Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 18. JUNI 1937 Spiegel der Ereignisse Zur Belebung der Wirtschaft Maßnahmen der Jewish Agency Folgende wichtigen Projekte, die eine Belebung der Wirtschaft zum Ziel haben, sind von der Jewish Agency fertiggestellt worden: 1. Als Ergebnis von Verhandlungen mit den Banken haben sich diese bereit erklärt, den Orangenpflanzern mit einem Kredit in Höhe von £ 150 000 zu Hilfe zu kommen. 2. Die Anglo-Palesline und die Arbeiterbank haben sich bereit erklärt, eine Summe von £ 30 000 für die Diskont i e r u n g von Wechseln jüdischer Landwirte, die jüdische Arbeiter beschäftigen, zu reservieren. 3. Die Jüdische Agrarbank, die vom Keren Hajessod und der Anglo-Palestinc Bank gegründet wurde, wird ihr Kapital um £ 60000 erhöhen, wobei der Keren Hajcssod unu die A. P. C. je die Hälfte des notwendigen Betrages beisteuern werden. Durch diese Transaktion wird ein Gesamtbetrag von £ 200 000 für Darlehen an jüdische Orangenpflanzer entstehen. 4. Das Kapital der Industrie-Bank wird bis zu einem Höchstbetrag von C 25 000 von der Anglo-Palcstine Bank erhöht werden, damit eine Belebung der Industrie herbeigeführt werden kann. 5. Augenblicklich steht die Gründung einer jüdischen industriellen Exportgesellschaft zur Diskussion, die von der Jewish Agency, der Anglo-Palcstine Bank und dem Industriellenverband mit einem Kapital von £ 8000 ins Leben gerufen werden soll. 6. Es sollen Schritte unternommen werden, um eine Beschleunigung der öffentlichen Arbeiten und eine Verstärkung der Bautätigkeit in den Staaten und aut dem Lande herbei/.ufiihren, und zwar mit Hilfe des von der Jewish Agency und der Histadruth gemeinsam gerundeten Bitzur. Das Kapital der Bit/ur soll zu diesem wecke von £ 30 000 auf £ 40 000 erhöht werden. Es wird beabsichtigt, weitere Obligationen im Gesamtbeträge von £ 50 000 in Umlauf zu bringen, zusätzlich der bereits früher aufgelegten im Betrag von £ 100 000. 7. Die Jewish Agencv wird aus den Mitteln des Keren Hajcssod £ 5000 bereitstellen, um gemeinsam mit der Ge- Seilschaft Nir die Erweiterung der Arbeiterviertel zu ermöglichen, so du fl mit dem Bau von 300 neuen Häusern begonnen werden kann. 8. Die Wassergcscllschaft Mekoroth, die gemeinsam vom Keren Hajcssod und der Jewish Agency (Deutsche Abteilung) ins Leben gerufen wurde, wird eine großzügige Bewässerungsaktion im Emek durchführen, deren Kosten sich auf über £ 60 000 belaufen werden. Diese Arbeiten werden gemeinsam mit dem Keren Kajemeth und der Nir durchgeführt werden. Budgets der Städte In schriftlicher Beantwortung einer Anfrage des Abg. Wedgwood gab der Kolonieuminister in der Unterhaus- Sitzung vom 14. Juni bekannt, daß im Verwaltungsjahr 1935/36 die Einkünfte von Tel Aviv 424 000, die Regierungs- Zuschüsse 15 000, zusammen 439 000 Pfund, betragen haben. In Jerusalem betrugen die Einkünfte 134 700, die Regierungs- Zuschüsse 42 400, zusammen 177100 Pfund, in Haifa die lokalen Einkünfte 85 000, die Regierungszuschüsse!8 000, zusatnmen 103 000 Pfund. Der Abg. Commander Locker-Lampson fragte, wieviel Morde in den sechs Jahren 1930 bis 1936 in Palästina von Juden und wieviele von Arabern begangen wurden, ferner, wie oft die Oeücitung seit ihrer Errichtung von Arabern, bzw. von Juden beschädigt worden sei. Der Kolonienminister antwortete, er werde hierüber vom High Commissioner Auskunft verlangen. _ Das Attentat auf Spicer Die Polizei führte nach dem Attentat auf den General- Inspektor der