Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 72 (10.9.1937)
- Date
- 1937-09-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 72, 10. IX.937 ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Vom Budget des künftigen Judenstaates Im ״Haschomer Hazair“ tritt A. Prag dem Projekt 'des Judenstaats entgegen und führt unter anderem aus: Nicht nur die Araber werden durch die Abtrennung von den jüdischen Gebieten in ihrer wirtschaftlichen Entwieklung schwer betroffen, auch dem Judenstaat schadet die Abtrennung von den arabischen Gebieten wirtschaftlich. Große Gebiete, die wirtschaftliche Eiitwicklungsmöglichkeiten boten, werden ihr entzogen, die Proportion zwischen Stadt- und Landbevölkerung wird ungünstig verändert. Das Budget des neuen Judenstaates wird sehr schwer zu halanzieren sein. Das Budget für Sicherheit könnte, schwerlich unter drei Millionen Pfund liegen. Die Polizei kostete im Jahre 1934/35 in Palästina eine halbe Million Pfund, und wenn man auch damit rechnen kann, daß dafür weniger Menschen gebraucht werden, so müßte doch andererscits wieder die Bezahlung erhöht und dem jüdischen Lebensstandard angepaßt werden. Je 10 000 Mann Heer werden 1' , —U ,, Millionen Pfund kosten. Die Ausrüstung müßte zum großen Teil im Ausland gekauft werden, so daß die Heeresausgaben nicht viel zur Belebung des inneren Marktes beitragen würden. Der höhere Lebensstandard der Juden würde sich auch auf die Kosten anderer öffentlicher Dienste (Eisenbahn, öffentliche Arbeiten usw.) auswirken. Eine viertel Million Araber müßten an den öffentlichen Diensten (Wohlfahrtspflege, Gesundheitspflege, Schulwesen usw.) auf demselben Standard wie wir selbst teilhaben. Eine Umsiedlung der Araber wird ja sicher nicht durchzuführen sein, und falls die Grenzen des Judenstaates zu unseren Gunsten verbessert werden, wird sich dies arabische Problem noch verschärfen. Zu all diesen Lasten soll noch die Abgabe an den arabischen Nachbarstaat kommen. — Dabei sind die Einnahmen des neuen Staates keineswegs sehr sicher. Die paliistinensische Regierung hat im vergangenen Jahre 5,6 Mil- Honen Pfund und in diesem Jahre 4,6 Millionen Pfund «!ingenommen und ungefähr die Hälfte dieser Einnahmen kamen, aus den Zöllen. Der Judenstaat, dessen Berechtigung doch in der Ermöglichung• der Einwanderung durch Schaffung von Eigenproduktion liegt, muß sofort die für Industrie und Landwirtschaft notwendigen Rohstoffe von allen Zöllen befreien und die heimische Produktion durch hohe Zollmauern schützen. Das wird die Zolleinnahmcn auf ein Minimum sinken lassen, und man wird den Ausfall durch eine Einkommensteuer decken müssen, die sicher nur langsam die gewünschten Erträge geben wird. Aber selbst steigende Einnahmen können uns nicht über diese Schwierigkeiten hinweghelfen, denn sie werden zur Tilgung und Zinszahhing für die Anleihen nötig sein, die wir werden aufnehmen müssen, um unsere industrielle und landwirtschaftliche Ent- Wicklung im großen Maßstab in die Wege zu leiten. Dabei wird es nicht leicht sein, ausreichende Anleihen dieser Art aut 'dein öffentlichen Geldmarkt zu erreichen, wo selbst die Palästina-Regierung nur 4,75 Millionen Pfund unter Garantie des britischen Staatsschatzes erhielt. Jerusalemer Kunstbericht. Im Y. M. C. A. (Young Men Christian Association) finden jeden Donnerstag abend von 7—■8>/s Uhr Konzerte bei freiem Eintritt statt, die sich durch besonders wohlausgewogeiie Programmgestaltung und hervorragende Ausführung auszeichnen. Neben dem armenischen Organisten S. Arnita ist vor allem die jüdische Geigerin Erna Zuckcrberg-Krochinal (früher München) zu nennen, die mit guter Technik und viel Einfühlungsgabe die Violinpartien der Abende übernahm. Die junge arabische Pianistin Antippa stellte sich als feine Interpretin Mozarts, Rubinsteins 11. a. dem Jerusalemer Konzertpuhlikum