Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1937)
- Date
- 1937-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 3× ep/1047930
- Safed 2× ep/1046078
- Tiberias 2× ep/1048138
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7.1337 ,;ץ- Nr. 53 / Jahrgang 42 Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU lAiiftleltimgiYei'la; n. Anzeigen Verwaltung: B«tlloW IS, M«! nekeatr.20 pf—rel! 919031, Tdej^anm-Adr••■• : Orghlp. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat KM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw, RM 5,39. — P0*t*d1«ck - Konten der Vertriebs Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Barlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch aut Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Batugogebühren. ־־ Erscheint jeden Dienstag ond Freitag. BERLIN כ״ז תמוז חרצ״ז DIENSTAG, 6. JULI 1937 Gftltlgt Anzeigenprelsllste Nr. 5* Die 12 gespaltene mm י Zeile 20 Rpf., für Familien ■ Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit«* Anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18־ Uhr AnnahmcschluQ für die Dienstag ־ Aasgabe Montag 10 Uhr» für die F r ei tag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien •Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Dar Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Der )üduche Staat Die Anschauungen der Peel - Kommission — Teilung die einzige Lösung Judensiaat von Metulla bis Beer Tuwia — Ganz Galiläa jüdisch, Negew nicht In dien letzten Tagen wurden Nachrichten über den Bericht der Peel - Kommission bekannt, die wohl als authentisch betrachtet werden können. Wir veröffentlichen nachstehend eine Zusammenfassung dieser Informationen. Daraus ergibt sich: Die Kommission empfiehlt die Teilung als einzigen Ausweg, weil sie zu der Erkenntnis kam, daß die jüdisdhen und arabischen Aspirationen miteinander unvereinbar sind. Der jüdische Staat umfaßt ganz Galiläa und die ganze Küstenebene. Dagegen ist bei der Grenzangabe von dem größten und bisher ganz dünn bevölkerten Gebiet Palästinas, dem Süd teil (Negew) nicht die Rede, was — falls die untenstehenden Informationen vollständig sind — bedeuten würde, daß der Negew (mit Ausnahme des Akaba-Bezirks) zum arabischen Staat fiele. Haifa, Akko, Safed und Tiberias — zum Teil Städte mit heute noch arabischer Majorität — fallen in den Judenstaat, Jerusalem wird permanentes britisches Mandatsgebiet. Eine Aussiedlung arabischer Bevölkerung aus dem Judenstaat in den arabischen Staat ist ins Auge gefaßt. Die Veröffentlichung des B (Telefonischer Bericht der ״Jüdischen Rundschau“) Jerusalem, 5, Juli 1937. Die ״Palästlna-Korrespondenz“ (״Palcor“) erfährt eine Reihe von Einzelheiten über den Bericht der Königlichen Kommission, die wir nachstehend wiedergeben. Diesen Informationen zufolge ist die Kommission zu der Ueberzeugung gelangt, daß das gegenwärtige Regierungssystem in Palästina nicht fortgesetzt werden kann, weil es zu endlosen Wirren führen müsse. Unvereinbare Aspirationen Der Bericht stellt fest, daß England sowohl den Juden als auch den Arabern Versprechungen gemacht hat, und zwar wurde den Juden während des Kriees versprochen, ihnen bei der Errichtung des Nationaleitnes in Palästina zu helfen, während den Arabern versprachen wurde, ihnen bei der Gewinnung ihrer politischen Unabhängigkeit Beistand zu leisten. Beide Versprechungen, so fährt der Bericht fort, wurden gegeben in Uebereinstimmung mit der britischen Tradition und in voller