Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 74-75 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20. 9.1937 U 9! \j HÜ. Jährgnng 42 II! ■•I ABMl|MV*nraUtt&|1 B«rUa VIS, Mainckiitr. 10 fevavBfi nmi, T«l»|raflUi>A<ft»l>l Orghlp. — Beragtpreii ein*chHeß!tcfa $• Moiwt Rif 2,*—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w. RM $,& — Postscheck Konten der Vertriebs - Abteilung* Berlin 71573 (für Genf Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Füllen höherer Gewalt bestahl kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühma. - Erscheint jndan Dienstag amt Freitag, Preis 25 Rpf• RUNDSCHAU BERLIN י״ב תשרי תרצ״ח FREITAG, 17. SEPTEMBER 1937 GUtigt Aaxalgenprelalist« Nr. 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf^ fö# Familien ־ Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmte» Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit** ■«eigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck. Konto Berlin 71618 oder baf Montag bis Freitag 9—18 Uhr. AnnahmeschluS für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. <Für Familien * Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Per Zionismus erstrebt für das jonische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Völkerbund akzeptiert Teilung Eden verlangt VerHandlungsvollmacht; England an keine Einzelheit gebunden — Die Ratsdebatte: Zurückhaltung Frankreichs; Polen wünscht maximale Einwanderungskapazität Grenz- und Finanzkommission geht nach Palästina Der Rat stimmt zu Die Verhandlung des Palästina-Problems vor dem .Völkerbundrat hat mit dem Ergebnis geendet, das nach der Stellungnahme der Mandatskommission und den vorangegangenen Verhandlungen zu erwarten war. Der Rat hat die Bemerkungen der Mandatskommission gebilligt und die Forderung der englischen Regierung auf Vollmacht zu weiteren Verhandlungen im Sinne einer Teilung Palästinas akzeptiert und eine kleine Unterkommission mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Entschließung beauftragt, an deren Annahme nicht zu .zweifeln ist. Damit ist die Bahn für den weiteren Fortgang der Sache freigemacht. Als nächstes wird eine neue Kommission von der englischen Regierung nach Palästina entsandt werden, die den Auftrag hat, ein konkrete s'S c heni a für die Teilung auszuarbeiten, insbesondere einen Vorschlag für die Grenz- Ziehung und für die Regelung der finanziellen Fragen zu machen. Auf Grund ihres Berichtes wird die englische Regierung sodann dem Rat des Völkerbundes einen detaillierten Plan für die Teilung präsentieren können, über den sich der Rat endgültig schlüssig werden soll. Frühestens kann dieser Plan in der Januar-Sitzung des V öl kerbundrates zur Verhandlung kommen, falls es bis dahin gelingt, die Kommissionsarbeiten zu beettden und einen Bericht fertigzustelleu. Allerdings deutet alles darauf hin, daß der englischen Regierung daran gelegen ist, die Angelegenheit nach Möglichkeit zu beschleunigen. Aus der großen Rede, die der englische Außenminister Eden zu dieser Frage vor dem Rat des Völkerbundes gehalten hat, interessiert besonders die erneute Hervorhebung des Gesichtspunktes von der Unvereinbarkeit der beiden im Mandat ge gebenen Verpflichtungen Arabern und Juden gegenüber. Eden betonte, daß sich für die Mandatsregierung eine neue Lage ergeben habe, die durch äußere Faktoren herbeigeführt wurde. Es war einmal der erhöhte Druck der jüdischen Einwanderung infolge des verstärkten Antisemitismus in einigen europäischen Uindem und auf der anderen Seite das Anwachsen des arabischen Nationalismus. Bei seiner Forderung auf Erteilung einer Vollmacht zur weiteren Behandlung des Problems betonte Eden wiederholt, daß die englische Regierung an keine Einzelheiten und kein Teilungsschema ׳gebunden sei, so daß sie in dieser Hinsicht freie Hand habe. Es soll erst die Aufgäbe der jetzt zu entsendenden Kommission sein, einen detaillierten Plan, der auch einen Vorschlag für die Grenzziehung enthält, auszuarbeiten. Bei den Erörterungen vor dem Völkerbundrat spielte auch die Frage der Regulierung der jüdischen Einwanderung während der Uebergangsperiode eine erhebliche Rolle. Besonders seitens des Vorsitzenden der Mandatskommission Orts wurde darauf hingewiesen, daß die Frage der jüdischen Ein- Wanderung den Schwerpunkt des ganzen Problems darstellt. Man gab sich auch hier