Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 47, 15. VI. 1937 Wie gestalte ich den Sc 11 ab bat? Briefe an die Redaktion Für Schabbat, 19. Juni Wochenabschnitt: ״Chukat“ (IV. B. M. Kap. 10 —22, 1) Zum Wochenabschnitt I)!e Siclra er/ahlt vom Tode Aharons. Man lese im Text nach, für welches Vergehen Aharon des Todes würdig befunden wunle und lese dann im ״Scfer Haagatla'• Band I, Abschniu 5, Kapitel li, die f inzt־lheitו <׳. die die A׳'־"r;J:!h über Aharons $te: ben /u berichten weiß. Iin Seho.ken-I esebuch ,,Sendung um! Schicksal" (S. 22)2 fl.) findet sich die deutsche Wiedergabe des .Midrasch Tanchuma /u ״Aharons Jod“. Die Kapitel II und 15 des 5. Abschnittes von Band 1 des Scfer H;K1ggada berichten über die Wunder am Bache Arno!! lind ()e, den König von Beschau. Zum gemeinsamen Lesen empfehlen wir aus .,.Moses“ von Fl eg das Kapitel: ״Die eherne Schlange". Eigenschaften, die der Mensch erstreben soll Vielleicht wird jemand sagen: Der Neid, die Begierde und die l:.hre sind schlecht, denn sie bringen dt■ 11 Menschen um diese Welt, ich will in ich also von ihnen zum anderen I xtrem Inn entfernen, so weit, daß er kein Fleisch ißt, keinen W ein tnnkt und keine Frau heiratet, nicht in einer schönen Wohin! n!; leben will und cvor/icht, sich in Sacke zu kleiden. anstatt in schöne Kleider. — auch dieses ist ein falscher Weg, und es ist verboten, ihn zu beschreiten. Wer ihn dennoch gebt, wird ein Sünder genannt. Denn wir finden l’enn N.1.-:r (IV li. M. Kap. (1, 11 j geschrieben: ״Und er sid'"1' Dir ihn, wegen ile-sen, was er gegen die Seele ge- *muh.:! hat". 1 hi-eic Weis,־!! bemerken da/11: ״Wenn schon der Nu-ir, der sich ihn 11 nur vom Wein abgesondert hat, der ■׳.!״דוס bedarf, uni wieviel mehr der, der sich von allen Dienen /in m kii!!; '־׳ I)v-.lt.1lh habe;: die Weisen an,geordnet, daß 111-'־n ■um nur di!־ I ).11 ge enthalten soll, die die Thora Verhüten!1 it, und daß inan sieh nicht daruber hinaus binde durch schmuie und (jehilnlc. So sprachen die Weisen: ״Ist dir im:11 gumg, uns die Thora verboten, daß du dir auch die erlaiibti'ii Dinge ץ erbietest '-!" Von all diesen und ahnliehen iDigwi s igt der Ivmi,:; Salomo: ״Sei nicht zu gerecht und um. he dich nicht /u weise, warum willst du wahnsinnig werden r״ (IW 7, 111) (Nach dein ..Ki/ziir Sehulehan Aruch”.) [. E. Die Entwicklung der Aggadali (XVIII) Volksdichtung und Sammlungen (5) Das aggadische Schrifttum /eichnet sich durch einen Reichtum an (ileichnis-.cn, I ahein und Märchen aus, die uns noch heute fesseln. Sehr verbreitet waren unter den Tannaim die Fieriabchi, besonders die Fabeln über den Fuchs. R. Jochanan b. Sakkai itat neben vielen Gleichnissen auch Fuchsmärclu'ii er/ählt. k. Mcir hat seine öffentlichen Vorträge zum Teil der Fabel gewidmet (Saldiedr. 3Sb), alieh Bar Kappara soll ein ,Meister im Fabelii-Frziililen gewesen sein (Vajikra R. 20.2), — Diesen Weg setzte zum Teil die mittelalterliche liebraoclie Volksdichtung fort, ln diesem Zusammenhang woilen wir (ins bekannte Buch ״M i s c h 1 e Schu alim“ (Fuchsfabeln) des B e r a c h j a 11 a ־ N a k d a n (des Punktators) aus der .Mitte des l i. Jahrhunderts erwähnen. Die Fabeln Bcrachj'as weisen europäischen Fittfluß auf und sollen zum großen Teil dem christlichen Westeuropa entstammen, obwohl auch der Ta!in ml und Aesop nicht selten hier zu Worte kommen. Interessrmt