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Jüdische Rundschau · 1937-05-21 · Heft 40 (21.5.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 40 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40, 21. V. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sftftß 5 Missionarischer Vortrag Von unserem Berichterstatter J.R., Wien, 19. Mai ״Die Juden und das Reich Gottes“ war das Thema des letzten Vortrages iin Zyklus des Paulus-Werkes. Der Refercnt, der Generalsekretär des Paulus-Werkes Kooperator Jo- Hannes Oesterreich er, hielt sich wohl vornehmlich im Rahmen rein theologischer Betrachtungen, nahm aber auch im Laufe seines Vortrages zur ״weltlichen Judenfrage״ Stellung, indem er die Lage der jüdischen Gemeinschaften in einzelnen!..ändern Europas schilderte und dabei feststellte, daß die Judenfrage zu einer ״wahren Weitfrage rassischer, nationaler, sozialer, wirtschaftlicher, staatlicher, kultureller und ethischer Art“ geworden sei. Ohne sich mit den Fragen von Erbmasse, Erbgesundheit und unrichtiger Berufsschichtung näher auseinander zu setzen, müsse zugegeben werden, daß es sich hier um ein wahres ״theologisches Mysterium“ handle, das ebenso in den Worten Christi ״Das Heil kommt von den Juden“, wie gleichzeitig in der Tatsache der Verkennung der messianischen Sendung Jesu durch die Juden in Erscheinung tritt. Die eigentliche Problematik des jüdischen Volkes scheint dem Vortragenden in der Ahasver-Legende zu liegen. Es sei die göttliche Bestimmung Israels seit den Urzeiten seiner Existenz zu wandern und immer wieder zu wandern. Die Judenfrage, meinte zum Schluß Pater Oesterreicher, sei sowohl eine Frage Gottes an die Juden als auch eine Frage Gottes an die Christen. Die Antwort könne einzig mir in der Erfüllung des Gebetes, ״daß alle eins seien“, gefunden werden. Damit hat auch der letzte Vortrag der missionarischen Tendenz des Paulus-Werkes und seiner Vortragsreihe den klarsten Ausdruck gegeben. Presseschau Die ״Time s“ vom 19. Mai berichtet über die Ablehnung der Schedule durch die Jcwish Agency und bemerkt im An- Schluß hieran, daß Anzeichen dafür bestehen, daß die svirtschaftliche Lage in Palästina sich verschlechtert hat. Der Erlös aus der Orangenernte habe, obwohl sie doppelt so groß war wie im Jahre vorher, enttäuscht. Wichtige Unternehmungen seien in Liquidation, die Arbeitslosigkeit sei übernormal und die Lebenskosten hätten sich um 16 °/0 gegenüber dem Vorjahre verteuert. Weiterhin wird auf die Entwicklung des Außenhandels und aut den Rückgang der Einwanderung von Kapitalisten hingewiesen. Diese Bemerkungen sind insofern interessant, als sie wohl den Versuch darstclien, eine wirtschaftliche Be- Erfindung für die geringe Zertitikatsquote zu liefern. * Die Londoner konservative Wochenschrift ״Spectator“ befaßt sich im Leitartikel ihrer letzten Nummer mit der von der Palästinaregierung bewilligten neuen Arbeiterein- Wanderungsschedule. Die Palästinaregierung, so heißt es in dem Artikel, habe für die Zeit vom April bis Juli 770 Einwanderungszertifikate bewilligt, ein Fünfzehntel der Zahl, die von der Jewish Agency vorgeschlagen worden war. Es sei möglich, daß diese Einschränkung der jüdischen Ein- Wanderung angesichts der Atmosphäre in Palästina gerechtfertigt ist. Die neue Schedule sei aber bei weitem nicht ausreichend, um den Juden Hilfe zu bringen, die in verschiedenen Ländern Europas Not leiden. Möglicherweise würde die einzige Lösung, die nicht zu weiteren Revolten führt, die sein, andere Länder ausfindig zu machen, in die jüdische Einwanderung möglich, wäre, vielleicht Südamerika. * Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 15. Mai veröffentlicht einen Bericht ihres Kairoer Korrespondenten über ״Panarabien — gestern und heute“. Darin wird darauf hingewiesen, daß heute das politische Bild des nahen Orients nicht mehr von den Spannungen zwischen der jungen arabischen Nationalbewegung und den Westmächten bestimmt wird. Die Westmächte hatten den nationalen Kräften des Ostens verhältnismäßig rasch nachgegeben, wodurch die Schlagworte für eine arabische Einheitsfront gegenstandslos wurden und ihre Anziehungskraft verloren, die sie in einem Gebiet wie Palästina behielten. Das Erschlaffen der arabischen Kräfte in einem Zeitpunkt, in dem der Weg zu einem zukünftigen Panarabien bereits beschritten war, liegt in der Eifersucht der arabischen Fürsten untereinander begründet und ferner an der Kleinstaaterei. Diese Umstände haben es auch verhindert, daß die starke panarabische Bewegung hinter dem arabischen Aufstand in Palästina stand. Sowohl Ihn Saud SCHEKEL! wie der kurdische Diktator-General Bekr Sidky hätten erkannt, daß es zunächst auf die Konsolidierung der einzelnen Staaten in wirtschaftlicher und innenpolitischer Hinsicht ankomme und erst dann über die panarabische Frage verhandelt «׳erden könne. Jetzt richten sich die Widerstände der nationalen arabischen Gruppen in erster Linie gegen den Irak. Die Spannungen zwischen den europäischen Mächten und dem Orient betreffen nur noch innerpolitische Angelegenheiten der einzelnen Staaten. Palästina allein steht noch in der alten Frontrichtung. Schon die nächste Zukunft werde zeigen, ob die panarabische Bewegung wieder aufieben wird, um den Arabern Palästinas zu Hilfe zu eilen, oder ob England geschickt genug sein wird, um auch hier die nationalarabischen Wünsche in ein nationalstaatliches Becken abzuleiten. Zum Tode von Philip Snowden. Am letzten Sonnabend ist in London Lord Philip Snowden im Alter von 73 Jahren verstorben. Snowden, dessen Laufbahn vom Sohn eines armen Kammgarnwebers zum Führer der englischen Arbeiter- Partei, die er zusammen mit Ramsey MacDonald gegründet hat, zum englischen Schatzkanzler und Viscount führte, hat einen glänzenden Weg zurückgelegt, obwohl sein Fortkommen durch seine schwache Gesundheit — Snowden mußte seit Jahrzehnten an zwei Stöcken gehen, weil er gelähmt war — gewiß nicht gefördert wurde. Er selbst gehörte zusammen mit seiner Frau Ethel, die als Führerin der engiisclien Frauenbewegung eine große Rolle spielte, zu den Freunden der jüdischen Palästina-Arbeit. Beide Unterzeichneten den Brief englischer Politiker an Dr. Weizmann vom 27.8.1927, in welchem die Schaffung einer englischen Pro-Palästina-Gesellschaft angeregt wurde, die sodann als Palestine Mandate Society unter dem Vorsitz von Lord Ce eil ins Leben gerufen wurde. In jenem Brief, den u. a. auch noch Balfour, Ramsey MacDonald, Lloyd George und eine Reihe anderer bekannter Persönlichkeiten unterschrieben, erklärten sich die Unterzeichner als Anhänger der Balfour- Deklaration und boten Dr. Weizmann ihre Dienste an. Der Brief wurde am 13. März 1923 in der ״Times“ veröffentlicht. Im übrigen hat aber Snowden, dessen Aufgaben und Interessen auf ganz anderen Gebieten lagen, sich wenig um die Palästina- Probleme gekümmert, während seine Frau mehrmals öffentlieh zugunsten des Zionismus hervortrat. IN ALLER KURZE Der Bundesführer des Deutschen Reichskrieger■ b u n d e s ״K y f f 11 ä u s e r b u 11 d“, SS.