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Jüdische Rundschau · 1937-03-26 · Heft 24-25 (26.3.1937) · page 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 24-25 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seife 20 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 24/25, 26. III. 1937 Entwicklung des Einzelhandels Von Dr. Rudolf L i e b s t a e d t e r, Jerusalem In einer Periode wirtschaftlicher Depression, wie wir sie zur Zeit in Palästina durchzukämpfen haben, ist es nicht ohne Reiz, sich einmal zu vergegenwärtigen, welche Wandlungen in der Struktur des palästinensischen Einzelhandels seit dem Jahre 1933, seit dem Zustrom der Einwanderer aus Deutschland also, vor sich gegangen ist. Um das Ergebnis dieser Rückschau an den Anfang zu stellen: Es kann ohne jede Uebcrheblichkeit gesagt werden, daß das Eindringen /ahlreicher Juden aus Deutschland in das Gefüge der palästinensischen Wirtschaft gerade auf dem Gebiete des Einzelhandels zu einer völligen Revolutionier u n g dieses Gewerbezweiges geführt hat. Jeder Tourist, der nach einer Pause von 3 bis 4 Jahren jetzt Gelegenheit hat, die größeren Städte des Landes wiederzusehen, wird sofort den Unterschied zwischen den Läden alteren Stils, die noch im Jahre 1933 das StralSenbild völlig beherrschten, und den modernen Geschäften, wie sie jetzt die Straßen schmücken, feststellen können. Man hat sehr viel — manchmal vielleicht sogar zu viel — Geld in die A u ß e n f r o n t e n und in die Einrichtung von Läden aller Branchen gesteckt. Architekten und Innencinrichtungskünstler sind nicht umsonst (im doppelten Sinne) tätig geworden. Lichtreklamen und vor allem moderne Schaufensterdekorationen sind in den Dienst der Kundenwerbung gestellt worden; alles zu dem Zweck, dem Publikum das „Shopping", das früher durchwegs als Tortur empfunden wurde, reizvoller zu machen. Dies ist die ohne weiteres ins Auge fallende Seite der Sache. Viel wesentlicher und interessanter ist aber eine zweite Leistung der Alijali aus Deutschland. Ich spreche hier von der aulierordentlicli mühevollen Erziehungsarbeit, die der Defailkaufmann in seinem nun viel hübscheren und gepflegteren Laden an den Kunden zu leisten begann. Fs ist bekannt, «laß Palästina mit dem übrigen Orient ein Gebiet war, in dem nichts, aber auch gar nichts einen festen oder muh nur bestimmbaren Preis hatte. Ob es sich um die Dienstlrixtiingcn eines Angehörigen der freien Berufe (Arztes oder Anwaltes /um Beispiel), oh es sich um den Verkauf von Markcn.irtikeln handelte oder ob man sieh bei einem Apollicker ein Rezept anfertigen ließ, in jedem Fall war es selbstverständlich, daß ein stundenlanges Feilschen vorausgehen niiillte. (I'ebrigtns dauert auch heute noch die Fahrt mit einem Ta\i oder einer Du »senke meist nicht so lang, wie die Vcrhamihm.: über den Preis in Anspruch zu nehmen pflegt.) So MMemeii sich nun Berichte ulifr solche Kauf- Verhandlungen in Romanen oder T.igibuchem von Orientreisenden lesen, so weitig erfreulich sind sie in der Wirklichkeit des Alitags. Am verheerendsten aber ist die Wirkung eines solchen Systems auf den Charakter von Verkäufer und Kaufer. Der Verkäufer wird gezwungen, Preise zu verlangen, die er in Wirklichkeit selbst nicht ernst nimmt; der Kunde aber fühlt sieh in jedem Falle betrogen, da er nie weiß, ob es ihm Reilingen ist, durch sein Unterbieten an die wirklich letzte Grenze heranztil «mmeii, zu der der Verkäufer abzugeben gewillt war. Mit anderen Worten: L"s besteht ein grenzenloses Mißtrauen in der Ehrlichkeit des Kaufmanns, das im Grunde berechtigt ist. Jeder Kauf