ist, daß sie mit Hilfe eines Jesuitenpaters ins Lateitiisrhe übersetzt worden sind und von da aus ihre Wanderung durch che europäischen I iteraturen begonnen haben. L c s s i :1 g bat sie, durch eine l'ebertragung von sichen Fabeln, in die deutsche I itvratur cingeüihrt und ihnen seinen 30. Literaturbrief gewidmet. Fine eigene indische Note mit der deutlichen Abwehr jedes fremden FintliM-cs trägt das Werk izehak b. ■S c h 1 o- 111 o 1!11 ו S a h 1! i ,! ״ ...M c ל c h a 1 h a - K a 11 m o n i“ ((ileiclinis der Vorfahren!, das der ibnsuhl und Weisheit, der Reue, der C iottcsfurdit!mv. gewidmet ist. l/1'li.ib Ihn Sah 111a, der in Spanien um die Mitte des 13. Jalirlninderis geboren wurde, führte lange Jahre ein unstetes W :inderleben und ernalirte siel! von seiner medizini-clmn l*ra\1-., \a,h mehrfachen Irrungen und Rückschlägen reifte in ihm der Gedanke des Buches, das der Lebens- Gibt es keine jüdischen Seeleute? Tel Aviv, d. 3. S. 37 Sehr geeinte Redaktion! In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 25. Mai erwähnt der Korrcspenden! Tlnes Blattes den .,Mangel an erfahrenen Seelernen‘'. Iw ist notwendig, darauf hinzuweisen, (lab z. /.t. in l’aläsiina ca. 100 Mann aller Katcgoiien de, Besatzungsmaterials ohne Hesehäftigung an Land liegen! Im Interesse des Auibnu, unseres Landes muß die traurige Tatsache öhentlich kon- >!abr>t weiden. Man hat die Pioniere der jüdi-chen Schiff- Europa-Reisen Tel Aviv, 6. Juni 1937 Sehr geehrte Reöaknon! Pie Zu^rhiift des Herrn Kuttncr in Nr. 42 Ut vielen Leuten des Landes wie nus der Seele geschlichen. Herr Kuttncr inht! die einzelnen Gruppen an, die infolge ihrer wirt«r!1allliehrn Lage besser daran taten, von einer teuren Furoparebe abzu• :•when. Leider Lt diesen Leuten im allgemeinen mit Vernunft* gründen nä'ht beizukommen. Nun sind unter diesen Hebenden auch Leute, die noch mit der ,.Haavara“ in Verbindung stehen. Bei dio-en Reifenden konnte die ,,Maavara־־ ein Wort mitsprerhen. Ls gibt darunter solche, die aus fahrt wenig ruhmvoll vergessen! Man rufe .sich die Begeisterung ins r.edäehtnb, dir der jüdischen Besatzung der .,Tel Aviv" galt. Jetzt ist das Schilf nach Japan verkauft und das Gros der ehe־ maligen Besatzung frbtet mehr oder weniger ein karges Dasein. Diese /.eilen sollen den Zweck haix’n, alles Strohfeuer, das geeignet ist, das Fundament zu gefährden. rechtzeitig verglim- 111 en zu la>sen. denn auf Strohhalmc haut man keine Seefahrt und keinen Hafer»! Maurice R ii b n c r aus Palästina irgendeinem Grund die Zusage der vorzugswei-on Transferierung haben, oder solche, die bevor- .-ehuld werden und ähnliche. Hier könnte die ,.llaavaia‘־ cingreifcn. Leute, die auf diese Weise ihr Geld hr.-kommen, haben die F’ilirhb dies Geld nur zum notwen d i g c n Loben>unterhaIt oder zur Gründung einer F x i - stenz zu verwenden. Diese Leute denken gar nicht, daran, dal'׳ mit jeder Zahlung ein amlc* rer, der an der Reihe wäre, um diese Zahlung hinausgeschoben wird. Sie beweisen damit nur, dab sie auf diese Vergünstigung nicht, angewiesen sind. Hochachtungsvoll Fritz Mayer * Tel Aviv, 7. Juni 1937 An die Redaktion der ,,Jüdischen Rundschau“ Zu dem in Ihrer Nr. 42 vom 28, Mai erschienenen Brief hetreffend KuropareLen. möchte ich bemerken, daß man es einer Privatperson, die nach Europa rcLcn m Hl, schwerlich verbieten kann, dies zu tun, nur