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Jüdische Rundschau · 1937-10-01 · Heft 78 (1.10.1937) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 78 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78, 1. OKTOBER 1937 ״B’reschith“ / Schöpfungshymnus von Oskar Guttmann Zu den vielen schönen jüdischen Bräuchen, aus denen öie Freude und Liebe zur Thora spricht, gehört das Tanzen mit der Thora am Hoschana rabba. Wir erlebten diese Sitte in erhebender Weise in der Neuen Synagoge bei der Einweihung einer Thorarolle, die nach einer Ansprache von Heinrich Stahl vollzogen wurde. Ein Erlebnis, über das die gleichzeitige Aufführung des Schöpfungshymnus ״B'reschith“ für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel Von Oskar Guttmann einen eigenen Schimmer von Patina läßt. Das zweite Mittel ist die Grundierung der Weisen mit Hilfe des Orgelpunkts, wohl das primitivste Mittel, das man sich denken kann: monoton zuckende, rhythmisierte Schläge, dumpfe Wirbel, schwirrende Streicherklänge auf gleichem Akkord, über den Stimmen ein langgezogener fistelnder Ton, tiefbrunimende Lurentöne, stereotypes Wiederkehren von Tonfolgen, das sich bis zur Kupplung von drei Motiven auf gleichmäßigen Schlagzeugrhythmus in der Passacaglia versteigt. Wie wir sehen: Mittel, die bisher in der europäischen Winaiver dirigiert Foto; J, Abraham legte. Fast schien es, daß brennendes Interesse, spontanes Verlangen nach eigener Musik und Kunst die Menge das leuchtende, prunkvoll aufstrebende Sakral der Synagoge bis 0uf den letzten Platz füllen ließ. In unvergleichlichem Freimut stellt sich das Werk Gutt- Jnanns zur Diskussion. Es fordert dadurch die Stellung- *lahme des Einzelnen heraus und bewirkt eine verschiedenartige Aufnahme. Dem einen bleibt es Experiment, im anderen schwingt der Klöppel im gleichen Erleben; der europäischer Musik Verhaftete sucht Reminiszenzen bei Wagner, Bruckner, Brahms; dem traditionsverbundenen, religiösen Enthusiasten mag cs von aufwühlendem Bekennertuin zeugen. (Wir kennen "״Awodath kodesch“ von Bloch und andere!Werke, vor allem russisch-jüdischer Komponisten (u. a. Krein: Requiem |Kaddisch|), die als Oratorien in hebräischer Sprache anzu.sprechen sind. Das Werk Guttmanns tritt in den Brennpunkt des aktuellen künstlerischen Interisses durch die Wahl der stofflichen Vorlage und die Konzeption der Komposition. Der grandioseste Stoff, den man sich denken kann, Darstelhmgstnöglichkciten, Bildräume von unermeßlichem Ausmaß, unerhörter Illusion. Von der Idee Üer Komposition erfaßt, griff Guttmann beherzt zu, die Materie in einer Weise zwingend, die in der Wahl der Mittet fast verwegen scheint. Fs waltet hier ein Primitivismus ohnegleichen, der aber gerade die Bedeutung dieses Werks als Weg zu neuen Feldern ausmacht. Der überlieferte einstimmige Gesang, wie wir ihn in der Synagoge pflegen, mutet uns wie alter Holzschnitt an, wie ein teuer gewordenes Requisit, zu dem uns die Zeit im Laufe der!Jahrhunderte distanzierte. Guttmann versucht mit Mitteln zweierlei Art, diesen alten Holzschnitt