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Jüdische Rundschau · 1937-10-19 · Heft 83 (19.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 83 (19.10.1937)
Date
1937-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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21.10.1337 Nr. 8$ s Jahrgang 42 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAD Redaktion! Vsrlag und A nxelffenvertvaltnngi BcrlloWiS, Melntkeitr.10 Roramfi 91903t! Telegramm-Adr e»«e > Orghlp. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung bzw. RM 5,3^. *י“ Postscheck Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für Grofi - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. - Erscheint jeden Dienstag und Freitag• BERLIN י״ד מרחשוו תרצ״רו DIENSTAG, 19. OKTOBER 1937 Gfiltigi AnzeigeoptelslUte Nr. 5• Die 12 gespaltene mm ׳Zeile 20 Rpf., für Familien Nachrichten 15 Rpf, Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Flätzeo wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit«• anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. AnnabmeschluB für die Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Familien •Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Sffenfllcti - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Flucht des Mufti Neue Spannung• in Palästina - Attentate und Sabotageakte Schwere Beschädigung des Flugplatzes Ludd Arabisches Revolutionskomitee in Damaskus Vor einem neuen Aufstand? Das letzte Wochenende brachte in Palästina mehrere schwere Terrorakte, die allgemein als Teile einer zusammenhängenden Aktion der arabischen Extremisten betrachtet ■werden. Außer einem Attentat auf einen Eisenbahnzug und zahlreichen Bombenwürfen wurden durch Brandlegung auf dem neuen Flugplatz in Ludd wichtige Gebäude vernichtet. Bei einem Kamp! bei Hebron fielen zwei britische Polizisten. Die Grenze nach Syrien wurde gesperrt, in Jerusalem wurde der Ausnahmezustand (beschränktes Ausgehverbot) proklamiert. Der Multi von Jerusalem ist nach Syrien geflohen. Die Spannung hält an. Jüdische Todesopfer sind nicht zu beklagen. Wie die Flucht geschah England und der Multi Berlin, 18. Oktober Zwei Wochen nach den energischen Maßnahmen Englands gegen den arabischen Terror in Palästina haben nunmehr die arabischen Terroristen anscheinend zu einer Gegenaktion ausgeholt, die — ebenso wie die Unruhen des vorigen Jahres — ausgesprochen re- Volutionärtn Charakter hat. Das Land• ist wieder in eitlen Zustand der Unruhe und Unsicherheit gestürzt, und man fragt sich, ob die Regierung die Entschlossenheit und Energie haben wird, den einmal beschrittenen Weg bis ans Ende zu gehen und das Umsichgreifen von Gewalt und Anarchie zu verhindern. Leider ist auch jetzt noch die Haltung der Regierung durch Halbheiten charakterisiert, die zu Mißdeutungen über ihre endgültigen Absichten Anlaß geben können. Das hervorstechendste Ereignis des letzten Wochenendes ist die ungestörte Flucht des Mufti nach Damaskus. Wenn man bedenkt, daß heute von keiner Seite mehr bezweifelt wird, daß der Mufti das Haupt der Verschwörung und die Seele des organisierten, mit Terror und Gewalt arbeitenden arabischen Widerstandes ist, ein fanatischer und unbeugsamer Nationalist, dann ist es unbegreiflich, warum England, nachdem relativ viel harmlosere arabische Führer nach den Sevchellen deportiert worden sind, gerade den Mufti von dieser Maßnahme ausschloß und es zuließ, daß er sich mit den beiden nach ihm bedeutendsten Führern des arabischen Nationalismus Palästinas, Ds ehern al Hussein i und Auni Abdul H a d i, in Damaskus etabliert und dort die Fäden der Bewegung in der Hand behält. In der englischen Oeffcntlichkeit macht sich die Besorgnis über diese Wendung der Dinge deutlich bemerkbar, und man spricht in London die Hoffnung aus, daß die französischen Behörden in Syrien das dort gebildete