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Jüdische Rundschau · 1937-07-09 · Heft 54 (9.7.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 54 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 9. VII. 1937 Die Stellung der Juden in Oberschlesien Einführung der Rassengesetze am 15. Juli Juden in Madrid Von Studienassessor i. R. Erich Winter, z. Z. Jerusalem Der Verfasser des nachfolgenden Artikels, fetzt in Jeru• salem, war eine Zolllang Sekretär der jüdischen Gemeinde Madrid. Seine Darstellung der Lage der Juden in dem fetzt von tragischen Kämpfen erfüllten Land dürfte daher erhebliches Interesse finden. Selbstverständlich beziehen sich seine Angaben auf die 7, eit vor Ausbruch des Bürgerkriegs. Der Präsident der ehemaligen jüdischen Gemeinde Madrid, Don Ignacio Bauer, befindet sich gleichfalls gegenwärtig in Palästina. (Red.) Zwischen Europa und Afrika Die Pvrenäen sind nicht nur eine Grenze zwischen den beiden Ländern Frankreich und Spanien; das große wilde Gebirge ist eine Landgrenze Europas gewesen im Laufe seiner Geschichte. Hannibal mit seinen Elefanten hat den Grenzcharakter der Pyrenäen nicht zerstören können, und der Vorstoß der!Maaren machte an den Pyrenäen Halt. Nach Afrika hin ist Spanien offen, nach Europa hin verschlossen gewesen nach Verlust se'ncr europäischen Großmachtstcllimg. Der letzte große Lroberimgsv,ersuch von Europa gegen Spanien, der spanische Feldzug Napoleons, mißglückte; die enroäischcn Interventionen im Id. Jahrhundert in Spanien schufen eine Abhängigkeit Spaniens von Europa. Spanien ist nicht mehr Europa und noch nicht Afrika. Hat inan die Pyrenäen überschritten, so ist man in einer neuen "Welt, in der sich Trägheit um! Leiilen-ehaftlichk! if. Konservatisnuis und RebeikMiin, Aberglaube und Ercigeistigkeit, Figenliehe und Fremdenbewunderuiig in seltsamer Weise begegnen und mischen, abstoßen und bekämpfen. Madrid Stärker und schroffer als in jeder europäischen Stadt ■traten in Madrid - von der Zeit vor Beginn des Btirgerkrieges ist im iiaehfolgcndeii immer die Rede, wenn nicht anders betont — die Gegensätze in Erscheinung. Not und Elend, Reichtum und Wohlleben fanden sich nah heieinander. Eine alte Kunst hat sich in Spanien die Jahrhunderte hindurch erhalten: die Kunst der Diplomatie. Das Verhandeln und Lavieren, auch i!11 Privatleben, undurchdringliches Lächeln, HinauflnlK n mul Stomclu Inbis-en, das in die Länge-Ziehen und das plötzliche Schweigen, das kunstvoll geflochtene Reden und das orator Rehe Elorct'dereti auf glattem Parkett, das hatte 111 der I lauptstadt Spaniens seine virtuose Vollendung erhalten und bewahrt. Das Volk von Madrid in seiner Gesamtheit pflegt seine stolzen und heldischen Traditionen. Auf einem berühmten Bild des spanischen Malers Goya ist die Erschießung von Spaniern durch französische Soldaten bei dem Angriff Napoleons auf Madrid dargestellt. Die Spanier stehen da, ungebeugt und halten aufrecht ihre Brust den Kugeln des Feindes entgegen. Das Bild hängt im Prado von Madrid, und ich war an vielen Sonntagen Zeuge, wie Männer und Frauen des Volkes von Madrid in langen Reihen an diesem Bild vorbeizogen, andächtig auf das Bild schauten, verharrten und Weiterungen wie eine fromme Prozession. Stolz charakterisiert auch die Haltung der unteren Klassen des Volkes, das seine strengen und verpflichtenden Ehrbegriffe hat, Auch der Geringste und