wird ein Kampf, bei dem der gutgläubige, anständigere Vertragspartner mit Sicherheit unterliegen muß. Es ist ein erhebliches Verdienst der neuen Einwanderung, daß man schon jetzt, nach drei Jahren, einen großen Teil dieser Geschäftsmethoden als der Vergangenheit angehörend bezeichnen kann. Das Prinzig des festen Preises hat sich durchgesetzt. Aus vielen levantinischen Händlern, sind Kaufleute geworden, die ihre Würde zu wahren wissen und die eingesehen haben, daß sie sich und ihren Kunden besser dienen, wenn sie sieh dem Vorbild ihrer an Landeserfahrung jüngeren Gesehäftskollcgen anschließen. Und damit komme ich schon zu einer weiteren anerkennenswerten Leistung der neuen Alijali. Es Ihllt sich kaum ein Land denken, in dem wildere Wettbewerbssitten herrschten, als in Pdistina noch \cr wenigen Jahren. Jeder Kiufminn bttiuhtib seinen Konkurrenten als Feind, gegen di n ji 'i XX i'1 di- Kämpft s als ei'uibt galt. Dies war um so wl i gns\o] i il, ts kun Oi-ctz gibt, das den Wett-!h " i 1> \<u M uts\ w<n rigiit Jahrelange Ausverkäufe waren an (Et Ini nun; Iii Kundus grotesker Fall ist der fo'i di Dt hiitni utii dir griliten Geschäfte Jerusalems kl Im di" / t ingen usw. an, daß er eine V ( ' '< I i \< 'tun lule. Er wolle das Geld aber titii Ii i i n s ,n 1 ru seinen Kunden zugute I ' I J i t \ i ' i ii1 u't daher ein wertvolles GcsehciiK usw.... i-' ■ r ,| i i i |i i m nti. iii daß keinerlei Zusammens 1 i <■ i ' ut ' in einer Standesorganisai i' D r zi standige Departementschof bei der atte nur ein einziges Mal Gelegenheit, der Kaufmannschaft zu empfangen. Da r, zur Behebung der Notlage unter den Dr Regierung ein E i n w a n d e r u n g S - l e u t e zu beantragen! '/* i | ien hat sich nun auch hier vieles zum 1 l'f vate Vereinbarungen der größeren Fir-! i in im i Dauer von Atisverkäufen, über Perm i i tzen gesetzliche Bestimmungen in Wci- Imtr n diu i ffi ittlicheti Fonds gelten als s t i s in n h ht Auswüchse in der Reklame v r ' 1; 't 1 utit i ' 1 in du Möglichkeiten, die sich nach <' i i i i in l 1 i tet die soeben in Jerusalem (ii t 'ii 1 i d l< i h i k' (Keren ha-Konch) Ltd., in du s fi i,t it \u ,|.,r a's 2i fuhrende Einzelhandelsgeschäfte lu stets z's 11 tu n isr blossen h iben, um gemeinsam eine kigt'tng di k ii n ii i nkreditproblems herbeizuführen. Nach dem Muster der Kiindertkrcditgeseilschaften, die in der. letzten Jahren aucli in Deutschland entstanden sind, soll nunmehr auch liier der Versuch gemacht werden, durch organisierte Zusammenarbeit von Detailgeschäften vertrauenswürdigen Personen aller Stände Saisonkredite zu eröffnen. Die Darlehen werden nur minimale Gebühren kosten und können in kleinen Raten zurückbezahlt werden. Die Gesellschaft, an deren Zustandekommen das Bankhaus Jacob Ja phet & Co., Ltd,, Jerusalem, mitgewirkt hat, wird, wenn sie die schwierigen lokalen Bedingungen zu überwinden imstande sein wird, zweifellos einem öffentlichen Bedürfnis. Rechnung tragen. Sie wird aber weiterhin ganz neue Wege weisen können, wenn es ihr gelingt, durch entsprechende Erfolge den Nachweis tu erbringen, daß weitsichtige Zusammenarbeit von Wettbewerbern für diese und für das kaufende Publikum wertvoller zu sein vermag als kleinliche Konkurrenz. 