vor. Eine neue medizinische Zeitschrift. Im Omanuth-Verlag, Tel Aviv, erscheint soeben eine neue medizinische Monatsschritt ״Folia Clinica Orientalia“, die den jüdischen Forschern eine Publikationsmöglichkeit geben soll. Bei dem interterritorialen Charakter der ״Folia“ ist es notwendig, sie in Englisch, Französisch, Deutsch erscheinen zu lassen. Es wird aber auch eine Zusammenfassung der Originalarheiten auf Hebräisch erscheinen, um so den nationalen C 11 a• rakter der Zeitschrift besonders zur Geltung zu bringen. in Hebräisch, sondern in seinein eigenen Ladino. Er redet sich die Leber frei. Wir sind schon in Rechavia: Recliov Abrabanci, Recliov Ibn Esra, Recliov Ramhan, Namen, die seinem sephardisehen Herzen vertraut klingen. Hier fühlt der Chauffeur sich zu Hause, doppelt zu Hause. Vom Meer weht bereits ein kühlender Wind, der bekannte Jerusalemer Nachmittagswind. Mail atmet erleichtert auf. Und auch der Chauffeur besänftigt allmählich seinen gerechten Zorn. Das Leben geht weiter. Berdiczever Nigunim auf der Jaffa-Straße Es ist später Naclj.m#teg, Die Straßen sind׳ belebt. Man spaziert, man sitzt auf der Kaffeehaus-Terrasse, man kauft zum Abendbrot ein. Plötzlich durchschneiden Musiktöne die Luft. Eine Klarinette. Ein samtweicher Ton, der langsam verklingt. Bald erhebt er sich wieder, läuft in schnellen Passagen. Von oben nach unten und zurück. In schönen, melodischen Sätzen. Der Ton bleibt einen Augenblick bei einer Note stellen und sie hören bald eine bekannte Melodie. Einen Hoch• zeits-Nigun. Von jener Art, wie sie vor einem halben Jahrhundert die jüdischen ״Klesmer“ auf jüdischen Hochzeiten in der Ukraine gespielt haben. Eine Art rumäiiische ״Doina“, geschmückt mit jüdischen Seufzern und chassidisehen ״Drelidlach“. Nach der ersten Melodie — eine zweite und eine dritte. Es schließt sich eine ganze Serie Hochzeitsm elodicn von des Der alle Musiker Fotos: iierouttu Sw« ehemals russisch ■ jüdischen Berdiczew an, die der beriihhmte Pehdazur in den Städten und Städtchen des russisch - jüdischen Ansiedlungsrayons zu Polterabenden, zur Brauthcdeckung, zu Chuppah und zur ״Goldenen Brühe“ am Hoclizeitsfcst aufgcspiclt hat. Rhythmen aus jüdischen Märschen, polnische Krakowiaks und Polonäsen, Melodien aus ukrainischen Dunrkas und der Ever Hadani: ״Schomrim״ Das erste Palästina-Drama der Habimah Tel Aviv, Ende August Fast ein Jahrzehnt seit Scßhaftwerdung der ״Habimah“ in Erez Israel verging, bevor dem Verlangen nach einem palästinensisch-hcbraischen Stück Rechnung getragen wurde. Ever Hadani geht es um die Gestaltung jener Zeit, da die Gruppe des ״Haschomer“, die zum Vorläufer der Kibbuz-Bewegung wurde, sich im Lande ansiedelte. Ueher die Schwierigkeiten, die sie zu bestehen hatten, berichten die Annalen des ״Haschomcr“. Hier ist auch die wahrhaft ״dramatische“ Episode zu finden, die Hadani für sein Stück benutzt: Ein ״Scliomer“ — Rtiwke nennt ihn der Autor — wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, weil er gegen das Prinzip der Notwehr verstößt, die Wafffe statt nur zur Selbstwehr zum Angriff erhebt. Er sucht wieder Unterschlupf bei den ״Schomriin“, als er — während des Krieges — von der Regierung wegen Spionage verfolgt wird. Man weist ihn jedoch ab. Als er mit erpresserischen Drohungen seine Bergung erzwingen will, erschießt ihn der Anführer der Gruppe. Der Autor könnte für sich in Anspruch nehmen: Nichts ist Erfindung, so ist es gewesen. Der Programmzettel sagt aus, daß das Stück in den Jahren 1908—1917 spielt, aber nichts geschieht, was den Zuschauer glauben machen könnte, daß sich die Handlung tatsächlich in einer Periode von neun Jahren und gerade in dieser Periode abwickelt. Im Gegenteil, es geht aus den Zusammenhängen hervor, daß der dritte Akt zeitlich ein Jahr später liegt, als das zweite Bild, das durch den Kriegsbeginn