Aermste fühlt sich als ״Caballero‘“, als solcher spricht er mit anderen, als solcher wünscht er von anderen angesprochen zu sein. Bis in die jüngste Zeit ist der alte Sinn dieses Wortes, das frülier ״Ritter, Edelmann“ hieß, nicht ganz verlorengegangen. . . Bad die Juden In dieser besonderen Atmosphäre Madrids bestand eine jüdische Gemeinde unter eigenartigen und ganz besonderen Bedingungen. Madrid lag in der Stromluft des afrikan i s c h - e u r o p ä i sch e n Durchzugs vieler «in- /einer Juden. Im Süden die großen Gemeinden Ciibraltars und Marokkos, mit ständigem Zuzug aus europniscli-sefardischcti Gemeinden, geschlossene, fromme Körperschaften, mit jüdischen Traditionen und jüdischem Bewußtsein; im Norden das moderne, industrialisierte Katalonien mit seiner jüdisehen Gemeinde mul das liberale Frankreich. Von Süden her kamen die Frommen, von Norden Freigeister; von Süden kamen sie aus dem traditionellen Oe.steskoilekttv der (iemeinde, von Norden aus der individualistischen Freiheit Euro* pas; von hier S. f.irdim, von dort Aschkcnasim. Viele Juden keimen in den letzten Jahrzehnten auf der Durchfahrt durch Madrid, luden aus Marokko, Sefardim, kanten nach Madrid, um mit der Regierung zu verhandeln; Juden aus Barcelona kamen 11 ach Madrid in geschäftlichen oder bellördliehen Angelegenheiten; Juden;ms Gibraltar stationierten in Madrid, auf dein Wege nach Barcelona oder frttn ׳ Paris. Sefardisthc Juden Rumäniens oder Salonikis sandten D-elcgationen nach Madrid, um die Möglichkeiten der Einwanderung sef,־irdischer Juden nach Spanien zu studierenEmissäre der lea reisten von!,:!ns nach Marokko durch Madrid und verhandelten dort; Jüdische Vagabunden, Landstreicher, Straßenhändler kamen vom Cordoba, Malaga, Valencia nach Madrid, in die Stadt der rochen Beamten und Grundherren; Juden auf der Fahrt von und narb Argentinien oder Venezuela und jüdische Touristen in großer Zahl hielten sich dort auf. Auf diese Weise war ,Madrid durch seine geographische!Mittelläge und seine politische Bedeutung eine Station besonders für sefardische und romanische Juden, die für Tage, für Wochen oder für Monate dort wohnten, aber nicht ansässig blieben. Und während des Krieges war Madrid eine Zufluchtsstätte jiitlisclier Exilierter; bekannte Zionisten waren dort, unter ihnen Max Nordau und ßogratschov. Die jüdische Gemeinde in Madrid Madrid war aber nicht allein eine Durchgangsstation für Juden, die Zahl 11er in Madrid wohnhaften Juden war auf über 1000 Köpfe argcwachsen. und bis zmn Juli 1036 bestand dort eine jüdische Gemeinde, in der spanische, marokka-!lisch!■, polnische und deutsche Juden vereinigt warcn. Die meisten von ihnen waren erst wenige Jahre ansässig, gebürtige Spanier raren unter ihnen, wie unter allen Juden Spaniens, nur einige wenige. Es war dort eine Synagoge, an der ein aus Saloniki /!!gewanderter |udc ständiger 8״chamasrh“ war; am Schahhat war dort ״Minjati“ und an Sonntag- Vormittagen fanden dort die Sitzungen des Gerncinderates statt. Die ökonomische Lage der Juden in Madrid war!