Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48,18. VI. 1937 Ein Leben lang lernen Von Ernst Simon, Jerusalem Das ״Kartell Jüdischer Verbindungen“ Von Georg Hirsch 40 Jahre ZVfD. heißt auch 40 Jahre zionistischen Kampfes Jüdischer Akademiker. Wenn noch Anfang der 80er Jahre Juden glaubten, paritätische Stiidcntcnkorporationen bilden zu können, so mußten sie sehen, daß diese durch die wachsende Zunahme des Antisemitismus — besonders auch auf den Hochschulen — sich immer mehr zu rein jüdischen entwickeln mußten. Die um diese Zeh und anfangs der 90er Jahre gegründeten Verhimlungen, die sieh im ״Kartell-Convent“ zusammcngeschlossen hatten, waren ursprünglich von jener ״nationaljüdischen“ Stimmung geformt, die glaufite, dein Hochschulantisemitismus durch Bildung rein jüdischer Verbünde mit Satisfaktionszwang entgegentreten zu können. Aber diese Einstellung genügte nicht, um der fortschreitenden Assimilation Einhalt ZU gebieten. Es kamen aber auch die Ausläufer der Chowewe-Zion- Bewegung bis nach Deutschland. In Berlin entstanden im Jahre 1892 9J die Vereinigten Israelitischen und Jüdischen numnnitälsgescllschalten. Diese schlossen sich 1893 zum ״Verein Jüdischer Studenten" (V. J. St.) zusammen. Heinrich Löwe, Theodor Zlocisti, Alfred Eriedemami und andere waren seine hervorragendsten Mitarbeiter. Der V. J, St. stellte sich zur Aufgabe, jüdische Studenten in der Abkehr von den damaligen assimilatorischen Strömungen mit nationalem zukunftsträchtigem (!eiste zu erfüllen. Man suchte und fand Fühlung mit anderen jüdischen nationalen Kreisen. Dem V. j. St. folgten bald weitere Gründungen, die sich 1902 zum ״Bund Jüdischer Corporationen“ (B. J.C.) zusammenschlossen und im Anschluß hieran entstanden weitere Korporationen an einer Anzahl .Universitäten im bleich. Wenn für den Kartell-Convent (K. C.) die Glaubensgemeiiisri 1a it die Formel war. so bedeutete die Entwicklung des B. J. C. für die damalige Zeit einen grundsätzlichen Bruch mit diesem Bekenntnis, Aber auch im B. J. St, erkannte mail, daß die Aufgabe, ״als Sammelpunkt aller jüdischen Studenten, die sich bcwußr ab Juden!üblen und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mit/uarbeiteii" nicht ausreichend sein konnte. Innerhalb des B. |. C. haben Arthur Biram, Kurt Blmnenfdd mul Felix Rnsenbluth für die ,,Zionisierung“ gekämpft. II!rer Initiative Kt die Gründling der Verbindung ,,Maceahaei" zu verdanken und durch diese Gründung durfte die Zionisierung des B. J. C. ihren stärksten Antrieb erhalten haben. Aus der M.nvabaea sind Menschen wie Blumenfeld, Rost'iibiiiih. Siegfried Moses, Saliv Hirsch und andere her- VOrgegangeit. War die Erziehung im B. j. C. also ursprünglich eine nationaljudBche, die sieh du reit Beschäftigung mit den jiidisehen Kitilturmhaltcn zwang-.!,!ufig jedoch zu einer zionistisehen pal,i׳-tino-/cntrisd11־n entwickelte, so muß doch an dieser Stelle gesagt werden, daß es schon damals Vornehmheit in den Reihen der Akademikerschaft ,außerhalb Deutschlands Strömutigen rein zionistischen Inhalts gab. Durch Gründung der Verbindung ״Hasmonaea" wollte Egon Rosen Berg im Jahre 1902 beven l't dem zionistischen Gedanken und der Zionistisehen Organisation einen Rahmen innerhalb der jüdischen Studentcnschaft schaffen. Das Ziel der ״Hasmonaea“ war. ״die Idee des Zionismus zu