Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1937)
- Date
- 1937-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36, 7. V. 1937 Beschwörung^ versuche? Mit dem folgenden Artikel wird die Debatte über die politischen Fragen Palästinas irn Anschluß an das Teilungspro jeht fortgesetzt. (Siehe die Artikel in S'r. 30, 32 und 33 der „Jadischen Rundschau".) — Red. Die „Allgemeine Zeitung: des Judentums" Zur Jahrhundertfeier ihrer Gründung Die Bedeutung ckr „Allgemeinen Zeitung des Judentum s", die am 2. Mai 1S37 erstmalig erschien, kann mir dann gewürdigt werden, wenn man weiß, daß sie einen ganz neuen Tvp der jüdischen Zeitschrift verkörperte, der mannigfache Nachahmung fand. Der 25jährige Magdeburger Rabbiner Dr. Ludwig l> hilippson, der 52 Jahre Schriftleiter des Blattes bleiben sollte, hat ihr von Anfang an ein weitem Stoffgebiet gesteckt: „Politik, Religion, Literatur, Geschichte, Spiächkimde und Belletristik" zahlt er schon auf dem Titelblatt des ersten Heftes auf, und manch andere Materie kam bald hin/u. Diese Aufgeschlossenheit einer Tülle von Bezirken des öffentlichen und des jüdischen Lebens seiner Zeit gegenüber, die für den die innere und äußere Emanzipation zwar maßvoll, aber doch entschieden bejahenden l'hilippson charakteristisch war, hat der „Allgemeinen Zeitung des ludentums" rasch in ungezählten Familien Mittelimd <)>teumpas Eingang verschafft. l'hilippson hat annähernd zwei Menschcnnlter'hindurch nicht nur Richtung und Gesicht des Blattes bestimmt, sondern auch die überwiegende Zahl der Aufitze, insbesondere fast alle Leitartikel, selbst verfallt, l'hilippson, der stets auf würdigen Ton und möglichst unparteiische Haltung der Zeitung sah, vertrat einen gemäßigten Liberalismus. Unter seinen Nachfolgern in der Redaktion, dem bekannten I itcrarhi-donker Gustav Harpe! es (ltshD— 1W) und Geheimrat Ludwig Geiger (lulü bis 1<)1<1) wandelte sich die Tendenz der „Allgemeinen Zeitung des Judentums*' nicht unbeträchtlich. Besonders letzterer vertrat sehr nachdrücklich eine scharf a n t i z i o n i s t i s c h e, iüdisch-religi.js eine ebenso entschieden liberale Haltung. Damit hat er sich von Philippen» Tradition entfernt, denn dieser hat in den programmatischen Ausführungen, die sich durch eine giötlcre Zahl von Nummern des ersten Jahrgangs Hotel Paradies, Karlsbad ♦Vornehm bürgerliches Etablissement. Erstklassiges Restaurant und Cafe. Weekend -Arrangement Besitzer: E,Wohlrab Telefon 4773 hinzogen. z. B. ^ehr klar und offen davon gesprochen, dal! wir im Judentum ..einerseits -ein religiöses, andererseits sein nationales Moment" zu erkennen haben. Philinp'-ons Blatt ersch öpfte sich durchaus nicht darin, ein gut 'informierendes und umfassendes, ein gelehrtes und unterhaltendes Organ zu sein, sondern es nahm mit Nachdruck und W eithin k ei:;e keilte von geMesgcschic'ntlielien Planen auf. An erster Stelle ist der einer „Jüdischen Eakultat" zu nennen, der allenthalben begeisterte Zustimmung fand und für den er schon am 21. Oktober 1S'37 eine Subskription eröffnete. Daß innere und äußere Einflüsse das Verwirklichen dieser Idee verhinderten, war nicht Philippsous Schuld: die ein Menseln naher spater errichtete „Lehranstalt für di c \Y i s s e n s c h a i t des J u d e n t u m s" war in diesem Projekt schon vorausgeahnt worden. Auch die vielen anderen, meist erstaunlich erfolgreichen Unternehmungen Rabbiner Philippsons, seine Bibelausgabe und seine in ihrer Zeit besonders beachtliche israelitische Literat u r g e s e 11 s c h a f t und manch anderes Projekt hatten in der so schnell populär gewordenen „Allgemeinen Zeitung des Judentums" ihr Sprachrohr gefunden. Das Blatt hat äußerlich und innerlich manche Wandlung erfahren. 