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Jüdische Rundschau · 1937-10-05 · Heft 79 (5.10.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 79 (5.10.1937)
Date
1937-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79, 5. X. 1937 Veranstaltungen Orchesterkonzert des Kulturbundes. Das erste Orchesterkonzert des Jüdischen Kulturbundes in dieser Saison fand in der Neuen Synagoge statt. Die Schwierigkeiten, die sich einer Aufführung in der Synagoge entgegenstelien, werdet! bewußt, wenn unter dem Eindruck des Weihe und Andacht verströmenden Raumes sich unwillkürlich auch in die aufgeführten Werke die Vorstellung des Ernsten, Religiösen einschleicht, sogar ihre Darstellung in diese Richtung um biegt. Die Gefahr der Nivellierung auf die ernste gleichmäßige Linie liegt dann nahe. Ihre Uehcrwindung fordert von dem ausführenden Künstler einige Anstrengung. So konnte es in diesem Konzert geschehen, daß das Publikum das Ende des ersten Stückes des Programms, das Concerto grosso von Händel, überhörte und Dirigent und Orchester vergebens auf Beifallskundgebung, Erheben von den Sitzen, warteten. Solche Vorkommnisse müssen, zumal der laute anspornende Beifall wegfällt, die künstlerische Elastizität der Musik stark beeinträchtigen. In erster Linie ist höchste Konzentration auf das Werk erforderlich, jede Beeinträchtigung von außen, vom Raum her muß ausgeschaltet werden. Schon das erste Stück sollte aus dem Stadium des ״Sich-erst-Einspielens“ heraus sein. Weiterhin würde es sich empfehlen, das Programm nicht so zu wählen, daß es diesem religiösen Stimmungsgleiehmaß Vorschub leistet. Im Gegenteil, Wechsel volle, hervorstechende Stückwähl, glanzvolle, selbst problematische Werke müßten den Hörer reizen und zum musikalischen Genießen und Mitgehen verleiten. Der starke Eindruck, der von der Dvorakschen Symphonie ,,Aus der neuen Welt“ in dieser Aufführung ausging, gibt dieser Auffassung recht. Auch die achtbare Leistung des Kulturbundorcliestcrs unter Rudolf Schwarz in der Wiedergabe des Werks resultierte aus der Aufgelockeriheit seines Musi/ierens, das unbeschwert von Raum und Umstäriden um seiner seihst willen geschah; ein Musizieren, das den! Naturell des Dirigenten liegt, Ausdruck fand in dem schweifenden Gebärdespicl der linken bland, das indes etwas exponiert mehr für die Romantik, weniger für die Klassik und den Barock die gemäße Bewegungsform ist. Noch ein Hinweis auf (i old mark, diesen feinen Melodiker, seine früher sehr häufig aufgeführte ״Sakimtala“-Ouvertüre, immer noch von reizvoller, intimer Wirkung, wellt auch schon über diesem Werk der Hauch des Vergänglichen. Dr. Jakob Schönberg Ein Neschef in der Jußend-Alijah-Schule. Am 14. 9. fanden sich Schiller und Lehrer der Jugend-Alijah-Schule zu einer Stunde der Rückschau und des Ausblicks zusammen. Dr. Eick Stern, der Schulleiter, eröffnete die Betrachtungen mit einem Hinweis darauf, wie die Kibbuzim in Erez Israel, die das Ziel dieser Jugendlichen bilden, den Jom hadin begehen: mit einem ״Cheschbon hanefesch“, mit einer Selbst- Kritik des Erreichten und des Versäumten im verflossenen Jahr. Danach schilderte ein Lehrer der Schule die religiöse Bedeutung des Versöhnungstages. Dann folgten besonders anregende Ausführungen des früheren Schulleiters, der gegenwärtig als Gast hier weilt; er sprach von dem Erlebnis eines Festes in Erez Israel, das durch Jugendliche ausgestaltet wurde und das in seinem Inhalt auf die Bedeutung der Chevvrah hinwies. Zinn Abschluß der Feierstunde, die von ׳Jom Kippur-Melodien begleitet war, forderte Dr. Elek Stern die Jugendlichen auf, nun mit neuer Tatkraft an die Arbeit zu gehen. M-z. Schulausstellung in der Kaliski-Schule. Die Private Waldschule Kaliski zeigte eine Ausstellung: ״Versuche jüdischer