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Jüdische Rundschau · 1937-06-08 · Heft 45 (8.6.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 45 (8.6.1937)
Date
1937-06-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45, 8. JUNI 1937 Chorkonzert des Kulturbundes Zu einem der schönsten und begnadeten Künder der Musik kann der A-cappella-Chor werden, dieses nicht aus totem Material gefertigte Instrument, in dem der Lebensstrom der menschlichen Stimme in echten Tönen klingt. Wenn der Berliner Kulturbund in seinem Chorkonzert nicht aut die Chorwerke des früheren Mittelalters zurückgriff, so gab er doch den Werken Raum, die zu Ausgang des Mittelalters, an der Wende der Neuzeit, vollendete Beispiele dieser höchst entwickelten Chorkunst freilegen, hier den großen Abschnitt der Niederländer in ihrem Höhepunkt Orlando di Lasso ahschließen, dort die Zukunft Italiens als Musikland in der gewaltigen Erscheinung Monteverdis eröffnen. Mit diesen Werken erwies der Kulturbund nicht nur dieser Kunst seine Referenz, sondern sicherte sich auch beim Publikum aufrichtige Schätzung. Berthold Sander erzielte mit einer Reihe von Madrigalen dieser Meister, auch von Jacob Arcadelt, starke Wirkung, zumal mit dem illustrativ gelungenen Echolied von Orlando di Lasso. Hat die letzte Zeit nur mit wenig Ausnahmen der A-cappella-Musik keinen zwingenden Auftrieb geben können, ihre Formen und Technik nur wenig erweitert, so begrüßen wir doch jede Auffrischung, und wenn der Kulturbund die Chormusik in den Mittelpunkt seines Preisausschrcibcns stellte, so war das mehr als eine Geste, der Masse durchschnittlicher Chorkompositionen neue hinzuzugesellen, sondern ein Appell an die Komponisten, diesem Gebiet neue Seiten, vor allem aber neue Ausblicke für die jüdische Musik abzugewinnen. Allerdings waren die Begleitumstände bei dem gegebenen Mangel an Chorvereinigungen, der damit verbundenen Aussichtslosigkeit von Aufführungen fiir die Komponisten nicht sehr erbaulich. Von den zwei auf Grund des Preisausschreibens zur Aufführung empfohlenen Chorwerken, die Sander in diesem Konzert herausbrachte, dem 142. Psalm für Soli (Hilde Lind, Herbert Czcmpin, Alfred Lehman n), gemischten Chor und Orchester (in der Aufführung für Streichorchester und das im Klang zu schwache Harmonium) von Julius Chajes und den ״Abendlichen Liedern“ von Erich K a t z, von denen nur eines ״Die Sonne“ uraufgeführt wurde, bestrickt die Komposition von Katz in ihrer der Landschaft abgelauschten Stimmung durch innere Aufrichtigkeit, noble Behandlung des Stoffs, einfache und doch eindringliche Sprache. Für den Publikumscrfolg des 142. Psalms von Chajes spricht sein Spürsinn für das melodisch Eingängige; neben dem handwerklichen Können vermag er auch dem Text das Musikalische sehr wirksam zu abstrahieren. Bemerkenswert die Analogie der Technik des einführenden Orclieslersatzes mit dem des ״Te Dcum“ von Bruckner, allerdings bringt er die weitere Durchführung im Gegensatz zu Bruckner erst später. Einen wirksamen Ausklang des Konzerfes verschaffte sich Sander mit jüdischen und h e b r ä ־ i sehen Liedern in Bearbeitungen, die mehr den Charakter unterhaltender Genrebilder anstreben, nicht sehr gehaltvoll, doch mitunter geschickt gesetzt. So Bearbeitungen von Israel Gl ad st ein, in denen