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Jüdische Rundschau · 1937-08-24 · Heft 67 (24.8.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 67 (24.8.1937)
Date
1937-08-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 67, 24. VIII. 1237 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit« 11 Um das jüdische Buch Wie gestalte ich den Scliabbat? Für Schabbat, 2S. August Wochenabsctinitt: ״Kl Tawo“ (V. B. M 26, 1 — 20, 9) Einige Bibelcrklärcr versuchen, einzelne Epochen der Jüdischen Geschichte entsprechenden Stellen der Strafrede aus unserem Wochenahschnitt zuzuordnen. Wir bringen in folgendem Ausführungen des Nachmanidcs (Kap. 28, V. 4 h): ״Der Ausspruch: ,Gott wird Dich und Deinen König, den Du über Dich setzen wirst, führen hin zu einem Volk, daß Du und Deine Väter nicht kannten‘ weist hin aut unsere Vertreibung nach Rom, als Folge der Verhandlungen Agrippas mit dieser Macht, Es könnte sich aber auch auf Aristonul beziehen, den der römische Feldherr in Ketten schlagen und nach Rom bringen ließ, wo er denn zum Gespött des Volkes wurde... Dann aber kam Agrippa und hat mit einem Gesandten des Kaisers von Rom große Gebiete in Palästina erobert. Darauf bezieht sich nun der Schriftvers: ״Du wirst Deinen Feinden dienen, die Gott gegen Dich geschickt hat, in Hunger und Durst.“ Dann heißt es: ״Gott wird über Dich bringen ein Volk aus der Ferne, vom Ende der Welt, wie ein Adler herabstößt usw.“ Dieses deutet hin auf Vespasian und seinen Sohn Titus, die mit einem großen römischen Heer kamen und alle befestigten Städte im Lande eroberten und das Volk bedrängten. Auch die Mauern Jerusalems eroberten sie, und nur die Mauer des Heiligtums blieb stehen. (Siche die Verse 28, 49 — 28, 56, die im Talmud Oittin 55 ft. auf die Zerstörung des zweiten Tempels gedeutet werden.) Als dann auch Jerusalem erobert war, erfüllte sich der Schriftvers: ״Ihr werdet verstoßen von dem Boden, wohin Du kommst, um ihn zu besitzen. Und Gott wird Dich zerstreuen unter alle Völker, von einem Ende der Erde bis zum anderen“ (V. 28, 63 — 28, 66). Und die Verse, die folgen (66—68), weisen hin auf die Strafe in der Verbannung. I. E. Die Literatur der Haskala (IV) ■Jehuda Leib Gordon j, L. Gordon (1830—1892) war nicht nur ein führender Schriftsteller seiner Zeit, sondern auch einer der größten Dichter der modernen hebräischen Literatur, in seinen Anfängen stand er stilkiiiistlerisch stark unter dem Einfluß Adam Hakohcn Lebensohns sowie seines Sohnes Micha Josef. Ebenso wie ein großer Teil der Aufklärer war J. L. Gordon nicht nur Dichter und Schriftsteller, sondern auch Kämpfer für die Ideen der Haskala, ein geistiger Satiriker und Kritiker seiner Zeit. In seiner Jugenddichtung ״Aliawat Dawid u-Michal“ haben wir eine anmutige biblische Epopöe von der Liebe des jungen Dawid zu der Tochter Sauls Michal. ln ״Dawid 11- Barsilai“ gibt uns Gordon ein lebendiges Kapitel eines episehen Idylls vom Leben Dawids, besonders seiner Flucht nach Machnajiim zu Barsilai während des Aufstandes seines Sohnes Absclialom. In seinen sinnfälligen Fabeln, die er unter dem Titel ״Mischle Jehuda“ veröffentlicht hat, kämpft er gegen die Schäden im jüdischen Leben und verherrlicht die Aufklärung. Im Gegensatz zu seinen Jugenddichtungen besingt Gordon in der Epoche seiner Reife nicht so sehr das Idyll der patriarchalischen Zeit, sondern den Kampf des Volkes um seine Existenz. Hierher gehören vor allem die starken Dichtungen wie ״Osriath bat Potifera“, hauptsächlich die Balladen ״Bein Schinei Arajot“ und ״Binmiiot Jam“. In ״Bein Schinei Arajot“ gibt uns der Dichter ein Stück Vergangenlieft, kräftig in der Diktion und Formgestaltung, ersenütiernd in seiner Vision. Es ist die Zeit des Aufstandes und des verzweifelten Kampfes Judas gegen Rom, den Gordon hier zu verkörpern sucht. Neben der Treue der Liebenden (Balladcn-Motiv) entrollt sich vor unseren Augen das tragische Geschick eines dem Verbluten nahen Volkes. Die so oft aufgetauchte Frage des Intellektualismus formuliert er in der Form: