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Jüdische Rundschau · 1937-09-10 · Heft 72 (10.9.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 72 (10.9.1937)
Date
1937-09-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 10. IX. 1937 außerordentlich instruktiv. Der Minister sagte nämlich deutlich, daß England in Palästina keine Methoden der Einschüchterung ergreifen wolle, und daß, wenn in Palästina nur der Weg der Unterdrückung vorhanden wäre, eine solche Politik in England immer unpopulärer werden müsse. Diese Bekenntnisse Ormsbv-Gores sind besonders dann wichtig, wenn man die Frage untersucht, welche Chancen für die Aufrechterhaltung des Mandats in seiner bisherigen Form bestehen. Der Ruf nach der ״starken Hand“ allein genügt nämlich nicht, wenn diejenige Macht, die diese starke Hand allein anwenden könnte, es ableimt, sie in dem Maße in Funktion 711 setzen, wie es notwendig wäre — mag nun eine solche Ablehnung auf politischen oder humanitären Erwägungen beruhen. Wenn also überhaupt noch der Gedanke einer Aufrechterlialtung des bisherigen Mandats und damit der Einheit Palästinas erwogen wird, dann ist nur dies unter der Voraussetzung sinnvoll, daß die Befünvorier eines solchen Gedankens einen konkret e n Weg zur Verständigung mit den Arabern zeigen. Wer aber vermag dies heute zu tun? Wo sind die Part 11 er, mit denen eine Verhandlung möglieh ist, und wo ist die Linie eines Kompromisses, das beiden Teilen praktisch und gefühlsmäßig entgegenkommt? Wie groß wäre das Ausmaß der Verzichte, die in Kauf genommen werden müßten, um ein ungcteiltes Palästina auf die Dauer zu puzifi/ieren? Uns scheint, daß unter den gegenwärtigen Umständen eine solche Alternative nicht mehr gezeigt werden kann (so sehr sie jeder begrüßen würde), abgesehen davon, daß der entschiedene Wille England deklariert worden ist, die Geschichte Palästinas auf neue Grundlagen zu stellen. Onnsby-üore hat im Zusammenhang seiner Aussage auch auf die Vurstellung hingewiesen, die man in England ursprünglich von! Zionismus hatte. Man habe in ihm ein geistiges Problem gesehen und nicht in erster Linie eine Frage der Aufnahme von Flüchtlingen. Damit spielte der Minister auf eine Rede an, die er im britischen Unterhaus im Jahre 1021 nach Churchills Erklärung über die zukünftige Palästina-Politik ge halten hat. Damals sagte er unter Bezugnahme auf seine Kenntnis Palästinas über den Zionismus 11. a. folgendes: ״Der ZinnLiiius ist untrennbar mit der Idee verbunden, daß die I!!bei von palästinensischen Juden geschrieben wurde, daß der grüßte beitrag des jüdischen Volkes an die Menschheit am Palästina kommt, daß die Psalmen in Palästina geschrieben wurden, und sollten noch einmal Psalmen geschrieben werden, sie werden wieder in Pa- 1 ג s t i 11 a und v r> n J 11 d e n g e s c h r i e b e n werden. Das ist die Idee des Zionismus, und aus dieser Idee heraus ist die Balfour-IJeklaratioii entstanden.“ Ormsby-Gore meinte weiter, daß der Zionismus für den Nahen Osten von unschätzbarem Wert sein werde, da er eine Annäherung zwischen dem Osten und dem Westen herbeiführen könne, lnzwischen ist aus dem Abgeordneten Ormsby-Gore der Minister geworden, der für das Schicksal Palästinas verantwortlich zeichnet. Dennoch scheint es uns bedeutsam, daß er gerade in diesem Augenblick des heftigsten politischen Kampfes an jene Grundvorstellungen erinnert hat, die in der Tat mit dem Wesen der zionistischen Arbeit untrennbar verbunden sind. Wir glauben, daß die Erkenntnis dieses Charakters des Zionismus nicht nur in England, sondern bei allen Mächten der Welt, die an dem Schicksal Palästinas Interesse nehmen, sich durchsetzen sollte, geht es liier doch nicht nur u.111 