Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische rundschab Nr. 38/39» 14. MAI 1937 Zwischenbilanz 1937 Innere Schwierigkeiten — Verfehlter Professionalismus — Monat der Meisterschaften Von unserem Berichterstatter Mehr Sport In den Hachscharahzentrenl Ueberali in Deutschland verstreut liegen kleine und große Hachscharahstattcn, in denen sich junge jüdische Menschen für Palästina vorbereiten. Das Gewöhnen an die körperliche schwere Arbeit fällt allen Umschiclitenden schwer, und ein Ausgleich ist bitter notwendig. Durch die Kulturarbeit wird zwar ein gewisser Ausgleich geschaffen, aber ein wichtiger Faktor wird doch meist vergessen: die Leibesübungen. Viele werden nun sagen: ״Wir haben doch körperliche Bewegung genug, was brauchen wir noch zu turnen?“ Das ist sehr unlogisch gedacht, denn man vergißt dabei, daß gerade durch dauerndes körperliches Arbeiten, meistens in gebückter Stellung, eine einseitige Miiskclbildung und eine allgemeine Versteifung erreicht wird. Zur Vorbereitung und zum Ausgleich sind tägliche gymnastische Uebungen, vor allem lockernde, geschmeidigmachendc, dehnende und schncllkräftigende sowie Atemübungen und außerdem längeres Laufen im Wald und Gelände dringend notwendig. Viele Verwaltungen großer landwirtschaftlicher Betriebe haben diese Tat- Sache eingesehen und diese Einsicht dadurch in die Tat umgewandelt, daß ein viertel- bis halbstündiger Frühsport vor Arbeitsbeginn angesetzt wurde. Sehr erstrebenswert wäre es, wenn es auch den kleinen Hachscharahkibbuzim möglich gemacht würde, die Frühgymnastik zu verwirklichen. Vor allem für die Mittlerenhachscharah im Alter von 15—17 Jahren, die zum größten Teil sechs Stunden arbeitet, wäre es ideal, Morgengymnastik bzw. Waldlauf und aulienleni an ein oder zwei Wochennachmittagen Leichtathletik, Hand- oder Fußball einzuführen. Für Sport- und Turnspiele, die allen Freude machen und auch einen Ausgleich zur Arb,eit durch Entspannung und natürlichspielerische Gelöstheit bewirken, können auch der Sonnabend oder Sonntag verwandt werden. 1 f a 11s Hoffman n, Gut Winkel Palästinas Handballmeister in Europa lieber die Spielstarke des Handballsportes in Erez Israel sind Verglcichsmöglichkeitm bisher kaum möglich gewesen, da ausländische Mannschaften im Gegensatz zum Fußballsport nicht nach Palästina gekommen sind, weil die Kosten für eine Expedition vorläufig nicht aufgebracht werden konnten und die sportlich interessierten Zuschauer noch immer Fußball bevorzugen. Dabei hat sich das Niveau Sin Handballsport in letzter Zeit außerordentlich gehoben und die Spitzenmannsehaften des Landes warteten mit so guten Leistungen auf, daß sie auch international eine beachtliche Rolfe spielen können. Es ist daher erfreulich, daß sich zwei der besten Mannschäften, Makkabi-Abschalom Petach-Tikwah und Amal T e 1 - A w i w auf Euro p a - R e i s e n begeben, um ihre Kräfte mit den besten jüdischen Mannschaften zu messen. Während Amal ihre Reise bereits angetreten hat, wird Makkabi Abschalom, der Handballmeister von 1935/36 und 1936 37, am 16. Mai die Reise antreten. Das Programm ist, wie folgt, vorgesehen: Rumänien: 24. 5. Bukarest. 26. 5. Cernauti. Polen 29. 5. Lwow, 1. 