Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 4. VI. 193? JODISCHE RUNDSCHAU Seite 11 IJ1HSCHAIJ Arbeiterbewegung / Fritz n a ק h t a 1 i Histadruth und revisionistische Arbeiter Zwischen der allgemeinen Arbeiterorganisation? der Histadruth, und der Arbeiter- Organisation der Revisionisten ist am Mai ein Abkommen abgeschlossen worden, das große Bedeutung für die Ordnung der Arbeitsvermittlung und -Verteilung gewinnen kann. In den letzten Monaten gab es bei einigen öffentlichen Arbeiten (z. B. in Verbindung mit dem Hafen Tel Aviv) und bei einigen Bauarbeiten wieder heftige Streitigkeiten über die Durchführung der Arbeiten durch in der Histadruth organisierte Arbeiter und über die Anteilnahme von politisch anders gerichteten, vor allem revisionistischen Arbeitern. An den Formen dieser Kämpfe zwischen Arbeitern, mit Einmischung der Polizei, hat niemand Freude gehabt. Bei der Durchführung des Baues des neuen Elektrizitätswerkes im Norden von Tel Aviv stand eine neue Diskussion über die Verteilung der Arbeitsplätze bevor. Das war vielleicht der unmittelbare Anlaß für Pincas Ruthenberg, die Vertreter der Histadruth und die Vertreter des revisionistisehen Arbeiterverbandes zu neuen Verhandlungen einzuladen. Sie führten zu einem Vortrag, der vorläufig nur ein Teilgebiet betrifft, aber der die Aussicht auf das Entstehen einer einheitlichen Arbeitsvermittlung und -Verteilung durch die Organisationen der Arbeiter selbst eröffnet. Nachdem der Wunsch der beiden vertragschließenden Organisationen ausgesprochen wird, zu einer allgemeinen Verständigung zu gelangen über die gerechte Verteilung der Arbeitsplätze, den Schutz der jüdischen Arbeit in der jüdischen Wirtschaft und über den Wettbewerb der Arbeiter untereinander, werden vorläufig folgende praktische Schritte vereinbart: In Tel Aviv wird ein gemeinsames Arbeitsamt für die Vermittlung von Arbeitern im Baugewerbe und für öffentliche Arbeiten errichtet. (Die Verhandlungen zur Einbeziehung anderer bes.ehender Arbelterverbände und zur Ausdehnung auf andere Wirtschaftszweige werden fortgeführt.) Innerhalb vier Wochen hat sich der Verbana der revisionistischen Arbeiter zu entscheiden, nach welchem der beiden folgenden Systeme die Verteilung der Arbeit in dem gemeinsamen Arbeitsamt erfolgen soll: 1. allgemeine Arbeitsvermittlung aut Grund persönlicher Eintragung der Arbeitslosen nach einer bestimmten Reihenfolge oder 2. Verteilung der Arbeitsplätze zwischen den am Arbeitsamt beteiligten Arbeiterorganisationen nach einem Schlüssel, der auf Grund einer allgemeinen Zählung der Arbeiter im Bau und öffentlichen Arbeiten nach ihrer Zugehörigkeit zu den Verbänden festgestellt wird. Falls nun das System 1 angenommen wird, muß innerhalb zwei Monaten die Regelung der praktischen Handhabung der Reihenfolge erfolgen, sonst muß die Zählung durchgeführt werden und die Verteilung auf Grund des sich ergebenden Schlüssels für das ganze Jahr erfolgen. Bis zur Entscheidung über die Anwendung eines der beiden Systeme wird als zeitweiliger Schlüssel den Revisionisten ein Anteil von 11 «/ס der Arbeiten eingeräumt. _ Sogleich nach der Entscheidung der Revisionisten sollen auch in Haifa und Jerusalem emeinsame Arbeitsämter eingerichtet werden, ei Eintritt anderer Minderheiten wird der Verteilungsschlüssel auf