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Jüdische Rundschau · 1937-10-15 · Heft 82 (15.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 82 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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18.10.1337 Nr. 8? / Jahrgang 42 Preis 25 Rpf, JÜDISCHE RUNDSCHAD Redaktion ,Verlag and Anzaigenrarwaltnng 1 Berlin WlS, K«lsck«|tr.lO Fernraft 919091, Telegramm •Adre■■•» Orghfp. — Bezugspreis «inscfcJreBlich Bestellgeld je Monat RM 2,—*, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. ־— Postacheck « Konten der Vertrieb» - Abteilung Berlin71573 ׳ (für GroB - Berlin), Berlin 17392 (für daa übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebuhren. — Erscheint jeden Dienstag »nd Freitag, Der Zionismus erstrebt fdr das indische Volk die BERLIN י׳ מרחשון ת־צ״ח FREITAG, 15. OKTOBER 1937 Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Gfiltigf AnielgenprelsUste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm Zeile 20 Rpf״ fü* Familien - Nachrichten 15 Rpi Für die Aufnahme voa Anzeigen in bestimmten Au*sjaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit*- ametgen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 odenr b«r Montag bis Freitag 9— 18 Uhr. AnnahmeschiuS für dt« Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgab• Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Zweiteilung statt Dreiteilung Ein Gegenvorschlag* von Leonard Stein (London) / Ehrenanwalt der Jewish Agency Nach den Diskussionen der letzten Monate und den Beschlüssen des Völkerbundsrates hat sich die ()Öffentlichkeit daran gewöhnt, mit dem Gedanken der Teilung Palästinas als einer Gegebenheit, zu rechnen. Völlig ungeklärt ist aber noch die Frage, in welcher Weise die Fei hing vollzogen werden soll, da über die Unzulänglichkeit der konkreten Vorschläge des Peel-Berichtes Uehereinstintmung besteht. /Ingesichts der neugeschaffenen Lage in Palästina, die durch Englands scharfes Eingreifen gegen den arabischen Terror geschaffen wurde, drängt sich überhaupt der Gedanke auf, oh nicht in letzter Stunde ein Ausweg gefunden werden konnte, der die Teilung vermeide l. Eine palästinensisch-jüdische Stimme hierzu veröffentliehen wir auf Seite 9 der heutigen Ausgabe. Die realen Probleme, die die Schaffung eines Juden Staates im geteilten Palästina iinjwirft, müssen mit aller Offenheit betrachtet werden, denn es steht hier für das jüdische Volk und die jüdische Geschichte überaus Großes auf dem Spiel. Wir freuen uns besonders, einem Mann das Wort erteilen zu können, der seit 20 Jahren als enger Mitarbeiter Dr. Weizmanns und als selbständig denkender Kopf mit der jüdischen Palästina-Politik verknüpft ist. Die Vorschläge, die Leonard Stein bereits in einem persönlichen Memorandum dem Ztiriehcr Kongroß vorgelcgl hat und die er nunmehr durch die ״Jüdische Rundschau“ einer weiteren jüdischen Ocffenthchkeil unterbreitet, sind gewiß einer sorgfäl• tigen und nüchternen Prüfung wert, auch wenn man in manchen Einzelheiten die Dinge etwas anders beurteilt, ln einem Punkt hat Stein zweifellos recht: Illusionen wären jetzt fehl am Ort. Wie immer das endgültige Projekt, an dem jetzt die englischen Sachverständigen arbeiten, ans fallen möge, die Leiter der jüdischen Politik sollten die von Leonard Stein hervorgehobenen Argumente und Gesichtspunkte gewiß nicht außer acht lassen. (Red.) In der ״Jüdischen Rundschau“ wurden vor einiger Zeit (so z. B. in dem ״Londoner Brief“ in der Nummer vom 13. August) gewisse Vorschläge erwähnt, die ich als einen möglichen Gegenvorschlag zur Teilung Paläslinas auf den von der König!. Kommission vorgeschlagenen Grundlagen vorgebracht habe. Meine Vorschläge waren notwendigerweise sehr kurz dargestellt, und ich hoffe, daß es nicht zu spät ist, wenn ich um die Möglichkcit bitte, einiges