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Jüdische Rundschau · 1937-10-08 · Heft 80 (8.10.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 80 (8.10.1937)
Date
1937-10-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80, 8. OKTOBER 1937 PALÄST Was geschieht mit dem Mufti? ״Ein guter Anfang" Ernüchterung bei den Arabern Die arabische Reaktion auf die Maßnahmen der Regierung vollzieht sich nach der Mitteilung des Jerusalemer Korrespondenten der ״T i m e s“ nur sehr langsam. Der allgemeine Eindruck sei der einer um sich greifenden Ernüchtern ng. Manche sprechen von einem bevorstehenden langen Kampf, aber es ist ihnen anscheinend noch nicht klar, welche Form dieser Kampf annehmen wird, und sie fürchten, daß die Maßnahmen der Regierung darauf abzielen könnten, sie der politischen Vertretung zu berauben, obgleich die Regierungsaktion ausdrücklich festgestellt hat, daß sie allein durch die Notwendigkeit der Beendigung des Terrorismus entstanden ist, den zu bekämpfen die bisherigen Führer niemals irgendwelche Schritte unternommen haben. Die unabhängige Meinung ist sich darüber einig, daß die Regierung keine andere Alternative hatte und daß sie diese Aktion schon vor vielen Monaten hätte unternehmen müssen. Die bloße Tatsache, daß die Verwaltung sich entschlossen gezeigt hat, hat eine große moralische Wirkung gehabt, ebenso die ruhige und erfolgreiche Verhaftung von fünf der sechs Führer, die deportiert werden sollen. Nur Dschemal H u s s e i n i, der Präsident der Mufti-Partei, ist .bis jetzt noch nicht gefunden worden (die gegenteilige Meldung in der vorigen Nummer der ״j, R.״ beruhte also anscheinend auf einem Irrtum einer telegraphischen Nachrichtenübermittlung — A. d. R.). Man nimmt an, daß er nach Syrien geflüchtet ist, das jetzt, da die französische Kontrolle geringer ist, ein Zentrum aller extremen arabischen Aktionen wird. Der Berichterstatter schreibt auch, daß das Verbot der Diskussion dieser Ereignisse in der Presse von großem Wert sei, da es eine Verschärfung der öffentlichen Meinung verhindert, und neutrale Beobachter glauben, daß ein guter Anfang gemacht worden und das Feld jetzt klar ist für eine konstruktive, feste und unparteiische Verwaltung in der Zukunft. Andere Berichte sagen, daß die Massen der palästinensischen Araber der fortgesetzten Unruhen durchaus müde sind und eine Beruhigung hei beisehnen. Da jetzt alle wichtigen politischen Führer vom Schauplatz, verschwunden sind und die Regierung entschlossen zu sein scheint, politische Agitation nicht zu dulden, wäre der Moment gekommen, um eine Verständigung anzubahnen. Auf der anderen Seite aber ist der Mufti noch immer aktiv und setzt das ausländische Arabertum in Bewegung. Von Damaskus aus wird nationalistische Propaganda gemacht; man denke nur an die vor einigen Wochen abgehaltcne ״panarabische“ Konferenz von Bludan (bei Damaskus), die vom Mufti inspiriert war und auf die die jetzige englische Aktion offenbar die Antwort darstellt. Unter dem Drucke dieser Aktionen ist es für die gemäßigten Araber sehr schwer, sich zu Verbandlungen mit England oder den Juden bereit zu erklären, denn sie würden von den Aktivisten als ״Volksverräter“ betrachtet werden. Die Geschichte Indiens und Aegyptens hat gezeigt, daß es in derartigen Fällen nicht zu gelingen pflegt, auf die Dauer die gemäßigten Führer als Partner zu behalten, denn deren Autorität wird durch die nationalistische Propaganda untergraben. Die Erinnerung an Zaghlul Pascha wird in Aegypten besonders wach, weil auch dieser größte nationale Führer Aegyptens von England 1920 nach den Seychellen verbannt wurde, wohin jetzt die palästinensischen Araberführer gebracht worden sind. Man hat den ägyptischen Nationalisten damit ein Stichwort gegeben, mit dem sie sich in den Widerstand der arabischen Front einreihen können. In Aegypten melden sich auch schon Stimmen, die dafür sprechen, alle innerpolitischen Händel zurückzustellen und den Kampf gegen England mit den Arabern aufzunehmen. Es fehlt, wie es in Berichten aus Kairo heißt, nicht an Hinweisen darauf, daß England auch den Augenblick schlecht gewählt habe, in dem die Außenminister von zwei mit England in Freundschaft verbundenen