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Jüdische Rundschau · 1937-06-04 · Heft 44 (4.6.1937) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 44 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44, 4. JUNI 1937 ״JEAN 11 / Aufführung im Kulturbund-Theater Wenn es keine Herren und Diener gäbe, würden viele Komödien ungeschrieben geblieben sein, und man kann sich diese Lücke in der Weltliteratur wie auch in dem täglichen Theaterbedarf aller Völker überhaupt nicht Vorstehern Von den griechischen Komödien, die seit einigen Jahrtausenden ihrer Ausgrabung harren, wissen wir im wesentlichen, daß da der listige Sklave die Hauptrolle spielt, der seinen Herrn übertölpelt oder wenigstens regiert, und das mit mehr Ver* stand, als der Gebieter selbst aufbringen könnte. Die römischen Komödienschreiber haben dieses dankbare Motiv aufgenommen, das sich dann in einer langen Tradition aller romanischen Länder fortsetzte, aber wir wissen aus der Literatur wie durch gelegentliche exotische Gastspiele, daß dieser Kampf des Schwächeren gegen den Stärkeren oder der List gegen die Macht nicht weniger in Indien, in Japan oder in China zustimmende Beliebt« heit gefunden hat. An den Römischen Saturnalien, an einem einzigen Tage des Jahres wurden die Skiaven * von ihren Herren mit Rosinen und Backwerk beworfen, denen sie auch einmal im Jahre die Wahrheit sagen durften; aber es wird nevalsfreiheit auch Gebrauch gemacht haben. Jedenfalls haben es die Dichter für sie getan, gewiß nicht aus einem sozialen Motiv oder aus einer Gleichheitstendenz, sondern weil aus einer solchen Situation viel Komik zu holen war wie immer, wenn das Unerwartete, das Ungewöhnliche geschieht, wenn der Kleine mit dem Großen fertig wird und wenn besonders der Witz rebelliert und triumphiert. Je aristokratischer die Zeiten waren, je selbstverständlicher das Herrentum, um so besser hatten es die Diener in der Literatur. Bei Moliere darf die Herrschaft dumm sein; aber die Kammerzofe ist es nie, und als ein Stück Volk hat sie mindestens seinen gesunden Menschenverstand. Der letzte der großen Reihe ist der Figaro ewesen. Mit der französischen Revolution, die er selbst mit erbeigeführt haben soll, ist dieser Typus verloren gegangen; er wurde ein Opfer der Erklärung der Menschenrechte. Aber das Theater, trotz allen Dramaturgien, die man ihm vorschreibt, und die es überleben wird, ist nun einmal eine zähe Institution. Les conventions changent, la convention reste — hat ein großer Kenner darüber gesagt. Die listigen und lustigen Diener sind immer wieder aufgetaucht, auch unter so veränderten Verhältnissen, denen sich ihre Wendigkeit und Zähigkeit anzupassen wußte. Lassen wir die Literatur. Die Komodle ״Jean“ von Ladislaus Bus-Fekete, einein Kotinka (EIfriede Borodltin) — Johann (Alfred BerlinerJ Foto: J. Abr.h.m nicht berichtet, ob sie von dieser Kar- 5SÖF'. Landsmann und Stammesgenossen von Molnar, hat sich im Kulturbund-Theater denselben uiiwidersprochcnen Erfolg geholt, der ihm schon von Budapest nach Wien und Prag und Bukarest getreulich nachgegangen war. Eine gute Komödie muß auch ein .Stück Märchen sein. Das Märchenhafte knäuelt sich zu der Verwicklung, daß Jean, der tadelloseste aller Kammerdiener, dessen Urgroßvater schon den Urgroßvater des Grafen betreut hat, sich heimlich zum Abgeordneten wählen läßt und daß er durch eine zündende Oppositionsrede seinen Herrn, den Premierminister, stürzt. Aber darum keine Feindschaft nicht! Der Premierminister ist an das Gestürztwerden gewohnt, und die Familie hört nicht auf, den korrektesten, den unentbehrlichsten aller Kammerdiener zu lieben und zu achten. Nur die Tochter, die Junge und schlecht verheiratete Frau Gräfin sagt: Ich hasse ihn! — Aber das sagt sie im zweiten Akt, und so kann man sicher sein, daß sie sich iin dritten mit demselben Temperament widerrufen wird. Dem Autor aber muß nachgesagt werden, daß er diese Liebesgeschichte mit Takt und Zartheit behandelt Imf, ״Jean“ ist ein Konversationsstück, eins von denen, in denen viel Tee getrunken wird, aber der Dialog hat eine Champagnerlaune und moussiert von vielen reizenden Einfällen, die