Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1937)
- Date
- 1937-08-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ן., fc 1■ #■ 0 4 ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 64, 13. VIII. 1937 Von der Mandatskommission . Genf, 11. August. (JTA.) Die Ständige Mandatskommis־ sion hat ain Montag die Angelegenheiten der Palästina- Verwaltung ohne Zusammenhang mit den Unruhen erörtert. Der Vertreter der Mandatarniacht, John Hathorn Hall, gab ergänzende Aufklärungen zu dem Bericht der Palästina- Verwaltung für 19JO, und insbesondere zu den Kapiteln über Verwaltungsautoiiomie, Einwanderung, Bodenverkauf, Er«ehungswesen, öffentliches Gesundheitswesen und Arbeit. Eine sehr eingehende Debatte fand über die Einschränkung der Einwanderung während und nach den Unruhen statt. Die Mandatskommission hat am 10. August die Prüfung des Berichtes der Palästina-Verwaltung für 1935/36 abgeschlossen. In der unter dem Vorsitz von Pierre Orts am Nachmittag »!)gehaltenen Sitzung wurde über das Verfahren fiir die Prüfung des Berichtes der Kgl. Kommission gesprochen, das es der Mandatskommission ermöglichen soll, dem Völkerhundsrat eine vorläufige Meinungsäußerung zu den britischen Plänen in Palästina 71! unterbreiten. Der Vertreter der Mandatarniacht John Hathorn Hall wohnte der Diskussion über eine Reihe von Petitionen bei, die der Völkerbundsrat seit 1935 erhalten hat. Die Petitionen hefassen sich hauptsächlich mit rein administrativen Angelegen-!leiten, die sich auf Juden und Araber beziehen. Die politischen Petitionen weiden in den nächsten Tagen geprüft werden. Die Zahl der eingebrachten Petitionen beträgt etwa 100. Man erwartet, daß Koloniemnimster Ü r tu s b y -Gore am Freitag, dem 13, August, zu dem Beginn der Prüfung des Berichtes der Kgl. Kommission nach Genf zurückkehren wird. Dr. A. Katznelson, der Führer der vom Waad Lcumi nach Genf entsandten Abordnung, erklärte, der Vorsitzende der Mandatskommission, Pierre Orts, mul der stcllvertretcnde Vorsitzende Prof. William Kappa rd hätten die Dar- 1 egungen der Abordnung mit großem Interesse entgegengenommen und starke Anteilnahme für die Nöte der palästiiiensisdien Jiulcnhcit gezeigt. Die Aktion des Wand Leumi in Genf habe eine starke Wirkung ausgeübt. In einer Unterredung mit Kolonienminisier () r in s b y - (i o r e seien aktueile Fragen berührt worden. Weitere Unterredungen haben mit den Mitgliedern der Mandatskommission van Hazbek (Holland). Palacios und Graf Penha Garcia stattgeftiüden. Die Palestine Potash Comp. Was wird bei einer Teilung? London, 9. August. (JTA.) Bei der in London abgehaiienen 7. Jahresversammlung der Aktionäre der Palestine Potash Comp. erörterte der Vorsitzende der Gesellschaft, Lord I.vtton, die Auswirkungen einer etwaigen Teilung Palästinas auf die Lage der Potash Comp. Der Redner «des darauf hin, daß die Konzession der Ciesellschatt vollständig in dem geplanten Araberstaat liegen würde, wenn die Vorschläge der Kg!. Kommission verwirklicht werden. Die Kommission schlage vor, daß alle Verpfliditungeri und Privilegien, die die Regierungen Palästinas und Transjordaniens auf Grund des Konzessionsvertrages haben, an den Araberstaat übergehen und daß alle Rechte, Privilegien und Verantwortlichkeiten der Gesellschaft von dem neuen Staat vertraglich bestätigt werden sollen. Selbstverständlich werde die Gesellschaft durch die aufgeworfenen Fragen stark berührt. Man müsse sicli aber vor Augen halten, daß der Teilungsplan nur durch Ver■ träge zwischen den drei beteiligten Parteien zustande kommen und durch den Völkerbund bestätigt werden muß. Im Laufe der Verhandlungen über diese Verträge würden notwendigerweise viele Einzelheiten erörtert und korrigiert werden. Das Direktorium der Palestine Potash Comp, halte in dieser Sache Fühlung mit der britischen Regierung und werde alles tun, um die Interessen der Gesellschaft wahren. 