153$ war dir ein (freilich bald wieder eingegangenes) Beiblatt für Liturgie und Homiletik beigegeben worden, von der Jahrhundertwende ab nahm der belletristische Teil stetig gri'ilieren Umfang an. Im belletristischen Teil der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" unter Geigers Redaktion finden wir wiederholt Namen wie Karl Emil f ranzos, Brandes, Stettenheiin, Hugo Salus (mit dem Erstandruck des berühmt gewordenen ,, AltiieitlieiK-."). R, M. Mevcr, Ebers und manche andere. E- Kt ein < iebot der Gerechtigkeit anzuerkennen, daß das Blatt sieh schon unter 1'lniinpsou mit anerkennenswerter Hingabe und Aktivit.it für die hebräische Sprache und Literatur und ihre Neubelebung einsetzte. Uns u iü de- Zeit des Erscheinen-, der „Allgemeinen Zettung für (i ,„ Judentum" (ihre letzten Jahrgänge l')|u ins 1021 wurden von Albert K a t z redimiert) recht geruhsam erscheinen. Wenn auch Ereignisse von der Tragweite der Geschehnisse unserer Ta.re damals in Deutsehland nicht zu verzeichnen gewesen sind, so dürfen wir doch nicht verkennen, daß die ,,AH:'. Zeitung f. d. Judentum" das Judentum nicht nur Mitteleuropa"! auf dem Weg „vom Ghetto nach Europa" jahr/ihivM.tng ent*rhftdend begleitete, ja oft führte. Sie hat dabei au allen Vorkommnissen der jüdischen (und teilweise ativh .•lulVrjiiilN.'b n) Welt lebhaftsten Anteil genommen: und e.uc'-e solcher Ereignisse sind auch uns noch als Marksteine der Geschichte im Gedächtnis, wir erinnern hier nur an die Erdbebenkatastrophe in Palästina oder die Damaskus-Affäre, an das Jahr ISIS oder den Fall Dreyfus, an das gewaltige Wachsen des jüdischen Wohnzentrums in Nordamerika und die Pogrome in Rußland und letztlich an das Entstehen und die Ausbreitung der jungen zionistischen Bewegung. I. M. Jost, der als Zeitgenosse berufen gewesen ist, ein Urteil über die „Allgemeine Zeitung des Judentums" abzugeben um! der bestimmt nicht überschwenglich war in seinem lob, da er doch selbst die „Israelitischen Annalen" (18'*0—1811) herausgab, hat das Aufkommen der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" als ,,.Moment der jüdischen Geschichte" und einen „Wendepunkt" in ihr gekennzeichnet. Wenn wir das vorher vorhandene Zeitschriftenwesen (etwa die längst entschlafene „Sulamith") priifen und andererseits befrachten, welch weitgreifende Auswirkungen die „Allgemeine Zeitung des Judentums" auf das jüdische Pressewesen in aller Welt ausübte, dann erscheint uns der Gründungstag dieses Blattes nicht als unbeachtliches Datum. Die jüdischen Blätter des Auslandes, etwa die Pariser „Ardives israelitcs" und „Univers israelite", das „Jewish Chronicle" (London), der „Occident" in Philadelphia und auch andere Organe sind Gründungen späterer Zeit, die sich an das Vorbild der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" anlehnten. Hans Lamm Der Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, wurde im Kolonienministerium von dem Unterstaatssekretär Sir Cosmo Parkinson empfangen. Gegenstand der Besprechung bildeten die neuesten Entwicklungen, die die Gestaltung der politischen Verhältnisse in Palästina betreffen. Der Aufsatz von Zioni „Zur Palästinapolitik" in Nr.33 fordert zum Widerspruch heraus. Die politische Aufgabe, tso scheint mir, besteht — gerade weil es ums Grundsätzliche geht — nicht in der Bemühung um Erreichung eines partikularen Ziels, also z.B. eines Friedenszustandes in Palästina oder auch der Wiederaufnahme einer verstärkten Alijah, sondern in der Wahrnehmung der Interessen des Zionismus. Die UucIIen des modernen politischen Zionismus — daran innIi immer wieder erinnert werden — liegen nicht allein in Palästina. Sie liegen vielmehr zu einem wesentlichen Teile in bestimmten Erlebnissen außerhalb Palästinas, die zu der Erkenntnis führten, daß die Zerstreuung Israels unter den Völkern eine Judenfrage schafft. Der Versuch, durch territoriale Konzentration in staatlicher Eorm diesen Zustand zu beseitigen, war das Wesen des ursprünglichen, von Theodor HerzI begründeten politischen Zionismus. Die erste und bis heute tiefste Problematik ist in diesen Versuch hineingekommen, als er in besonderem Sinne zu einem zionistischen wurde, d. h. als man für jene territoriale Konzentration der von der Judenfrage betroffenen Massen eben Palästina als das allein erwünschte Land erklärte. Das Basier Programm