum muß er von jedem Juden unterstützt werden. Ihre Konferenz, erklärt Weizmann weiter, tritt iii einem Augenblick zusammen, da d i e zionistische Bewegung vor wichtigen Entscheidungen stellt. Der Kgl. Kommission, die im vergangenen Sommer ihren Bericht erstattet hat, soll eine weitere Kommission folgen, die Verhandlungen mit Juden und Arabern in Palästina führen .wird. Meine und meiner Kollegen Pflicht wird es sein, unsere .Sache vor ihr nach bestem Können zu vertreten. Das Wissen darum, daß der jüdische Landbesitz in Palästina ständig wächst, wird dabei unseren Standpunkt ungeheuer stärken. Je mehr Boden wir haben, insbesondere mehr Boden in Galiläa, um so stärker wird unsere Sache sein. An Menschen mangelt es uns nicht, Zehntausende geschulte Chaluzim warten auf die Gelegenheit, der schrecklichen Notlage in Ost- und Mitteleuropa zu entrinnen. Wir können große Einwanderungsquoten verlangen, aber wir Die Stimmung in England Erkenntnisse und Meinungsverschiedenheiten Von unterrichteter und höchst zuverlässiger Seite in London wird der JTA mitgcteilt, daß trotz gegenteiliger Ver- Sicherungen die gegenwärtige Situation in Palästina in den Kreisen der Regierung Besorgnis hervorgerufen hat. Trotzdem herrscht allgemein die Ansicht vor, "daß in dieser Parlamentssession keine neuen für Palästina bestimmten Gesetzentwürfe von der Regierung dem Hause vorgelegt werden. Die Regierung ist unbedingt entschlossen, nach keiner Richtung hin neue Schritte zu unternehmen, bevor nicht Ruhe und Ordnung in Palästina vollkommen wicderhergesteilt sind. Dementsprechend werden zunächst auch keinerlei Maßnahmen im Zusammenhang mit der geplanten neuen Palästinakommission getroffen. An der g r u n d s ä t z - liehen Annahme der Vorschläge der Kgl. K o m - mission in ihren allgemeinen Grundsätzen hält die Regierung nach wie vor fest. Man kann jedoch mit gutem Grund erklären, daß die Regierung sich der schweren Fehler, die in der Vergangenheit in Palästina begangen worden sind, bewußt ist. Ebenso offenkundig ist es, daß unter den Mitgliedern des Kabinetts Meinungsverschiedenheiten über die künftig einzuschlagende Politik bestehen. Die volle Wahrheit über die Haltung gegenüber “«™.Mufti ist bisher noch nicht an den Tag gekommen. Es heißt, daß schon im vergangenen Jahr Bemühungen unternommen worden seien, um der Tätigkeit des Mufti ein Ende zu machen, doch seien diese Versuche mißlungen. In pariamen-!arischen Kreisen hat die beharrliche Weigerung der Regierung, das Kriegsrecht in Palästina zu verkünden, Unzufriedenheit erregt. Immerhin wird es als ein wichtiger Schritt in der für wünschenswert gehaltenen Richtung angesehen, daß Ormsby-Gore am Donnerstag erklärt hat, di; Regierung sei jetzt davon überzeugt, daß der Mufti ein Feind Eng- I a n d s ist. Palästina und die mohammedanische Welt Vortrag eines indischen Mohammedaners In einem der Räume des House of Lords hielt, wie aus London berichtet wird, Sir Zafrullah Khan einen Vortrag über die Notwendigkeit freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Briten und den Mohammedanern aller Rassen. Der Redner ist ein angesehener indischer Politiker, war Führer der indischen Abordnung bei der Londoner Empire- Konferenz und bei den britisch-indischen Handelsvertrags- Verhandlungen. Sir Zafrullah Khan äußerte die Meinung, daß der vorgeschlagene Teilungsplan für Palästina einen Krankheitsherd schaffen würde, der niemals Heilung finden könnte. Er schlug für Palästina ein Verfassungs- System vor, dem ähnlich, das jetzt für Indien geschaffen werden soll. Dadurch könnte zugleich den Arabern eine müssen dafür sorgen, daß unsere Forderungen durch unsere Bodtnreserven gerechtfertigt sind. Weitere Begrüßungen Auch der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und des Zionistischen Akiions-Comites, M. M. Ussischkin, betonte in seiner Botschaft an die Konferenz, daß der rasche Erwerb großer Gebiete der einzige Ausweg aus der jetzigen gefährlichen Situation sei. Je größer der jüdische Landbesitz in den entlegenen Teilen Palästinas sein werde, um so größer die Aussicht, die politische Depression mit Erfolg zu