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Jüdische Rundschau · 1937-04-06 · Heft 27 (6.4.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 27 (6.4.1937)
Date
1937-04-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JODI5CHB RUNDSCHAU Nr. 27, 6. IV. 1937 „Vollständig verwahrlost..." Elternsorgen in Palästina Von Anselm Bing, Jerusalem Von der Woche Der scheidende Chefsekretär der Palästina-Regierung, John Hathorn Hall, wird Palästina am 16. April verlassen. Die hebräische Tageszeitung „Dawar" meldet aus arabischer Quelle, daß der High Commissioner 150(XX) Pfund zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den palästinensischen Städten bewilligen wolle. Dieser Betrag soll für die Durchführung öffentlicher Arbeiten ausgegeben werden. Laut vorläufiger Statistik der Jewish Agency betrug die jüdische Einwanderung im März 1120 Personen, darunter 210 Kapitalisten. Das Exekutivmitglied David Ben Gurion ist von einer zweitägigen Fahrt durch Uaiiläa zurückgekehrt, bei der er Sedschera und Safed besuchte und mit den Vertretern der Siedlungen Fragen der Sicherheit erörterte. Die Mehrzahl der Siedlungen des Keren Hajcssod hat 'bereits die zweite halbjährliche Rate ihrer Schuldenrückzahlung an das Hauptbüro des Keren Hajessod abgeführt. In Tel-Awiw fand die Jahresversammlung der landwirtschaftlichen Kolonisations-üesellschaft der Arbeiterschaft N I R statt, deren Kapital gegenwärtig £ 250 000 beträgt. Es wurde beschlossen, eine 5".oige Dividende zur Ausschüttung zu bringen. Die Palästina-Regierung hat einen Ausschuß zur Prüfung von Schadcnsersatzansprüchen eingesetzt, die wegen militärischer Maßnahmen während der Unruhen erhoben worden sind. Fs handelt sich vor allem um die Ansprüche von Hauswirten, deren Gebäude von den Militärbehörden besetzt waren. Infolge arabischer Agitation hat die französische Schifffahrts-üesellschaft Messageries Maritimes beschlossen, ihr nächstes Schiff sowohl in Haifa, wie auch in Jaffa landen zu lassen. Bei den Arabern herrschte große Aufregung, als kürzlich der Dampfer „Mariette Pacha" nicht in Jaffa, sondern in Ilaifa landete. Die jüdische Frau eines armenischen Arztes wurde in Safed durch I Mchstüße s c h w er \ , riet z1. Ein arabischer Angestellter wurde unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Man nimmt an, daß kerne politischen Motive vorliegen. Nachts wurde ein arabischer Wächter in der Nähe von Fl kr oii von vier biwaffncten Arabern geschlagen und verletzt. Sie erklärten ihm, dali dies die Strafe dafür sei, daß er für Juden arbeitet. Bei einer Razzia in Jerusalem wurden mehrere Hauraner aufgegriffen, die nach dem Hatiran zurückgeschickt werden sollen. Die arabische Zeitung „Adifaa" gibt ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß im Gefängnis zu Akko 140 Araber interniert sind, die unter Anwendung des Gesetzes zur Verhütung von Verbrechen abgeurteilt wurden. Die Zeitung bemerkt, daß diese Vorsichtsmaßnahme überflüssig sei, da bis zur Veröffentlichung des Berichts der Königlichen Kommission die Aufrechterhaltung der Sicherheit gewährleistet sei. Auf Grund des Gesetzes zur Verhütung von Verbrechen sind in Jerusalem mehrere nationalistische arabische Agitatoren sowie Kommunisten verhaftet worden, um eine Hetzpropaganda unter der arabischen Bevölkerung anläßlich des Nebi Mtisa-Festes zu verhüten. In Rarnlch wurden fünfzehn Araber verhaftet. In einem Polizeicommunique wird bekanntgegeben, daß in der Gegend von N a b I u s viele Waffen un<T Bomben beschlagnahmt wurden. Mehrere Personen wurden im Zusammenhang damit verhaftet. „El Dschamea el Islamia" meldet, daß bei Ras e I N a k u r a an der syrisch-palästinensischen Grenze dreiundzwanzig Juden als illegale Einwanderer verhaftet worden sind, unter ihnen auch Frauen und Kinder. Dei Stab der britischen Streitkräfte in Palästina hat angeordnet, die Truppen der Garnison