unserem modernen Lebensgefühl naliezuhringen. Durch farbiges Hervnrkehren üer Einstimmigkeit, indem er die traditionellen Weisen auf ,den Chor, die Instrumente einstimmig überträgt, zwischen- Jurch den Instrumenten kurze auffahrende Ausrufe über- Musik als nicht edel vermieden wurden, hier aber gerade als Ausdruck des Primitiven gekennzeichnet sind. Es ist somit verständlich, daß sich Ansätze imitierender Chorsätze nur wenig oder nicht weiter durchgeführt finden. Eine gut aufgebaute Fuge hingegen steht in ihrer allzu eindeutigen Abhängigkeit von klassischen Vorbildern isoliert zwischen diesen primitiven einstimmigen Blöcken traditionellen Gesangs. In der Wiedergabe leistete Chemjo W i n a w e r mit seinem Chor Vorbildliches an Einsätzen, Dynamik und Führung der Einzelstimmen bis zum klangballenden glanzvollen Finale. Nur aus dem Primitiven heraus ist demnach Guttmann zu verstehen, seine Begabung für das Klangliche, Stimtnungsbeschwörende im Aufblenden des Lichts in der Finsternis, im Jubel über das erwachte Naturspiel der Pflanzenwelt bis zur rasenden Tanzorgie, im Aufleuchten der Gestirne, in den Hymnen zum Lobe Gottes. Mag sein, daß das Werk keine Teilung verträgt — zwischen dem fünften und sechsten Tag der Schöpfung sprach Rabbiner van der Zyl eindringliehe Worte über die Thora —; möglich, daß man auf die Krönung der Schöpfung, die Erschaffung des Menschen nicht resignierende Reminiszenzen über seine Sterblichkeit in Form einer Totenfeier folgen lassen kann — der erwartete Höhepunkt der Schöpfung blieb aus. Guttmann verstand es in der Totenfeier, sich in Stimmungen vor! außerordentlicher Schönheit zu verstricken, unmittelbar wurde sie in der unvergeßliehen Darstellung Paula Salomons (Lindberg), doch büeben es ausdrucksvolle Einzclphasen, ebenso beim letzten Tag prachtvolle Details (״Wajecnullu״, Semiratmotiv) ohne die erwartete großangelegte Sdilußemanation. Ein origineller Einfall Guttmanns, das Werk mit den sefardischen Neginoth der Thoravorlesung zu umklammern, Weisen von fast wohlig weicher Melodik, weit mehr als die spröden aschkenasisehen Neginoth geeignet, der Phantasie des Komponisten Spielraum zu geben. Ihre Darstellung durch Oberkantor Hanns John Jacobsohn, die das Original anstrebte, sich JlMr KuliurM Berlin El Wir beabsichtigen ab Oktober eine einzurichten. Neuonmeldungen dem lilütt und Ummeldungen von Mitgliedern unter Angabe der Mitglieds-Nummer nimmt das Mitgliederbüro, Berlin SW 19, Kommandantenstraße 57 (Tel.: 17 31 16), entgegen. LI•(• | I gratis ARKEN An■ 11• Verkauf PHIL. KOSACK & Co. BERLIN, Rurgstr. 13 Lander-Auswahlen Erledigung von Fehllisten Kataloge, Alben, Nachfrage Prltx Lewin Berlin W39■ LOlzowetraBe MA Restaurant ״ ״ Qorodecki כשי Berlin, FrtedrlchatraBe 1•* gf^fnüb. Cafä Imperator Ruf: 11 3420!Konzert-Direktion L. Taube / Ruf 8736BO Mitglied Sei R. V. der )Uöiichcn KutturbSnda in Deutachiand Montag, TO Okt., 20.15 Uhr ärüdervereinshaus rrEDEirüHBGnfmri Verdi (Requiem), Schubert, Kubiniteiri,Offenbach,Puccini.Smetona.Russ.Vo'ksneder AmFiuqeli Leo Tau b m a r | Karten RN 1,68 — 4,40 b. Philo, Kodern» Poppelauer u.Abentik. Der Jüdische Sport-Klub (J. S. K.) e. V. im Deutschen Makkabikrels veranstaltet Sonnabend, den 9. Oktober 1937, im Brüdervereinshaus, Kurfürstenstraße 115/16 einen GlSELISCMJftFTS ABEND 3 Kapellen Große Tombola Beginn 9 Uhr Eintrittspraia: RM 2.80 Abendkaese: RM 3.