Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1937)
- Date
- 1937-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69, 31. VIII. 1937 Das Neueste In Kürze Die Zement-Industrie Der ״Haare/“ weist, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, darauf hin, daß der Bedarf an Zement in dem laufenden Jahre beachtlich gesunken ist. Nach der Schätzung von Sachverständigen wird er in diesem Jahre 160 000 Tonnen betragen, d. h. ungefähr die Hälfte de* Bedarfs des Jahres 1034 und 40 0,0 aea Bedarf» de* Jahres 1035. Schon im vergangenen Jahre fiel der Verbrauch auf 72 ״e des Jahre* 1034. Wenn wir dabei ln Betracht ziehen, daß der Import von Zement in diesem Jahre nicht nur nicht sank, sondern sogar noch etwas anstieg (Insbesondere der Import aus Syrien), so können wir uns von der Lage unserer Zementindustrie einen Begriff machen. Nach der offiziellen Statistik werden in letzter Zeit monatlich durchschnittlich 6500 Tonnen Zement eingeführt. Danach muß man mit einem jährlichen Import von 77 000 Tonnen rechnen, Und dies bei einem Jahresnedarf von 160 000 Tonnen Im ganzen Lande. So ist es kein Wunder, daß die Haifaer Zementfabrik Nescher ihren Betrieb empfindlich einschränken mußte. Sie ist aut eine Jahresproduktion von 300 000 Tonnen eingerichtet und mußte schon im Vorjahr ihre Produktion auf die Hälfte ihrer Leistungsfähigkeit einschränken. Dieses Jahr mußte sie weitere Einschränkungen vornehmen, denn nicht nur der palästinensische Verbrauch sank, sondern auch die Exportmöglichkelt, besonders die nach den Nachbarländern. Im Laufe der leisten 15—17 Monate sah sich daher die Fabrik gezwungen, etwa 250 Arbeiter zu entlassen, die durchwegs keine neue Arbeit finden konnten. Es ist deshalb nötig, Maßnahmen zu treffen, um dem Verbrauch ausländischen Zements zu beegnen. Eine besondere Gefahr bedeutet der Zement aus yrien, der den heimischen Markt überschwemmt. - /ne«־ nichts, dieser Lage ist cs verwunderlic h( daß die Errichtung einer großen neuen Zementfabrik ״Schimschon“ bevorstehen soll, in die englisches Kapital investiert werden soll. Die 110111■ Fabrik soll für eine jährliche Anfangsproduktion von (100 000 Tonnen eingerichtet werden. Das zu invcsticrcnde Kapital soll k 000 000 betragen. Auch palästinensische Banken sollen an dieser Neugründung beteiligt sein. Es ist unklar, welche Kalkulationen dem neuen Unternehmen zugrunde liegen. Wäre ein Moratorium gerechtfertigt? Der ״Bustenai“ schreibt; Vielfach sind die Schwierigkeilen, die sich jetzt in manchen Zweigen der Wirtschaft für den Schuldner ergeben, in erster Eime dem Kreditgeber zu/uschreiben, der den Käufer in der Zeit der Prosperity durch die Aussicht auf hohe Gewinne dazu verlockt hat, da» Schuidveriialfms ein/uge hen. Zum froßen Teil aber ist dem Entleiher die Schuld zuzuschreiben, denn die Verpflichtung ist unnötigerweise angegangen worden. Gerade jetzt hat sich in Tel Aviv die Organisation des Mittelstandes mit einem Aufruf an die Oeffentlirhkeit gewandt. In diesem Aufruf wird darüber geklagt, daß angeblich 30 000 Fälle von Befehlen zur ZahlungsVollstreckung schweben. Aber man muß dabei bedenken, daß ein sehr großer Teil dieser gerichtlich geforderten Gelder Kaufe von Radioapparaten und elektrischen Kühlschränken betreffen. Solche Dinge fehören schließlich nicht zum täglichen Brot. Tausende von tenschen haben sich diese l.imisgegenstände leichtfertiger* weise