1111 Anschluß an diese grundsätzlichen Ausführungen staltete Lord L y 11 o n den Geschäftsbericht. Er stellte fest, daß cs gelungen ist, die vorjährige Unterbilanz in eine aktive Bilanz tnu/nwaiideln, die mit einem Ueberschuli von 617 Pfund ah-chliHit. Der Absatz der Produkte wäre keinen Schwierigkeiten begegnet. Die Ausdehnung der Arbeit aut das Stidende de« Sees habe befriedigende Fortschritte gemacht. Fs wurden dort 100 004) Tonnen Rohpottasehe, sogenannter Karnalit, von besonders guter Qualität gewonnen. Die Rohsalze biieben 1 <)'36 bis zur Fertigstellung der Fabrik, der Wasserleitung und anderer Anlagen in den Verdünstung.«- hecken. Jetzt hat die Fabrik den Betrieb aufgenommen, die Pottasche-rrzeisgung im Süden begann Ende Mai 1937. Die Potta-che-f abrik am Nordende des Sees, die zwei Jahre lang ununterbrochen in drei Schichten gearbeitet hat, wurde im Erü'rahr PH7 vollständig erneuert. Nach dem Bericht des kitenden Direktors haben sich die salzige Luft und die ätzenden Eigimschaften der bearbeiteten Chcmikaliett auf die Anlagen weniger ungünstig ausgewirkt, als man erwartet hatte. zu er- Kleine Nachrichten Die Kongrcßsitztingen, die bisher öffentlich stattgefunden haben, sind verfilmt worden. Die palästinensische Filmgesidlschaft ,.K a r m H - F 11 nr bat Mitarbeiter nach Zürich entsandt, die auch die weiteren öffentlichen Sitzungen des Kongresses atifnehincn werden. Die Aufnahmen wurden sofort mit Flugzeug nach Palästina weiterbefördert, so daß cs möglich sein wird, noch in dieser Woche den Filmstreifen von der Eröffnungssitzung des Kongresses in den Kinos Paläslinas zu zeigen. Bei den Firmen Wert heim A.-O. und A. Wertheim G. m. b. Fl. ist Georg Wertheiin aus dem Aufsichtsrat und Fritz Sternberg aus dem Vorstand ausgeschieden. Die Firma Osteroder Mühlen werke, G e b r. Giltst ein, in Osterode (Ostpr), ist in arischen Besitz tibergegangen und firmiert jetzt Albert Millenet, Osteroder Mühletnverke. Die Firma Horwitz & Sohn in Gleiwitz ist in arischen Besitz übergegangen und firmiert jetzt Elektrohaus Gleiwitz. _ Das Verfahren für die Annahme an Kindesstaft und die Unterbringung von Kindern in Pflege ist vom Reichs- und Preußischen Innenminister neu geordnet worden. Ist ein Vertragsteil Jude oder mit einem Juden verheiratet, der andm Vertragsteil deutsehblütig oder Mischling zweiten Grades, so ist nach den neuen Bestimmungen der Bestätigung des Annahmevertrages durch die höhere Verwaltungsbehörde zu widersprechen. Ist ein Vertragsteil Ausländer, so ist zunächst dem Minister zu berichten. Ist ein Vertragsteil Mischling ersten Grades, der andere deutsehblütig oder Mischling zweiten Grades, so ist unter Beifügung der Vorgänge an den Minister zu berichten. Ist ein Vertragsteil Mischling zweiten Grades, der andere deutsehblütig, so ist davon anzusehen, aus diesem Grunde der Bestätigung zu widersprechen. Ist «in Vertragsteil zwar nicht Jude oder jüdischer