mit Hinweis auf die schwcte Wirtschaft*- läge Palästina* und die daraus erwachsende P! licht, das Geld im Lande auszugehen. Soviel ich weiß, bt es auch in Europa nicht üblich., -•'ich urn die Reisen seiner Mitmenschen zu kiimmein, denn cs ist natürlich und überall so. daß jeder fährt, wohin es ihm belicht, und wohl selten jemand 1 Höhere Bet. rach- Hingen dabei anstcllt. Was jedoch eher zu bemängeln wäre, ixt. daß der Z i o n i .s t e nk 0 n g r e ß immer im Ausland tagen muß. (Linz gleich, welehe* politische M Oment hierbei eventuell mitspicit, ist es Pflicht der Jcwiah Agency, auf die Schwere der wirt*eha{tlichen Lage Palästinas Rücksicht zu nehmen und wenn schon eine solche Ausgabe, wie sie der Kongreß verursacht, nicht vermieden werden kann, so soll dieses Geld doch zumindest Palä.stina 71mu!e kommen und nicht ins Ausland getragen werden. Hier Einhalt zu gebieten, wäre meiner Mcinung nach bedeutend wich!Ger als Geh über die Luropareisen von Privatleuten autzurrgen. Jlochachtu ngsvoil Hirsch Brcndct ״Klein aber mein!“ Berlin, 9. Juni Sehr geehrte Redaktion! Die Mitteilung Kurt Binmen[ e Id s in der Jüdischen Rundschau“ 1937 Xr, 45 S. 3 brachte mir ein interessantes Kilebniä in Erinnerung. Hs war im Jahre 1909 oder 1910. Selim. I.. sollte irr einer jüdischen Vereinigung einen Vortrag in einer ö!'ient!i1hc!t Vcr- Sammlung hallen. 1 on maßgebender Stelle wunle er gebeten, seine Rede nicht zu einer zionistist dien Propaganda- Rede zu machen, da die 1ereinignng alle Schattierungen im Judentum, Zionisten und Nichtzionisten, umfaßte. Levin, mit dem ich als Suuliengenosse und Milarbeiter des ״Ilamagid“ seit 1891 gut bekannt war. unterhielt sich mit mir vor Beginn des Vortrages über die ihm vorgelragene Bitte. Ich unterstrich sie. L.cvin sprach etwa änderthallt Stunden fesselnd wie immer über verschiedene jüdische I'ragen, ohne den Zioni-mus zu beuihren. Am Sehlu-so seiner Ausführungen jcdorlt bemerkte er: er verstehe die Juden in den westlichen Ländern, wenn sie die zionistischen Bcstrebungen nbiehnten. Sic hätten den Vorzug, in geordneten Staaten zu leben, die mit allen neuzcit. liehen F.mmgenachu'len au.gestattet seien, während Pa• lä-tina ein kleines, zurück■ geblicltencs Tändelten sei. — Aber — so fuhr er fort — ei möchte eine kleine Episode au; seiner Studienzeit in Berlin er• zählen: Im Tiergartenvicrtel habe er zwei benachbarte Villen gekannt: eine große und eine kleine. Der Besitzer der gro- Den Villa, obgleich sie mit Hypotheken bis zum Schornstein hinauf!*Tutet war, sah auf seinen Nachbar von der kleinen Villa mit einer gewissen Geringschätzung herab. Dieser aber Heß eines Tages — um dem ״großen“ Nachbar die Augen zu öfinen — an seinem kleinen Häuschen die Aufschrift anbrin״ gen: ,,Klein, aber mein“. Ohne näheren Kommentar schloß l.cvin mit diesen Worten seinen Vortrag und wurde von allen Zuhörern verstanden. Rabb. Di. E, Finke! erkennfnis gewidmet sein soll, und zwar in Anlehnung an das Muster des biblischen Gleichnisses, Auch hier kommt das r e - I i g i ö s - d i d a k f i s c h e Moment in den Geschichten und Fabeln zum Ausdruck, die die handelnden Personen und Tiere erzählen. Durch die Vermittlung und mit Hilfe der Juden, die selbst ein poetisch hochbegabtes Volk waren, drangen arabische, indische, persische und andere Märchen- und Legendenstoffe in das Abendland