1 t Lii v ' \ \ t i ien IIU'l I Ifrai V Ein Opernsrudio der Oper Erez Israel, Tel-Awiw, soll Gelegenheit bieten, Gesangstudierenden eine vollständige musikalische, künstlerische Ausbildung für Oper (Rollenstudium in Verbindung mit dramatischem Unterricht) zu geben. Die Opernklasse leitet Maestro Golinken. Stimmbildung unterrichtet Miryam Rap-Janowska. Das „Studio für Klavier und Theorie" Rchavia B, 20 Meonoth Owdim B, eröffnet Ende Marz das Sotnmersemester mit einem Schülerkonzert. — Anmeldungen; Dienstags 5 bis 6 Uhr und f reitags 2—5 Uhr. — Leitung Alice Jacob- Loewensoa. Arbeitsuchende Frauen Aus der Praxis der Arbeitsvermittlung der Hitachduth Olej Germania Tel-Awiw Die auch aus ihrer Tätigkeit in Deutschland bekannte Sozialarbeiterin schildert hier ihre Erfahrungen mit arbeitsuchenden Frauen. Es wäre hinzuzufügen, daß der Arbeits - Nachweis der Hitachduth Olej Germania auch männliche Kräfte sowie jugendliche Lehrstellensuchende vermittelt. (Red.) Männer, Frauen, Jugendliche drängen sich in den Arbeitsnachweisen der Histadruth, der Hitachduth Olej Germania und der Wizo. Wird man heute etwas finden und sei es für einige Tage, Wochen? ist die bange Frage jedes so gespannt wartenden Arbeitsuchenden. In einem Lande ohne soziale Gesetzgebung, ohne öffentliche Wohlfahrt, ohne gesetzliche Arbeitslosenversicherung ist eine länger anhaltende Erwerbslosigkeit untragbar. Die Darlehens- und Arbeitsloscnfonds der Gewerkschaft stellen als reine Selbsthilfe der disziplinierten Arbeiterschaft eine beachtliche Leistung dar — aber, sie reichen nicht im Entferntesten zur Unterstützung der arbeitslosen Mitgiiedsfamilien aus. Die Wohlfahrtsmittel der Gemeinden sind winzig, und die Sondermittel, die für die Olej Germania zur Verfügung stehen, sind im Vergleich zu den unzulänglichen Gemeindebudgets fürstlich, aber nur relativ, so daß auch für die durch die „Krise" betroffenen Einwanderer aus Deutschland die Hilfsmöglichkeiten äußerst begrenzte sind. Charakteristisch für solch eine Krisenzeit ist, dali die Frauen sich zur Arbeitsvermittlung drängen. Sie suchen Arbeit in der Hauswirtschaft, im Gastwirtsgewerbe, als Kindcr- und Krankenpflegerinnen, im Büro und im Laden. „Ich will jede Arbeit annehmen", so lautet die Parole und man bewundert den guten Willen, die Tapferkeit und die Umstellungsbereitschaft dieser Frauen, die sich die schwere Bürde der Ernährung der Familie aufladen. Die trockene Registrierung ihrer „Vorbildungen", ihrer beruflichen Vergangenheit, ihres verflossenen Lebensmilieus auf die Kartothekkarte der Arbeitsuchenden in der EL O.G. rollt bunte, bewegte Schicksale auf. Da ist angegeben: 33 Jahre alt, Abitur, 5 Jahre kaufmännische Bürotätigkeit (durch die das Geld für das ersehnte Medizinstudium gespart wurde), kurz nach dem Physikum politische Umwälzung, Abbruch des Studiums, l'/s Jahre Hachscharah in Land- und Hauswirtschaft, Heirat, Auswanderung nach Palästina, wo der Ehemann sofort eine gute Stelle als Architekt fand. Mit dem Ausbruch der Unruhen wurde er arbeitslos und seitdem arbeitet s i e in wechselnden Stellen als Oseret oder als Pflegerin unter schweren Bedingungen. — Eine andere, 4-1 Jahre alt, lebte in Deutschland das bürgerliche Leben einer Rechtsanwaltsgattin, als sorgende Mutter dreier Kinder. Im Jahre 1033 eingewandert. Die mitgebrachten tausend Pfund wurden unglücklich investiert und sind verloren. Der Mann ist auf dem Arheitsmarkt nicht unterzubringen. Die Frau und ihre 14jährige Tochter melden sich zur Arbeitsvermittlung. Während das jugendliche Mädchen, obwohl man bedauert, daß es unter den obwaltenden Umständen nichts lernen kann, als Laufmädchen in einem Geschäft bei 3 HP monatlichem Entgelt untergebracht werden kann, stößt die Vermittlung der „Dame", trotz, ihres besten Willens auf viele Schwierigkeiten... Da kommt eine „angeforderte Mutter", 68 Jahre alt, die gehofft hatte, im Haushalt ihrer verheirateten Tochter „mitleben" zu können. Nun ist aber der