Mischling, aber sonst ganz oder teilweise fremdblütig, so ist an den Minister zu berichten. Das gleiche Verfahren gilt für die Unterbringung von Kindern in Pflege. Die Diskussion geht weiter Palästina und die englische Oeffentlichkeit Von unserem Berichterstatter J. K. London, 8. August In London haben die politischen Sommerferien begonnen. Das Parlament ist auf Urlaub gegangen und wird sich erst wieder Ende Oktober zu seiner neuen Session versammeln. Ein Teil der Minister hat die Hauptstadt verlassen. Der Schwerpunkt der Ereignisse uni den Palfistinabcricht hat sich nach der Schweiz verlagert, und die dort stattfindenden Verhandlungen werden von der gesamten englischen Presse mit größtem Interesse verfolgt. Dabei ist bemerkenswert, daß der Zionistenkongreß und die K״Hen Weizmanns weit mehr Beachtung finden, als die Sitzungen der Mandatskommission in Gent. Weizmann gehört, besonders nach seiner bedingten Annahme des Teilungsplanes, heute zu den in London am meisten genannten Namen, und die Zeitungen widmen seiner Persönlichkeit längere Artikel. Unterdessen geht die Auseinandersetzung, die hier durch die Veröffentlichung des Kommissionsberichtes hervorgerufen wurde, weiter. Die Palästinafrage ist, wie cs kürzlieh ein prominenter Engländer ausdrückte, zum Rang einer der wichtigsten Probleme der englischen Politik erhoben worden. Für sie interessieren sich jetzt nicht allein diejenigen, die mit ihr direkt in Berührung kommen oder nur solche, die mit Juden oder Arabern sympatisieren. Palästina ist in den letzten Jahren, besonders nach der ״Entdeckung" Haifas, in die britische Interessensphäre gerückt. Es ist das Schicksal solcher Probleme, diskutiert zu werden. Und der unerwartete Verlauf der Parlamentsdchattc, von der man annahm, daß sie allen weiteren Spekulationen ein Ende setzen würde, hat die Diskussion eigentlich erst in Gang gebracht. Rückblickend glaubt man zu verstehen, warum es zu diesem scheinbar überraschenden Ergebnis in Westminstcr kam. Es wäre in der Tat merkwürdig gewesen, wenn es anders gekommen wäre. Das allmähliche Reifen einer Politik durch Diskussion, Zeitgewinn und Abwarten, das ist englische Art Die Bildung von Staaten ist eine Sache, der in anderen Teilen des Britisch Empire lange Jahre des Experimentierens und des Uebergangs vorausgegangen sind. Aber Palästina ist ein Fall für sich, und man darf nicht annehmen, daß die englische Politik sich nach bestimmten Regeln festlegeri läßt. Manchmal scheint es, als ob die Regierung, mit Rücksicht auf die Lage in Palästina und in der Welt, die Empfehhingen der Peel-Kommission schneller akzeptiert hat, als cs ihr selber lieb war und daß sie deshalb sich nicht ungern den Anträgen Winston Churchills und Llovd Georges fügte, obwohl das einen empfindlichen Prestigeverlust kosten mußte. Das Haus folgte Lloyd George und Churchill nicht wegen ihrer zionistischen Sympathien —• darin sollte man sich auf jüdischer Seile keinen Illusionen hingeben, wie es so oft geschieht. Das Haus folgte ihnen einstimmig, weil die beiden Männer sich liier zu Vorkämpfern englisch-politischer Methoden machten. Die Regierung erkannte bald, worum es hier ging, und gab nach. Es war keine Frage Palästinas allein und keine Frage der Parteien. Die Palästinadebatte wird in den Annalen des englischen Parlamentarismus fortleben, nicht nur wegen ihres Niveaus und der besonders starken Teilnahme, sondern als