an geschafft und sich, was die Bezahlung angeht, aut die Gnade des Himmels verlassen. Auch verfehlte Bau- Spekulationen sind häufig ein Grund der Verschuidüng. Es: gibt natürlich auch Fälle von Verschuldung durch längere Erwerbslosigkeit. Aber solche Fälle sind keineswegs so häufig, daß sic die Verkündigung eines Moratoriums rechtfertigen würden, _. Arabische Arbeiter fordern Hilfe Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ bringt aus den arabischen Städten Dschenin und Nablus folgende Nachrichten; Der Verband der arabischen Arbeiter in Dscnenm lud die Arbeiter von Nablus und Tulkerem zu einer Ver- Sammlung ein, die in Nablus abgehalten wurde und über die schlechte Lage der Arbeiter beriet. Ein Ausschuß von zehn Vertretern wurde gewählt. Dieser Ausschuß ersuchte den District Cornmissioner um eine Audienz, die aber nicht bewilligt wurde, weil er mit Arbeit überlastet sei. Sie wurden angewiesen, ihre Forderungen schriftlich vorzubringen. Der Ausschuß wandte sich darauf telegraphisch an den Civil Secretarv mit der Bitte um eine Audienz in Angelegenheit folgender Forderungen: 1. Unferstüt/ungsgelder; 2. Notstandsarbeiten, '3. Lohnerhöhung für Tagelöhner; 4. Achtstundentag; 5. Beschäftigung von Arbeitern des Distrikts Nablus auch außerhalb des Distrikts. — In Nablus kam es zu einem Streik der Lastträger. Die Regierung hatte ihnen mitgeteilt, daß jeder Lasttiager eine jährliche Steuer von 350 Mil zu zahlen hatte. Die Lastträger traten darauf in den Streik mit der Begründung, daß ihre wirtschaftliche Lage ihnen die Bezahlung dieser Steuer nicht erlaube. Nach - einer Besprechuttf mit dem District Cornmissioner nahmen sie die Arbeit wieder auf. Juden in der Jerusalemer Altstadt Man schreibt uns aus Tel Aviv: Der ״Haare/“ bringt ein Interview mit dem jüdischen Muchtar (behördlichen Vertreter) der Jerusalemer Altstadt. Seine Angaben sind besonders jetzt interessant, wo man bei Verwirklichung des Teilungsplanes von jüdischer Seite bereit scheint, die Jerusalemcr Altstadt auf/tigeben: Es wohnen in der Altstadt etwa 2750 Sepharden und 1250 Aschkenasen, zusammen also etwa 4000 jüdische Seelen. Die Altstadt hat also noch heute doppelt io viele jüdische Bewohner wie Safed. Der jüdische Hausbesitz zählt etwa 50 Häuser, die meist von juden bewohnt werden. Einige sind auch an Araber vermietet, andere stehen leer oder werden ohne Mietzahlung von Arabern benutzt. Im Viertel ״Bäte Machsse“ gibt es etwa hundert Wohnungen, die zusammen an jährlicher Miete 280 Pfund einbringen. Diese Summe wird für Reparaturen und den Hausbesorger verausgabt. Nahe dem Tempelplatz gibt ei zwanzig jüdische Häuser, die In den letzten Jahren von ihren Besitzern verlassen wurden. Nur die Witwe «ine* zum Judentum übergetretenen Christen wohnte dort noch längere Zeit, bis auch sie sich schließlich genötigt 11 h, ihr Hau* für 400 Pfund zu verkaufen. Aber der Käufer blieb ihr den größten Teil dieses Betrage» schuldig. Jetart ist diese Gegend von den Juden ganz aufgegeben. Im Viertel ״Bäte Machsse“ haben einige Häuser elektrisches Licht und auch die Straßenbeleuchtung ist elektrisch. Man plant jetzt statt der gemeinsamen waiserversorgungastelle des Viertels eine Wasserleitung in jedes Haus. Es wlre in •ich möglich gewesen, die Mieten zu erhöhen und von dem ver* mehrten Erlös Neuhauten zu errichten. Aber •eit den Un* ruhen im Vorjahre ist die Neigung, »ich