וזו Jahre 1033 eine relativ günstige: es waren wohlhabende B,iirgcr, die dort Khlen: Aerztc, Dentisten, Auto-Agenten, Juweliere, Pelzhänd'cr, Konfektionäre, Schneider, Schokoladcfahrlkanten, Elektrizitäts-Ingenieure, Importeure von Eiern (Eier sind ein besonderer Einfuhrartikel Spaniens; es gab eine große Zahl von Eiergroßhandelsfirmen, z. T. von Juden geleitet) usw. Durch meine Sekretärtätigkeit bei der jüdischen Gemeinde in Madrid im Jahre 1933 habe ich die Probleme und Aufgaben, die an die Gemeinde herantraten, aus nächster Nähe sehen und beobachten können. In das Büro der Gemeinde kamen I> u r c h w a n d e r c r aus allen Ecken der Welt; Studenten baten um Auskünfte und Rat; aus Frankreich, Amerika, Oesterreich, dem Balkan kamen Touristen, Verwandte marokkanischer Juden, Geschäftsreisende; mit den Auf Grund des Genfer Minderheitenabkommcns über Oberschlesien vom 15. Mai 1922 war die deutsche Rasse* gesetzge bung bisher im westoberschlesischen Abstimmungsgebict nicht, angewendet worden. Mit dem Ablauf des Genfer Abkommens am 13. Juli dieses Jahres tritt die Rassegesetzgebung automatisch auch in diesem Teile des Reichsgebietes in Kraft. Zu ihrer Einführung hat die Reichsregierung am 30. Juni ein ״Gesetz über Maßnahmen im ehemaligen oberschlesischen Abstimmungsgebiet“ erlassen, in dem u. a. folgendes bestimmt wird: Jüdische Beamte treten mit Ablauf des 31. August 1937 in den Ruhestand. Ehrenbeamte und Beamte auf Widerruf sind zu entlassen. Beamte, die jüdische Mischlinge sind, sind bis zum 31, Dezember in den Ruhestand zu versetzen. Beamte auf Widerruf und Ehrenbeamte sind zu entlassen. Zur Vereinfachung der Verwaltung oder im Interesse des Dienstes können Beamte, auch wenn sie nocli nicht dienstunfähig sind, bis zum 31. Dezember in den Ruhestand versetzt, oder sofern sie Beamte auf Widerruf oder Ehrenbeamte sind, entlassen werden. Für Beamte, die Frontkämpfer waren oder die bereits vor dem 1. August 1914 Beamte gewesen sind, oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind, sowie für weibliche Beamte, deren Ehemänner im Weltkrieg gefallen sind, gilt, sofern sie jüdische Misch- 1 i n g e sind, die Bestimmung, daß sie in den Ruhestand versetzt weiden können, nicht. Weitere Ausnahmen können zugelassen werden. Auch die Lehrer jm öffentlichen Schuldienst, die Bediensteten der Träger der Sozialversichenmg, sofern sie Beamte sind, sowie die Beamten bei den Körperschaften des öffentlichen Rechts, sind ebenfalls Beamte im Sinne dieses Gesetzes. Das Dienstverhältnis der Lehrer an öffentlichen jüdischen Schulen bleibt dagegen unberührt. Auf Angestellte und Arbeiter sowie aut Notare findet das Gescti sinngemäße Anwendung. jüdischen Gemeinden in Marokko, Gibraltar, Lissabon, Barcelona stand man in Verbindung, und ebenso mit vielen vereinzelten Juden in Palma, Malaga, Valencia, Cordoba, Toledo. Juden aus Deutschland suchten Auskünfte, Hilfe und Rat. Vor der Gemeinde standen Rechtsfragen, wirtschaftliche und kulturelle Aufgaben. Gerade mit der Einwanderung von Juden aus Deutschland wuchs der Aufgabenkreis und änderte sich die Struktur der Gemeinde, Arbeitsgenehmigungen in Madrid und Marokko mußten beantragt, Erkundigungen eingezogen, Geld für Hilfszwecke eingesammelt werden. Der Leiter der Gemeinde D. Ignacio Bauer Don Ignacio Rauer war der Leiter der jüdischen Gemeinde Madrids und zugleich der Präsident der Zionistisehen Organisation Spaniens und Marokkos. Seine jüdische Aktivität, die nur ein Teil seiner politischen Tätigkeit überhaupt war, ist für uns historisch deshalb von um so großerem Interesse, als Bauer der erste spanische Jude war, der 400 Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Spanien, von Madrid aus für Spanien und Marokko