Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1937)
- Date
- 1937-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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11« י!1 111 Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69, 31. VIII. 1937 Vorbereitung einer jüdisch-arabischen Konferenz? Einer Meldung der ״Times“ aus Paris zufolge hat das dortige Komitee zur Verteidigung der Rechte der Juden Schritte zur Einberufung einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz unternommen, die über die Lösung des Palästinaproblems beraten soll. Da die Jewish Agency von den Arahern niemals anerkannt worden ist, sollen die jüdischen Vertreter nur als Privatpersonen an den geplanten Besprechungen teilnehmen. In den Kreisen des Komitees wird, wie der Berichterstatter der ״Times“ mitteilt, die Ansicht vertreten, daß die Araber, die die Tei- Jung Palästinas in der von der Peel-Kommission vorgeschlagenen Form tiir unannehmbar halten, dem Teilung*• plan weniger ablehnend gegeniiberstehen würden, wenn die Juden sich bereit erklärten, ihre Zustimmung zu der Eingliederung des jüdischen Staates in einen künftigen arabischen Staatenbund zu geben. Der Korrespondent will schließlich erfahren haben, daß die Rede Dr. Wei zmanns im Council der Jewish Agency am 18. August, in der er den Gedanken eines arabischen Staatenbundes bejaht hat, in arabischen politischen Kreisen einen günstigen Eindruck gemacht habe, Di• •rabiach«11 Meinungen Der Jerusalemer Korrespondent der Zeitschrift ״Great Britain and th e East" schreibt in der Nummer vom 26. August, daß die Araber den Verhandlungen des Zionistenkongresses nicht weniger aufmerksam als die jüdische Bevölkerung Palästinas gefolgt seien. In manchen jüdischen Kreisen glaube man, daß eine weniger kompromißlose Haltung eingenommen werden sollte; aber man hofft nichtsdestoweniger, daß eine Linie firr ein Kompromiß sich wahrend der Verhandlungen ergeben werde. Innerhalb des ()bersten Arabischen Komitees sei ein Aufhören der starken Opposition gegen die zionistische Bewegurig nicht wahrscheinlich. Kurz nachdem der Text der politischen Resolution des Zionistenkongresses in Palästina bekanntgeworden war, ubergab der SeKretär des Obersten Arabischen Komitees dem Berichterstatter von ״Great Britain and the East“ eine Erklärung, in der er ausführte, daß kein Tcilungsplan jemals zu frieden und Ruhe im Heiligen Land fuhren könne, und hin/ufügte, daß die Re- Solution zweifellos die legitime Voraussetzung bestätige, warum die Araber ständig Gegner der zionistischen Bewegung gewesen sind. Arabische Politiker, die nicht im Obersten Arabischen Komitee vertreten .sind, untersuchen wahrscheinlich neuerdings die Möglichkeit einer Annäherung an die jüdischen Führer mit dem Ziel, eine befriedigendere Lösung als die der Teilung zu finden, der beide Setten widersprechen. Während solche l'eberlcgtmgen natürlich sehr willkommen sein wurden, ist es müßig vor/ugeberi, dal! es irgendwelche Wahrscheinlichkeit gibt, daß sie realisiert werden. wenn nicht eine radikale Aendcrung der gegenwärtigen Bedingungen eintritt. Dem politischen Radikalismus ist auf beiden Seiten eine große Rolle zu spielen erlaubt, und es ist klar, daß nur eine kühne Handlung die Vertreter der beiden Parteien zusammenbringen wird. Wirklichkeit und Illusion Zur Diskussion de■ Peel-Berichtes Wir veröffentlichten in Nr. 59 vom 