den verschiedenen Personen ungesucht zu kommen scheinen. Es ist in der Ordnung, daß Jean in seiner korrekten, fast stummen Art am meisten Esprit bekommen hat, aber die anderen haben auch davon, wenn es ihnen auch weniger bewußt ist. Ein solches Stück spielt sich nicht von selbst; cs ist eine Preisaufgabe für den Regisseur, und Fritz W i s t e n hat sich damit den höchsten Preis verdient, ohne daß er eine schwankartige Wirkung gesucht hätte. Es war seine Komödie, aber darum nicht weniger lustig. Der gute Regisseur sucht sich keinen Extraerfolg, er beweist sich am besten wie am selbstlosesten durch die Gesamtleistung der Schauspieler, die an seiner Führung wachsen. Der talentvolle Alfred Berliner wuchs an der Rolle des Jean vom Komiker zürn Charakterspieler. Es ist keine Kleinigkeit, den ganzen Abend mit der einen diskreten Kammerdienerphvsiognomie auszukommen, mit der er trotzdem das Stück beherrschte. Dazu gehört Enthaltsamkeit, die sich aber mir eine innere Kraft leisten kann. Vielleicht könnte der Liebhaber etwas feuriger geraten, aber in dein ganzen Kerl war etwas Interessantes und vor allem eine geistige Flamme. Zu großer Liebenswürdigkeit geriet der Graf und Premierminister von Ben Spanier, zu einem guten Kerl, zu einem lässigen und daher um so echteren Aristokraten. Mit dem Schwiegersohn und einzig unsympathischen Menschen des Stücks fand sich Martin Brandt in seiner vorschriftsmäßigen Haltung ab. Gute und gut erzogene Schauspieler müssen auch blutsverwandt oder seelisch zusammengewachsen scheinen. Das war auch auf der Seite der Frauen eine richtige Familie. Jenny Bernstein als Mutter hat das Privileg für alte Aristokratinnen, die reizend plauschen und die zu weißen Haaren ein junges Oeslcht haben, hei aller Frauenerfahrung naiv und kindlich. Elfriede Borodkin als die junge Gräfin, die sich mutig zu Jean bekennt, hat in glücklichster Weise überrascht. Ihre Sachen waren bisher die jungen Mädchen, die weiter nichts zu tun als zu blühen haben. Jetzt nahm sie die höhere Stufe mit einer Frau von Temperament und Energie, die ihr Schicksal ins Auge faßt und ihm dabei Hoch zulächeln kann. In kleineren Rollen eine Kammerzofe von Gina Friedmann, die jeder engagieren würde, und von Berfhold Segall, der neue Kammerdiener und unwürdige Nachfolger des unvergleichlichen Jean. Es war ein ganz großer Erfolg, und das Urteil, das man einheitlich hörte, lautete auf das eine Wort: Entzückend! Arthur Eloesscr Ein ״Schekel-Film" Bei der diesjährigen Schekclaktion wird zum erstenmal auch der Film in den Dienst der Werbung gestellt. Für die Palüstina-Filinstellc der Zion. Vereinigung für Deutschland hat Georg Engel den Film her gestellt, der bei der Juni-Premiere des Kulturbund-Theaters vor Beginn der Vorstellung zum ersten Male zur Vorführung gefangte. Der Film, der mit Musik begleitet wird, versteht es in sehr wirkungsvoller Weise das Interesse des Publikums auf die Schekelaktion zu konzentrieren. Wir sehen eine Montage von Bildern, die die Zerstreuung des jüdischen Volkes über alle Erdteile symbolisieren, woran sich weitere Aufnahmen und Texte anschließen, die die Verbundenheit aller Juden mit Palästina vor Augen führen. Es folgen eine Anzahl von Aufnahmen vom Aufbau Palästinas und seiner Landschaft, und zum Schluß wird in eindrucksvoller Weise in Bild und Text dargcstcllt, daß die Beteiligung an der Schekelaktion die Pflicht eines jeden Juden ist, der den Aufbau Palästinas ernst nimmt. Es ist das erste Mal, daß ein jüdischer Kurzfilm hergestellt wurde, und schon der erste Versuch zeigt, daß dieser Weg ohne Zweifel erhebliche Bedeutung für die zionistische Propaganda besitzt. Der spontane Beifall des Publikums war der beste Beweis für die Wirkung. Tanzabend Ilse Vordemberge. Am 31. Mai fand im Rriidervcreiiishatis ein Tanzabend Ilse Vordem!) crRcs mit ihrer Gruppe statt. Die Ztkammenst.