Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1937)
- Date
- 1937-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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29. 7.15337 Q, Yfr. 5* x Jahrgang 42 IW* 25 ÄpL JÜDISCHE RUNDSCHAU fchrlftltltuif.VwUg «. AiuelgcBTirwalhuigi BarllnW tl, Maln«k«at7,10?•rnral* 919031, TtUgramm *Adr•••• 1 OrghJp. » Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bti Abholung RM 138 bxw. EM 539. — Postscheck * Konten der Vertriebs •> Abfctilung: Berlin 71573 (für Croß - BerlinX Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt Besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgeb&hreo. *״־־ Erschallst Jeden Dlenatag ■nd Freltaf. BERLIN י״ט »ב תרצ״ז DIENSTAG, 27. JULI 1937 Gftltlg« ABielgtBprtUlllt• Nr. 5« Die 12 gespaltene mm‘Zeile 20 Rpf,, für Familien י Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Pützen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit*• aozeigto nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck •Konto Berlin 71618 oder bar Moetag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag * Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag •Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Dar Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstlna. (Baseler Programm) McMahon bricht sein Schweigen ״Palästina den Arabern nicht versprochen" Das Dunkel, das trotz der wiederholten offiziellen Erklärungen noch immer um das in der sogenannten MacMahon- Korrespondenz den Arabern gegebene Unabhängigkeitsversprechen lag, ist nunmehr durch Sir Henry McMahon selbst, den 75jährigen ehemaligen High Cominissioner von Aegypten, endgültig aufgehellt worden. In einer Zuschrift an die ״Times“ stellt er unzweideutig fest, daß Palästina den Arabern niemals versprochen worden ist. ״Im Laufe der letzten Debatte in beiden Häusern des Parlaments“, schreibt Sir Henry, ״ist vielfach auf das ,Mc Mahon-Versprechen‘‘ Bezug genommen worden, insbesondere aut den Teil des Versprechens, der Palästina betrifft und für das eine Interpretation von den Juden und eine andere von den Arabern verlangt wurde. Es wurde mir gesagt, daß das dauernde Stillschweigen desjenigen, der dieses Versprechen gegeben hat, an sich mißverstanden werden könnte. Ich fühle mich daher veranlaßt, eine Erklärung 7.11 dem Gegenstand abzugeben, aber ich will mich dabei auf den jetzt in Frage stehenden Punkt beschränken, d. h., ob beabsichtigt war oder nicht, daß der Teil Syriens, der jetzt Palästina heißt, in die Gebiete eingeschlossen werden sollte, für welche in meinen Versprechen die Unabhängigkeit der Araber garantiert worden ist. Ich halte es fiir meine Pflicht zu erklären, und ich tue dies bestimmt und nachdrücklich, daß ich, als ich dieses Versprechen König Hussein gab, nicht beabsiebtigte, Palästina in das Gebiet einzuschließen, für das arabische Unabhängigkeit versprochen wurde. Ich hatte damals auch allen Anlaß zu glauben, daß die Tatsache, daß Palästina in meinem Versprechen nicht einbegriffen war, von König Hussein wohl verstanden worden ist.“ * Schon seit 15 Jahren wurde im Parlament häufig (und besonders von Freunden der Araber) die Veröffent- Hebung der MacMahon-Husseiri-Korrespondenz gefordert. Die Regierung hat dies immer a b g e 1 e 11 n t, vermutlich aus Gründen, die nichts mit arabischer Politik zu tun haben (man meint, daß England darin nicht genügend Rücksicht auf den Standpunkt seines Bundesgenossen Frankreich genominen hat). Die Erklärung, daß Palästina im MacMahon- Versprechen nicht enthalten war, ist schon im Churchill- Weißbuch von 1922 ausgesprochen; durch MacMahons Brief ist dieser Punkt nun völlig klargestellt. Nach der Unterhaus-Entscheidung