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Jüdische Rundschau · 1937-10-01 · Heft 78 (1.10.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 78 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 78,ו. X. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Der Lebenskampf der polnischen Juden Von unserem Berichterstatter Warschau, Ende September Kampf mit allen Mitteln Permanenter Angriff auf allen Fronten — so ist leider die augenblickliche jüdische Lage in Polen zu kennzeichnen. Die allbekannten Methoden des ökonomischen Kampfes, mit Konsequenz immer strenger gehandhabt, wurden in den letzten Wochen noch durch neue Maßnahmen Überboten. Wahrend des Sommers hat die national-radikale Partei förmliche Expeditionen in die Dörfer und Städtchen gesandt, um nach luden zu spähen, in vielen Orten wurden systematische ueberfäile auf jüdische Einwohner und ihre Läden und Werkstätten organisiert, und auf diese Weise gelang es, alteingesessene Juden von ihren bisherigen Wohnpiätzen zu entfernen. Dies geschah nicht selten gegen den Willen der polnischen Ortsbevölkerung, die genau so wie die Juden von den auswärtigen Elementen terrorisiert wurde. Die aufgezwungene Abwanderung der jüdischen Kleingewerbetreibenden und Händler aus den kleineren in die größeren Ortschaften nimmt immer größere Dimensionen an. Dadurch wird natürlich die Not in den von Juden dicht bewohnten Städten immer größer und der Haß gegen die Juden •tärker. 111 anderen Ortschaften wird seitens der Polen alles getan, um die Juden jeder Existenzmöglichkeit zu berauben. Die Märkte werden auf Samstag verlegt oder den Juden wird der Zutritt zu ihnen überhaupt verwehrt. Auf Handelsplätzen werden Ghettos für Juden dngefiilirt. Mit Hilfe verschiedencr Kreditinstitutioncti werden in sämtlichen Städten neue christliche Handelsgeschäfte eröffnet, was zur Vernichtung der bestellenden jüdischen wirtschaftlichen Positionen führt. Die Losung ״Kauft nicht bei Juden“ wird mit allen zu* lässigen und unzulässigen Mitteln in ganz Polen sehr lebhaft und mit großem Erfolg propagiert. Bedrohte Sicherheit des Lebens Würde der ökonomische Kampf mir diese Formen angenominell haben, so wäre schon Anlaß zu starker Besorgnis vorhanden, die Lage wäre aber noch nicht tragisch. Es kommen jedoch hinzu: die Atmosphäre eines brutalen Hasses und die sehr oft bedrohte Sicherheit des Lebens Und Vermögens. Wir entnehmen z. B. der Chronik der letzten Tage folgenden Vorfall: In Wolomin bei Warschau haben dortige Judengegner die Synagoge und die umliegenden jüdi* sehen Häuser in der Nacht mit Petroleum und Benzin begossen, um den jüdischen Stadtteil zu verbrennen. Nur dank einem Zufall wurde das Unglück verhütet, Oder: An der stomatologischen Klinik in Warschau meldet sich ein jüdischer Patient Die christliche Acrztin weigert sich, den Kranken in Behandlung zu nehmen, da er Jude ist. ־— Der im Chas* kielewicz-Prozeß am Warschauer Appellationsgeficht hervor* tretende berühmte polnische Verteidiger Rechtsanwalt Dabrowski wurde im Gerichtsgebäude von einem Jungen Polen mit den Worten ,,Judenknecht‘• überfallen und mißhandelt. Es gibt auch Fälle, wo Christen die Juden in Schutz nehmen, die Atmosphäre ist aber so haßgeladen, daß die Zahl derjenigen Polen, die es wagen, offen ihre Gesinnung kuiidzugeben und sich judenfeindlichen Schritten entgegenzustellen, immer geringer wird. In manchen Städten, z. B. in ,.Warschau, Radom, Kielte, sah man letztens polnische Ar- •:beiter» die sich aktiv jtidenfeindlicheti Ausbrüchen widersetzen. Ausschreitungen in Warschau Während aber bisher die persönliche Sicherheit der Juden nur in der Provinz bedroht war, hat sich die Situation auch in Warschau so verschärft, daß kein Tag ohne Ueberfall vergeht. Jüdische Passanten werden am hellen Tage von ganzen Gruppen, meistens Jugendlicher, auch Frauen unter ihnen, auf