bedeutet die Verschmelzung zweier Strömungen, die ursprünglich voneinander unabhängig waren: der einen, die wir eben skizziert haben, der anderen, die von der jahrtausendealten, durch religiöse Verheißungen wachgehaltenen Sehnsucht des Volkes nach der Rückkehr in seine «instige Heimat getragen war. Lösung der Judenfrage und Rückkehr nach Zion — beide Tendenzen flössen in dem modernen Zionismus zusammen, wobei aber sein politischer Charakter durch die erste gegeben wurde, die für die Verwirklichung der zweiten die Voraussetzung schafft. Ohne die aus der innersten Substanz der jüdischen Geschichte kommende Zionsidec hätte die Bewegung sich auch für Uganda entscheiden können: ohne den politischen Gedanken der Ueberwindung der Judenfrage durch Begründung einer staatlichen Existenzform auf eigenem Boden stünde es mit der Erfüllung der Verheißungen heute noch nicht anders als zu der Zeit, da Almosenverteilung frommen Greisen ein Leben des Gebetes in Palästina gewährte. Die Tatsache, daß der Zionismus die Lösung der Judenfrage gerade in Palästina wollte, hat ihn stets vor große Schwierigkeiten gestellt. Wir brauchen sie hier nicht im einzelnen aufzuzählen. „Zioni" sagt durchaus mit Recht: „Niemand von uns wußte vor Beginn der zionistischen Arbeit, in welchen Landesteilen sich in der Hauptsache die jüdische Kolonisation entwickeln würde; niemand kann aucii heute mit Sicherheit vorher bestimmen, welche Gebiete in Zukunft von der jüdischen Siedlung bevorzugt werden." Der Umstand, dal! Palästina kein leeres Land ist, sondern eine erhebliche arabische Bevölkerung beherbergt, erfordert gewiß besondere Berücksichtigung, und man kann von dorther sehr wohl zu der Auffassung gelangen, „daß es in der Natur der Sache liegende Grenzen der judischen kolonisatorischen Entfaltung in Palästina gibt". Vollkommenheit ist für jedes menschliche Streben ein unerreichbares Ziel; auch unserem Beginnen in Palästina mögen Grenzen gesteckt sein. Aber wer sagt uns, wann und wo diese Grenzen erreicht sind? Welche politische Bewegung, die um das Leben ihres Volkes kämpft, wird ohne schwerste Not an einem bestimmten Punkte der Entwicklung selber und freiwillig einen Stillstand zur Grenze erheben? „Zioni" fordert ein politisches Programm, das ein für allemal deutlich festlegt, „daß das jüdische Volk nicht die Absicht haben kann, Palästina als Ganzes kolonisatorisch in Besitz zu nehmen". Politische Programme pflegen gemeinhin positiv formuliert zu werden, nicht negativ. Würde ein derartiges Programm tatsächlich verkündet werden, so würde die Gegenfrage, welche Absicht denn das jüdische Volk nun wirklich habe, nicht ausbleiben; man würde ihr die Antwort nicht versagen können; und man käme dahin, von selbst und noch dazu im Wege einer rein defensiven Verhandlungsführungsich eine Grenze zu ziehen, von der jeder Einsichtige bezweifeln muß, ob sie wirklich am äußersten Rande des Erreichbaren verläuft. Keine Verzichtdeklaration, kein negatives Programm, kein Aufwand an Patiios wird Befürchtungen überwinden können. Befürchtungen werden nicht durch Verzichte zerstreut, nationale Gegensätze nicht durch pathetische Erklärungen besänftigt; und eine zionistische Politik sollte auf ihrem eigentlichen Schauplätze, in Palästina, nicht in den gleichen psychologischen Irrtum verfallen, den sie in der Diaspora so "oft und treffend bei ihrer Analyse der jüdischen Assimüationsbestrebimgen getadelt hat. Befürchtungen erwachsen aus Gefühlen der Fremdheit, und jeder Terminus der Politik, er mag noch so vorsichtig abgewogen sein, kann für sie zu einem „erregenden Stimulans" werden. Der Zionismus muß sich gewiß darum bemühen, die Eremdheitsgefühle zu mildern, die arabische Kreise ihm entgegenbringen, und er hat in der Vergangenheit dabei gewiß manche Versäumnisschuld auf sich geladen. Er muH sich aber darüber klar sein — und seine eigene Lelirmeinung vom Wesen der Nation, die immer irrationalen Werten ihren Platz zuerkannt hat, sollte ihn dazu befähi- Englands Unterrichtsminister zur Judenfrage