Markstein für die Unabhängigkeit des Parlaments gegenüber der Regierung. Oie Diskussion geht weiter. In den Klubs, in den wichtigsten Zeitschriften,!11 den Briefen an die Herausgeber der großen Tageszeitungen rangiert Palästina an prominenter Stelle. Oft greifen Engländer, Juden und Araber (letzter־« durch das Londoner Palestine Information Centre) in dieselbe Debatte ein. Aber nicht, daß in solchen Fällen versucht würde, eine gemeinsame Basis herauszuarbeiten, obwohl es dafür in London bessere Gelegenheit geben würde als irgendwo sonst. Jeder versucht, die Oeffentlichkeit von der wahrheit seines Standpunktes zu überzeugen. Die Araber haben auf diesem Gebiete viel gelernt, und der Einfluß der arabisehen und proarabischen Propaganda macht sich immer mehr bemerkbar. Der Eindruck, den diese Auseinandersetzungen auf den durchschnittlichen Engländer machen, kann nur der sein, daß es sich hier um einen unversöhnlichen Gegensatz zweier Völker handelt. Der Bericht der Untersuchungskommission hat die Judenfrage in ihrer ganzen Komplexität aufgcrollt. Und es ist als großer Fortschritt zu verzeichnen, daß von keiner Seite mehr die Palästinafrage diskutiert werden kann, ohne gleichzeitig auf die Judenfrage besonders in Ost- und Mitteleuropa einzugehen. Die Araber haben diese psychologische Tatsache schnell erkannt und lassen keine Gelegenheit Vorbeigehen, ohne ihre Sympathien für die Juden zum Ausdruck zu bringen, wenn sie nicht gar versuchen, außerpalästinensisehe Lösungen vorzuschlagen. Auch die englischen Förderer der arabischen Nationalbcwegung oder, was bisher damit identisch ist, die Gegner des Zionismus können sich nicht dem Ernst der jüdischen Lag« entziehen. So sind in letzter Zeit wieder verstärkt von dieser Seite Vorschläge aufgetaucht, die Einwanderung von Juden nach den unbesied e 11 e!1 Gebieten des Empire zu erleichtern. Colonel Newcotnbe, ein prominentes Mitglied des Palestine Information Centre, wird nicht inüde, diesen Gedanken immer wieder zu propagieren. Sir Arnold Wilson vertrat denselben Standpunkt in der letzten Palästinadebatte. Der Abgeordnete und Journalist Beverley Baxter ging sogar soweit, die Errichtung eines jüdischen Freistaates vorzuschfagen. Alle diese Pläne, soweit sic ernst gemeint sind, können von jüdi- ־scher Seite nur begrüßt werden, gleichgültig welche Motive ihnen zugrunde liegen. Aber sie sind nicht geeignet, von der Palästinasache ab/ulcnken. Der einzige beachtenswerte Vorschlag, der bisher bd diesen Diskussionen zutage gefördert wurde, stammt von Leonhard Stein. (Wir haben hierüber bereits in Nr. 63 kurz berichtet. Red.) Stein ist der Meinung und hat sie bis zum Kongreß mehrfach vertreten, daß die Juden einstweilen für einen eigenen Staat noch nicht reif seien, ganz abgesehen von den bekannten Nachteilen des von der Kommission vorgcschlagcncn Judenstaates. England solle daher für die Juden ein neues Mandat übernehmen. Und um die Schwierigkeiten der bisherigen Mandatsführung zu vermeiden, solle Zentralpalästina mit Transjordanien zu einem unabhängigen arabischen Staat vereinigt werden. Wenn dann ein großer Teil der Araber politische Unabhängigkeit genießen werde, werde die Mandatsregierung keinen Grund haben, die jüdische Einwanderung in das iibriggebliebenc Palästina künstlich, aus sogenannten' politischeu Gründen zu beschränken. Dieser Plan würde im großen ganzen einer neuen Balfour-Deklaration