zugleich jüdischer Repräsentant war. Bauers jüdisch-politische Aktivität läßt sich so charakterisieren: fn dem vor-emanzipatorischen Land Spanien vertrat Bauer den Gedanken der ״politischen Protekfion" und später der Emanzipation besonders der scfardischen Judengemeinden Spanien-Marokkos. Der aschkenasische Span'er Bauer wurde durch seine Tätigkeit Vorkämpfer der Emanzipationsinteressen scfardischer Gemeinden, bei denen er deshalb großen Ruhm und Ansehen genoß. Bauer intensivierte auch das Interesse der philanthropischen jüdischen Kreise Frankreichs an der marokkanischen Judenheit und stärkte die Verbindung der Ica mit Marokko. Unter den Juden Spaniens, deren Zahl im Jahre 1936 etwa 7000—8000 betrug, gab es nur 200 mit spanischer Nationalität und mit vollen Staafsbiirgerrechten. Von diesen 200 gab es nur einen einzigen, der in dritter Generafion schon in Spanien ansässig war: D. Ign. Bauer. Sein Großvater war als junger Mann von Ungarn nach Madrid cingcwandert und hatte sich dort etahlic-rt. Sein Vater war Bankier und in der spanischen Vorkriegsmonarchie zweimal Senator und einmal Deputierter der ״Cortes“ gewesen. In einem Haus voll bürgerlichen Wohlstandes, politischen Ansehens und glänzender Verbindungen wurde I. Bauer im Jahre 1S91 geboren. Mit 21 Jahren, im Jahre 1912, begann er seine Laufbahn als Rechtsanwalt, als ״abogado“; sein Ansehen als Kriminalverteidiger war in Madrid und Marokko gleich groß. Im Jahre 1923 wurde Bauer bei den Provinziallandtagswahlen als Deputierter für Madrid gewählt. Fn den Tagen des Staatsstreiches des Generals Primo de Rivera war B. amtierender Präsident des Provinziallandtags in Madrid. Er stand immer in den Reihen des liberalen Bürgertums. Bauer wurde Mitglied der Akademie für Geschichte und schöne Künste, und einer der Direktoren der Geographischen Gesellschaft in Madrid, fm Jahre 1932 wurde er zum Professor für Geographie und Geschichte am ״Instituto de Ensenanza Superior Hisnano-Marroqui“ in Ceuta (Marokko) ernannt; als Dozent und Vizepräsident dieses pädagogischen Instituts hat er seine Lehrtätigkeit dort bis zum Jahre 1936 ausgeübt. Bauer hat eine Reihe von Büchern geschrieben, besonders über Marokko. Auf dieser Basis bürgerlicher und politischer Reputation wurde Bauers Eintreten für die Juden im Rahmen der Ge- Seilschaft erst möglich, gleichermaßen in der Periode der konstitutionellen Monarchie, der Militärdiktatur und der bürgediehen Republik, ln ganz Madrid war sein Haus das einzige, das gesichert, einflußreich und bewußt-jüdisch genug war, ein Zentrum der Hilfe und des Rates für Juden zu sein. Gegen Selbsthilfe ־von Juden Warschau, 4. Juli. (JTA.) In Loniza ist ein stadtbekannter Verbrecher in die Wohnung des jüdischen Bürgers Golombck eingedrungen, hat alles, was itfm unter die Hand kam, zertrümmert, die Fensterscheiben eingeschlagen und die Hausgenossen mißhandelt. Ein Nachbar, der den Ueberfallcnen zn Hilfe eilte, schleuderte eine Flasche gegen den Eindringling, der im Gesiebt leicht verletzt wurde. Bald darauf sammelten sich vor dem Hause Unterweitselemente an, um an den Juden wegen ״Mordversuchs an einem Christen“ Rache zu nehmen. Mehrere Wohnungen jüdischer Einwohner wurden verwüstet. Erst starke Polizeiabteilungen konnten die Ruhe wiederherstellen. Zwei Angreifer und vier Juden wurden verhaftet. Der Polizeichef ließ später den Vorsitzenden der Gemeinde rufen