das Schicksal irgendeines kleinen Volkes, nicht nur um die Not und Tagessorge \0!1 hunderttausenden Juden in den Ländern der Welt, sondern zugleich um die Verwirklichung einer erhabenen Idee, die die Menschen unserer Tage init einet fernen Vergangenheit verknüpft, die durch ihre geistige Ausstrahlung die Kulturmenschhcit bis heute aufs stärkste berührt. Gewiß stehen bei den Beratungen des Völkerbundes die realen Faktoren im Vordergrund der Erwägungen, dennoch aber - sollte gerade dort, wo ein internationales Forum über das Schicksal Palästinas zu befinden hat, die Einmaligkeit und Einzigartigkeit der zionistischen Vor- Stellung von der Rückkehr des Judenvolkes ins Heilige Land gespürt werden. * Die Lage in Palästina selbst hat sich 1‘ndessen noch immer nicht entspannt. Die Zahl der Opfer au? jüdischer wie auf arabischer Seite, die gefallen sind, wachst weiter, und die Unsicherheit in vielen Teilen des Landes besteht fort. Gerade in den letzten Tagen ereigneten sich einige besonders verabscheuungswürdige Attentate, denen Juden zuni Opfer fielen. Dabei wird nicht nur von der Regierung, sondern auch von jüdischer und — was bemerkenswert ist — von arabischer Seite zur Ruhe gemahnt. Besonders wichtig war eine Rede Mosche Schertoks, in der er vor der Umnebelung durch Augenblicksinstinkte warnte und die Selbstbeherrscliung des Jisclmw im vergangenen Jahre pries, in der Tat könnte ja die Entwicklung der politischen Verbandhingen nichts so sehr gefährden, als wenn in Palästina wieder für längere Zeit eine Periode des Terrors einzöge. Die Taten einzelner Heißsporne, die vorgekotnmen sind, können den Jischuw als Ganzen aufs schwerste belasten und verdienen daher die schärfste Mißb i 11 i g 11 n g, die auch vor! allen verantwortlichen Instanzen ausgesprochen worden ist. Es bedeutet keinen Schutz für diese Kreise, wenn zugleich ein eindrticksvoller Protest dagegen laut wurde, daß von seiten der Regierungsbehörden in solchen jüdischen Gruppen, deren politische Radikalität bekannt ist, Verhaftungen und Verurteilungen vorgenoinmen worden sind, die sich mehr durch Raschheit als durch Gründlichkeit des Verlahrcns tmd des Schuldbeweises auszuzeichnen scheinen Der Bericht der Mandatskommission Der Jetzt veröffentlichte Bericht der Mandatskommission!ledert sich in drei Teile. Der erste Teil behandelt die Zuunft Palästinas (hierüber berichteten wir bereits in Nr. 68); der zweite Teil befaßt sich mit der Verwaltung des Landes i m letzten J a 11 r, der dritte mit den der Kommission unterbreiteten Petitionen. Der zweite Teil zerfällt wiederum in zwei Unterabteiliingeil, von denen die erste allgemeine Bemerkungen der Mandatskommission über die Gründe der Einberufung ihrer letzten außerordentlichen Tagung enthält. Bei der Prüfung der Berichte der Palästinaverwaltung fiir 1935 und 1936 hat die Mandatskommission festgestellt, daß 1935 und in den ersten Monaten von 1936 gewisse Anzeichen einer w a c h s e n d e 11 S n a 1111 u 11 g zwischen Juden und Arabern zu bemerken waren. Diese Spannung sei auf den starken Eindruck zuriickzufiihren gewesen, den die jiidisclie Einwanderung auf die Araber!nachte, auf eine heftige Pressekampagne und scharfe Reden bei politischen Versatnmlungen, aut den Zusammenschluß aller arabischen Parteien mit Ausnahme der Mufti-Partei, auf die Agitation gegen den Plan der Schaffung eines Legislative Council und auf die schwere Enttäuschung, die bei den Arabern nach der Debatte im englischen Parlament über den geplanten Legislative, Council im Februar 1936 herrschte. Diese Enttäuschung sei geringer geworden, nachdem der Kobnienmiiiister eine an• bische Abordnung nach London eingeladen hatte. Bei der Erörterung der