sich Kurt Kahn neben Max Kutt- ת er und Thea Biber-Brandt, vor allem letztere, um originalgetreue Wirkung bemühten. Ludwig F i 11 k e I traf in der Bearbeitung des ״Chassidischen Tischlied“ den ihm innewohnenden Charakter sehr lebensecht in der Anlehnung an eine Praxis, die bereits im Osten ein ausgedehntes, reichlieh beackertes Feld hinter sich hat, in ihren stereotyp angewandten Formen aber leicht der Gefahr des Ueberbetonten, Uebersentimentalen, damit der Verzerrung dieser Weisen anheimfällt. Die Solisten Kurt Kahn, Herbert C zempin (der die Singweise aus bester Schule zu kennen scheint) und Max Lexandro witsch trugen mit zu dem starken Erfolg dieses Liedes bei. Eine ״Horrah“ von Sigmund Friedmann-Petr 11 schka lief gut an, brachte aber nicht die allmähliche Steigerung und verfiel so trotz Tempo und Rhythmus einer gewissen Monotonie. Das einzige Solostück für Gesang, ein unfaßbar zurechtgestutztes ostjüdisebes Wiegenlied, war eine Zumutung für die Solistin Rosa Steiner. Eine erfreuliche Entdeckung, die Chorsolistin Hilda Lind, deren lockere freie Tongebung eine wunderbar klangschöne Stimme enthält, der sorgsame Aufmerksamkeit zu schenken sich wirklich einmal lohnen würde. Von dem Begleiter an Flügel und Harmonium, Hans Margolinski, war nur sehr wenig zu hören. Der Leiter Bertnold Sander, Chor und Solisten wurden ausnehmend gefeiert. Das Publikum erzwang sich Wiederholungen und Zugaben. Dr. Jakob Schönberg Bei den Chassidim . . . Der Fromme verzichtet auf äußeren Prunk und Glanz des Gotteshauses. So ist auch die Andachtsstätte der Berliner Chassidimgemeinde ursprünglich nichts anderes gewesen als ein unscheinbarer Laden mit ein paar anschließenden Zimmern im Straßengewühl. Die ehemaligen Schaufenster sind übertüncht; einige Stufen führen zur Eingangstür hinab. Man betritt zunächst die Gebetsstube der Frauen, streng abgeschieden vorn Hauptraum. Hier erst umfängt uns der eigentümliche Dämmerhauch jüdischer Mystik, achtzehntes Jahrhundert wird wach in dieser zur Weihe Gottes umgestaltcten, Ursprunglieh so nüchternen Umwelt. Das spärliche Licht erhöht noch die Feierlichkeit. Die andächtige Stimmung, die uns hier umgibt, ist nicht durch äußere Mittel erzwungen lind gewollt, sondern durch das typisch-kultische Gepräge, das allen Gegenständen anhaftet, von selbst gegeben. Schon lange vor Beginn des Schabbatabend-Gottesdienstes geht das Raunen einzelner Beter durch den Raum. Unmerk• ach fast vollzieht sich der Uebcrgang vom stillen Gebet zum Gemeindegesang. Fremd und doch schnell vertraut klingt unserem Ohr der kindhaft-hoffende Niggun der alten Schabbatlieder, in deren Rhythmen unwillkürlich die sich wiegenden Körner der Betenden mitschwingen. Eine seltsam-leuchtende Kraft zuversichtlicher Gläubigkeit spricht aus den vom Leben gestählten Gesichtern vieler Männer, die dem Chasan lauschen. Bei den Chassidim ist noch wirkliches, ungekünsteltes Judentum lebendig. Der Sinn für das Ursprüngliche hat sich in den traditionellen Ausbrüchen der Freude und des Schmerzes rein erhalten. Die Gemeinde ist noch eine fest zusammengeschlossene Kette von gesetzestreuen Menschen, die auch außerhalb der eigentlichen Gottesdienststunden zusammenhalten im Lernen, aber auch in festlichen Feiern bei Mahl und Trunk die festen Riten und Gebote der jüdischen