27. Juli einen Artikel von Dr. Elias Auerbach, Haifa, zur Diskussion des Peel• Berichtes unter dem Titel ״Illusion und Wirklichkeit“. Dieser Artikel wurde in Palästina vom ״Haaret״ abgcdrucht. Als Antwort darauf erschien im ״Haares“ ein Aufsatz von Aminadatv Ashbel, einem guten Kenner des Landes, dem wir folgende Ausführungen entnehmen, (Red.) Seelen, an deren Verwirklichung wir durchaus glauben, hin• EUrechnen, bestünde also die Möglichkeit für eine neue Alijah von 1 Million Juden. Gewiß kann uns das nicht befriedigen. Aber wenn wir diese Möglichkeit mit den arideren im Bericht angeführten Alternativen ver• Bleichen, erscheint der Teilungsplan in viel günstigerem Lichte. Aber, wie schon gesagt, ist die ganze Berechnung, die sich auf dem Prinzip der durchschnittlichen Bevölkerung*- dichte aufbaut, sehr ungewiß. Wenn es wirklich stimmen sollte, daß das Land in hohem Maße dicht bevölkert sei, und daß der Boden nur noch für eine neue Alijah von nicht mehr als 10 000 Seelen jährlich ausreiche, — und das gerade in dem Gebiet des jüdischen Staates, der vom Standpunkt der Bodenbeschaffenlicit und Aufnahmefähigkeit aus an erster Stelle steht, — ist es doch überhaupt sinnlos, von der oder jener politischen Ordnung zu sprechen; denn glaubt wirklich jemand ernsthaft, daß die Bezirke Nablus und Hebron für eine große Alijah iit Betracht kommen? Es kann doch kein Zufall sein, daß wir bis heute dort überhaupt keinen Boden erworben haben. Tatsächlich ist ein großer Teil dieser Bodenfläche zwar ein großes Territorium, aber für eine praktische landwirtschaftliche Ansiedlung nur sehr geringfügig. Wenn man alles auf die durchschnittliche Bevölkerungsdichte aufbaut und die Bezirke Nablus, Hebron und Bethlehem hinzuzählt, ergibt sich zwar arithmetisch eine geringere Diirchschnittsdichtc; aber daraus läßt sich noch nicht der Schluß ziehen, dall sich tatsächlich größere Mög• lichkeiten für die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung ergeben. In einem Lande wie Palästina, wo die Aufnahmenuiglichkeiten in jedem Bezirk verschieden sind, darf man sich nicht mit einer oberflächlichen Feststellung der Bevölkerungsdiehte begnügen. Zum Beispiel erreichte im Jahre 1931 die Bevölkerungsdichte im Bezirk Tuikerem die Zahl von 62 Seelen pro Quadratkilometer und im Bezirk Hebron 32 Seelen; dennoch wird jeder Sachverständige zugeben müssen, daß die Aufnahmemöglichkeit des Bezirkes Tulkerem noch weit größer ist als die des Bezirks Hebron, trotz seiner jetzigen geringeren Bcvölkerungszahl. Dasselbe gilt auch von allen anderen Bezirken des Landes. Ebenso müssen wir auch bei der Bevölkerungsdichte in der Stadt und auf dem Lande Unterschiede machen. Die Aufnahmefähigkeit der Stadt ist ganz anders geartet; sie hängt nicht von der Größe der Fläche, sondern von der Existenzmöglichkeit ab, und zwar von der Entwicklung von Industrie und Handwerk. Ebenso ist die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Bevölkerung in hohem Maße von dem Intensitätsgrad der Landwirtschaft abhängig. Und die Ent- Wicklung von Landwirtschaft und Industrie hängt von geordneten Markt- und Absatzverhäitnissen ab. denken wir zunächst vor allem an kleine 60 0״ der gesamten Auni Bey über die Lage in Gen! Die arabische Zeitung ״A D i f a a“ hat den in Genf weilenden Führer der arabischen Delegation, Auni Bey Abdul H a d i, telephonisch über seine Meinung über den