Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 82 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCH E RUNDSCHAU Nr. 82, 15. X. 1937 ״Jüdisch-christliche Gesellschaft“ Judentum und soziale Frage Unter dem Vorsitz von Rabbi Israel Mat tuek iand in den New Burlington Oaleries in London die 5. Zweijahreskonkrenz der jüdisch-christlichen Gesellschaft (Society of Jews and Christians) statt. Das Thema der Veranstaltung lautete: ״Religiöse Beurteilung des heutigen Wirtschaftssystems“. Eingcieitet wurde die Aussprache durch Vorträge von Prof. Norman B entwich und des kgl, Theologietrofessors an der Universität Cambridge, Domherr Charles .Raven. Prof. Bentwich betonte, daß Juden als Religionsgemeinschaft nicht eine eigene Politik gegenüber den sozialen Fragen der Allgemeinheit verfolgen; in den Staaten, in denen sie leben, arbeiten sie an den allgemeinen Organisationen, Briefmarken » Fritz Lewin fSS die diese Ziele verfolgen, mit. Die jüdische Beurteilung dieser Probleme könne daher nicht aus der Tätigkeit einzelner Juden, einer bestimmten Gruppe, ja nicht einmal der Mehrheit der Juden irgendeines oestimmten Landes abgeleitet werden. Allerdings könnte man sagen, daß man, um die jüdische Ansicht von dem sozialen Problem zu verstehen, Palästina ins Auge fassen sollte, wo die Juden in den letzten zwanzig Jahren bemerkenswerte eigene soziale Einrichtungen geschaffen haben, und wo sie, da es ihr Nationalheim ist, eine größere Autonomie als anderswo auf diesem Gebiete genießen. Prof, Bentwich ging sodann auf den Einfluß der jüdischen Ueberlieferung ein. Die mosaische Oesetzgebung strebe soziale Gerechtigkeit an; die Thora sei im wesentlichen ein Kodex der sozialen Gerechtigkeit. ln der rabblnisehen Entwicklung der jüdischen Ueberlieferung wird Wohltätigkeit im Sinne der Fürsorge für den Armen als die Hauptpflicht des Menschen dargestellt. Sogar diejenigen modernen Juden, die sich vom religiösen Leben völlig entfernt haben, bewahren in der Regel das Gefühl ihrer Verpfiichtung zu Wohitun und Förderung der sozialen Fürsorge. An der kapitalistischen Entwicklung, die zu starker Ungleichheit in der Verteilung der materiellen Güter geführt hat und eine der Hauptursachen des heutigen Wirtschaftsnrobicms ist, haben auch die Juden einen bedeutenden Anteil. Aber gerade bl den Ländern, in denen Juden unter den Kapitalisten stark vertreten sind, ist innerhalb der jüdischen Gemeinschaft ein« lebhafte Gegenbewegung entstanden, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt 111 den letzten Jahren hätten die Juden gezeigt, daß sie da, wo ihnen eine entsprechende Umwelt und die Möglichk e i t geboten wird, soziale Einrichtungen ungehindert durdt fremden Eingriff nach eigener Einsi-cbt frei zu gestalten, eine bemerkenswerte Fähigkeit zu schöpferischer und konstrukfiver Arbeit auf sozialem Gebiet bewiesen haben. Der Vortragende wies auf die jüdische Siedlung in Pallstina hin, die zum großen Teil auf genossenschaftlicher und gemeinwirtschaftlicber Basis besteht. Zusammenarbeit an Stelle von Konkurrenz sei die Grundlage sozialer Beziehungen, die in ihren fortgesehritteren Formen zur Schaffung von Lehensgemeinschafte« führen. Von den Juden in Palästina könne gesagt werden, daß es ihnen gelungen sei, einen lebendigen Gemeinsinn zu verwirklichen. Dies sei vielleicht die beste und am stärksten bezeichnende Beurteil lung der sozialen Frage durch das moderne Judentum. Domherr Raven empfahl die Schaffung gemeinsame! jüdisch-christlicher Gruppen im ganzen Lande als ein höchst wertvolles Mittel, um die soziale Verständigung zu fördern und einer aus Mißverständnissen entstandenen Gegensatzlichkeit zwischen Juden und Nichtjuden