Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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23 8.1337 Nr. 66 / Jahrgang 42 Preis 25 Rpi• JÜDISCHE RUNDSCHAU Sdutltlaltmnfr, Verlag n. AnrelgenverwoHimg! Berlin W15, Melnekeetr.lt Fernrafi »1MS1, Telegramm-Adre••«: Orghlp. — Be1ug»pr«i• eiiMchlieSlich Bxtallgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5^9. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung Berlin 71573 (für Groß. Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reith). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Aoapruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gerablter Berugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag and Freitag. Dar Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaltung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) BERLIN י״ג אלוליתרצ״ז FREITAG, 20. AUGUST 1937 Gültig! A.u1eig©nprei»U*to Nt. 5. Die 12 gespaltene mm Zeile 20 Rpf״ fär Familien - Nachrichten 15 Rph Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder au bestimmten Plätzen wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit*- Anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71613 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. ArmahmeschluB für J:- Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, kir die Freitag •Ausg die Der Kampf geht weiter Große Diskussion im Agency-Council RW» Zürich, 19. August. Nach Abschluß des XX. Zionisten-Kongresses wurde am Mittwoch, dem 18. August, die Tagung des Council der Jewish Agency eröffnet. Entgegen den anders lautenden Vorhersagen ist die amerikanische Gruppe der Nichtzionisten mit Feiix War bürg an der Spitze erschienen und hat ihre Gegnerschaft gegen den Peel-Plan proklamiert. Warburg hat am Schluß seiner Rede unverblümt mit dem Austritt ans der Agency gedroht. Die Debatte im Council war ein ״großer Tag“, in mancher Hinsicht bedeutender als die des Kongresses. Die Hauptredner waren Felix Warburg, Schalom Asch, Dr. Magnes, Neville Laski, Mosche Smilanski. Dr. Weizmanns Erwiderung war die beste Rede, die er in Zürich in diesen zwei Wochen gekalten hat. Man hofft, daß eine Beilegung der Krise bis Freitag mittag gelingen wird. RW, Zürich, 19. August 1937 Wer geglaubt hat, daß nach Schluß des Kongresses der Kampf, der diesen Kongreß beherrscht hat, zunächst abgeschlossen ist, hat sich getäuscht. DerKampfgelit weiter. Das wurde schon auf dem Kongreß, also innerhalb der Zionistischen Organisation klar, und bis zum letzten Moment waren viele Jasager bestrebt, ihr Votum und den Kongreßbeschluß so weit wie möglich abzuschwächen und einzuschränken. Die Neinsager vollends greifen zu verzweifelten Methoden, um die zionistische Leitung־ zu diskreditieren. Dazu gehört zum Beispiel die Veröffentlichung des von Mcir ü rossmann auf dem Kongreß zitierten Protokolls über eine Unterredung Weiz m anns in i t Ormsby-Gore in Londoner Blättern (siehe Seite 7 der heutigen Nurnmer — Red.), dazu gehört die Rede, die Ussischkin im Council der Jewish Agency gehalten hat, und in der er in noch schärferer Form als auf dem Kongreß gegen den Teilungsplan Stellung־ nahm, zugleich aber auch die bona fide der Exekutive, d. 11. Weizmanns, in einer .Weise zu diskreditieren versuchte, wie dies sonst wohl nirgends bei der Führung schwieriger außenpolitischer Verhandlungen möglich wäre. Es ist gewiß für die neu gewählte Exekutive keine leichte Aufgabe, gegen einen solchen Ansturin von Illoyalität die übernommene Rolle durchzuführen und Verhandlungen zu führen, die auch ohnedies nicht so einfach wären. Im Council der Jewish Agency ist nun der Kampf in ein zwei t e s St a d i u m getreten. Hier kam eine Nuance zur Geltung, die auf dem Kongreß zu kurz gekommen war, die Stimme derer, die noch in letzter Stunde zu dem Versuch einer Verständigung mit den Arabern raten. Als Wortführer dieser Gruppe trat Dr. Mag n e s auf, zum erstenmal seit vielen Jahren vor einen! großen öffentlichen jüdischen Forum. Seine Anschauungen sind bereits aus dem Artikel bekannt, den er vor kurzem in der ״New