■Dung der Gruppe war teilweise ganz neu, so daß wir von den Bekannten aus dem Vorjahr nur Lotte Auerbach wiedersahen, die sich in der ״Grotesken Polka", ihrer Glanznummer, wieder großen Beifall holte. Man konnte genau wie bei ihrem ersten Auftreten feststellen, daß ihr ernste, schwere 1 hemen nicht so liegen; ihr gelingt die psychische Entspannung, der liarino nische Znsammenklang zwischen ihrem Körper und seelischem Einfühlungsvermögen nicht, sie wirkt dann leicht verkrampft und bringt sich um den vollen Erfolg ihrer an und für sich galten tänzerischen Leistungen. E'se Vordem berge hat mit ihrem Gruppentanz neue Wege vingeselilagen. die von ihrem Können ein gutes Zeugnis ablegen. Außerordentlich gelungen sind ihr die Kompositionen dreier Orunpentiinze ״Opfergang“ (Musik־ Mendelssohn), ״Tango“ (Musik Antheil) und ״Ritmo Dinamic“ (Musik Wimlisch). Alle drei Tänze erzielten starke Resonanz beim Publikum. Dazu sind die geschmackvollen Kostüme hervorzuhehen, beim Tango weite, lange, schwarze Gewänder mit grün-rot leuchtenden Schärpen, als malerischer Kontrast das einfarbig weiße Kleid Ilse Vordemherges (Entwurf: Heinz C o n d e I 1). Besonders erwähnenswert ist das Talent Erika Czolleks, die viel Grazie und natürliche Anmut besitzt. Werner Baer am Flügel, Hildegard I. ewin ain Schlagzeug verhalten durch ihr exaktes Spiel zum Erfolg. Ilse Vordemberge und ihrer Gruppe, die eine Tournee nach Italien planen, ist auch dort Gelingen zu wünschen. C11, F« Abholung der Schekelblocks Die Schekelblocks, die alle Mitglieder der BZV, des Misrachi und der Wizo erhalten haben, werden am Sonntag, dem 6. Juni abgeholt Die Abholung findet durch ehren,amtliche Mit* Arbeiter in den Vormittagsstunden statt. Wir bitten alle Mitglieder der BZV. dringend, zu dieser Zeit anwesend zu sein und ihren Block abzurechnen. Nur bei pünktlicher Abrechnung ist die Gewähr dafür gegeben, daß die Schekel-Aktion erfolgreich durchgctührt werden kann. Berliner Zionistische Vereinigung Land der Verheißung Der erste Palästina-Tonfilm dar Urim Falesline Film Co. Lid. Jarusalom (Hergestellt im Auftr.des Keren Hajessod) NEUAUFFÜHRUNG Donnerstag, den 10vJuni 1937, 20.30 Uhr Sonnabend, den 12. Juni 1937, 21.30 Uhr Brödarvereinshaus, Kurfürstenstr. 115-116 Ansprache: Dr. David Echlossberg Karten xu RM 0,80. 1,—! 1.50 bei: Jüdisch• Randechau, MeinekaslraSe 10! Cafö Leon, Kurfürstendamm 155; Buchh Mass, Pittalozzistraße t5; Ktandilorel Schneider, Kle!s׳slraße 13 , Drog. Läufer, Traulenaualraße 9; Hansa-Konditor*!, Flensburger SlraSe 19! Buchhandlung Salles! Gr«nadier8traße 30; Buchhand* lung Gonzer, Oranienburger Straße 26i Ziqarren-EpsieSr», Jerusalemer Straße 9 Eintritt nur für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft PALÄSTINA-FILM STELLE DER ZVID Anzeigen - Annahme - Stellen MelnekastraBe 10 in unserem Varlagthnti•• Hsiansee! Joachlm-Frlsdrleti-Str. 49 bei B. D. Magnus, Ru» n 1■ SO Zentrum: Neue Fried rlchstraB* 89 Buchhandlung M. Poppelauer Worden 1 N0UB K0ltlgStr. 7§a.AI.»,4*l.u bei Erich Lublin, Ruf: 990449 MeuhOHn: NeukBlln, Sanderstr. 24 am Kattb, Damm fc.1 M. Badaach JÜDISCHE RUNDSCHAU ■TmM's■ 18 Privat-Mittagsu. Abendtisch Gedeck von RM 1.20 an MbaaMmar Alisa a (a. Sch3nh.T00 Bolle’s Hauabaltungahllfe BSlowitrafla A4, Edre Potsdamer Sfr. Gegründet 1910 / Raft 21 27 57 Vielseitig־• Aushilfen f. Haushalt, Geschäftsräume uew. Keine Stellenvermittlung. 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Mrlla 0 I, ■srgitralo 11 HOLLAND am Kurfürstendamm 61 Eingang Leibnlzstr. / Ruf 311636 Die bekannte Tanzbar trvorraflend• timmunga-Kapati 16 | J NEUMANN Kurfürsten- PIANOS dämm 205 Ruf: 91 37 16 RADIO Caf6 Engländer früher Caf6 Biveria Barbarossaplatz 3 263652 Allen meinen Freunden, Gönnern n. Bekannten teile ich hierdurch mit, daß ich obiges Cnf£ am Mittwoch, dem 9. Juni, eröffne. Neurenovlert . Anganehmer Aufenthalt Konditorei Adler Wittenborgplatz Orig. Karlsbader Kaffee Orig. Wiener Kuchen Warme Küche. U.b.r 100 Inu. •u.länd. Z«)iung*n!»••■•*•וו•■••■ Qfieii's \S . - 1 :1 _ . כשר M- und Mmnm rfüritendemm 22, NShe Zoo Ausrichtung von Festlichkeiten* / Ruf : 912245 Aufsicht Kaschr.-Komm. Jüdisch« Gemeinde Berlin AN-UND VERKAUF Perser-Teppichs־•■׳ ״•־“•״־־״ "1׳ Auch Verkauf an Private Krisch. KurfSrttandamm 49 Kck. Bl.’btr.'äBtreüe, 91 09 51 Perser-Teppiche u. Brocken ״״:&־•״ t16ch.t1.hL Firma L. 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