Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 / Jahrgang: 42 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAD Sdurlftlettung, Verlag n. Aoxeiginfemalhuigt BerllnW 19, Melnekeetr.10 Fernruf 1 919031* Telegramm •AAveiie ( Orghlp. - Bezugspreis cinschHeSlieh Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 539. — Postscheck י■ Konten der Vertrieb« Abteilung: Berlin 71573 ifur Groß-Berlin), Berlin 173% (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebuhren. - Erschein» jeden Dien» tag and Freitag. BERLIN ו׳ חמוז תרצ״ז DIENSTAG, 15. JUNI 1937 G<igt Anzeigenpretalilte Nr. 5. Die 12 gespaltene mm-Zelle 20 Rpf., füi Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit»• anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. AnnahmeschluQ für dia Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F reitay * Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Fomilien Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr « Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Umschichtung und Auswanderung Der erste Jahresbericht des Council Sor German Jewry Der Council f o r German Jewry hat soeben über seine Tätigkeit im vergangenen Jahr den erstell zusammenhängenden Bericht veröffentlicht. In dem von dem Vorsitzenden des Council, Lord Samuel, Unterzeichneten Bericht wird festgestellt, daß der Council im ersten Jahr seiner Tätigkeit dank der Zusammenarbeit zahlreicher Körperschaften und Einzelpersonen sein Programm in großen Zügen d 11 r c h f ii h - reit konnte. Die Arbeit dos Council sei ein Ansporn für die A 11 s w a!1 d e r 11 n g aus Deutschland und für die Ber ti f s s c h 111 u n g innerhalb und außerhalb Deutschlands gewesen. Aber erst ein Viertel der gestellten Aufgabe sei erfüllt. Die Arbeit werde nach den gleichen Richtlinien in diesem Jahr fortgesetzt werden. Jetzt, nach vollständiger Konstituicrung des Council und nachdem die Beziehungen zwischen den Körperschaften in England, Amerika und auf dem K011tinent durch die gewonnenen Erfahrungen gefestigt wurden, bestehe Aussicht auf vollständigere Zusammenarbeit. Die ßcrufsausbil d 11 n g der männlichen und weibliehen Jugend und der Schulentlassenen geht, so wird in dem Bericht aiisgcführt, in Deutschland und anderen Ländern systematisch weiter. Der Council wird den jüdischen Instanzen in Deutschland behilflich sein, das Bertifsausbildungswcrk im Hinblick auf die '2000 die Schulzeit beendenden Knaben und Mädchen abermals zu er «־eitern. Die Festigung der in Palästina bestehenden 1 nulwirtschal't'ichen ('truppen lind die Ansiedlmtg neuer Gruppen Jugendlicher, die ihre Ausbildung vollendet haben, auf dem Lande in Palästina muß in Angriff genommen werden. Den Auswanderern, die einen Weg nach Süd- oder Nordamerika gefunden haben, mul? durch Kredite die Einordnung in die Wirtschaft der Einwanderungsländer erleichtert werden. Die in dem urspriinglichen Projekt vorgesehene Summe von 750000 Pfund jährlich für die Dauer von vier Jahren wird in dem Bericht als das Minimum dessen bezeichnet, was zur ordentliehen Fortführung der Arbeit des Council notwendig ist. Die Verteilung der Ausgaben Im Jahre 1936 sind von den in dem Council vertretenen Körperschaften 655Ott) Pfund für die Hilfsarbeit aufgebracht worden, und zwar 302000 Pfund von der britischen Sektion des Council for German Jewry, 210 000 Pfund vom American Joint Distribution Committee, 50 000 Pfund vom United Palcstinc Appeal of America und 25 000 Pfund vom Keren Hajcssod. Die Ausgaben verteilen sich folgendermaßen: 176 000 Pfund für Arbeiten in Deutsch- 1 a 11 d, darunter Berufsausbildung und Berufsumschichtung, soziale Wohlfahrt, Auswanderung nach allen Ländern und Rückwanderung in die Heimatländer sowie Berufsausbildung außerhalb Deutschlands; 27 5 000 Pfund für die Ansiedhing von Juden aus Deutschland in Palästina einschließlich der Beträge für Bodcnerwcrb durch den Keren Kajemcth; 204 000 Pfund für die Unterstützung Ausgewand e r t e r außerhalb Deutschlands, ihre Berufsausbildung und Umschichtung und Weitem׳ andermig. Seit dem Abschluß der Berichtsperiode ist die britische Sektion des Council Verpflichtungen in der Höhe von etwa 194 000 Pfund für das Jahr 