Bericht der Mandatskommission befragt. Auni Bey erklärte, er habe keinen anderen Bericht erwartet, *ei aber nicht pessimistisch gestimmt. Viele Mitglieder der Kommission hätten erklärt, sie seien gegen den Teilungsplan, aber die Einflüsse, die hinter den Kulissen von jüdischer Seite ausgingen, seien stärker gewesen. Ueber das von Meir Gross man veröffentlichte Dokument (W ei 7 man ns V e r h a 11 d 1 u n g e 1״ ״ i t Or m s b y - G orc) erklärte Auni Bey, diese Veröffentlichung liabe den Arabern sehr genützt. Man bringe ihnen jetzt viel mehr Sympathien als früher entgegen. Das Dokument habe in Genier politischen Kreisen starken Eindruck gemacht und sogar die Britische Regierung sei überrascht gewesen. Auni Bey ist fest überzeugt, daß die arabischen und asiatischen Staaten in der Palästinafrage eine Einheitsfront bilden werden. Ihre Stellungnahme werde sich für die Araber günstig auswirken. DIE FLUCHT Erzählung von Micha Josef Berdyczewski (bin Gorion) Aus dem Hebräischen übersetzt von Rahel hin Gorion 'Micha Josef Berdyczewski (spater Micha Josef Bin Gorion) 11S65—/921), den Juden Deutschlands vor allem durch seine in spateren Lehensfahren herausgrgebenen Sammlungert jüdischer Sagen und Märchen bekannt, ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der nruhebräisehen Literatur der Wende des 19, Jahrhunderts Er war der Wortführer einer Gruppe der Jungen innerhalb der hebräisches Renaissance, die sieh gegen eine, Verengerung der hebräischen Literatur und des jüdischen Geisteslebens auf das spezifisch Jüdische wandte und eine neue hebräische Kultur, die ade allgemeinen menschlichen Werte umfaßt, forderte. Berdyczewski hat in einer Reihe von Novellen und Erzählungen das Lehen in der jiidiselten Kleinstadt des zaristischen Ru Bland geschildert. In diese Welt, die heute nicht mehr existiert, führt uns auch die Erzählung, die wir in der Uehersetzung von Berdyczcwskis Frau veröffentlichen, (Red.) An einem mäßig breiten Strom, der am Rand d«s Gebirges entlangzieht, liegt mein Heimatstädtchen, im weiten Weißrußland, wo so viele Juden wohnen. Passiert men die Brücke am Ausgang der Oberstadt, so zeigen sich dem Auge ganze Hügelketten, woselbst es Steinbrüche gibt. Jenseits aber davon ist sandiger Boden, und nur hie und da sind Grasbiischel 7.u sehen, ähnlich vereinz.elten Haarsträhnen auf einem kahlen Schädel, und über allem wölbt sich ein eherner Himmel. Wer große Hoffnungen hegt und kühne Träume träumt, der wird da nicht bleiben mögen, doch ist der Raum weit für den, der nachdenken und seinen Sinn festigen will. Außen vor dem Stadttor dehnt sich die Ebene der Saatfelder, von der Landstraße durchschnitten, zu deren beiden Seiten die weißen Steine die Meiienzahlen angeben. Ab und zu sieht ein einsamer Baum, nach «J®r Ernte sieht man die Garbenhaufen; Bauernwagen, mit Pferden oder Ochsen bespannt, ziehen hin und her, der Bauer selbst liegt rücklings darauf, sein Gesicht glänzt von der Sonne, und er summt sein Liedchen. Leben! Der Zusammenhang mit der Welt ist gegeben. Die Stadt selbst hat kein Pflaster; die Häuser, klein und größer, mit Stroh oder Schindeln gedeckt, wenden ihre Breit- oder Schmalseite der Straße zu, und du siehst Kinder und Hühner im Sande scharren. Der Sattler sitzt vor der Tür seines Hauses und arbeitet mit dem Pfriem, der Seiler dreht den Hanf zu Stricken, und ein Mann rollt ein Faß vor sich hin. Die