Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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jüdische Rundschau Nr. 62, 6. AUGUST 193* Aus dem Nachlaß Arthur Schnitzlers Sechs Jahre nach dem Tode von Arthur Schnitzler erschien eine ״A b e n t e u r e r - N 0 v e 11 e“ in dem Wiener Verlag Bermann-Fischer. Es ist ein Fragment, und wenn nicht ein einziges, so doch ein seltenes; denn es läßt sich nicht voraussetzen, daß viel Bruchstück und Unvollendetes in dem Nachlaß eines Dichters vorhanden ist, der wie wenige die Gabe des Abschließens, des Fertigmachens besaß. Die breiteren Erfolge hatte Schnitzler als Dramatiker und zuweilen auch als Romanschriftsteller; aber die Novelle, mit der er ja auch anfing, blieb ihm eine Liebhaberei, zu der er gerade 1m Alter mit vermehrter Passion zurückkehrte. Richtig verstanden, ist die Novelle eine aristokratische Form der Literatur, die nach einer alten Tradition einen dem Autor ebenhurtigen Leser voraussetzt, die mit anscheinendem Gleichmut von Tatsache zu Tatsache schreitend ihm noch manches an selbständiger Deutung überläßt. Eine der letzten Dichtungen Schnitzlers ״Casanovas Heimfahrt“ war ein Meisterwerk in dieser straffen, glattgezogenen Art und eins der edelsten Prosastücke, die je in einer europäischen Sprache gebildet worden sind. Wem sie nachklang, der vernahm da auch die herbstliche Klage des älteren, des überreifen Mannes, der von seiner Jugend Abschied nimmt. Diese ״Abenteurer-Novelle“, ohne die melancholischen Furchen solchen Erlebens, ist vielleicht noch härter gegossen, schlank, schmal, stichhaltig wie der Degen, den der junge Anselmo Rigardi führt. E>ie Florettkunst ist die einzige Meisterschaft seiner Jugend, und der Dichter, der sonst ein Friedliebender war, hat immer eine gewisse Vorliebe für blitzende Klingen und schön ausgeführte Zweikämpfe gehabt. Die Erzählung setzt um 1530 ein; die Pest hat aas Städtchen Bergamo verödet. Der junge Rigardi, aus einer alten verarmten Familie, ist plötzlich ohne Eltern, ohne Freunde und ohne alle Bindung. Aber der Verlust gibt ihm auch das Gefühl der Freiheit dessen, der nichts hat, es sei denn der Einsatz seines jungen Lebens. So muß ihm das Abenteuer begegnen, und es bietet sich ihm auch bereitwillig nach solchem entschiedenen Aufbruch. ״Du bist nicht geschaffen zu bleiben, wo es auch sei, und wärst du es, so hätte ich dich nie geliebt.“ So entläßt ihn am Morgen die wohlbehütete Tochter und Jungfrau, die er in der Nacht erobert hat. Ihr Vater ist ein alter Magier und Astrolog; er sagt Anselmo seinen baldigen Tod voraus. Mit dieser glänzend geführten Szene bricht die erhaltene Erzählung ah. Die Aufzeichnungen des Dichters lassen einen stürmischen Verlauf des seinem Helden gegönnten Jahres lind eine dichte Kette von Abenteuern vorausschen. Der junge Anselmo erobert ein Fürstentum, aber er führt sein Ende selbst herbei, weil er den vorausgesagten Tod nicht mehr erwarten kann. Die ausgeführte Novelle hätte gewiß ein glänzendes Bild der Renaissancezeit ergeben, in aer das Leben selbst mit viel Mord und Gift schon ein Abenteuer war, aber wenn das Wunderbare hier den Schicksalsfaden abzuschneiden scheint, so ist es nicht ein Liebernatürliches, sondern die Entscheidung liegt in einem Souveränitätsrecht des kühn gearteten Menschen, der das ihm gemäße Schicksal schmiedet und zum letzten Gang herausfordert. Arthur Eloesser Ein jüdischer Handwerkerroman E. Worllk: Der Fahnenreiter von Prag. Kulturroman aus dem Prager jüdischen Zunftleben. Bearbeitet von A. Grotte. — Brandussche Verlagsbuchhandlung, Berlin. Der Jude als Handwerker: er ist uns in seiner ostjüdisehen Gestalt vor kurzem erst in der ״Jüdischen Rundschau“ in Salman Schneurs prächtigem ״Noah Pandre“ leibhaftig entgegengetreten. — In