1937 eingegangen. Aus dem vergangenen Jahr bestehen noch Verpflichtungen in der Höhe von 169 833 Pfund. Es sind somit 363633'Pfund für das laufende Jahr aufzubringen. Der Kassenbestand beträgt rund 100 000 Pfund, so daß noch 250 000 Pfund bar einztizahlen sind. Rechtsfragen Der Bericht geht sodann auf die Rechtslage der Ausgewanderten ein und bezeichnet das Abkommen über Aufenthaltsbewilligungen, Reisedokumente und Einschrän- Zu den Vorgängen In Polen Kundgebungen Lloyd Georges und englischer Bischöfe London, 11. Juni. (JTA.) Anläßlich einer Kundgebung des Verbandes der jüdischen H ilfsorganisationen in London gegen die judenfeindliche Strömung in Po- I e n hat der frühere Ministerpräsident David Lloyd G e o r g e die Erklärung, die er vor einiger Zeit zu diesen Vorgängen abgegeben hat, in einem Schreiben, das er an die Ver- Sammlungsleitung richtete, aufs neue bekräftigt. Es heißt darin u. a.: ״Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn die jüdische Minderheit jenes Landes dadurch eine Herabdriickuiig ihres Statuts erleidet, daß die Regierung es unterläßt, ihre Vertragsverpflichtungen zu erfüllen, oder wenn sie einer Reihe barbarischer Angriffe ausgesetzt ist, die zu der Tötung und Verwundung zahlreicher unschuldiger Bürger führen. Mit der großen Mehrheit meiner Landsleute hege ich die Hoffnung, daß die polnischen Behörden unverzüglich Maßnahmen treffen werden, uni ihren jüdischen Bürgern vollen Schutz und die ihnen durch die Friedensverträge garantierte Gleichberechtigung wiederzugeben.“ Kundgebungen ähnlicher Art wurden von zahlreichen englischen Kirchenfürsten und Politikern, an ihrer Spitze die Erzbischöfe von C a 11 t e r b 11 r y und York, an die Versammlung gerichtet. Der Erzbischof von Cantcrburv, das Oberhaupt der cnglichen I ioehkirche, betonte seinen ״Protest gegen die Verfolgung von Angehörigen der jüdischen Rasse“ und bedauerte den Ausbruch von Judenhaß, während der Erzbischof von York, der ausdrücklich auf den Pogrom von Brest -Litowsk Bezug nahm, schrieb, die Zeitungsberichte über diese Vorgänge müßten als zuverlässig angesehen werden, daher sei es klar, daß das Geschehene von allen zivilikling der Ausweisung Ausgewanderter als eine wesentliche Verbesserung ihrer Rechtsstellung in mehreren Ländern Europas. Es wird erwähnt, daß der Oberkommissar für Auswandererfürsorge in einem der Völkcrbundsversainmlung im September 1936 erstatteten Bericht die Aufrcchterhaltung des Amtes für weitere zwei Jahre vorgeschlagen hat. Inzwischen soll das Abkommen in eine reguläre internationale Konvention umgewandelt und so erweitert werden, daß es auch die Rechte aut soziale Hilfe und auf Arbeit umfaßt. Zu diesem Zweck wird eine zweite zwischenstaatliche Regierungskonferenz abgehalten werden. Die Zahl der aus Deutschland im Jahre 1936 ausgew änderten Juden wird auf rund 24 Ott) geschätzt. Davon gingen 9000 nach Palästina, 10 OCX) nach anderen überseeischen Ländern, 1500 nach europäischen Ländern zu neuer Seßhaftmachung und 380!) gingen in ihre Heimatländer zurück. Für die Beförderung von Ausländern unmittelbar aus Deutschland standen dem Council 80 000 Pfund zur Verfügung. Ansiedlung in Palästina Es wurden Mittel für zwei Kategorien von Siedlern in Palästina bewilligt: 1, Für solche, die nach Beendigung ihrer Ausbildung in Siedlungen lind Genossenschaftsfarmen mit Hilfe von Darleben zur Erweiterung und Konsolidierung der Siedlungen untergebracht werden konnten, und 2. für Jugendliche, die in landwirtschaftlichen Gruppen oder in landwirtschaftlichen und Handwerksschulen ihre Ausbildung beendigen und dann in dem Lande bleiben sollten. Für die erste Kategorie hat der Council provisorisch 150 000 Pfund zur Verfügung gestellt, d. h. je 100 Pfund für 1509 Siedler, und für die zweite Kategorie 60 000 Pfund, d. h. einen Beitrag von 60 Pfund für jeden Jugendlichen bei zweijähriger Ausbildung. Mit Genugtuung könne der Council feststellen, daß in dem letzten Jahr 8000 bis 9000 Menschen eine Heimstätte in Palästina gefunden haben. Die Zahl der Juden aus Deutschland, die seit 1933 bis Ende 1936 sich in Palästina niedergelassen haben, beträgt etwa 40 000. Andere Ansiedlungsländer In dem