Staaten in Genf die Sache tjer Araber Palästinas zu ihrer eigenen gemacht und damit einen starken Widerhall in allen Ländern Arabiens gefunden hätten. Trotzdem darf wohl nicht bezweifelt werden, daß England jetzt nicht nachgeben wird. Nach dem ״guten Anfang“, von dem die ״Times“ spricht, wird wohl jetzt die Durchfiihrung des Teilung s planes mit aller Beschleunigimg in Angriff genommen werden. Die endgültige Ausarbeitung des Projektes wird gewiß noch Kontroversen hervorrufen; es sei nur daran erinnert, daß von jüdischer Seite eine Reihe von Verbesserungsforderungen gestellt werden, ohne die (auch nach Meinung der Mehrheit des Völkerbundes) der Judenstaat sinnlos wäre. Es wird die Aufgabe einer konstruktiven Politik sein, einen Weg zu finden, der — im Geiste des Peel-Berichtes — beiden Völkern nicht nur nimmt, sondern auch gibt, und zwar in mancher Beziehung mehr gibt, als sie bisher besessen haben. Ruhe im Lande Trotz der vereinzelten Sabotageakte stellt der Berichterstatter der Reuter-Agentur fest, daß im Lande im allgemeinen Ruhe herrscht. In den letzten vierundzwanzig Stunden waren nur wenige arabische Läden in Jerusalem, Jaffa, Lydda, Ranileh, Gaza und Tulkerem ge• schlossen. Einige Agitatoren, die die Kaufleute einzuschüchfern versucht hatten, wurden verhaftet. Nachdem am Montag an verschiedenen Stellen Telephonleitungen durchschnitten und auf die Eisenbahnlinie bei Ramleh Hindernisse gelegt worden waren, sind Arbeiter, die an der Beseitigung dieser Hindernisse arbeiteten, beschossen worden. Es wurde jedoch niemand verletzt. Der Tageszeitung ״Haarez“ wird aus Amman berichtet, daß das transjordanische Grenzkorps Bereitschaftsbefehl erhalten hat und alle Urlauber einberufen worden sind. Der Kommandant des Korps, Peake Pascha, soll dringend aus England zurückberufen worden sein. Die Telephonverbindungen mit dem Ausland sind wiederhergcstcllt worden, nur die Verbindung mit den unmittelbar an Palästina angrenzenden Ländern ist noch unterbrochen. Alarmbereitschaft aufgehoben Die für die gesamte Palästinapolizei seit einigen Tagen angeordnete Alarmbereitschaft ist Dienstag Mittag w i e d e r aufgehoben worden. Die normale Diensteinteilung für die Polizei ist wieder in Kraft getreten. Gleichzeitig ist die strenge Pressezensur aufgehoben worden; doch wurde den Zeitungen verboten, Meldungen oder Andeutungen über eine Veränderung des Aufenthaltes des ״früheren Vorsitzenden des Obersten Moslemischen Rates“ zu veröffentliehen. Diese Bemerkungen, die sich auf den Mufti beziehen, werden so gedeutet, daß man dem Mufti zur ״Veränderung seines Aufenthaltes“, cl.h. zur Flucht, verhelfen will. Die Regierung würde sich (jadurch aus einer Verlege’nheit helfen, denn anscheinend zögert sie, den Mufti, der ein religiöser Funktionär ist und eine Art geheiligtes ״Asyl“ auf dem Platz der Omarmoschee bewohnt, zu verhalten, obwohl er das Haupt der Bewegung ist, deren andere Führer man deportiert hat. Auf der anderen Seite würde eine Flucht des Mufti ins Ausland nichts anderes bedeuten als eine Verlegung des Zentrums der arabischen Propaganda und eine Verstärkung der von Damaskus oder anderen Plätzen betriebenen Aktionen. Der Mufti hält sich weiter in den Räumen des Moslemisehen Obersten Rates auf und verläßt seinen Aufenthaltsort nicht. Die Telep 11 on Verbindungen mit den Räumen sind jedoch abgeschnitten worden. Vollmachten fUr die Regierung fn der Londoner Presse wird erklärt, das britische Kabinett habe den palästinensischen Behörden Vollmacht erteilt, in Notfällen, die sich aus der Verhaftung der arabischen Füllrer und der Absetzung des Mufti ergehen sollten, nach eigenem Gutdünken zu handeln. Ebenso seien die britischen Truppen in Palästina ermächtigt worden, alles zu unternehmen, was zur Niederschlagung von Aufstandsversuchen notwendig sein sollte. Ein Mitarbeiter des ״Star“ erklärt, es seien bald einschneidende Voran derungen in dem höheren Beamtenperson al der Palästina-Verwaltung zu erwarten. Es werde dies eine Folge von Beschwerden sein, die in Genf gegen die Palästina- Verwaltung erhoben wurden, weil sie nicht imstande gewesen sei, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Uebertriebene Berichte