Schulgestaltung“. Die Ausstellung zeigt in allen Fächern, ob es nun hebräisch, deutsch, fremde Sprachen, Naturwissenschaften oder Werkunterricht war, daß sie ihre Schüler in einen wirklichen Kontakt mit dem Lehr- Stoff zu bringen vermögen, und daß das Leben der jüdischen Gegenwart das ganze Schulleben zu erfassen und zu durchdringen vermag. Im hebräischen Unterricht finden wir eine Tafel über die Ursprünge des hebräischen Alphabets vom Phönizischen bis zur modernen Druckschrift, oder besonders lebendig: Drucksachen aus Palästina als Anschauungsmaterial. Ein Junge hat ein Purimbuch zusammengestellt, das nett und sauber und sorgfältig geschrieben und gezeichnet ist, mit allen Ornamenten der oft schönen Mcgilloth-Rollen. Die Feste werden nicht bloß im Lehrstoff ״nahegebracht“. Eine herrliche Modell-Sukkoth, im Werkunterricht entstanden, und Kulissen von Chanukkahspielen, die einer der Lehrer schreibt, 11״d sogar von einem von Schülern gedichteten hebräischen Theaterspiel zeigen, daß die Schule ihr jüdisches Eigenleben führt. Palästina nimmt im Gedankenlcben der Schüler den größten Raum ein. Kwuzahmodelle, ja sogar das Ruthenberg-Kraftwerk mit dem Stausee und Jordan und Jarkon sind plastisch und naturgetreu. Mit Geschick und sehr großer Sauberkeit sind die Holzarbeiten von den Kleinen wie von den Großen ausgeführt. Sehr anschaulich ist der Raum, der dem Fremdsprachenunterricht gewidmet ist. Da spielt eine Lesebucherzätilung in der Stadt Bourges. Rings um die Inhaltsangabe sieht man Ansichtspostkarten aus dieser alten französischen Stadt. Der Werkunterricht geht in wahlfreien Fächern weiter als man es vermutet. Sogar Metailarbciten und Glasblasen werden gelernt. Das physikalische Apparatematerial ist auf diese Weise von den Schülern selbst hergestellt worden. Auch der Zeichenunterricht wird nach modernen Grundsätzen gelehrt. Hanna Schlesinger (Ruth Morold) Einführung In die Welt des Golem. Im vollbesetzten Brüdervereinshaus gab Dr. Lutz Weltmann eine sehr eingehende literarhistorische Ucbersicht über Entwicklung und Verwendung des Golem-Motivs. Angesichts der bevorstehenden Golem-Aufführung des Kulturbundes war das Interesse der Hörer, diese fremde, geheimnisvolle und doch interessante Welt näher kennenzulernen, sehr stark. Die Veranstaltung gewann noch an Wert durch eine musikalische Ein• läge aus Eugen D’Alberts Golem-Oper: Rita Atlas z und Siegfried Urias sangen, am Flügel begleitet von Kapellmeister Hans Margolinsky, eine Szene von starker dramatischer Kraft. -nn. Zulassungsprüfung zu amerikanischen Universitäten in Berlin. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die von dem College Entrance Examination Board in New York kontrollierten Aufnahmeprüfungen zu den amerikanischen Universitäten auch in Berlin absolviert werden können. Die Prüfungen umfassen die Fächer der amerikanischen höheren Schule und lassen einen weiten Spielraum in der Wahl der Prüfungsgegenstände je nach Eignung und Vorbildung des Kandidaten. Die Ausbildung für dieses Examen wird in Berlin aut Grund der geleisteten Vorarbeiten und der eingeholten Zustimmungen von der Waldschule Kaliski durchgeführt. Da eine vollständige Beherrschung der englischen Sprache Voraussetzung für das Examen ist, liegt die Ausbildung in den Händen von englischen bzw. amerikanischen Lehrern. Sie dauert etwa zwei Jahre, nachdem auf der Mittelstufe der höheren Schule bereits ein intensivierter Unterricht im Englischen vorhergegangen ist. I. Jahresbericht des Beth Hachasanim. Am 30. Septemher besteht das an die Jüdische private Musik-Schule Holländer, Charlottenburg, Sybelstr. 