Zur Frage der Prozedur Heute Dienstag begibt sich Minister Ormsby-Gore mit seinen Begleitern nach Genf. Unmittelbar vor seiner Abreise sollte noch eine Kabinettsitzung stattfinden, tun die durch die Parlam entsentscheidung entstanden*. Lage zu beraten. Die ursprüngliche Absicht der Regierung, daß der Minister nach Genf die uneingeschränkte Zustimmung des britischen Parlaments mitnimmt und seine Anträge mit voller Autorität unterbreiten kann, hat sich nicht erfüllen lassen. Der überraschende Ausgang der Parlamentsdebatte, in der die Regierung schließlich selbst dem Abänderungsantrag Churchills zustimmte, fand in der gesamten Weltpresse, vor allem aber natürlich in Palästina, ein sehr starkes Echo. Man ist sich aber noch nicht im klaren darüber, was dieser Parlamentsbeschluß eigentlich bedeutet. Die Kommentare der englischen Zeitungen sind zum Teil ausweichend. Die ״Times“ gibt jedoch die offizielle Auffassung ungefähr dahin wieder, daß die Regierung den Bericht mit voller Zustimmung des Unterhauses in Genf vor legen wird, jedoch ohne erklären zu können, daß der von der Kommission formulierte Teilungsvorschlag mit seinen Einzelheiten vom britischen Parlament bereits angenommen sei. Man war, so schreibt die ״Times“, verschiedener Meinung darüber, ob es weise von der Regierung war, den Antrag Churchills anzunehmen; aber im ganzen großen scheint dieser Schritt der Regierung gebilligt worden zu sein. Wieviel Unklarheit noch vorhanden ist, ersieht man aus der Bemerkung der ״Times“, einige Abgeordnete seien der Ansicht gewesen, daß das Unterhaus durch seinen Beschluß das Prinzip der Teilung gebilligt habe. Die maßgebenden Minister aber sind nicht dieser Auffassung, sondern sie glauben, daß das Unterhaus lediglich den Beschluß der Regierung, den Kommissionsbericht dein Völkerbund vorzulegen, gebilligt hat. Die Regierung glaulrt also, daß sie nicht verpflichtet ist, den Teilungsvorschlag jetzt weiter zu bchandeln, bis der Völkerbundsrat der Aufhebung des Palästina- Mandats zugestimmt hat. Dann erst wird cs die Pflicht der Regierung sein, einen genauen Plan auszuarbeiten, den sie dem Parlament zur Billigung vorlegen muß. Nachdem dann das Parlament seine Zustimmung gegeben haben wird,. wird erst das ganze Projekt nochmals an den Völkerbund gehen, der das Recht haben wird, es anzunehmen, abzulehnen oder in beliebiger Weise zu ändern. Das letzte Wort werde also nicht in Westminster, sondern in Genf gesprochen werden. Die Minister versichern auch, daß die britische Regierung in der Unterstützung der allgemeinen Prinzipien des Pecl-Beriehtes nicht wankend geworden ist. Sie teilen nicht die Meinung, daß der Kompromißantrag Churchills zu einer weiteren Periode der Verschleppung und des Feilschcns führen werde. Sie sind entschlossen, das Projekt auszuarbeiten, sobald der Volkerbundsrat die Weisung dazu gibt. Die Auffassung, daß es sich bei dem Antrag Churchill nur um eine Modifikation bezüglich der Prozedur handelt, wird widerlegt durch einen Aufsatz, den Churchill selbst in einer Londoner Zeitung veröffentlicht und in dein er den Teilungsplan schonungslos zerpflückt. Es ist intercssant, daß gerade zwei ehemalige Kolonienminister, Amery und Churchill, gegen den Teilungsplan Stellung genommen haben — zwei Männer übrigens, die auch in der Vergangenheit die stärksten Anhänger der Idee der Vereinbarkeit der beiden Teile des Mandats (d. h. also des Aufbaues des Jüdischen Nationalhcims in einem bi-nationalen Palästina) gewesen sind. Diese Qegnerscliaft gegen den Teilungsplan ist viel wichtiger als die Gegnerschaft der offiziellen Parlamentsopposition, der Labour-Parfy, die ja parlamentsfechnisch die Funktion