Unruhen weist der Bericht der Mandatskommission darauf hin, daß die zahllosen Angriffe aut jüdische Siedlungen der Gesamtbevölkerung scliweren Schaden zugefügt haben. Allmählich hätten die'Unruhen den Charakter einer arabischen Revolte gegen die Palästinaregierung angenommen. Diese Revolte sei von Elementen außerhalb des Landes weitgehend unterstützt worden. Die Angriffe seien durchweg von Arabern ausgeführt worden, Die Juden hätten Gewaltakte nur in Notwehr begangen. Weiter wird in dem Bericht betont, daß der Leitgedanke bei den arabischen Unruhen der war, die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims zu verhindern und die jüdische Ein* Wanderung zum Stillstand zu bringen. Somit seien die L'nruhen hauptsächlich gegen das Palästina mandat gerichtet gewesen. Die Beendigung der Unruhen wird in dem Bericht der von der britischen Regierung am 7. September 1936 veroitcntlicliten Erklärung zugeschrieben, in der scharfe M a ß 1! a!1 m e 11 gegen diejenigen angedroht wurden, die die öffentliche Ordnung stören würden,‘ auf den Erlaß der Palest ine Martial Law (Defenec) Order in C o 1111 c i I am 30. September und den Aufruf der a r a ־ bischen Könige und Fürsten an die arabische Be״ völkenuig Palästinas. Nach der Feststellung, daß schon Mitte Juni erhebliche militärische Verstärkungen aus Malta und Aegypten in Palästina_ eingetroffen sind, fragt die Mandatskommission, warum es nicht möglich gewesen sei, schon damals die Verhängung des Kriegsrechts anzukündigen, statt damit bis zum 30, September zu warten. * Die Mandatskommission, so heißt es in dem Bericht weiter, legt dem § 5 der britischen Regierungserklärung große Bedeutung bei, in dem gesagt wird, daß die britische Regierung nicht beabsichtige, sich ihrer Verantwortung für Frieden, Ordnung und gute Verwaltung in ganz Palästina zu entledigen, und daß der High Commissioncr im Falle des Wiederausbruchs ernster Unruhen dem Kommandierenden General Vollmachten für das ganze Land übertragen wird. Der Kommissioushcricht erwähnt auch das Lob, mit dem Kolonienminister Ormsby-Gore über die von den Juden bei den Unruhen bewiesene Zurückhaltung gesprochen hat. Der Minister habe dabei betont, daß die Juden im Falle der Durchführung des Tcilutigsplaiics imstande sein würden, sich gegen einen etwaigen arabischen A!1 gri ff selbst zu wehren. Wir können nicht leugnen, sagte der Minister, und wir sehen keinen Anlall es zu leugnen, daß die Juden selbst bereits eine, wie ich glaube, nach etiropäischen Sprachgebrauch so genannte ״halbmilitärische Organisation“, die Hagana, geschaffen haben. Sie haben jetzt eine große Zahl ihrer jungen Leute organisiert. Außerdem haben viele von ihnen Waffen, die auf irgendeinem Wege in das Land gebracht wurden, und sobald die Juden ihren eigenen Staat haben werden, werden sie natürlich sehr gute Waffen haben. Der zweite Abschnitt des zweiten Teiles des Berichtes enthält die speziellen Bemerkungen der Mandatskommission. Bei der Besprechung des Problems des Bodenverkaufs erklärt die Kommission, daß sie besonderen Wert auf eine grundbuchmäßige Erhebung legt, durch die eine Registrierung derjenigen Araber vorgenommen werden soll, die ihren Boden infolge von Käufen durch Juden verloren haben. Zur Frage der jüdischen Ein wänderung bemerkt der Bericht, daß fast alle Mitglieder der Mandatskommission sich gegen jede Einschränkung der jüdischen Einwanderung ausgesprochen haben. Die Kommission weist darauf hin, daß die geplante Begrenzung der jüdischen Einwanderung auf 8030 für die nächsten acht Atonate eine Verletzung des Mandates darstellt, da sie im Widerspruch zu dem vom Völkerbundsrat für die Regelung der Einwanderung