-Gruppenführer Rein* har dt, hat die Buiidessatzung in wesentlichen Punkten geändert und neu bekanntgegeben. Die Anforderungen an die Reinheit des Blutes der Mitglieder des Reichskriegerbundes gehen über den § 5 der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz, hinaus und sind in dieser Form vom. Reichsministcr des Innern im Einvernehmen mit dem Stell• Vertreter des Führers der NSDAP, genehmigt worden. Da• nach sind Personen, die nichtarischcr A hs t a 111 in ung oder die mit einer Jüdin verheiratet sind, grund* sätzlich von der Mitgliedschaft in einer Kameradschaft des Reichskriegerbuudes ausgeschlossen. Als arisch gilt für den Reicliskriegerbimd nur, wer frei von fremdrassigem Bluteinschlag ist. An den Gedenkfeiern für den ersten Marschall Polens, Joseph Pilsudski, hat die jüdische Bevölkerung Polens in großer Zahl teilgcuommen. In der Warschauer Großen Synagoge fand ein (i e dächtnisgottesdi e 11 s t statt, zii dem die Mitglieder des Verbandes der jüdischen Kriegs« invaliden in geschlossenem Zug erschienen sind. Nach einer Meldung der ״United .Press“ soll die Da«, n i e 1 - G u g g c n 11 e i 111 - ü o! d 111 c d a i 11 e, die für deri größten Förderer der Luftfahrt bestimmt ist und jährlich! vergeben wird, für 1937 an Dr. Eckencr verliehen werden« Wie das ,,Hamburger Tagblatt“ meldet, hat eine außerordentliche Hauptversammlung des Natur wissens c 11 a f 11 i c 11 e n Vereins in Hamburg einstimmig eine Aendcrung der Vereinssatziingcii beschlossen. Mitglied. des Vereins kann mir sein, wer berechtigt ist, Deutscher Reichsbürger zu werden. Juden sind damit ausgeschlossen. E>er Mitgliederbestand des lOüjälirigeii Hamburger Vereins, den rund 450 Mitglieder zählt, erfahrt durch diesen Beschluß keinä nennenswerte A e m I e n 111 g. Am 18. Mai haben in W i e 11 die ärztlichen l estwochcri begonnen, in denen eine Vortragsreihe hervorragender Modiziner aus aller Welt veranstaltet wird. 1 in Rahmen dieser Vortragsreihe werden von Wiener jüdischen Gelehrten der 1 aryngologe Prof. I )r. Ilajck über die ״Errungenschaften der Kelilkopfheilkumle״, der Kimlerai/t Prof. Dr. K 11 ö p f e 1 - mach er über ״Vitaminmangel-Krankheiten“ und Prof. Dr. Schnitzler — ein Bruder des Dichters Arthur Schnitzler — über ein chirurgisches Thema sprechen. Die italienische Regierung hat durch ihr Konsulat itl Palästina hundert p a 1 a s 1 i 11 r ns i s e 11 - a r a b i s c 11 e j u ף gen d füll rer zu einem Besuch nach Italien cingeladeit« Wahrend der Dauer ihres Aufenthaltes sind die arabischen( Jugendführer (raste der italienischen Regierung; sie sollen von Mussolini mul AiillenininKter Graf G i a 11 <» empfangen werden. Ferner sind Ansprachen der rühre!־ der jugenddelega« tion im römischen kumifimk vorgesehen. Die jüdische Presse von Saloniki meldet, daß König Georg VI. von England den in Paris lebenden jüdischen Maler Jeall de Boft<»1! beauftragt hat, ein Gemälde von den Krönungsfeierlichkeiten in I omlon her/ustelleii. Jean de Botton ist ein bekannter, aus Saloniki stammender Künstler. Im Hinblick auf die bevorstehende Eröffnung der Sejm« Session, in der der Gesetzesvorschlag zur Neuregelung de* Advokatur beraten werden soll, hat eine Abordnung des Verbandes der jüdischen Rcchtsanwaltsanwarter eine Besprechung mit dem Vorsitzenden des jüdischen Parlaments^ klubs, Dr. Emil Sommcrstein, abgehalten. Abg. Sommert stein hat eine Intervention im Justizministerium! unternommen und die betreffenden Probleme eingehend mit■ dem Vizejustizminister Chelmonski besprochen. Die 1740 erbaute, durch ihren schmucken Rokoko-Bau׳ ausgezeichnete Synagoge von Butten heim (bei Bamberg), wurde verkauft. Der hervorragende Slawist Prof. Dr. Louis E i s e n m a n n,| Inhaber des slawistischcn Lehrstuhls an der Pariser .Uni«! versität und Direktor des Institut Frampais Ernest Denis i« Prag, ist am 14. Mai in Paris im 68. Lebensjahr gestorben^ Das dänische Reßierungsjubiläum. Aus Kopenhagen wird! uns geschrieben: Anläßlich des 25jährigen RegicruiigsjubiläumSf Königs Christian X. fand in der Kopenhageiier Syn* agoge ein Fcstgottesdienst statt. Kantor ürabmvski trug aut Hebräisch ein aus Anlaß ites Tages komponiertes Gebet