palästinensische Nationalkomitee in Zaum halten werden — ein frommer Wunsch, dessen Erfüllung man glauben würde, wenn man nicht wüßte, daß Frankreich, das ja auf sein Mandat in Syrien verzichtet hat, sich in seiner Araberpolitik große Zurückhaitung auferlegt, u. a. auch wegen der heftigen Propaganda, die nicht nur in Syrien, sondern auch in den französischen Gebieten Nordafrikas, Algier, Tunis und Marokko, betrieben wird und in der letzten Zeit häufig zu blutigen Zusammenstößen führte. Diese Propaganda in den französischen Kolonien wird auch durch antijüdischc Motive genährt, wobei die Ausnützung des palästinensischen Konfliktes mit Einwirkungen des Welt-Antisemitismus zusammenfällt, und die gespannte Lage im Mittelmeer, die ungelösten europäischen Probleme, geben diesen Vorgängen für Frankreich eine erhöhte Bedeutung. Schon aus diesem Grunde hat Frankreich gewiß kein Interesse an einer Verschärfung des Konfliktes in Palästina, aber gleichzeitig ist es in seiner Behandlung arabischer Dinge besonders gehemmt und es ist abzuwarten, ob es sich gegen die emigrierten arabischen Führer zu scharfen Schritten, die die arabischen Empfindungen reizen könnten, entschließen wird. (Unmittelbar vor Schluß des Blattes erreichen uns Gerüchte, die noch nicht nachprüfbar sind, von einer Verhaftung des Mufti durch die Der Mufti In Syrien verhaftet? Der Mufti Hadsch Emin ei Husseini ist aus Palästina geflohen. Er hat sich zunächst nach Beirut begeben, wo er sich bei der Polizei unter dem Namen Achmed Dschaffari meldete. Die libanesischen Behörden verständigten ihn jedoch sofort, daß sein Aufenthalt unerwünscht sei, und forderten ihn auf, das Land zu verlassen. Daraufhin Ist der Mufti nach D am a s k u s weitergereist. Ueber die Einzelheiten der Flucht meldet Reuter: Nachdem es dem Mufti gelungen war, das Gebiet der Omar-Moschee heimlich zu verlassen, hat er ein an der Küste bereitgehaltenes Motorboot bestiegen, das ihn an eine vorher bestimmte Stelle der libanesischen Küste bringen sollte, wo ihn ein Auto zur Fortsetzung der Flucht erwartete. Das Motorboot verfehlte jedoch diese Stelle und wurde von einem französischen Kiistenwachtkutter eingeholt, unter dessen Bewachung der Mufti nach Beirut esk o r t i e r t wurde. Dort nahm der Mufti zunächst in einem Hotel unter Potizeibcwachung Aufenthalt. In einer späteren Franzosen in Syrien. — A. d. R.) Die Politik Englands, das den Mufti und andere gefährliche Araberführer laufen ließ, Kann also unter Umständen schwerwiegende Folgen haben. Denn daß die Flucht des Mufti ohne Englands stillschweigendes Einverständnis möglich gewesen wäre, ist schwer anzunehmen. Schon vor einiger Zeit hat die Regierung den palästinensischen Zeitungen verholen, über etwaige Veränderungen des Aufenthaltes des ehemaligen Präsidenten des Obersten Arabischen Komitees zu berichten, und diese Weisung wurde dahin gedeutet, daß dem Mufti eine Chance des Entweichens geboten werden soll. Der erwähnten Weisung gemäß haben auch, wie aus Palästina gemeldet wird, die dortigen Zeitungen bisher über die Flucht des Mufti nicht berichtet. Man erinnert sich eines ähnlichen Vorganges am Ende des vorjährigen Aufstandes, als die Regierung den Rebellenführer Fauzi Kaukji, der bereits umzingelt war, nach Transjordanien und von dort nach Irak entkommen ließ, offenbar um nicht in die Lage zu kommen, diesen als Nationalhelden verehrten Mann aburteilen zu müssen. England, das Sir Roger Caseinent hinrichtefe, ist heute der Meinung, daß es bei der Bekämpfung nationaler Bewegungen, die eine ganze Bevölkerung oder doch große Teile der Bevölkerung erfaßt haben, Grenzen gibt, deren Ueberschreitung die entgegengesetzte Wirkung hätte, als sie haben soll. Was aber den Mufti und seine Genossen betrifft, so ist eine Einigung mit diesen radikalen Elementen zweifellos unmöglich, ujid ihre