Wie die Palästina-Regierung mitteilt, sind die ersten Meldungen über die Beschädigung der Oelleitung der Irak-Pctroleumgesellschaft stark übertrieben gewesen. Die Leitung sei nur durch eine Kugel beschädigt worden. Der Schaden wurde schnell wieder ausgebessert Ein Brand ist nicht ausgebrochen. Die Palästina-Regierung hat die Behörden der Republik Libanon ersucht, die auf ihrem Gebiet befindliehen Palästinenser streng zu überwachen. Läden wieder geöffnet In Jaffa war die Bevölkerung sehr cingeschüchtcrt, und alle Geschäfte wurden am Sonnabend gezwungen zu schließen. Ebenso wurde der Hafen von Jaffa geschlossen. In anderen Teilen des Landes, u. a. auch in Safed und T i b e r i a s, wurden die Geschäfte ebenfalls geschlossen und arabische Arbeiter, die an Regierungsbauten beschäftigt sind, wurden von arabischen Agitatoren angewiesen, die Arbeit nicderzulegcn. Ali Dabbagh, ein arabischer Aufwiegler, wurde wegen Agitation 711m Streik verhaftet. Auch drei angesehene Araber in Jaffa, die 11^ Verdacht stehen, mit der Aufwiegelei zum Streik in Verbindung zu stehen, wurden verhaftet und nach Akko geschickt. ״Daily Mail“ berichtet aus Jerusalem, daß die Ausbreitung der Streikbewegung hauptsächlich auf die Tätigkeit von Exzedenten zurückzuführen ist, die in Lebensmittelgeschäften das Gemüse mit Paraffin übergossen Und viele Straßen mit Nägeln bestreut haben, um den Verkehr zu stören. Streikposten würden von der Polizei verjagt, Kaulleute, die ihren Geschäften nachgehen wollen, erhielten ausreichenden polizeilichen Schutz. Die Läaen wurden am Montag allgemein wieder geöffnet. Die Seychellen Die zur Depor• tation verurteilten arabischen Führer wurden aut den britischen Zcrstörer ״A c t i v e“ gebracht, der sie nach den S e y - c h e 11 e n überführt. Diese Inseln werden in einem Artikel des ״Sund a y I) i s p a t c h“ als das ״absolute Paradies 11er Tro* pen“ bezeichnet. Die Inseln waren 1111 Jahre lOOb dem besiegten Aschanti- König Prepeh als Aufenthaltsort zugewiesen. Auch der ägyptische Nationa« hstenfuhrer Zagh- I u 1 P a s c h a hat dort 1921 im Exil gelebt. Die Pläne des Mufti Einer Meldung des ״Daily Herald“ zufolge soll Distriklskommissar Andrews ermordet worden sein, weil er Einzelheiten über eine Verschwörung zu einer neuen arabischen Revolte in Palästina entdeckt hatte. Aus dem soeben in London eingetroffenen Bewcismatcrial gehe hervor, daß der Plan zu dem neuen Aufstand auf der arabischen Konferenz in Bkmdan ausgearbeitet worden ist. Es sei aut der Konferenz der Ansicht Ausdruck gegeben worden, daß die Zeit gekommen sei, um ein großes arabisches Reich zu schaffen, das Transjordanien, Syrien, Irak und Palästina umfassen soll. Der oberste Herrscher dieses Reiches sollte der jetzt abgesetzte Mufti sein. — ״Daily Herald“ erklärt weiter, Abgeordnete aller Pirteien würden bei der Wiedereröffnung des Parlaments eine umfassende parlamentarische Untersuchung über das Versagen der Palästina-Regierung bei der Uebcrwachung der Tätigkeit der Terroristen verlangen. Wakf-Zuschuß nicht ausgezahlt Dem ״Daily Telegraph“ wird aus Jerusalem gemeldet, daß die Regierung den jetzt fälligen Zuschuß für den Wa kt vorläufig nicht aits/ahle, 11m die Möglichkeit einer Zusammenarbeit des V'akf-Ratcs mit dem Mufti zu verhindern. Die Verteilung soll erst vorgenommeti werden, bis die Frage der Kontrolle geregelt ist. Der Regierungs- Zuschuß macht ungefähr die Hälfte der Einkünfte des Wakf-Rales aus. Die Eröffnung der Chaussee Haifa — Tel Aviv Wie bereits in unserer vorigen Ausgabe gemeldet, wurde die neue Chaussee Haifa—Tel Aviv am 30. September von Distriktskommissar Keit Roach eröffnet. Das Bild zeigt ein Stück der neuen Chaussee kurz nach der Eröffnungszeremonie Foto; Laiar Dünner sjil- ־Sh>־־' .־'»TO« : Pers i e n •Afghani« tTujttfr’/r! usrSich/ ‘rAbbafx ttrlaJ TtlWti **task-ifo 1 isfuan VcAk'Ci Ai'ii b tfun.t\ Afurtu ih , , Sokvtrt Ulen a /,!{(' ״׳4״׳km, v V Abessinien \ 3NDISCHER l/cH/atuscfru OZEAN Mnnhusu ~arubo!v v 1H CMJSVA. IlbiUEsUmnhh-, .' AmfntjKe/i t/a/vssalAiri rih Komott-u ן Carymickn # yfirtint׳ ( £ jTn/naftit-t‘ t'l/Xl . Muunhu.\ * f&t fff׳ Dauphin TiiKi u/rnii

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