eine andere Welt der jüdischen Handwerker, nicht minder kraftvoll und eigenständig und nicht minder unbekannt, führt uns das Buch Fmanuel W 0 r I i k s, ״Der Fahneurciter von Prag“. Es ist die Welt der Prager jüdischen Innungen im 18. und 10. Jahrhundert. Dort gab es von altersher vier jüdische Innungen: Schuster, Schneider, Goldschmiede und Fleischer. Aber während die beiden ersten nur in geringem Ansehen standen, erfreuten sich die Goldschmiede wegen ihrer Kunstfertigkeit großer Achtung, und׳ vor allem den Fleischern zollte man ungewöhnlichen Respekt, bildeten diese meist hünenhaft starken Männer doch etwas wie eine ״Phalanx und Schutzwehr der Judenstadt“. E. Worlik war einer der letzten Meister der jüdischen Fleischcrzunft und der Enkel Josef Lobs, des ״Fahnenreiters“, dessen Lebensgeschichte er in diesem Buche erzählt. Die alten Innungsbräuche hat der Verfasser zum Teil noch selbst erlebt und in dieser wirklichkeitsnahen Wiedergabe verschollener Bräuche und Ghettovorgänge — wie etwa des berühmten ״Quartals der Fleischerzunft“, des ״Fahnenrittes“ u. a. — besteht der Hauptreiz und ein wirklicher Wert seines ein wenig breit ausgesponnenen Buches, das von Alfred Grotte sachkundig bearbeitet worden ist. Es ist eine heute verschollene Welt, die sich da vor uns auftut; ihre Menschen sind nicht alle liebenswert und nicht alle Zaddikirn -- im Gegenteil: Lug und Zwischenträgerei spielen wie in allen eng zusammengeferchten Kasten eine gewisse Rolle. Aber die einfache Natürlichkeit der kunstlosen Erzählung macht uns wieder einmal mit dem Menschenschlag des kräftigen jüdischen Handwerkers bekannt. —hs. Johan Fühlest Ich heirate. — Verlag Julius Kitfls Nachf., M.-Ostrau. Die ungarische Schriftstellerin hat in einem internationalen Preisausschreiben den ersten Preis bekommen. Das überaus leichte Geplauder ihres Buches ist zwar unterhaltend, aber auch nicht mehr. Die Heldin, eine Kunsttischlerin, tischlert sich ihr Leben und zum Schluß auch ihren Mann zurecht. Ihre Persönlichkeit ist energisch, tüchtig und voll klugen Lebenswillens, ein Kind unserer bewegten Zeit. —chs. Jack London: Die Art des weißen Mannes. — Universitas Deutsche Verlags-Gesellschaft, Berlin 1937. Diese Auswahl aus einigen Bänden Jack Londonscher Geschichten ist, wie immer bei ihm, erregend, prickelnd und voll echter Erzählungskunst. Es sind Oeschicnten, die die Besonderheit des ״weißen fylannes“ (und auch der weißen Frau) zeigen, teilweise auf dem Hintergrund indianischen Lebens, Geschichten voller Wildheit, in denen das Leben in seiner ganzen Kraft lind Ursprüng’iclikcit eingefangen ist. —n. Robert Musil: Ueber die Dummheit (Schriftenreihe ״Aus• blicke“). — Bermann Fischer Verlag, Wien 1937. Das Manuskript eines vor dem österreichischen Werk• bund in Wien gehaltenen Vortrages über die Dummheit behandelt nicht ein extravagantes Thema, wie der Titel vielleicht vermuten läßt, sondern versucht, von einer Ueberschau über die Beziehungen des ״dummen“ Verhaltens und über die Beurteilung menschlicher Handlungen in den psy• chologischen und auch gesellschaftlichen Bereich vorzustoßen. Musil tut dies in einer stets amüsanten, niemals ״dummen“, sondern von Geist durchtränkten Art, die den Zuhörern wohl mehr als ein Lächeln abnötigte, sondern als Beitrag zur Er• kenntnis menschlichen Wesens aufzufassen Ist. —in. Unsere S. Baer: סדר עבודת ישראל — Schocken Verlag 5097 (1937). Um die Arbeit des Herausgebers eines Gebetbuches wiirdigen zu können, muß man sich kurz die Entwicklung der jüdischen Liturgie vergegenwärtigen. Denn das uns geläufige Gebetbuch ist nicht auf einmal entstanden und legt in seiner Entstehungsgeschichte Zeugnis ab von den Epochen der religiösen Entwicklung. ״Die heutige Liturgie ist das Produkt einer tausendjährigen