ein. Die Juden waren, wie es einst der deutsche Märchcnforsclter Theodor Benfey ausgesprochen hatte, die Brücke von Ost nach West, sie stellten die Verbindung zwischen den alten Kultiirschätzen des Orients und des Okzidents her. Auf Umwegen über Arabien und Spanien machte die christliche Kulturwelt ihre ersten Bekanntschaften mit den klassischen Schätzen des Morgenlandes. Der ehemalige Jude Mosche ha-Ssefaradi (nach seiner Taufe nannte^er sich Petrus Alphonsi), der int 11. Jahrhundert in Spanien lebte, hatte mit seiner Geschichtensammlung ״Disciplina Clericalis“ einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der europäischen Novelle. — Für das Eindringen orientalischer Erzählungen und Romane haben auch ein großes Verdienst die Uebersetzungen und zum Teil die hebräischen Bearbeitungen solcher Werke wie ״Kalita wedimna“, ״Mischle Sendabar“, der Barlaam-Roman (Prinz und Derwisch) usw. gehabt. Die hebräische Version des didaktischen Romans Barlaant und Joasaph, der aus Indien stammt, haben wir dem Dichter Abraham b. Schmuei ihn Chisdai aus Barcelona (13. Jahrhundert) zu verdanken, der unter dem Titel ״Ben. ha’Melech we-Hanasir“ hekanntgeworden ist. — Sehr groß ist die kulturgeschichtliehe Bedeutung, die die hebräische Übersetzung der indiselten Gleichnis־ und Fahelnsammlung unter dem Namen ״K1lila wedimna“ auf die europäische Folklore hatte. J. M. Juden und Jüdisches im Rundfunk Mittwoch, 16. Juni: Brüssel fläm., 21: Der Zauberlehrling von Paul Dukav. Donnerstag, 17. Juni: Belgrad, 19.50: Sofie Selzmann, Pianistin. Freitag, 18. Juni: Beromünster, 20.20: Franz Molnar ״Große Liebe-‘. •— \Yion (507), 22.20: Alice Ehlers spielt zwei Cembalo-Konzerte von Bach. Die Akademie der Wissenschaften in Wien hat der jungen jüdischen Chemikerin Dr. Marietta Blau, die am physikalischen Institut der Universität tätig ist, für ihre Forschungen auf dem Gebiet der Photo-Chemie der Atome der. Lieben-Preis verlieben. G׳ Rw i.v, .(11׳ h «Tw der Atn!:1hrunLb Vorbehalten Die Frau von Endor Ans einem dramatisäien \ ersudi ״Sdiaul“ Von Leopold Marx Sehaul: Des Stuhens Zeit is! 11m. loh brauch dich nicht. Mir fehlt nur Kitts noch, das ist Feindes Amt, nicht!!eins. Den Todessprueh, den KR im Traum mir kündete, nicht du vollstreckst ihn. l)ic l:rau: Herr, du weißt, im Schrecken deines Traums war Trost: Stilist, du nicht Achinoam? Thiiza ,. .? Sehaul.׳ Arh, was wüßtest du von Thirza, Weih ,. , Die I;rt1t 1 (:11;i ili>er wiikii.hcn Stimme'•: Sie lebt und wartet dein. Sehaul: Wer lebt? Wer wartet? Wem stahlst du die Stimme — Thirza . . .? Die l:rau (1 ...t eine K.n kcl au der Hcnlglut entzündet, und in einen!!«.!! 1 m i;1׳-n-l.i. Ihr י־; e!leuchte! «len Raum und läßt sä -eäIht deitt!; n ״kernen;: Thirza! . Ich! Sehaul (-!an; Ttiiiz.i lange -p1:tth!o־ zwi-,eiten!•;״:zücken und Entwi/i'ii aitb Thirza (Inh still mit leu.'|,*«a).׳um Augen «einem Blick stand. Sie i-t :1!!l.i'.müg mal Am-rhcn die r.lei« he wie zu Anfang, nur miei, a«!:!aer. Sie 1-t - hnmakla-, aller edel gekleidet). Sehaul ( .:ci.t im.