Erklärende hinzuzufügen. Ohne die Vorteile oder Nachteile der Teilung erörtern zu wollen, gehe ich bei der folgenden Untersuchung davon aus, daß die Teilung in der einen ־'י; _ oder anderen Form u n - vermeidlich geworden ist. Das Mandat in seiner augenblicklichen Form ist — ob mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt — für unausf ü h ז b a r erklärt worden, nicht nur von der König). Kommission, sondern auch von der Mandatarmacht selbst. Wie die Mandatskommission des Völkerbundes ausgeführt hat, ist dies an sich ein beinahe entscheidender Grund, das bestehende Mandat als zum Verschwinden verurteilt zu betrachten, zugunsten irgendeiner anderen Lösung des Palästinaproblems. Aber während ich anerkenne, daß die Teilung jetzt als unvermeidlich hingenommen werden muß, glaube ich nicht, daß es nur zwei Alternativen gibt — entweder kompromißlose Opposition gegen die Teilung in jeder Form, oder Annahme des Vorschlags einer dreifachen Teilung mit sofortiger Errichtung eines unabhängigen Judenstaats in einem schmalen Winkel des Landes. Wer — wie ich — diesen Vorschlag mit ernster Besorgnis bctrachtet, muß überlegen, ob es möglich ist, irgend eine andere Form der Teilung vorzuschlagen, die zu einem ähnlichen Ziele auf einem weniger gefährlichen Wege führt. Leonard Stein Foto: Archiv Besorgnisse eines Realisten Bevor ich irgend welche positiven Vorschläge mache, möchte ich meine Gründe für die erwähnten Besorgnisse darlegen. Aus dem Nachstehenden wird ersichtlich, dal! sie praktischer Natur sind und sich nicht auf irgendeine abstrakte Prinzipienfrage beziehen. Auch würden die Vorschlage, zu denen ich gelange, nicht die schlieliliche Entstehung eines Gebildes von der Art eines autonomen jüdischen Staatswesens in Palästina ausscliiielten; im Gegenteil, sie sind dazu bestimmt, seine Chancen für eine gesunde Entwicklung dadurch zu verbessern, daß die Gefahren einer Frühgeburt vermieden werden. Es mag manche Leute geben, die aus grundsätzlichen Erwägungen unter allen Umständen gegen die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina sind. Ich befasse mich hier nicht mit dieser Seite der Angelegenheit. Was m i c!1 beschattig! ist die Frage, ob die Bedingungen, unter denen, wie die Dinge einmal hegen, der vorgeschlagcne jüdische Staat tatsächlich ins Leben treten soll, derart sind, daß sie Vertrauen zu seiner Zukunft gestatten. Denn wenn das Experiment versucht wird und fehlschlagen sollte, würde ein nicht wieder gutzumachender Schaden angerichtet werden. Der von der Kgl. Kommission ausgearbeitete Plan ist von jüdischem Standpunkt aus völlig unannehmbar aus Gründen, die zu bekannt sind, um eine ausführliche Erörterung zu erfordern, die aber nicht weniger gültig sind deshalb, wen sie jetzt Allgemeingut sind. Es ist nur nötig, die Kleinheit der Fläche des vorgeschlagenen jüdischen Staates zu erwähneu; seine verwundbaren Grenzen; die Abtrennung Jerusalems; das zeitweilige Mandat von unbestimmter Dauer über Haifa und die drei anderen Städte; die Errichtung eines Judenstaats, der bei seiner Entstehung mehr als ein Drittel der heutigen jüdischen Bevölkerung Palästinas ausschließen und andererseits eine Bevölkerung haben wird, die fast zur Hälfte aus Arabern besteht; die Abtretung des Ncgcw, der Kaliwerke am Toten Meer und der Hauptwerke der Palestine Electric Corporation an den arabischen Staat. Zwei Punkte mögen ein wenig eingehender behandelt w'erdea, nicht weil sie wichtiger sind ais die übrigen, sondern weil eher weniger Aufmerksamkeit auf sie gerichtet worden ist. Was den vorgeschlagenen Bevölkerungsaustausch betrifft, so scheint es klar, daß es selbst bei optimistischester Schätzung höchst unwahrscheinlich ist, daß ein solcher Austausch in der Praxis itt dem vorn Peel-Bericht angenommenen Maßstab oder Tempo ausgeführt werden kann. Wenn