Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21.6.133* JÜDISCHE Preis 25 Rpl, RUNDSCHAU 0&riftleUung»Verlag a* AmrelgenvcrwaUungi Berlin W15t Melnekestr.iO Fernrafi 919051, Telegramm-Adresset OrghSp, — Bezugspreis emschlicBÜch Bestellgeld je Monat RM 2,-—, je Vierteljahr RM 5,75״ bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5^39. — Postscheck Konten der Vertriebs •Abteilung‘ Berlin 71573 *für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich).' In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Diensteg and Freitag• BERLIN ט׳ תניח חרצ״ז FREITAG, 18. JUNI 1937 Gttltig: Anzeigenpreisliste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., für Familien י Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet. Gclegenheits« anzcijgtn nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montng bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das iüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Die Reiclisvertretung Hochflut von Gerüchten Widersprechende Angaben über die angebliche Teilung Palästinas Wir stehen nunmehr am Beginn der dritten Juniwoche, die der Kolonicmninistcr Ormsby- Gore als den Termin bezeiclinete, an welchem die Kgl. Kommission für Palästina ihren Bericht abliefern wird. Die Erregung ist auf das höchste gestiegen. Die Gerüchte jagen einander wieder, wobei nach wie vor völlig entgegengesetzte Angaben mit grober Sicherheit von Leuten, die alles zu wissen vorgeben, an den Tag gebracht werden. Es wäre sinnlos, sich in das Rätselraten einzulassen, welche Vermutung die richtige sei. Es bleibt nur übrig, die verschiedenen Aeulierungen zu registrieren. Besonders interessant ist unter den heute wiedergegebenen Meldungen die angebliche Erklärung von Prof. Rappard, eines führenden Mitgliedes der Mandats- Kommission; es ist das erstemal, daß sich eine sozusagen offizielle Persönlichkeit äußert, und die Frage ist nur, ob der Journalist autorisiert war, Rappards Informalionen oder angebliche Informationen in dieser Form mitzuteilen. Wenn Lord Peel seinen Bericht in diesen Tagen unterzeichnet, so ist freilich damit noch nicht gesagt, daß der Bericht sofort veröffentlicht wird. Es gibt in der englischen Regierung Strömungen, die darauf ab/.ielcn, den Peel-Bericht zunächst gcheiinzuhalten lind erst zugleich mit der programmatischen Regierungserklärung in der zweiten Hälfte Juli zu veröffentlichen. Jedenfalls durchleben wir jetzt die fiir Palästina entscheidenden Tage. Wie die neue Wendung, die sich vollzieht, aussehen wird, wird man mit Bestimmtheit erst dann sagen können, wenn die Veröffentlichung erfolgt ist. Ein Interview mit Pro(- Rappard Der Wiener ״Morgen‘‘ bringt in großer Aufmachung ein Gespräch seines Genfer Korrespondenten mit dem Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, Prof. Rappard, über die beabsichtigte Teilung; Palästinas und die Gründung eines jüdischen Staates. Nach den Angaben des Berichterstatters bat Prof. Rappard die bisher der Oeffentlichkeit bekanntgewordenen Tcilungspläiie als richtig bezeichnet und sich hierüber folgendermallen geäußert: ״!. England unterbreitet am 31. Juli dem Völkerbund das Projekt der Zweiteilung Palästinas; II. der Völkerbund verwandelt das Palästina-Mandat Englands in ein sogenanntes Uebergangsmandat, das drei Jahre dauert. Innerhalb dieser drei Jahre ist England verpflichtet, die Landestrennung durchz.tifUhren; III. die Aufteilung erfolgt folgendermaßen: die Araber erhalten den jetzigen Verhältnissen entsprechend den Gebirg st eil, die Juden die Ebener Palästinas. Weiter bekommen die Araber das auch heute von Emir Abdullah beherrschte Trans jordanien zur Gänze, sonst aber nicht ganz ein Drittel Palästinas. Mehr als zwei Drittel des Landes fällt den Juden zu; IV. die