hat, den Maßnahmen der Regierung zu widersprechen; man darf nicht vergessen, daß umgekehrt, als die* Labour-Party in der Regierung saß, 1930 ein schwerer Schlag gegen die jüdische Position geführt wurde, wobei dann wieder die damalige Opposition (die Konservativen) als Verteidiger der Idee des Nationalheims auftraten.. In Palästina hat, wie aus den allgemeinen Pressestimmen hervorgeht, der Ausgang der Unterhausdebatte Befriedigung und Erleichterung hervorgerufen. Man hofft, Zeit zu gewinnen. Die ״Palestine Post“ fährt in ihren Bemühungen fort, eine arabisch-jüdische Verständigung zur Abwehr des Teilungsplanes herbeizuführen. In arabischen Kreisen besteht nach einem Bericht der ״Times“ die Neigung, konstruktive Gegenvorschläge zu machen, aber der Mufti steht solchen Versuchen im Wege. Die kompromißbereiten Araber sind durch die Rede Lord Samuels im Oberhaus ermutigt worden, die neben den Bemerkungen über jüdisch-arabische Verständigung auch eine Konzeption großarabischer Politik enthält. Von jüdischer Seite werden jedoch die Vorschläge Lord Samuels unzweideutig abgelehnt. Sie würden darauf hinauslaufcn, das Jüdische Nationalheim einem arabischen Staate zu unterstellen, eine Idee, die das jüdische Volk niemals akzeptieren wird. Obwohl Lord Samuel ausdrücklich erklärt hat, daß er nur als Einzelperson spricht, besteht in jüdischen Kreisen anscheinend die Befürchtung, seine Rede könnte als maßgebende jüdische Actifierung aufgefaßt werden. Die Jewish Agency hat daher mit aller Entschiedenheit klargcinacht, daß die zionistische Bewegung unter keinen Umständen den Vor- Schlägen Lord Sa rn u e I s z u s t i m in t. Inzwischen geht die Agitation der Araber weiter. Die Welle ihrer Propaganda ist weit über Palästinas Grenzen hinausgeflutet. Der Ministerpräsident des Irak, der dem Mufti Unterstützung versprach und auch in Bagdad eine Demonstration zuließ, wurde von England zur Ordnung gerufen; die wichtigen Erklärungen Ormsby-Gores über diesen Punkt in seiner Untcrhausrcde lassen ari Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Jetzt hat auch die syrische Regierung, die noch nicht einmal offiziell unabhängig ist, einen ausführlich begründeten Protest gegen die Teilungsplänc in Form eines Memorandums an den Völkerbund erhoben. Dies ist die Frucht der Besuche des Mufti und Autiis in Damaskus. In den nächsten Tagen wird in Genf der Hochbetrieb beginnen. Die arabische Delegation ist von den geschicktesten Politikern der Araber, Autii Abdul Hadi und Dschemal Husseini, geführt (Auui hat seinerzeit namens der Araber den Versailler Vertrag initunterschrieben). Auch e!ne Delegation des Waad Leumi ist abgercist, und die Jewish Agency wird gleichfalls vertreten sein. Dr. Weizmann wird, wenn er heute in einer Woche den Kongreß iii Zürich eröffnet, bereits die Atmosphäre kennengeiernt haben, die in Genf das Teilungsprojekt umgibt. Inzwischen ist Palästina wieder in einem Zustand der Unsicherheit, was sich auch deprimierend auf die Wirtschaft und die E i 11 w 3, n d c r u n g auswirkt. Während nur über die politischen Bedingungen diskutiert zu werden pflegt, droht die Gefahr, daß die ökonomischen Bedingungen sich ungünstig auf die Einwanderung auswirken. Es ist jedoch hervorzuheben, daß trotz der heftigen Agitation im Lande völlige Ruhe herrscht und die befürchteten gewaltsamen Reaktionen jedenfalls zunächst ausgeblieben sind. Abschied von einer Arbeit Von Joachim Prinz Joachim Pr in: hat nach zehnjährigem Wirken in Berlin dieser Tage Deutschland verlassen und sich nach I Nt. begeben. 