fördern, ihre Mitglieder zum Studium der jüdischen Sprache, Geschichte und Literatur zu voranlassen und neben der Pflege der Geselligkeit für die körperliehe Ausbildung ihrer Mitglieder Sorge zu tragen“. Dieser dritten Gruppierung, die sieh bewußt von Anfang an zionistisch nannte, schlossen sich bald neue Gründungen irn Reich an, die i!n Kartell zionistischer Verbindungen (K. Z. V.) ihre Zusammenfassung erhielten. Auch sie harten ebenso wie der B. J.C. manche Form des deutschen Studentenhom ments übernommen, ohne sie jedoch, wie andere, sinnlos nacli/nahmen. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges, als auch im B. J. C. die Entwicklung eine immer mehr zionistische wurde, als die Differenzierungen mehr und mehr ahnahmen und nur noch Geringfügigkeiten, aber keine grundlegenden Anschauungen die Verbände mehr voneinander trennten, reifte der Gedanke einer zentralen Zusammenfassung aller zionistischen Vorbiiidungen, die am!9. Juli 1911 in eine Fusion aus B. J. C. und K.Z. V. in das K. JA'. (Kartell Indischer Verbindungen) mündete. Erstmalig umfaßte nunmehr das Präsidium des K. J. V. Vertreter der beiden ehemaligen Gruppen, von denen hier Lieh!11ihm, Krojanker, Elias Auerbach unter Leitung des im Kriege gefallenen Erich Rosenkranz genannt sein mögen. Halte auf der einen 8r1te die nationale Tendenz des ,,K. O." eine Rückbildung erfahren, und die zionistische Fundierung ihren .Ausdruck nur innerhalb der zwar auch assimtlicrten meistens;111' bürgerlichem Milieu stammenden K.JA’er erhalten, so hatte jedoch die deutsche Orthodoxie und ihre akademisch, n Rs prusentnnten den Anschluß an die zioliistische Orientierung nicht gefunden. Der Krii-g riß große I.ticken in die Reihen des K. J. V. Viele seiner besten Vertreter kamen nicht mehr zurück. Durch ihn kam das K. J. V. auch mit dem < )stjinlenftiin in Berührung. Die Bekanntgabe der Balfour-Deklaration 1917, fernerhin der bereits vor dem Krieg von einer K. J. Ver Gruppe gegründete indische Wunder bum! ״Blau-Weiß“, alle diese Faktoren deuteten eine sich neu anbahnemle Entwicklung an. Kurt Blutnenbdd wurde im Jahre 1919 der erste Präside des K. J.V. Er wies das K. J. V. auf die neuen Aufgaben hin und hatte int Verlauf vieler Jaltre den entscheidenden Anteil an der Erziehungsarbeit des K. J. V. Leider ist es im Rahmen dieser Zeilen nicht möglich, aiif/uzeigen, in welchem hervorragenden t hu fange Blumenfeld das Gesicht des K. J. V. bestimmt hat. Die weiteren Jahre waren reich an inneren Kämpfen. Ah- Splitterungen von Gruppen, die unter anderem das Formenprobletn int K. j. V. nicht als gelöst empfunden, die vollzogene aber dann wieder aufgehobene Fusion mit dem ״Blau-Weiß“ haben das K. J. V, zwar nicht unberührt gelassen. Aber alle diese Erschütterungen konnten ihm letzten Endes nichts anhaben. Es hat im Verlauf der Jahre weiterhin wie seit seiner Gründung mit Energie versucht, seine Mitglieder zu willensstarken Juden zu erziehen. Heute am Abschluß einer Epoche mag cs z.tt früh sein, Definitives hierüber zu sagen. T atsache ist, daß das K. J. V. der ZVfD. durch die Jahrzehnte hindurch in gemeinsamer Arbeit eng Verbünden war und ihr eine große Anzahl der qualifiziertesten Arbeiter gestellt hat. Das K.J.V., ehemals eine Organisation von 2000 Menichcn, hat nunmehr sein Schwergewicht nach Palästina