Gemeinschaft pflegen. In unserer nüchternen Gegenwart ist ein Besuch bei den Chassidim besonders wohltuend als ein Schritt zur Beslnnung und Rückkehr zur Innerlichkeit. W. B I u m e n t h a l Land der Verheißung Zur Neuauffahrung am 10■ Juni Es ist ein besonders begrüßenswerter Gedanke, daß die Palästina-Filmstelle als nächstes Programm den ersten Tonfilm über Erez Israel wieder herausbringt. Dieser Tonfilm, der durch das Ineinanderspielen modemster Bild- und Tonkunst wirkt, hat bereits hei der ersten Aufführungsscrie einen überaus starken Eindruck hinterlassen. Nachdem der letzte Film ״Hatikwah“ die Entwicklung des Landes an Hand von alten Filmdokuincntcn rekonstruierte, BZV KUNDGEBUNGEN Westen Dienstag, den 15. Juni, 20.30 Uhr pünktlich, im Brüdervereinshaus, Kurfürstenstr. 115116־ Zentrum - Nord Donnerstag, den 17. Juni, 20.30 Uhr pünktlich, im Musik er-Vereinshaus, Kaiser-Wilhelm-Str. 31 DR. MICHAEL TRAUB soeben aus Palästina zurückgekehrt VOR DER ENTSCHEIDUNG Ein jüdisches Weißbuch — London und Genf — Bilanz einer Politik — Ist das Mandat verwirklichbar? — Die doppelte Verpflichtung — Krise des Panarabismus? - Teilungs- Projekte — Judenstaat als politische Realität — Politik und Aufbau — Von Emek zu Emek — Die Antwort des Volkes Vorher der Schekel-Kurzfilm ״Bekennt Euch“ Berlin er Zionistische Vereinigung führt der Film ״Land der Verheißung‘‘ mitten hinein in das pulsierende Leben des Landes mit all seiner Mühe und all seiner Freude. Aus dieser Synthese zwischen Arbeit am Aufbau und Freude am Aufbau ent fand in Giwatli Brenner das ״Emek lied“, das die Liebe der jüdischen Jugund zu dem von ihr zurückgewonnenen Boden widerspiegelt. — Das Emeklied ist einer der Höhepunkte des Films, der das Leben des Landes in der Siedlung und in der Stadt, im Pardess und in der Fabrik zeigt. Zur Neuaufführung wird Dr. S c lt 1 o ß b e r g die Einleitungs-Ansprache halfen. Wegen der starken Nachfrage empfehlen wir, Karten!echtzeitig im Vorverkauf zu erwerben. (Aufführung im Brtidervereinshaus.) _ Dogma und Glaube. Rabbiner Dr. Alexander Altmann erörterte in einem Vortrag im Rambatn-Lehrhaus die Frage, inwieweit und aus welchen Gründen das Judentum gewisse Dogmen aufgestellt hat und ob das Judentum grundsätzlieh eine Dogmenreligion darstellt. Er ging vor! den dreizehn Glaubensartikeln des Maimoiiides aus, denen man entnehmen könnte, daß der Rainhain das Lehrgebäude des Judentums in theoretischen Formulierungen festlegen wollte. Diese Glaubensartikel verursachten erregte Diskussionen, andere jüdische Religionsphilosophen faßten den Glaubens- Inhalt des Judentums z. B. nur iri drei Glaubenssätzen zusammen, in Wirklichkeit aber hatte man die wahre Absicht des Rambam mißverstanden und war mit der Zeit von der eigentlichen Diskussionsbasis abgeglitten. Dr. Altmann stellte fest, daß ursprünglich keine Veranlassung vorlag, die Lehren des Judentums auf eine feste Formuliertin״ zu bringen. Erst später, als das Judentum in geistige Berührung mit anderen Weltanschauungen trat (Islam, Christentum), verspürte man das Bedürfnis, aus dem weiten Ideenkomplex der jüdischen Lehren einen Extrakt zu ziehen, um in konzentrierten dogmatischen Formulierungen den Glaubensinhalt des Judentums deutlich gegenüber anderen Religionen abzugrenzeti. Das war auch die Absicht