und ersuchte ihn, die jüdische Bevölkerung darauf hinzuweisen, daß sie im Falle von Angriffen sich an die Behörden wenden, nicht aber zur Selbsthilfe greifen solle. Auch sonstige jüdische nichtbeamtete Träger eines ßffentliehen Amtes scheiden mit dem 31. August aus ihren Aemtern aus. Die Reichsbank wird durch das Gesetz ermächtigt, entsprechende Vorschriften zu erlassen. Besondere Vorschriften sehen einen Unterhaltszuschuß und den Ausgleich von Härten vor. Die Zulassung von Rechtsanwälten, die jüdisch oder jüdische Mischlinge sind, kann bis zum 31. Dezember zurückgenommen werden. Das gleiche gilt für Patentanwälte, Bestallungen oder Approbationen von jüdischen Aerzten, Zahnärzten, Tierärzten und Apothekern, die nach dem 30. Januar 1933 erteilt worden sind, erlöschen am 30. September, wenn sie nicht bis zu diesem Zeitpunkt bestätigt werden. Jüdische leitende Aerzte an öffentlichen Krankenanstalten sowie freien gemeinnützigen Krankenanstalten und jüdische Vertrauensärzte scheiden mit dem 31). September aus ihrer Stellung aus. Jüdische Krankenhäuser werden von dieser Regelung nicht betroffen. Kassenärzten," Kassen- Zahnärzten und Kassaidentistcn ist die Kassen praxis zu entziehen, wenn sie Juden oder jüdische Mischlinge sind, oder wenn sie nach dem 1. Juli 1933 eine Frau geheiratet haben, die jüdisch oder jüdischer Mischling ist. Dies gilt dann nicht, wenn sic bereits seit dem 1.8.1914 niedergelassen waren, wenn sie Frontkämpfer waren oder wenn sie in einem Seuehenlazarett als Aerztc tätig gewesen waren oder wenn ihre Väter, Söhne oder Ehegatten im Weltkrieg gefallen sind. Bei jüdischen Mischlingen kann eine Ausnähme zugelassen werden, Einbürgerungen, di-e zwisehen dem 9. November 191S und dem 30. Januar 1933 vorgenommen worden sind, können widerrufet! werden, falls die Einbürgerung nicht als erwünscht anzusehen ist. Das Gesetz, zu dem der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers der NSDAP, und den sonstigen beteiligten Reichsministern die Durchführungsbestimmungen erläßt, tritt am 15. Juli in Kraft. Jüdische Schulkinder in PreuBen Nach den jetzt vorliegenden Zahlen über den Stand des Schulwesens in Preußen am 15. Mai 1936 waren von insgesamt 32 720 öffentlichen Volksschulen 22 791 evangelisch, 8678 katholisch, 1208 paritätisch und 43 jüdisch. Von den hauptamtlich an diesen Schulen beschäftigten 78 719 Lehrern und 28 202 Lehrerinnen waren 80 jüdische Lehrer und 25 jüdische Lehrerinnen. — Von insgesamt 2 444 696 Knaben und 2 375 719 Mädchen an den öffentlichen Volksschulen in Preußen waren nach der Religionszugehörigkeit 6034 jüdische Knaben und 6062 jüdische Mädchen. Im Jahre 1935 betrug die Zahl der jüdischen Schüler an den öffentlichen Volksschulen 14 537. Es ist alsq ein Rückgang um fast 2500 Schüler zu verzeichnen. Nach der rassischen Zugehörigkeit waren 5969 Knaben und 5946 Mädchen rein jüdisch. Von insgesamt 303 privaten Volksschulen sind 35 jüdische Volksschulen; 1935 betrug die Zahl der privaten jüdischen Volksschulen in Preußen nur 28. Vor! insgesamt 10 875 Knaben und 9764 Mädchen, die die privaten VolksscFmlen in Preußen besuchten, waren nach der Religionszugehörigkeit 4318 jüdische Knaben und 3913 jüdische Mädchen. Irrt Jahre 1935 gab es insgesamt 7276 jüdische Schulkinder. Die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen hat sich also um rund 1CÖ0 erhöht. Die Zusammensetzung