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Jüdische Rundschau · 1937-05-07 · Heft 36 (7.5.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 36 (7.5.1937)
Date
1937-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 36, 7. V. 1937 Ein kritischer Rückblick auf vier Jahre Zur Judenfrage in Italien Neue Polemiken — Innerjüdische Differenzen Von Oskar W o 1 f s b c rg, Jerusalem Man wird mich nicht verdächtigen, unter die Nörgler und unfruchtbaren Kritiker des Zionismus gegangen zu sein. Allzusehr bin ich mit der Bewegung verwachsen, als daß meine Bemerkungen anders denn als aus tiefer Liebe stammende Kritik gewertet werden können. Diese Liebe und Verbundenheit geben das Privileg und die Pflicht der Mahnung und Warnung. Unsere Bewegung hat nicht ihren idealistischen Gehalt, ihre moralische Kraft eingehüllt. Immer noch überragt sie in ihren Antrieben und in ihren organisatorischen Inergien andere Verbände und Strömungen im iudentum. Aber wir selbst haben in der Arbeit der letzten Jahre ein wenig leichtsinnig Verzicht auf unsere Kraftquellen geleistet. Wir haben che Notwetidigkcit der Realie« ruug mit der ihr zwangsläufig innewohnenden Prosa und Nüchternheit ■- die ja durchaus nicht der Poesie und der inneren Bewegtheit entbehren muß — allzu sehr Macht gewinnen lassen über ihre Sphäre hinaus. Ls ist die einzige Idealisierung, die wir uns gestattet haben, die Idealisierung der Verwirklichung. Es liegt mir fern, in die wirklichkeitsferne Stimmung der „Träumer" im Zionismus •zurückführen zu wollen. Aber* die grolle Sehnsucht und die bedeutende« Hoffnungen, die auch die besten zionistischen „Realisten" in ihrem Tun bestimmten, müssen festgehalten, gerettet werden. Das ist vor allein ein erzieherisches Problem. Wir haben vor allein versagt angesichts der ungeheuerlichen Aufgabe, die vielen Zehntausende, die das gewaltige Werden der letzten vier Jahre - in der Tat sind, es ja mehr — fast über Nacht und ubcrgnngslos zu uns brachte, zu formen und wirklich zu Zioni-icri zu machen. Sie kamen in unsere Reihen, um au;ciib-n kii.-h in das Zentrum der indischen Zukunft sich ein/ulugeii. sie kannten noch nicht das Alcph-Beth des Judentums und seiner Erneuerung - und waren schon „Chaluzint" und „P.ibvtinenser", ja waren schon Träger wichtiger F ii n k t i i>n r v. in unser.-m neuen Leben. Gewiß gab es erstaunliche Iii tvj-.n le lu-n. ü.igi-tnlu 1 mgiicdeiung und Anpassung. Alter gm ade dieses letztere Wort kennzeichnet die Gefahr. Aiipa-nuu' in dieser Plötzlichkeit und Virtuosität ist doch eines der führenden Symptome der Assimilation. Diese aber gcGhrdct im-ere Sa*.he. Schuldig sind wir, ilie Zio- Jiisten, an der ge-.chaffeueu Lage, nicht die Ncoplnten. Sie kamen aus Not und oit genug aus bester Absicht und mit dem ehrlichsten Wilb u. Aber nichts leint sich schwerer als die Rückkehr z:i seh v.-'bs-t. Alle En!fremdimi.' ist ein Verhältnismäßig rniilieliis,.r Poi/d!. I l.idtirch. dali wir den Vorgang der Heimkehr für leicht hielte n und leicht gestalteten, brachten wir unsere Bewegung in Gefahr, gefährdeten aber auch die neuen Menschen. Denn viele erkannten nach nicht allzu langer Zeit, wie wenig ihnen der Weg nach innen gelungen sei, und gerade die Lhrlichen und nicht all/u Gewandten kamen zur Erkenntnis ihrer seelischen Schwierigkeiten und litten und leiden schwer. Ls ist eine Tragik von erschütternder Große, dal! liier die Notwendigkeiten unserer Bewegung und die plötzlich entstandenen Bedürfnisse so vieler Menschen, die nicht aus