Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1937)
- Date
- 1937-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7. 8.133/ Nr. 61 / Jahrgang 42 Preis 2S Rpi. JÜDISCHE RUNDSCHAU •chriftititang,Verlag u. Antelgenverwaltungi BerllnW 15, M«lneke«tr.lO Feimratt ^1W3I, Telegramm•Adraii«* OrgMp. - Bezugspreis einschlitßlich Bestellgeld je Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 136 bzw. RM 5,39. — Postscheck ״ Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 *für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrig« Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch au! Nachlieferung־ oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebührea. — Erscheint jeden Dlenstig and Frattng« BERLIN כ״ו־אב תר צ "ו DIENSTAG, 3. AUGUST 1937 GBUIjji AntatgcnpreUllite Nr. S, Die 12 gespalten® mm Zeile 20 Rpf., für Familien * Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder sn bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit•- anzeigen nur gegen Vorauszahlung aut Postscheck; - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für di« Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für di« Freitag - Ausgab• Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien •Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Der Kongreß GZ9 Die Genfer Beratung Peel-Bericht vor der Mandatskommission — Ormsby-Gores Rede Die zu der Beratung des Berichtes der Palästina-Regierung Uber die Unruhen des vergangenen Jahres einbe• ruiene außerordentliche Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes wurde am Freitag, dem 30. Juli, vormittags, in Genf eröffnet. Die Punkte der T a g e s o r d n u n g, die von der Mandatskommission in der öffentlichen Vormittagssitzung einstimmig angenommen wurden, lauten: t. Prüfung der noch ausstehenden Punkte aus dem Berieht der Palästinaverwaltung für 1935; 2. Prüfung des Berichtes der Palästina-Verwaltung für 1936; 3. Beratung einer großen Zahl von Petitionen, die der Kommission unterbreitet wurden und Palästina betreffen; 4. Prüfung des Berichtes und der Vorschläge der Kgl. Palästina-Kommfssion; 5. Prüfung des von der britischen Regierung im Zusammenhang mit dem Palästina-Bericht veröffentlichten Statement of Policy. Der Vorsitzende der Mandatskommission, der Belgier Pierre Orts, bemerkte, daß die endgültige Meinungs- Äußerung der Mandatskommission zwar der September- Tagung des Völkerbundsrates vorgeiegt werden wird, daß aber dadurch nicht die Möglichkeit ausgeschlossen werde, daß die Frage nochmals an die Mandatskommission zurückverwiesen wird, wenn der Rat dies für notwendig oder wünschenswert hält. Die Sitzung dauerte nur dreiviertel Stunden. Die Galeriet! waren mit Zuhörern überfüllt. Fast alle Mitglieder der jüdischen und arabischen Abordnungen waren anwesend. Im Saal waren zwei große Palästina-Karten, aufgestellt, die eine mit den heute bestehenden, die andere mit den von der Kgl. Kommission vorgesciilagenen Grenzen. Die Vertreter der britischen Mandatarmacht haben in der öfientliehen Sitzung nicht das Wort ergriffen. Ormsby-Gores Stellungnahme Die Nach mittagssitz 11 ng, in der der Kolonienmini־ ster die Vorschläge der britischen Regierung unterbreitete, beann Punkt 4 Uhr. Die Oeffentlichkeit war nicht zu geassen. Ormsby-Gore erklärte, er identifiziere sich, soweit die Umstände dies gestatten, mit dem Bericht der Kgl. Kommission. Er hob die Bedeutung der zu erörternden Fragen hervor und führte weiter aus: ״In keinem Mandatsgebiet sind umfassende und weitreichende internationale Interessen so deutlich wie hier. Noch bevor der Mandatsgedanke entwickelt worden ist, wurde indem sogenannten Sykes-Picot-Vertrag von den wichtigsten alliierten Mächten im Kriege vereinbart, daß Palästina internationalisiert werden soll. Ich glaube, fuhr der Minister fort, daß jetzt nicht nur die Erfahrungen des vergangenen Jahres in Palästina, sondern die ganze Geschichte unserer Schwierigkeiten als Marsdatarmacht während der