Talmud-Lehrhäuser oder Werkstätten der Handtertigkeit, Kampf ״um die Lehre“ oder sachliche Ausbildung und Kriegskunst? Denn Juda ist, nach der Ansicht Gardons, der überlegenen Kriegskunst Roms unterlegen und der einseitig gepflegte Geist des Lehrhauses hat die Niederlage ver- Eine Mahnung an den Leser Die Aufgabe der jüdischen Wissenschaftler, Dichter, Schriftsteller, Uebersetzer und Bearbeiter ist, jüdische Bücher zu schreiben, die Aufgabe der jüdischen Verleger, sie zu publizieren, der Buchhändler, sie zu verkaufen, des jiidisehen Publikums, sie zu kaufen und zu lesen. Diese Aufgabe ist jetzt klarer denn je. Wird sie erfüllt, so wird nicht nur Luxus geleistet, so können nicht nur Verfasser, Drucker, Verleger, Buchhändler und ihre Angestellten leben, sondern es wird auch eine kulturelle Position geschaffen und gehalten. Wird die Arbeit nicht geleistet, so können nicht nur Verfasser, Verleger und Buchhändler nicht leben, sondern früher oder später muß auch das jüdische Publikum empfindlich darunter leiden. Wenn jüdische Verfasser nicht mehr leben können, so mag das sonst niemand Kopfschmerzen verursachen, zumal man vielfach auf dem Standpunkt steht, die meisten und besten Schriftsteller hätten seit Jahrhunderten nur vom Verhungern gelebt. Ob auch die jüdischen Verleger zugrunde gehen würden, ist eine aridere Frage, die vielleicht nicht tragisch genommen wird, zumal es nur sehr wenige Verleger gibt. Müssen aber die Schriftsteller zu produzieren und die Verleger zu verlegen aufhören, so haben die Buchhändler früher oder später keine Ware mehr zu verkaufen und müssen ihre Läden schließen. Dann verliert das jüdische Publikum praktisch jede Möglichkeit, jüdische Bücher zu kaufen. Was für Bücher? Nicht mir die neuen Gedichte von diesem oder jenem Lyriker, nicht nur den neuen Roman eines vielleicht unter uns zu entdeckenden Genies, sondern auch Gebetbücher, die Lehrbücher für Hebräisch und jiidischc Geschichte, Lexika und die Schulbücher für die jiidischen Schüler. Und wenn auch für diesen und jenen kein Gedicht eines Juden, kein jüdischer Roman und keine Geschichte der Juden zu existieren brauchte, so kann doch selbst der unserer Literatur und dem Judentum fremdeste Jude ohne jene anderen Bücher nicht auskoitimen. Er braucht also den Buchhändler, und darum braucht der Buchhändler den Verleger und der Verleger den Verfasser. Wenn der jüdische Buchhändler aber nur den spezifisch j ii d i s c h - p ä d a g o - gischen und religiösen Bedarf des Publikums zu erfüllen hat, kann er nicht leben, kann er diesen Bedarf also nicht decken; er muß auch den jüdisch-literarischen und jüdisch-wissenschaftlichen Bedarf des jüdischen Publikums decken können. Das katastrophale Mißverhältnis zwischen dem jiidischen Buch und dem jüdischen Publikum stammt nicht von heute und gestern, wir müssen uns, auch wenn es für uns beschämend ist, eingestehen, daß dies Mißverhältnis ein altes Erbstück ist. Es hat zwar seit Jahr und Tag betont jüdische Verlage, Buchhandlungen und Verfasser und es hat immer ein jüdisches Publikum fiir ihre Publikationen gegeben, aber der Kontakt zwischen Ruch und Leser war nicht immer unmittelbar. Der jüdische Buchkäufer ging zum jüdischen Buchhändler von jeher fast nur, wenn er ein Gebetschuldet. Der in diesem Poem geschilderte Abschied des in den Krieg ziehenden Schimon von seiner Geliebten Martha erinnert in vielem an den Abschied Hektars von Andromache aus der Ilias. — In der Ballade ״Bimzuiot Jam“ (In den Tiefen des .Meeres) besingt er den Heroismus der aus Spanien Vertriebenen, und konfrontiert uns den Menschen in der letzten Stunde seines großen, einsamen Kampfes. Zu einem warmen Fürsprecher der jüdischen Frau, zu einem großartigen Schilderer des Ohettoelends, ein leidenschaftlicher Ankläger der unwürdigen Lebensverhältnisse, in denen die jüdische Frau aufwächst, verblüht und zugrunde geht, wird Gordon in seiner berühmten Dichtung ״Kozo sehe! Jod“ (Um eines Jota willen), die wir als einen Roman in Versen ansprechen dürften. Der Dichter kämpft