Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 18. VI1937 Die Abrabanel-Ausstellung Die Gedenkausstellung■ für Don Jizchaq Abrabanel im Jüdischen Museum schließt sich den anläßlich des 500. Geburtstages dieses großen jüdischen Religionsphilosophen und Staatsmannes stattgefundenen Ehrungen würdig an. Die Aus- Stellung, _ die der Welt und dem Werk Abrabanels gewidmet ist, entstand auf Anregung von Dr. Alfred Klee. Veranstaltet wurde sie gemeinsam mit der Bibliothek der Oben links: Haggadah mit Kommentar von Abrabanel. — Unten rechts: Sejer Ikkarim (Grundlehren des Judentums) von Josef Albo Koto.: J. AUr.h.m (2) H. Sounenf.Id (1) ■$» Berliner Jüdischen Gemeinde. Ihre Ausgestaltung lag in Händen des wissenschaftlichen Beirats des Berliner Jüdisehen Museums, Frau Rahel Wisch nitzer-Bernstein. Am 13. Juni wurde die Ausstellung von dem Vorsitzenden der Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, eröffnet. Nach einführenden Worten von Frau Rahel Wischnitzer- Bernstein würdigte Rabbiner Dr. Max Wiener den Wissenschattier Abrabanel. Die Abrabanel-Gcdächtnisausstellung will nicht so sehr das gesamte literarische Schaffen Abrabanels und seines Sohnes Jehuda (Leone Ebreo) würdigen, sondern Welt und Werk dieses großen Juden über das Buch hinaus in Bildern und Kunstwerken veranschaulichen. Von den Abrabancl-Buchausgaben wurden die kostbaren und schönen Erstdrucke bevorzugt, die uns zugleich einen Eindruck hoher jüdischer Druckerkunst vermitteln. Die Vitrinen im Jüdisehen Museum bergen Werke aus den Offizinen eines Giustiniani, eines Di Gara oder Tobias Foa aus dem 16. Jahrhundert, deren Schönheit der Typen und der wohlabgewogenen Satzordnung nicht nur Bücherfreunde entzücken. Die meisten dieser Kostbarkeiten stammen aus dem Besitz der Berliner GemeindebiMiothek, aber auch die Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums hat wertvolle Erstausgaben wie ״Rosch Amana“ (Konstantinopel 1506) und den ,,Kommentar zu den ersten Propheten“ (Pcsaro 1511) zur Verfügung gestellt. Aus dem Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau kamen als Leihgaben der ״Konimentar zu den Sprüchen der Väter“ (Venedig 1545, A- Giustiniani) und ״Mascliniia Jeschua“ (Saloniki 1526, Jeh. Gedalja). Dr. Fritz Bamberger lieh u. a. einen Aldusdruck aus dem Jahre J 540 der ״Dialoghi di amore“ des Leone Ebreo. Man freut sich, in diesein Zusammenhang frühen Druckausgaben der Peßachhaggadah zu begegnen, wie der venezianischen von 1620 und der Amsterdamer von 1695, deren Holzschnitte beziehungsweise Kupferstichillustrationen so nachhaltigen Einfluß auf die jüdische Bildkunst hatten. In die Abrabanel- Ausstellung gelangten diese Haggadoth auf Grund des mitabgedruckten Abrabanelkommentares in hebräischen Lettern, zum Teil in italienischer oder deutscher Uebersetzung. Zur Abrundung des Eindruckes sephardischer Buchkultur zur Zeit Abrabanels wird eine illuminierte spanische Machsorhandschritt aus dem Besitz