den belebtesten Straßen der Hauptstadt, 7. B. Marszalkowska, Krölevvska, Krakauer Vorstadt, Neue Welt, überfallen lind mißhandelt. Es gibt leicht und schwer verwundete Juden. Die Aggressivität seitens der judenfeindlichen Gruppen in Warschau geht so weit, daß sie es wagen, in den dichtbesiedelten jüdischen Vierteln zu erscheinen. Während der letzten Feiertage wurden in vielen Synagogen und Bethäusern die Fenster «ungeschlagen und die Betenden überfallen. Die Exzesse wiederholten sich ln den jüdischen Straßen und in den von Juden stark besuchten. Parkanlagen, z. B. im Sächsischen Garten. Die Polizei greift ein, nimmt Verhaftungen vor, aber die Exzesse dauern fort. In den ersten zwei Septemberwochen war die Swientokrzyskastraße in Warschau der Schauplatz einer organisierten scharfen B oy k ott bew e gu n g gegen die Juden. Hier nämlich konzentriert sich der Buchhandel, an welchem die Juden stark beteiligt sind. Diese jüdischen Buchhändler haben sich große Verdienste um die Entwicklung und Popu* larisierung des polnischen Buches erworben. Zu Beginn des laufenden Schuljahres, als die Buchhandlungen viele Käufer hatten, wurden sie von speziell hierfür organisierten Boykott- [!osten belagert, die Flugblätter verteilten und jeden Christliehen Käufer zwangen, sehr oft unter Gewaltanwendung, die jüdischen Buchhandlungen zu meiden oder zu verlassen. Diese Aktion hatte großen Erfolg. In den letzten Tagen, nachdem die Kaufbewegung sowieso abgeflaut war, hat erst die Polizci den Boykottposten jede Gewaltanwendung verwehrt. Es war aber schon zu spät. Der jüdische Buchhandel ist durchweg ruiniert. Zu schweren Ausschreitungen kam es am Sonntagmittag in Warschau bei einem Umzug der sozialistischen Jugend. Gegen den Zug wurde eine Bombe geworfen, durch deren Explosion etwa vierzig Personen verletzt wurden. Man nimmt an, daß der Anschlag gegen die am Ende des Zuges marschierende Gruppe des ״Bund“ gerichtet war. Einige Stunden später wurde das Klublokal dieser Organisation überfallen und das Treppenhaus mit Benzin in Brand gesteckt. Dabei kam es zu Schießereien zwischen den Brand- Stiftern und den Angehörigen der jüdischen Organisation. Fünf Verletzte mußten ins Krankenhaus geschafft werden, ... und in Bielitz In Bielitz und B i a 1 a (vormals Oesterreich-Schlesien) kam es in den letzten Tagen zu judenfeindlichen Ausschreitungen, die einen ähnlichen Hintergrund hatten wie vor einigen Monaten in Czenstochau. Infolge eines Zusammen- Stoßes zwischen einem jüdischen Restaurateur und einem betrunkenen polnischen Arbeiter kam dieser ums Leben. Der BRIEFMARKEN - FRITZ LEWIN, Berlin W 35, Lützowstr.81 ft jüdische Restaurationsbesitzer hat sich selbst der Polizei gestellt und seine Tat mit Notwehr motiviert. Er wurde sofort verhaftet. An den folgenden Tagen hatten sich in den Hauptstraßen von Bielitz Massen angesammelt, die ״zur Vergeltung“ jüdische Geschäfte und Wohnhäuser, die Synagoge und das Biaiikhaus überfielen, Fenster cinschlugcn, die Einxiehtung demolierten und Juden mißhandelten. Dasselbe wiederholte sich in Biala. Starke, aus Kattowitz und Krakau herbeigeholte Polizeitrupps verhinderten, daß diese Exzesse rößeren Umfang aimalimen. Die Stimmung unter den Juden ieser auf hohem Kulturniveau stehenden Städte ist sehr gedrückt, Bagino der Hoclhschulkrawallo Die bevorstehende Eröffnung der Hochschulen, an denen in den letzten Jahren regelmäßig im Oktober und November judenfeindliene Krawalle sich wiederholten, gibt in jüdischen Kreisen zu den größten Besorgnissen Anlaß. Obwohl die Zahl der jüdischen Kandidaten an den polnischen Hochschulen sich jährlich stark vermindert und die Zahl der angenommenen jüdischen Studenten eine äußerst geringe ist (in Warschau wurden im vorigen Jahre an der medizinischen Fakultät IS Juden, an der Veterinär-Akademie 3 Juden, an der Technischen Hochschule 11 und an