ruhiger, entwicklurigsreicher Besinnung, sondern aus momentaner Bedrohung zu uns stielien, so verschiedenen Rhythmus, so wenig Paralleiismus besitzen. Was nach der Zielsetzung der Väter der Bewegung W i e d c r g e b u r t und Repatriierung sein sollte, ein großartiger Prozeß der Erneuerung mit Freiwerden stärkster sittlicher Werte, wurde weitgehend ein W a n d e r u n g s prozeß, sehr bedeutsam und durchaus reich an fruchtbaren Möglichkeiten, aber doch unbefriedigend, gemessen an dem Erstrebten, Und das ist die schmerzliche Enttäuschung: statt diese Migrationstenden/, beherzt zu meistern und an unser Ideal heranzuführen, wurde dieses zu einem Wandeningsprobleni degradiert. Gelang es uns nicht in den Ländern der jüdischen Not — im umfassendsten Sinn, der sich keinesfalls auf die primitive Sphäre der wirtschaftlichen Existenz beschränkt — die Massen, die zu uns strömten oder von uns angesaugt wurden, mit dum Geist de- Zionismus zu durchdringen, so vermochten wir in den Landesn, deren Verhältnisse unverändert blieben, und die ihre Juden publik nach den Prinzipien des Liberalismus fortsetzten, :u all den Jahren nicht, eine Zionisierung herbeizuführen. Nur das Mitleid konnten wir erwecken und freilich fruchtbar gestalten, indem wir zu konstruktivem Hilfswerk aufriefen, {';<•/ Israel erwies sich am h Fernstehenden, selbst (i'.n'ern,;iN wichtig-trs kä,n/eritrations!and für judische Ansiedlung. Aber die Gewinnung der nicht vom Strom der Heimatlosigkeit Erfaßten, die Bekehrung zur zionistischen Gesinnung als -hier b-hai Hieben Haltung, die von keiner Konjuiil.Mr abhängt, soml> rn Ausdruck der Treue ist zu allem, was unseren Ursprung bestimmt, ist nicht geglückt. Und da stellen wir vor dem Schmerzlichsten: Das Jahr ITH ist nicht zum Ai:va»KT«'"kt einer groben luriktlir und \X' ende geworden. Un-wr Ziel war nicht weit genug gesteckt, unser historischer Bück nicht off»n genug. Menschen, die opfern sollen, müssen einem Glauben an die Sache sehr tief verbunden sein. 'Mute Zemisrnus, ohne kämpferische Haltung des Vortrupps des P.il.istma-Aufbaus ist auf die Dauer kein großer Erfolg zu erwatten. So wichtig die zahlenmäßige Repräsentation der Zj.misten in allgemein jüdischen Gremien sein mag: wichtiger ist die klare und uneingeschränkte Vertretung unserer Anschauungen und Absichten. Der Zionismus als Angriff und Abwehr ist noch für lange Zeit unentbehrlich. Wir aber haben nachgegeben. Unsere Ansprüche an Menschen sind geringer geworden. Im Jahre lUli war der Zionismus für eine Zeitstrecke der legitime Ausdruck des jüdischen Stolzes. Aber nur in Deutschland fand unsere Zeitung diesen Ton. Anderwärts kam kein eigener Ausdruck unserer Haltung auf. Und auch die Bekundung des stolzes läßt sich nur für begrenzte Zeit eindrucksvoll durchführen und nur für eine kurze Spanne sittlich rechtfertigen. Gar bald muH anderes an seine Stelle treten. Die Regenerationsfähigkeit und Verjüngung des Judentums, che wir vorübergehend zu erblicken glaubten, haben nicht lange Bestand gehabt. Auch unterschätzten wir die Zähigkeit und den Anspruch der Assimilation. Wie alles Selbstzerstörerische hat auch sie in unseren Tagen eine machtvolle Stimme. Sie ging vorübergehend in Deckung, bediente sich geschickt der zum Schlagwort gewordenen Terminologie, bediente sieh noch geschickter der praktischen Chancen, die der Zionismus und Palästina boten — um im geeigneten Moment, beim Rückschlag der Konjunktur, zurückzuweichen, das zionistische Svstem zu verleugnen und mit weltanschaulichem