In der Neustadt niederzulassen, gewachsen. Auch hat das Erdbeben vor zehn Jahren die Häuser stark mitgenommen und es waren große Reparaturen nötig, die weit über 2000 Pfund kosteten und die fast zur Gänze von den Mietern bezahlt werde■ mußten. Die Regierung beteiligte sich in diesen Ausgaben nach langen Bemühungen mit ganzen hundert Pfund, lieber• haupt scheint in der Regierung die Tendenz zu herrschen, die Altstadt allmählich von ihren jüdischen und arabischen Einwohnern zu entleeren. Die Neuregelung des Warenverkehrs im Hafen von Tel Aviv, durch die alle bisherigen Beschränkungen und der Ausschluß gewisser Warenkategorien von Löschung oder Verladung aufgehoben werden, ist bereits in Kraft getreten. Im Hinblick auf die zu erwartende Erhöhung des Warenumschläge» sind 20 jüdische Zollbeamte neu fn Dienst gemellt worden. Die Bauarbeiten von 180 Häusern und 200 Kooperativ- Wohnungen für eine neue Arbeiter-Wohnstadt nöi'dlieh von Tel Aviv wurden aufgenommen. Diese Vorstadt ist u. a. für die Hafenarbeiter von Tel Aviv und für ein Immigranten-Heim bestimmt. Im Hinblick darauf, daß die bisherige Zollunion zwischen Syrien und dem Libanon aufgehoben worden ist, befassen «ich die Handclskreise in Damaskus mit dem Gedanken, Verhandlungen mit Palästina über die Schaffung einer Freihandeis zone Im Hafen von Haifa aufzunehmen. Dadurch würde sich Syrien von dem Beiruter Hafen unabhängig machen und die Möglichkeit erhalten, im Transitverkehr Waren über Haifa nach Damaskus, Horns und dem Hauran zu bringen. Zum erstenmal seit dem 19. April 1936 haben jüdische Passagiere wieder den Hafen von Jaffa benutzt. Eine Gruppe von 18 jüdischen Passagieren hat dort da* Schiff einer rumänischen Gesellschaft bestiegen. Die Gesellschaft ״Solei Boneh“ und die Palestine Road and General Construction Company haben Verträge über 40 000 Pfund für das Gebäude der heißen Schwefelquellen und des Badehauses in TI b e r i 1 s abgeschlossen. Da die in der Nähe der syrischen Orenze an der Meeresküste gelegene Siedlung N a n a r i a dauernd wächst, ist die Errichtung eines neuen Wasserturms notwendig geworden. Für die Errichtung des Turms, dessen Behälter eine Fassungskraft von 750 cbm haben wird, ist ein Kostenauf* wand von 3000 Pfund erforderlich. In der Nähe von Kfar Saba wurde am 24. Augpiat mit den Arbeiten zur Errichtung einer Kolonie für vorläufig 40 jüdiache Familien aus Deutschland, die ge* mischte Landwirtschaft treiben werden, begonnen. Das Komitee des Stadtviertels Hadar Hakarmel in Haifa hat beschlossen, ein zionistisches Forschung*- i n s t i t u t aut den Namen von Dr. Sehmarja Lewin zu gründen. Die Stadtverwaltung von P e t a c h T i k w a h hat bei der Regierung die Erweiterung der Grenzen des Stadt■ gebietes beantragt. Sie begründet dies damit, daß eine Reihe von Block« de! bisherigen Landbezirk* inzwiachen »tädti• sehen Charakter erhalten haben. Laut den Veröffentlichungen des Regierungsamtes für Statistik sind In dem* ersten Halbjahr 1937 m Palästina Die Ausgrabungen von Scheich Abrek Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der .,Dawar“ be* richtet über die Ausgrabungen in Scheich Abrek, dem Orte, wo die erste Oruppe der Jugendalijah zur An- Siedlung gekommen Ist: Die Ausgrabungen, die vor Jahrzehnten durch Engländer begonnen, wurden, sind bis heute offen geblieben. Man kann einen Teil der Zeichnungen und Inschritten aus jüdischer Zeit sehen. Dann kamen Eroberer, und die Grabstätten wurden ausgerauht. Trotzdem sind hUtorisch wichtig* Reste geblieben. Leider tut die jüdische Oeffcr.