überwinden. Lord Melchett erklärte in einem Begrüßungs- .schreiben, die Konferenz müsse im Zeichen der Entschlossenheit stehen, ohne Furcht vor den politischen Schwierigkeiten die wichtige Arbeit des Bodenkaufs fortzusetzen. Weitere Begrüßungsschreiben waren von dem Vorsitzenden des Jiidisehen Nationalfonds in Amerika, Dr. Israel Gold stein, der Marquise von Reading, Lady Fitzgerald und dem Unterhausmitglied Colonel H. L. Nathan eingetroffen. Ansprachen hielten der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds in England, Captain Robert B. Solomon, der Präsident des Board of Dcputies, Neville Laski, Rev. M. L. Perlzweig im Namen der English Zionist Federation und schließlich der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency in London, Prof. Selig Brodetsky, der u. a. sagte, die Araber hätten die Wahl, sich mit den Juden zu der Arbeit am Aufbau Palästinas zu verbinden, um dem Land seine historische Größe wiederzugeben, oder sich von dieser Entwicklung fernzuhalten und sich selbst dazu zu verurteilen, in der bisherigen Wüste zu bleiben. Die Konferenz wählte zum Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland Prof. Samson W r i g h t. Der bisherige Präsident, Captain Robert B. Solomon, wurde zum Vizepräsidenten gewählt. Es wurde beschlossen, im laufenden Jahr mindestens 75 000 Pfund für den Keren Kajemeth aufzubringen. vorherrschende Stellung in der Regierung Palästinas eingeräumt und doch auch für den Schutz der jüdischen Interessen gesorgt werden. Unter den Mohammedanern der ganzen Welt sei es geradezu zu einem Glaubenssatz geworden, daß das heilige Land nur unter mohammedanische Herrschaft kommen dürfe. Die Idee eines jüdischen Staates in Palästina möge wohl schon seit langem in den Köpfen der Leiter der zionistischen Bewegung lebendig gewesen sein, aber in den Vordergrund sei sie erst durch den Bericht der Königlichen Kommission des Lord Peel getreten. Das palästinensische Problem werde sicherlich zu einer mohammedanischen Frage werden, und in einer bereits schwer gestörten Welt stünden weitere schlimme Reibungen in Aussicht. Lord Lanii n gton, der in der Vorkriegszeit mehrere Jahre hindurch Gouverneur von Bombay war, antwortete dem Redner. Er meinte: der Zionismus solle einsehen, daß die Aufrichtung eines zionistischen Staates undurchführbar sei, und auf seine bisherige Zielsetzung verzichten. Tue er das, so würden Juden und Araber in Eintracht miteinander leben und ein wirkliches nationales Heim mit religiöser Freiheit erreichen können. Das aber werde sich nur ermöglichen lassen, wenn die Juden ihren Anspruch aut Souveränität über die Araber aufgäben. Aus Bagdad wird dem ״Haare/.״ gemeldet, daß dort eine Beratung arabischer Führer unter Teilnahme palästinensischer Vertreter stattgefunden hat, in der beschlossen wurde, einen neuen Panarabischen Kongreß nach Bagdad einzuberufen. Einwanderungs-Verordnung am 4. November in Krall Die neue Einwanderungsverordnung soll ohne wesentliehe Aenderungen des eben veröffentlichten Entwurfes a m 4, November in Kraft treten. Die Jewish Agency wird demnächst der Regierung ein Protestmemorandum gegen die neue Verordnung überreichen. Der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, Mosche Schertok, hat in einer Ve.Sammlung der Journalistenvereinigung erklärt, der Entwurf de!׳ neuen Ein- Wanderungsverordnung stelle eine Verletzung des Mandates dar, weil sie den Grundsatz, daß für die Regelung der Einwanderung nur die wirtschaftliche Aufnahmewähigkeit maßgebend sein soll, fallen läßt. Schertok äußerte sich weiter über die gegenwärtige Lage in Palästina und stellte fest, daß das Wirtschaftsleben unter der Unruhe schwer zu leiden hat. Jede Initiative in der Wirtschaft, insbesondere Neuinvestierungeil, sei zum Stillstand gekommen. Diejenigen, die glauben, daß der Terror durch Vergeltungsakte bekämpft werden kann, seien im Irrtum. Es sei sehr bedauerlieh, wenn man auf jüdischer Seite die Selbstbehcrrschling, sei es auch nur in seltenen vereinzelten Fällen, verlieren sollte. Wochen ־ Unischau Das Einwanderungsgesetz — Der Multi — Avinoam Yellin — Geschichte als Trost