unzweifelhaft auf das Jahr 1914 festgelegt ist. Ebenso können der erste und zweite Akt nicht weit auseinander liegen, da die Verhandlung gegen Ruwke, die zu seinem Ausschluß führt, im zweiten Akt stattfindet, während die Tat selbst im ersten Akt geschieht. Wenn wir so zu einer Zeitbestimmung von 1913—1915 gelangen, so wollen wir nicht einen Irrtum auf dem Programmzettel nachweisen, sondern einen einschneidenden Fehler im Aufbau des Stückes, denn für das Jahr 1913 stimmen die Prämissen des Autors nicht mehr. Darüber hilft auch ein kurzes Vorspiel nicht hinweg, in dem ein Schorner vor! einer feindlichen Kugel getötet wird, Auftakt des ״Heroischen“, das als Thema und Parallele zuin Heute durch das Stück geht. Im ersten Akt wird viel über Probleme geredet, aber es geschieht auf der Bühne wenig. Vielmehr ist die eigentliche Handlung hinter die Szene verlegt und wir sind auf Berichte angewiesen, eine Methode, die im modernen Schauspiel nicht zur Anwendung kommen sollte. Dramatisch wirksamer sind der dritte, und insbesondere der zweite Akt. Zwi Fried land ist Regisseur der Aufführung. Er bemüht sich mit viel Erfolg darum, die erforderliche Atmo- Sphäre selbstverständlichen Heldentums zu schaffen und falsches Pathos auszuschalten; um so anerkennenswerter, als die Sprache des Autors oft allzu ״druckreif“ wirkt. Es gibt vorzügliche darstellerische Leistungen, insbesondere ergreift die Rowina wieder durch die Wärme des Tons, durch ihre ״untheatralischc“ Einfachheit. Wenn sie in zwei kurzen Liedem den Galil besingt, werden die Opferbereitschaft und die Sehnsüchte des ״Kibbuz“ lebendig. Mcskin als Kaukasier, ein wunderbarer Kerl aus einem Guß. F i n k c 1, Führer der Gruppe, bewährt sich als vorzüglicher Sprecher und kommt darstellerisch besonders während der Verhandhingsszeiic zu starken Wirkungen. Klatzkin erfreut durch Beweglichkeit und Frische, Amitai ist ein guter Typ, jedoch sprachlich nicht immer deutlich. K 111. a i und Ghana h Hendl er fügen sich gut ein, ihre Mittel sind aber zuweilen allzu äußerlich. Regiemäßig nicht gelungen ist das Vorspiel, das fast im völligen Dunkel nbrollt. Die Anordnung von Gruppen im ersten lind zweiten Akt wirkt oft gezwungen, hingegen ist ein Tanz (Arrangement: Fanja Liubitsch) gut eingegiiedert, ohne eine ,,Nummer für sich“ zu werden. Unbefriedigend bleibt die Figur des Ruwke, die F r i e d 1 a 1! d selbst betreut. Es hätte seine Aufgabe sein müssen, das Leitartikel-Pathos, das der Autor gerade hier verwendet, zu mildern statt überzubetonen. Auch die kostumliehe Aufmachung eines Filmbeiden wirkt in diesem Rahmen unglaubhaft. In einer naturalistischen Aufführung wie dieser hätten wir gerne gesehen, daß der 1 limine! keinen so gemalten, die Berge keinen so papiernen Eindruck gemacht hätten. (Bühnenhild: Aroch.) Warum muß ein Krug aus Papiermache sein und warum sind die iiäuserwändc schief statt gerade? Erwähnenswert ist die Musik von P u g a t s e 11 o v mit einigen einschmicgsamen Melodien typisch palästinensischer Klangfärbung. Die Zusammensetzung des Prcmierenpuhlikiiiiis — man bemerkte Gäste aus Kibbuzim lind Männer, die selbst in den Reihen der ,,Srhomrini“ gestanden haben — bewies, daß hier ein besonders feierliches Ereignis vor sich ging, und es steht zu hoffen, daß wir, nachdem nun der Rann gebrochen, der Aufführung eines zweiten palästinensischen Stuckes beiwohnen können, wenn ״Hnhimah“ von ihrer Europa-Tournee zurückkehrt, die in Kurze beginnt. Manfred Geis Künstliche Arbeitslosigkeit Wie uns aus Tel Aviv mitgeteilt wird, schreibt im ״Dawar“ H. Frumkin: Es ist keine Uebertreibung, daß die Arbeitslosigkeit nicht im Stande der jüdischen Wirtschaff in Palästina begründet ist. In keinem Zweige dieser Wirtschaft bestellt bis heute eine Ucberproduktion, die den Bedarf der Bevölkerung überstiege. Noch heute werden Waren, die irn