Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1937)
- Date
- 1937-08-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64,13. AUGUST 1937 Die Umwelt Palästinas Die Haltung der arabischen Länder Von Dr. Joseph Gottlieb, Berlin (z. Zt. Helouan) Daß die Führung der arabischen Bewegung in Palästina, die im Obersten Arabischen Komitee zentralisiert ist und (trotz mancher Gegenströmungen) entscheidend vom Mutti beeinflußt wird, den Teilungsvorschlag schroff ablehnen würde, war bei der extremistischen Einstellung dieser Kreise vorauszusehen. Und ebenso war vorauszusehen, daß die arabische Führung sich nicht damit begnügen würde, zu protestieren und im Lande zu agitieren, sondern versuchen würde, die arabische Welt außerhalb Palästinas zu inobilisieren. Fast scheint es sogar, daß dies ihre einzige Hoffnung gewesen ist, da die Maitdatsregicnmg diesmal — gestützt auf die vorhandenen genügenden Machtmittel —■ sich fest entschlossen zeigte, etwaige terroristische Ausschreitungen_ nicht zu dulden. Haben sie doch offen mit einem ״antibritischen Boykott vom Mittelmeer bis zum Indischen Ozean‘‘ gedroht, falls der Teilungsplan ausgefiilirt werden würde. 1111 wesentliehen kann man schon heute überblicken, ob diese Hoflnung auf Unterstützung von außen tatsächlich berechtigt war und in welcher Form sie sich etwa auswirken kann. Die Telegramme des Mufti Bereits unmittelbar nachdem die Empfehlungen der Kgl. Kommission und das Statement des britischen Kabinetts veröffentlich! worden waren, beeilte sich das vom Mufti priisidierte Komitee in Jerusalem Telegramme an alle arabischen Fürsten und Führer zu versenden, in denen sic ״im Namen Gottes und der Religion“ angerufen werden, gegen die beabsichtigte Teilung Palästinas zu intervenieren. Dieser feierliche Appell wird geschickt damit bcgründet, daß ״dieses Land nicht den palästinensischen Arabern allein gehört, sondern der gesamten arabischen und liiosiemitischcn Welt“. Interessant ist es nun, daß das Echo der arabischen Umwelt auf den Hilferuf aus Jerusalem sehr gedämpft klang. Trotz allen Kundgebungen, die mit der arabischen Protestbewegimg in Palästina sympathisieren, ist festzustellcn, daß — vom arabischen Standpunkt aus gesehen — keine politische Macht vorhanden ist, die bereit und in der Lage wäre, Englands Palästinapolitik von der eingeschlagenen Linie abzubringen. Emir Abdullah Seltsamerweise ging eines dieser Kabel auch nach A m - man, der Residenz Transjordaniens, wohin gerade der Emir Abdullah von seinem Besuch in London zuriiekgekehrt war. Seltsam deshalb, weil alle Welt wußte, daß der Emir als ein besonderer Freund Englands gilt und den Teiltmgsplan, der ihm erheblichen Land- und Machtzuwachs bringen soll, von vornherein unterstützt hat. Und weil die arabischen Extremisten in Palästina und besonders der Mufti ihn seit langem aufs heftigste bekämpfen, indem sie ihm Verrat an den arabischen Interessen und schlimmeres vorwerfen — hat doch sogar der Propagandachef des Mufti — übrigens ein Verwandter von ihm — Jamal Hussein! in einer öffentlichen Versammlung in London den Emir als ״agent of the English Forum“ bezeichnet, was natürlich von verschiedenen nachfolgenden Rednern zumckgewiesen worden ist. Emir Abdullah zögerte nicht mit einer Antwort, die wohl als erste beim Komitee in Jerusalem eintraf und die sehr diplomatisch gehalten