Nnblus-Dschcn i n um 350 Mann zu verstarken. Aus England sind 61 junge Leute eingetroffen, die für den Dienst in der Palästina-Polizei ausgebildet werden sollen. Laut „El Liwaa" treffen demnächst aus Aegypten 400 englische Polizisten zur Verstärkung in Palästina ein. Der aus Deutschland stammende 20jährige Elieser Sklaretz wurde in seinem Schlafraum in einer Hütte in Beth AI p h a von einer Kugel getroffen, die der diensttuende Wächter draußen zufällig abgefeuert hatte. Sklaretz war sofort tot. Jerusalemer Kunstberidit Zwei Ausstellungen sind in Jerusalem zu sehen, die mit Recht das Interesse der Kunstfreunde erregen: bei Steimatzky zeigt Moscheh M a t u s o vv s k y, ein junger palästinensischer Künstler, Oelbikler und Aquarelle. Mit besonderer Liebe «nd großem Einfühlungsvermögen unterzog sich der Künstler der Erschließung des jemenitischen Antlitzes. Unter den sehr mannigfachen Proben »eines ungemein vielseitigen Schaffens sind es die Jemeniienbjldnisse, zumeist in unbewußt uulcuchtend-eni>ten Farben gehalten, die am nachhaltigsten wirken. Weniger eigen sind die Jerusalemer Altstadt-Juden mit den Thor.arollen, die oft an bekannte Vorbilder wie kybak und Mane-Katz. erinnern. Seltsam kontrastieren zu dem Ernst der Jemeniten-Bilder die Aquarelle, die in /u süßlichen Farben, wie gemalte Träume erscheinen. Hier erweist sich Matusowsky als Symbolist. Er kombiniert Blumen mit einem seltsam von innen her leuchtenden Frauenkörper (der aber wie alle Aktbilder Matusowskys noch schülerhaft-unbeholfen wirkt), aber diese Kompositionen vermögen nicht zu überzeugen. Hingegen zeigt sich Matusowsky in einem Selbstbildnis und Landschaften, die den letzten Saal der interessanten Schau füllen, auf der Höhe seines Schaffens, das immer dann zu schöner Entfaltung kommt, wenn der Künstler die gegebene Wirklichkeit nicht zugunsten einer unwirklieh-literatenhaften Spiritualität vertauscht. M. D o u k h a ri eröffnete die Ausstellung mit einführenden Worten. Der Jerusalemer Rechtsanwalt und Mäzen S. Horowitz hat seine mit erlesenem Geschmack eingerichtete Villa der Malerin Schlomith Abraham zu einer Kollektivausstellung zur Verfügung gestellt. Die Eröffnung dieser Ausstellung, die ein gesellschaftliches Ereignis war, versammelte eine große Zahl von Kunstfreunden im Hause Horowitz. Frau Abraham ist eine liebevolle SchikJerin Palästinas, besonders Tel-Awiws (dieses Stiefkinds der Mater), dem sie neue Seiten herber Schönheit abgewann. Vor allem dem Hafen und seinen Arbeitern gilt das Bemühen der Künstlerin. In zahlreichen Oelbildern und Aquarellskizzen hat sie als getreue Chronistin das Werden dieses ersten jüdischen Hafens dargestellt. Diese Hingabe und Treue an die gestellte Aufgabe wirken sympathisch, auch da, wo die Ergebnisse — rein ästhetisch gesehen — nicht immer ganz befriedigen können. Bilder aus den Kolonien und den arabischen und jüdisch-orientalischen Quartieren Jerusalems, Jaffas und Akkos runden das Bild des Landes, das uns Schlomith Abraham vermittelt, ab. Einige Stilleben zeigen reife Beherrschung der Ausdrucksmittel und eigenen Stilwilien, Schalom Ben-Chorin „Nicht wiederzuerkennen, sage ich Ihnen! fn Berlin war der Junge gut erzogen, höflich, zuvorkommend, taktvoll, direkt ein Musterkind; eine Freude war das, ihn anzusehen und zu beobachten. Kommen Sie mal auf den Balkon herausl Sehen Sie da drüben, wo die Steine behauen werden, — ja, der mit dem wilden Haarschopf und der blauen Bluse — das ist der kleine Micha. Jawohl! Was sagen Sie dazu, wie der brüllt und um sich schlägt — jetzt wälzt er sich auf dem Boden. Micha, wirst du sofort raufkommen! Micha, auf der Stelle kommst du rauf! — Der Junge ist hier in den drei Monaten vollständig verwahrlostI was sagt ein Mensch dazu?" Er sagt dazu allerhand! Er sagt dazu, daß der Junge ganz und gar nicht verwahrlost ist, sondern daß er sich in einer sehr