der Landwirtschaftliehen 8 Juden aufgenommen), wird den jüdischen Hochschiilern keine Ruhe gegönnt und mit den brutalsten Mitteln werden sie in ihrem Studium behindert. Mancherorts haben die Unruhen schon begonnen. In Wilna wurden die Gesuche einreichenden jüdischen Studenten, in Le m berg die sich zur ärztlichen Untersuchung Meldenden überfallen. An der Masehinenbausehule in Warschau, deren Gründer und Namensträger zwei im vorigen Jahrhundert prominente polnische Juden, Pioniere der polnischen Wirtschaft und verdienstvolle Philanthropen, Rot wand und Wawelberg, waren, haben schon am ersten Schultage die christlichen Studenten, organisiert im ״Verbände Jung-Polens“, die jüdischen Studeuten gezwungen, Ghettobänke an der linken Seite der Hörsäle einzunelimen. Die jüdischen Studenten bleiben während der Vorträge stehen, aber sie sind nicht in der Lage, sich Aus der Haftarah für Sdiabbat, 2. Oktober Singt IHM einen neuen Gesang, seinen Preis vom Erdrande her, die ihr aut das Meer auslauft und seine Fülle, Küsten zusamt ihren Siedlern! Anheben sollen die Wüste und ihre Städte, die Gehöiie, die Kedar besiedelt, jubeln die Siedler des Geklüfts, Judihelen vom Haupte der Berge! IHM sollen sie Ehren setzen, seinen Preis ar den Küsten vermelden. Jesdiajahu 42, 10-12 Verdeutscht von Martin Bubet der überwältigenden Mehrheit zu widersetzen. Dies in einer von Juden mit großem Geldaufwand gegründeten (heute be• reits verstaatlichten) Schule. Abwehr-Maßnahmen Eine Konferenz der Wojwoden unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Skladkowski befaßte sich mit der aus den anhaltenden judenfeindlicheii Demonstrationen geschaffeneii Lage. Das Ergebnis dieser Konferenz ist eine neue Verordnung, durch weiche die Stimm״■ der öifentliehen Sicherheit und Ordnung sowie jeder Angriff auf fremden Besitz mit schweren Freiheitsstrafen belegt wird. Amtlich wird mil-geteilt, daß Ministerpräsident Ski ad• kowski am 25. Seplember die Deputierten l>r. Sommer• stein und Dr. Gottlieh und die Senatoren Prof. Schorr und Trocken heim empfangen hat, die ihm die seelische Verfassung der jüdischen Bevölkerung infolge der letzten Ausschreitungen schilderten. Der Ministerpr.i-ident erklärte, es würde alles geschehen, um eine Wiederholung barbarischer Willkürakte, die der!:Irre des polnischen Staates widersprechen, zu v e r h i 11 d e r n. Die Versicherungsgesellschaften lehnen den Abschluß neuer Versicherungen mit jüdischen Firmen .gegen Bcschädigung von Schaufenstern ab. Ab״, S o nt m erstein hat wegen der Ausschreitungen in Bieisko und Biala bei dein Wojwoden von Krakau und bei dem Yi/cwojwoden für Po!- uisch-Schlesien interveniert. Beide erklärten, cs seien strenge Verordnungen erlassen worden, durch die die öffentliche Sicherheit vollständig gewährleistet erscheine. In Warschau hat die erste Verhandlung vor dem Schnellgericht gegen Teilnehmer an der! letzten Judenfeindliehen Ausschreitungen stattgetumlen. Zwölf Jugendliche, die Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert und jüdische Passanten überfallen hatten, sind zu Gefängnisstrafen von sieben bis zu vierzehn Tageil verurteilt worden. Zur Frage der KalenderreSorm Eine Erklärung von Chief Rabbi Hertz Der öberrabbiner des Britischen Reiches, Dr, J. Hertz, hat folgende Erklärung veröffentlicht: Die Befürworter der Kalenderreform durch Einführung eines ״Blanko-Tages“ haben hei der letzten Tagung des Völkerbundsrates eine vernichtende Niederlage erlitten. Von den 69 Staaten, die von dem Völkerburidkomitee um ihre Meinung über den Vorschlag der chilenischen Regierung befragt worden waren, haben sich nur 37 die Midie gegeben, zu antworten, und von diesen 37 haben nur 10 eine auch nur grundsätzlich irgendwie günstige Antwort auf den chilenischen Vorschlag erteilt. Dies erhärtet die in dem gemeinsamen Memorandum des Grand Rabbin Israel Levi