‘- lichkelt noch wenig für die Erschließung dieser Altertümer, und nur eine einzige jüdische Gesellschaft, die über sehr beschränkte Mittel verfugt, befaßt sich in Palästina damit. In den Ausgrabungen hat man Knochen und Schädel von Juden mit aer namentlichen Bezeichnung der Begrabenen gefunden. Durch die starken Regcnfälle des Jahres 1936 -37 wurden Dammanlagen aus jüdischer Zeit bloßgelegt, die von intensiver landwirtschaftlicher Kultur Zeugnis ablegen. Dazu kommen in den Bergen erkennbare Reste von Terrassenbau, der die Fortschwemmung des Bodens unmöglich machte. Ein Quell versorgte die Gegend das ganze Jahr über mit Wasser. Als die Araber vor etwa 400 Jahren hierherkamen, fanden sie noch den Quell und die Reste der Dammanlagen. Aber diese Araber waren Beduinen und verstanden sich nicht auf die Erhaltung der Dämme und Terrassen, und so ging alles im Laufe der Zeit zugrunde, die Quelle versiegle und die Araber nennen sie jetzt die ״tote Quelle“. Die Ausgrabungen lehren uns auch, daß die Juden des Altertums intensive Obätkultur betrieben. Davon geben wilde Obstbäume ein Zeugnis und die Damm- und Terrassenanlagen, die sie umgeben. Der Kischon führte früher da« ganze Jahr Wasser in Menge, während er jetzt wasserarm ist, und teilweise im Sommer austrocknet. Wenn heute das ganze Gebiet des Kischon von Juden wieder in den alten Zustand gebracht würde, und aie Dämme und Terrassen wieder hergestellt werden würden, würde auch der Kischon wieder wasserreich werden, und *eine Umgebung fruchtbar. Das Theaterjournal ״Bainah“. Dis letzte Heft der Bühnen/eitschrift ״Bamah“, die vom ״Chug Habimah“ herausgegeben und von G. Chanoch sorgsam und verstandnisvoll redigiert wird, zeichnet sich rein äußerlich wieder durch hervorragenden Druck und ebensolche Bildreproduktionen aus. Mehrere Aufsätze sind einleitend dem Andenken des so früh verstorbenen Habimah-Schauspielers Jakob Avital gewidmet. Neben Artikeln, die sich speziell mit ״Habimah“ beschäftigen Abhandlungen über die letzten Aufführungen, Gestaltung des Bühnenbildes, Schauspieler- Biographien, Würdigung des soeben erschienenen Rowina- Albums — findet auch das Theater de! Auslandes mit einem ״Londoner Theaterbrief“ Beachtung. Ueber die abgelaufene Winteraaison des Palästina-Orchesters orientiert ein Rückblick. Der 15jährige Todestag des nichtjüdischen Regisseurs Wschtangoff, der dflrch die überragende Inszenierung de* ״Dybuk“ ״Habimah" zur Weltgeltung verhalt, gibt Anlaß, erneut den Verluat dieser bis heute nicht ersetzten Fübrerpersönllchkelt zu betrauern. Ebenfalls Nachrufe sind gewidmet den Regisseuren Alexis Oranowi kl und Dsvltf Hermann (ehemaliger Leiter der ״Wllnaer Truppe“), die beide vor wenigen Monaten verstorben lind. Aua ״Ueber die Kunst des Theaters" von Edward Oorden Cralg, Vor bereiter des Impressionismus, ist ein Zwiegesprich zwischen ״Regisseur und Kritiker“ übersetzt und abgedruckt, des wegen der Allgemeingültigkelt der sngesehnittenen Probleme, trotz seines Alters, von prinzipieller Bedeutung ist. Aus den ״Mitteilungen der Habimah“, die dem redaktionellen Teil angeschlossen sind, Interessiert besonders, daß nun zu dem Ergebnis gekommen sei, daß der begonnene Bau des neuen Hablituh-Theaters ״bei den gegenwärtigen