angenommenen Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit steht. Die Petitionen, mit denen sich der dritte Teil des Berichtes beschäftigt, werden in drei Kategorien eingeteilt. Zu der ersten Kategorie gehören diejenigen, die sich gegen verschiedene ״Repressiv“-Maßnahmet! während der Unruhen wenden. Die Kommission betont, daß anscheinend in keiner ein konkreter Plan für die Bekämpfung der Unruhen vorgeschlagen wird. Pie *zweite Kategorie umfaßt Petitionen gegen die Politik der Mandatarmaclit, die dritte solche, die sich aut den Legislative Council beziehen. Die GrenzSestsetzungs - Kommission Während der Debatten der Mandatskommission spielte die Frage eine Rolle, wie die G r e n z.f « sts e t zun gs kom- 111 i s s i o n zusaminengestellt werden soll. Es fragt sich dabei, ob sie nur aus britischen Mitgliedern bestehen Soll oder auch aus Angehörigen anderer Staaten. Wie aus Genf berichtet wird, scheinen Ormsby-Gore und die Mandatskommission dein Standpunkt zuzuneigen, daß die Grenzfestsetzungskoirmiisskm einen internationalen Charakter haben und daher aus britischen und anderen Mitgliedern bestehen soll, wobei jüdischen und arabischen Vertretern beratende Rechte zugebilligt werden sollen. Die endgültige Beschlußfassung über diese Frage wird vom Völkerbundsrat getroffen werden, der auch die Kompetenzen der Orenzfestsetzungskommission zu umreißen haben wird. und daher so rasch wie möglich wieder gtrlgfemacht werden sollten. Wir hoffen, daß die Welle des Terrors bald wieder abebbt, und daß man der Stimme der Vernunft in allen Teilen der Bevölkerung Palästinas Gehör schenkt. Dabei müssen wir aussprechen, daß unnötig vergossenes Blut die Ehre des Zi0n i s 11111 s und des jüdischen Volkes z. u b e - flecken geeignet ist. Gewiß fordern wir das Recht, uns zu verteidigen, wenn wir angegriffen werden, und die Judenheit Palästinas hat bewiesen, daß sie dazu in der Lage ist. Angriffe auf unschuldige Nachbarn, die darüber hinausgehen, rühren jedoch an die tiefste menschliche Seite des Zionismus, der stets mit reinen Waffen gekämpft hat und dessen Stolz es ist, daß er eine Bewegung der menschlichen Würde und Erneuerung darstellt. Gerade in einer Umgebung, in der Macht oft vor Recht geht, müssen wir uns hüten, die Grenze zu überschreiten, die wir uns selbst gesteckt haben. Wir wollen nicht das Zwielicht eines politischen Terrorismus, sondern die Klarheit einer Bewegung, die im vollen Licht des Tages ihren Weg geht und die auch in den Mitteln, die sie zu ihrer Selbstbehauptung anwendet, der Größe und Erhabenheit, der menschlichen Bedeutung ihres Zieles entspricht. * Kurz vor dem Zusammentritt des Völkerbundrates ist in der Nähe von Damaskus ein arabischer Kongreß zusamniengetreten, der Vertreter aus Palästina, Transjordanien, Syrien, Libanon, Irak und Aegypten umfaßt und sich mit der Palästina-Frage beschäftigen soll. Ein Teil der palästinensischen Delegierten kann an dem Kongreß nicht teilnehmen, da ihnen das Einreisevisum nach Syrien verweigert wurde. Dadurch dürfte die Tagung an Bedeutung verloren haben. Dennoch wird es interessant sein, ihren Verlauf zu verfolgen, besonders wenn man den Wortlaut ihrer Tagesordnung ins Auge faßt. Es heißt nämlich dort, daß man die Schaffung eines judenstaates in Palästina bekämpfen wolle, weil dieses Land ״ein unabtrennbarer Teil der arabischen Föderation“ ist. Diese Formulierung deutet also darauf hin, daß auf dem Kongreß die panarabischen Gedankengänge dominieren werden, die in letzter Zeit einigermaßen in den Hintergrund getreten waren, da die verschiedenen arabischen Einzelstaaten mit ihren eigenen Problemen zu tun hatten. Es mag sein, daß die Kreise, die eine panarabische Linie verfolgen, gerade diese Gelegenheit benutzen wollen, um für ihre üedankengünge wieder stärkere Resonanz zu schaffen. K. L. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Welt sch, Berlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstcin, Berlin W 15. Aiueiycnlciicr und verantwortiieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Kinn, Berlin W15• Gültig Anzeigen - Preiilist« 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anjcigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Ucrüii W15, Meinekcstr. 10. D.A. 11/1937 3Ö318. — Druck: Siegfried Scliolem, Berlin.Schöneberg. Rosch Haschanah S698 n Eine Botschaft Rooscvelts Anläßlich Rosch Haschanah hat Präsident Franklin D. Roosevelt folgende Botschaft au die Juden Amerikas erlassen: ״Ich würdige außerordentlich die Bedeutung der Feier des Rosch Haschanah und möchte meine ernste - Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß das an ihm beginnende neue Jahr gekennzeichnet sein möge durch wachsendes Gedeihen lind Glück, nicht nur für unsere jüdischen Mitbürger, sondern auch für die ganze Bevölkerung unseres gemeinsamen Vaterlandes.“ Glückwunsch des australischen Ministerpräsidenten Der australische Ministerpräsident Joseph A. Lyons hat zu Rosch Haschanah an die Judenheit des Australischen Staatenbundes folgende Botschaft gerichtet: ״ich freue mich, Gelegenheit zu haben, meine Glückwünsche zu übermitteln. Die Jaden sind zahlenmäßig nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Australiens, aber ihre Führer haben ein hohes Niveau bürgerlicher Tugend festgelegt, und diesem Beispiel eifert die jüdische Gemeinschaft im allgemeinen nach.“ Kalender-Reform zurückgestellt Genf, 5. Seplculber. (JTA.) Die beratende technische Kommission des Völkerbundes für Verkehr und Transit hat ihre XX. Tagung geschlossen. Die Frage der Kalenderreform ist von der Kommission im Hinblick auf die von religiöser Seite, insbesondere auch vom Heiligen Stuhl, erhobenen Bedenken z u rii c k g e s t e i 11 worden. In einem Communique wird hierüber mifgdeilt: Die Kommission hat die von 32 Staaten dem Sekretariat eingesandten Antworten zur Frage der Vereinfachung des gregorianischen Kalenders und der Festlegung der beweglichen Feiertage zur Kenntnis genommen. Aus diesen Antworten geht hervor, daß bei den befragten Regierungen annähernde U e b e r e i n s t i rn m u ת g nicht besteht und auch nicht herbeigeführt werden wird. Es wurde auf die Tatsachen hingewiesen, daß die Organe des Völkerbundes stets der Ansicht Waren, daß die Meinung der religiösen Autoritäten in Betracht gezogen werden soll. Die meisten orthodoxen und protestantischen Kirchen haben bereits erklärt, daß sie nicht gegen die Festlegung der beweglichen Feiertage sind, aber daß dies nur unter Zustimmung aller christlichen Kirchen geschehen solle. Nach Mitteilungen, die der Kommission von einigen ihrer Mitglieder gemacht wurden, hat der Heilige Stuhl, nachdem er bekanntgegeben hat, daß er keinerlei Aenderung des Datums der beweglichen Feste zustimmen könne, in diesem Jahr eine festere Haltung angenommen und bei gewissen Regierungen Vorstellungen erhoben, wobei betont wurde: 1. daß die Festlegung der beweglichen Feiertage einen wesentlichen Bestandteil der Kalenderreform bilden soll, daß aber diese Festlegung einem ökumenischen Konzil unterbreitet werden soll; 2. daß, was die Reform des gregorianischen Kalenders betrifft, die Einführung von Blankotagen zu einer Unterbrechung der Kontinuität der Wochen führen würde. Aus diesen Gründen glaubt die Kommission, daß für den Augenblick keine Vorkehrungen zur Einberufung einer Konferenz fiir eine Reform getroffen werden sollen.

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