und des Chief Rabbi Dr, Hertz an die Außenministerien Englands und Frankreichs aufgestellte Behauptung, daß kein wie immer geartetes offentliebes Bedürfnis nach einer Kalenderreform vorhanden ist, das die Wiederaufrollu11.tr der Frage rechtfertigen könnte. Die Untersuchung des Völkerbundes hat zu dem Ergebnis geführt, daß der Resolution nicht einmal die Ehre zuteil wurde, im Völkerbundrat erörtert zu werden; sie wurde vielmehr von der Tagesordnung abgesetzt. Es wird Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern, ehe die Judeuheit wieder mit dieser Angelegenheit behelligt werden wird. ״Rück ein bißchen“, sagte sie stattdessen sehr sanft, ״es macht müde, in der Flitze zu dir heraufzukommen.“ Er rückte schnell bis ans äußerste Ende der kleinen Bank. Sie setzte sich neben ihn, stützte die Ellbogen auf die Knie, legte den Kopf in die Hündo und blickte hinaus in die Landschaft, über der der Himmel von Minute zu Minute dunkler wurde. Jawnieli konnte mit einem Seitenblick die kleinen Schweißtropfen sehen, die wie Tautropfen auf ihrer Stirn standen. Und obwohl er so viel Zwischenraum wie möglich zwischen sich und ihr gelassen hatte, spürte er doch den warmen Duft ihres Körpers, der ein wenig an den Geruch frischen Brotes erinnerte. Sie saß bewegungslos, nur ihre Brust hob und senkte sich unter dem dünnen Baumwollkleid. Jawnieli versuchte vergeblich, aus seiner Hosentasche drei Piaster herauszuangeln, ohne daß sie es merkte. Er war in einem seltsamen, bisher noch nie erlebten Zustand. Einerseits wünschte er dieses Mädchen, das da so dicht neben ihm saß, zu allen Teufeln. Andererseits verspürte er ein brennendes Verlangen, den Zwischenraum zwischen ihnen aufzulieben, den Arm um ihre Schultern zu legen, sie zu küssen. Dabei wußte er ganz genau, daß er es nicht tun würde. Einmal, weil er dazu viel zu schüchtern war. Aber das war nicht das Wich* tigste. Tief in seinem Herzen spürte er, daß er damit selbst die kleine, vollkommene Welt zerstören würde, in der er dank der Gnade des Schicksals lebte. Er selbst hob dann die Einsamkeit auf, die wie eine schützende Mauer um ihn stand ... und stürzte sich freiwillig in das Chaos, dem er entflohen war. Schon ihre Nähe weckte in ihm eine Unruhe, die er als ungehörig und gefährlich empfand. Und 80 wünschte er sehnlichst, sie möge gehen — und gleichzeitig fürchtete er es. Da kam die Katze anstolziert. Sie kam mit kleinen zierliehen Schritten auf die beiden zu, den Schwanz stolz erhobcn. Einen Augenblick blieb sie vor ihnen stehen, und Jawnieli schien cs, als habe ihr Gesicht wieder jenen höhnischen Ausdruck wie damals, als sie ihn vom Rand der Abfalltonne aus betrachtet hatte. Dann sprang sie mit einem zierliehen Satz der roten Chawa auf den Schoß. Sobald die Einger des Mädchens in ihr Fell griffen, begann sie laut zu schnurren. So saßen sie eine Zeitlang schweigend, während die Dunkelheit immer dichter um sie wuchs. Schließlich sagte Chawa: ״Deine Katze und ich, wir sind gute Freunde, mußt du wissen. Sie kommt jeden Erew Schabbat zu mir ins Zimmer. Sie weiß, daß ich abends allein im Hause bin. Es ist eine Wäscherei, und ich bin die Einzige, die dort auch wohnt.“ Jawnieli antwortete nicht, aber sein Herz schlug so laut, daß er meiatc, sie müsse es hören. Nach einiger Zeit kam von der Chaussee her ein Geräusch. Jemand schlug mit einem Stock gegen die Eisenpfühle der Umzäunung. Es konnte nur Schemtob sein. Hat er zu viel getrunken, daß er solchen Lärm macht? dachte Jawnieli. Chawa erhob sich. ״Ich muß jetzt gehen“, sagte sie, Indem sie ihm die Hand liinstreckte. Als er sie ergriff, schlang sie den linken Arm um seinen Hals, zog sein Gesicht an das ihre und küßte ihn mitten auf den Mun«J. ״Täppisch!“ sagte sie zärtlich, ״ach du Dummkopf!