York Times“ und anderen Zeitungen (darunter auch in der ״Jüdischen Rundschau“) veröffentlichte. Magnes meint, daß es auch jetzt noch möglich ist, zu V e r - Handlungen über einen bi nationalen Staat im ungeteilten P a 1 ä s t i n a zu gelangen. Wenn das möglich wäre, würden wir — im Gegensatz zu vielen anren Zionisten, die auch zum Teil Magnes׳ Rede durch lärinende Zurufe störten das b e g r ii ß e 11. Denn es würde Palästina ungeteilt lassen und nur die Herrschaft über Palästina teilen. Aber, wie schon kürzlich an dieser Stelle dargelegt, dieser Weg ist ganz aussichtslos, weil weder die Araber noch die Juden ihn wollen und solche psychologischen Tatsachen ebenso unumstößlich sind wie physßche Tatsachen. Das hat der Peel-Bericht richtig erkannt und offen ausgesprochen. Auch die Tagung des Council der Jewish Agency und die Aufnahme der Rede von Magnes muß ihm zeigen, daß dieser Weg praktisch nicht beschreitbar ist, und daher hatte Sinilanski recht, wenn er Magnes entgegenhielt, daß die Trennung der beiden Völker in zwei Separatstaaten ein besserer Weg sei als der Versuch eines Kondominiums. Magnes’ Rede war also in diesem Punkte nicht überzeugend, sie war zum Teil auch etwas zu predigthaft für ein politisches Forum, aber sie enthielt wichtige Gesichtspunkte, die sonst während der letzten zwei Wochen nicht mit dieser Klarheit ausgesprochen wurden, und sie hat das große Verdienst, die Debatte auf ein höheres und grtindsätzliches Niveau gehoben zu haben. Ueberhaupt muß gesagt werden, daß die Diskussion im Council der Jewish Agency diesmal mehr Interessantes und Wichtiges gebracht hat als große Teile der Diskussion des Kongresses. Es hat sich hier auch gezeigt, daß eine eintägige Debatte, die konzentriert vor sich geht, nützlicher sein kann als eine viele Tage sich hiii/iclientjc, bei der das Interesse erlahmen muß und alle Argumente durch Wiederholung abgebraucht werden. Die Council-Debatte gab auch Dr. Weizmann Gelegenheit zu einer Erwiderung, die allgemein als die beste Rede empfunden wurde, die er bisher in Zürich gehalten hat. Er hat, ohne sich zu heftiger Gegenwehr hinreißen zu lassen, die schwachen Punkte in der Haltung seiner Gegner sehr wirksam getroffen und mit der ihm eigentümlichen Eleganz und Einfachheit die wirkliche Lage dargestellt, etwas, was bei diesen Züricher Debatten immer von neuem geschehen mußte, weil im Laufe der Diskussion die Menschen sich leicht ein Bild machten, das nur aus der Phantasie kommt und mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Agency-Tagung steht der schon mehrmals erwähnte Konflikt mit der Leitung der amerikanischen Nichtzionisten. Durch die Rede, die F e 1 i x W a r b u r g als erster Redner in der Diskussion gehalten hat, kam der Oegensatz deutlich zum Ausdruck. Es ist bekannt, daß die Nichtzionisten eine Reihe von Sitzungen ahgebalten haben, in denen die Haltung zum Peel-Bericht und zur Exekutive ausführlich diskutiert wurde, und daß Felix Warburg mit seiner Meinung dort i 11 d e 1־ M i!1 d e r I1 e i t geblieben ist. Die große Mehrheit auch der nidit/.ionistischeii Delegierteil ist der IJeberzeugtnig, daß das e n g 1 i s c!1 e A n g e ■ bot nicht n u s g e s e h I a g e 11 w erde n kann. Felix W'arburg dagegen hat auch noch in seiner öffentlichen Council-Rede mit dem Gedanken gespielt, daß er und seine Freunde sich ans der Agency / u r ii c k z i e 11 e n würden, wenn es zur Annahme des Teilungsplanes bzw. der Kongreß-Resolution kommt. Dieser Gedanke einer Spaltung hat natürlich von Anfang an eine peinliche Note Die Eröffnung der Council-Tagung Bild links: Der Vorsitzende, Lord Melchett, gedenkt der Toten. Auf der Tribüne die Exekutive und der Vorsitzende des Council. Fon rechts nach links; Dr. Kurpf, Professor Brodetsky, Dr. Rottenstreich, Kaplan, Ben Gurion, Lord Melchett, Israel Koken (Sekretär), Dr. Weizmann, Professor Speyer (Brüssel), Ussischkin, Dr. Ruppin, Grünbaum. — Bild rechts: Blick ins Publikum. 2. Reihe Mitte; Felix Warburg (New York), ganz links; Mosche Smilanski (Rechoboth) r»!«: u!« Dtm« ׳.-*יו* 0' (־'