ebenso wie vor der Mandatskommission mit der Erklärung des englischen Vertreters zufrieden, daß die Festsetzung einer Einwanderungsquote von 8000 Personen für die laufenden acht Monate nur eine vorübergehende Maßnähme darstelle. Minister, Eden betonte, daß damit nichts für die Frage der Einwanderung nach dem 31. März 1938 vorweg festgelegt sei. Die Regelung dieser Frage werde davon abhängen, wieweit bis dahin die Verhandlungen über den Teilungsplan gediehen sind. Aus der Diskussion im Anschluß an Edens Rede ist zunächst die starke Zurückhaltung des französischen Außenministers hervorzuheben, der sich mit einer Anerkennung für England begnügte. Man darf vermuten, daß diese Zurückhaltung zum Teil auf Frankreichs Stellung in den islamischen Ländern, besonders auch in Syrien, zurückzuführen ist. Sehr stark hervorgehoben wurde Polens Interesse an einer Regelung der Frage durch Außenminister Beck. Er berührte in diesem Zusammenhang das gesamte Emigrationsproblem, wobei er auf die besondere Verbundenheit der Juden Polens mit Palästina und die Leistungen der Zionistischen Organisation hinwies. Er verlangte eine solche Regelung der Frage, die Palästina eine mögliehst hohe Einwanderungskapazität verschafft. Auch der Vertreter Neuseelands wünschte für das jüdische Volk eine angemessene nationale Heimstätte in jenem Teil der Welt, dem es ursprünglich zugehört hat. All diese Aeußerungen zeigen, daß man in den Kreisen des Völkerbundes die Problematik der Judenfrage begreift, und daß man unter Anerkennung des englischen Standpunktes nur eine solche Teilung des Landes wünscht, die den jüdischen Bedürfnissen kolonisatorischer Art einigermaßen gerecht wird. Mit dieser Debatte ist ohne Zweifel ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Verwirklichung des Teilungsplanes zurückgelegt. Der Schwerpunkt des Interesses dürfte sich jetzt sehr bald wieder nach Palästina verlagern, wenn dort die von Eden angekündigte Kommission zu arbeiten beginnen wird. Es soll ihre Aufgabe sein, mit Juden und Arabern zu verhandeln und nach Möglichkeit die Wünsche dieser beiden Partner kennenzulernen und zu berücksichtigen. Inwieweit auf arabischer Seite eine solche Verhandlungsbereitschaft besteht, kann allerdings bis zum gegenwärtigen Augenblick bezweifelt werden, da der Druck der radikalen Elemente im arabischen Lager außerordentlich stark ist und auch diejenigen, die an sich zu Verhandlungen bereit wären, von Meinungsäiißerungen zurückhält. So sehr wir gegen jede Ueberstiirzung der Angelegenheit sind, so glauben wir doch, daß eine baldige Klärung des Problems im Interesse der inneren Entwicklung des Landes sowohl nach der politischen wie nach der wirtschaftlichen Seite hin zu wünschen ist, da der jetzige Schwebezustand eine Die Verhandlung vor dem Völkerbund am 14. September wurde damit eröffnet, daß Antonescu (Rumänien) den Bericht der Mandatskommission und ihre Entschlüsse überreichte. Der Präsident der Tagung bemerkte, daß der Verirrter Englands den Rat benachrichtigt habe, daß er eine Erklärung über die vorläufige Meinung der Ständigen Mandatskommission zum Problem der Lage Palästinas abzugeben wünsche. Außenminister Eden führte hieraut folgendes aus: Dem Rat liegt der Bericht der Ständigen Mandatskonimission vor! ihrer letzten außerordentlichen Sitzung sowie der Bericht des Berichterstatters über dieses Dokument vor. Der Hauptteil des Berichts der Mandatskommission zerfallt in zwei Abschnitte, deren zweiter die allgemeinen und besonderen Bemerkungen der Kommission über die Verwaltung Palästinas während der Periode enthält, die der Untersuchung bei der letzten Sitzung unterlag, während der erste Teil die vorläufige Meinung darstellt, um die der Rat über die weitreichende Frage bezüglich der ganzen Zukunft des Mandats gebeten hat. Der Berichterstatter legt in § 2 seines Berichtes dar, daß er nicht vorschlage, sich mit der Zukunft de» Mandats zu befassen, da der Rat zweifellos eine besondere Prüfung dieser Frage zu unternehmen wünscht. Zu den Bemerkungen der'Mandatskommission über die bisherige V e r w a 11 u n g P a’i äs t i n a's habe ich sehr wenig zu sagen. Die englische Regierung ist bereit, den Bcrieht anzunehmen und ihre Aufmerksamkeit den unterbreiteten Vorschlägen zu schenken. Aber wenn ich mich der Frage der Zukunft des Mandats zuwende, muß ich die