“ Dana war sie in der Dunkelheit verschwunden. Jawnieli schlief schlecht in dieser Nacht, und am nächsten Morgen schien die Welt um ihn sich verändert zu haben. Es war die gleiche Welt der Ordnung und Einsamkeit, in der er so glücklich gewesen war, aber sie erschien jhm plötzlich leer und nutzlos. Wie alt war er? Noch nicht dreißig Jahre! Ein junger, kräftiger Mann, und er hatte einen Beruf, den ein sechzigjähriger Invalide genau «0 gut ausfüllen konnte. "Während tausende Männer seines Alters im Lande ihre Kraft und ihren Schweiß an etwas setzten, was der Mühe wert war, wirklich etwas schufen, tat er nichts, als darauf zu achten, daß einer der vielen kleinen Pumpenmotore regelmäßig lief. Plötzlich schämte er sich vor den Arbeitern, die mit der schweren Hacke iu glühender Hitze das Unkraut zwischen den Stämmen jäteten. Er blickte auf seine Hände: sie waren fast so weiß und zart wie die der roten Chawa. Aber bei der kam es von all dem heißen Wasser und dem Seifenschaum; am Waschfaß zu stehen war eine schwere Arbeit. Für einen Mann aber war es eine Schande, solche' Hände zu haben. Als die Arbeiter eine Stunde später in den Pardess kamen, bot sich ihnen ein noch nie gesehener Anblick: Jawnieli stand mit einer Hacke da und arbeitete mit wahrer Verbissenheit! Der Vorarbeiter nahm ihm das Gerät aus der Hand. ״Kümmere dich lieber um deinen Motor“, sagte er, ״Hacken macht rauhe Hände“. Jawnieli schlich davon. Als er aber unbeobachtet war, betrachtete er mit Genugtuung die beiden Schwielen, die der Hackenstiel in seine Handteller gepreßt hatte. Noch nie war ihm ein Tag so langsam vergangen. W'iiro wenigstens die Katze dagewesen, ihm Gesellschaft zu leislen. Aber es war Freitag, und die Katze längst unten im Kfar Jehoschua, saß vor dem Hause der roten Chawa und wartete auf den Augenblick, wenn alle die anderen Wäsche« rinnen fortgegangen sein würden und Climvn... allein war. Endlich sank die Sonne, es wurde dunkel, er könnte von Kfar Jehosclmn her die Lichter blii/en sehen, heller 013 e wohnlich, denn überall brannten die Sehabbnt-Kerzen. chemtob kam am Freitag später als sonst. Jawnieli zog ihn in den Motorraum. ״Höre zu, Scheint ob“, sagte er, und vormied es, den Wächter dabei anzusehen, ״ich muß heute noch irgendwohin... habe noch etwas zu erledigen, verstehst du. Sei so gut, und stelle um elf Uhr den Motor ab, damit das Wasser nicht aus den Tanks überläuft. Einfach diesen Hebel nach oben werfen... das ist alles. Leicht, was? Und weißt du... vielleicht wird es spät... um zwei Uhr muß der Motor dann noch einmal für eine halbe Stunde arbeit«n. Einfach den Hebel herunterdrücken... kinderleicht, nicht wahr? Aber vergiß es nicht!“ Schemtob versprach, das Ab- und Anstellen des Motor# pünktlich zu besorgen. Als Jawnieli zehn Minuten später, angetan mit seinem besten Hemd und seiner weniger strapa zierten Hose, in der Dunkelheit verschwand, hätte er ihm gern nachgerufen: ״Grüß die rote Chawa von mir!“ Aber er war ein Sefarde, und die haben in dieser Hinsicht viel Taktgefühl... Dieses Taktgefühl ließ ihn auch in den Schatten der Bäume treten, als er in der Morgendämmerung dem heimkehrenden Jawnieli begegnete. Dieser kam den Pfad herauf mit einem Schritt, der ebensowohl von reichlich genossenem Wein zeugte wie von einem Rausch höherer Art. Neben ihm her lief seine Katze, auch sie setzte ihre Füße wie in einer Art Trunkenheit, während sie unaufhörlich um die Beine ihres Herrn strich. Plötzlich blieb Jawnieli stehen, biiekte sich, packte mit schnellem Griff die Katze beim Genick. Mit nusgestrecktem Arm hielt er das Tier vor sich hin, und während ihn die großen, runden Katzenaugen mit den im Dämmerlicht ungeheuren Pupillen starr ansahen, lallte er, von einem Schluchzen unterbrochen, in dem gleichzeitig Luchen und Weinen war: ״Einen ganzen Fisch bekommst du von mir... einen •chönen, großen... aus Tel Aviv... du... alte... Kupplerin.. .1“

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