Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 40 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU DSCHAU Nr. 40, 21. MAI 1937 Der Sinn der Makkablah Training für jedermann / v«״ D,H״־sK,h״ Dieser Aufsatz soll kein Lehrbuch der Leibesübungen irgendeiner bestimmten Form sein. Der Verfasser, ein leidenschaftlicher ahtieer Turner und Leichtathlet, wendet sich mit ihm lediglich an seine aktiven Freunde und Gefährten, die in der gleichen Lage sind, wie er selbst: nicht im Rahmen eines jüdischen Turn- und Sportvereins turnen und trainieren zu können! Wenn man nämlich die Hälfte des Jahres in einem kleinen Ort als einziger Jude lebt, wie es hier der Fall ist, die andere Hälfte dagegen intensiv am jüdischen Sporllcben teilnimmt, dann ist man weder ganz aus der jüdischen Sportbewegung ausgeschaltet, noch ist man als ganz vollwertiger Aktiver zu betrachten. Man kann sich aber damit helfen, daß man die sechs Monate des Ausgeschaltetseins als Unterbrechung betrachtet, die cs jeweils zu überwinden gilt. All denen, die aus irgendwelchen Gründen solche größeren oder kürzeren Pausen überwinden müssen und es wirklich wollen, seien hier Wege gezeigt und Erfahrungen mit ge teilt. Tabelle A. Uebung-grunelformcn für Turner; Freiübungen, Hilfsgeratüliungcn, (Jcwir-ht-belastunfern. Marsch, 1.311t, Partnerübungnn, Tanz, rebung.gi'iinijf.'innrn iur Lci-'htatlileicn: Gymnrtüik, Sprung■ und Wuti-Kisjtz, Sc hncükrafUibungen, Marsch, Lauf, Tartncr- Übungen, Tanz. Natürlich darf ein Leichtathlet auch Hilfsgerätübungcn machen und ein Turner Gymnastik anstatt Freiübungen. Selbstverständlich soll auch ein Leichtathlet Gewichtsbelastungen aushalten können und ein Turner seine Schnellkraft pflegen. Im Grunde genommen teilen sich die Leute, denen Leibes- Übungen am Herzen liegen, nicht nur zufällig in Turner und Sportsleute. So wie zwischen diesen beiden Hauptarten der Leibesübungen tiefgreifende Unterschiede bestehen, sind Mensehen grundlegend voneinander verschieden in Anlage und daraus resultierendem Geschmack. Sehen wir einmal nach, was sicti bei sorgfältiger Prüfung; der Charakteristika dieser Uclningsfornicn als Antithesen ergeben: Tabelle B. Im T! : 'i nrem : 1 );׳■nplm <!ur.־■ i 1 Kommando und jtSeh(1; 1;;׳ m.h -.e/!;1 1S,!!, ׳;■!,.■e. N!>« eeiekce, I.׳'gik1. Sport: der 1.1':■■■;;;;!,■,!.׳!iven!!■.ן•!; t/.nt. I <",vi11) ׳׳. " I.. 1 r, g f ■ |. Dazu im Uh 1.... T’uinea: lm!-.!una iur Sport: Kampf Mann 1.:e;:rn Manu! Diese Teilung und hinteilung dürfte nach meinen Erfnhrungen um! Kenntnissen die maßgebenden Charakteristika des :Turnens auf der einen Seite und der Leichtathletik gegenüber vereinen. Soll man wirklich so eine Trennung vornehmenV Seit ,Jahren bemüht inan sieh nach den Zeiten des Heftigsten Konkiirrcnzkarnpfes eine .,Versühnung" zwischen Turnen und Sport zustande zu bringen, um ״im Interesse der Sache" die Bindung der Kräfte im unfruchtbaren Kampf gegeneinander zu vermeiden und diese Kräfte für positive Aufbauarbeit frei zu bekommen. .Man hat ״versöhnt“, indem man das Turnen an Vernachlässigung hat sterben lassen auf der einen Seite und mit allen Mittein der Propaganda bekämpft hat auf der anderen Seite. Wir dürfen es nicht nur nicht, wir brauchen cs auch sportlich nicht einmal! Freilich, erzwingen werden wir auch hier gegen physiologische Gesetze nichts; vielleicht aber bekommen wir cs fertig, unsere ganze Einstellung zur Frage des Turnens und des Sportes etwas zu modifizieren, und damit ganz automatisch ohne Gewaitmaßnahmen unsere Alten Herren zu verjüngen. Es ist heute modern, die Jugend Trumpf sein zu lassen und ein bißchen abfällig auf Menschen herabzusehen, die keine Jünglinge mehr sind. Es war falsch, diesen Grundsatz