aus dem 15. Jahrhundert (aus der Gemeindebibliothek) gezeigt. In photographischen Wiedergaben werden hebräische il-!unlinierte Handschriften spanischer Herkunft, die heute zu den Schätzen aller großen Bibliotheken gehören, vor Augen geführt. Wir sehen Abrabanels Heimatstadt Lissabon in einer Ansicht des 15. Jahrhunderts. Wir lernen König Alfons V. von Portugal kennen, in dessen Diensten Don Jizchaq bis zum Tode des Königs 1481 stand. Toledo, wohin Abrabanel flüchten mußte, wird durcii die beiden berühmten Synagogen und das Haus Samuel Halevis charakterisiert. König Ferdinand vonAragonien und Isabella von Kastilien, in deren Diensten Jizchaq Abrabanel von 1484 bis 1402 stand, sowie der Saal in der Alhambra zu Granada, wo das Dekret über die Ausweisung der Juden in Spanien 1492 unterzeichnet wurde, verdeutlichen seinen Aufenthalt in Spanien. Reiches Material ist auch zu dem Leben der Juden in Italien, wohin 1492 Abrabanel auswanderte, zusammengekommen. Da sehen wir Abgüsse jüdischer Medaillen, die zur Zeit der Renaissance in Italien entstanden, Arbeiten des jüdischen Waffenschmiedes Ercole de Fideli, Sederschiisseln jüdischer Majolikamanufakturen und Abbildungen kostbarer Handschriften italienisch-jüdischer Herkunft. Um den Philosophen und Arzt Leone Ebreo (1460 bis 1535) zu verlebendigen, bringt die Ausstellung Bildnisse italienischer Philosophen und Aerzte, sowie italienisch-jüdische Illustrationen dieser Zeit 7,u ärztlichen Werken. Abbildungen von Tizians ״Venezianischer Senator“ und Giorgiones ״Drei Philosophen“ versinnbildlichen den Aufenthalt Don Jizchaq Abrabanels in Venedig. Eine Reproduktion von Bronzinos Bildnis der Eleonora von Toledo weist auf ihre Erzieherin Benvenida Abrabanel, der Nichte und Schwiegertochter von Jizchaq. Bildnisse berühmter Sepharden in Amsterdam runden den Eindruck sephardischer Kultur ab, und eine Thorarolle aus dem Besitz der Berliner Scphardischcn Gemeinde stellt die Verbindung mit der Gegenwart her. Die Bildnisse der Berliner Philanthropin Jeanette Schwerin, derUebersetzerin der ״Dialoghi“ und Mitglied der Familie Abrabanel, sowie ihres Vaters Eduard Abarbanell machen uns mit Nachkommen dieser berühmten Familie bekannt. Aufgelockert wird die Ausstellung durch kostbare Kultgerate italienisch-sephardischer Herkunft aus dem Besitz des jüdischen Museums, aus dessen wissenschaftlichem Studienmaterial der größte Teil der Bilder stammt, Ein instruktiver Katalog, von Rahel Wischnitzer-Bernstein im Verein mit Dr. Josef Fried verfaßt, erleichtert das Einfühlen in die Welt und das Werk Abrabanels. Dr. Irmgard Schüler Vitrine mit illuminierter venezianischer Aggadah und Kommentar von Abrabanel nnd eine Eleonora de Toledo, Bildnis von Bronzino X ■״ ׳ ׳ ■ s*•' Gottesdienst - Nachrichten Schabbat: חקת ScHabbat-Ausgang 21.33 Abkürzungen t Fr »Freitagabend. frSp Freitng-Spätgottesdicnst. SchF Schabbat» Frühgottesdienst. SchH 1= Schabbat* Haupt gottrsdienst. M Schahbatmincha. J ~ Ju* gendgottesdienst Pr Predigt. Sch! hdhrifterklarung. L — Lehrvortrag. OSeh sa Anschließend Oneg Schabbot Wa « Wocheratag-Abend. Wn Wochentag-Morgen Gemeinde-Synagogen nach neuem Ritu• Neue Synagoge: Fr 19 Pr Adler / SchH 10 Fasanenstraße: Fr 19 Pr Graf / SchH 10 / M 20 / Wa 19.30 / Vm 7.30 Lindenstraße! Fr 19 Pr Maybaum / SchH 10 / Wa 19.30 / Wm 7.30 Lfltzowatraßet Fr 19 Pr Wiener / SchH 10 / Wa 19.30 / Wm 7.30 Levetzo wstraße; Fr 19 Pr Lewkowitz/SchH 10/ Wa 19.30 / Wm 7.30 Friedenstempelt Fr 19 Pr van der Zyl /SchH 10 /Wa 19.30 / Wm 7.30 Prlnrregentenatraße t Fr 19.15 Pr Brasch / SchH 10 / Wa 19.30 / Wm 7.30 Schmargendorf: Fr 19 Pr Hamburger / SchH 9.30 / J 10.45 Gemeinde-Synagogen nach altem Ritus Alle Synagoge. Fr 19.30 / SchH 8.30 Pr Freier / M 20.45 / W* 19.30 /Wm 6.30 KaUerstraSe: Fr 19.30 / SchH 9 Pr Landau / J 16 Sinyermann / M 20.45 / Wa 19.30 / Wm 6.30 RykeatraBe! Fr 19.30 / SchH 9 / M 20.45 / Wa 19.30 / Wm 6.30 PeatalonlatraBei Fr 19.30 / SchH 9 / M ,20.45 / Wa 19.30 / Wm 7 __ , Münchener StraBe! Fr 19.30 / SchH 9 / J 16.30 / M 20.45 / Wa 19.30 / Wm 7 Granewald! Fr 1930 / SchH 9 / M 20.45 / Wa 19.30 / Wm 7 Kottbuaser Ufer! Fr 19.30 / SchH 9/J 16.30/M20.45 / Wal9.30/ Wm 7 Vereins-Synagogen Ahawath Zion, Schünhauaer Allee 4 s Fr 1930 / SchF 7 / SchH 9 / M 20 L Levy / Wa 1930 / Wm 7 BethScholaumlMtnjanMendeUohn), Markgraf-Albrecht-StraSe 11-12! Fr 1930/ SchF 7 / SchH 9 BethZion,Bnmnenatr. 33! Fr 19.30/ SchH 8.30 Pr Lowenthal / J 17,30 / M 20.30 Js Landau / Wa 19.30 / Wm 6.45 Lippmann-Tauss, G011now.tr. 12! Fr 1930/ SchH 830 Pr Sinyermann / J 15.45 / M 20.45 L! Wa 19.30 / Wm 6.30 ... Mazmlach Jeschuah, Drajroner.tr, 34-35! Fr 19.30 / SchF 7 / SchH 9 / M 20 / Wa 20 / Wm 7 Ohel Jizchok, Ueaenatr. 3! Fr 19.30 / SchH 9 Pr Meyer / M 20.20 / Wa 1930 / Wm 7 Syn. Geaundbrunnen, Pr!n1enallee87! Fr 1930 / SchH 9/J 16 /M 20.45 L Alexender / We 19.30 / Wm 7 Sephardiache Synagoge, l.ützowatr. 111 s Fr 19 / SchF 9.30 Syn. Paasauer Str. 2! Fr 19.30 / SchH 9 Sehr Broch / M 20.10 L Kand. Spier / Wa 1930 / Wm 7 Religion, verein Neu-Tempelhof, Muasehlstr. 22! Fr 1930 / SchH 10 PrWresrynaki/ M 21 L ' Iar. Vereinigung Lichtenberg, Frankfurter Allee 561 Fr 1930 / SchH 9 / M 20.48 L / Wa 19.30 / Wm 7 Retigionsgem. Chbg., Schulatr. 7! Fr 18.30 / SchH 9.30 ReligionDTerein Frledenau-Stegllt[, Stier.tr. 21! Fr 19.30 / SchH 9 / M, J u. Osch 16.30 L Winter SynagrogenverelnWeiBen.ee, Lothringenatr. 22! Fr 19! SchH 10 Sehr Meyer USfÄ Syn.-Verein Moabit und Hanaabezirk, Le.sing.tr. 19! Fr 1930 / Sehr 6.45 Syn.