des Rambam. — Schon die Epoche des Talmud hatte ähnliche Arbeit zu leisten, wem! unsere bedeutenden Oesetzeslelirer beispielsweise den Begriff der Einheit und Einzigkeit Gottes der Auffassung vom Dualismus, die damals herrschte, entgegenstellte. Das Primäre im Judentum ist jedoch die E m u 11 a h, der Glaube, der zur Tat führt und nickt das Dogma. Siegfried Geller Ankündigrungen Jüdisches Lehrhaus (Freie Jü־!j-ehe Volkshochschule, e. ג’.; ScUrctaria!: Berlin W 50, Marlmrt;c1 Su. 5 F H. Tel. 24 55 87; Spierhituniien: 10 — 13 und 10—10 171!). 5F?nfa^- Reihe; JtidBrho Kultur* j.M׳>rhu;hn•, 14. Juni, 20.30 Fhr ])ü:1k‘liök, l'asauen-tr. BÜ {\urirags־ 3aaI): F1i:z Banihvi^er; A;־־chkunu>i- :׳׳>!!־ - Judentum 1050-1730־. Ar* I>ei,>.-^enh-i1w־h.1[tcn (20.30—22 Uhr). Muntag*: Nr. 6: l'ollak, U dt- 5vir!1־ halt!!. I;c Arbeit*f»enHMnsrhan. AuijU'-to 1. 17. l)ie 110.1(4י; Nr. 2: Stemhcr^, Biblische Sozkiletiiik. 1׳ BO; Nr. 10; Fisenberg, \'om Sprechen, Uthunpen in freier Kt׳ Le, 1,1 -arienMr. 80. Miitwo-cUs: Nr. 3: Margnüus, Hermann Cohen .,Religion uni Sioljrlikci'“, ha* sanenstr. 80; N’r. 8: ],ulvermauher, Geschichte der Stile in der hiU denden Kunst, M:u!׳m־per St!. 5; \’r. 4: Berliner- Kar!nm-ki, Frzichung'- und Aud)1[dunp:;f! a^cn de!־ wriMhheü judi-chm Jugend, Fasanenstr. 80. Doijk r.-tn^: Nr. 7: Kuhn, FSvch'Cupn• der Personlichkeh, Muiimrger Str. 5. Wanderung in der Natur (Leitung: Otto Trfio:l); 13. Juni, Treifpunkt: 6.30 (ehr vor dem Stettiner Fernbahnhot. Wandeicoreck-‘: HalmlrU Chorin — BudihnJz —!0u>; (in!m׳;n— Bahnhof Ih 12־'prun:4. Leber die lautenden Sprachkurse erteilt das Sehrt!:mal. Au-kunB. Rambam-Lehrhaus (W SO, 101— euer Str. 2, Tel. 24 5285!. Vortrag Rabh. Dr. A. Neuwirth: ,,Fak^dm, ihre religio e Anschamm״ und ilue Stellung zur Bibel*' am 12. Juni, 2׳c30 l'hr, Svu. J'a^auer Str. 2. Gesellschaft zur Förderung der W'isstnscha.t des Judentums. Mit־ giiederversammlün^ am 14. Fu.i. 2; ( m, 1111 1budr; et1!;׳e 0: u;־. Rnh'>. Dr. Benno Jnr׳.>h, Hamburg ,pu.L: u0,.r da.. Thema ״V-m DeUDg״. Der Jüdische Kulturbund Beilm uili um; Die Duden Voiu.^e von Dr. Joachim I’rinz, die. a:n 8. und u. Juni im B1 a I ■. ז \ c! < u 1 י imu m.atfinden cadhen. nrü■-(!! verlebt m.nn u. Di׳.; mne:: D.uca Ctwa eine Woche ״-paicr) werden rechtzeitig h-! Wim:0.y;:׳ ben. GcCoe Km ton־ behalten ihie Güh!”lnit. Kulturbund-Spiclplan der nächsten Woche. 1 he.iter in der K 'nimm• dr!n(endr.d20.15 ,•׳׳ Fhr. 14. Iu:d: ,.[.!:!־־ (Ado 23. 33); 15. Toni: ,,Jean- (Abi. 3, 13); 10. JuYi: ..!< .:D CM2 ,!׳t. 34); 17. Juni: ,.Jean“ (Ab(. 25, 35); 20. Juni: ״Imi'׳ ־AM. 21, 31). Jüdisches Museum. Die Au •••<;!111:1.4 .,Dmi JD hak AD •:’׳and, :•!־ine Weil und .-rin Wkrk־• in ah 14. jan Lpmiua uni!,u’heh, auLer Sonnabend, v>׳n 10--T4 l'hr zu b־׳AA4i;;e;1. Bar MUwah-Termin. Am 10. jmb (10. Tammm): HAnich F inhör 11, Sohn von Salmem I'inV1.־.׳, NO 55, hn;n.»nu־ lklrc!1.־.tr. 3. Am ersten Todestage des Musikdirektors und Oberkantors Aron Friedmann versammelten sich an seinem Grabe die Angehörigen und eine Anzahl von Freunden und Berufsgenossen. Rabbiner Dr. Freier;.8׳d,1d1ie 11 es Verblichenen und Oberkantor B. Casper sang ein vom Verstorbenen komponiertes El mole rachainim, das alle Hörer tief ergriff. Land der Verheißung Der eiste Palästina-Tonfilm der Brim Palesfine Film Co. Lid. Jerusalem (Her-gestellt Im Aufm, des Keren Hajessod) NEUAUFFÜHRUNG Donnerstag, den 10. Juni 1937, 20,30 Uhr Sonnabend, den 12. Juni 1937, 2130 Uhr Brüdervereinshaus, Kirrförstenstr, 115-116 Ansprache: Dr. David Schiossberg Vorprogramm: Kurzfilm ״Bekennt Euch“ Karten 2u NM 0,80, 1,—, 1,50 hO: Jüdische Rundschau, Meinnkeslrad10 ״’ Cafe Leon, Kurf״rsU;־״jan1fn 155; Burhh Muss, P1.