drei Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth werden zu ewigen Mandaten Eng- Iands erklärt; V. die militärische Besetzung durch England wird _ jederzeit auf Wunsch der jüdischen Regierung nach Ausbildung der Wehrmacht aufgehoben; VI. in den Staatsvertrag des ersten jüdischen Staates werden alle jene Garantien aufgenommen, die in dem Palästina-Mandat enthalten waren. Die beiden Staaten anerkennen das Recht des historischen Vorrechtes des jüdlschen Volkes auf Palästina, wie auch den Wortlaut der Balfour-Deklaration; VII. der jüdische Staat wird Republik; der arabische Monarchie.“ Der Vertreter der Jewisli Agency in Genf hat in einem Telegramm an den Zionistischen Landesverband Oesterreichs die Mitteilungen des Wiener ,,Morgen“ als durchaus unzutreffend bezeichnet. * Der ״Prager Mittag“ meldet ,uts Genf: Das Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, Rektor der Genfer Universität Prof. Rappard, bat folgende Erklärung abgegeben: ״Die Frage der Teilung Palästinas und der Gründüng eines unabhängigen jüdischen Staates ist der einzige Pro gram mp unkt der nächsten Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes.“ Dementi der Jewish Agency In Jerusalem ist das Gerücht verbreitet, daß der dortigen Exekutive der Jewish Agency ein Bericht aus London zugegangen sei, in dem bestätigt wird, daß die Teilung Palästinas bereits beschlossene Sache sei und daß ein in diesem Sinn gehaltener Bericht Ende Juli veröffentlicht werden soll. Das Londoner JTA.-Hauptbüro hat auf eine Anfrage bei der Londoner Exekutive der Jewish Agency die bestimmte Auskunft erhalten, daß diese Gerüchte falsch sind. Widersprechende Meldungen Die ״N e w York Time s“ läßt sich aus J crusalem berichten, daß Emir Abdullah nach seiner Rückkehr aus London, wo er Besprechungen mit dem Kolomenminister Ormsby-Gore abgchalten hat, erklärt habe, daß der Plan der Teilung Palästinas nunmehr infolge der heftigen Gegnerschaft von arabischer und jüdischer Seite au!gegeben worden sei. Es sickert jetzt durch, schreibt der Korrespondent der ״New York Times", daß Abdullah sich persönlich gegen die Teilung gewandt hat. Der Emir habe auch erklärt, Minister Ormsby-Gore habe gesagt, alles, was über die Vorschläge der Kgl. Kommission veröffentlicht wurde, sei unbegründet. Der Jerusalemer Korrespondent des ״Daily Hera Id“ bezeichnet den Beschluß Englands, Palästina zu teilen, als so gut wie sicher. Bis zu der tatsächlichen Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat würden fünf Jahre vergehen. Die Palästina-Regierung habe, obwohl dies amtlich in Abrede gestellt wird, London bereits mitgeteilt, daß sie unter verwaltungstcclinischen Gesichtspunkten eine Teilung der Kantonisicrung vorzieht. Während der fünf Jahre soll Arabern und Juden die letzte Gelegenheit geboten werden, zu einer anderen Lösung zu gelangen oder einen Bevölkertings- und Besitzaust,■tusch zwischen den beiden Staaten vorzuiielimen. In der öffentlichen Meinung Palästinas herrsche kein Zweifel mehr über die Gewißheit der Teilung; man sei nur darüber besorgt, wie sie erfolgen soll. Man erwarte, tlali die Mehrheit der Araber die Teilung ruhig hinnehmen, daß aber die extremistischen Führer neue Unruhen hervorrufen werden. Deshalb werde wahrscheinlich die Fünf-Jahres- Periode mit der Verkündung des Kriegsrechtes beginnen. Die Haltung der Araber Als Vertreter des Obersten Arabischen Komitees haben der Mufti und Atini Be ץ Abdul II a d i den High Commissioiier besucht und mit ihm über die geplante Teilung Palästinas und andere politische Probleme gesprochen. Der High Commissioner erklärte, die Meldungen über die Teilung seien verfrüht, da niemand den Inhalt des Berichtes der Kgl. Kommission kenne. Anläßlich eines Empfanges in Amman erklärte der Emir A b d u 11 a h, daß die Gerüchte über