Rechnung beider Seiten abgeändert werden. Die Leitung des Arbeitsamtes wird nach dem Verhältnis des Arbeitsverteilungsschlüssels zusammengesetzt sein. Der Sekretär des Arbeitsamtes wird durch die Histadruth ernannt, zwei Stellvertreter von Minderheitsorganisationen (vorläufig nur ein Stellvertreter durch die Revisionisten). Von den Mitarbeitern des Arbeitsamtes werden 60 °/0 von der Histadruth und 40 °/0 von den Revisionisten und anderen Minderheitsorganisationen gestellt. Zur Ueberwachung wird eine Kommission eingesetzt, in der die Hälfte der Mitglieder von der Histadruth und die Hälfte von den anderen beteiligten Organisationen bestellt wird. Verhandlungen mit den Arbeitgebern an den Arbeitsplätzen werden durch einen Rat geführt, der durch die Arbeiter des Platzes gewählt wird. Wenn dabei kein Vertreter der Minderheit gewählt wird und wenn die Angchörien der Minderheitsorganisation an dem Areitsplatz 10 0״ der Arbeiter ausmachen, soll ihnen eine Vertretung im Rat eingeräumt werden. Das Abkommen gilt vorläufig für ein Jahr. Die praktische Bedeutung Der Wert dieses Abkommens für den Aufbau einer gerechten, jeden Arbeitsuchenden nach gleichem Maßstab berücksichtigenden Arbeitsvermittlung wäre natürlich sehr viel größer, wenn die Revisionisten den Vorschlag 1. der persönlichen Eintragung in eine •einheitliche Liste annehmen würden und wenn sie die rechtzeitige Aufstellung der Ordnung der Reihenfolge ermöglichen würden. Sehr wahrscheinlich erscheint es vorläufig nicht, daß dieses Optimum erreicht wird, da man befürchten muß, daß die Sonderinteressen mehr nach der anderen Richtung drängen. Die Histadruth hat, wie es in solchen Fällen immer die Mehrheitsorganisation tun muß, gewisse Opfer gebracht, vor allem in der Anerkennung eines vorläufigen Schlüssels, der über die tatsächliche Bedeutung der revisionistischen Arbeiterorganisation ziemlich erheblieh hinausgeht. Die Revisionisten ihrerseits haben auf einige ihrer früher als Vorbcdingungen sehr laut betonten Forderungen verzichtct; an Stelle der paritätischen tritt die proportionale Beteiligung an der Verwaltung des Arbeitsamtes. Die Fragen der Verbandlungen über Arbeitsbedingungen, die Forderung der Zwangsschlichtung, die Einmischung in Streikführungen sina vollkommen ausgeschaltet. Sie bleiben damit in der großen Mehrheit der Fälle in den Händen der in der Histadruth organisierten Arbeiter. Die Be- Schränkung auf die reine Arbeitsverteilung eröffnet die Aussicht auf ein Funktionieren der neuen Reglung, ln diesem Falle werden die peinlichen Kämpfe zwischen Arbeitern am Arbeitsplatz, bei denen man oft den Eindruck hatte, daß notleidende Menschen, die zusammcngchören, aus politischen Gründen gegeneinander standen, aufhören. Das Feld wird bereinigt und für Diskussionen mit Arbeitgebern über die Fragen der Gestaltung der Arbeitsvermittlung wird die Stellung der Arbciterschaft gestärkt. Der Anfang in einem Gewerbe kann wichtig werden, vorausgesetzt, daß die Parteien zu loyaler Durchführung bereit sind. Zum Anschluß kommen in erster Reihe der Hapoel Misrachi, zwischen dem und der Histadruth ein Ärbeitsvertcilungsabkommen besteht, die Vereinigung der jeminitischcn Arbeiter und die Organisation der Arbeiter, die zur Agudath Israel gehören, in Betracht. Die politische Bedeutung Vor knapp 1'י Jahren