Geduld des Rates etwas länger in Anspruch nehmen. Es ist nicht meine Absicht, auf die Vergangenheit mehr als in kürzesten Zügen einzugehen. Die allgemeinen Tatsachen der Angelegenheit sind allen meinen Kollegen wohl bekannt. Das Palästina-Mandat, Nervenprobe darstellt, die nur schwer ertragen werden kann. *c Mitten in dieser erregten Zeit, die fast täglich neue Nachrichten von historischem Gewicht für die Zukunft Palästinas und damit des jüdischen Volkes bringt, schlickt sich das'Volk an, Sukkoth zu begehen, ״Tage der Freude“, die so eng mit der heiteren Seite des Lebens, mit dem Erlebnis der Natur und dem Dank für die Ernte verknüpft sind. Es ist vielleicht nicht die Zeit, die Freude des Festes voll aussclnvingen zu lassen, und der Jischuw in Palästina muß auch in diesen Tagen auf der Wacht stehen, um Leben und Eigentum ni schützen und die Werke der Siedlung auf dem Lande vor Vernichtung zu bewahren. Es ist schon das zweite Jahr dieses aufreibenden Kampfes, der dennoch nicht vermocht hat, den Mut und die Entschlossenheit der Juden Palästinas zu brechen, auf ihrem Posten auszuharren und die Grundlagen für das Leben künftiger Generationen zu erhalten und zu erweitern. Das Leben in Hütten, das diese Tage als eirt Symbol der Wanderschaft charakterisiert, bat in Palästina von jeher einen tieferen Sinn erhalten, lebt doch ein großer Teil der Juden dieses Landes mit der Natur verbunden und Weiß sich ihr untertan, die durch das nicht geschlossene Dach der Sukkali hineinblickt. Dieses Unfertige, IJ111k;impfte des Lebens im Lande kommt uns in dieser Zeit verdoppelt zum Bewußtsein, da ein großer Teil der Juden des Landes stets in Bereitschaft ist, den Boden zu verteidigen, den er in oft jahrzehntelanger Arbeit fruchtbar gemacht hat. Das jüdische Volk in allen Teilen der Welt ist mit seinem Gedanken Tag um Tag in Palästina, und es fühlt mit den Sorgen jener mit, die auf vorgeschobenem Posten stehen, um das Recht des ganzen Volkes zu verteidigen. In den Tagen des Testes werden unsere Gedanken zu den Brüdern lümibergehen und sollen ihnen, soweit sie es vermögen, Kraft und Stütze sein, K. L. das die englische Regierung 17 Jahre hindurch auszuführen sich bemühte, kann inan aus zwei Quellen herleiten; cs war erstens, aber nicht ausschließlich, auf dem Arti« kel 22 des Völkerbiuidsabkommcns aiiigebaut, der sich mit gewissen (ieineinschafteii bet'aßt, die früher zum ottoma• nischen Reich gehörten. Diese Gemeinschaften, so stellte der Artikel fest, hatten ein Stadium der Entwicklung erreicht, in dem ihre E xistenz als unabhängige N a t i o - nhn vorläufig anerkannt werden konnte, unter dem verwaltungsmäßigen Rat und Beistand des Mandatars bis zu dem Zeitpunkt, wo sie allein stehen könnten. Es war ferner auf einem früheren Dokument aufgebaut, der Baifour-Deklaration vom November 1017, die die Errich* tung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina vorsah. Mit den Worten des Berichts der Kgl. Komir.issioni ״Der Text der Deklaration“ — d. h. der Balfour-Deklara• tion — ,,war dem Präsidenten Wilson unterbreitet und von ihm vor ihrer Veröffentlichung gebilligt worden. Am 14. Februar und am 9. Mai 1918 nahmen sie auch die französische und italienische Regierung öffentlich an.“ Ich möchte den Rat daran erinnern, daß die Balfour-DekJarntion selbst einen doppelten Charakter hatte; einerseits sah sie das Jüdische Nationalhcim vor, andererseits legte sie die Bedingung fest, daß nichts getan werden sollte, was die bürgediehen und religiösen Rechte der bestehenden niditjüdisehen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte oder den politischen Status der Juden in anderen Ländern bccinträchtigen könnte. Es ist klar, daß unter diesen Bestimmungen der Mandatarmacht eine z vv e i f a c 11 e Auf a b e ,׳überlegt war. Sie. stand unter der Verpflichtung, die Einrichtung des Jüdtsehen Nationalheims zu fördern, und war zur gleichen Zeit verpflichtet, ihr •Bestes zu tun, das Land als Ganzes auf den Weg zu einer eigenen Nationalität zu führen. In der Tat ist die Entwicklung der Selbstregieningseinrichtuiigcn eines der Ziele, die ausdrücklich im Artikel 2 des Mandates vorgeschrieben sind. Zu der Zeit, als das Mandat von unseren Vorgängern aufgestellt wurde, war offenbar nicht in Rücksicht gezogen worden, daß diese beiden Verpflichtungen sich Die Ratssitzung ק