entgegenzutreten. Die jüdisclie Ehre Der Jude in der Diaspora stand stets nicht nur im Kampfe tun seine physische Existenz, sondern auch um seine Ehre. Durch Jahrhunderte, vor allem im Mittelalter, war es freilieh häufig genug den Juden unmöglich gemacht, ihre Ehre zu verteidigen und ihre Sache nach außen zu vertreten, denn die nichfjiidische Welt schenkte ihnen kein Gehör, und «In offenes Zwiegespräch, das die Voraussetzung einer Klärung und eines gegenseitigen Verständnisses ist, war nicht möglich. Die Juden waren gezwungen, sich ihre eigene geistige Welt auf/ub;n1en, eine Welt hoher geistiger, ethischer und religiöser Werte, in der sie ein Gegengewicht fanden gegen die Verhöhnung und Geringschätzung, die ihnen die Außenwelt zuteil werden ließ. Die Problematik des Judentums in der Diaspora ist in ihrem Wesen durch zweitausend Jahre trotz allen äußeren Veränderungen in hohem Maße die gleiche geblichen. Der moderne Jude aber, der durch Aufklärung und Emanzipation hindurchgegangen ist und dadurch die enge Verbindüng mit der isolierten jüdisch-geistigen Welt von einst Verloren oder doch gelockert hat, sieht die Notwendigkeit des Kampfes für die jüdische Ehre klar vor sich. Sie ist eine der Haupttriebkräfte der Entstehung des Zionismus gewesen. Aus jeder Seite von Herzls Schriften spricht das beleidigte Selbstgefühl, der wicdcrcnvachte jiidische Stolz, das Bewußtsein, daß Charakter und Ehre die höchsten Güter sind. Aber es wäre falsch, nicht anzuerkennen, daß aoeh außerhalb des Zionismus in dieser Zeit jüdische Menschen aufrecht für jüdische Würde eintraten, in der Art, Wie sie es verstanden, nach unserer Meinung häufig mit einer Selbsttäuschung über die jüdische Lage. Von Herzl Zieht sich eine direkte Kette bis zu den jungen Menschen Unserer Tage, die unter den schwierigsten Bedingungen sich für ein Lehen der Arbeit vorbereiten und darauf warten, im Kampfe um die Erneuerung des Volkes eingesetzt zu werden. Die äußeren Umstände sind oft überaus ungünstig, Und das Warten unter unwürdigen Bedingungen bedarf manchmal eines größeren Heroismus als so manche unüberlegte und sinnlose abenteuerliche Handlung. Die Juden lebten Jahrhunderte!,mg und lohen tatsächlich in manchen Ländern auch heute unter seelischen und materiellen Bedingungen, die sich jemand, der es nicht am eigenen Leibe erlebt hat, kaum verstellen kann,!)aller ist es auch für andere tatsächlieh überaus schwer, sich in die Lage der Juden zu versetzen. Sicherlich gibt es auch unter den Juden — wie walirschein• lieh unter allen Völkern — Menschen, die ihr momentanes persönliches Wohlergehen über alle anderen Erwägungen stellen, auch wenn dieses durch schwere seelische Opfer erkauft werden muß. Aber die .Mehrheit der Juden, und vor allem die junge Generation, ist bereit, wenn mau ihr die Möglichkeit gibt, rin neues, auf harter Arbeit bcruhendes, aber innerlich harmonisches Leben aufzubauen. Die große Tragödie der jüdischen Auswanderung unserer Tage liegt darin, daß das jüdische Problem sich gerade in einem Zeitpunkt zugespitzt hat, wo kein R 3 u m für die suchenden Auswanderermassen vorhanden ist, wo fast alle Länder ihre Tore verriegeln und vor allem keine Arbcitsbewilligungen geben, so daß gerade der arbeitende Mensch es am schwersten hat, irgendwo unterzukommen, während Menschen mit viel Geld immer noch da oder dort Aufnahme finden. Auswanderung ist heute — im Gegensatz zur Vorkriegszeit — leider kein bloßes Problem des gefaßten Entschlusses und des darauf folgenden Kaufs von Fahrkarten, das weiß Jedes Volk (nicht mir das jüdische), das mit solchen Dingen zu tun hat. Es ist ein sehr komplizierter Mechanismus, bei dem der Wille und Wunsch der