verwischen zu wollen. Warum soll man nicht beides pflegen! Wenn ein Mensch dazu neigt, in der Betätigung seines Körpers Aufgaben der Ge- Schicklichkeit, der Bewegungskombination, der Aesthetik und Schönheit usw. zu lösen, kann man ihm diesen Grund- ,,geschmack“ auf die Dauer nehmen. Kann man einen Musiker oder Mathematiker auf die Dauer durch propagandistische Beeinflussung zum Maler oder Philologen machen? ״Der Turner läßt das Kippen nicht‘* möchte ich sagen, und das hat man endlich, endlich bei uns gelernt. Man braucht keinen ״Kampf von Turnen gegen Sport“. Man braucht vielmehr die Einsicht, daß die Trennung beider auf einer tiefgründigen Verschiedenheit beruht, unu daß man beide zur Erreichung des Zieles benutzen kann, das uns vorschwebt; Die Schaffung des neuen jüdischen Menschen! Der ״Alte Herr" Wir sind in der Leichtathletik mit der Antwort sehr rasch bei der Hand; Ein ״Alter Herr“ ist — je nach der Klassen-Eintcilung — 32 oder 35 oder 38 Jahre alt, und gewöhnlich begrüßt er den Geburtstag, an dem er die betreffende Jahreszahl erreicht, mit einem Seufzer der Erleichterung; Er wird wieder konkurrenzfähig! Das heißt natürlich nur auf sportlichem Gebiet! Die letzten Jahre vorher ist er zwar noch mitgelaufen, ge- Sprüngen usw., aber es ging nie mehr so, wie er es von einenuna! zum anderen noch erwartet Und ersehnt hatte; Die 20- bis 20jährigen haben ihm meist die ersten Preise weggeholt, und man hat schon ein bißchen mitleidig gelächelt, wenn ״Der Olle“, der Greis von 31 Jahren auf der Bildfläche erschien. Ist denn wirklich ein 32jähriger nicht ein junger :Mann? Sind nicht heute 40- bis 50jährige geradezu gezwungen, im Kampf ums Dasein junge Leute zu sein, und sind sie es nicht zum Teil wirklich? Zugegeben: Im Sport läßt vor allem Schnelligkeit und Reaktionsgeschwindigkeit in den letzten 20er Jahren erheblich nach, und eigentlich jeder blickt wehmütig auf seine fünf Jahre zurückliegenden Leistungstabellen hin. Ist das aber ein Grund, ihn unter die Alten Herren zu rechnen und dürfen wir ihn so ohne weiteres ״Alt“ werden lassen? Dürfen gerade wir Juden heute, die wir nichts nötiger brauchen als ausgereifte Männer in der Blüte ihrer Jahre, uns den Luxus [eisten, 32- bis 40jährige schon als Alte Herren zu betrachten? Wo ist wirklich die Grenze? Muß es nicht zu denken geben, daß man feststellt, daß man anscheinend zum Weltmeister im Schlittschuhlaufen oder im Schwimmen nicht viel mehr als 15 oder 16 Jahre alt sein darf! Sind also dort alle mehr als 20jährigen schon ״Alte Leute“? Was vor allem wird aus diesen sieghaft-jugendlichen, wenn sie selbst 30 Jahre alt sind? Bilden sie dann die Regimenter des Sports in Massen und mit Leistungen? Nein! Sie sind dann nicht zu Enden! Es begegnen mir oft in Altherrenabteiltingen solche '30- bis 35jährigen Greise, die ich zuerst nicht wiedererkenne, bis ich dann feststellen muß: Der eine war unser Mehrkampfmeister aus der Zeit vor fünf Jahren, und der andere unser 100-Meter- Rekordmann. Jetzt reicht es bei ihnen zu einem Uebungsabcnd in jeder zweiten Woche, und auch dann drücken sie sich noch vor der Hälfte des Abends! Ich hatte einen Vorturner, der machte uns — der ersten Riege — an seinem 60. Geburtstage eine Riesenwelle und anschließend einen Salto vor. Wir haben ihn geliebt und verehrt, denn er vereinte die Würde seiner 60 Jahre mit der Begeisterung eines 16jährigen und den Leistungen, die angeblich nur 25jährige fertigbekommen. Angeblich! Denn auch 60jährige können meist mehr, als sie es selbst glauben, w׳enn man sie EIN AUFRUF PROF. BRODETSKYS Für die Makhahiah, wie für alle jüdischen Sportfeste, gilt das oberste Grundgesetz jedes sportlichen Wettkampfes in ganz besonderem Maße: Fairness. Es ist weit weniger wichtig für uns, wer geivinnt, ah daß Sieger und Besiegte gleich ehrlich und anständig kämpfen. Vergeßt niemals, auch in der ärgsten Kampfes• hitze nicht, daß Ihr Kämpfer, Freunde und Brüder, Sports• leule, daß Ihr Mahkahim seid! Wer immer Euch gegen■ ühersteht, er ist euresgleichen. Behandelt ihn nicht anders, als Ihr selbst behandelt zu werden wünscht. Sieg ist Ehre, Niedertage ist keine Schande. Nur einer kann Sieger sein. IVünscht ihm Glück, und er wird Euch danken für den fairen Kampf, für den tapferen Widerstand. Das Alter freue sich der kraftvollen Jugend der Heranwachsenden, führe sie kameradschaftlich, freue sich mit ihnen. Die Jugend belächle nicht den Rat des erfahrenen Aelteren, folge ihm freundschaftlich, vertraue ihm voll. In eigener Sache ist man kein guter Richter. Auch wenn das Urteil auf der Kampfbahn gegen einen ausfällt, nehme man es als gerecht hin und grüße Gegner und Richter. Sport muß für uns mehr als bloß Kampfspiel, er muß auch Erzieher sein, nationaler Erzieher. Vielen spendet er Licht und Freude in einem Lehen in drückendem Schatten, darüber hinaus aber muß er helfen, den jüdischen Volkshiirper stark und widerstandsfähig zti machen und zu erhalten. Unser Sport muß die jüdische Jugend moralisch und phpsisch stählen, muß sie lehren, Disziplin znit Kampfgeist zu vereinen. Es gilt nicht nur, Mut und Kraft zu entwickeln, sondern auch Zielbewußtsein und Selbstbeherrschung. Die beiden zusammen ergeben Disziplin. Feuer im Herzen und Eis im Hirn, das ist das Rezept für die jüdischen Athleten, für den Makhahi. Den Gegner zu achten, erfordert die Selbstachtung, Wenn Ihr glaubt, daß er die Regel verletzt hat, vermutet dahinter nicht Absicht und versucht nicht Vergeltung. Vertraut dem Kampfleiter! Spielt das Spiel! HllllllllllnillllllltilllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlllllllllllllllllllMllllllillllllllllllllllllllllllimilllllllllltllll richtig anfaßt und wenn sie nicht aus der Liebling geraten. Aber das richtige Anfassen ist das Wesentliche! Wenn man freilich auf Schnelligkeit allein oder auf Kühnheit den Hauptwert legt, dann kommt ein öOjähriger nicht mehr mit! Wenn wir aber dazu übergehen, die Harmonie der Leistung, die Sauberkeit der Bewegung, die Logik des Aufbaues und die Hingabe an die Aufgabe zu werten, dann kann mancher 60jährige Vorbild sein; zumindest aber ist ein 40- bis SOjähriger durchaus nicht minderwertig. Wir müssen unsere Maßstäbe ändern! Man wird mir entgegenhaiten: Höchstleistungen brauchen wir zur Propaganda in der (!)Öffentlichkeit, und nur damit bekommen wir immer wieder neue Menschen zu uns. Gegen diese Auffassung protestiere ich ebenso leidenschaftlich wie ausdauernd! Unsere Sache ist so gut, daß sie diese Propaganda nicht braucht. Wer berauscht vom Rekordfieber der Wettkämpfe zu uns kommt, verläßt uns meistens sehr rasch. Wer bei uns den äußeren Erfolg sucht, der verschwindet; sowie die äußeren Erfolge ausbleiben oder die Leistungen nachlassen. Wir brauchen die Leute, die bei uns die Arbeit suchen, die als Mitarbeiter in unseren Reihen stehen, stets ihre ganze Kraft einsetzen wollen und das bei uns lernen. Solange aber jemand seine ganze Kraft einsetzen kann und den Willen dazu aufbringt, solange er im Banne der Jde« Müdigkeit und Bequemlichkeit überwindet, solange er nicht seinen Bauch Herr über seinen Geist werden läßt, solang« ist er kein Alter Herr für mich! (Fortsetzung folgt) HOT EIS PENS IONEN UND SAN ATO R IE N BAD AACHEN SCHLOSSHOTEL t,1.: 33 22t 2 Mm, vorn Hptbhf. — Zcntr.-Hf 17., Garag♦*, gut׳• W.rpflejmnsr, fl. k. 11. v.׳. Wasser, Sehr geeignet zur Erholung u. f. 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