Akzent die anderen Möglichkeiten des jüdischen Daseins, die Eeriphen-n, die unheroischen, in den Vordergrund zu rücken, •er Kampf gegen diese Tendenz ist nicht nur eine Angelegenheit de« Parteigeistes, der siegen will. Die Geschichte hat sichtbar des Volkes Geschick in die Hände des Zionismus gelegt — ich bin nicht plump genug, die Wirklichkeit mit all ihren Zufälligkeiten und Mängeln zu verherrlichen, sondern meine den „idealen" Zionismus — und wir haben eine Pflicht übernommen, „hinwegzuräumen das Hindernis aus dem Weg mein« Volkes", nicht die Partei engstirnig zum Erfolg zu führen, sondern das Volk. Der Volksgedanke des Zionismus aber darf keine Gleichgültigkeit gegen die höchsten Forderungen der Bewegung einschließen. Erez Israel ist kern Zufluchtsort, sondern Heimat im höchsten Sinn. Wie aus Rom gemeldet wird, veröffentlicht die Zeitschrift „Quadrivio", über deren Haltung wir bereits in Nr. 20 berichtet haben, einen Artikel unter der Ueberschrift „Die jüdische Nation". Der Verfasser, üino Sottchiesa, erklärt darin, dal) die Juden überall nicht nur eine Religionsgemeinschaft bilden, wie dies von Juden in Westeuropa vielfach behauptet wird, sondern daß sie eine besondere „ethnische Einheit" darstellen. Sie stehen im Gegensatz zu allen nationalen Staaten und werden, da sie ihrem historischen Schicksal nicht entrinnen können, stets Feinde der europäischen Kultur sein. — Auch das italienische Regierungsorgan „Giornale d'ltaiia" beschäftigt sich nach einer Meldung im „Westdeutschen Beobachter" mit diesen Problemen. Es stimmt der in dem Buch von Prof. ü r a n o (siehe „J. K." Nr. 29) ausgesprochenen Forderung am, wonach die Juden in Italien sich nicht in Manifestationen für Italien erklären, sondern öffentlich vom „internationalen Judentum" und den von ihm beeinflußten Kräften abrücken sollten. Diese mehr oder weniger antijüdischen Aeußertingen haben in jüdischen Kreisen Italiens zu inneren Schwierigkeiten geführt. Die Exekutive des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Italiens ist nach dem vor einigen Wochen erfolgten Ableben des Präsidenten des Verbandes, Feiice Raven n a (eines alten Zionisten), zurückgetreten. Dieser Verband ist staatlich anerkannt und in das italienische Korporafionssystem eingegliedert. Eine Neuwahl des Präsidenten ist noch nicht möglich gewesen, da innerhalb des Verbandes zwischen den zionistischen und den iiichtzionistischeii Mitgliedern der Leitung heftige Gegensätze entstanden sind, die auf die in einigen italienischen Zeitungen geführte Kampagne zurückzuführen sind, die sich gegen den Zionismus wegen seiner Verbindung mit England richtet. Die Führer des neuen Italien hatten bisher für den Zionismus volles Verständnis, was schon daraus hervorgeht, dal) in die meisten leitenden Stellungen der Juden, so z. B. auch zum Vorsitz des Gcineindeverbandes, Zionisten berufen wurden. Nunmehr wurde nach dem Rücktritt des Vorstandes des Jüdischen Geineindeverbandes ein Regierungskommissar eingesetzt, unter dessen Leitung die Arbeit bis zur Beilegung der Gegensätze geführt werden wird. In diesem Zusammenhange ist es interessant, die Stellung Italiens zur Minderheitenfrage zu verfolgen. Hierüber berichtet das neueste Heft der Zeitschrift „Nation und Staat" in einem Leitaufsatz. Er behandelt eine Rede des italienischen Außenministers Graf Ciano nach der Unterzeichnung de« italienisch-jugoslawischen Abkommens, in der dieser die Minderheitenfrage in den Zusammenhang des neu gestalteten