London, 29. April. (JTA.) Der englische Unterrichtsminister Oliver Stanley nahm als Ehrengast an einem Bankett teil, das der Ausschuß für jüdische religiöse Erziehungsarbeit in London im Rahmen seiner Werbeaktionen veranstaltete. Der Minister hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache. Er ging davon aus, daß er das, was er für sich beanspruche, bereitwillig auch anderen zugestehe. Euer Glaube, sagte er, ist nicht der meinige; aber wenn ich die Möglichkeit fordere, meinen Kindern den Glaubett meiner Väter zu übermitteln, dann will ich, daß auch ihr die Möglichkeit habt, euern Kindern den Glauben eurer Väter zu geben. In den letzten Jahren, so fuhr der Redner fort, sei zu der schon bisher tragischen Geschichte des jüdischen Stammes in vielen Teilen der Welt ein weiteres tragisches Kapitel hinzugekommen. Meine Erinnerung reicht nicht sehr weit zurück, sagte der Unterrichtsminister, aber so kurz ist mein Gedächtnis nicht: es reicht wenigstens zwanzig Jahre bis in die Zeit des Krieges zurück. Damals haben wir den Menschen nicht die Frage gestellt: Christ oder Jude? Niemand sagte in jenen frühen Tagen: Du darfst für uns nicht sterben, denn du bist ein Jude. Sollen wir jetzt in den Tagen des Friedens sagen: Weil du ein Jude bist, darfst du mit uns nicht leben? Ich würde dies für Verrat an den Hunderttausenden von Christen und Juden halten, die auf den Feldern Flanderns gen —, daß auf der Ebene politischer Auseinandersetzungen dem Plaidoyer nur ein begrenzter Wirkung«, räum verbleibt. Der Begriff eines „palästinensischen Patrio« t i s in u s" ist nicht imstande, einen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu zeigen. Er wäre möglich und könnte Inhalt gewinnen von dem Augenblicke an, von dem der nationale und territoriale Besitzstand von Juden und Arabern in Palästina keine wesentlichen Verschiebungen mehr gegeneinander erfahren würde. Der südafrikanische Patriotismus ist entstanden, nachdem die Wunden des Burenkrieges vernarbt waren; ein seiner Souveränität beraubtes Volk konnte allmählich einer neuen Staatsbildung Loyalität entgegenbringen, in der sein Recht zu politischer Mitwirkung nicht bestritten wurde. Es gibt einen Schweizer Patriotismus, weil es weder eine Italiener-, noch eine Franzosen-, noch eine Deutschen-Frage gibt, die durch Einwanderung in die Schweiz gelöst werden könnte. Es gibt keine ethnischen Verschiebungen; Genf, Zürich und Lugano bleiben, was sie sind, und unter solchen Voraussetzungen können verschiedene Völker für einen föderalistischen Staat patriotisch empfinden. Das aber ist auf Palästina heute noch nicht zu übertragen. Die zionistische Staatsräson kann sich mit einer Kristallisation nicht einverstanden erklären; sie fordert Wachstum in Palästina, und es kann keine Anhänglichkeit an den leeren Begriff eines Landes geben, das erst durch dauernde Alijah zum Vaterland werden kann. Es ist denkbar, daß nicht alle Vorstellungen die die zionistische Bewegung an ihr Ideal knüpft, Wirklichkeit werden. Ein Historiker wird später zu beschreiben haben, wie die Begeisterung der Idee und das Beharrungsvermögen des Tatsächlichen miteinander gerungen haben. Aber heute, wo erst zwanzig Jahre seit der Balfour-Deklaration verflossen sind, ein Zeitraum, gewil) reich an Hoffnungen und auch an Erfolgen, aber doch kurz und geringfügig, gemessen am Maßstab einer mehrtausend jährigen Volksgeschichte, scheint noch nicht der Zeitpunkt gekommen zu sein, Endgültiges zu formulieren. „Was du im Augenblick verloren, bringt keine Ewigkeit zurück." Gewiß sind Verluste möglich; jede politische Bewegung muß mit ihnen rechnen, oft sie fürs Erste, manchmal auch für die Dauer ertragen können. Es gibt Situationen, wo es ein Gebot der Klugheit i«t, die Pfähle zurückzustecken. Und sicher brauchen wir den Frieden. Aber es ist nicht wahr, daß seine Erreichung „oberstes Gebot" ist. Ermüdung und Ruhebedürfnis sind politisch schlechte Ratgeber. Es ist kein „Etappenheldentum', wenn man dies sagt. Die zionistische Staatsraison