Abschnitt über Auswanderung nach Ucbersce wird hervorgehoben, daß im letzten Jahr eine größere Zahl von Auswanderern als in den früheren Jahren nach den Vereinigten Staaten gekommen ist. Man hat sich stärker als früher bemüht, Bürgschaften für die Erhaltung der Einwanderer von Angehörigen in Amerika zu erlangeh. In Südamerika waren Brasilien, Argentinien und Uruguay die Hauptcinwanderungsländer; eine Auswanderung kleineren Umfangs ging nach Chile, Ecuador und Columbien. Ziigenommen hatte auch die unterstützte und nichtimtcrstützte Auswanderung nach der Südafrikanischen Union. Zum Schluß wird in dem Bericht festgestellt, daß der verstärkten Auswanderung nach Uebcrsee auch eine stärkere Aiiswanderungsbewegung nach europäischen Ländern gcgeiniberstand. Ein großer Teil der Auswanderer fand dort nur vorübergehenden Aufenthalt bis zur Wciterwandcnmg; dagegen konnten in Italien einige Personen mit kleinem Kapital auf Grund besonderer Vereinbarungen, die .während des abessinischcn Krieges getroffen wurden, zur dauernden Niederlassung gebracht werden. Andererseits sind die Verhältnisse in Spanien, wo 2000 Juden Zuflucht gefunden hatten, schwierig gesvorden; Hunderte von ihnen wurden fortgebracht oder sind selbst nach Italien, Frankreich und anderen Ländern ausgewandert. sierten Menschen verurteilt werden müsse. Der Bischof von Dtirham erklärte in einem Schreiben, er könne es nicht, glauben, daß der polnischen Regierung der ungünstige Eindruck gleichgültig bleiben wird, den das Wiederaufleben fanatischen Judenhasses in Polen auf die öffentliche Meinung macht. Nach Ansprachen der Abgeordneten Dan Frankel und J. H. Hall und einem Appell des sephardischcn Oberrabbiners Dr. Moses Gast er, der die Versammlung leitete, an die Teilnehmer an der Kundgebung, für ihre Üeberzeugungen einzustelien, wurden mehrere Resolutionen gefaßt, in denen gegen die Kampagne gegen die polnischen Juden protestiert wird, Der Wortlaut der Entschließungen wurde dem englischen Premierminister Nevillc Chatnberlain, dem Außenminister Anthony Eden, Mitgliedern des Parlaments und dem polnischen Botschafter in London übermittelt. Der American J e w i s h Congress gibt bekannt, daß fünfzig führende nicht jüdische Persönlichkeiten Amerikas, insbesondere Geistliche und Schulmänner, der polnischen Regicrung eine Erklärung übersandt haben, in der gegen die Verfolgung der Juden protestiert wird. Es wird darauf hingewiesen, daß das Verhalten der polnischen Regierung eine Verletzung der Friedensverträge bedeutet. In New York fand eine auf Anregung des American Jewish Congress einberufene Konferenz statt, die sich mit der Lage der Juden in Polen befaßt. 400 Organisationen und Vereine waren durch 1500 Delegierte vertreten. » Die Verhandlungen, die in Paris zwischen dem curopäischcn Direktorium des Joint und der Zentral-Exekutive der Ort-Union über die Regelung ihrer Zusammenarbeit in Polen stattfanden, haben zu einer Verständigung auf dem Ocbiet der Berufsausbildung der jüdischen Bevölkerung in Polen geführt. (Siehe auch Seite 6) | Um das Heroische Selbstkritik und ihre Grenzen Das jüdische Volk, besonders aber seine westlichen Gruppen, die nur eine verhältnismäßig lockere Beziehung zu den Volksmassen haben, leben in einer merkwürdigen Situation: In einer Welt, die trotz allen Fortschritten in Technik und Wissenschaft sehr wenig befriedet ist, in der der Kampf ums Leben zwischen den Einzelnen und den Völkern immer heftigere Formen aunimmt und sich zwar verfeinerter, aber um nichts weniger grausamer Mittel bedient, sind wir heutigen Juden Kinder eines außerordentlich ״zahmen“ Ge• schlechtes. Das ist kein Wunder. Das Alter hat den Geist des Volkes reifen lassen und ihm eine bestimmte Ausprägung gegeben, die wir seihst und oft auch die Welt um lins als ״gezähmt“ empfinden. Dazu kommt, daß die Erfahrt!!!