11ir haben aus diesem Anlaß schon zum Ausdruck gebracht, welche wertvolle Kraft die jüdische Arbeit in Deutschland durch seinen Abgang verliert, ln den nachfolgenden /.eilen lammt Drin: Abschied von den Juden in Deutschland. So wie er — nach seinen II'orten — mit uns, so werden auch wir mit ihm uns weder verbunden fühlen, (Ited.) Was man zum Abschied auf dein Herzen und von ihm herunter zu sagen hat, ist nicht allzuoft zu variieren. Deshalb muß man mir gestatten, daß ich hier, wo ich mich von dein großen Kreise der Juden, zu denen die ״Jüdische Rundschau“ spricht, verabschiede, vieles von dem wiederhole, was ich in einer Abscliiedsrede schon gesagt habe. In der Tat, man ist glücklich, einmal die Worte für dieses schwere Unternehmen gefunden zu haben, das das Wort ״Abschied“ umfaßt. Denn es ist ein vieifältiger Exodus, der da geschieht, und nur weil bei uns das Abschiednehmen so sehr alltäglieh geworden ist, nur weil wir so oft Mensehen an den Zug gebracht haben, merken wir es nicht. In .Wirk* lichkeit ist es eitl Exodus aus einem Lande, das zu uns gesprochen hat, aus einer Sprache, die noch immer aus uns spricht und aus einer Arbeit, die mit alledem und vielem anderen verknüpft war. Es geschah -י wie Jeziat Mizrajim von einst — sozusagen über Nacht. Damit will ich nicht die Raschheit des Prozesses andeuten, sondern die Tatsache, /. Pristo■ Foto; Sottaeöfclti daß es über einen fiel, mitten in der Nacht und daß man plötzlich des Morgens ״anders“ erwachte. Dieser Ablösungsprozeß ist oft beschrieben worden. Auch ich habe es vor einigen Jahren (in einem Aufsatz ״Ghetto 1935“ in der ״j. R.“) versucht. Es ist nicht der Zeitpunkt, die inneren Vorgänge, die sich in vielen von uns abspielten, aufzuzeigen. Man begreift es sicher auch jetzt noch nicht. Wieviel Distanz, wieviel wiedergewonnene Ruhe wird nötig sein, das alles einmal zu registrieren, und gar sich Rechenschaft zu geben! Alles geschah turbuleiit, ungeheuer rasch und in ungeahnter kaleidoskopischer Buntheit. Alle Theorien stürzten zusammen vor soviel Wirklichkeit, Es war eine Zeit, in der die Erde uns an vielen Stellen zu reißen begann und wir an vielen, vielen Abgründen zu gleicher Zeit standen. In einer solchen Zeit jung zu sein und arbeiten zu können — das ist eine gute und große Sache. Man darf nicht auf« hören, dafür dankbar zu sein. Es ist das erste, was einem beim Abschiednehmert einfällt: wie großartig es doch war in allem, ja in allem. Nie vergesse ich, wie das Judentum in Deutschland in den Apriltagen von 1933 plötzlich neu erstand. Nie ver« gesse ich, wie es plötzlich zu strömen begann von den uralten vergrabenen und vergessenen Judenströmen. Das war ein ungewöhnlicher Vorgang, und niemand konnte ihn im voraus erahnen. Es gilt ja nicht nur für das Leben der Gemeinschaften, daß erst das große Erlebnis die Kräfte wachruft. Es gibt offenbar wenig menschliche Kraft ohne die Erschütterung durch Not, Schicksal, Liebe und Gefahr. So brachen im Augenblick des Schicksals, das uns geschah, all die Quellen auf, die guten, reinen, klaren Quellen, die in den verschütteten Brunnen schluminerten. Es gab keinen ״Aufbruch“ im Sinne der großen gemeinsamen Aktion (dazu waren die Kräfte zu schwach, Ergebnis der Schekel-Aktion Öle Zionistische Vereinigung für Deutschlani teilt mit, daß die diesjährige Schekel-Aktion mit einem Ergebnis von 91014 Schekaltm abgeschlossen hat. Dieses Ergebnis darf angesichts der außerordentlich einschneidenden Veränderungen, die seit der letzten Schekel- Aktion im Frühjahr 1935 Innerhalb der jüdischen Gemeinschalt Deutschlands vor sich gegangen sind, als außerordentlich gut bezeichnet werden. Das Ergebnis bleibt hinter dem der damaligen Aktion nur sehr geringfügig zurück (104 900) und beweist deutlich, daß viele tausende Neue als Schekelzahler geworben worden sind.