fordert heute den Kampf für die Erhaltung der großen Perspektive, die sich auf der bisherigen Rechtsgrundlage mit dem Werk des Aufbaus verbindet, ihm seine eigentliche Bedeutung verleiht. Nachdem das jüdische Volk in Gestalt des Zionismus sich auf das hohe Meer der Politik hinausgewagt hat, hat es nur eine Aufgabe: sein Schiff richtig zu steuern. Niemand hat für beständig glatte See garantiert. Auch Stürme kommen vor, aber man überwindet sie nicht durch Beschwörungsversuche in Qestalt von Deklarationen, sondern durch entschlossene Fahrt. Dr. Walter Oroß Nachwort der Redaktion. Dem letzten Absatz des Artikels von Dr. Groß scheint ein Mißverständnis zugrunde zu liegen, das überhaupt in der Behandlung des Palästinaproblems im zionistischen Kreise eine Rolle spielt. Die Stellungnahmen zu den Vorschlägen, die Palästinafrage fürs erste zu lösen, beruhen nicht auf einem verschieden großen Reichtum an „Mut"; an diesem mangelt es gewiß nicht, wie die Vergangenheit freiehrt hat. Der Unterschied in der Beurteilung liegt vielmehr in der Hauptsache daran, daß manche, so z. B. offenbar auch der Verfasser des Aufsatzes in Nr. 33, glauben, daß es trotz allem, was in Palästina geschehen ist, Wege gibt, die die Hoffnung auf Sicherung des Friedens i ni Lande realisieren können. Es ist durchaus möglich, daß man das Beschreiten dieser Wege ablehnt, wie es auch Dr. Oroß tut, weil mit ihnen, gemessen an den ursprünglichen zionistischen Hoffnungen, Opfer verbunden sind. Dann aber ist es notwendig zu sagen, wie man sich irn einzelnen die Fortsetzung der Arbeit unter der Voraussetzung, daß der Frieden im Lande nicht sobald wiederhergestellt wird, vorstellt. Daß wir den Mut hätten, einen solclien Zustand auf uns zu nehmen, ist über jeden Zweifel erhaben. Politische und kolonisatorische Arbeit ist jedoch nicht allein eine Sache des Mutes, sondern von vielen anderen Faktoren abhängig, nicht zuletzt von solchen, die außerhalb des eigenen Kreises liegen, z. B. der Haltung der Mandatsregierung und der öffentlichen Meinung der Welt, und in dieser Hinsicht ergeben sich weitreichende Probleme, wenn man der Meinung ist, die Sicherung des Friedens in Palästina sei nicht das oberste Oebol der Stunde. Es handelt sich ja offensichtlich bei allen Teilnehmern dieser Diskussion um die Frage, was zu tun ist, um den Fortgang unseres Werkes des Aufbaus zu sichern. und in den Ebenen Palästinas gefallen sind, wo sie gemeinsam kämpften und gemeinsam starben. Eine weitere Ansprache hielt der Oberrabbiner des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz, über die Situation des jüdischen Erziehungswesens in anderen Ländern. Er wies insbesondere auf den in Rußland unternommenen Versuch hin, alle religiösen Einrichtungen zu unterdrücken. „Halbiude" als Beleidigung. Der Warschauer Redakteur Wasiutynski hat gegen drei jüdische Redakteure Klage wegen Beleidigung erhoben, weil sie ihn in verschiedenen Artikeln einen „Halbjuden" nannten. Das Gericht hat den angebotenen Wahrheitsbeweis abgelehnt, die Beklagten schuld i g gesprochen und zu drei bzw. einem Monat Gefängnis verurteilt, weil der Vorwurf „Halbjude" eine Beleidigung darstelle. Uebrigens könne ein Mensch nur einer Rasse angehören. Verurteilungen wegen Rassenschande. In Breslau erhielt ein 56 Jahre alter jüdischer Angeklagter wegen versuchter Rassenschande ein Jahr vier Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. —- In Gießen erhielt ein arischer Angeklagter eineinviertel Jahr Zuchthaus. — In Düsseldorf erhielt ein 48jähriger jüdischer Angeklagter vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. — In ffam bürg erhielt ein deutschblütiger 30jähriger Angeklagter 16 Monate Zuchthaus. — In Nürnberg-Fürth erhielt ein jüdische/ Angeklagter, wie das „Allgäuer Tagblatt", Kempten, berichtet, vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Aeuflerste Preise für ff EBBII1!!!! A llf VE &fl HP 1% II M Berlin C t, Spandauer Strafte M Teppiche - Gardinen - Läufer IBI*l*l%flfl4^1§e)V & E R E K W R «"•<• Könlg«trtOi