Entschiedener Protest nur kann die Antwort der Judenheit auf die neue Einwandcrungsverordnung der Palästina-Regierung sein. Kürzlich war erklärt worden, das Prinzip des ״po!i;isc!1c11 Maximums“ sei nur einmalig für die Zeit bis zum 31. März angewendet worden. Es war eine Notstands maßnahme für die Zeit "der Unruhe und des Ucberganges. Wenn jetzt, während der Geltung des Mandates, die Prinzipien dieser Ausnahmsregi'hmg zur Grundlage eines Gesetzes werden, dann ist das eine Verletzung des Mandates, zu der die Judenheit nicht schweigen darf. Die neue Verordnung sieht vor, dal! die Palästina-Regierung eine Höchstzahl von Einwanderern fest setzt und unter diesen die Zahl der Juden bestimmt; sie ist dabei an keine objektiven Umstände gebunden, sondern kann nach politischem Ermessen handeln. Dieses Qantenwstem ist unannehmbar. Hier gellt es um mehr als um die frage der Zahl der Einwanderer. Audi wenn man das Prinzip der ökonomischen Fassungskraft des!..;indes als maßgebend anerkennt, kann es Zeiten geben, wo aus ökonomischen Gründen die Einwanderung nur klein ist; in jedem Aufbau gibt es ein Auf und Ab, ein stürmisches Vorwärtseilen und erzwungene Ruhepausen. Vielleicht wird die ökonomische Lage auch im nächsten Frühjahr nur eine kleine Einwanderung zulassen; die Juden selbst müssen freilich alles tun, um die Möglichkeiten zu vergrößern, denn eine große Einwanderung ist ein Lebensbedürfnis für die wartenden Massen. Etwas ganz anderes aber ist das jetzt vorgeschlagene System. Bei der Tagung der Jewish Agency in Zürich hat Dr. Weizmann in seiner großartigen Antwortrede an Felix Warburg den unvcrrückbaren Unterschied zwischen Palästina und anderen Einwanderungsländern klargemacht: ln allen Landern wird heute die Einwanderung reguliert, es gibt Quotensysteme und Zulassungen nach jeweiligem Gutdünken der betreffenden Regierungen; in Palästina allein kann es für Juden eine solche Handhabung nicht geben, denn es liegt im Begriff des ״Nationalheims“, daß die Juden ein Recht haben hinzukommen. Dieses Recht besteht, auch wenn die tatsächlichen Verhältnisse, seien es Ökonomische Bedingungen oder andere plausible Umstände, in diesem oder jenem Moment die Einwanderung begrenzen. Die neue Formulierung des Gesetzes würde dieses von England i!n Weißbuch von 1922 und irn McDonald-Brief von 1931 anerkannte Recht der Juden verwischen, und darum muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden — wie Weizmann es in Zürich sagte — daß das jüdische Volk in diesem Punkte wohl der Gewalt weieben, aber die Antastung seines Rechtes nie anerkennen kann. 1111 übrigen müssen wir einsehen, daß es sich um ein Teil probleiri des größeren politischen Problems handelt. Kommt es zur Teilung Palästinas, lind das ist auch nach den letzten Erklärungen unverändert die englische Absicht, dann wird der künftige Jude 11 Staat die Ein- Wanderung selbst zu regulieren haben. Kommt im letzten Moment durch Vereinbarung eine andere Lösung der Palästina-Frage zustande, dann wird die Eimvanderung einen Bestandteil jeder neuen Vereinbarung bilden. Mag sein, daß die Engländer durch die neue Verordnung zur Beruhigung der Araber beitragen und beide Partner für Verhandlungen gefügig machen wollen, In England verspricht man sich jetzt sehr viel von der Mission des neuernannten Polizeiinspektors Sir Charles CvsltA Ue6e*6tick Der von Arabern angeschossene Avinoam Yellin ist seinen Verletzungen erlegen. Die lei :len Tage brachten in Palästina wieder eine Reihe von Terrorakten, hei denen u. a. ein Jude getötet wurde. Durch Brandstiftung im Balfour-Wald bei Nazareth wurde bedeutender Schaden angerichtet. Der M u f t i erhielt von der Regierung des Libanon eine Aufenthaltsgenehmigung, Leib Jaffe hat in einer großen Rede in Jerusalem £ 600 000 als Ziel der neuen KercnrHajessod-Carnpagne bezeichnet. Am 27. Oktober wurde eine Konferenz der Zionistischen Frauenorganisation Haifas sah in Atlantic City (USA.) eröffnet, die mit demj^25fährigen Jubiläum dieser Orga- »ation zusamincnfällt, ln Paris hat das Gastspiel der ״Ha bi in ah" bcu'iis begannen.

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