für das so verkletnette Palästina glcichkotnmen. Salzburg 1937 In den ersten Jahren der Salzburger Festspiele, vor einem Jahrzehnt etwa, war es immer wieder ein Ausruf der Begeisterung: man werde eines Tags den Initiatoren und Meisteril der ״Festivals“, nämlich Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt, Bruno Walter, an der Salzach ein Denkmal errichten. Man fügte hinzu: dann, wenn sich die imvohncrzahl Salzburgs dank des Fremdenzustroms würde evdoppelt haben! Im vorigen Jahr war es so weit. Es wurden im Festspiel-Monat 1936 genau 35 073 Fremde registriert. In diesem Jahr jedoch wurde dieser Rekord noch beträchtlich übersteigert: am Stichtag 1937 waren 41 730 Fremde angekommen, darunter —- und darauf ist die Festspiel-Leitung ganz besonders stolz — 2442 Amerikaner (70 Prozent mehr als im Vorjahr). Salzburgs Einwohnerzahl hat sich also in diesen Wochen mehr als verdoppelt. Vorerst haben die Salzburger bewiesen, daß sie Wort halten; und die Festspicl-Gäste durften in diesen Tagen erkennen, daß die Prophezeiung, die vor zehn Jahren noch scherzhaft gemeint war, sich soeben erfüllt hat: das erste Denkmal, dasjenige für H o f in a n n s t h a 1, ist am achten Todestag des Dichters in Salzburg enthüllt worden. Toscanini dirigierte die neu inszenierte ״Zauberflöte“ (mit Alexander Kipnis als Sarastro); außerdem ״Fidelio“, ״Falstaff“ und die ״Meistersinger“. Bruno Walter: ,,Euryanthe“, ״Don Giovanni“ und ״Orpheus und Eurydike“; die Premiere des ״Figaro“ steht bevor. Eine Attraktion ersten Ranges war wiederum der Liederabend der Lotte Lehmann. Sie ist nach wie vor der große Star. An ihrem Abend trug sie zum ersten Male den Orden, die ihr kurz zuvor verliehene Auszeichnung der österreichischen Regierung. Max Reinhardt war bereits am 20, Juli, via Paris, aus Amerika eingetrolfen. Konnte man im vorigen Jahr häufig — halb im Scherz, halb aber auch ernsthaft — die Frage hören, ob der ״Professor“ wirklich die weite Reise gemacht habe, nachdem ״jedermann“ und ״Faust“ doch ohnehin seit langem ״stehen“, ob er’s denn auch persönlich sei, der sich am Schluß verbeuge, so wußte man diesmal, daß insbesondere der ״Faust“ neu und gründlich probiert würde. Auch jetzt wieder erwies sich wie stets seit dem ersten Fcstspieljahr (eigentlich sogar seit 26 Jahren), Hofmannsthals ״Jedermann“ als unumstößliche und von Anbeginn an überzeugende Manifestation des tragisch-mystischen Theaters. Immer von neuem ist dieses ״Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ ein erregendes und erschütterndes Erlebnis, das durch keine Rollen-Umbesetzung (etwa des ״Tod“ mit Berghof) in Frage gestellt wird, und auch nicht durch die, auch in diesem Jahre wieder vom echten Salzburger schlechten Wetter erzwungene Verlegung vom Domplatz auf die optisch und akustisch immerhin stark reduzierende Guckkastenbühne. Nach Moissi, dem ersten und sozusagen klassischen ״Jedermann“, mochte die artistische Stabilität der Inszenierung bezweifelt werden. Indes haben sich Werk und Gestaltung in den Jahrzehnten geradezu als der Idealfall einer dramaturgischen Zusammenarbeit von Autor und Regisseur erwiesen. Keine Rollen-Umbesetzung, selbst nicht Moissis Abgang hat je diese überzeugende Aufführung beeinträchtigen können (deren Stil so sehr eine Selbstverständlichkeit scheint, daß überall, wo ״Jedermann“ gespielt wird, kein Regisseur auf die Idee käme, etwa Reinhardts Regiebucti und