nach der rassischen Zugchörigkeit weicht von den vorstehenden Zahlen kaum ab. Von den öffentliche mittlere Schulen besuchenden 164 003 Schulkindern waren 1758 nach der Religions- und Rassezugehörigkeit jüdisch. Im Jahre 1935 gab es 2172 jüdische Schulkinder an diesen Schulen. Von den die privaten mittleren Schulen besuchenden 33 780 Schulkindern waren nach der Religionszugehörigkeit 1403 jüdisch, nach der Rassezugehörigkeit 1406 rein jüdisch, während im Jahre 1935 nur 1030 jüdische Schulkinder private mittlere Schulen besucht haben. Die öffentlichen höheren Lehranstalten in Preußen wurden von insgesamt 241 803 Knaben und 112 451 Mädchen besucht; davon" waren 2391 jüdische Schüler und 1718 jüdische Schülerinnen, zusammen also 4109 jüdische Schulkinder gegeniiber 6849 jüdischen Schulkindern im Jahre 1935. Das bedeutet einen Rückgang um rund 40 ״o. Demgegenüber haben sich die Zahlen der jüdischen Schulkinder auf den privaten höheren Lehranstalten in Preu- Bert nicht wesentlich verändert. Von den diese Schulen besuchenden 4970 Knaben waren 458 jüdisch (1935; 366), von 35 912 Mädchen waren 735 jüdisch (!935: 822). Das sind zusantmen 1193 jüdische Schulkinder gegen 1188 im Jahre 1935, Nach den vorstehenden Zahlen besuchten also am 15. Mai 1936 28 820 jüdische Kinder in Preußen die Schulen gegen 33 052 im Jahre 1935; der Rückgang beträgt also 4232 Schulkiniier (= 12,8 ״/»). Die vorstehenden Zahlen ermöglichen eine Schätzung der gegenwärtigen Zahl der jüdischen Schulkinder in Deutschland. Es kann für Mai 1937 angenommen werden, daß in Deutschland nur noch etwa 34 000 jüdische Schulkinder vorhatiden sind, und zwar etwa 24 000 auf Volksschulen und 10 000 auf mittleren und höheren Schulen. Innerhalb von zwei Jahren hätte sich danach der Umfang der jüdischen Schülerschaft in Deutschland um fast 10 000 Schulkinder verringert. Max Birnbaum, Berlin Die Kongreßwahlen in Frankreich haben am 4. Juli stattgefunden. Es wurden in Paris 1S50 Stimmen und in der Provinz zirka 600 Stimmen abgegeben. Es wurden 2 Vertreter der zionistischen Linken: Jarblum und Lefschitz, und ein Allgemeiner Zionist, Dr. Goldmann, gewählt, Frankreich wird also auf dem Kongreß durch drei Delegierte vertreten sein, wozu noch 1—2 Delegierte der ostfranzösischen Zionisten kommen, da Ostfrankreich (Elsaß-Lothringen) einen gesonderten Wahlkreis bildet. Bei den Schweizer Kongreßwahlen stand der Liste des Misrachi unter Führung von Dr. Markus Cohn die vereinigte Liste des arbeitenden Palästina und der Allgemeinen Zionisten A unter der Kandidatur von Dr. Julius Becker (Genf) gegenüber. Dr. Bcckcr erhielt die überwältigende Mehrheit. Nur in drei Städten konnte Dr. Cohn die Mehrheit erringen. Somit wird Dr. Becker den Schweizer Zionismus als Delegierter auf dem Kongreß vertreten. Die Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten (Groppe A) hat eine Weltkonferenz ihrer Delegierten und der inr angeschlossenen Organisationen für Montag, der! 2. August 1937, um 10.30 Uhr vorm., im Uebungssaal der Tonhall in Zürich (Schweiz) einberufen. Die Delegierten werden gebeten, sich unverzüglich mit Herrn L. Bakstansky, Honorary Secretary der Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten, 75, Great Russell Street, London, w. C. 1, in Verbindung zu setzen und ihm ihre Namen und Adressen bekanntzugeben.

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