Schwiegersohn arbeitslos, sie möchte nicht zur Last fallen und ihre paar Pfund verdienen. Sie sei doch noch rüstig und könne alles tun, hat doch ihren eigenen Haushalt 35 Jahre lang geführt! Und es melden sich die vielen alleinstehenden Frauen, die nicht nur Erwerb, sondern auch Befriedigung und Ausfüllung durch ihre Berufsarbeit suchen, die am „Aufbau teilhaben" wollen als Erzieherinnen der Jugend, als Fürsorgerinnen, als Anstaltsleiterinnen, die einen auch schon in Europa so begehrten Posten als Privatsekretärin, als Wirtschafterin im „frauenlosen Haushalt" (im Palästina der jungen Ehepaare selten zu finden) ersehnen. Wie sieht es nun auf dem Arbeitsmarkt für Frauen aus? Ganz abgesehen von der augenblicklichen Krise, mit Abbau und Sparmaßnahmen im Gefolge, ist verständlicherweise der hiesige Arbeitsmarkt begrenzt und für einige europäische Großstadtberufe sogar verschlossen. Die Eroberung einer Berufsarbeit hängt im stärksten Maße von gediegenen Kenntnissen, in erster Reihe von Sprachkenntnissen ab. So ist für das Heer der nur deutsch korrespondierenden Bürosekretärinnen, nur deutsch sprechenden Verkäuferinnen, Kindergärtnerinnen kein Raum. Die Meinung, daß man in Palästina mit deutsch ganz gut durchkommen kann, gilt keineswegs für das Berufsleben. An Bürokräfte werden höchste Anforderungen bezüglich der Sprachkenntnisse gestellt, so sind Stellen für „perfekt" hebräisch — deutsche und „perfekt" englisch-deutsch« Stenotypistinnen trotz des großen Angebots an Kräften oft schwer zu besetzen. Der Bedarf an Laborantinnen und Sprechstundenhilfen ist minimal, an Pflegepersonal besteht im Augenblick ein Ueberangebot. Für die Anstellung von Fürsorgerinnen und pädagogischen Kräften besteht vom Staudpunkt der noch in den Anfängen stehenden sozialen Fürsorge aus gesehen ein großes Bedürfnis — aber es fehlt noch an den Budgets für die Durchführung der sozialen Arbeit und für die Bezahlung der Kräfte. Auch für die Fürsorgerin und Schwester besteht unbedingt die Forderung der guten hebräischen, falls möglich, sogar der arabischen Sprachkenntnisse. Wirklich gut qualifizierte und praktisch erfahrene Hausangestellte sind auch auf dem jetzt eingeschrumpften Arbeitsmarkt für „Oseroth" durchaus unterzubringen. Dasselbe gilt, allerdings nur für Saisonarbeit, für erste Fachkräfte im Sc hnciderge werbe, nachdem sich die einheimische „Konfektion" stetig entwickelt. Es braucht nicht ausgeführt zu werden, daß im allgemeinen von den Fortschritten des „Tozeret Haarez" (der Produktion in Erez Israel, statt Importes von Waren aus dem Ausland) die Arbeitsmarktlage im weitesten Umfange abhängig ist. Zum Schluß noch ein Wort zu den Berufsmöglichkeitea für Frauen auf dein Lande. Während der Orangensaison fanden auch in diesem Jahre Hunderte von Frauen Arbeit beim Pflücken der Früchte (Kalif), beim Einwickeln in die Seidenpapierhüllen, beim Sortieren usw. Während das Pflücken keine Ausbildung voraussetzt, wird „Wickeln" und „Sortieren" in besonderen Kursen angelernt und diese Facharbeit wird dann auch gut bezahlt. Für tüchtige Fachkräfte für Hühnerzucht, Gemüsebau und vor allem für ländliche Haushaltungen sind Arbeitsmöglichkeiten gegeben. Im allgemeinen darf gesagt werden, daß trotz der „Krise* die Erwerbsmöglichkeiteu für Frauen immer noch größere sind, als für Männer, dies aber nicht zuletzt deshalb, weil sie billigere Arbeitskräfte sind. Es ist sehr schmerzlich, daß auch im modernen jüdischen Palästina der bittere Kampf um „gleichen Lohn für gleiche Leistung" geführt werden muß. Wenn auch die vielleicht in manchen Herufsgruppen übertriebenen