Aufrlcnt igkeit Es gibt eine traditionelle Freundschaft gegenüber den arabischen Völkern in allen Ländern des Mittleren Ostens. Es gibt auch ein traditionelles britisches Mitge fühl (״svmpathy“) gegenüber dem jüdischen Volk, und es liegt in Großbritanniens Interesse, sich das Vertrauen der Judenheit zu erhalten. Aber die nationalen Aspirationen dieser beiden Völker sind miteinander unvereinbar. _ Die Hoffnung, die man einst hegte, sie miteinander i n Einklang bringen zu können, ist nicht in Erfül- 1 u n g gegangen. Die Araber wollen ihr eigenes Reich errichten, die Juden hingegen verlangen volle Freiheit, Palästina wieder aufzubauen und in ihr historisches Heimatland zurückzukehren, uneingeschränkt durch irgendwelche Begrenzungen; die Jewish Agency hat der Kö- «!glichen Kommission gegenüber darauf bestanden, daß das Mandat vollständig ausgeführt werde und daß die jüdische Einwanderung nach Palästina v e r g r ö - Bert werde. n,־ die8er Forderungen ist annehmbar: pie Forderung der Araber, Palästina als arabisches Land zu betrachten, läßt das Recht der Juden auf Palästina außer acht, sowie die Tatsache, daß sich dort schon 400 000 Juden befinden. Es Ist undenk b a r, daß diese 400 000 Juden arabischer Beherrschung (domination) ausgeliefert werden können, und e» ist ebenso unzulässig, eine Million Araber in Palastina zukünftiger jüdischer Beherrschung preiszugeben. Das gegenwärtige Regierungssystem kann nicht fortgesetzt werden. Palliativlösungen Es mag Palliativlösungen geben: Kantonisierung, ״d־r ElnsthränkunÄ der Einwanderung und Landkäufe (z. B. Fixierung eines politischen Maximums der jüdischen Einwanderung auf nicht mehr als 12 000 jährlich für die nächsten fünf Jahre, Verbot des Landverkaufs an Juden m gewissen Gebieten und der jüdischen Ansiedlung in den bergen), die Ernennung von jüdischen und arabischen Vertretern in einem Advisory Council, das Aufhören des Prinzips auf Festsetzung eines bestimmten Prozentsatzes von Juden bei u ״A.rbe1ten wid Diensten der Regierung oder weitere Be- Schränkungen in der Einwanderung von Kapitalisten und richtes erfolgt, wie bereits gemeldet, Verwandten, oder Einsetzung einer ״Arabischen Agency“ unter Teilnahme von Vertretern der arabischen Herrscher (außerhalb Palästinas) als Gegengewicht gegen die ״Jewish Agency“, und schließlich Modifikationen des Mandates, die den Mandatar instand setzen würden, diese Aenderungen durchzuführen. Aber alle diese Palliativmaßnahmen gehen nicht an die Wurzel des Problems, und eine radikale Lösung ist nötig. Eine solche Lösung kann nur gefunden werden in der Errichtung von zwei separatenStaaten, eines jüdischen und eines arabischen, und entspreehender Aufteilung des Landes. Drei Arten Land Gemäß den Vorschlägen der Königlichen Kommission soll es in Zukunft drei Arten von Territorien in Palästina geben: Zwei unabhängige Staaten (einen jüdischen und einen arabischen) und einen Teil des Landes, der unter permanentem britischen Mandat bleibt. Der jüdische Staat Der jüdische Staat soll umfassen: Ganz Galiläa (Ober- und Untergaliläa), das ganze Emek Jesreel, den größeren Teil des Beisan-Gebietes und d i e Kiistenebene von Ras el Nakura (Punkt an der palästinensich-syrischen Grenze) bis nach Beer T uwia im Süden. Die nördliche Grenze des jüdischen Staates soll zunächst der bestehenden Grenze Palästinas entlang der Südgrenze des Libanon vom Mittelmeer bis nach Syrien folgen. Die Grenze gebt dann weiter entlang der gegenwärtig