Auswanderer nicht maßgebend ist. Die Aus wanderungs willigen sind vielfach Objekt des Geschehens. Die nach Arbeit verlangenden, zur Arbeit bereiten Menschen, die durch die neue Gedankenwelt des modernen Nntinnaljudentums hindurchgcgangcne selbstbewmßte jüdische Jugend unserer Tage, haben das schwerste Los, das sich denken läßt: :111 s z u h a r r e!1 in Bedingungen, die auch von außenstehender Seite als unwürdig anerkannt werden, Entbehrungen zu tragen, Spott hinzunchmen, und auf eine Zukunft zu hoffen, die zwar ungewiß ist, aber gestaltet werden kann. Das Zentrum dieser Hoffnungen ist naturgemäß Palästina. Barum ist es für das jüdisclie Volk eine Lebensfrage, daß die jüdische Aufbauarbeit in Palästina fortgesetzt wird, um! das jüdische Volk darf auch erwarten, dal» diejenigen Faktoren der n i c 111 j ü d i s c h e n Welt, die dieses erschütternde Problem in seinem wahren Gesicht erkannt und nachgefuhlt haben, ihre unerläßliche Hilfe dazu lüden, damit die einsatzbereiten jüdischen Kräfte einen Ausweg und eine Betätigung finden. Todesfall. Die Poder Israelitische Gemeinde beklagt dort He imgang ihres ddb er tretenden Vorsitzenden, Dr. Samuel Glückst ha 1. Engen, oherungarischen Verhältnissen entstammend, entwickelte er sielt in der Hauptstadt zu einem ihrer gesuchtesten Rechtsanwälte, wurde früh in deren Munizipiaiaussebuß gewählt, wo er anerkannte Autorität i!1 Finanz- und Steuerfragen war und wurde als ,,lebenslängliches Mitglied‘• desselben auch in das neue ungarische Oberhaus dele* giert. Bei der Gemeinde leitete er seit 15 Jahren das Unterrichtsressort, erbaute aus der sogenannten englischen Anleihe den mächtigen Prachtbau der beiden Gymnasien, und als Leiter der Baukommission des Kulturpalais lieft er das- Herren• und Damen-Ausstatiungen Berlin SW, friedrichstrafie 50-51 *elbe an der Seite des Tabaktctnpels in seiner heutigen Form erstehen. Im herrlichen Arkadenhof vor dem Heldcniempcl fand auch die Begräbnisfeier statt, bei der sich Oberhaus und Hauptstadt durch Deputationen vertreten ließen. Nach der Trauerrede Großrabbiners Dr. Simon Hevesi, widmete Gemeindepräses Hofrat S. Stern dem Mitarbeiter Worte des Abschiedes; Reichstagsabgeordneter Dr. G. Ddsi sprach im Namen der Chcwra kadischa, Oberhausmitglied Dr. W, Oaas im Auftrag der Partei der Nationalen Einheit, Dr. Blauner für die Advokatcnkanuner, Dr. Balkänyi für den Landesverein der Kaufleute. Generaldirektor Dr. Emil Sfe;n für das Lconoldstädter Kasino. Zum Schluß kamen noch die Vertreter der Lehranstalten: Oberstudienrat Dr. S. Sz entere und Prof. Josef Trostler zu Wort. Dr. A. F. Krise im holländischen Zionisten verband Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 11. Oktober Der Bundesvorsfand des Niederländischen Zio• nlstenbundes stellte in seiner Mehrheit seine Mandate der nächsten Jahresversammlung, die im Dezember stattfindet, zur Verfügung uftd beschloß, bis zur Entscheidung der Ver- Sammlung über die Stellungnahme zu den Beschlüssen des Züricher Kongresses von zionistischer Propaganda abzusehen, da durch die prinzipielle Entscheidung des Kongresses Un- Sicherheit über die Grundlagen der zionistischen Propaganda entstanden sei. Davon soll jedoch nicht die Propaganda für die normalen Sammelaktionen der Fonds berührt werden. Nach Ansicht der Mehrheit des Bundesvorstandes bedeute die politische Resolution des Kongresses ein Preisgeben der zionistischen Zielsetzung. In Utrecht fand in Gegenwart von Dr. Arthur Hantke, Jerusalem, die holländische Landeskonferenz des Keren Hajessod unter Vorsitz von Mr. L. E. Visser statt. Der Bundesvorsitzende Mr. A. J. Herzberg betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß unabhängig