hat die große Mehrheit in der Histadruth den ״Hcsskem“ Ben Gurion — Jabotinsky verworfen. Ist die Annähme des neuen ״Hesskem“ mit den revisionistischen Arbeitern ein Zeichen des Meinungswandcls? Trotzdem niemand das starke Bedürfnis der Stunde, eine Zuspitzung innerer Kämpfe zu vermeiden, verkennt, ist die Frage zu verneinen. Dieses Abkommen ist bereinigt von all den Dingen, derentwegen gegen das Abkommen Ben Gurion — Jabotinsky die große Opposition bestand. Erstens ist es nicht mit Jabotinsky oder einem anderen Exponenten der allgemeinen Politik der Revisionisten geschlossen, sondern nur mit dem Verband der Arbeiter. Zweitens betrifft es nur das Gebiet der Arbeitsvermittlung, aut dem die Histadruth seit langem, unbeschadet des Zieles einer einheitlichen Arbeiterorganisation, bereit ist, Minderheitsrechte anzuerkennen, wie es ihr Abkommen mit dem Hapoel Misrachi beweist, während eine Beschränkung der Freiheit der Histadruth in Verhandlungen und Kämpfen über die Arbeitsbedingungen nicht in Frage steht. Drittens ist im besonderen jede Verpflichtung zur Schlichtung und zum Streikverzieht auf Grund von *Minderheitswiderständen, wie sie den Hauptpunkt des Anstoßes im ״Hesskcm“ Ben Gurion —■ Jabotinsky bildete, verschwunden. Viertens verzichtcn die Revisionisten auf paritätische Verwaltung des Arbeitsamtes und anerkennen das Prinzip der proportionalen Verwaltung. Also nicht die Meinung, sondern das Abkommen ist vollkommen anders geworden. Nur eine kleine Minderheit 111 der Histadruth lehnt auch dieses Abkommen ab; nicht weil sie den Inhalt an sich verwirft, sondern weil sic mit dem Partner aus politischen Gründen überhaupt keinen Vertrag schließen will, wie immer er ausschen mag. Demgegenüber steht die Meinung, das gerade die direkte Ausräumung von Streitigkeiten zwischen den Arbeitern die Aussicht eröffnet, manchen politisch in die Irre gegangenen Arbeiter zurückzugewinnen, Für die zionistische Bewegung in ihrer Gesamtheit in Erez Israel und in der Welt wäre es als ein Gewinn zu betrachten, wenn durch das Abkommen in Zukunft die gelegentlichen Nachrichten über manchmal gewalttätige Kämpfe zwischen jüdischen Arbeitern um Arbeitsplätze in der jüdischen Wirtschaft verschwinden würden. Unmittelbar ist es ein Gewinn, daß die Histadruth, der gegenüber ja alle anderen Arbeitcrorganisationen nur kleine Minderheiten sind, erneut den Beweis liefert, daß das agitatorisch gegen sie und die zionistische Leitung verwendete Schlagwort, daß nicht jedem Juden die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten in Erez Israel offen stehen, der Grundlage entbehrt. ״Wenn dieser Versuch gelingt“, so schreibt der ״Dawar“, ״wird ein neues Blatt in der Geschichte der Arbeitsverhältnisse zwisehen den Arbeitern in Erez Israel aufgeschlagen und ein schweres Hindernis auf dem schweren Wege des Zionismus im Lande wird beseitigt sein“-. Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren. Soziale Arbeit / Marg.Turnowsky-PLnner Von der Auflösung der Tel-Aviver Flüchtlingslager Die Auflösung der Lager stellte die sozialen Stellen vor eine noch verantwortungsvollere Aufgabe als die Einrichtung; es handelte sich um die Neucinordnung von mehr als viertausend Menschen in einer Art, die für die Gesamtheit und für die Einzelnen wiinschcnswert war. Bei ausreichenden Geldmitteln und Kräften konnten die Läger eine wichtige Chance für einen sozialen Fortschritt bielcn. Erst in der Zusammenballung der Lager hatte die Oeffentlichkeit das Elend in voller Deutlichkeit gesehen — nicht die Verelendung des Augenblicks, sondern die ständige Lebenslage dieser Massen. Man bekam ein umfassendes Bild von dem Wohnungselend, der Berufsnot, den Erziehungsschwierigkeiten. Naturgemäß tauchten die verschiedensten Vorschläge auf, die eine grundlegende Umänderung planten. Es vergingen aber Monate, ohne daß mit einer geordneten Aktion begonnen werden konnte. Ein wesentlicher Teil der Flüchtlinge verlief sich inzwischen. Die ursprüngliche Zahl von 9680 im April v. J. war im Juli auf 76S0 hcruntergegangen und betrug am 8. August zur Zeit des Auflösungsbeschlusses nur noch 4587. Die Zurückgebliebenen bildeten die schwächste Gruppe unter den Flüchtlingen. Die selbstbewußteren und tatkräftigeren Mensehen hatten das Lager verlassen und sich einen eigenen Weg gesucht. Der Auflösungsplan Wie hier früher berichtet wurde, hatte die Stadt Tel Aviv ursprünglich die Verantwortung für die Läger übernommen. Unter dem Zwang der Regierung war diese im Juli auf die Tel Aviver Gemeinde (Keliillah) übergegangen. Diese trug sie vom Juli bis zum August; es war aber eklatant, daß sie der Aufgabe nicht gewachsen war. Die J e w i s h Agency legte nun der Regierung einen A u f 1 ö s 11 n g s p 1 a n vor, den diese b estätigte. Ein Komitee aus Vertretern der Gemeinde, des Fonds für Hilfe und Befestigung und des Waad Lcumi unter Vorsitz von Frau Sz old war für die Durchführung verantwortlich. Die Kosten der Auflösung vvurden auf 9670 Pfund berechnet. Die Hälfte der Zahlung übernahm der Fonds für Hilfe und Befestigung, die zweite Hälfte stellte die Regierung zur Verfügung. Aus diesem Betrage wurden 1250 Pfund für ״rehabilitation“, also für Zwecke des neuen Existenzaufbaus, das übrige für ״maintenance“, die zeitweise Erhaltung der Notleidenden bestimmt. Der Auflösungsplan sah vor:!.Rückführung von 20) Familien (600 Seelen) in das Jemeniten-Viertel in Jaffa; 2. Unterbringung von 440 Familien (1662 Seelen) in Tel Aviver Wohnungen; 3. Ucberführung von 424 Familien (2028 Seelen) in die vier Dörfer: Nachlath Jehuda, Ness Zionah, Kfar Saba und Tel Ascher; 4. Durchführung des Auflösungsplans bis zum 8. November 1936. Im Laufe der Durchführung stellte sich heraus, daß Punkt 1 abgeändert werden mußte. Man konnte nicht wagen, die jemenitischcn Familien nach Jaffa zurückzuschicken, sondern mußte sich entschließen, auch sie in Tel Aviv einzuordnen. Dies wurde nur dadurch möglich, daß man bei 180 weiteren Familien auf die Einordnung in den Dörfern verzichtete und das vorgesehene Budget um 1200 Pfund erhöhte. Von diesem Betrag übernahm die Regierung wieder die Hälfte, da sie die Erwägungen des Komitees billigen mußte. Unterbringung in Tel Aviv Für die etwa 800 in Tel Aviv verbleibenden Familien wurden Wohnungen gesucht und mit der ersten Monatsrate bezahlt. Man bewilligte daneben die Vcrpflegung für ein bis zwei Wochen, im übrigen blieben die Familien in ihrer ungesicherten Situation. Es konnte von nun ab nicht mehr fiir sie geschehen als für die übrigen Hilfsbedürftigen in den gewählten Wohnvierteln. Katastrophal zeigte sich dabei wieder der Mangel an