verlagert. Heber 1000 Bundesbrüder sind im palästinensischen K. J. V. vereinigt. Eingliederungen in den Jischnw, Hebraisie- ׳ung weisen ihm dort die Wege. Die Entwicklung kann such dort mir sein: Mitarbeit am Aufbau Palästinas! Vierzig Jahre Zionismus i!t Deutschland: das bedeutet für diejenigen unter uns, die heute etwa ebenso alt sind wie die moderne zionistische Bewegung, in sehr vielen Fällen: zwanzig Jahre zionistischer Entscheidung, Entwicklung und Tätigkeit. Worin unterscheidet sich nun der Zionismus der jetzt vierzigjährigen von dem der fünfzig- und sechzigjährigen ,.alten Zionisten“ aus dem Westen Europas? Vcrallgemeinernd darf man antworten: vor allem darin, daß Möglichkeit und Zwang zur zionistischen Verwirklichung in die erste statt in die zweite Lebenshälfte fiel, und weiter darin, daß wir Jüngeren die — keineswegs von allen wahrgenommene — Chance hatten, den Zionismus zugleich als politische Entscheidung und als ge i s t i gk u 11 u r e 11 e, wenn nicht gar als religiöse Forderung zu erleben. Unsere zionistischcn Erzieher atmeten oft in der geistigen Welt Stefan Georges und argumentierten jüdischen Nationalismus von Fichte und Meinecke her: wir selbst nahmen das auf und an, doch nicht als Inhalt, sondern als Anstoß — wie es häufig auch gemeint sein mochte — und suchten Bestätigung oder Berichtigung nicht nur bei Buber, Achad Haam und Nathan Birnbaum, sondern auch an deren Quellen, den Quellen des Judentums selbst. Daraus ergab sich eine sehr zwiespältige kulturelle Situation, die in Deutschland begann, noch heute fortwirkt und immer weitere Kreise neuer Zionisten ergreift, aber sich durch die Ucbersiedlung nach Erez Israel keinesfalls von selbst aufhebt. Das Wesentliche ist: niemand von uns wird mehr geistig ganz erwachsen, wir bleiben alle zeitlebens Schüler, als Zwanzigjährige einst, als Vierzigjährige nun, als Sechzigjährige in der Zukunft. Auch wenn eine gewisse Gel.infigkeit im Hebräisch-Sprechcn und sogar im Lesen und Schreiben erreicht ist, verläßt einen niemals das Gefühl von der Notwendigkeit einer besonderen und bewußten kulturellen Bemühung: gilt es doch, sich zunächst einmal kenntnismäßig mit den Trägern und Erben der hebräischen Kultur einigermaßen auf eine Ebene zu bringen, sich die gemeinsame geistige Vergangenheit mit ihnen nachträglich zu schaffen. Diese dauernde Bemühung aber stört die Unbefangenheit des Urteilens und — noch mehr! — des Genießens; sie verhindert die eigentliche ästhetische Haltung zum hebräischen Kunstwerk, jene Anschauung oder jenes ״Wohlgefallen ohne Interesse“ Kant-Schopenhauers, ohne die man zwar vielerlei Einzelzüge etwa eines Gedichtes sehr scharf beobachten und erspüren, nicht aber eindeutig wissen kann: ist das nun große Dichtung oder nicht? Richtest du hier nach den Maßstäben großer Kunst, die du dir angecignet hast, oder fällst du dem Provinzialismus einer ״Heimatkunst“ zum Opfer, den du überall durchschauen und ahwehren würdest, außer hier, wo das mächtige ״Interesse“ deines Rückweges zum Volk und zu seiner sich aus den alten Quellen erneuern- Der Misrachi in Deutschland Von Rechtsanwalt Dr. Abraham L ö b, Berlin Menschen wie wir, die wir die 50 überschritten haben, gelten der heutigen zionistischen Jugend als veraltet. Und doch haben wir vor der heutigen Jugend etwas voraus, was uns