von der Frage, wie man über die Teilung denke, eine sachliche Grundlage für die Arbeit für die Fonds bestehe. Dr. Hantke behandelte die gegenwärtige Lage in Palästina und die Aufgaben des Keren Hajessod. Prof. D. Cohen wies auf die Not- Wendigkeit hin, gerade in der jetzigen Situation mit besonderer Anspannung für das Aufbauwerk zu arbeiten. Die diesjährige Arbeitskonferenz der Jüdischen Frauen v er e i n i gu n g für praktische Palästlna-Ar• Budapester Pressefehden Von unserem Berichterstatter Budapest, 11. Oktober Eine heftige Zeitungsfehde, ln der Dr. Josef Patal wegen einer von ihm in seiner Zeitschrift ״Mult 6s Jövö“ veröffentlichten scharfen Kritik an den öffentlichen Gemeinde- Verhältnissen im Mittelpunkt eines konzentrierten Angriffes der von der Gemeinde subventionierten Presse stand, hat in gegenseitiger Aussprache zwischen Hofrat Samuel Stern und Dr. Patai ein friedliches Ende genommen. Dagegen beschäftigt sich das rechtsstehende ״Magyarsäg", das hinter dem noch rechtsradikaleren ״U j Magya r s ä g“ nicht zurückstehen möchte, in letzterer Zeit öfter mit den verschiedenen Aspekten der Judentrage. In einem Leitartikel des Redakteurs, Alexander Pethö, nimmt dieser gegen den exstremsten Antisemitismus Stellung: ״Der Christhch-ungarische Humanismus — so nennt er seine eigene MAX WEISSLER BlR LI N W, niar Kl«lststraft• 13 enorm• Auswahl — Bill. Preis• I Mlntal, >/< Pal•!., l'Uoh»•, Cap•*, Kr«w1tt, ■II. F«ll•., horrl, Mod•!(•. — Firm■ bargt tOr Qualität. Richtung, andercrorts auch ״die ungarische Gironde“ — verneint und verwirft die zur Lösung der Judenfrage propagierten wilden und sinnlosen Methoden, protestiert gegen die professionsmäßig geübte Aufstachelung der Massenleidenschaften, die höchstens Märtyrer produzieren kann, ohne das Problem irgendwie praktisch zu lösen. Dagegen läßt der Christlich-imgarische Humanismus jene Tatsache nicht verleugnen oder verdunkeln, daß es eine Judenfrage gibt, und es kann nur als lächerlich-traurige Vogel-Strauß-Politik betrachtet werden, wenn manche meinen, eine Frage existiere nicht, wenn man nicht von ihr spreche.“ In einem anderen Aufsatz: ״Was macht der ungarische Zionistenbund?‘• scheint das Blatt zwischen Juden und Juden zu unterscheiden, indem es die Aufmerksamkeit der Pesier Gemeinde auf. die Arbeit des Zionistischen Verbandes lenkt, der überflüssig sei, der unnütz Gelder für eigene Zwecke sammelt usw. wiewohl ähnliche Vorwürfe auch von jüdischer Seite gelegentlich zu hören sind, hielt es der Zionistische Verband für nötig, eine Erklärtmg abzugeben, dergemaß sämtliche Funktionäre der Organisation ehrenamtlich ihres Amtes walten, auch die dabei entstehenden Spesen aus eigenen Mitteln decken. Wegen böswilliger Verleumdung habe sie gegen das genannte Blatt die Preßprazeßklage eingeleitet. Vor dem Budapester Gericht hatte sich der Schriftsteller Dezsö Szabo wegen Aufreizung zum Klassen haß und gegen beit (Wizo), auf der 22 Ortsgruppen vertreten wäre«, fand unter Vorsitz von Frau B, Vr om en-Sn a pper in Utrecht statt. Der Bachad, die Vereinigung misrachistischer Chaluztia! hielt im Kibbuz Franeker eine Pegischa ab. # Die zionistische Oeffentlichkeit wird die Nachricht voll der Krise, die Im niederländischen Zionismus ausgebrochen ist, mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen. Es war bekannt, daß die holländischen Zionisten, deren Sprecher seit längerer Zeit vor allem der jetzt in Palästina lebende Fritz Bernstein ist, zu den heftigsten Neinsagern innerhalb׳ der Gruppe B gehören. Auch sind die holländischen Zionisten schon seit längerer Zeit anscheinend der Meinung, daß manche ihrer sachlichen und personellen Wünsche in der Gesamt- Organisation