- Vorverkauf «teilen: JOdischer Sportklub, Apostei-Paulus-Str. 76, 711666; Brüder• vereinshau*, Kurfürstenstr. 115/16, 252678; Jüdische Rundschau, Meinekestr. 10, Laden, 917165; Fritz Wiener, Speyerer Str. 22, 265369; Restaurant Kochmann, Kronenstr. 21, 160614; Restaurant Lucullus, C 2, Bischofstr. 17 Ankündigungen Kulturbun'd-Spielplan. Theater in der Kommanclantcnstr. 57, SO.15 Uhr. Am 4. Oktober ״Stützen der Gesellschaft“ (Abteilung 3, 13), Orchesterkonzert (Abteilung 5, 16, 6, 16, 7, 17, 23, 33), Synagoge Orantenbürget Str. 29-30; am 5. Okt. ״Csardasfürstm“ (Sondervcranstaltung). Der Jüdische Kulturbund teilt mit: Am 3. Oktober, 11.30 Uhr, findet im Briidervercmshaus, Knrfiirstenstr. 115-116•, ein Einführungsvortrag in das Schauspiel ״Der Golem“ von Leiwik statt. Dr. Lutz Weltmann spricht über das Golem-Thema, unter Mitwirkung von Rita Atlasz, Siegfried Urias (Gesang) und Kapellmeister Hans Margoünsky (Klavier). Der Vorfrag ist nur Mitgliedern des Kulturbundes gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte zugängig. Kostenlose Eintrittsmarken sind in den Zahlstellen erhältlich. Alexander Kipni» am 4. Oktober, 20.1VUhr, Rriidervereinshaus: Verdi* Requiem, Schubert, Rubinstein, Offenbach, l'uccini, Stnefana und russische Lieder, Familien - Nachrichten FH. Fanny Mandus, VV 15, Kurfürstendamm 24, beging am 30. September den 75. Geburtstag. Frau Ernestine Singer, geh. Asch (früher Posen). Wilmersdorf, Eisenzahnstr. 4, begeht am 2. Oktober den 80. Geburtstag. Barmirwah-Terminet Am 2. Oktober (27. Tischri): Rudi Eisenhar dt, Sohn von Egon Eisenhardt, Ilalciisee, N'cü.oralraßc 54. — Am 9. Oktober (4. Marchesclnvan): Fritz Hamburger, Sohn von Ludwig Hamburger, Wilmersdorf, Johannisberger Straße 11. Geschäftsjubiläum. Herr Paul Beer mann, Mitinhaber der F,1. ließ k Rom, kann am 1. Oktober auf sein 40jäIrriges GcsehaUsjubiläuan zurückbicken. Hundertjähriges Firmenjubiläum. Die B.mmwolliirma Ben;15 L c v v, Berlin, feiert am 1. Oktober ihr lOOjiihriges Bestehen. Das Geschäft wurde 1837 von den Kauflcutcn X. J. Loewenbcrg und Gustav Jiiitow gegründet und 1898 von Renas Lew als alleinigem Inhaber übernommen. Herr Lew, der 1931 gestorben ist, war im jüdischen Leben Berlins eine bekannte Gestalt; er hat Jahrzehnte hindurch irn Vordergrund des Gemcindclebens gestanden und seine Krähe dem Gemeinwohl gewidmet. _ Gottesdienst - Nachrichten Schabbat 1 בראשית Schabbat-Ausgang 18.75 Abkürzungen* Fr =* Freitagabend. IrSpsrFreiUg-Spat^ottesdipnst. SchF =5 Schabbat־ FrühjfoUetdiensh SchH Scbabbat-Hauntgottcsdienst. M Schabbnimincha. J=JujrendgoU<esdi*nst Pr =? Predigt. Sehr adhrifterklärung. L Lehrvortrag. OSch =* Anscbüjßend One# Schabbab Wa *= Wochentag-Abend. Wm — Wochentag-Morgen. Gemeinde-Synagogen nach neuem Ritus Neu« Synagoge ג Fr 18 Pr Jospe ( SchH 10 Fasanenatraße: Fr 18 Pr Swarsemky / SchH 10 / M 18 / Wa 17.45 / Wm7.30 Lützowatrafie t Fr 18 Pr Adler / SchH 10 / M 18 / Wa 17.45 / Wm 7.30 LindenatraBet Fr 17.45 Pr Warschauer 1 SchH 10 / M 18 / Wa 17.45 / Wm 7.30 Levetzowstraße: Fr 19 Pr Lewkowitj! / SchH 10 / M 18 / Wa 17.45 / Wm 7.30 Friedenstempeh Fr 17.45 Pr van der Zy! / SchH lü / M 18 / Wa 17.45 / Wm 7.30 Prinzregentenatraße t Fr 19.15 Pr Gallincr / SchH 10/M 18/Wa 19.15/Wm 7.30 Schmargendorfs Fr 19 Pr Graf / SchH 10 / M 18 / Wa 17.45 / Wm 7.30 Gemeinde-Synagogen nach altem Ritus Alte Synagoge! Fr 17.45 / SchH 9 / M 17.45 / Wa 17.45 / Wm 7 Kaisers traue * Fr 17.45 / SchH 9 Z M 17.45 / Wa 17.45 / Wm 7 RykestraBe t Fr 17.45 Z SchH 9/M 17.45 Z Wa 17.45 / Wm 7 " Münchener Straße: Fr 17.45 / SchH 9 Pr Altmann Z M 17.45 / Wa 17.45 / Wm T Grunewald! Fr 17.45 Z SchH 9 Pr Wolff / M 17,45 / Wa!7.45 / Wm 7 Kottbusser Ufer r Fr 17.45 / SchH 9 / 1 16 / M 17.45 / Wa 17.45 / Wm T PeataloiristraBe! Fr 17.45 / SchH 9 / M 17.45 / Wa 17.45 / Wm 7 V erelns-Synagogen Lipptnann-Tauis, Goünowatr. 12* Fr 17.40 / SchH 8.15 Pr Sinzermann / J 15.45 f M 17.40 L t Wa 17.15 Z Wm 6.30 Syn.Gesundbrunnen, Prinzenallee87: Fr 17.45 / SchH 9 /M 17.45 L Alexanders Ws 17.45 Z Wm 7 Isr. Vereinigung Lichtenbcr;, Frankfurter Allee 56: Fr 17.45/SchH 9 / M 17.45 9 Wa 17.45 / Wm 7 Sjrn. Passauer Str. 2: Fr 17.45 / SchH 9 Z M 17.40 L / Wa 17.45 / Wm 7 Jüd. Relijfion.rerein der nftrdl. Vorort«, Hermsdorf, Aibrechtstr. 10* Fr 18.30 L Klein l SchH 10 Pr Klein Jüd. Religlonaverein Friedenau-Steglitz, Stieratr. 21: Fr 17.45 / SchH 9 OSch / M 18 L Winter Syn.-Verein Moabit und Hanaabezirk, LeaaingBtr. 19s Fr 17.45 / SchF 6.4/ völlig der Stimmung und dem Charakter dieser Weisen unterwarf, verdient hohe Wertschätzung. Es muß gesagt werden, daß die Aufführung des Werks nur durch Chemjo Winawers aufopfernden Einsatz möglich wurde. Was Winawer hier mit seinem Chor, den Musikern, dem verstärkten Orchester der Künstlerhilfe in unzähligen Proben an Vorarbeit leistete, bis er dieses hohe künstlerische Niveau der Aufführung sicherstellen konnte, ist bewundernswert. Dafür gebührt ihm und den Mitvvirkenden, auch dem Organisten Werner Baer aufrichtiger Dank. Diese von ihm dabei entfaltete künstlerisch unerschütterliche Tatkraft dürfte auch anderen Ansporn und Vorbild sein. Dr. JakobScliönberg Festdlchtungen aktuell — Individuell verfaßt K, Sandak, Berlln-Cbarlbg. 4 Waltxatra&e 30 Tel.: 96 23 18 NEUMANN Kurfürstendämm 205 Ruh 9t 37 t6 PIANOS RADIO Klavierstimmer PERES Rufi 72 19 20 Bindfaden, SeiiBfwaren. vämti.Sorten Packpapier ABACA Inh. Siegmund Kantorowltzj Perlin 017, Gr. 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Paprikahuhn Täglich« Gänsebraten - Brathuhn ■■HH Rudolf Goldmann hhm ÄUfill S Hg- und AMM Ku rfiirittniiamtn 22m Nahe Zoo Ausrichtung von F#stllehk«iteft. / Ruf: 91 22 45 Aufsicht Kagchr.-Komm. Jüdisch« Gemeinde Berlin

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