schwierigen und gefährlichen Lage befindet. Daß die Mama, die mit Recht aufgeregt ist über den Herrn Bengel, mit Unrecht schimpft, schreit und die Nerven verliert! Natürlich kann man da die Nerven verlieren — das macht aber die Situation nur noch schlimmer. Die Situation ist — kurz gesagt — etwa so: die meisten Eltern von Michas Klassenkameraden arbeiten; Vater und Mutter sind fast den ganzen Tag von Hause fort. Die Kinder sina sich nachmittags selbst überlassen und strolchen viel herum und treiben allerlei Unfug, organisieren Gruppen, spielen ziemlich wilde Spiele. Micha, feiner angezogen als sie, blieb im Anfang abseits, wurde natürlich tüchtig gehänselt. „Der Neue darf nicht, dem sind wir nicht fein genug! Das ist ein Muttersöhnchen!'' Eine Weile kann mau sich so etwas mit ansehen; eine Zeitlang kann man zwischen der Pflicht, wohlerzogen zurückhaltend, und der Lust, unbändig und zügellos wie alle andern zu sein — schwanken. Aber ein echter Junge — und Micha ist zum Glück waschecht! — schwankt nicht lange; der springt aus seinem Anzug heraus und mitten in den Krawall hinein. Schluß mit dem Bravsein! Aus dem Muttersöhnchen entwickelt sich ein Rowdy erster Güte! „Sie haben ihn eben vom Balkon aus begutachtet! Bitte sehr, sagen Sie selbst, ist das nicht ein Jammer, so etwas?! Palästina — das Land für die Jugend, das Paradies der Kinder! Ja, hören Sie, wenn das so ausschaut! Um Himmelswillen, die Kinder verwahrlosen hier ja — das sind ja Wilde!" „Natürlich verstehe ich sehr gut, und es ist ganz richtig, was Sie sagen; der Junge kann nicht gegen den Strom schwimmen, er muß mit den andern schreien, balgen und toben." „Aber warum tut man nichts dagegen, warum sorgt die Schule nicht für Abhilfe? Das ist doch unmöglich! Das kann ...!!" „Liebe Frau Doktor, das hat doch gar keinen Zweck, sich dermaßen zu erregen. Lassen Sie uns doch in Ruhe darüber sprechen! Sie sind doch nicht die einzige Mutter, der es so ergeht. In meinem großen Bekanntenkreis — überall dasselbe Lied! — Sehen Sie, mein Junge ist dreizehn, und ich kann vernünftig mit ihm reden. Ich habe ihm sehr genau auseinandergesetzt, was ich von ihm verlange: Du bist in einer Umgebung aufgewachsen, in der man von dir eine gewisse Z u r ü c k n a 11 u n g, bestimmte Formen der Höflichkeit forderte. Wenn du nun hier in ein Milieu kommst, in dem andere Formen und Gebräuche üblich sind, so müßt du dich — wie wir Erwachsenen" selbstverständlich auch — anpassen. Wenn du aber mit einem Ruck alles, was dir bisher als gut und vernünftig erschien, über Bord wirfst, das wäre zu einfach, zu bequem! Vielleicht würde es dir die Anerkennung deiner Kameraden verschaffen, wenn sie dich genau so wild und unternehmend sähen, wie sie sind. Glaube mir, es wäre ein Augenblickserfolg; auf die Dauer ist es nichts!! Ich bin nicht so weit von deinen Gedanken und Wünschen entfernt, wie du vielleicht meinst; ich verstehe ganz gut, was du möchtest: sein wie die anderen — kein Tugendpinsel sein — kein Wundertier, sondern Junge unter Jungen! Das sollst du auch sein, aber du darfst nicht alles Gute, Vernünftige wegwerfen. Deine Pünktlichkeit, deine Gewissenhaftigkeit und deine Selbstbeherrschung werden den andern — auf längere Sicht gesehen — doch Achtung abnötigen." Mfttfttc Prcmicrcj Tel-Awiw, im März 1937 „Matal*" hat für das 42. Programm einige neue Helfer gewonnen. Richard Rosenheim wurde für die laufende Spielzeit als Regisseur und künstlerischer Leiter verpflichtet und inszeniert so erstmalig in Erez Israel. Der Verfasser des Manuskripts, Martin Rost, der einige erfolgreiche Hörspiele für europäische Sender schrieb, stellt sich gleichfalls dem palästinensischen Publikum erstmalig vor. Rost übernimmt die bisher im Matate" übliche Form, in mehreren kurzabrollenden Szenen sich satirisch mit palästinensischen Ereignissen zu beschäftigen. Das Spiel beginnt in einem Büro