« häi,-ig. h,1M glaubend, bald zweifelnd, will sieh ißt!!allen•, lehrt zu!irak und maidu mit beiden Armen eine ab- Von mir, Gespenst! Dein Zauber trügt mich nicht! Thirza Ling! 11-1-1■ die Wei-c andem zweiten Bild): ״Gottes Stärke nehmt ihr ihm nie, Sch unschön, dem Großen an Kraft“ Sehaul (122 wie ein Tiämmmder die Arme sinken, starrt sie an, zuckt a>11 lind sink! ihr dann wortlos an die Brust). Thirza (über -ein Haar strei.diend): Nun kam SchauI zurück . . . Sehaul I -1 hmeizli. h wie im Traum): Zurück? Thirza: Ganz still! Buh׳ aus! Nicht, fragen jetzt! (Sie fühlt ihn zum Ruhebett, nötigt ihn sanft, sich niederzulegen. setzt sieh neben ihn an den Bcttranc! und legt die Hand auf seine Stirn.) Sehaul (traurig): Jetzt bist du da — und hinter deiner Schulter grinst der Tod! — Wie — oder — starb ich? Schlief ich ein und bin nun — drüben — wieder aufgewacht — bei dir? Thirza: Du lebst und wachst — bei mir. Sehaul (wie zuvor): Dich ließ das Grab für meine letzte Stunde frei. Thirza: Kein Grab ist zwischen uns — nur Leid, viel Leid. Sehaul: Du hiitt’st es wenden können: du bliebst fern! Thirza: Die Zeit, Geliebter, war nicht reif. Nun bin ich dein für ewig, Sehaul: Ewig! Wie ein Eishauch weht das Wort mich an: der Tod ist ewig. Thirza: Still! du bist daheim ... Sehaul: Thirza — von Land zu Land gesucht, jahraus, jahrein — umsonst — —! Thirza: Du hast mich nie erkannt .. . Ich saß an deinem Weg, stumm — wartend, eine Heischende .. . Sehaul (in fassungslosem Staunen sich erinnernd): Oh, blind, oh, taub war ich — und du — verstummt! (schlägt die Hände vor die .Augen, dann plötzlich, sich umsehend): Doch nun — wie kommt es, daß du hier — Sie nennen dich die Hexe ...? Thirza: Meine lange Wanderschaft — von dir zu dir — hielt mich dien Menschen fern, doch Tier und Pflanze ward mir Freund, Gestirn vertraut und Stein und die verborgne Kraft, der Dinge, heilsam jedem, der gelernt, sie zu gebrauchen. Gerne ruft das Volk mit bösen Namen, was es nicht versteht, doch läßt’s sielt willig helfen ... Sehaul (traurig): Allen darfst du helfen, einzig mir nicht! Ach, du weißt ja nicht, wie krank ich bin, wie Seine Faust mich drückt, bleischwer. 0h, ich ward schuldig . . . Thirza: Laß! Ich weiß. Dein Leben liegt, ein offnes Buch, vor mir, Sehaul: ... ein Schuldbuch, blutbefleckt! Thirza: E i n Blatt, das letzte, leer, ist unser. Sehaul: Jedes Blatt ist voll — das Maß ist voll. Ein wüster Traum, liegt ausgeträiumt das Leben hinter mir. Laß ab! Was fachst du Asche, ausgebrannt, zu neuer Glut an! Du, die mich geliebt — jetzt — bist du nur des Lebens Truggesicht, das sich der Tod als Maske vorhält! ... Du, was willst du denn? Thirza: Gehorsam sein dem Ruf. Sehaul: Ich rief dich tausendmal — umsonst! Nun ist’s zu spät, (in auftlammendcm Weh): Ich rief dich — nicht. Weck’ nicht Erinnrung, Wünsche, neue Qual! Das letzte Fünklein Glück, das in mir glimmt, des nahen Endes tröstend Vorgefühl, zertritt es nicht! Thirza: Er rief mich, der allein weiß, was uns frommt. Sehaul: . Nenn Ihn nicht! Er vertrieb dich, hielt dich fern! Thirza (nickt), Sehaul: Oh, wie Er hassen kann! So grausam sind die Menschen nicht: wen sic zitin Tod verdammt, dem gönnen sie ein Mahl — ein Trostwort, einen Trunk, eh ihn der Streich', der letzte, trifft. Was hab’ ich Ihm getan? Thirza (mild): Du hast dich Ihm versagt — du hörtest nicht, wenn Seine Stimme sprach — und irrtest du, 80 zürntest du mit 111 m. Sehaul: Schickt Er auch dich um mich zu strafen? ״Findest du zurück zu dir und Ihm, kehrt Thirza heim ...“ Das war dein Abschiedswort. Hier bist d u. Aber E r stößt unversöhnt mich hin! Thirza: Er ist dir nah! In dir ist eine Stimme ... (Schluß folgt) 99