seine angeblichen Bemühungen in London, den Teilungsplan zu fördern, unrichtig seien; er habe sieh dagegen bemüht, die Bande zu England zu stärken, indem er die maßgebenden Instanzen auf die Verpflichtungen Englands gegenüber der Dynastie der Haschimiten aufmerksam machte. Aus arabischen Kreisen erfährt man, daß demnächst eine neue arabische Partei unter der Patronanz des Emirs Abdullah von Transjordanien ihre Gründung proklamieren wird. Die neue arabische Partei wird sich für die Teilung Palästinas einsetzen. (Wie man sieht, ist die Haltung Abdullahs zweideutig; trotz seiner diplomatisehen Dementis dürfte aber die Annahme zutreffen, daß er unter gewissen Voraussetzungen für die Teilung Palästinas ist, wenn er König des vereinigten palästinensisch-transjordanischen Araberstaates werden soll — ein Projekt, dem sich der Mufti mit aller Entschiedenheit widersetzt. — A.d.R.) Intervention Amerikas gefordert Washington, 15. Juni. (JTA.) Eine Abordnung der christlichen Pr o - P a 1 ä s t i n a - V e r e i 11 i g u 11 g Auierikas hat dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin D. R o o s e v c 11, eine Petition überreicht, in der verlangt wird, daß Amerika auf ■diplomatischem Wege gegen den Plan einer Acnderung des Palästina-Mandats einschreite. In der Petition wird darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staate״ auf Grund ihres Abkommens mit Groll-Britannien an dem Schicksal Palästinas interessiert seien und eine Mandats- Acnderung ohne ihre Zustimmung nicht zulassen könnten. In einer Rimdfiinkansprache über den New-Yorker Sender WNYC antwortete am 13. Juni Dr. Stephen S. Wise auf d!e antizionistischen Angriffe der von demselben Sender verbreiteten Reden auf dem Bankett zu Ehren der in Amerika weilenden arabischen Delegation. Wauchope fliegt nach England Einer offiziellen Bekanntmachung zufolge wird der High Commissioner am 21. Juni im Flugzeug nach London reisen und Anfang Juli nach Palästina zurückkehren. Zweifellos steht diese Reise mit der bevorstehenden Veröifentlichung des Peel-Berichtes ln Verbindung. Die Veröffentlichung <!es Peel-Berichts wird, wie der Londoner ״Evening Standard“ meidet, für Anfang nächster Woche erwartet. 30. Juli: Mandatskommission Die Mandatskommission hat vor Schluß ihrer gegenwärtigen Tagung beschlossen, eine außerordentliche Tagung für den 3(1. Juli «Inzuberufen, die sich mit Palästina beschäftigen soll. (Siehe auch den Bericht über den Berliner Vortrag von Dr. T r a u b auf S. 9 der heutigen Ausgabe) Vertrauensvotum für die Leitung Die Presse-Abteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: ״Rat und Präsidialausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sind am 15. Juni d. J. zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Verlauf bestätigte, daß der Reiclisvertretung und ihren führenden Persönlichkeiten in folgender Resolution das Vertrauen ausgesprochen wird: ״Der Rat der Reiclisvertretung spricht Herrn Dr. Baeck und dem Präsidialnusschuß, an seiner Spitze Herrn Dr. Otto Hirsch und seinen Mitarbeitern, das uneingeschränkte Vertrauen aus und wünscht, daß die Reichsvertretung die von ihr übernommene Arbeit weiterführt.“ Zur Bereinigung einiger Streitpunkte zwischen der Berlincr Gemeindeverwaltung und der Reichsvertretung wurde eine Kommission eingesetzt, mit dem Auftrag, in kurzer Zeit dem Plenum des Rats Vorschläge zu machen. Nach dem Verlauf der Tagung besteht die Hoffnung, daß die Kommissionsberatung eine weitere Stärkung der Autorität der Reiclisvertretung im Sinne der im Rat nachdrücklich vorgebrachten Wünsche bringen wird.