Vorbild nicht zu benutzen). Auch in diesem Jahr wieder hat Salzburg einen neuen ״Jeden• mann“: diesmal einen herben, init Ellbogen sich saftig ins Leben stürzenden Kerl, ganz das Gegenteil von Moissis lyrisch beseelter Gestalt, und auch diesmal stimmte es, wie noch immer seit Dezember 1911, als das Mysterium — auf Reinhardts Initiative von Hofmannsthal, gewissermaßen ״auf Bestellung“, für ein Theater von Riesenausmaßen geschrieben — im damaligen Zirkus Schumann iiraufgcfiihrt wurde. Seitdem hat sich an der Inszenierung nichts verändert. Sie lief über große und kleine, über gedeckte und über Freilicht- Bühnen, auf Plätzen, Terrassen, in und vor den Kirchen; und sie lief unverändert in vielen Ländern: sie hat jedoch stets und überall den ursprünglichen genialen Einfall bestätigt. Man sprach jetzt viel, auch in der Presse, von einem ״Jedermann im Frack“, der irgendwo — die Einen sagen: in Budapest, die Anderen: in Wien — seinen Abendanzug nach dem dernier cri bereits bestellt habe und allen Ernstes schon in den Anproben stecke. Es ist allen Ernstes wiederum eine der Salzburger Enten, die in jedem Jahr zwisehen den abendlichen Festen, an Stammtischen und auf Spaziergängen geboren werden und dann in allerlei Gewandung — warum nicht auch mal im Frack — in die Welt fliegen. Auch das vielerörterte Projekt von ״Ueber-Fcstspielen“ in Los Angeles, wohin aus Hollywood die Prominein samt erstklassiger Komparserie, und aus Salzburg das echte Barock verfrachtet werden sollen, um alljährlich als gigantische Schau einem ebenso Superlativen Publikum vorgeführt zu werden, auch diese Ente gehört zu den barocken Phantastereien, die in jedem Juli in dicken Bündeln durch die wunderschöne Landschaft segeln. Dagegen kann versichert werden, daß jenes Bauer n-Theater des Salzkaminerguts, wo in Mondsee Hofmannsthals ״Jedermann“, ins oberösterreichische Idiom übersetzt, von einheimischen Dilettanten Swird das Werk in der Sprache, iin Kostüm und gewiß auch im Stil seiner Heimat inszenieren. Man kann sich gut vorstellen, daß das Experiment gelingt, eben kraft dieser Stil-Einheit (während Hofmannsthals Original-Diktion im modernen Abendkleid nur eine groteske Stilwidrigkeit und deshalb eine Unmöglichkeit wäre). Eine Tatsache ist nun auch, was lange nur ein Gerücht war, daß Max Reinhardt in Wien inszeniert, und zwar zunächst die amerikanische Komödie ״Wo in eil“, ein Stück mit ausschließlich, dafür aber gleich mit nicht weniger als 43 Frauen-Rollen. Die Vorproben im Theater in der josefstadt, mit Helene Thimig, beginnen demnächst Die Premiere ist für Ende September angesetzt. Bedeutet es die Wiederkehr, oder nur ein europäisches Gastspiel Max Reinhardts? Man weiß seit langem, daß in Wien Kräfte sich bemühen, dem Wiener Theaterleben durch die Gewinnung einer zentralen Persönlichkeit Impulse zu geben. Andererseits müssen Reinhardts Film-Projekte infolge der hemmenden Einwirkung der kommerziellen Kräfte, die ja schon oft Reinhardts künstlerische Souveränität lähmten, ein!- gemäßen problematisch erscheinen. —o« In Buenos Aires gastieren Jizchak Feld und Lola Spielmann in der Operette ,',Pinie von Pintschew“ im Ambu- Theater, P. Bursztyn und Lilian Fuchs im Exelsior in ״Der Komödiant“. Die Premiere im Ambu-Theater ist auch durch Rundfunk gesendet worden, es war die erste Rundfunk- Übertragung eines vollständigen jiddischen Theaterabends in Argentinien,; - ■ - mämm