Lande hergestellt werden können, für viele Millionen Pfund im Auslande gekauft. Dazu kommt der Bedarf an Wohnungen für die ärmeren Schichten und die Wirtschaften, die noch nicht in Angriff genommene Arbeit für die Hule-Konzession, und die Notwendigkeit, die Hafenarbeit in Tel Aviv zu erweitern. Hätten wir einen Staat, so würde dieser dafür Sorge tragen, daß nicht unnötig Geld ins Ausland fließt, und daß die geplanten öffentlichen Arbeiten in Angrift genommen werden. Die zionistische Bewegung müßte hier einspringen lind einen Sonderfonds von einer halben Million Pfund zur Belebung der Wirtschaft aufbringen. Nach den Ereignissen der letzten Zeit ist das iüdische Volk bereit, noch größere Opfer als bisher zu bringen, wenn man nur wagt, sie von ihm zu fordern. Aber nicht nur das Geld fehlt uns. Es fehlt uns auch ein fester Wirtschafts plan und eine Organisation der Selbst- Verteidigung gegen Uebersclnvemmung mit Produkten aus fremden Ländern. Es ist verfehlt, den Stand der Wirtschaft nach äußeren Erscheinungen beurteilen zu wollen, ohne ihn genauer zu analysieren und zu prüfen. rumänischen Walachei, doch alles mit einem spezifisch jüdischen Einschlag. Die Klänge schweben in der Luft, dringen in die Ocschäfts- und Kaffeehäuser wie ein Gruß aus einer alten, längst vergessenen Welt. Man erhebt sich vom Kaffeetisch und strebt schlafwandlerisch diesen Tönen entgegen. In dem Winkel einer Steinmauer sehen sie einen Greis mit langem, weißem Bart, einen Sehlapphut auf dem ehrwürdigen Patriarchenhaupt. Die Augen geschlossen, bläst der Alte wie im Trance auf seiner Klarinette. Seine alten Finger laufen noch immer brav über die Löcher und Klappen seines Holzinstrumentes, und der Ton, der seiner Klarinette entströmt, ist schön und weich. Er heißt Mosche Becher, anno dazumal ein jüdischer Berufsinusiker aus der Kapelle des erwähnten Pclidazur, jenes fast legendären Pehdazur, der vor 70—80 Jahren die Herzen unserer Väter und Vorväter in den Städten und Städtchen der russischen Ukraine erquickt hat. Mosche Becher ist etwa ein Achtziger, vielleicht sogar schon darüber. Nach langen Wanderungen durch Gottes weite Welt ist er in Jerusalem gelandet. Er verbringt liier im Städtischen Altersheim den Rest der Jahre, die ihm vom Ewigen beschieden sind. Aber nicht von Brot allein lebt der Mensch. Und so nimmt der Alte, wenn es ihm in den ,Mauern des Altersheims langweilig wird, seine Klarinette, geht auf die Straße und spielt. Wie einmal bei Pehdazur. Er spielt des Spieles wegen. Sozusagen Kunst für Kunst. Passanten bleiben stehen. Juden aus Meali Shearini und Machne Jchuda, mit Bart und Schläfenlocken, Kaflan und Strejmcl, verlangsamen ihre Schritte. Sie werden nachdenklieh, die Augen schwermütig. Das Spiel des Alten erweckt in ihnen Erinnerungen aus vergangenen Zeiten, Erinnerungen an Feste und Hochzeiten der alten Heimat. Man seufzt still und rührt sich nicht vom Fleck, bis der patrouillierende Polizist sie delikat zum Weitergehen einlädt. Hermann Swet, Jerusalem Die letzte Nummer der Zeitschrift ״Palestine and Middle East“ (herausgegeben von der Gesellschaft ״Mischmar w’Taasia“, Publishing and Exhibition Company Ltd. in Tel Aviv) enthält wiederum, wie auch die vorhergehenden Hefte dieser ebenso gut redigierten wie ausgestatteten Zeitschrift, sehr interessantes Material. Die verschiedenen Zweige der Wirtschaff Palästinas erfahren hier aus sachkundiger Feder eine interessante und aufschlußreiche Behandlung. Palästinensische Literatur In den ״Hedim“, einem Organ des ״Kibbuz arzi“, klagt ein Leser darüber, daß das Leben des Kibbuz noch nicht seinen entsprechenden Ausdruck in der Literatur gefunden!iahe: in 15 Jahren haben wir uns feste Lebensformen geschaffen, aber all unser innerer Kampf, unser reges Leben hat keine A 11 s d r 11 c k s f o r in gefunden, die ihrer würdig