-Verein Lewjehudoh, Schönhauser Allee 31: Fr 19.30/SchF 6.45 / SchH 8.30 Pr Rebhun / M 20.25 L / Wa 19.45 / Wm 6.45 IN ALLER KÜRZE Der Stadtpräsident von Warschau, Starzynski, antwortete auf verschiedene Beschwerden einer Abordnung des jüdischen Kleinhändlcrverbandes, er werde sich dafür einsetzen, daß keiner der durch die Gründung eines neuen Bazars in ihrer Existenz bedrohten Kleinhändler seinen Erwerb verliere. Was den Plan der Einführung eines ״Ghettos“ für jüdische Obsthändler auf einem der Warschauer Märkte betreffe, so werde der bisherige Zustand aufrechterhalten bleiben. Die Warschauer Stadtverwaltung beabsichtige nicht, eine judenfeindliche Wirtschaftspolitik zu führen. Eine jüdische Abordnung hat den jetzt in Lemberg weilenden Kommandanten der Sicherheitspolizei, General Kordian-Zamorski, auf die in letzter Zeit sich ständig wiederholenden Ueberfälle auf jüdische Passanten aufmerksam gemacht. Der General versprach, die Polizeipatrouillen in Lemberg zu verstärken. Durch einen Riesenbrand, der am Sonnabend in dem L o d z e r jüdisch-proletarischen Viert•! Baluty wütete, sind 160 jüdische Familien mit etwa 400 Seelen obdachlos geworden. Hundert Personen wurden verwundet, davon zwanzig so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der Schaden beträgt über eine Million Zloty. Mit Rücksicht auf die politische Situation, in der sich die zionistische Bewegung befindet, sind alle zionistischen Parteien und Gruppen in Groß-Britannien und Irland übereingekommen, von einem Wahlkampf zu dem nächsten Zionistenkongreß abzusehen. Anläßlich der Schlußfeier zum Jubiläum des Jewish Theological Seminary of America ain 6. April ist neben anderen Gelehrten Prof. Dr. El bogen von aer Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin zum Ehrendoktor der jüdischen Literatur ernannt worden. Die Zahl der Juden in Frankreich wird in einem Aufsatz von Prof. Menet in den Jivvo-Blättern auf 280 000 geschätzt. Davon leben in Paris und den Vororten von Paris etwa 190 000, und zwar 60 000 in Paris alteingesessene, 100000 eingewanderte aus Osteuropa, 20 000 Sefardim, 10000 aus Mittel- und West-Europa. 35 000 Juden wurden in den letzten Jahren in Frankreich naturalisiert. Die Wilnaer Rameiles-Klaus, eine der ältesten und besten Jeschiwot, ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Rameiles-Klaus, gegründet von Rabbi Israel von Salant, der ihr auch eine Zcitlang Vorstand, hat jetzt unter der Führung Rabbi Chsajim Ber Gradsenskis 150 Schüler, die noch trotz den schwierigen Verhältnissen ihre Arbeit fortzuführen versuchen. Die Firma J. Friedlaender, Baldenburg (Grenzmark), ist in arischen Besitz übergegangen. Der Kulturbund Nordhausen verpflichtete die Berliner Opernsängerin Loni Brotz. en für seinen am 10. Oktober stattfindenden ersten Konzertabend der Saison. mag• und s t e n d a m m 22, Nahe Zoo Ausrichtung von Featlielikettefi. / Ruf! 91 2245 Aufsicht Kaschr.-Kctnm. Jüdische Gemeinde Berlin Restaurant Rubinstein כשר Joachlmsthaler Str. 41 Tel. 9112 32 u. 92 SO 89 milchige u.wegetar. ftölBilung, Me״״ rm -,80,1,27, in separatem Raum, Mäßige Preise. Besondere Spezialitäten, z. B.: Pirogon in verschiedensten Füllungen, Suppen, Kate-, Milch* und Mehlspeisen. Fischgerichte in Butter (täglich Buttermilch mit neuen ICartoffeln) usw. 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