Gäßchen, gerade und krumm, umgeben einen größeren Platz, den Markt. Hier aber hast du Holz* Dr. Auerbach meint, daß die von der Peel-Kommission angenommene Zahl der arabischen Bevölkerung im Gebiete des jüdischen Staates zweifellos falsch sei, und setzt an Stelle der im Bericht angegebenen 300 001) Araber 420 000, also etw a 40 ״« mehr. Die Differenz zwischen den beiden Zahlen gilt insbesondere für die Landbevölkerung, und zwar schätzt Dr. Auerbach an Steile der 223 000 des Peel- Berichts 340 000. Bekanntlich werden heutzutage alle Schiitzungen der Bevölkerung nach den Zensus-Zahlen für das Jahr 1031 berechnet. Nach diesem Zensus, dessen Richtigkeit nicht anzuzweifeln ist, zählte die arabische Bevölkerung im Gebiete des jüdischen Staates ini Jahre 1031 ungefähr ISO (MX) Seelen. Wie also konnte nun Dr. Auerbach für Ende 1036 oder Mitte 1037 auf eine Zahl von 340 000 — d. i. eine Vermehrung von 03 <״׳ — kommen? Dr. Auerbach setzt ferner voraus, dal! die A u s s i e d - lung der Araber aus dem jüdischen Staat ein nie zu verwirklichendes Wunschbild sei. Auch dieser Annahme kann, in dieser bestimmten Form, keinesfalls zugestimmt werden. Wenn wir von Aussiedlung sprechen, so an die landwirtschaftliche Bevölkerung, Bodenhesitzer und Pächter, die etwa landwirtschaftlichen Bevölkerung ausmachen (der Rest setzt sich aus Lohnarbeitern und Personen mit außerlandwirtschaftliehen Berufen zusammen). Dieses Problem ist mehr wirtschaftlicher als politischer Natur. Für einen Teil der Pächter und landwirtschaftlichen Arbeiter wird sicherlich die üc- Währung von Geldentschädigungen, die ihnen die Möglichkeit geben, sich als freie Bauern auf dem l.ande niederzulassen, einen Anreiz bilden. Ebenso wird eine Reihe von Bauern, die zu einem kärglichen Dasein auf ihren Boden-Par/elleti verurteilt sind, die sich ihnen in einem anderen Gebiet bietenden besseren Bedingungen vorziehen. Daneben darf nicht vergessen werden, daß auch der Prozeß der Abwanderung vom Dorf in die Stadt sich immer weiter, fortsetzt. Wir können a’so annehmen, dal! wir vor die Notwendigheit ge-te I: se'n werden, im Verlaufe von fünf Jahren zirka 1300(10 Seelen (also 30000 Familien) auszusicdcln, das beißt also frO'Ml Familien jährlich, und es besteht keine Veranlassung, schwarz, in die Zukunft zu sehen und den Schluß zu ziehen, daß wir bei aller Anstrengung keine l ösung dieses Problems finden werden. Gerade vom Gesichtspunkt der praktischen Bodenpolitik und der Klärung der rechtlichen Lage des Bodenverkaufs gesehen, bietet uns der Teilungsvorschlag eine günstigere Lösung als der gegenwärtig bestellende Zustand. Unter den oben erwähnten Voraussetzungen kommt Dr. Auerbach m einer dritten Folgerung, nämlich, daß die Möglichkcit einer Masscn-Alijah ein Trugbild sei; denn insgesamt umfasse das Gebiet des Judenstaates 5500 qkm. Auf diesem Gebiete sei heute eine Bevölkerung von 750 000 Seelen ansässig. Nehmen wir an, daß cs uns in 20 Jahren gelingen könnte, dem Gebiet die Bevölkerungsdichte Belgiens zu geben: 260 Einwohner auf den Quadratkilometer, dann würde das Gebiet nach 20 Jahren eine Bevölkerung von 1 430 000, Einwohnern haben. Aber die jetzige Bevölkerung hat sich inzwischen durch natürliche Vermehrung auf über 1200 000 vermehrt. Es bleibt also mir Platz für 200 000 Einwanderer in 20 Jahren, um die Dichte Belgiens zu erreichen. Das heißt im Jahresdurchschnitt 10 