nicht genügend berücksichtigt werden׳. Es muB aber aufs äußerste befremden, wenn eine Opposition gegen eine bestimmte Phase der zionistischen Politik sich so weit versteigt, daß ein ganzer Landesverband die Existenz der Bewegung in dem betreffenden Lande gefährdet. Die zionistische Bewegung im Zeitalter de'r Verwirklichung des Zionismus ist etwas anderes als vor vierzig Jahren und muß sich mit einer gewissen Elastizität denjeweils gegebenen Umständen anpassen; sonst entsteht die Frage, ob die be* treffenden Zionisten, sogar wenn sie als besonders radikal erscheinen möchten, den wahren Glauben an den Zionismus besitzen. Die zionistische Welt, die immer eine freie Met״ nungsäußerung aller ihrer Richtungen respektvoll hingenommen hat, hofft zuversichtlich, daß die hier offenbar bestehend• Verärgerung vorübergehen wird und daß noch vor der nachsten Jahresversammlung die Existenzkrise des holländischen Zionismus überwunden sein wird. die jüdische Konfession zu verantworten, ein Delikt, das fei der Anklageschrift zufolge in seinen Schriften ״Das Problem des ungarischen Thrones und Oesterreich“ und ״System der extremen Richtungen“ begangen hat. Szabo verwahrte sich dagegen, daß in Ungarn überall Fremde die höchsten Stellen besetzen, angefangen vom Königsthron bis zu dm hohen Aemtern. Ich nenne, sagte Szabo, als meine Quellen das Statistische Amt Und den Ministerpräsidenten Daranyi. —• Das Gericht verurteilte Szabo wegen Aufreizung zum Klassen• haß zu einem Monat Gefängnis. Konfessionelle Auf• reizung konnte nicht festgestellt werden, da die Ausführungen des Angeklagten sich offenbar gegen die besitzende Klasse richteten, und er auch die Juden nur als Angehörige diese! Klasse und nicht als Konfession angegriffen habe. Die neue polnische ״Arbeiterpartei“ zur Judenfrage Am Sonntag fand in Warschau ein gemeinsamer Kon• greß der Christlich-demokratischen Partei und der Nationalen Arbeiterpartei statt, die beschlossen haben, sich zu fusio• nieren. Am Sonnabend wurden in Warschau separate Bern• tungen der Christlich-demokratischen Partei und eine Sitzung der Nationalen Arbeiterpartei abgehälten. Das Ergebnis der Beratungen der beiden Parteien wäre« fast gleichlautend• Entschließungen. Die neue Partei wird den Namen ״Ar• beitspartei“ führen. In der Programmdeklaration de! neuen Partei heißt es u. a., daß sie auf dem Boden des Katholizismus und der Demokratie verharren werde. Was die jüdische Frage anbelangt, vertritt die Partei die Ansicht, daß es notwendig sei, namentlich die jüdische Aus* Wanderung aus Polen zu organisieren und den» Einfluß der Juden in Handel und Industrie entgegenzuwirken, In zahlreichen Volksschulen In den Kreisen Lein• berg und Drohobycz haben die nichtjüdischen Schüler ihre jff• dischen Mitschüler gezwungen, die Bänke auf der linken Seite der Klassenzimmer zu besetzen. Die Lehrer weigerten sich, da• gegen einzuschreitcn. In So ko 10 w-Pod 1 a s k i, das zu Beginn des Jahre* Schauplatz ernster antijüdischer Ausschreitungen war, ist ei wieder zu schweren Exzessen gekommen. Die jüdischen Händler wurden von dem Marktplatz vertrieben; wer Wider* stand leistete, wurde mißhandelt. — In Suchowola bei Grodno fanden judenfeindliche Ausschreitungen statt. Dreizehn Juden wurden verletzt. In Brom berg wird eine Boykott- und Blockade• Aktion im jüdischen Geschäftsvieriei durchgeführt. Besonders beteiligt sich dabei die nationalistische polnische Jugend. Nach dem ״Kurjer Bydgoski“ tritt die Jugend sogar tätlich gegenüber denen auf, die jüdische Geschäfte verlassen. R1:KM JIF.tKTIKl;1; Jett •che bestellen WERBEGESCHENKE ERNST SAXDL, Berlin WIR, Knrlflralendamm SOA Ruf: 917*48 Originelle Henhelten