zeitlebens jung erhält. Das ist das große Erlebnis des Auftretens Theodor Hcrzls auf der Bühne der Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Und wir erlebten dieses Ereignis, wie Gymnasiasten solche großen Momente ihrer Volkscschichte zu erleben pflegen, als Romantiker in ungeheurer cgeistcrung, deren Eindruck für immer bleibt. In unseren Träumen sahen wir uns in die Reihen der Scharen des R. Akiba und des Bar Kocltba versetzt. In Wirklichkeit war der politische Zionismus ganz unromantisch, denn er wandte sich an die politischen Mächte der Erde. Das Baseler Programm hatte eine außenpolitische, reale Tendenz und war gedacht als gemeinsame Plattform für alle Juden, die die Wiederherstellung der seit dem Untergange des Patriarchats abgerissenen Fäden der politischen Autonomie in Palästina wieder anknüpfen wollten. So kam es, daß die ersten gesetzestreuen Zionisten sich der Organisation artsclilossen und sich der Führung von Männern anvertrauten, die aus dem Lager der Assimilation zum jüdischen Volksbewußtsein zurückgekehrt waren, wie das auch in anderen großen jüdischen Organisationen Alliance, Hilfsverein, Centralverein, nicht ohne Beispiel gewesen ist. Erst als der erhoffte Charter auf sich warten ließ und aus dem Zionismus zunächst die Bewegung der Rückkehr ins Judentum vor der Rückkehr ins Judenland wurde, und damit die Frage nach dem Kern und Wesen des Judentums aufgeworfen war, fanden sich auf dem zweiten Kongreß die gesetzestreuen Kreise im Misrachi zusammen. Dieser setzte sich die Aufgabe, dem überlieferten Judentum innerhalb der Renaissancebewegung de^ jüdischen Volkes die demselben zukommende zentrale Stellung gegenüber den aus der Emanzipationsepoche und von der Haskala herkommenden auflösenden Tendenzen zu sichern. Andererseits galt es aber, das auf der Wanderschaft befindliche, nach seiner alten Heimat suchende Volk vor den 11 n heilvollen Folgen eines in zwei Teile spaltenden Kulturkampfes zu bewahren, dessen Folgen in der Reformzeit die jüdischen Gemeinden in Deutschland an den Rand des Unterganges gebracht hatten. So wurde der Misrachi in Deutschland das, was er heute noch ist, der treue Hüter des nationalen jüdischen Nomismus und zugleich der Garant der Einheit einer Bewegung, die jahrelang in Gefahr war, mangels eines für die Massen sichtbaren praktischen Erfolges zu einem Forum kultureller und weitanschaulicher Kämpfe zu werden. Dieser Entwicklung entsprechend können wir unter den aus Deutschland stammenden Misrachisten drei Typen unterscheiden, die allen bekannt sind, nämlich die ersten gesetz.estreuen Zionisten, die von der Chowewe-Zion-Begeisterung eines R. Esriei Hildesheimer her vorbehaltlos zur Bewegung gekommen waren (z. B. Lazarus Barth und Hermann Struck) die Menschen, die mit Thorawissen und umfassender Bildung ausgestattet, das Prinzip der Vereinigung von Thora im Derech erez zu Ende dachten (z. B. Wolfsberg) und jene, die bei der Rückkehr zum Judentum keine Halbheit kannten, sondern den schweren Weg der Entwicklung bis zur freiwilligen Uebernahmc aller jüdischen (Icsctzespflichten gingen (z. B. Goslar). Dementsprechend ist auch die Entwicklung der Ideologie des Misrachi nicht ganz einheitlich gewesen, während den Erbschaft dir das Urteil trübt und die Stimme verschlägt?! Ein Beispiel mag unsere Schwierigkeit