Löhne der Prosperity heute nicht mehr zu halten sind, so darf sich doch keineswegs auch hier die Tendenz der Unterbezahlung im allgemeinen und der Minderbewertung der weiblichen Arbeitskraft im besonderen ausbreiten. In dieser Beziehung kann zur Zeit nur ein moralischer Druck auf die Oeffentlichkeit ausgeübt werden. Frieda Weinreich Von der palästinensischen Studentenschaft In den ersten Tagen des Monats Adar erschien eine neue Nummer des „N i w H a s t u d e nt ", der Zeitschrift der palästinensischen Studentenschaft, die erste des Winter-Semesters 1936/37. Das Erscheinen des „Niw" stellt jedesmal ein Ereignis von hervorragender Bedeutung für das akademische Leben Palästinas dar. Das Heft wird herausgegeben von der Hitachduth Hastudentim, der studentischen Landesorganisation, die im Augenblick die Histadruth Hastudentim der Hebräischen Universität und des Haifacr Technikums umfaßt. Die vorliegende Ausgabe gewährt Einblick in die den palästinensischen Studenten bewegenden Fragen. Einen unverhältnismäßig großen Raum beanspruchen die wirtschaftlichen Fragen, ein Anzeichen für die wirtschaftliche Not der Studentenschaft. Während an europäischen Universitäten der Werkstudent die Ausnahme bildet, stellt er in Erez Israel die Norm dar. Demzufolge konzentriert sich ein Hauptteil der Arbeit der Histadruth auf die Beschaffung billiger Wohnungen, den Ausbau des Darlehenfonds, der mensa academica und der Arbeitsbeschaffung. Es ist als besonders erfreulich anzusehen, daß trotz dieser wirtschaftlichen Notlage der Fortbestand des „Fonds der gegenseitigen Hilfe" auch in diesem Semester gewährleistet ist, und daß ferner die nicht unerhebliche Beitragspflicht für den Gedächtniswald der während der letzten Unruhen gefallenen Studenten einstimmig beschlossen wurde, und die Sammlungen bereits jetzt einen namhaften Betrag ergeben haben. Die bedrängte wirtschaftliche Lage der überwiegenden Mehrzahl der palästinensischen Studenten führte zu Auseinandersetzungen zwischen der Studentenschaft und den Hochschulen in der Frage der Erhöhung des S t u d i e n g e I d e s. Hierbei muß der gute Wille der Universität anerkannt werden, jedoch ist das Ergebnis insofern unbefriedigend, als der Universität durch die Knappheit der ihr zur Verfügung stehenden Mittel die Hände gebunden sind. Dringend erforderlich wäre eine Aktion zum Bau des seit Jahren geplanten Studentenheims, durch den die Fragen der mensa, der Geschäftsräume der Histadruth und vor allem der verbilligten Wohnungen überaus gefördert würden. Ein für diesen Zweck bestimmter Fonds von 2000 Pfund ist seit geraumer Zeit der Universität treuhänderisch zur Verfügung gestellt. Das zweite in die Augen fallende Moment ist die trotz allem herrschende innere Unsicherheit der heranwachsenden Akademikergeneration. Bemerkenswert ist ein Artikel im „Niw" über die Aufgabe des palästinensischen Studenten innerhalb des geistigen Lebens des Jischuw. Viele Fragen werden hier aufgerollt, aber kaum eine beantwortet, Wege zur Ausführung nicht gewiesen. Als positiv zu werten ist nur — allerdings dies in starkem Maße — die stete Betonung, daß das Studium nicht eine Berechtigung, sondern eine Verpflichtung dem Jischuw gegenüber darstellt. Zu begrüßen wäre es, wenn sich die zur Leitung des kulturellen Lebens Erez Israels berufenen Faktoren stärker als bisher der Studentenschaft annähmen; die mahnenden Stimmen eines Bialik, eines Shmaryah l.evin werden schmerzlich vermißt. Wohl auf dieses Fehlen eines eigenen studentischen Lebensinhalts ist die erschreckende politische Radikalisierung der palästinensischen