weitere Teilnahme an der arabischen Politik, wenn auch jenseits der Grenze, macht es den gemäßigten Arabern, die ohnedies einen schweren Stand haben, noch schwerer, einen Weg des Ausgleichs zu beschreiten. Der Mufti wird in Damaskus möglicherweise mehr B.ewegungsfreiheit und Aktionsmöglichkeit haben als wenn er, seiner Aemter und Einkünfte entkleidet, in Jerusalem konfiniert geblieben wäre. Die englische öffentliche Meinung scheint jetzt einig darüber zu sein, daß der arabische Widerstand mit aller Beschleunigung gebrochen und die Ordnung in Palästina wiederhergestellt werden muß. Die Zivil- und Militärbchörden in Jerusalem werden die notwendigen Vollmachten erhalten. Dein Außenstehenden ist unfaßbar, Meldung wurde dann erklärt, daß der Mufli auf Aufforderung der libanesischen Behörden das Gebiet der Republik verließ und sich nach der syrischen Hauptstadt Damaskus begeben hat. Am Montag war in Jerusalem das Gerücht verbreitet, daß der Mufti in Da m askus verhaftet worden sei. Nach anderen Gerüchten soll er von den französtsehen Behörden in dem syrischen Bergdorf Bamdun fcstgehalten werden. Nach allgemeiner Auffassung sollen die Terroristen mit ihrer Aktion vor allem den Zweck verfolgt haben, die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte von dem Gebiet der Omar-Moschee abznleiiken und so dem Mufti die Flucht zu erleichtern. Die Familie des Mufti war bereits drei Tage vorher mit unbekanntem Ziel verreist. Am Freitag hat der Mufti nicht mehr wie sonst in der Omar-Moschee gepredigt. Einem weiteren Gerücht zufolge sind der Rebellenführer Fauzi Bey el Kaukji und sein Adjutant Achel e! A c h a m a r heimlich nach Palästina /. u r ü c k g e k e h r t, um hier die Aufstandsbewegung zu leiten. daß Akte wie die Brandlegung auf den! Flugplatz, einer verkehrspolitisch und militärisch so wichtigen Einrichhing, die doch besonders in solchen Zeiten ausreichend bewacht sein muß, in einem von England verwalteten Lande möglich sind. Die Regierung hat zu zeigen, daß sie das nicht weiter duldet. Je schneller eine entschiedene Politik durchgefiilirt wird, um so eher w ird sich die Möglichkeit ergeben, mit dein Arabertum, das weder in Palästina selbst noch außerhalb Palästinas ein geringzuschätzender Faktor ist, zu jener Zusammenarbeit zu gelangen, die für die Entwicklung des großen Landgebietes zwischen Miftelmeer und Persischem Golf unerläßlich ist. Jetzt ist eine Zeit des Kampfes arigebrochen und das jüdische Volk wird seine Position und seine Rechte auf das Nationalheim in Palästina unter allen Umständen behaupten; aber cs ist sich heute mehr als je der Notwendigkeit der Zusammenarbeit bewußt und bereit, einen Beitrag dazu zu leisten. Ue&eiMLck Die Palästina-Regierung dementiert die von mehreren Zeitungen verbreitete Nachricht, daß es zu Zwischen• fällen an der Grenze von II cdschas und T r ans• Jordanien gekommen sei und daß eine Wahabilcn• armee gegen Palästina marschiere. Waue Hopes Rückkehr nach Palästina ist wegen einer Augenerkrankung verschoben worden. Weizrnann wird in nächster Zeit Polen besuchen. Polens jüdische Studenten führten einen Pro• teststreik gegen die Einführung der Ghettobänke durch und blieben 48 Stunden den Vorlesungen fern. Für den 19. Oktober ist ein halbtägiger Proteststreik der gesamten polnischen Judcnhcit angehündigt. Huhermans Befinden hat sich weiter gebessert. In Oslo wurde eine Nansenhilfe für Staaten• lose gegründet, die zunächst die Betreuung Staaten• loser in Wien aufgenommen hat. ln Berlin fand die Mitgliederversammlung des Hilfs• Vereins der Juden in Deutschland statt, bei der Max W a r b u r g sich in einem ausführ■ liehen Referat mit der Auswanderung^. lualion be־ schäfligie. Zum Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen mcinde wurde Herr Schme i die r gewählt.

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