war. Er wies nämlich darauf hin, daß der Bericht von einem tiefen Ernst sei und es wohl verdiene, sorgfältig studiert zu werden. Das war weder ein für noch ein wider —■ aber für die, welche Bescheid wußten, eben doch ein für. Aber das Arabische Komitee war dennoch über die Deutlichkeit erschrocken, als die Presse meldete, daß der Emir einem Reuter-Korrespondenten gegenüber sich dahin ausgesprochen batte, daß die Teilung ״die einzige Lösung“ sei. Es telegraphierte sofort an den Emir, ob diese Meldung richtig sei, ohne allerdings eine Bestätigung oder ein Dementi zu erhalten. Der Emir erklärte aber auch etwa gleichzeitig einem Korrespondenten des ״Daily Telegraph“ in einem Interview, daß er ״natürlich über die beabsichtigte Teilung Palästinas enttäuscht“ sei. Immerhin fügte er hinzu, daß der Teilungsplaii unter der Voraussetzung gewisser Aonderungen akzeptiert werden sol.te, o,. .nsehenswerte Abänderungen vom arabischen Standpunkt aus bezeichnet(: er, daß die jüdische Insel südlich Jaffa und der Jerusalem-Jaffa- Korridor dem arabischen Staat angegliedert werden müßten, wobei das Gebiet des Korridors der englischen Mandatsaufsicht unterstehen mag. Es ist klar, daß diese Erklärung nur diplomatischen Charakter hat und mehr an die Araber als an England gerichtet ist. Ibn Saud Unser Interesse wendet sich nun zum größten der arabischen Fürsten, zum König 1 b n - S a 11 d, dein Beherrscher Saudi-Arabiens. Der König zögerte zunächst etwa eine Woche mit der Antwort. Unterdessen brachte die Presse die lakotiische Notiz, daß der Kronprinz Saud, der seinen Vater bei den Krönungsfeierlichkeiten in London vertreten und seinen Aufenthalt in England, was viel beachtet wurde, sehr ausgedehnt hatte, eine längere Unterredung mit Minister Eden hatte, ohne daß über <le11 Inhalt dieser Unterredung etwas Näheres mitgeteilt wurde. Alsdann wurde die Antwort ihn Sauds bekannt, die dahin lautete, daß ״Palästina seine größte Aufmerksamkeit in Anspruch nehme und daß er keine Mühe scheuen werde, 11115 eine gerechte Lösung zu finden". Dieser zweideutigen unverbindlichen Antwort entspricht eine ausweichende Erklärung, die der Kronprinz einem arabischen Korrespondenten in London gegeben hatte, ln diesem Zusammenhang muß auch beachtet werden, daß der Engländer Pliilbv, wohl heute der beste Kenner Arabiens und Berater und Freund Ibn Sauds, in der englischen Presse den Teihmgsvorschlag der Kgl. Kommission besonders warm befünvortet hat. Alle diese Umstände sprechen dafür, daß Ihn Saud mit der Palästinapolitik Englands einverstanden ist oder zumindest nichts unternehmen wird, um der Ausführung■ des Teilungsplans Schwierigkeiten zu bereiten, Aegypten Es ist nicht bekannt geworden, ob das Oberste Arabische Komitee auch Telegramme an die führenden Männer Aegyptens gesandt hat, Es kann aber als sicher gelten, daß das Komitee es nicht verabsäumt hat, auch 111er Verbindungen aufznnchmen, um die Unterstützung dieses größten, am meisten entwickelten^ 11ml reichsten arabischen Landes, das soeben durcii die Konvention von Montreux seine volle Souveränität erlangt hat, zu erhalten. Indessen läßt sieli schon heute sagen, (laß die arabischen Extremisten kaum derartige Hoffnungen nähren können. Gewiß hat cs auch hier nicht an Kundgebungen' zugunsten der arabischen Sache in Palästina gefehlt. So hat sich in Kairo kurz nach