6. Krakau, 3.—11. 6. Warschau, ,12. 6. ßialistok, 14. 6. Wilna. Lettland: 16.—20. 6. Riga. Litauen: 22. 6. Kowno. Danzig: 24. 6. Weitere Starts sind in Deutschland in Aussicht genommen. Die Rückreise geht durch Frankreich: vielleicht wird in Paris noch ein Propagandaspiel ausgetragen. Makkabi Abschalom verfugt über eine beachtliche Spielstärke und gewann die diesjährige Meisterschaft in überzeugendem Stil. Durch eifriges und systematisches Training hat der Handballmcistcr seine bisher beste Form erreicht und wird sicher überall, wo er antreten wird, eine hervorragende Rolle spielen. Die Mannschaft zeichnet sich durch gutes Zusammenspiel aus, sie ist sehr flink und ausdauernd und besitzt einen schußgewaltigen Sturm, uni den ihn mancher Gegner beneiden wird, Sic wird in folgender Aufstellung die Spiele bestreiten: Gold Speiser“ Wilenski f Sender Graf* Belkin Misrachim• Rajinski Selzer Lewin* Schapiro Ersatz: Wilenski If (Sturmer) Tronski, Kirschenbaum (Läufer). * Bei der Makkabiah mitgewirkt. fl. Tel-Awiw, 6. Mai 1937 Das sportliche Leben Erez Israels, das jetzt infolge des Sommers längere Zeit ruhen wird, hatte nach den Unruhen erst Anfang Dezember wieder richtig eingesetzt. Auf wenige Monate zusammengedrängt, gab es in den verschiedenen Sportarten eine Fülle von Ereignissen. Es lohnt sich nun, eine Zwischenbilanz aufzustellen und zu prüfen, was die letzte Saison an positiven Werten gebracht hat. In diesem Zusammenhang ist es aber auch notwendig, ein Wort der Kritik zu sagen, da manche Erscheinungen im sportlichen Leben geeignet sind, die Entwicklung des jungen jüdischen Sportes in Erez, Israel zu gefährden. Die Existenz von zwei Vereinen eines Verbandes an einem Ort bringt es mitunter mit sich, daß in der Zusammenarbeit Spannungen auftreten, die mehr oder weniger große Schwierigkeiten hervornifen. Diese Schwierigkeiten dürfen jedoch nicht so weit gehen, daß das große gemeinsame Ziel, die teilweise unter sehr schwierigen Verhältnissen lebende Jugend in sportlicher und nationaler Disziplin zu erziehen, verwischt wird. In einer Stadt wie Tel-Awiw von fast 150 000 Juden, in einer für den Sport überaus günstigen Altersschichtung, wäre fraglos für mehrere Makkabivereine, schon aus Gründen des gesunden Wettbewerbs, Platz vorhanden. Das durch mannigfache Dissonanzen getrübte Vorhältnis zwischen dem Makkabi Tel-Awiw und dem Makkabi- Atid Tel-Awiw zeigt, daß die Zeit für eine Anzahl größerer Vereine in Tel-Awiw noch nicht reif ist. Vor wenigen Wochen hat es einen ״schwarzen Freitag“ in der Geschichte des Makkabi Erez Israel gegeben, der die Autorität und Würde der Bewegung zu gefährden drohte. Es gab einerseits das peinliche Vorkommnis, daß die Fußballeit des Makkabi Tel-Awiw zu einem sehr bedeutenden Freundschaftsspiel gegen die griechische Meistermannschaft (Aris) infolge Differenzen mit ihrer Vereinsleitung nicht antrat, andererseits Unstimmigkeiten bei der Durchführung der Leichtathletik-Meisterschaften, die dazu führten, daß der Atid nicht antrat und der formell noch nicht zum Makkabi-Kreis gehörende Bar Kochba Haifa nicht einmal als Gast zum Start zugelassen wurde, und schließlich kam es zu einem Spielabbruch des Endspiels