9, angeschlossene Beth Hachasanim (Schule für jüdische Vorbeter) ein Jahr. Es wurde in dem abgeiaufenen Schuljahr von 13 Herren besucht. Das neue Schuljahr beginnt am 1. Oktober. Es werden auch Abendkurse eingerichtet werden. Als Lehrer sind tätig: Jakob Dymont, Oberkantor Leo Albeck, Rabbiner Dr. Aron Ohrenstein, Dr. Oskar Guttmann. Ankündigungen Die hebräischen Kurie der B2Vbeginnen wieder am 7. Oktober und finden zu den üblichen Zeiten statt. — Demnächst beginnt ein neuer Anfängerkurs im Heim Kantstr. 54 unter Leitung von Dr. Kaleko. Außerdem sind Anfänger- und Fortgeseh1ittenc11-K11r.se in den Hei* men, Brückenstr. 9 und Landsberger Str. 87, geplant. Meldungen an Kulturabteilung der BZY\, \V 15, Meinekcstr. 10, Zimmer 75. —־ Kürzlich begann ein neuer Anfängerkurs unter Leitung von Herrn Lornns. Es können noch Teilnehmer aufgenommen werden (Dienstag und Donnerstag, 21—22 t'hr). Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde. Die neuen An* fängcrk!as,sen für Erwachsene: 1. Große Hamburger Straße 27 am 4. Oktober, 20.30 Uhr (Montag und Mittwoch, 20,30 bis 22 Uhr); 2, Klopstockstraße 58 am 5. Oktober, 17 Uhr (Dienstag und Donners* tag, 17 bis 18.30 Uhr). Teleph. Auskunft: 93 14 90. Kulturbund-Spletplan der Woche. Thea׳er in der Konimandnntenstr. 57. 20.15 Uhr. Am 6. Okt. ,,Stützen der Ue-elbehalt*‘ {Abteilung 6,18), Orchesterkonzert (Abteilung 1, 11, 9. 19, 41, 51), Svn. Oranienburger Straße 29-30; am 7. Oktober ,,Stützen der Gc-elbrhafr' (Abteilung 23, 33), Orchesterkonzert (Abteilung 2, 12. 3, 13. 4. 14), Svn. Oranienhurger S,tr. 29-30; am 9. Oktober ,.Der Golem‘4, Premiere (Ab- »cilung 8, 18), Kammermusikkonzert (Abteilung 24, 34, 29, 39). Oranienburger •Str. 29-30: am 10. Oktober Stützen der Gesellschaft“, Kammcrmusikkonzcrt (Abteihing 25, 35. 26, 36), Svn. Oranienburger Straße 29-30. Die Premieren des ,,Golem“ mul dos Kammermusik- Konzertes am 9. Oktober beginnen bereits um 20 Uhr. Jüdische private Musikschule Hollacndcr. Das Ileth Hachasanim (Schule fiir jüdische Yorbetcr) begann am 1. Oktober sein 2. Schul* jahr, Anmeldungen bei der Verwaltung SybeUtr. 9. Familien- Nachrichten Herr Julius Ha.sk ei und Frau Fräiizc, geb. Popper, Friedenau, Deidcsheimer Sir. 2, begehen am 8. Oktober die silberne Hochzeit. Frau Erna K .1 1 ו m a n n, Könis-bert: (Br.), Vorder •Roßgarten 51-52, begeht am 7. Oktober den 70. ׳11:1׳ Frau Cilly b i M a ti e r, W 50, Prager Straße 26, begeht am 10. Oktober den 70. Geburtstag. Barmliwah-Tcrmine: Am 9. Oktober (4. Mar! heschwan): Manfred C v g 1 e r, Sohn von 11, Cygler, Hannover, Hoctlicdr. 7. — Am 16. Oktober (11. Marcheschwan): Isaak X a j m a n. Soll« von Chttno Najman, Breslau. Luisenplatz 14. — Am 23. Oktober (18. Marcheschwan); Fritz Sigmund W e i S e ח I) u r g c r. Sohn von Sam. Weißenburgtr, Mannheim, I). 7. 10. — Am 30. Oktober (25. Marchcschwan): Moni Müller, Berlin-Pankow, Berliner Str. 12C-121, Waisenhaus. Persönliches. Das 70. Lebensjahr vollendet am 6. Oktober der hier im Ruhestände lebende Rabbiner Dr. S. S a - m u e 1. Er wurde 1894 als Rabbiner an die Gemeinde Essen berufen. Dort hat er bis vor wenigen Jahren, fast vier Jahrzehnte hindurch, seinem Amte gedient. Sein weit ausgebreitetes Wissen, das neben der jüdischen Wissenschaft auch die orientalische und klassische Literatur umfaßt, und hervorragende menschliche Eigenschaften haben ihm in seiner Gemeinde und unter seinen Berufsgenossen holte Achtung und Wertschätzung verschafft. Die Arbeit zweier in Palästina tätigen Kinder verbindet sein Interesse und seine Liebe mit diesem Lande. Seine Muße füllt der Jubilar rnit emsigster wissenschaftlicher Arbeit aus. (Die ״Jüdische Rundschau“ hat öfter Arbeiten von Dr. Samuel veröffentlicht, darunter auch wohlgelungene Uebersctzungen moderner hebräischer Gedichte.) Wir gratulieren dem Jubilar und wünschen ihm noch viele Jahre in voller Frische, M. W. 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