Volksschulen und speziell an Uebergangsklassen. Trotz allen Bemühungen der Fürsorge blieb zunächst ein großer Teil der Kinder auf der Straße, bis im Januar dieses Jahres durch die Neueröffnung einer vierklassigen Ucbergangsschule für 140 Kinder eine geringe Erleichterung bewirkt wurde. Erwähnenswert ist als Anfang einer beruflichen Hilfsmaßnahme die Einrichtung der Werkstatt ״Amai“. Dort werden etwa 30 Frauen, die wesentlich dem Kreis der Jaffacr Flüchtlinge angehören, in Bast- und Stroharbeiten angelernt; ihr Verdienst beträgt 8—10 Piaster täglich. Die Einführung weiterer Gewerbezweige mit gleichzeitiger erheblicher Vergrößerung der Arbeiterinnenzah! ist geplant, hängt aber von der Möglichkeit eines gesteigerten Absatzes ab. Ueberführung aufs fand Tiefergehend sollte die Hilfe für diejenigen sein, die in die Dörfer überführt wurden. Hier handelte es sich um einen wirklichen Siedlungsplan mit Wohnungstind Berufsfürsorge. Man ging davon aus, daß mit der entschiedeneren Hinwendung zur jüdischen Arbeit in den Kolonien für jüdische ländliche Arbeiter Raum würde, und daß die zwar ungelernten, aber unschwer anzulernenden orientalischcn Juden hier die Chance für einen sinnvolleren Aufbau ihrer Existenz fänden. Dabei muß ihre Anspruchslosigkeit als wich• tiger Faktor angesehen werden. Das Gelingen dieses Versuchs ist aber an die Lösung der Wohnfrage gebunden. Der Umsiedlungsplan sah den Bau von klei• nen Arbeiterhäusern für die Flikhtiingsfamilien vor. Die Arbeiter sollten an der Durchführung der Bauarbeiten selber mitwirken, und dadurch zugleich für die erste Zeit eine feste Beschäftigung finden. Die Böden — ein Dunam für jedes Haus mit Hausgarten — versprach der Keren Kajemeth bereitzustellen. L)ic Baukredite sollten dem Fonds fiir Hilfe und Sicherung entnommen werden. Die Kosten wurden für das zweizimmerige Häuschen mit 70—75 Pfund berechnet. Dieser Betrag sollte durch eine monatliche Mietszahlung von £ 1 s verzinst und so amortisiert werden, daß die Häuser nach 20 Jahren in den Besitz der Familien übergehen. Die Durchführung des Bauplans wurde einem zweiten, durch die Leitung des Fonds bestimmten Komitee übergeben. Die Bauten sollten am 1. November fertiggestcllt sein. Auf dieser Zusage fußend brachte man die Familien in ihre neuen Wohnorte. Dabei rechnete man mit einer sch w i e rigen Ucbcrgangszcit. Selbst wenn die Arbeitsämter die Neuhiimigckommcnen bei ihrer Arbcitsz uteilung voll mitberücksichtigten, konnten die Arbeiter außerhalb der Zeit der Orangenernfe nur an zwei bis drei Tagen in der Woche arbeiten, und von diesem' Verdienst hatten sie grolle Familicn zu ernähren. F.s mußte erschwerend wirken, daß sic, aus ihren alten Wohnvierteln herausgerissen, kaum mit nachbarschaftlicher Hilfe und mit der Kreditgewährung rechnen konnten, auf die sich das palästinensische Wirtschaftsleben entscheidend stiit/t. Zum großen Teil waren aber die Ucbersiedeltcu gar nicht in der Lage, sofort brauchbare Arbeit zu leisten. Sie mußten erst zur ausdauernden k ö r p e r 1 i e 11 c^rp Arbeit und z u m Gebrauch von Werkze ugen erzogen werden. Das Hilfskomitee verwendete einen Teil seiner Gelder zur Be- Schaffung von Arbeitsgeräten und zur Be- Stellung von Vorarbeitern, die die Arbeiter allmählich zur Arbeit heranbiideten. So beschäftigte man 120 Mann