er nicht rasch und großzügig durchgeführt wird, wird der jüdische Staat vor einen! Minderheitenproblem vor erschrcckendsten Dimensionen stehen. Wenn er rasch und großzügig ausgeführt wird, dann wird — ob nun der jüdische Staat formell verantwortlich ist oder nicht — das Odium, das sich an die schnelle und restlose Evakuation der arabischen Bauern aus ihren Häusern heftet, hauptsächlich auf die Juden fallen mit Folgen, die (abgesehen von allen moralischcn Erwägungen) nicht nur für den jüdischen Staat selbst, sondern auch für die Juden in anderen Teilen der Welt peinlich sein werden. Das Odium wird um so größer sein, weil es trotz, des vor! der Kgl. Kommission gebrauchten Euphemismus tatsächlich ein Fall von einseitigem Abschieben und kein ״Austausch“ ist. Fiaanzfragen Was die finanzielle Frage anbelangt, so drängen sich die folgenden Ueberlegungen auf: Neue Kommission verschoben? Nashashibi arabischer Wortführer Einer Meldung des ״Manchester Guardian“ zufolge soll die neue, zur Erhebung von Tatsachen nach Palästina zu entsendende Kommission erst zu einem späteren Zeitpunkt als ursprünglich beabsichtigt die Ucberfahrt nach Palästina antreten. Bisher ist noch kein einziges Mitglied der neuen Kommission ernannt worden. Die Verzögerung, so wird in dem Blatt erklärt, scheine auf zwei Ursachen zurückzuf(ihren sein: die Arbeit der Regierung an der Nicderkämpfung der arabischen Mordkampagne in Palästina und den Tod Lord Peels. Lord Peel, schreibt ״Manchester Guardian“, wäre sicherlich in die Kommission entsandt worden. Es war stets die Absicht der Regierung, daß ein Mitglied der nrsprüngliehen Kommission auch in der zur Tatsachenerhebung bestimmten Körperschaft Mitarbeiten solle, und es hätte dies kaum jemand anders als Lord Peel sein können. Das Blatt bemerkt weiter, daß nach den ans Palästina eingetroffenen Berichten das Vorgehen der Regierung scheinbar keinerlei Unwillen unter den Arabern hervorgertifcn hat. Verantwortlichen Arabern seien die Maßnahmen keineswegs unwillkommen gewesen und es heißt, aaß sie in arabischen kaufmännischen Kreisen durchaus gebilligt werden. Von zuverlässiger Seite wird in Jerusalem mitgetcilt, daß der Vorsitzende der Arabischen Verteidigungspartei und ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, dem Vorschlag der Regierung zugestirnnit hat, daß er vor der neuen Palästina-Kommission den Standpunkt der Araber vertrete. Damit bestätigt sich die allgemein verbreitete Ansicht, daß Nashashibi nach der Amtsentsetzung des Multi Wortführer der palästinensischen Araber werden wird. Von dem Finanzdepartment der Palästina-Regierung werden provisorische Haushaltsvoranschläge für die geplanten neuen Staaten in Palästina ausgearbeitet. Diese Voranschläge sollen der englischen Untersuchungskommission, die für den nächsten Monat in Palästina erwartet wird, unterbreitet werden. Ferner wird für die Kommission juristisches und statistisches Material vorbereitet. Die von der Vermcssungsabteilung hergestellten Landkarten sind nach London gesandt worden, wo sie gedruckt werden sollen, Auf der Ausgabenseite des jüdischen Staates wird,^ xusätzlici! zur Schaffung des vollen Beaiutenapiiarats eines Staa- (es fiir ein Gebiet von der Grüße einer mittleren englischen Grafschaft, noch weiter notwendig sein: a) die abnorm hohen Kosten der Verteidigung eines höchst verwundbaren Gebietes zu tragen; b) den Anteil am Zinsendicrist der Palästina-Anleihe von 4 •175 000 Pfund zu decken (der wahrscheinlich ein größerer Anteil sein wird, da von dem arabischen Staat offenkundig nicht erwartet wird, daß er seinen Anteil bezahlen kann), sowie für alle übrigen finanziellen Verpflichtungen der Palästina-Regierung, einschließlich der Pensionen auf zu* kommen; c) eine Subvention (die ״erheblich“ sein wird — siehe das White Paper) an den arabischen Staat zu