Freundschaftsverhältnisses stellte. Flcr Minister wies auf die von den italienischen Behörden gemachten entgegenkommenden Anweisungen in bezug auf den Unterricht und den Gebrauch der serho-kroatischslowenischen Sprache sowie hinsichtlich des Gottesdienstes in dieser Sprache hin. Die italienische Regierung hat auch eine Reihe politischer Häftlinge jugoslawischen Volkstums entlassen, umgekehrt hat Italien oei Unterhaltungen mit Frankreich über die Stellung der Italiener in Tunis weitgehende Rechte für diese gefordert, u. a. die Beibehaltung ihrer Staatsangehörigkeit. Auch in der Frage Malta und hinsichtlich der Italo-Romanen in der Schweiz stellt Italien nationale Forderungen. Gegenüber den italienischen Staatsangehörigen griechischen Volkstums auf den Inseln des Dodekanes ist bestimmt worden, daß jeder Bewohner das Recht hat, Klagen in seiner Muttersprache gegen die Behörden einzureichen. Der Unterricht in den griechischen Schulen ist wieder autonom geworden. Alle früheren Privilegien der griechischen Bevölkerung sind wiederher- Viclk'ieht hätten wir es nicht nötig, heute Klage zu führen, wenn wir selbst mit größerem Ernst die Realisierung unserer Ideale erstrebt hätten. Das Wachstum der Bewegung und das Tempo des Aufbaus und seine Ausmaße in Palästina sind beachtlich genug, und das Werk hat historischen Rang. Deshalb vci tragen die Menschen, die es repräsentieren, eher Kritik als andere. Der Zionismus als legitime Gestalt des Judentums kann durch menschliche Unzulänglichkeit nicht in Frage gestellt werden. Wir haben nicht das Maximum des Möglichen aus den uns zur Verfügung stehenden menschlichen Kräften herausgeholt, wir haben viele Kräfte brach liegen lassen. Wir haben eine Rangordnung«— jedenfalls in der Stadt — aufkommen lassen und geduldet, die ganz äußeren äußerlichen Kriterien folgt. Reichtum und Titel haben ein viel zu starkes Gewicht bei uns. Eine gewisse Härte, die gewiß jedes kolonisatorische Unternehmen mit sich bringt, wird als Selbstverständlichkeit hingenommen. Wir verkennen nicht, daß das Zeitalter des Idvlliscnen vorbei ist und daß unser Tun sehr fern von Sentimentalität sich erfüllt. Aber das bedeutet nicht, daß man ohne Gefahr die intimen Werte verkennen und ihren Anteil vernachlässigen darf. Nicht zuletzt um ihretwillen schien uns die Renaissance unseres Volkes so erstrebenswert. Die besten Persönlichkeitswerte dem Volke weihen, uneigennützig seiner Erneuerung dienen in Schlichtheit und Stille — das war ein Ziel. Und alles Unechte, das sündhaft Utilitaristische auszuscheiden, schien doch eine Vorbedingung des Gelingens. Denn wir wollten doch sittlich adeln, was im allgemeinen diese Note entbehrte: die nationalen Aspirationen. Es ist schmerzlich und kaum zu begreifen, daß in dieser Epoche der Veräu'ßerlichung kein bescheidener, aber zugleich kraftvoller Versuch einer Gegenbewegung, einer Veri n n e r I i c h u n g, unternommen wurde, dem nicht Fraktions¬ und enge Parteiinteressen, sondern umfassende, großzügige Gedankengänge zugrunde liegen. Das Andenken Ach ad H a a in s wird bei manchen Gelegenheiten erneuert. Aber wichtiger als die Gedenkreden und -atifsätze wäre das lebendige Fortwirken seiner nicht aus Nörgelei, sondern aus historischer Perspektive und sittlicher Haltung geborene Kritik und erzieherische Funktion großen Stils. Wir müssen erneut zu den Werten der Seele vordringen, der jüdischen Seele mit ihren Eigentümlichkeiten. Wir können die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Hingabe an die tiefsten