letzten siebzehn Jahre betrachtet werden muß. Es muß eine allgemeine Inventaraufnahme der Lage erfolgen, wie sie sich unter dem bestehenden Mandat herausgebiidet hat. Die Regierung Sr. Majestät befindet sich in allgemeiner Uebcreinstimniung mit den Argumenten und Schlußfolgerungen der Kgi. Kommission. Trotz mancher entmutigender Erfahrungen in den letzten siebzehn Jahren hat die Regierung Sr. Majestät ihre Politik auf der Erwartung aufgebaut, daß ihre Verpflichtungen gegenüber Arabern und Juden nicht unvereinbar sind; sie hat jede Gelegenheit benutzt, um Zusammenarbeit zwischen Arabern und Juden zu ermutigen. Auf Grund der Erfahrung und der von der Kommission herangezogenen Argumente werden wir zu der Schlußfolgerung geführt, daß zwischen den A s p i r a ־ tionen der Araber und der J 11 den in P a 1 ä s t i n a ein nicht a u s z t! g ] c i c!1 e 11 d e r (i e g c n s a 11 besteht, und daß diesen Aspirationen auf Grund der Bestimmungen des gegenwärtigen Mandates nicht Genüge geschehen kann. Der Tciiungsplan, nach den von der Kommission vorgeschlagenen allgemeinen Richtlinien stellt die beste und vollständigste Ucberwindung des toten Punktes dar. Die Regierung Sr. Majestät beabsichtigt, Se. Majestät in entsprechender Weise zu beraten. Niemand sieht klarer als ich ein, daß Sie hei dieser Tagung de/ Mandatskommission von dem Volkerbundsrat bloß ermächtigt sind, dein Rat einen vorläufigen Bericht über di,e.,in Rede stehenden weitreichenden Dinge zu erstatten. Das Parlament hat sich das Recht Vorbehalten, einen c n d - gültigen Plan zu prüfen, falls und sobald ein solcher forjiiuliert werden sollte. Wenn das Parlament sich dieses Recht vorbehält, so tan auch Sie dies und cj?r Völkerbijridsrat. Es möge kein Mißverständnis geben, um die erwogener! Worte der Britischen Regierung zu gebrauchen: Vorläufige Zu- Stimmung oder Ablehnung zu der Ausarbeitung der Form des Planes bringt uns weit. Zustimmung wird Verbandlungen mit Juden und Arabern, wenn sie dazu gewillt sind, bedingen, sie wird die Ausarbeitung eines endgültigen Planes, der ihnen zu unterbreiten ist, erfordern. Und selbst dann wird unsere gemeinsame Aufgabe nicht zu Ende sein. Denn der ganze Gedanke eines bestimmten Planes für Verträge nach den vorgeschlagenen allgemeinen Richtlinien erfordert ein Referendum, den Entwurf von Verträgen und finanzielle und militärische Hilfsabkommen, sowie den Entwurf einer abgeänderten oder modifizierten Form des Mandates firr denjenigen Teil Palästinas, in dem die Regierung Sr. Majestät im vereinigten Königreich weiterhin als Mandatar des Völkerbundes fungieren soll. Das ist ein umfassendes Progranun, das Zusammenarbeit zwischen uns, Ihre Vorschläge an den Völkerbund und die Zustimmung des Völkerbundes nacheinander erfordert. (Fortsetzung des Berichtes S. 4) ״A'och wissen mir nicht, wann und auf welchen Wegen ivir cum Ziele kommen werden. Aber dieses freudige Heinißlsein besitcen wir alle, die wir am Werke mitarheiten: daß wir vielen!bis Geschenk der Hoffnung gegeben und den Arrmsten das Glück der weilen llori:onte eröffnet haben," Diese Worte schrieb Theodor H e r 7.1 .1m 4. Juni 1897, als der 1. Zionistenkongreß einberiifen worden war. Vierzig Jahre sind seitdem vergangen. Welch eine Zeit geseliichtlicher Umwälzungen, welche Epoche jüdischen Schicksals, welch Weg auch der zionistischen Bewegung! Aus dem Traum der wenigen Idealisten ist eine Wirklichkeit geworden, die unter dem Zwange harter Tatsuchen stellt, in ihrer Entfaltung jedoch von jenen Kräften getragen wird, die Her/.l und seine Gefährten mit prophetischem Blick und feinem Instinkt für das l eben des jüdischen Volkes erkannten. Vierzig Jahre sind in der Geschichte der Völker und besonders eines Volkes, das wie das jüdische nach Jahrtausenden rechnet, eine kurze Frist; im Gedächtnis der Lebenden jedoch sind sie eine lange Spanne, und sie schließen bereits den Wechsel der Generationen in sich ein. Nur wenige von denen, die an der Wiege