Verhältnissen nicht allein mit gespendeten Mitteln zu Ende zu führen sei und nun sich daher um eine Anleihe bemühe, die hoffentlich bald beschafft werden könne. Die Stadtverwaltung Tel Aviv habe sich bereit erklärt, die Anleihe zu garantieren“. M.G. Kapitalsinvestierungen in der Gesamihöhe von 1722 000 Pfund vorgenommen worden, fm ersten Halbjahr 1936 betrugen die Investierungen 1 056 000, im ersten Halbjahr 1935 2 919 000 Pfund. Die Zahl der Beugegründeten Unternehmungen betrug im ersten Halbjahr 1937 112, das auf sie entfallende Kapital 669000 Pfund. In demselben Zeitraum des vergangenen Jahres waren 104 neue Unternehmungen mit einem Kapital von 572 000 Pfund eingetragen worden. In den ersten fünf Monaten 1937 hat die palästinensische P o s t v e r w a 11 u n g 227 000 Pfund eingenommen. Gegenüber demselben Zeitraum 1936 (196 000 Pfund) bedeutet dies eine Zunahme um 15,8 ״״. Ein Konflikt zwischen einem jüdischen Orangenpflanzer und jüdischen Arbeitern wegen Entlassung von Arbeitern In Kfar Saba wurde gütlich beigelegt. Der Pflanzer verpflichtete sich, nur organisierte jüdische Arbeiter zu be- *chäftigen. Generalmajor A. P. Wavell, der al* Nachfolger von Generalleutnant J. G. Dill das Oberkommando der britischen Truppen in Palästina übernimmt, ist in Jerusalem einge trotten. Mosche Shertok, der Leiter des Politischen Departments der Jewish Agency, ist nach Jerusalem zurückgekehrt. Die Regierungskonimission, die zur Prüfung der Ersatzansprüche von Hinterbliebenen von Opfern der Unruhen des ahres 1936 eingesetzt worden ist, hat beschlossen, daß 5000 Pfund aus Regierungsmitteln für Eraatzansprüche bereitgestellt werden tollen, An der Stelle, wo Efraim C z i z i k im Jahre 1929 bei der Verteidigung der Kolonie Hulda gefallen ist, wurde in Anwesenheit tausender Siedler und Arbeiter, die aus dem anzen Lande zusammengeströmt waren, ein von Bathia ischansky geschaffenes Grabdenkmal enthüllt. Der Vorsitzende des Waad Leumi, lizchak Ben Zwi, erklärte, daß der Jischuw auch in Zukunft mit größter Hingabe für den Schutz »eines Landes eintreten werde und zu den größten Opfern bereit sei, um seinen Boden zu verteidigen. 3000 arabische Arbeiter, die bei dem Bau einer wichtigen strategischen Straße an der Nordgrenze Palästinas besenäftigt werden, sind in den Streik getreten. Das ägyptische Landwirtschaftsministe* rium hat dem Tel Aviver Zoologischen Garten zwei junge Löwen zum Geschenk gemacht. Die ägyptische Regierung hat damit einem Wunsch entsprochen, den Bürgermeiater Rokach in einem Schreiben an sie geäußert hatte. Benno Fracnkel hat die Inszenierung des von Ben* Se’w Liber verfaßten palästinensischen Zeit-Stückes ״Kinder der Straße“ übernommen. Jerusalemer Kunstbericht Die Buchhandlung ״Universitas“ zeigte vor einiger Zeit in einer kleinen Ausstellung die Originale der Illustrationen des Buches ״Das Hebräerland״ von Else Lasker-Schüler, Die phantastisch-romantischen Aquarelle von der Hand der Dichterin, welche eine höchst eigenartige Illustration ihrer eigenen Werke sind, kommen erst in den in schillernden Farben gehaltenen Originalen zur vollen JD^rkung. Else Lasker-Schüler gibt in ihren Bildern ein Palästina der Träume und der Sehnsucht. Sie sieht nicht das karge Land ernster Bewährung, sondern den ״Bibelstem“ ihres dichtenden Herzens. Am schönsten gelingen ihr orientalische Cafähsusszenen, die aie liebevoll mit schillerndem