vor, worauf Oberrabbiner l)r. Friediger den König feierte. Die Kopenhageiier jüdische Gemeinde hat dem König ein Jubiläumsgeschenk von KM! 000 Kronen gemacht, ein Fonds, der zur Anlage eines Gutes dienen soll. Die Idee zur Schaffung dieser Institution stammt von Direktor Sofus Oppenheim, Henriette schrie, als sie mich sah, ich hätte mich mit erholt. Auch die anderen Frauen des Paniess, die an den Bäumen standen und Frucht abnahmen, begrüßten mich ger&uschvoll. Dann schlenderte ich weiter, zu den Weinbergen, aß Weintrauben, eine besondere blaue Sorte, Hamburgischen Muskat, stülpte meine Mütze um, legte sie aus mit Verpackungspapier und füllte sie mit Weintrauben, für Hanni. Ueberall traf ich Bekannte, in den Weinbergen, auf den Feldern, sie schienen alle zu wissen, daß ich Chawer geworden war, und behandelten mich wie einen, der dazugehört. In hohen Wasserschuhen stand Schwanitz zwischen zwei Aeekern und regelte die Bewässerung, er schwang zum Gruß von weitem seine Turiah (Hacke). Auch Bar Urjan traf ich, Ikwi, abends Sarah Kinski, und Kaz lächelte und kam auf mich zu, ein paar Schritte, und sagte: Friede sei mit dir. Kerachski und Tisari drückten mir die Hand, Aksehani drohte von weitem grinsend mit dem Finger, wegen seines Geldes. Schalom, sagte Garran, mit dem ich damals den Krach gehabt hatte, und klopfte mir auf die Schulter, ßarnowskt und Hngescher zwinkerten mir zu, Sowelow hatte wieder blitzende Augen für mich und Darki setzte sich an meinen Tisch und blieb den ganzen Abend. Natürlich schielten die aus Deutschland Gekommenen her- Über, König staunte über meinen F.rfolg. Schließlich kam Piasetzki und sagte: Nächste Woche gehst du auf Schmirah (Wache), vierzehn Tage. Zufrieden? Ich war zufrieden. Ich erinnere mich, daß ich in der ersten Nacht nicht schlafen konnte vor Aufregung, daß sonderbare selige Kitzel meinen Körper überstrichen, so wirkte auf miöh diese Freundschaftsdemonstrntion der Außenwelt, von der ich vor zehn Monaten noch keine Ahnung gehabt hatte und die mich jetzt so bereitwillig aufnahm. * Uebrigens war auch Hanni ChaweraH geworden. Di« «!!gemeine Stimmung zu ihrer Elternsache war folgendermaßen. Die meisten der alten Chawerim, die zehn oder fünfzehn Jahre in Tel Ilamon lebten, hatten in Rußland, Litauen, Polen hungernde Eltern zurückgelasscn. Es gab vielleicht dreißig EUernpaare in Tel Hamon, davon waren zwanzig aus dem Osten und zehn aus dem Westen. Die Leute aus dem Westen waren allesamt mit Komfort gekommen, mit goldener Uhrkette, mit Ledertasche für Zigarren und gebügelter Sonntagshose, mit Bernsleinbroschen und silbernen Messern und Gabeln. Sie standen strahlend, elastisch neben jenen hohlwangigen, von Ilungcr zerfressenen Schlottergestalten, die aus dem Osten gekommen waren. Die Eltern aus dem Osten waren meist alt und arm. Die aus Deutschland spannten am Schabbat den Regenschirm auf gegen die Sonne, zogen den Ausgehanzug an und die Seidenbluse mit Stäbchenkrngcn und tippelten, wie einst nach Grünau, zum Pardcss hinüber oder zum Weinberg. Die Russen, Litauer, Polen verkrochen sieh am Schabbat in ihrem koscheren Zrif (Baracke) und ließen die Köpfe im Gebet wackeln. Es waren nicht nur die verschiedenen Kulturen. Die Eltern aus Deutschland waren Herrschaften von gestern, mit Erinnerungen an Lnchsbrot, Dampferpartie und Upernloge. Man hatte keine Sympathien für diese entthronten Könige. Welche osljttdisclien alten Leute hatten Verwandte oder Bekannte in Palästina, die bereit wären, tausend Pfund zu leihen, um den Akt der Zertifikatserteilung zu ermöglichen? Was wußten die aus Deutschland von wahrem Elena? Wenn der Kibbuz den Söhnen so leicht war, daß sie Ultimaten in dieser Sache stellen konnten, dann sollten sie mit Gott