Entwicklung“ (Zunz). Schon in biblischer Zeit wird nach den Bekundungen zahlreicher Zeugnisse das Gebet neben dem Opferdienst einen wichtigen Platz im religiösen Leben eingenommen haben, wenn uns auch formulierte feststehende Gebete aus dieser Zeit nicht bekannt sind. Als ein Gebet-Denkmal dieser Zeit darf das Buch der Psalmen angesehen werden, das ja auch Gebet- und Gesangbuch des Abendlandes geworden ist. Innerhalb der religiösen Neuordnung, die durch das babylonische Exil eingeleitet wird, erhalten Gottesdienst und Gebet einen entscheidenden Wert. Von dieser Zeit an darf man neben dem Einzelgebet mit einem formulierten Gemeiridegebet rechnen. Diese Gebete waren nicht lang, schlicht und einfach sowohl in der Sprache wie im Aufbau. Sie waren nicht niedergeschrieben, sondern ltur dem Inhalt nach fixiert, der Wortlaut mochte dem freien Ermessen des Vorbeters überlassen bleiben. Mit der Einführung dieser Gebete gingen auch stetige Erweiterungen Hand in Hand, wobei verschiedenartige Einflüsse maßgebend waren wie die Wandlung religiöser Anschauungen, der Brauch einzelner Frommen u. a. m. Diese Erweiterungen bestanden z. T. in breiterer Ausführung vorhandener Gedanken, z. T. in Einfügung von Stucken aus der Bibel. Allen Zusätzen blieb gemeiitsam: kurze, schlichte Form und leichte Verständlichkeif. So hatte sich gegen Ende der talmudischcn Zeit (um 500) ein fester Bestand von Stammgebeten herausgebildet, der noch heute allen Juden der Weit gemeinsam ist. Vom 6. Jahrhundert ab etwa wird dieses im ganzen einfache Schema der jüdischen Liturgie durchbrochen und kompliziert durch den Pyrit, wie man diese Poesien mit einem hebraisierteu griechischen Wort nennt. Diese Dichtungen (mit allen äußeren Merkmalen wie Reim, Akrostichon, Metrum) brachten ein sehr bewegliches Element in die Liturgie und verschafften dem Vorbeter eine überragende Stellung im Gottesdienst. Sie waren so zahlreich, nach dem Geschmack von Ort und Zeit so verschieden, daß Länder und Gemcinden wählten, was ihnen zusagte, und so die größte Mannigfaltigkeit unter den örtlichen Bräuchen, als Riten bezeichnet, herrschte. Hatten doch seihst Nachbargemeinden wie Worms und Mainz ihren besonderen Brauch (Minhag), Um ca. 1200 hatten die meisten Gemeinden ihre Dichtungen gewählt und ihren Ritus bestimmt. Spätere Verschiebungen sind durch die Wanderungen der Juden und den Buchdruck eingetreten. Ebenso hat die Liturgie durch den Einfluß der Mystik Zusätze und Erweiterungen erfahren. In alter Zeit wurden die Gebete nicht aufgcscltrieben. Nach dem Abschluß des Talmud, als die äußeren Umstände zur schriftlichen Fixierung der ״mündlichen Lehre“ geführt Lyrik Moriz Seeler: Die Flut. — Verlag Richard Lanvi, Wien. Das ist der erste Band einer überraschend in die Vortragssäle und jetzt ebenso unerwartet in die Literatur gekommenen neuen, einer unverwechselbar originalen Dichtung. Denn von dem Theatermann Moriz Seeler, diesem schart profilierten Präzeptor seiner — nun schon historischen — jungen Bühne mochte man viel eher ein Drameri-Maniiskript erwarten als diese Gedichte, Balladen, Visionen, die abseits vom Tagesereignis, tief in den Hintergründen der Zeit, die weit draußen im unbekannten Kosmos von einem Dichter geträumt sind. Eine vorläufige Auswahl (zwei und vierzig von hunderten Gedichten) trägt diesen Titel: ״Die Flut“; das aber i=t die Flut in Seelers Vision vom ״Weltuntergang“: ״Die fürchterliche Flut von Tränenschaume / Und dem durch rotes Blut gefärbten Gischt / Steigt zu des Himmels Rand und seinem Saume /!Und sie verschlingt die Sonne, die erlischt.