zahlen. Auf der Einkommenseite wird die Steuerkraft des jüdischen Staates durch den Verlust der Steuerkraft Jerusalems und für unbestimmte Zeit aller wichtigen Städte außer Tel Aviv geschwächt werden. Sie wird weiter vermindert durch die Handelserschwmmgeii, die sich aus tler^ Errichtung neuer Grenzen und Zollschranken ergeben. Die Steuerkraft der arabischen Bevölkerung (die einen großen Teil der Bevölkerung innerhalb des Hoheitsgebiets des jüdischen Staates darstellt) wird klein sein, besonders da, jedenfalls am Anfang, die meisten Araber zur Bauernschicht gehören werden, da die städtische arabische Bevölkerung des jüdischen Gebiets unter dem ״zeitweiligen'‘ Mandat bleibt. Somit wird eine abnorm hohe Steuerlast auf den jüdischen Bevölkerungsteil fallen. Dies wird wiederum dazu beitragen, einen weiteren ungiinsti* gen Faktor, nämlich die Entmutigung des Anlagekapitals, ztl schaffen. Das Lina!1 zprobiem wird noch durch die Tatsache verschärft werden, daß die Kaliwerke am 'Ihnen Meer und die aus ihnen fließenden Gewinne an den arabischen und nicht an den jüdischen Staat gehen werden, während auch über das Schicksal der lt11thenberg-E!ektri/1t,1ts\vcrke und des der Regierung an ihren Gewinnen zustciienden Anteils Ungewiß« heit herrscht. Sind ״Verbesserungen‘4 möglich? Ich brauche über die Frage, oh die konkreten Vor• schlage des P e e I - B e r i c 111 s befriedi gend sind, nicht weiter zu sprechen. Jeder gibt zu, daß dies nicht der Fall ist. Leber diesen Punkt waren sich der Ziouistciikongreß und der Council der Jewisli Agencv einig. Aber die Mehrheits« resolut! o 11 d c s K o 11 g res• ■׳ s scheint davon auszugehen, daß zwar die unterbreiteten Vor c'ilage unannehmbar smd, aber ein verbessertes Angebo. günstig aufgenommen wer• den könnte. Mit anderen Worten, die zugrundeliegende An« nähme scheint zu sein, daß das wirkliche Probien; sei, fest• zustellen, welche Zugeständnisse in so!dien Fragenwie Jerusa« lern, Haifa, die übrigen drei ״vorbei;alteucn“ Städte, <leri Negew, den Hafen Tel Aviv, die Subvention an den arabische« Staat usw. zu erreichen sind. Aber die Frage, der wir jetzt offen ins Gesicht sehen müssen, ist die, ob selbst die maxi• malen Zugeständnisse, auf die bei größten; Optimismus ge• hofft werden kann, tatsächlich das Angebot so radikal ver• ändern können, daII es annehmbar würde. Hierüber habe ich ernste Zweifel. Die Erklärungen, die Orntsby-Ciore in Genf abgegeben hat, ermutigen nicht zu der Ansicht, dal! wesentliche Kon- Zessionen leicht zu erhalten sein werden. Er unterstrich die praktischen Schwierigkeiten, die irgendwelchen Zugcständ« nissen mit Bezug auf den Status Jerusalems entgegenstehea. Er verwarf endlich die Idee der Ein Gliederung des Negew in den jüdischen Staat. Er sagte, dal! kein endgültiges Da tunt für die Beendigung des zeitweiligen Mandates über die ״vor• behaltenen“ Städte im Norden festgesetzt werden könnte. Was Haifa betrifft, so fügte er an die Fes (Stellung, daß das ״end« gültige Schicksal“ von Tibcrias und Sulcd sicherlich innerbaibi des jüdischen Staates liege, die Bemerkung, daß ein ״Sonder• Regime in Haifa wird errichtet werden müssen". Diese Nei« nungsäiifierungcn mögen nicht cndgiiliig sein, aber so weit sie gehen, ermutigen sie nicht eine optimistische Auffassung bezüglich der Aussichten, irgendwelche weitreichenden Zu« geständnisse zu erhalten. Aber selbst wenn man voraussetzt (obwohl es eine fast überspannte Annahme ist), daß bei all den Punkten, die ich hier näher ausgeführt habe —, und ich glaube, daß sie alle Hauptfragen entschließen, die von jüdischer Seite erhoben wurden — der jüdische Standpunkt durcltdringt, werden dann die wirklichen Schwierigkeiten beseitigt sein? Wenn ich die Lage realistisch betrachte (und jetzt ist keine Zeit für _

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