hier gegen die Heucliler und Silbenstecher, gegen die Erschwerungen und die Starrheit rabbinischer Vorschriften. Die falsche Ausbuch oder ein ßarmizwa-Gcscbcnk brauchte. Der jüdisch® Verleger förderte die jüdische Literatur nur in beschränktem Maße. Es ist bezeichnend, daß nichtjudische Verlage es waren, die einst jüdische Standardwerke herausbracliten. Und es ist nicht minder bezeichnend, daß das jüdische Publikum die ihm auf solchem Umweg nahegebrachte, zunächst außerhalb des Judentums akkreditierte jüdische Literatur mit Vorliebe goutierte. Das ist nicht nur bei uns so, sondern auch im Osten, und inan darf es wohl als eine Folge der Assimi» lation ansehen, wenn die Juden ein Mißtrauen gegen jüdische Bücher an den Tag legten. Man hätte dementsprechend erwarten dürfen, daß der Umschwung von 1933 auch ein spontanes Vertrauen ins jüdische Buch und damit zu den jüdischen Verfassern, Verlegem und Buchhändlern gebracht hätte. Das war aber offenbar nur sehr vereinzelt der Fall. Nur spärlich flackerte das Vertrauen der Verleger zu den Autoren auf, und an Stelle einer planmäßigen jüdischen Piihlikationsfiibrung — wie sie auf seinen Gebieten lediglich der Schockcn-Verlag durchliielt — gab es einige Zufallsersdicinungen. Wie wenig Planung und Vertrauen, wie sehr Zufall und Spekulation des Augenblicks entschieden, geht aus folgenden Tatsachen hervor: Verschiedene Verleger ließen Bücher über das gleiche Thema verfassen, andere wiederum ließen literatur- oder judeiitumsfremde Autoren erscheinen, Einmütigkeit in der Disposition, im Vertrieb war weder bei den Verlegern noch bei den Ruchhändlern 711 erreichen, lind die maflgebliehen Organisationen zeigten für die jüdische Bucliprodukfion kein sonderliches Interesse. Die Bttchvereini- Rung schließlich konnte den Bedarf .111 Lesestoff uatur» gemäß nicht decken, vorn Lernstoff ganz zu schweigen. Unter diesen Umständen verseil wanden die Verfasser־, die immerhin Ansätze gezeigt Italien, und erst recht ging das kaum gewonnene Vertrauen de■. Publikums zum jüdischen Buch verloren. Heute ist die Situation betmbemi und beschämend. Es gibt einige Autoren, die ilnickfci tige Bucker in der Schublade haben und vielleicht vor/iiglichi’ schreiben könnten, wenn man sie dazu instand setzte. Es gibt einige Verleger, die das Vertrauen zur Kauflust oder Kaufkraft des Publikums verloren haben und ihre ■ zum Ted mit Recht unverkäuflichen - I.adenli itu r betreuen, aber jedenfalls nicht mehr mitspicleii. Es gibt B u t 11 1! ä n d 1 e r, die nicht mehr genügend gängige Wan■ und mein mehr genügend Abnehmet־ haben. Und es gibt das jüdische Pub! iktim, das gewiß nicht viel (U kl ubrig hat, um Bücher zu kaufen, das aber noch weit weniger Kauflust als Kaufkraft für das jüdische Buch atifztibrrngtn scheint. Ist dies Publikum noch zitrückzttgewmneii, sind die jüdischen Menschen noch dazu zu gewinnen, die dein, jüdischen Buch bisher fremd waren? Wenn es so weiter geht wie bisher, gewiß nicht. Wenn die einzige Parole weiter laissez faire, laisscz passcr lautet, dann ist das jüdische Buch sehr bald passe. Leo Hirsch legung des Gesetzes verurteilt die Frau zu endlosem Leiden, ja zu Vernichtung und Untergang. Die Zeit Oordons war bis in ihre Tiefen aufgeriihrt, von einem Ringen um neue Lebensformen erfüllt. Der Dichter floh nicht vor dem Kampf, sondern setzte sich mit der Zeit und ihren Menschen nuscinniider. Sein glühendes T-emperament kannte keine Schonung, er deckte leidenschaftlich die Schäden des Lebens auf, um eine Atmosphäre der Reinheit und Schönheit im Volksganzen 711 schaffen. J. Ab Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 24. August: llüvcr •um f (1B75K 19,55 11. 21.25: Kotiwrt ffes Runili'mildd:!unI! 1(3:0!; ki<l׳w׳־l T.hiUt, Freitag, 27*August! Ziiil.'li, 21.15: w>:1 fi’U, /,in־!: ii!,(•■:4} — חזהי־ח’!,« :־e-1i׳rn 1m<f livult‘■. Sonnabend,?8. August: D •’> ■:n:in 21.15: D. Li|!in-kaja. BERLINER HANDWERK Asphaltierungen o Pflaster!» nmen Robert Wolfara W1S. 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