Stanniol und buntem Allerlei ausschmückt. Es wäre wünschenswert, daß diese überaus anmutigen, freilich höchst subjektiven Dichterbilder des ,,Hebräerlandes“ in Palästina, wo sie hingehören, blieben, und etwa in einem unserer Museen in Jerusalem oder Tel Aviv zugänglich gemacht w׳ürden. — Else Lasker- Schüler las auf Einladung der Jerusalemer Vereinigung ״Emeth weemunah“ vor einem zahlreich erschienenen Hörerxreis aus ihren Werken. Den Auftakt des Abends bildeten jene ״Hebräischen Balladen“, welche ihren Ruhm begründet haben. Die Dichterin versteht es mit großer Sprachkunst, ihren Versen zu voller Wirkung 7.11 verhelfen. Es war wie ein symbolisches Geschehen, als Else Lasker-Schüler jene Dichtungen, die voll sind von dem Erlebnis orientalischer Landschaff und morgenländischer Legende, nun in Jerusalem sprach. Die Prosa-Rezitation begann mit der phantastischen Legende ״Der Seheik“ aus dem Geschichtenbuche ״Der Prinz von Theben“. Auch in dieser Geschichte, die von der Freundschaft de» ״jüdischen Sultans“ und de* mohammedsnischen Oberpriesters handelt, ist der Orient, den Else Lasker- Schüler in diesen Jahren zum ersten Male bereiste, in glühenden Visionen vorwegerlebt. Proben aus dem neuesten werke der Dichterin, dem Palästina-Buch ״Das Hebräerland“, bildeten den letzten Teil de* Abends. Im ״Hebräerland“ berichtet Lasker-Schüler zum ersten Male vom ״wirklichen Orient“. Aber auch hier ist die innere Wirklichkeit stärker a|s die äußere, und es wird recht eigentlich kein Bild de• heutigen Palästina gegeben, sondern aie Dichterin erlebt in innerlichen Gesichten ״ganz Palästina als eine Offenbarung“. Auf die Schilderungen des Landes der Zukunft folgte, als Abschluß des Abends, noch eine Erinnerung an Westfalen, das Land der Herkunft der Dichterin. Die ergreifende Er- Zahlung vom Sterben ihres Vaters, idyllische Kindheltserinnerungen, erfüllt vom Hauch zarter Wehmut, und endlich die tieftraurigen Verse, die sie auf den Tod ihres Kinde« schrieb. Die Haifaer Kabarett-Truppe Behal gastierte mit durchschlagendem Erfolg In Jerusalem. Die kleine Truppe, bestehend aus den Herren Behal und Dr. Alsberg (am Klavier) und Frau Hedi Behal, Ist bemüht, in launiger weise die Licht- und Schattenseiten des palästinensischen Alltags zu perslfflieren. Der Tel-Avivcr Hafen, aer ״Eskimo“־,(Eis)verKäufer, der jemenitische Zeitungsjunge und der Einwanderer aus Deutschland, der mit den Tücken der hebräischen Sprache ringt, sind Bebals Themen, Pertönlichei. Leo Oriinthal (früher Breslau) begtht am 2• September seinen 60. Geburtetag. Er hat durch die vier Jahrzehnte der zionistischen Arbeit sich stets im Hintergründe gehalten, aber immer in der Arbeit seinen Menn gestanden und die geistige Entwicklung der Ortsgruppe Breslau »tark beeinflußt. Wenn er es auch sblehnte, ein führendes Amt in der Ortsgruppe zu übernehmen und dem Drängen «einer Freunde auf ein stärker» Hervortreten ent 1933 nächgab, so ist doch die besondere Note des Breslauer Zionismus von seinen ersten Anfängen an zu einem nicht unbetriebt• liehen Teil auf die Mitarbeit Leo Grünthals zurückzuführön, Leo Oriinthal war immer im Breslauer und schlesischer, Kreis Schrittmacher und Förderer der kolonisatorischen Ideen Davis Trletschs gewesen. Seit einem Jahre etwa lebt Leo Grünthal in Haifa, wo er sich schnell in die zionistische Arbeit hineingeiusnden hat. 01, (Schluß des Palästina-Teils)