Palästina-Polizei, Spicer, gründliche Untersuchungen in allen Teilen Jerusalems durch, wobei arabische Cafes und auch eine Anzahl von Passanten durchsucht wtirden. Alle Autos, die die Stadt verlassen, wurden ebenfalls durchsucht. Einige jüdische Fußgänger, die Augenzeugen des Ueberfalls waren, haben der Polizei Bericht erstattet. Drei junge Juden, die gerade vorübergingen, als die Schüsse fielen, verfolgten die bewaffneten Araber bis in die Altstadt hinein; dort jedoch verloren sich die Verfolgten in der Menge. Eine. Anzahl verdächtiger Araber, darunter ein Bruder von Sami El-Ansari, der während eines Ueberfalls auf den Polizeibeamten Sigrist im Juni 1936 getötet wurde, sind verhaf- Jet worden. Mr. Spicer hatte die Absicht, am 21. Juni seine Ferien anzutreten und nach England zu fliegen. Das Lokal des arabischen Nationalen Komitees ist durch- Sucht worden; ebenso eine Anzahl von arabischen Dörfern in der Umgebung Jerusalems. Gefunden wurde nichts. Politik Wie die JTA. erfährt, hat die Palästina-Regierung die Verteilung der 220 von der Exekutive der Jewish Agencv abgelehnten Zertifikate aus der letzten Schedule bereits selbst vor genommen. Außerdem sind an die Palästina- Regierung etwa 190 Gesuche um Zertifikate gerichtet worden. Bei seiner Ankunft aus der Türkei in Haifa wurde dem Emir Abdullah ein tumultuarischer Empfang zuteil. Große Menschen!nassen versammelten sich am Kai, unter ihnen befanden sich auch eine Anzahl Araber aus Transjordanien. Man berichtet, daß der Kronprinz von Yen! er! auf der Rückreise von London vielleicht Palästina besuchen wird. In einer Sitzung des Waad Leuini hat der aus Europa zurückgekehrte Vorsitzende Ben Z w i, der den palästinensischen Jischtiw bei der Krönungsfeier in London vertreten hat, über die von ihm in Paris und London gewonnenen politischen Eindrücke berichtet. Das Präsidium wurde er-!nächtigt, die A s s e f a t Haniwcharim möglichst bald einzuberufen. Die Einberufung ist für den 5. Juli vorgesehen. Das neue palästinensische Grenzkorps wird nach Beendigung aller Vorbereitungen demnächst seinen Dienst aufnehmen. An der Nordgrenze werden zwanzig Wachen errichtet. Das Korps wird zunächst aus 200 Polizisten unter dem Konimando eines höheren britischen Offiziers bestehen. Aus Beirut wird gemeldet, daß General Hutzinger, der Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte im Orient, dieser Tage den Colonel Hood vom britischen Generalstab in Palästina empfing und mit ihm militärische Fragen besprach, die beide Länder berühren. Col. Hood kehrte am Mittwoch nach Palästina zurück. Die ersten jüdischen Anspruchsklagen auf Entschädig u n g für in den Unruhen gefallene Familienangehörige werden am 21. Juni am Bezirksgericht zu Tel Aviv vorgetragen werden. Die nationalen Körperschaften leisten den Klägern juristische Hilfe. Aus arabischen Kreisen wird über eine fortschreitende Spaltung zwischen den arabischen Parteien in der Frage der Landesverteilung berichtet. Die Nashashibi- Partei wolle Nablus zur Hauptstadt des vereinigten arabischen Reiches von Palästina und Transjordanien machen. Im Hause des Mufti habe dieser Tage eine Versammlung der Husseini- und Istiklal-Anhängcr stattgefunden, in der über propagandistische Maßnahmen gegen den wachsenden Einfluß des Emir Abdullah in Palästina beraten wurde. Eine Anzahl arabischer Agitatoren, darunter zwei dem Mufti nahestehende Personen, sind im Zusammenhang mit dem Attentat auf den Chef der Polizei Spicer aus Jerusalem