Kräfte, die in unserer Thora, Geschichte und Sprache ruhen, das Volk lebensfähig und schaffensstark machen werden. Aber wir dürfen nicht Wege und Ziele wählen, die nicht die unseren sind. Die Besonderheit, die Abseitigkeit unseres Schicksals und unseres Schaffens ist nicht nur das besondere Instrument, das wir im Orchester der Menschheit und ihrer Geschichte spielen, das nicht fehlen darf im Reichtum der Klangsveit. Wir vermehren nicht lediglich die P o 1 y phonie, sondern wir schaffen die S y m phonie, die ohne uns nicht zustande käme. Denn unser ist die Idee des Messias. Am 22. und 23. August wird anläßlich der Knessio Gedaulo der Agudas Jisroel in Marienbad ein Kongreß der agudistischen Frauenorganisation stattfinden. gestellt worden, so auch die Selbständigkeit der Gemeinden. Die politischen Gerichtsverfahren wurden aufgehoben und die politischen Häftlinge entlassen. Im „Giornale d'ltaiia" befaßte sich Virginio ü a y d a im Zusammenhang mit dem Ab- Schluß des Vertrages mit Jugoslawien mit der Frage der Volksgruppen und meint, daß diese Frage die Völker nicht scheide, sondern sie m iteinander zu gemeinsamer Arbeit verbinden kann, da die Minderheiten zwischen zwei benachbarten Völkern eine Verbindung darstellen. In dem Artikel von „Nation und Staat" wird darauf hingewiesen, daß eine derartige Formulierung besonders wertvoll ist. Man habe bisher geglaubt, daß ein Grundsatz der italienischen Staatspolitik das Verlangen der Assimilation der Minderheiten sei. Es sei ein Merkmal des Kraftbewulitseins und Selbstvertrauens, wenn jetzt die Berücksichtigung andersnationaler Volksgruppen als wertvolles Bindeglied zwischen befreundeten Staaten angesehen werde. Diese Ausführungen sind für uns interessant, da sie zeigen, daß auf dem Boden des faschistischen Regimes in Italien die Erkenntnis von der Bedeutung des Eigenwertes der Nationalitäten vorhanden ist. Italien wird ja auch durch seine Politik in Libyen und Abessinien mit dein Problem der Behandlung fremder Völker eindringlich vertraut genucht, und es hat in der arabischen Frage durch die Erklärungen Mussolinis eine starke Sympathie für die nationalen Bestrebungen der islamischen Völker gezeigt. Nun liegt das jüdische Problem in Italien wie überhaupt in den Landern des Westens eigenartig. Die Juden Italiens empfinden sich nicht als eine nationale Minorität, sondern durchaus als Italiener, die mit der Staatsnation ihres Vaterlandes untrennbar verbunden sind. Dennoch wird man verstehen, daß eine Gruppe von besonderer historischer und ethnischer Eigenart, wie es die Juden darstellen, durch ihre Verwurzelimg in der eigenen Geschichte und durch Anteilnahme an den giolien Gegenwartsbestrebungen des jüdischen Volkes nur au Wert für den Staat gewinnen kann. Diese Bestrebungen sind ja einzig und aliein auf das innere Interesse des jüdischen Volkes gerichtet. Der Versuch, den der Zionismus macht, in Palästina eine Heimat für das jüdische Volk als solches und für grolle Massen notleidender, heimatloser Juden zu schaffen, bedeutet eine Erleichterung auch für andere Völker, bei denen ein akutes Judenproblem besteht (zu denen freilich Italien mit seinen wenigen und stark assimilierten Juden nicht gehört). Wenn es im Gebiet des Vorderen Orients und damit auch um Palästina Interessenkonflikte der Großmächte gibt, in die Italien verwickelt ist, so sind diese ganz unabhängig von dem jüdischen kolonisatorischen Werk und würden auch dann bestehen, wenn es in Palästina keine jüdische Arbeit gäbe. Es