für „Kultur-Transfer Berlin—-Tel-Awiw", dessen Leiter einen jüdischen Neger-Sänger für ein Gastspiel in Erez Israel verpflichtet, unter der Bedingung, daß es gemeinsam mit einer —• gleichfalls schwarzhäutigen — Partnerin absolviert werde. Diese Partnerin findet sich in Gestalt einer sehnsüchtig auf das Zertifikat wartenden Chaluzah, die sich in eine Negerin verwandelt. Als „schwarzer Faden" geht dieses Paar durch die folgenden Szenen, deren meist hübscher und witziger Einfall mitunter allzusehr in die Breite fezogen wird. Hervorgehoben sei eine sehr hübsche zene, In der Erinnerungen an die Toscanini-Psychosc aufgefrischt werden. Eine Dybuk-Parodie gibt ihr den Rahmen, in die Meditation des Rabbi mischen sich Töne aus der „Unvollendeten", die Vorbeter der verschiedenen Gemeinden protestieren gegen die Konkurrenz Hubermans und Toscaninis, es gilt, einen neuen Dybuk auszutreiben, und man vermeint es mittels des Neger-Chasan und „Tefillah ä la Jazz" zu können. — Die hebräische „Viertel- Stunde" des Jerusalemer Senders muß sich eine scharfe Kritik gefallen lassen, wobei nicht übersehen wurde, daß als hauptsächlicher „Schuldfaktor" das Budget anzusehen ist, das — von der Regierung erneut beschränkt — nunmehr derart gering ist, daß Vortragende, die etwa von Tel-Awiw aus zum Senderaum nach Jerusalem sich begeben, buchstäblich noch Unkosten haben, davon zu schweigen, daß sie für ihre geistige Arbeit nicht bezahlt werden. — Die Tatsache, daß roter Kaviar nach den Speisegesetzen zum Genuß erlaubt, schwarzer Kaviar aber verboten ist, richtet in der „Arbeiterküche" einige Verwirrung an. Rosenheims Führung ist offensichtlich darauf angelegt, das Ensemble zu „disziplinieren", d. h. dort, wo die meist sehr begabten Naturtalente ihren Temperamenten freien „Also liebste, beste Freundin, Sie reden ja wie ein Pädagogikbuch! So kann man mit Kindern unmöglich sprechen!" „Es würde auch gar nichts nützen! Ueberhaupt haben Moralpredigten niemals etwas in der Erziehung zuwege gebracht außer Abneigung und Trotzhaltung bei den alio Bepredigten!" „Solange Sie mir keinen konstruktiven Vorschlag machen, glaube ich nach wie vor, daß unsere Kinder hier verwahrlosen. Es ist doch sonnenklar ,..!" „Ich störe doch nicht? Die Damen unterhalten sich so angeregt. Ohne es zu wollen, habe ich den letzten Teil Ihrer Debatte gehört. Darf ich Ihnen einen konstruktiven Plan vortragen? Warum schicken Sie Ihren Jungen nicht in die Jugendbewegung? Wissen Sie, daß er dort am besten aufgehoben ist? Wissen Sie, daß man sich dort um seine Kenntnisse im Hebräischen kümmert, daß er unter Gleichaltrigen ist, daß er Führer hat, die ihm das Land, die jüdischen Feste, den Aufbau der neuen Fleimat tatsächlich zum lebendigen Erlebnis machen? Warum schicken Sie Ihren Jungen nicht in eine Schule, die sich um Erziehung zur Landwirtschaft, zum Handwerk, zum Arbeiterleben bemühen, — Schulen, die ihren Unterricht bis in den späten Nachmittag ausdehnen, — in denen die Kinder nicht in falsch verstandener Ungebundenheit groß werden, sondern in denen sie bei allem Selbstbewußtsein lernen, sich der Allgemeinheit und deren Willen unterzuordnen? Warum haben Sie den falschen Ehrgeiz, für den Jungen unbedingt die akademische Laufbahn zu wählen? Haben Sie noch immer nicht von dem Vorurteil frei werden können, daß der Akademiker eine höhere Menscherisorte sei, dem Arbeiter und dem Bauern gar nicht zu vergleichen? Haben Sie noch immer nicht verstanden, daß der Handwerker, der Arbeiter und der Bauer den Sockel bilden, auf dem sich Palästina erheben wird? Warum lassen Sie Ihren Jungen also nicht vom frühesten Alter an mitarbeiten: im Haus, in der Küche, im Garten? Warum regen Sie ihn nicht an, sich einen Stall für Kleintiere zu bauen? Warum schenken Sie ihm keine Werkzeuge, damit er sich einen Kasten, ein Büchergestell, eine Schiebkarre zurecht zimmert? Warum lassen