verbannt worden. Wirtschaft Zwischen der Leitung des Tel Aviv er Hafens und den im Hafen beschäftigten Arbeitern ist ein Abkommen geschlossen worden, das die Verbesserung der Arbeitsbedingungeti zum Ziele hat. t. Der erste Bericht des gemeinschaftlichen Arbeitsamtes der Histadruth und der Revisionisten wurde in Tel Aviv herausgegeben. Es wird über die verschiedenen Tätigkeits* zweige der gemeinsamen Arbeitsvermittlung berichtet und an die Stadt Tel Aviv appelliert, daß sie ausgedehnte öffentliehe Bauten durchführen möge. Die Regierung kündigt an, daß nur ein Viertel der für das Jahr bis zum 31. März 1938 für Zitrusböden zu erhebenden Bode ns teu er eingetrleben werden wird. Dies kommt einer Ermäßigung der Steuer tun 75 :0 für dieses Jahr gleich. In Anbetracht der Klagen, die von der jungen Brau- Industrie Palästinas seit einiger Zeit über die drückende Konkurrenz des zollfrei eingeführten syrischen Biers erhohen wurden, hat die Palästina-Regierung Beschlossen, vorn 1. Juli 1937 ab einen Einfuhrzoll von 10 Mil pro Liter für syrisches Bier zu erheben. Die Bewässerungskooperative im östlichen Teil des Emek Jesreel hat einen größeren Betrag dem Studium der Bew ä s s e r u n g s p r o b I e!1! e i m E!11 e k gewidmet. Die U iterstichung wird insbesondere im Hinblick auf die Gefahr einer Durchsal/ung des Bodens in dem Komplex Ejn Charod durchgeführt. Es wird eine Versuchsstation errichtet werden. Aut Bestellung des türkischen Konsuls in Jertisalem wurden in letzter Zeit 2300 veredelte Setzlinge vo!1 Orangen- und ürapefruithäumen aus der Baumschule in P c t a c h - T i k w a it nach der Türkei verschifft. Vermischtes Sir Arthur Wauchope hat eine persönliche Spende von IOC() Pfund für die Regierungsschule in dem arabischen Ort Doura bei Hebron gemacht, nachdem die örtliche Bevölkerung unter der Leitung eines arabischen Distriktsbeamten 4000 Pfund zwecks Aushaus der Schule auf verschicdcnen Fachgebieten aufgebracht hatte. Der Oberste Richter für Palästina, LI. H. Trusted, hat einer jüdischen Abordnung aus Safed mitgeteilt, daß Prozesse, in denen Juden Parteien sind, in Zukunft nicht, wie bisher, in Nablus, sondern beim Bezirksgericht in Safed zur Verhandlung kommen werden. Das Appellatio.isgericht hat entschieden, daß eine als Touristin ins Land gekommene Frau, die nach Elte- Schließung mit einem Palästinenser im Lande verblieb, keinen Anspruch auf Rückerstattung tler von ihr hei der Einreise hinterlegten Kautionssumme von ß (!0 erheben kann. Sechs jüdische Knaben, im Alter von zwölf und dreizehn Jahren, eine Frau und sechs Kinder, die aus Syrien illegal ins Land gekommen waren, wurden in Safed zur Deportierung verurteilt. Das gieiche Urteil wurde für zehn Araber ausgesprochen. infolge von Sfreiligkeiten, die vorige Woche zwischen D rtise n und M o 11 a m m e d a 11 e r 11 in der Nahe von Haifa entstanden, ist das Getreide auf Fehlem, die ersteren gehören, vernichtet und verbrannt worden. Fine Abordnung der Drusen sprach beim Be/irkskommi-sar vor, um Schutz zu fordern. Die zweite Konteren' der We 11 v e r e i n i g u n g Allgemeiner Zionisten (Gruppe A) in Palästina, ehe von 125 Delegierten ans allen Teilen des Landes beschickt ist, wurde in Tel Aviv eröffnet. Ussischkm sprach über den Teihingsplan. Die Verhandlungen des Waad I. e u it! i mit den Vertreten! bürgerlicher 'Gruppen wurden abgeschlossen. Ls wurde vereinbart, daß der Waad Leuini durch 31 neue Mitglieder aus den Kreisen der Allgemeinen Zionistengruppe