erscheint als eine wichtige Aufgabe der italienischen Juden selbst wie auch der verantwortlichen Instanzen der zionistischen Bewegung, diese Erkenntnisse in den maßgebenden italienischen Kreisen zu vertiefen. Hierbei sollten alle Gruppen des italienischen Judentums zusammenstehen, statt unter dem Eindruck einer auf Mißverständnissen basierenden Polemik in innere Streitigkeiten zu verfallen. Besprechung mit Graf Ciano Rom, 4. Mai. (JTA.) Der Vertreter der Jcwish Agency In Genf, Dr. Gold mann, hat am 4. Mai in einer längeren Unterredung mit dem italienischen Außenminister Graf Ciano, dem Schwiegersohn des Ministerpräsidenten Mussolini, aktuelle zionistische Probleme und die Förderung der zionistischen Bewegung in Italien besprochen. Nach dieser Unterredung hatte Dr. Goldmann ein eingehendes politisches Gespräch mit dem Vorsitzenden der Ständigen Mandatskommission des. Völkerbundes, Marquis Alberto Theo doli. Notizen aus Holland Von unserem Berichterstatter RL., Den Haag, 3. Mai Bei einer Nathan Birnbaum-Gedenkfeier der Agudah in Rotterdam würdigte F. W e i n r e b. der Birnbaum in seiner letzten Zeit besonders nahegestanden hatte, seine Bedeutung und wies insbesondere auch auf seine Forderung nach Berufsumschichtung und Verländlichuug hin. J. Groß aus Kfar Saba betonte die Notwendigkeit, die Ideen Birnbaums nicht nur zu durchdenken, sondern im Leben zu verwirklichen. Zur Förderung der Bjrnbaumschen Ideen der Verlane!- lichung und Berufsumschichtung haben holländische gesetzestreue Kreise eine „Dr. Nathan Birnbaum-Stiftung für jüdische Berufs Umschichtung in Holland" ins Leben gerufen. Nach gründlichen Vorarbeiten, an denen Birnbaum selbst noch teilgenommen hatte, wurde ein Plan aufgestellt, der die Errichtung eines Internats für etwa 30 Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren in der Umgegend vom Haag vorsieht, so daß diesen die Möglichkeit gegeben ist, Gewerbeschulen und Ausbildungskurse in der Stadt sowie eine Gartenbauschule zu besuchen. Die Erziehung im Internat soll in positiv-jüdischem Geiste erfolgen. In der Amsterdamer Diamant-Industrie wird seit dem 1. April nur noch an fünf Tagen der Woche gearbeitet, so daß die zahlreichen jüdischen Arbeiter dieses Gewerbezweiges am Schabbat nicht zu arbeiten brauchen. Zum Direktor des Königlichen Konservatoriums für Musik in Den Haag wurde der bisherige Direktor des Amsterdamer Konservatoriums, Sem Dresden, berufen. — David Oistrakh, der Preisträger aus dem Ysaye-Wcttbewerb in Brüssel, bewies auch vor dem holländischen Publikum — in Amsterdam und im Haag —, daß er die Auszeichnung verdient hat. Der Beifall war ungewöhnlich groß. — Aus Amerika ist die Violinistin Lea Luboshutz' sowie das Hart Housc String Quartett (James Levey, Arn. Adaskin, Milton Blackstone, Boris Hambourg) zu Konzerten nach Holland gekommen. Die Sfadt Mühlhausen (Elsaß) hat beschlossen, eine ihrer Hauptstraßen nach Hauptmann D r e y f u s umzubenennen, Ministerpräsident Blum wurde eingeladen, an der Feier der Namensgebung teilzunehmen. Auch in Crosnes ist eine Straße nach Hauptmann Dreyfus umbenannt worden. Hauptschriftleiter: Dr. Robert W e i t s c h, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt L o c we n s t c i n, Berlin \V 15. Anzeigcnleiicr und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1933. Verlag und Anzeigenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.A. 1/1937 33 818. — Druck: Siegfiicd Scholcm, Berlin-Schönebcrg.

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