Studenten zurückzuführen. Nach dem ganzen Aufbau der palästinensischen Studentenschaft ist eine völlige Entpolitisierung unmöglich und auch nicht einmal wünschenswert. Mit rücksichtsloser Schärfe müssen derartige Disziplinlosigkeiten zurückgewiesen werden, wie sie sich z. B. in den beiden letzten Generalversammlungen der Jerusalcrner Studentenschaft zeigten. Hier trieb die Gruppe revisionistischer Studenten, die bei den kürzlich stattgefundenen Wahlen an der Universität nur 74 von 604 Stimmen auf sich vereinigen konnten, eine skrupellose Obstruktion, die diese Instanz der Studentenschaft zur Farce herabzuwürdigen droht Leider war auch bei dem Ueberfall auf das Gebäude der lewish Agcncy ein Student beteiligt. Erfreulicherweise erkennt die Hitachduth ihre Aufgabe, derartigem Treiben entgegenzutreten und wird sich bemühen, ähnlichen Fällen vorzubeugen oder nötigenfalls ehrengerichtlich einzugreifen. Sehr zu erwägen wäre die heikle Frage, ob einem Aufbau der Studentenschaft nach dem Fachschaftsprinzip nicht der Vorzug zu geben wäre. Begreiflicherweise erachtet die Hitachduth ihren Arbeitskreis nicht als auf Erez Israel beschränkt. Drei Bande sind es, die diese oberste Repräsentanz der palästinensischen Studenten mit der allgemeinen Lage des jüdischen Akademikers in der Welt verknüpfen. Einmal die innige Verbundenheit mit dem Schicksal des jüdischen Studenten schlechthin, gleich wo er sich befindet. Hier ist es besonders die Lage an den polnischen Universitäten, die Gegenstand einer Reihe von Protestkundgebungen war. Sodann besteht eine engere Verbundenheit mit zahlreichen europäischen Universitäten durch die in engster Fühlungnahme mit der Hitachduth arbeitende Vereinigung palästinensischer Studenten im Ausland, die ihren Geschäftssitz in Genf hat. In dieser Vereinigung sind sämtliche im Ausland studierende palästinensische Studenten zusammengeschlossen mit Ausnahme der an der Pariser und Londoner Universität inskribierten. Rechnen wir die letzteren hinzu, so kommen wir auf eine Gesamtzahl von rund 620 palästinensischen Studenten, die ihr Studium außerhalb Palästinas absolvieren. Ucber 60 Prozent dieser Studenten widmen sich dem Studium der Technik und der Medizin. Das dritte Band, das seiner Natur nach das stärkste sein sollte, aber leider im Augenblick fast illusorisch ist, ist die Weltorganisation der jüdischen Studenten mit dem Sitz in London. Es ist unbegreiflich, daß in dieser für den jüdischen Studenten so schweren Zeit diese Organisation inaktiv ist. Die palästinensische Hitachduth hat in der letzten Zeit aufs energischste versucht, sie aufs neue zu beleben und die Einberufung eines jüdischen Studenten-Welt-Kongresses verlangt. Auf diesem wird neben vielen anderen wichtigen Fragen auch die zu prüfen sein, ob nicht bereits heute die Zeit gekommen ist, wo eine derartige Organisation von Palästina aus zu leiten wäre. Die Bemühungen der palästinensischen Studentenschaft um Aufnahme in die C. I. E. (ConfcdcYatkm International des Etudiants) als vollberechtigtes Mitglied sind bekanntlich auf der Wiener Tagung des Ausführenden Ausschusses der C. I. E. im Januar d. J. gescheitert. Die endgültige Beschlußfassung in dieser Angelegenheit ist bis zur nächsten Sitzung vertagt worden. In der Zwischenzeit bereitet die Hitachduth ein Rundschreiben an alle studentischen National-Verbände vor, in dem Palästinas Rechtsanspruch auf Aufnahme dargelegt werden soll. Ein abschließendes Urteil in dieser Frage scheint noch verfrüht Dr. Ernst Blnmenthal (SchluB des PailBtinatelb)

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