A, des Landwirteverbandes und anderer Gruppen e r w <: i t e r t werden soll. Der Sekretär der Jerusalemer Universität, Lwen S a h a w, der sich gegenwärtig in Litauen aufhält, hat den! litauischen Unterrichtsminisfer, Prof. T o!1 k u n a s, einen Besuch abge- Stattet und ihm namens der Jerusalemer Universität eine wertvolle Monographie über du! jüdischen Bildhauer Rafael Chami/er überreicht. Ein zweites Exemplar machte er der staatlichen Kimstgalerie um Litauen zum Geschenk. It! diesem Jahre werden sich 200 jüdische Studenten aus, Polen zum Studium twi die Hebräische Universität in Jerusalem begeben. Am 9. Juni fand die Grundsteinlegung für das religiöse Jugenddorf Kfnr Noar Dati bei Kfar Chassidim statt. Die Stadtverwaltung Tel Aviv hat beschlossen, einen Beitrag zum Hilfsfonds für die Opfer des Pogroms von Brest-Litowsk zu leisten. Maurice Schwartz hat die Regie der bevorstchenden Inszenierung von ״Josche Kalb" in Schneurs liebräischcr Ucbersetzung beim Obel übernommen. Die erste Aufführung wird Ende Juni stattfinden. Die Agentur ״Stefani“ meldet: An der Internationalen F i 1 m a 11 s s t e 11 u n g in Venedig werden voraussichtlich die Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Japan, Belgien, Indien, Aegypten, Palästina und die Tschechoslowakei teilnehmen. Dr. Richard Wolfheim feiert am 23. Juni 1937 in Tel Aviv den sechzigsten Geburtstag. Wer den energischen, geistsprühenden Mann kennt, wird kaum glauben können, daß er schon an der ״Schwelle des Alters“ steht. Dr. Wolfheim hat sich erst relativ spät zur zionistischen Auffassung durchgerungen. Aber gerade weil die zionistische Erkenntnis ihm nicht in den Schoß fiel, hat er den Zionismus tief erfaßt; weil die Abkehr von der Assimilation einen Markstein in seinem Lehen bedeutet, war von da an sein ganzes Sinnen und Trachten der Idee des zionistischen Aufhaus zugewandt. Dr. Wolfheim war bis zu seiner Auswanderung nach Palästina der Führer der zionistischen Bewegung in Thüringen. Er war Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe Erfurt, Leiter des zionistischen GruppenverhaiHls Thüringen, Initiator der Thüringer Zionistischen Gesellschaft, und vertrat die Thüringer Zionisten im Landesvorsfand der ZVil). Er verwandte' sein Augenmerk ausschließlich auf praktische Arbejt: mochten andere über Zionismus und Assimilation diskutieren, er nahm die ganze Arbeit für die zionistischen Fonds, die Sorge für das geistige Lehen der Ortsgruppe, die Aufrechterhaitung des Thüringer Hachs.cliarah/entrums, die zionistisehe Gemeindearbeit auf sich und war zudem ein eifriger Mitarbeiten tler jüdischen Wohlfahrtspflege im Bezirk Sachsen- Anhalt. Ende ties Jahres 1932 übersieddte Dr. Wolfheim nach Palästina und setzt hier seine intensive zionistische Arbeit fort, Er beteiligte sich an den Arbeiten der Hitachduth Olej Germania, vor allem wirkt er wieder mit vorbildlicher Tatkraft für den Keren Kajemeth. Jüdische Jugendliche aus Deutschland siedeln Die Siedlung der Jugendorganisation ״Wer klaute" aus Deutschland in J oh ne am im Emek Jesreel macht ständige Fortschritte. Bild 1 zeigt eine Gesamtansicht der Siedlung mit Baracken und Zellen bei einer Besprechung der Leiter der Werkleute mit den Vertretern der Deutschen Abteilung der Jewish Agency. Bild 2 zeigt Mitglieder der Siedlung beim Bau des Ziegenstalls. Bild 3: die Arbeit bei der Herstellung des Drahtzaunes, der aus Sicherheitsgründen angelegt werden muß. Foto»: Luu Landauer ■ um SiliS äse