um die Hockeymeisterschaft. Diese Vorkommnisse an einem Tage veranlaßten das Makkabipräsidium, mit aller Energie durchzugreifen, und für eine Bereinigung aller Streitigkeiten Sorge zu tragen. Es dürfte wohl noch etwas Zeit vergehen, bis der Makkabi Erez Israel zu einer geschlossenen Einheit ctunden hat, es sei aber hervorgehoben, daß die Unstinimigeiten innerhalb des Makkabi verschiedentlich stark aufgebauscht und in ihren inneren Ursachen nicht richtig dargestellt wurden. Manches in der sportlichen Arbeit wird allerdings immer unerklärlich bleiben. Während erst zum Saisonschluß das 1. leichtathletische Jugend Sportfest des ,Makkabi Hazair durchgeführt wurde, offenbarte, welche großen Begabungen in der Jugend stecken, und mit 300 Teilnehmern die größte Veranstaltung der ganzen Saison war, wird der Boxsport, der noch nicht lange gepflegt wird, in einer unverständlichen Weise übersteigert. Der Kreis der weitkampffähigen Boxer ist noch recht klein, und es ist als wenig sinnvoll zu bezeichnen, daß eine Reihe von Aktiven innerhalb von zehn Tagen, dazu noch nach Absolvierung schwerer ,Meisterschaftskämpfe, fünfmal starten mußten. U. a. wurden als ״Programmfüllsel“ für den ersten Professionalkämpf, der in Palästina stattfand, Amateurboxer eingesetzt. Aut diese Weise wird der Amateur-Boxsport nicht erfolgreich Gold ist ein zuverlässiger Hüter mit guter Fangtcclinik. Speiser ist der beste Verteidiger Palästinas. Wilenski i ist sehr schnell und zähe. Mittelläufer Graf ist äußerst begabt, sein Stellungspiel überragend. Er leistet präzise Aufbauarbeit, hat einen mächtigen Wurf und gibt durch seine Einfälle dem Spiel die entscheidende Note. Sondier und Belkin sind harte, erprobte Kämpfer. Der beste Mannschaftsteil ist der Sturm. Hier ragen Misrachim, Selzer und Lewin heraus, die über enorme Wurfkraft verfügen. Rajinski ist der geistige Führer im Angriff und der Verbindungsmann zwischen Läuferreihe und Sturm. Schapiro zeichnet sich durch Entschlossenheit und schnelle Eingaben aus. Kurt Benjamin wirken können, am allerwenigsten, wenn ct mit\ Professionalismus in Verbindung gebracht wird. Der Professional- Kampf, in dem der frühere Halbschwergewichtsmefs'ter von Rumänien, Moti S p a k o w, in dem fraglos ein Righter großer Klasse steckt, den Meister von Syrien und Aegypten, Mustafa Arnaoiit, in der 6. Runde nach großer Ueberlegenheit 14■ 0. schlug, wurde ein finanzielles Debakel, da das Publikum durch die kurz vorher stattgefundenen Meisterschaften übersättigt war, und andererseits dem Professionalismus kein Veeständnis entgegenbringt. Kurz vor der Sommerpause fielen im ״Monat der Meisterschaften“ die letzten Entscheidungen. Im Handball holte sich Makkabi-Abschalom, Petach Tikwah, im Endspiel über die in letzter Zeit in den Vordergrund getretene Elt des Atid Tel-Awiw mit 7:2 wiederum den Meistertitel. Trotz einer 2:0-Führung des Atid ließ sich die glänzend harmonierende Mannschaft Petach Tikwahs nicht in Verwirrung bringen und erwies sich als der einwandfrei bessere Gegner. Sie tritt nunmehr ihre Europatournee an. Im Hockey fiel die Entscheidung zugunsten des Makkabi Tel-Awiw, der eindeutig besseren Mannschaft von Erez Israel. Durch