-;mVn//1ptr aße 15 . Kcndifore Schneider, K!t״sistr;!50 13; Drvg. Inufer, Trautonnus'.rnüe 91 H«4ns;1-Koräitoroi. plonsburqur Siraßs!'>־. ÖucHhntidtu׳'! Salles, Gn>nad!erst-aßo 30, Buchhand־ lun;; Gon/ur, Oranienburger Straße ':,{י; Z^arren-t pste'n, Jerusalemer Straße 9 Eintritt nur für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft PALÄSTIN A - FI LMSTELLE DER ZViD Von den tripolitanischen Juden In der ״Zeitschrift für Ethnologie“ (Jahrg. GS, Heft 4׳fi) beschäftigt sich Günter Müller aut Grund eigener Beobachtungen mit der Ethnographie und Anthropologie der Juden in Tripolis. ״Im afrikanischen Tripolis'־', so berichtet er, ״leben heute etwa 16 000 Juden, deren äußere Anpassung an das neue italienische Wirtsvolk zusehends Fortschritte macht. Die Muttersprache der meisten ist zwar immer noch die dort herrschende arabische Mundart, die aus den Arbeiten von Hans Stumme und Eugen Griffini bekannt ist, doch mit gewissen bezeichnenden Unterschieden in der Aussprache und 1m Wortschatz. So verändert die jüdische Zunge das arabische ״t“ vielfach in ״tsch“, und diese Palatalisierung des ״t“ erstreckt sich sogar auf hebräische Wörter wie ״Talmud“ und ״Thora"... Von den Juden werden auch Lehnwörter aus dem Hebräischen gebraucht; doch obwohl das Hebräische im Gottesdienst und neben Italienisch und Arabisch sogar aut amtliehen Bekanntmachungen Verwendung findet, sind, wie eine Stichprobe mit jüdischen Passanten ergab, nur die wenigsten Erwachsenen imstande, die ״Sprache von Tel Aviv“ zu lesen und zu verstellen. Die ׳Heranwachsende Jugend dagegen kennt sie aus der Schule, wo heute zionistische B i I d u n g s- Bestrebungen wirken.‘‘ Irn Geschäftslebcn werde das Italienische immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Der Verfasser zeigt dann an Hand zahlreicher Photos die Physiognomie der tripolitanischen Juden auf, bei denen er viele Mischungen findet. Bei einem Knaben glaubt er ״den echten semitischen Urtyp“ konstatieren zu können, ״den man etwa als eine eigenartige Verschmelzung aus Wachstumstenden/en des vorderasiatischen und tiegerischeti Gesichts deu• teil könnte. Er ist in seiner ausgeprägten Form jjekennzeich* net durch leicht vorgeneigte Kopfhaltung, ovale Gesichtsfonn, dunkles krauses Haar, schmalen Augenschlitz, schwarze Regenbogenhaut, gerundete Nase und wulstige Lippen, die gern offen stehen; in der Spannung hat der Blick oft etwas Lauerndes.‘‘ Der Schluß der Abhandlung gibt Aufschluß über die Kleidung der tripolitanisrb.cn Juden und die bestehenden Tendenzen zu ihrer Modernisierung. Bei der am 8. Juni vom Dresdener Kulturbund ver* anstaltefen Aufführung ״Balak und Bileam“ wird die Tenor- Partie von Bernhard Chrzelitzer, Berlin, gesungen werden, der auch bei der Berliner Uraufführung 1934 die gleiche Partie zu Gehör brachte. ZAHLT DEN SCHEMEL - WERBT FÜR IHN ■ ili

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