in Nachlath Jehuda hei der Nivellierung der Dünen und beim Chausseebau. Neben den wirtschaftlichen mußten sich p ä dagogischc und sanitäre Sch w i e• rigkeiten ergeben. Mit den Zuwanderern kamen 340 Kinder von 3—14 Jahren in die!Dörfer. Dort sind die Schulen und Kinder• gärten noch überfüllter als m der Stadt und noch weniger in der Lage, bisher vernachlüssigte Kinder aufzunehmen. Die Kin• der blieben also auch hier auf den Straßen, ohne Erziehung, ohne Schulspeisung, ohne sanitäre Aufsicht. Das Fehlen von Krippen machte es den Müttern von kleinen Kindern — und das ist die große Mehrheit der orientalischcn Frauen — unmöglich, mitzuverdienen. jetzt ist durch eine Spende Felix Warburgs eine Erleichterung eingetreten. Neben der überfüllten Schule wurden in Risction le Zion vier neue Klassen für 142 Schul- Kinder und ein Kindergarten für 4S Klein- Kinder eingerichtet. In Kfar Saba und Ness Zionah ermöglichten Zuschüsse die Aufnahme der Kinder in den bestehenden Schulen. In Petach Tikwah, wo die Erziehungsfrage entscheidender als die Raumfrage war, wurden zwei Vorbcreituiigsklasscn für 67 zugewanderfe Kinder er üiuet. Die restlichen Summen ermöglichten die Bewilligung von Schulspeisungen und den Ausbau der allgemeinen sozialen Hilfsarbeit unter den I׳iueiitliiigslninilien. All diese U e b e r g a n g s s c 11 w i c r i g k e i t e n waren aber vorauszusehen und tragbar. Sie w urde n 11111 r a g b a r durc!1 das Versage n d cs Bau• Komitees. Die ilauser, die bis zürn 1. November vollendet sein sollten, sind 7. Zt. noch nicht begonnen. Die Beschaffung der Böden ging zum Teil langsamer vor sich, als vorausgesehen war. Die Bereitstellung der Bau- Kredite stieß auf Schwierigkeiten. Nur in Ness Zionalt fing man im Februar mit dem Bauen an, weil dort das Dorf selbst daran interessiert ist, die /»gewanderten Arbeitskräfte zu halten, und darum einen Teil der nötigen Kredite bewilligte. Die auf das Dorf übersiedeltcc Familien leben also wieder und (außer in Ness Zionah) noch für unabsehbare Zeit.• in engen, u 11 h y g i e n i s ch e n, überbclcgtcn Räumen mit u n t r a g bar hohen Mieten. Statt eines halben Pfundes für ein Flauschen müssen sie für ein einziges Zimmer durchschnittlich!','נ Pfund bezahlen. Da in Nachlath Jehuda und Tel Ascher überhaupt keine Räume verfügbar waren, müssen sie in Nachbarorten wohnen. Aber auch hier reichte der Platz nicht aus. 78 Familien blichen an der Grenze von R i s c!1 o n le Zion in Zelten. Die Folge wurde in der diesmal besonders schwcren Regenzeit in vielen Krankheits/ustünden sichtbar. Dazu entstand eine schwere Miß- Stimmung, die trotz der besten Arbeit der dortigen Fürsorgestelle kaum gemildert werden konnte. Wenn in der allernächsten Zeit die für die Lagerauflösung hereitgesteilten Hilfsgelder zu Ende gehen, kann die Lage sich noch weiter erschweren. Alles hängt von der Durchführung des Bauplans ab, der das wichtigste Glied in der Kette der vorgesehenen Maß• nahmen bildet. (Schluß des Palästina Tc''• Ihre Umzüge und Transporte jeder Art nach allen Teilen der Welt Gepäckbeförderung / Lagerung Verpackung / Versicherung durch BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. HAMACHER Hauptgtschäft: BERLIN NW40, Lüneburger Straße 22 / Ruf: 35 66 41 Zweigniederlassungen cn ollen verkehrswichtigen Plätzen