gehen. Aber in der Assefa Klalit (allgemeine Versammlung) kam es anders. Medinabi, Kerachski und Korroli, die sich als Verantwortliche nach dem starren Gesetz, richten mußten, vielleicht auch in Konsequenz jener anderen Gefühle zur Ablehnung gekommen waren, hatten geschickterwcise die Tagcsordnung der Assefa so eingerichtet, daß zuerst der ziemlich komplizierte Eiternfall eines polnischen Chawers verhandelt wurde. Die ganze Sache war ähnlich gelagert, hatte einen geheimen Sinnbezug auf den Fall Ilanni. Man hatte ein lternpaar vorübergehend aufgenommen, um ihnen die Ein- Wanderung zu ermöglichen. Die beiden Alten waren gckommen, hatten eine Weile im Kibbuz gelebt, standen jetzt am Rednertisch neben ihrem Sohn. Entsprechend dem Vertrag war der Zeitpunkt herangekommen, wo .sie den Kibbuz verlassen sollten. Der Sohn, ein Tischler, erklärte plötzlich, daß er vor einem Jahr bei der Anlragsstellung die Aktionsfähigkeit seines Vaters überschätzt habe und daß er gezwungen sei, mit ihm zu gehen, um ihm beim Aufbau der Existenz zu helfen. Er bitte, da er bleiben wolle, die Aufenthaltserlaubnis seiner Eltern für Tel Hamon auf unbestimmt zu verlängern. Medinahi sprach dagegen. Man müsse sich an Grundsätze halten, Gerechtigkeit sei keine private, sondern eine gesellschaftliche Sache. Gebe man in diesem Fall nach, dann würden hundert Leide mit ähnlichen Füllen kommen und sagen: Warum habt ihr seine Eltern behalten und unsere nicht? Der Meschek (Wirtschaft) stehe vor Ausgaben, Er könne sieh keine neuen Belaslungen leisten. Die Rückzahlung der •siub/igtausend Pfund an den Keren Hnjessod begönne. Erst in der letzten Asseln habe man beschlossen, Eltern grundsätzlich und generell nicht mehr aufzunehmen. Der Chef der Tischlerei erhob sich, ein Mann von \\ürde, Sicherheit und großer moraliseher Kraft. Ruhig, langsam, mit Lächeln Medinahi entwaffnend, sprach er zugunsten seines Arbeiters. Sodann rcdf.de Bar Koach in der gleichen Richtung, aber mit großer Heftigkeit: Ob inan ein Kibbuz sei oder nicht, ob man die Aufgabe habe, Leute zu halten oder fortzuschicken, was das schon koste, ein Elternpaar mehr oder weniger zu ernähren, zumal der Vater ja in der Tischlerei arbeite und sich bezahlt mache. Bei den Worten Bar Koachs, die genau seinen früheren Worten in einer anderen Angelegenheit entgegengesetzt waren, verstand ich plötzlich, worum dieser Ausdruck ״Mesehekist“ ihn damals so erschreckt hatte: In dieser Konsequenz, wie es) sich die Neuen ausmalen, gibt es gar keine Kategorien innerhalb der Allen. Auch Ikwi erhob sich. Facharbeit und Facharbeite!• seien beim gegenwärtigen Stand des Aufbauwerks die heiligste und teuerste Sache. Auch der Kibbuz brauche das Fach. Ja, verstieg er sich, zu behaupten, das Fach sei der eigentliche Inhalt des Kibbuz. Es war wieder Ikwia großes Pathos und die kleine Sache. Ein Mann der Fallcha (Getreidebau), einer der allergeradesten Leute des Meschek», bat um das Wort und sagte, er glaube nicht, daß Ikwi wirklieh so denke, er habe wohl nur so geredet, einfach, wie man eben Dummheiten rede. Allgemeines Gelächter ertönte. Ikwi wollte sich verteidigen, man winkte ab, so daß er sich setzte, selber ein bißchen lächelnd. Er glaubte in der Tat nicht an das, was er gesagt hatte. Auch Sowelow beteiligte sich an der Diskussion. Er begann wie üblich mit einem Talmudzitat, regte sich furchtbar auf, brach effektvoll ab und ging auf seinen Platz, ohne daß jemand wußte, was er gewollt hatte. Die Diskussion dauerte bis um zwölf Uhr. Di« Entscheidung wurde verschoben. Man begann mit dem zweiten Punkt der Tagesordnung: Dem Fall Hanni. Hanni stand plötzlich neben Kerachski am Rednertisch. (Fortsetzung folgt.)

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