des modernen Zionismus gestanden haben, erleben diese Zeit, in der eine neue Etappe auf dem Wege der Verwirklichung des Zionismus sich andeutet. Die Hoffnungen, die man einst hegte, haben sich in einer Art erfüllt, die —- gestehen wir es offen — uns zugleich durch ihre Größe überrascht und, wenn wir sie an den Notwendigkeiten unseres Volkslebens messen, uns doch allzu klein dünkt. Der XX. Zionistenkongreß, der heute Abend in Zürich eröffnet wird, steht vor der Aufgabe, das rechte Wort des jüdischen Volkes zu dein Beginn eines neuen Abschnittes auf dem langen Wege seiner nationalen Wiedergeburt 7.u finden. Er wird mehr sein müssen, als ein Ort der Auseinandersetzung. Was er auch zu der. politischen Grundfrage, um die es heute geht, zu sagen hat, es wird eine wichtige Triebkraft in der Entwicklung der kommenden Jahre sein, ja es wird das Schicksal des nationalen Aufbaus in Palästina entschcidend mitbestimmen. In dieser Lage liegt auf dem Kongreß eine Verantwortung, wie er sie in dieser Konkretheit vielleicht noch nie zu tragen hatte. Wem! schon früher die Forderung erhoben wurde, der Kongreß solle weniger ein Bild des parlamentarischen Spiels bieten und nicht so sehr auf die Wirkung seiner Worte im jüdischen Volk sehen, als auf die Bedeutung, die sie irn Spiel der Kräfte haben können, die in und um Palästina wirksam sind, so gilt dies heute in vervielfachtem Maße. Auf dem Kongreß liegt eine staats m ä n n i s c 11 e Au f g a b e; er soll durch seine Stellungnahme die Zukunft des jüdischen Volkes in der Kernfrage seines Schicksals bestimmen, und es ist klar, daß die Verantwortung, die auf ihm und jedem seiner Delegierten lastet, eine außerordentliche ist. Es hat den Anschein, als ob unter dem Druck der konkreten Frage, die es zu beantworten gilt, das starre Schema der Pa r t e i g r u p p i e r 11 n ge n sich aufzulockern beginnt und das Gewissen und die Meinung des Einzelnen wieder die Stellungnahme zu bestimmen anfängt. Möge dies auch während der Dauer des Kongresses so bleiben, wissen wir doch, wie durch das Spiel der Parteikräfte nur allzu leicht die Gefahr entsteht, daß Beschlüsse unter Rücksichten gefaßt werden, die mehr taktischer als sachlicher Natur sind. Noch nie hatte der Kongreß eine solche Chance, das erstarrte Schema seiner Verhandlungen aufzulockern, wie es diesmal der Fall ist. Allzusehr haben wir ja bei den Nachkriegskongressen empfunden, daß sie dem Gesetz der eigenen Trägheit erlegen waren und nicht mehr jene erschütternde Bedeutung hatten, die das Volk aufhorchen ließ und sie einst zum Organ seiner Sorgen und Hoffnungen gemacht hatte. Heute blickt das jüdische Volk aus allen Teilen der Welt nach Zürich und ist bereit, dem Kongreß zu folgen, wenn dieser die rechte Antwort auf die schicksalsschwere Frage zu geben weiß, die ihm in bezug auf Palästina gestellt ist. Dabei ist die politisch-taktische Situation nicht einfach, in der der Kongreß Zusammentritt. Nach dem Verlauf der bisherigen Verhandlungen scheint es, daß mit den Vorschlagen des Peel-Berichtes zur Lösung des Palästina-Problems noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, und es bedarf daher, solange der Weg der Verhandlungen im einzelnen noch nicht ausgeschöpft ist und sich die Vorschlage der Kgl. Kommission noch im Bereiche der verschiedenen beratenden Instanzen befinden, einer gewissen Zurückhaltung, bevor das letzte Wort von unserer Seite Mn1u11UM1!11111111!111{11u11111111111111nn111111111M11111111M!1111M11{111111111111f111111111111111!11n1111111111n1111!1111111u11!N11111111111111!11M111111111H11111H1n1H111111111!1nn1111111111111!11NH11111u1flmm111MMn11mn11111fl11i111!111i111H1n111H!nnw11mMn[1m11w{1 Die Eröffnungssitzung der _ Mandats-Kommission in Genf unter dem Vorsitz von Pierre Orts. Im Vordergrund rechts (mit dem Kopf halb dem Betrachter zugewandt) Kolomalminister Ormsby-Oore; links neben ihm J. M. I'Martin, der Sekretär der Königlichen Kommission für Palästina Foto; Boiomey, W:yG