des echten kulturellen Urteils im Gebiet des Hebräischen verdeutlichen. An einer berühmten Stelle des historischen Teils der Farbenlehre stellt Goethe Plato und Aristoteles als zwei große Grundhaltungen des menschlichen Geistes gegeneinander und sagt dann: ״Aristoteles hingegen stellt zu der Welt wie ein Mann, ein baumcisterlicher“. Jeder, der deutsch kann, fühlt am Schluß des Satzes die Abweichung der Wort- Stellung gegenüber der gewöhnlichen und weiß wohl auch zu formulieren, was sie ״bedeutet“: ״ein baumeisterlicher Mann“ das wäre ein Mann, dessen ihn bestimmende Haupteigenschaft im ßaumcisterlichcn besteht; aber ״ein Mann, ein baumeisterlicher“, das ist zunächst einmal ein anz bestimmungsloser, uneingeschränkter M a n n schlechtin, und seine Tat ist, daß er baut. Hebräischkönnen ohne geistigen Substanzverlust würde also heißen, in gleicher Weise das Gefälle des normalen hebräischen Satzes — oder Zitates! — im inneren Ohr zu haben und jede Abweichung davon als Absicht des Dichters oder Denkers hören und deuten zu können. Um das auch nur annähernd zu erreichen, muß man — höchst unnatürliche Situation! —• ein Leben lang lernen. Und doch ist es noch nicht das letzte Ziel. Denn wer in einer Sprache geistig wirksam werden, und das heißt doch: sein Eigenes und Eigentliches so ausdrücken will, daß es in seiner unverwechselbaren Eigentümlichkeit andere zum Aufhorchen z.wingt und zur Nachfolge aufruft, wer das will und muß — und sei es nur seinen eigenen Kindern oder Schülern gegenüber! — dem drängt sich ganz ungewollt ein eigener, sein eigener Ton auf die Lippen. In der endlich erlernten Fremdsprache aber, und gerade im Hebräischen, liegen die fertigen Prägungen der Sprache für ihn bereit und drängen sich zwischen seine Gedanken oder Gefühle und deren Ausdruck. So werden wir die Erbschaft der Literatur und Sprache mühsam lernend antreten müssen, um sie dann in wertender Auswähl teils zu erwählen, teils zu verwerfen: in eigenem Urteil und in eigener Sprachprägung. Auf beide aber dürfen wir nicht verzichten, wollen wir nicht geistig verarmen; schon deshalb nicht, um einmal wissen und sagen zu können, welche der uns notwendigen Lebenswerte wir aus jüdischein Erbgut holen dürfen, welche anderen aber wir entschlossen aus der Begegnung mit Europa retten müssen, weil das Judentum sie nun einmal nicht — oder nicht voll und rein — in sich birgt. Bis zu diesem Ziel ist der Weg noch weit. Doch wir fühlen alle, daß wir zwar einen langen Weg gegangen sind von unserer europäischen Kultursicherheit bis in unser jüdisches Stammeln, daß aber hoffentlich der Weg, der vor uns liegt, noch viel länger sein wird. Hoffentlich: Denn nicht nur aie Epochen sind, nach Rankes frommem und wahrem Wort, ״unmittelbar zu Gott“, sondern auch die Wege des Uebergangs von Land zu Land und von Zeit ־u Zeit. sie seit der Balfour-Deklaration und der damit verbundenen Möglichkeit der Verwirklichung des Zionismus ganz feste Umrisse bekam. Zunächst war gegenüber den den Zionismus ablehnenden Kreisen des gesetzestreuen Judentums eine negative Feststellung nötig geworden, nämlich die, daß es reügionsgesetzlich nicht verboten sei, sich der Bewegung anzusehließen. Schon die im Jahre 1898!Verlag Itzkowski) erschienene Broschüre ״Widerspricht der Zionismus unserer Religion?