■ geil unserer Geschichte Erlebnisse eines Volkes sind, das durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende zur Machtlosigkeit verurteilt war, und dessen Selbstbehauptung in der Welt nicht mit den Mitteln des physischen Kampfes er* folgte, sondern mit Hilfe geistiger Qualitäten, die daher aufs schärfste ausgeprägt werden mußten. Heute nun steht das jüdische Volk —- in vielen Ländern der Welt bedrängt und in seinen Lebensmögliehkeitcn eingeengt —- in einem Existenzkampf ohnegleichen, dessen Zentrum in Palästina, an dem Orte seiner nationalen Sammlung und Wiedergeburt, liegt. Auch die Welt tun uns ist stürmisch bewegt und voller Kämpfe, und ihre Jugend wird zum großen Teil nicht von den Idealen der friedlichen Ruhe geleitet, sondern von den Ideen des Kampfes, des Einsatzes des Mannes und des Opfers für eine große Sache. Es ist der Anruf des Heroismus, der aus der Außenwelt zu uns hinüberdringt und der — gestehen wir es offen — durch seine innere Kraft auch auf das jüdische Volk nicht ohne Eindruck ge• blieben ist, besonders in Palästina, wo die Gelegenheit zu Bewährung und Einsatz oft genug gegeben war. Dennoch scheint es uns, daß mir eine lose Vergleichsmöglichkcit zwischen unserer eigenen Lage und der Europas in dieser Hinsicht gegeben ist. Am Beginn der jüdischen Geschichte steht eine heroische Gestalt ohnegleichen, nämlich Moses, der es wagen konnte, dem Höchsten selbst gegen• überzutreten. An Mut und anderen Eigenschaften des hcroi* sehen Mannes fehlte es ihm gewiß nicht, wie die Geschichte seines Lebens beweist. Dennoch war er weder nur ״ein Mann der Vorzeit“, der eine . p r i!11 i t i v e Haltung verkörpert, noch verdient er eine Deutung als ״g o 11 f ö r m i g“; stets blieb er ja ein Mensch seines Volkes, ganz, und gar dem Willen der lenkenden Macht unterworfen, und zugleich war er die Verkörperung der höchsten Volksideen, der obersten sittlichen Gesetze überhaupt. Man wird hieran er• innert, wenn man eine Darstellung des Begriffes ״heroisch'‘ liest, die vor kurzem den Versuch gemacht hat, die Be• Ziehungen des Heroischen zum Christ e 1t t u m nach katholischer Auffassung darzustellen, und dabei auch auf diese beiden im Griechentum angelegten Deutungen des Heroischen hinweist (Erich Pr/vwara: Heroisch — Ferdinaml Schöningli, Paderborn). Diese sehr anregende I Umstellung, die bei dein spanischen Politiker Donos« Cortes beginnt und über Nietzsche, Rilke, Stefan George nsw. bis zu Sigrid Unset und Gertrud Le Fort führt, um sodann das Problem att griechischen Weisen und christlichen Persönlichkeiten dar• zulegen, kommt zu dem Ergebnis, daß alles Heroische ins Christliche cinmiinde und umgekehrt alles wahrhaft Christliehe heroisch sei. Diese Probleme — so scheint es uns -- haben auch für uns Juden ihre Bedeutung. Schon deshalb, weil — wie bereits angedeutet — so mancher unter uns ist, der die gedämpften Töne satt hat, und der, wem! nicht im Lehen, so doch wenigstens im D e n k e!1 11!1 d R e d e!1 das I’ a t h o s des H c - roi sehen herbeisehnt und davon eine Erlösung aus einem Zustand erhofft, der als drückende Stagnation des Volkslebens empfunden wird. Ist dies möglich? Ist solcher Wunsch sinnvoll oder aber führt er in die Irre und muß uns selbst verwirren? Eines ist sicher: Es gibt auch im Leben des jüdischen Volkes Augenblicke, in denen die letzten U p f c r vom Mensehen gefordert werden, nicht aus einer Theorie heraus, die im Opfer ein höchstes Ideal sieht, sondern weil das Leben selbst eine solche Situation heraufführt. In Paiästina ist das evident, nicht nur während der Unruhen des letzten Jahres, sondern seitdem überhaupt Menschen den Fuß ins Land gesetzt und es jüdischer Arbeit erschlossen haben. Die lange Liste der Toten ist das Zeugnis der schweren Opfer, die die jüdische Arbeit dort gefordert hat. Aber Heroismus darf im jüdischen Leben nicht zu einer Parole der politischpropagandistischen Rede werden. Was das Lehen verlangt, weil cs mm einmal so ist und keine Schonung "kennt, und was seinen Sinn im Ablauf der Geschichte enthüllen mag, wird durch bombastische Rede entweiht. Es ist notwendig, dies zu betonen, weil manche unter uns unter dem Eindruck rhetorischer Leistungen in Versammlungssälen, die für den nicht schwer zu erzielen sind, der keine Verantwortung zu tragen hat, glauben, daß wir gegenüber den großen Ereignissen unserer jüdischen Gegenwart allzu abgewogen und nüchtern reagieren. Diese Selbstkritik ist verständlich. Wir sind der Reden überdrüssig, weil wir sehen, daß wir die Wirklichkeit