die Disqualifikation der 1. und 2. Mannschaft des Makkabi Tel- Awiw ist das Publikumsinteresse im Fußball stark zurückegangen. Die nunmehr als 1. Mannschaft spielende, biserige 1. Juniorenelf des M. T. A., zeigt zwar große Veranlagung, kann aberr gegen die routinierteren Mannschaften des Landes nicht aufkommen. Das 1. große Jugendsport• fest des Makkabi-Hazair sah im Stadion von Tel• Awiw 300 Teilnehmer aus allen Teilen des Landes am Start, Es gab eine Reihe von hervorragenden Leistungen, die auch aut europäischen Sportfesten kaum überboten werden können, In der Klasse der 14- bis 16jährigen sprang Caspi (Nathanina) 5,01 in weit, Schneider (Natliania) lief 800 m in 2:28,4 Minuten, Ackermann (M. T. A.) 100 m in 12,3 Sek., im Kugelstoßen erreichte Falschein (Haifa) 11,34 m. Bei der älteren Jugend wurden durch Danzigcr (M. T. A.) 12,45 m im Kugelstoßen erzielt, Saphir (Atid) übersprang 1,59 m, Wissock (Petach Tikwah) kam im Weitsprung auf 5,62 m, während Libowitz (M.T. A.) das Speerwerfen mit 44,65 m gewann. Bei der weiblichen Jugend ist der dreifache Sieg der 15jährigen Ada Awud (Atid) zu erwähnen, die die 100 m spielend in 13,1 Sek. gewann, und sich den Hoch- bzw. Weit- Sprung mit 1,35 m bzw. 4,70 m sicherte. Diese Leistungen sind um so beachtenswerter, als sich die Stadionbahn immer noch in überaus schlechter Verfassung befindet und eher einer Sandwüste als einer Laufbahn gleichkommt. Von den sonstigen Sportereignissen der fetzten Zeit sind in der Leichtathletik die Klubkämpfe des sehr aktiven Makkabi Rechowoth gegen eine Militärmannschaft aus Saratena mit 37»4, zu 361/״, ferner des Atid gegen das Wiltshire- Regiment mit 96 zu 110 Punkten zu erwähnen. Bei beiden Meetings gab es keine besonderen Leistlingen. Im Box« k 1 u b k a m p f schlug Atid Tel-Awiw den Hapoel Haifa mit 8: 2. Die letzten Fußballspiele brachten folgende Er• gebnisse: Makkabi Tel-Awiw gegen Makkabi Nessziona 1 : 1, Hapoel Tel-Awiw gegen Hakoah Tel-Awiw 2: 1. Im Hockey schlugen die King Roval Rifles den Makkabi Rechowoth mit 4:0, während Makkabi Tel-Awiw gegen die gleiche Mannschaff ein 1:1 erzielte. Die Tennissaison wird offiziell mit einem großen Landesturnier, das vom 14. bis 16. Mai auf den Plätzen des M. T. A. stattfindet, eröffnet. Mit besonderem Interesse sieht man den Kämpfen im Herreneinzel entgegen, wo diejenigen Spieler ermittelt werden, die F.rez Israel bei den Kämpfen um den Davis-Cup vertreten sollen. Ein neuer jüdischer Wurfathlet. Als ein neues Wurftalent entpuppte sich der jüdische Kansas-Student Abraham Soco• 1 o t s k y. Er warf den Diskus 43,51 m weit und erreichte im Kugelstoßen 15 m. Hecht im Semifinale ausgeschieden. Die Tennismeister• schäften der Tschechoslowakei, die diesmal in erster internationaler Besetzung ausgetragen wurden, brachten Hecht nicht den erwarteten Erfolg. Nachdem er in den Vorrunden Szigeti nach einem hervorragenden Kampf mit 6:2, 7:5, 4:6, 2:6, 7:5 ausgeschaltet hatte, wurde er am kommenden Tag überraschend trotz tapferer Gegenwehr von Palmieri mit 2:6, 6:2, 4:6, 6:4, 6:0 geschlagen, Knoller Priv. Schule für Mod•: Zuschneiden u.Proktliihe Ausführung! 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