“ von Dr. H. Salomonsohn stellt das gesamte halachische Material in meisterhafter Weise zusammen. Wir wissen heute, daß sich hinter diesem Pseudonym niemand anders verbarg als der spätere Oberrabbiner von Prag, der grolle jüdische Gelehrte und Hebraist Dr. H. Brody. Im Jahre 1904 erschien dann die Schrift des Papaer Oberrabbiners M. A. Roth ״Der Zionismus vom Standpunkt der Jüdischen Orthodoxie“. Sie schließt mit dem Aufruf, daß es nicht Sache der Rabbiner sei, sich abseits zu stellen und in stummer Untätigkeit der Volksbewegung zuzusehen, daß es vielmehr Pflicht der Großen sei, tätigen Anteil zu nehmen an diesem unschätzbaren Werk. Eine erhebliche Klärung erfuhr die Ideologie des Misrachi durch die Gemeindepolitik und durch die Gründung der Agudas Jisroel. In der Gemeindepolitik wurde der in der Reformepoche entstandene Separatismus überwunden, und während bei Gründung der Agudas Jisroel führende Misrachisten (z. B. Prof. Pick und d. Vf) noch geglaubt hatten, daß es sich hier um eine für das gesamte jüdische Volk segensreiche Zusammenfassung aller thorafreuen Elemente handelte, wurden sie bald auf der Halbcrstädter Tagung darüber belehrt, daß aus dieser Idee eine Kampforganisation aller separatistischen Kreise gegen den Misrachi und die zionistische Be* wegung geworden war. So gewann der Misrachi von selbst seine Abgrenzung gegenüber der Orthodoxie, und seine eigene Ideologie wurde entsprechend den Anschauungen der großen unvergeßlichen Männer s. A. wie Raw J. J. Reines und Ra\V Kuk, von Aron Barfii, Wolfsberg, Rabb. Hoffmann u. a. m. fest dahin Umrissen, daß das jüdische Volk ein für allemal und für alle Zeiten am Sinai der Thora verpflichtet worden sei, daß diese daher die Grundlage unseres gesamten Gemeinschaftslebens und unserer Kultur auch im neuen Erez Israel bilden müsse. Andererseits lehnt der Misrachi jeden Gedanken eines _ Separatismus ab. Die Arewuth, die Solidarbürgschaft, die einem jeden ,uden für die Erfüllung des Gottesgesetzes aufcrlegt ist, macht ihn vor Gott und der Geschichte nicht frei von der Verantwortung fiir die Gesetzesverletzung, wenn er abrückt von der Volksgemeinschaft. Das Bewußtsein der Solidarhaftung gibt uns die Kraft, uns für den einmal als richtig erkannten Weg einznsetzen, und dieser Weg ist der einer eifrigen Mitarbeit arn Gesamtaufbauwerk in Palästina und einer freundschaftlichen Verständiguiig mit allen Zionisten, die in den 10 Jahren des Be- Stehens der ZVfD. gezeigt haben, daß ein harmonisches Zusammenarbeiten aller Schattierungen möglich ist. Stettin Donnerstag, 24. Juni, 20.30 Uhr Im Saal, Friedrich-Ksrl-StraBe 3 Dr. David Schlossberg Herzi's Traum und Wirklichkeit— Vierzig Jahre Zionismus Stettiner Zionistische Vereinigung llltlllllllllttl!1llllltlttlll1IIttlII!lltll!tllll!Mlltllltlliil!IIIIIIIIIttll1l1ni1tMMIIIII1llllttlltllill:lllllltMIIIIIIII!lltllllllllll<UIMIIIII!ltlllHI1lltllllllMltltlUllllllill;llln1n11lllltM{|!|tltll!llllt:1ll!lllllll!lilt!IUn1l!UI1m1lllilllllllllil!lllllllMII1n1litlltllilllllltllllll1m1flUltllU* Ihre Umzüge und Transporte jeder Art nach allen Teilen der Welt Gepäckbeförderung / Lagerung Verpackung V Versicherung durch BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. HAMACHER Hauptgeschäft: BERLIN NW40, Lüneburger Straße 22 / Ruf: 35 6641 Zweigniederlaisungen an allen verkehrswichtigen Plätzen