Sic ihn nicht Buchbinden lernen oder Radiobastelei? Warum lassen Sie ihn nicht teilnehmen an Ihren täglichen Arbeiten? Meinen Sie nicht, daß er Ihnen helfen könnte, daß er mit Freuden kleinere — vielleicht auch größere Botengänge in der Stadt für Sie machen würde? Glauben Sie nicht, daß er sich Ihnen dadurch verbundener fühlen würde, sieh erwachsener, wichtiger vorkäme und gar keine Zeit mehr für seine Dummheiten hätte? Warum fragen Sie ihn so selten nach dem, was er In der Schule und bei seinen Freunden erlebt hat? Meinen Sie nicht, daß er ihnen stolz von der letzten Erdkundearbeit erzählen und ein klein wenig darauf eingebildet sein würde, daß er Sie einmal belehren darf? Warum wollen Sie überhaupt so fremd nebeneinander herleben, warum wollen Sie die Kluft zwischen Erwachsenem und Kind immer größer werden lassen? Sicherlich: Sie sind erst so kurze Zeit inj» Land; "Sie beherrschen die Sprache noch nicht, Sie haben,, geschäftliche Sorgen, — Sie wissen nicht, wie sich die" politische Spannung lösen soll, — welchen Einfluß die allgemeine Lage auf die Geschäftswelt ...! Niemand bestreitet, daß Sie den Kopf voll Sorgen haben, aber Sie haben Zeit für Vortrag, Theater, Kino, Besuche, Besprechungen, Buch, Radio und Film! Und da müssen Sie auch Zeit haben, sich um den ungen zu kümmern, um seine Schule, seinen Jugend- und, um seine Studien, seine Ausbildung, seine Bastelei, seine kleinen Sorgen und um seine größeren Nöte! Das müssen Sie! Es ist einfach und bequem zu stöhnen: .Vollkommen verwahrlost!' Machen Sie es sich nicht zu einfach! Mit dieser Feststellung ist gar nichts getan! Hier haben Sie einen konstruktiven Plan, mit dem Sie der sogenannten Verwahrlosung' zu Leibe gehen könnten! Was werden Sie tun?" „Kulanu Amcha" Lauf lassen würden, sie in gewissen Grenzen zu halten. Der Regisseur hat damit zum Teil ausgezeichneten Erfolg, etwa bei R u d e n s k i, dem hier fast das Hinüberwechseln zum Charakterdarsteller gelingt. Laviusch erweist wieder seine starke Begabung, insbesondere in einer Propagandarede zwecks Gründung einer Neger-Gemeinde. Londons wertvolle Kraft findet leider diesmal nur schwache Verwendung, aber als Sekretär im Histadruth-Bild und als Leiter des hebräischen Radio-Programms liefert er treffende Persiflage. Der schwarze Sänger ist T i m a n, oft rührend in irgendeiner Geste seines Neger-Seins oder seines Jude- Seins. Singen kann er leider nicht, höchstens einem Sprechchanson zur Wirkung verhelfen. Die Schauspieler Ochsenberg und Aba, sowie die Damen Judelewitz und Pcrkal (als Pseudo-Negermädchen, gegen frühere Aufführungen wieder um vieles gelöster), ergänzen das Ensemble, in dem — als dritte Neuerwerbung des Matate — Rose Lichtenstein debütiert, die man nach ihrem Erfolg in ihrer ersten Rolle auf der hebräischen Bühne (im „Theatron Ivri") sofort engagierte. Sie verleiht ihren Typen Umriß und Farbe und findet auch hier viel Beifall. Wir hoffen jedoch, daß wir dieser Schauspielerin, die fraglos über viel Begabung für das Komische verfügt, noch oft in ihrem eigentlichen Fach als Charakter- und Mütter-Darstellerin begegnen werden. Auch die Komposition der einzelnen Szenen zeugt von vieler Kleinarbeit des Regisseurs — besonders im dritten und vierten Bild. — Die Songs (Text: Altermann, Musik: L a v r i) sind diesmal etwas dünn. Die Szenerie von L u f t g 1 a s, insbesondere das Dybuk-Bild, ist wieder überaus gelungen. Mit zwei kleinen Drehscheiben ist für einen reibungslosen Ablauf gesorgt.__Manfred Geis Dr. Rafael Georg P a t a i, der erste Dr. phil. der Hebräischen Universität, erhielt von der Stadt Tel-Awiw für seine grundlegende Dissertation über „Das Wasser" den Bialik- Preis zuerkannt. Familien-Nachrichten. Herr Rudolf Appel (früher in Köln), Tel- Awiw, beging am 30. Märx den 50. Geburtstag. 'C-W"R des PalSstlnatcils)

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