600 Einwanderer. Wie bereits hervorgehoben, ist die von Auerbach genannte Zahl von 730 000 Personen ungenau, — tatsächlich ist sie um 120 000 geringer. Ferner, warum sollten wir von vornherein die Einwanderung von 200 000 Juden auf 20 Jahre verteilen und nicht auf die nächsten 2—3 Jahre? Warum bestellt die Notwendigkeit, schon jetzt Platz zu lassen für den in den nächsten Jahren zu erwartenden tratiirliehen Zuwachs? Selbst nach den Gedankengängen Dr. Auerbachs über die maximale Bevölkerungsdichte wäre das Land gegenwärtig für etwa 7—800 001) Seelen aufnahmefähig. Wenn wir dazu noch die Aussiedlung von 150 000 buden und Kramläden; in dem einen wird mit Wolle und Leinwand gehandelt, anderswo erhält, man Eisenwaren, in einem dritten sind Mehl und Nahrungsmittel zu haben. Der Markt ist das Herz, der Stadt. Die Leute stecken ganz drin in ihren kümmerlichen Geschälten, und alle Mülvsal gilt allein dem täglichen Brot. Um nur das Notwendigste für sich und die Seinen zu erlangen, dafür gibt der israelitische Mann sein Fett und Blut her. Er und seine Frau arbeiten und plagen sich von früh bis spät. Die Sorge um den Lebensunterhalt, das ist der schlimmste Druck, der auf dem Hebräer lastet, und sein Los auf Erden ist, daß er das Fleisch seines Bruder» essen muß. Der Kampf ist hart; die Grube wird nimmer voll von der Erde, die man ihr einmal entnoramen hat. Dennoch, auch die schwerste Inanspruchnahme durch irdische Dinge vermag nicht das Tor zu versperren, das zur höheren Region hinautführl. Nach den sechs Werktagen bricht der Schabbaltag an, den Gott zu heiligen geboten hat; auch hat er den einen Stamm von allen Stämmen der Welt für sich auserwählt. Und die Krämer und die Händler und die Handwerker, die da borgen und denen geborgt wird, alle sind sie die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs, mit denen Gott seinen Bund geschlossen hat für ewige Zeiten und denen er gnädig bleibt immerdar. Gellt man am Schabbat durch die Stadt, so fühlt man einen anderen Wind daselbst weben. Ruhe und Feiertagsstille! Ein König aus alter Zeit rüstet gleichsam seinen Knechten ein Mahl, und sie dürfen in seinem Garten lustwandeln! Keine Not, keine Sorg« um den kommenden Tag ist zu spüren. Die Aepfel und alles Obst, das bei Tische mit Güsten verzehrt wird —- es hat am ,Schabbat einen besonderen Geschmack. Gott hat den siebenten Tag gesegnet und ihn seinem Volke Israel zum Geschenk gemacht 1 Ich war der Sohn einer armen Witwe. Ara Schabbat saß meine Mutter in ihrem Stübchen, las in der jiddischen Frauenbibel und ergötzte sich an den Sprüchen und Gleichnissen der Weisen. Ich wiederum nahm mir die geschiehtliehen Bücher der Bibel vor, di« mit dem Buche Josua anheben, und Staunet» faßte mich, wie ich erfuhr, daß die Nachkommen jener Erzväter, die vom anderen Ufer des Stroms gekommen waren, Schafe und Rinder geweidet, Brunnen gegraben, großen Reichtum, Knechte und Mägde besessen hatten, wieder von vorn anfangen mußten. Durch harten Kampf, durch Krieg und Blutvergießen gewinnen sie erst das Land, das ihnen doch seit«» gegeben worden war... Helden, Helfer, Richter und Könige stehen nacheinander auf und befreien sie von dem Druck, den die Völker rundumher Klein• Mackrichten Der Vorsitzende der amerikanischen Abteilung der Jewish Agency, Felix M. Warburg, und der Präsident der Exe- Icutive, David Be n G:urjon, sind . an Bord der ״Beren•: garia“ nach New Vork abgereist. Mit ihnen fuhren Dr. Mon•• ris J. K a r p f, Louis Lipsky, der Exekutive-Direktor des loint Joseph C. H y m a n »nid der Exekutive-Direktor des New-Yorker Verbandes der Jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften, Dr. S. Loewenstein. Nachdem die Verhandlungen zwischen Syrien und dem Libanon über die Festsetzung eines Verteilungsschlüssels für die gemeinsamen Zolleinnahmen gescheitert sind, haben die beiden Regierungen beschlossen, am 1. November die Trennung der Zollein nahmen durchzufiihren. Zwei Absolventen der Universität Cambridge haben von den Fonds der Universität Stipendien erhalten, um die Durchfiihrung des P a I ä s t i n a m a!1 d a t s zu studieren. Nach einem einmonatigen Aufenthalt in Palästina werden die beiden Stipendiaten der Universität ihre Thesen vorlegcn. auf sie ausüben. Die Kinder Israel tun, was dem Herrn Obel gefällt, kehren aber dann reumütig zu ihrem Gott zurück; er züchtigt sie mit der Rute seines Zornes, erbarmt sieb ihrer aber bald. Ich lese in den Büchern, lese immer wieder, und das Gelesene ersteht lebendig vor mir in sichtbarer Reihenfolge. Ich erlebe den Krieg Abrahams und seiner Knappen mit den Königen des Morgenlandes und ebenso die Kämpfe der Kinder Israel mit den AramSern, den Moabitern und den übrigen Völkern. Ich sehe den Mose und den Josua, den Jeftah und den Gideon, den König Saul und die Feldherren Abner und Joab leibhaftig vor mir stehen. Es fiel mir schwer, daran zu denken, daß alle diese He1*oen nicht mehr da seien, daß kein König von Israel und keiner von Juda an dem Platz vor der Tür am Tor Samariens mehr sitzt und das Volk richtet, und ach! daß der prophetische Geist entschwunden ist... Ich war höchlich verwundert, als ich zum ersten Male vernahm, daß wir uns im Exil be* finden, daß Gott uns verworfen und in fremde Länder verbannt hat... Ich konnte die Tatsache nicht begreifen, daß das Heiligtum zerstört und das Haus Gottes nicht mehr vorhanden sei, nachdem ich im dritten Buche Moses eben gelesen hatte: ״Befiehl Aaron und seinen Söhnen: Das ist die Lehre von den Brandopfern: das Brandopfer soll brennen auf dem Herd des Altars...“ Und ich sah das Feuer auf dem Altar brennen und sah die Priester in ihren Gewändern um den Altar sieben. Wenn am Schabbalnachmittag die Stunde des Vorabend• gebet* naht, erhebt sich jeder von seinem Sitz, zieht das Öberkleid an, und alles Volk eilt in die beiden Gotteshäuser der Stadt, die es bis zum Rande füllt. Ein kurzes Gebet findet statt. Nur drei Männer werden zum Verlesen der Thora aufgerufen. ״Du bist einzig, und dein Name ist einzig.“ Di« ,Sonne sinkt, und am Horizont erscheinen dunkle Schatten, der Schabbattag geht zur Neige. Man setzt sich noch an den Tisch, ißt das Wenige von dem Übriggebliebenen Lisch und dem Weißbrot ohne Lust. Die Dämmerstunde ist vorüber, ein einsamer Stern erscheint an dom stummen Himmel und ist gleichsam Zeuge für das Aufhören des Tages und den Anbruch der Nacht. Das Abendgebet wird lionintergcleiert, das Herz ist voller Betrübnis, und über einem Becher Wein, der schon schal geworden ist, wird der Segen übar den scheidenden Schabbat und den beginnenden Ruhetag gesprochen. Die Tore des Alltags sina geöffnet, ein Schatten streift die eben noch festlichen Gesichter: beuge die Achsel, du Sohn Israels uhd rüste dich zur Arbeit um das täglich« Brotl (Schluß folgt)