wäre, alles ist mir in Berichten und Schilderungen niedergelegt. IOabei wäre es gerade jetzt, wo unsere Lebensform sich so offenbar durchgesetzt hat, wichtig, einen Querschnitt aut einer anderen Ebene zu ziehen, und solch einen Querschnitt können nur Lyrik, Drama, Novelle oder Roman gehen. Die Versuche, die bis jetzt gemacht wurden, stammten meist von Menschen aus dem ״Hinterland“, die in den Städten leben, und keinerlei lebendige Verbirtdüng zur Landarbeit und zum Kibbuzleben haben. Bctrachtung aus der Ferne kann aber selbst bei großer Begabung nicht das echte Erlebnis ersetzen. Die Literatur entfernt sich vom Leben und ist in Gefahr zu entarten. Besonders steht das Leben in den Kibbuzim dein städtischen Schriftsteiler fern, denn es ist beispiellos und neu in seiner Form und in seinen Problemen. Ein Tourist mag hier geglückte Impressionen schreiben, jeder Versuch aber, tiefer einzudringen, muß dem Außenstehenden mißlingen und kann nur zur künstlichen lebensfernen Konstruktion fuhren. Seinett wahren Ausdruck kann das Kiiibtiziehen mir von innen her finden. Warum ist das bisher nicht geschehen? Fs kann einer (iemeinsehafl, die eine so große Anzahl reger Menschen umfaßt, nicht au Begabungen fehlen. Nur darf man sieh nicht verhehlen, daß die literarische Arbeit bestimmter Bedingungen bedarf, die sie ermöglichen, Dieses kulturelle Problem hat bei uns noch keine Lösung, ja noch nicht einmal die rechte Würdigung gefunden. Solange hei uns der Dichter und Schriftsteller nicht als arbeitcmler Mensch betrachtet wird, der eine gleichwertige Arheit tut, werden wir keine Literatur haben, die unserem Leben Ausdruck gibt. Erst wenn sich das ändert, wird der literarisch schaffende Mensch bet uns die rechte Atmosphäre und die Zeit für seine Arbeit finden. Jugendorganisationen 9 Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Haarez“ bringt einen Artikel von 1. L. T a 11 11!11 a 11 11 über die Jugendorganisationen in Palästina: Jugendorganisationen gibt es schon 10—12 Jahre in Palästina, so daß es unter den arbeitenden Erwachsenen schon viele gibt, die aus der paliistinensische!! Jugendbewegung hervorgegangen sind. Jetzt zählt die p a 1 ä s t i!1 e 11 s i s c h e J u g c 11 d h e w e gung zwölf Organisationen mit insgesamt 29 750 Mitgliedern. Der Hapoel hat 6000 Mitglieder, N'oar owed — 5320, Bctar —• 5000, Makkabi — 3000, Makkabi Hazair — 3000, Bne Akiwa •— 1500, die jüdischen Pfadfinder — 1400, Hasclialiier Hazair — 1500, Machanot Olim — 1200 usw. 1111 ganzen nimmt die ()Öffentlichkeit wenig Anteil an der Jugend- Bewegung und auch die nationalen Institutionen ermutigen sie nicht. Eine Ausnahme macht nur der Keren Kaje- 111 et 11, der eine besondere Jugciulabteilung hat. Die geringe Teilnahme der Oeffentl ichkeit ist besonders bedauerlich, weil hier die schulentlassene Jugend sich überhaupt keiner besonderen Fürsorge in irgendeiner Form erfreut. Den Ju• gendorganisationen kommt liier also eine erhöhte Bedeutung zu, und es wäre wichtig für unsere Behörden, sie zu fördorn. Man sollte ein besonderes Departement in der Agency errichten, dem alle Jugendführer unterstellt sein sollten, Durch ein solches Departement könnte man auf die palästiricnsischc Jugendbewegung erzieherischen Einfluß nehmen, ohne die einzelnen Organisationen in ihren besonderen Rieh• tungen zu stören. Richard Rosenheini inszeniert als nächste N'euciiisfudie״ rung des Theaters Matate die Uraufführung der satvrischen Komödie ״Jakob und Christian“ von Sammv Gronemann. Di« Premiere findet am 11. September im Bcth Haam, Tel Aviv, statt. limzugsgüter über Tel Aviv. Wie uns die Firma Silber• stein & Co., Berlin, mitteilt, ist es jetzt möglich, auch Umzugsgüter im Hafen von Tel Aviv zu löschen und auch Liftvans mit Umzugsgut bis zu einem Gewicht von 5000 kg pro Stück auszuladen, (Schluß des Palästinateils)