Bekanntgabe des Teilungsplanes ein ״Ausschuß zur Verteidigung Palästinas“ gebildet, dem allerdings keine ofli/iellen Persönlichkeiten angeboren. Dieser Ausschuß hat in einem Meeting eine radikale Resolution zur Annahme gebracht, die in eine scharfe Verurteilung der britischen Palästinapolitik, der vergangenen und heutigen, ausklingt. — Ferner hat der frühere Ministerpräsident und Füllrer der Opposition, Moliamed Mali in ״ml Pascha, ein Sympatliietelegrainni nach Jerusalem gesandt, in dem er empfiehlt, sich ״auf die Versprechungen 11ml Vereinbarungen von P)13“ zu berufen (d. 11. das Mac-Malum•Versprechen). Die Beziehung Mahmntid Paschas zu den arabischen Nation,alisten Palästinas ist nicht neu: ein arabischer Historiker, ist er von ihnen im Jahre 1VJ0 als Sacliversfämliger vor die sog. Klagcmauerkomniission des Völkerbundes zitiert־ worden. Aber was das 1 aitsclu ulende ist: die ägvptKche Regierung hat durch ihren I'remicr N a 11 a s Pasch :1 zu erkennen gegehen, daß sie vorerst nicht die Absicht hat, offi/iell in den Konflikt eiii/ugri'ifvii. Aus Anlaß der!literpcllntiol! eines Senatois, der von ׳Irr Regierung eine FrU,innig da rüber verlangte, ,.inwieweit sin mit Rücksicht auf die führende Stelhing Aegvpteus unter den arahischcn!,ändern bereit sei, die Vcrpiiiclihingcii ,ans dieser 1'uhrerseli;! it im 11inblick auf Palästina zn iibernrhinen“, gab der Mini-terpiaddent im Senat eine 11 1׳ k! ä r 11 11 g ab, die im wesentliclim etwa folgenden Inhalt hatte: daß die Regierung giaimisatziieli es nicht für klug halte, ihre Zir‘c und Absichten bekannt zu geben, bevor sie einen bestimmten Schritt unternehme; daß er hinsichtlich Palästinas ständig mit dir englischen Regierung in Vertundung stelle 11ml dali der arabischen Sache in Palästina am besten damit gcdii'iU sei, wenn er seine diplomatischen Bemiilmiigcn forisetzr; daß es schiießiich weder im Interesse Aegvpteus!10111 Palästinas liegen könne, die Frage /um Gegenstand einer [)chatte zu machen, liier,auf wurde die Interpellation, ohne doli cs zu einer Debatte kam, zurückgezogen. Man kennt die aiisge/eiclnicteii Beziehungen zwischen I n״!,and und Aegvpten und man kann daher sagen, 'daß es ais ausgeschlossen gelten muß, daß die ägvpUsehe Regierung irgendetwas unternehmen wird, um die englische Politik in l’alästina zu stören. Irak Gewisses Aufsehen erregte es, daß der irakische Regierungschef!1 a k m e t B e v Soli m a 11 —• übrigens kein Araber, sondern ein Kurde — sich in scharfen Worten gegen den Tcitungsplan wandte und verlauten ließ, daß die Regierung des Irak offiziell bei der britischen Regierung protestieren wird. In diesem Sinne kabelte der Ministerpräsident auch an das Arabische Komitee, und zwar ausdrücklich ״als Haupt der Regierung des Irak“. Es blieb nicht allein bei den Worten des Ministers, sondern es wurden antijiidische und antienglische Demonstrationen in Bagdad veranstaltet. Indessen fiel es auf, daß der König Ghnsi, an den doch in erster Linie Was es in Palästina, aber nicht in Europa gibt daß ein Esel Ersatzreifen hat daß ein Esel mit Toilettenpapier spazieren geht daß die Straßenhauaufseher während der Arbeit Schach spielen nmm^4Mu daß man beim Filmen von Beduinen umgehen ist •ÄSf-.’värsi daß ein Milchjunge so aussieht daß jemand auf einmal 30 Benzinkanister trägt. Text und Fotos: M. V. Üen-Gavriel, Jerusalem