‘ Ursprünge lieh sollte der Band ״Das Fest der Salamander“ heißen; so nennt Seeler eine seiner heidnischen Orgien, diejenige der HniiiiiiimiiiiiiHiiitNiraiiniiiiiiiiiiiiimiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiumiiiiiiiiiiiiiiniimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii GEDICHTE Von Manfred Sturmann Ueberfahrt Auf weidien Armen trügt Das Meer uns fort. Drüben, jenseits der Nadif, Wartet der Haien auf uns. Unter den großen Sternen, Durch die blaue Grotte der Nacht, Findet das Schiff seinen Weg. Wie ein tiefes Atmen Nach stürmischer Fahrt Ist die Stille ringsum, Bald wird es Tag. Wir aber tragen mit uns Schicksal und Hoffnung Dem Morgen entgegen. Nacht im Emek Dte letzten Regen fielen aut die Saat, Nun aber kommt ein frlsAer Wind von Ost Und trocknet Feld und Weideplatz und Pfad, « Die Aedcer grünen und der Garten sproßt. Und über fernen Wolken silbern thront — die Nacht umschattet schon Gilboas Hang - Gleich einem Traumgesicht der volle Mond. Nun gehn die Wächter Ihren ersten Gang. Die müde helmgekchrf, sie ruhen aus. Ein Lied verschwebl noch leise In die Nacht. Dann dringt der Schlaf In Zeit und Stall und Haus, Vom Turm schweift ruhlos nur das Licht der Wacht. Gebete hatten, wurden auch Gebete au!geschrieben, g&• sammelt und bald darauf von Gelehrten zu Gebetordnungen zusammengefallt. Eine große Umwälzung auf diesem Gebiete mußte der Buchdruck herbeiführen. Neben den natürliehen Vorteilen, die diese Erfindung brachte, stellten sich viele Mängel ein. Denn die Drucker waren keine Gelehrten und kümmerten sich nicht um gute Vorlagen für ihre Ausgaben. Der Zufall bestimmte meist, was gedruckt wurde und was in der Gebctsammlung fortblieb. Infolge der Willkür, Nachlässigkeit und geringen Bildung der Drucker und Setzer verwilderte der Gebettext, das Verständnis für die Korrektheit des Ausdrucks schwand, Fehler und Uebelstände wurden überdies durch das Herkommen geheiligt. Es war daher verständlich, daß im Zuge der durch M en• d eis so hu entfachten Bewegung das Bestreben entsetzte, sorgfältige Ausgaben des Gebetbuches lierzustellen und es von Entstellungen zu säubern. Bahnbrechend wirkten hier Wolf Heiden heim und Seligmann B a c r, der 1868 unter dem obigen Titel ein Gebetbuch lterausgab. Es enthielt samtliehe Gebete für Wochentage, Schabbatc und Feste, die Schabbafgesängc (Semirot), alle synngogalen Dichtungen für die ausgezeichneten Werktage, Schabbaff und Feste, Vorschriffett, die die Gebete und Feste betreffen und als Anhang einen akzentuierten Text der Psalmen. B;rer hatte auch manches aufgenommen, was sein Lehrer IIcidenheim im Eifer der Reform gestrichen hatte. Sein Gebetbuch (von fast 000 Seiten Umfang) bemühte sich nicht nur um einen korrekten Text, sondern enthielt überdies einen I i t r r a r i s c h - p 11 i 1 o s o - n 11 i s c h e n Kommentar in hebräischer Sprache, der als Klass'sch angesehen wird. Der Neudruck des Schocken Verlags erscheint in zwei Ausgaben: eine für den Ritus der westdeutschen Gemeinde!! und eine für den deutsch-polnischen Ritus. Es dürfte — auch angesichts des niedrigen Preises dieses Standardwelkes — nicht den Absichten ries Verlags entsprechen, den R,־Hirschen Siddur auf Fachkreise beschränkt zu sollen. Er erscheint in einer Zeit der Besinnung aut die eigenen Quellen und will einer solchen Besinnung den Weg mit weisen. Trotz aller Eeformbcstrcbungen ist es der vergangenen Generation nicht gelungen, ein wirkliches Verstandnis für den Gottesdienst und seine Gebete zu erreichen. Wenn heute eine junge Generation infolge allgemein gewandelter Anschauungen zu den echten Quellen jüdischer Bildung geführt werden soll, dann dürfte dieses Buch, das den ganzen Reichtum unserer religiösen Dichtung enthalt, eines der Grundbücher sein, an dem sich diese Erziehung zu orientieren hätte. Die mittelalterliche Poesie insbesondere, die 11. a. durch Dichtungen des Jchuda Halevi und Salomo ihn Gahirol vertreten ist, sollte Lehrgut aller über die Volksschule hinausgehenden Bildungsanstaiten sein. Welcher Rang z. B. der spanischen Dichtung zukommt, mag aus einer Bcitierkung Franz Rosenzweigs entnommen werden, daß durch sie erst der Reichtum des biblischen Sprachschatzes dem Volke zum bewußten Besitz geworden ist. Dr. Ehrmann Feuersalamander: ״Das war ein Winden, Wimmeln, Steht! und Stürzen, / Doch schienen sie nach Orößrem zu verlangen,! Bis daß sie endlich, ihre Lust zu würzen, / Mit wilder Anmut in die Flamme sprangen.