palästinensisch-syrischen Grenze, dann entlang dem Jordan und dem Tiberias- See bis zum Austritt des Jordan aus dem Tiberias-Sce und von dort zu einem Punkt nördlich der Stadt Beisan, wendet sich dann nach Westen entlang dem Südrande des Emek Jesreel bis Megiddo, dann verläuft sie südwärts im Hügelland entlang dem Rande der Küstenebene, mit einem Bogen, um Tulkerem herauszuschneiden. (Damit würde vorgeschlagen, daß alle jüdischen Siedlungen jenseits des Jordan, also z. B. beide Deganiahs, Gescher, Naharajim u. a., in das arabische Staatsgebiet eingeschlossen werden.) Haifa wird zum jüdischen Staat gehören. Der jüdische Staat wird 225000 Araber einschließen, außer der arabischen Bevölkerung in Safed, Akko, Haifa und Tiberias. Diese vier Städte, die ein Teil des jüdischen Staates sind, werden vorläufig unter temporärem britischen Mandat bleiben und ihre arabische Bevölkerung ist nicht genötigt, die Staatsangehörigkelt des jüdischen Staates anzunehmen, solange dieses temporäre Mandat in Kraft bleibt. am Morgen des Donnerstag, 8. Juli. Die Britische Zone Großbritannien soll ein neues permanen« tes Mandat erhalten über Jerusalem, Bethlehem, Nazareth und über einen Korridor von Jerusalem nach Jaffa, der das Gebiet zwischen der Chaussee Jaffa—Jerusalem und der Eisenbahnlinie Jaffa—Jerusalem umfaßt. Die arabischen Städte Ludd und Ramleh werden zu diesem britischen Mandatsgebiet gehören. Die Stadt Jaffa wird Teil des ara* bischen Staatsgebietes sein. Zum britischen Mandatsgebiet wird auch ein Teil des Negew gehören, und zwar der an dem Golf von Akaba angrenzende Teil. Der arabische Staat Der Rest des Landes wird zusammen mit Transjordanien einen neuen arabischen Staat bilden. Verträge mit England Zwecks Errichtung dieser beiden unabhängigen Staaten soll die englische Regierung Verträge ab schließen mit den Vertretern der Araber einerseits und der Zionistisehen Organisation andererseits. Der arabische Staat soll eine Subvention von 2 Millionen Pfund erhalten und einen zusätzlichen, noch nicht spezifizierten Beitrag für die Kosten der Ueberführung von arabischer Bevölkerung aus dem jüdischen Staatsgebiet nach Transjordanien. Die Verträge mit den beiden Staaten sollen auch für den ungestörten Güterverkehr von dem jüdischen Haifa in das arabische Staatsgebiet und von Akaba bzw. Aegypten durch Eisenbahn in das jüdische Gebiet vorsorgen. Jaffa wird zum arabischen Staat gehören und mit ihm durch den unter britischem Mandat stehenden Korri« dor verbunden sein. Die Uebergangszeit Während der Uebe r ga n gspe r io de bis zur Er« richtung der beiden Staaten soll das Land unter z entraler britischer Regierung bleiben. Der bestehende Advisory Council (Regierungsbeirat), dem gegenwärtig nur Beamte angehören, soit vergrößert werden durch Hinzufügang von Vertretern beider Völker. Wenn eines von ihnen die Teilnahme verweigert, sollen die Repräsentanten des anderen trotzdem ernannt werden. Während der Uebergangsperiode soll den Arabern verboten sein, im jüdischen Territorium Land zu erwerben und umgekehrt. Die Einwanderung während der liebergangszeit soll reguliert werden in Uebereinstimmung mit der ökonomischen Fassungskraft des Landes, wobei jedoch nur die dem zukünftigen jüdischen Staat zugewiesene Fläche in Betracht zu ziehen ist. Die Kommission drückt ihre Wertschätzung für die Leistungen der Juden in Palästina aus und übt Kritik an der Verwaltung, die während der Unruhen des Jahres 1936 sich ihrer Aufgabe nicht gewachsen gezeigt habe.