“ Auf Grund der vorliegenden Mitteilung müßte man an• nehmen, daß die Sitzung vom!5. Juni die Atmosphäre des inncrjiidischen Lehens in Deutschland zunächst bereinigt hat. Es wurde hei der Tagung das Wort von einem 40 Jahre Zionismus Die heutige Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ enthält eine Beilage (S. 3—8), die dem vierzigjährigen Jubiläum der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gewidmet ist. ״Waffenstillstand“ gebraucht. Daß aber die Gegensätze, um die cs sich handelt, nicht aus der Welt geschafft sind, geht schon daraus hervor, daß auch der Vorstand der Ber• lincr Jüdischen G e m e i n d c es für richtig hielt, einen Tag später gleichfalls ein C o m m u n i q u c über das Ergebnis der Sitzung ausztigeben. In diesem Gegen• Comiiiuiiique heißt es: ״Der Rat bei der Reiclisvertretung hat in seiner Sitzung vom 15. Juni mit 14 Stimmen bei 7 Stimnienthal• tungen folgende Resolution angenommen (Text wie oben), Es ist ferner eine Kommission gebildet worden, welche sämtliche vorliegenden Anträge, darunter den Antrag der Berliner Gemeinde mit dem Ziel der grundlegenden Aen• derinig des Aufgabengebietes und der Organisation der Reichsvertrdiing bearbeiten und dem Rat innerhalb zweier Wochen entsprechende Vorschläge machen soll.“ Die Presse-Abteilung der Reiclisvertretung hat offenbar aus dem in der Sitzung geäußerten Wunsche, den Konflikt nicht zu verschärfen, von einer Wiedergabe des St im men- Verhältnisses abgesehen. Da aber die Berliner Gemeinde diese Ziffern nennt, so muß auch ein Wort der Erl du• terung gesagt werden. Die sieben Stimmenthaltungen er• klären sich wie folgt: Justi/rat Blau, Frankfurt am Main, der infolge der alphabetischen Reihenfolge als erster auf• gerufen wurde, enthielt sich der Stimme, weil er den Abstimmtingsmodus mißbilligte und erst eine von ihm früher eiugebraclite Resolution ahgestimmt haben wollte; er erklärte aber ausdrücklich, dies bedeute nicht, daß er sich von dem Vertrauensvotum für die Reiclisvertretung ausschließen wollte. Die übrigen sechs Enthaltungen sind die Stimmen des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde und der Berliner Mitglieder des Preußischen Landesverbandes. Es wäre falsch, daraus Schlüsse auf die Haltung der preu« Bis eben Gemeinden zu ziehen. Die Opposition be• schränkt sich, wie sich bei dieser Sitzung geradezu überraschend und frappant gezeigt hat, ausschließlich auf die Berliner Gemeinde, Andere preußische Großgemeinden, wie Breslau und Köln, haben sich sogar veraiilaßt gesehen, in eigenen Resolutionen der Rcichsvertretung ihr Vertrauen auszusprechen. Nicht unerwähnt soll auch bleiben, daß nach Schluß der Abstimmung Kammcrgcrichtsrat Vt'olff noch erklärte, daß auch die Berliner Herren, die sich der Stimme enthalten haben, gleichfalls hinter der Reichs- Vertretung stehen, aber erst die sachlichen Beratungen der Kommission abwarten wollen. Aus den beiden Comniuniques gellt auch unverkennbar ein Unterschied in der Beurteilung der Aufgaben der eingesetzten Kommission hervor. Es wäre aber verfrüht, sieh jetzt, wahrend die Kommission an der Arbeit ist, über diesen Punkt zu verbreiten. Die Meinungsverschiedenliciten wurden bei der Sitzung eingehend nach ihrer sachlichen und auch mich ihrer (leider ebenso vorhandenen) unsachlichen Seite hin erörtert. In der Aussprache zeigte sich iiheraus eindrucksvoll, daß mit Ausnahme der Gruppe des Berliner Gemeimlevorstandes, durch deren Brief das Organisationsproblem aufgeworfen war, alle Teile der Judenlieit in Deutschland: Gemeinden, Genieiiideverbände, große Organisationen und sachverständige Einzelpersonen, geschlossen hinter der Reichsvertretung stehen und eine Störung der Einigkeit nicht wünschen. Ebenso einmütig wurde von allen Seiten erklärt, daß etwaige sachliche Verwaltungsreformen, die sich im Zuge der Zeit und der sich ändernden Verhältnisse als nötig erweisen mögen, vorgenominell werden sollen und daß vor allem für alle jüdischen i 1