“ In der Tat sind dies die beiden Pole dieser Traumwelt: der Tod, und das romantisch gliihende Lehen; die grolle Resignation, und die lichterloh entfachte Freude am phantastischen Treiben der entfesselten Kreatur. — Was jedoch ist ״jüdisch‘‘ in dieser Dichtung? Es ist der Blick in die unbegrenzte Weltweite; aus Jahrtausendalten Augen die vorurteilsfreie Schau in Orient und Okzident; das Wissen um Jenseitigkeiten; tun dunkle O/eanmächte und um das Weiße Lieht vom Tanzenden Stern. Das Buch ist ein graphisches Meisterstück der Drucker Jahoda ft Siegel. Moritz Lederer Arabien R. H. Kiernan: The Unveilin״ of Arabia. The Story of Arabien Travel and Discovery, — George G. Ilarrap Ec Co. Ltd. London 1037. In dem Buche ״T he U n v c i 1 i rt g o f A r n b i a* beschreibt nun R. fl. Kiernan die Erschließung Arabiens für die Europäer. Beginnend mit dem Arabien des Altertums, das vor allem in der Römer/eit unter Augustus durch den Zug des Aclius Galliiis bekannt wurde, schildert Kiernan die Arabienreisen im Mittelalter und die ßeobarhtungen Ludoviro di Varthcimrs aus der Rennissancezeif. Mit dm großen Entdeckungsreisen entwickelte sich auch ein mnehntendes Interesse für die an das Rote Meer grenzenden Länder. Der Portugiese Alfonso d’Alhoquerque, die Engländer John Jotirdain und Joseph Pitts, der Dime Karsten Nieimhr waren die ersten, denen es gelang, Eingang in Arabien zu finden und durch Beschreibung ihrer Reisen zur Kenntnis der arabischen Länder heirutragen. _ Bedeutsamer wurden die Reisen, die im 19. Jahrhundert meist unter großen Schwierigkeiten unternommen wurden. Johann Ludwig Rurckliardt entschleierte das Geheimnis, das die heiligen Städte Mekka und Medina umgab. Sir Richard Rurton machte die Pilgerfahrt i!1 arabischer Kleidung und mit Hilfe der arabischen Sprache. Hadramaut wurde durch von Wrede, Hirse!! und Reut erschlossen. Sadlier und Wallin haben das Verdienst, in den ersten transarabischen Reisen das Innere durchforscht 71! haben. Palgrave und Pelly folgten. Dougiit durchquerte Arabia descria. Die Bhmts bereisten zuerst das nördliche Zentnlarabien offen als Europäer. Bckann• ter schon sind die Forschmigsrcisenden unseres Jahrhunderts: Shakespeare, Gertrude Bell, Cheesman und Philbv, die zum Teil bereits die Gestaltung der Landkarte nach dem Weltkriege beeinflußt Italien. Selbstverständlich werden auch die Reisen jüdischer Forscher, wie Benjamin von Tudela, William Gifford Palgrave und Leo Hirsch behandelt. R, L. Fulton Oursler: A Sceptic in the Holy Land. Mefhuen & Co, Ltd. London 1037. Ein Amerikaner reist durch Palästina und vergeben• wärtigt sich dabei die Geschichten der Bibel, auch des Alten Testaments, aber vor allem des Neuen Testaments, die er aus seiner Jugend genau kannte, aber später vergessen hat. Das Buch ist eine eigenartige Mischung von Reiseerlcbnissen, Bibelzitaten und Bibelkritik, alles in flüssigem Slii erzählt. Da der Verfasser vor allem wiedergehen will, wie die Bibel bei ihm an Ort und Stelle wieder lebendig geworden ist, findet man nicht sehr viel über den jüdischen Aufbau darin. Wo er aber darüber schreibt, fühlt man die Sympathie des Amerikaners für die Juden, die mit den Mitteln moderner Wirtschaft und dem Einsatz großer Energie das Land erschließen, L,