Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-03-23 · Heft 23 (23.3.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 23 (23.3.1937)
Date
1937-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653648--30475-2685027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

|r. 23 ✓ Jahrgang 42 Preis 25 Rpf. JUDISCHE RUNDSCHAU •tfcrUU«jItiing,V»rUg o. AnzelganvarwaHuna: BarilnW IS, Malnakottr.M Fannli S«mm»l-Nnmin»r J1 (Bismarck) 9031> — Beiujjsprei» «insehllefllieh B«it«]!|t»ltl i« Mona» RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, b« Abholung RM 1,88 biw. RM Sß9. — PosUdiisdc - Konten der Vertrieb» - Abteilung Berlin 71573 (für Grofi Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beingsgebühren. — Eracbalnl Joden Dienstag and Frslts g. BERLIN t«s"in lü^ X'* DIENSTAG, 23. MÄRZ 1937 Cttitigi AnzeigenpreUUste Nr> 5, Die 12 gespaltene mm - Zm!<? 20 Rpf., f\ir Familien - Nadiriditen 15 Rpf. För die Aufnahm« von Anüeiejen in b«stimmtea Ausgaben oder an bestimmten Platz«ii wird keine Gewahr geleistet. Gele£enhei$sanieigen nur ^e§-en Vorausrahlung1 auf Postadheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montaj? bis Freitag: 9—18 Uhr. Annahme«rhltiß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, för die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien * Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Londoner Sitzungen Exekutive der Jewish Agency Wie aus London mitgeteilt wird, treten die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency am 24. M 8 r z zu einer Sitzung zusammen, an der auch der Ehrenvorsitzende der amerikanischen Abteilung der Jewish Agency, Felix M. Warburg, teilnehmen wird. An den Beratungen werden sich ferner der Präsident der Jewish Agency, Dr, Weizmann, der Leiter des politischen Departments, M. S c h e r t o k, der Vorsitzende der Exekutive, Ben Gurion, der in den nächsten Tagen in London eintreffen soll, die Vertreter der Nichtzionisten in der Exekutive Dr. K a r p f, Dr. Hexter und Dr. Senator beteiligen. Schertok hat seine Rückreise nach Palästina bis nach dieser Sitzung verschoben. Vom Council ior German Jewry Iii diesen Tagen tagt in London auch der Council for German Jewry, um seine Arbeit für das neue Jahr zu besprechen und die erforderlichen finanziellen Maßnahmen einzuleiten. Es ist erst wenig mehr als ein Jahr her, daß eine englisch-jüdische Delegation unter Führung von Sir Herbert Samuel nach Amerika fuhr und daß auf dieser Reise, der Gedanke des Council geboren wurde. Die großen Hoffnungen, die damals an diese Sache geknüpft wurden, haben sich vielleicht nicht in vollem Maße erfüllt, besondersdeshalb nicht, weil es nicht gelang, die amerikanischen Juden in dem Maße in diese Aktion einzugliedern, wie es von ihren Initiatoren zunächst erhofft wurde. Dennoch ist das, was geleistet wurde, erheblich; insbesondere ist die Auflockerung des Systems der jüdischen fftlf*arbeit, die zum erstenmal durch die Schaffung des Council erfolgte, ein großer Schritt Vorwärts. So anerkennenswert die Leistungen der interterritorialen jüdischen Hilfsorganisationen sind, so ist doch hier der Versuch einer neuen Form gemacht worden, der auch neue Kreise zur aktiven Mitarbeit brachte. Anläßlich der Londoner Besprechungen des Council müssen wir die Hoffnung aussprechen, daß die besondere Bedeutung, die die materielle Stärkung Palästinas gerade im gegenwärtigen Augenblick besitzt, von dieser Stelle voll anerkannt werden wird. In einem Augenblick, in dem durch die politische Entwicklung auch die wirtschaftlichen Probleme des Landes wieder stärker in den Vordergrund getreten sind, gilt es ja, die ökonomische Basis des Landes mit allen Kräften zu stärken, da hiervon nicht zuletzt die politische Widerstandskraft der jüdischen Sache abhängt. Vom Standpunkt einer produktiven Auswanderungshilfe für die Juden Deutschlands ist die wirtschaftliche Festigung Palästinas in diesem Moment von größter Bedeutung, nicht nur für die noch auf Auswanderung Wartenden, sondern auch für viele, die schon im Lande sitzen. Hier einzugreifen ist die wichtigste Funktion, die eine Hilfsinstartz für die Juden Deutschlands, die auf Dauerhilfe abzielt, erfüllen kann. Jüdisch - arabische Verhandlungen? New York, 18. März. (JTA.) I>ie „New York Times" veröffentlicht aufsehenerregende Mitteilungen über angebliche geheime Friedensverhandlungen, die vor kurzem zwischen Juden und Arabern in Paris stattgefunden haben sollen. Die Zionisten, so schreibt das Blatt, seien zunächst durch den Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Cliaim W e i z m a n n, später durch den politischen Leiter der Exekutive der Jewish Agency, Mosche Schertok, vertreten gewesen. Als Hauptvertreter der Araber habe „ein Mann von großem Einfluß im Nahen Osten" an den Verhandlungen teilgenommen. Dem Bericht der „New York Times" zufolge habe den Gegenstand der Verhandlungen zwischen Zionisten und Arabern in erster Reihe ein Plan gebildet, der eine Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina auf -10 000 Personen jährlich für einen Zeitraum von zehn Jahren vorsieht, wobei 20 000 jüdische Einwanderer jahrlich nach Trans Jordanien zugelassen werden sollen. NbcIi Beendigung der zehnjährigen Frist soll die jüdische Einwanderung eingestellt werden. Die künftige Politik soll von der Entscheidung einer gesetzgebenden Versammlung abhängen, der Juden und Araber angehören. „New York Times" behauptet, daß Aussicht auf Annahme des Planes durch beide Parteien vorhanden sei. Dementi der Jewish Agency Der vorstehende Bericht wird in den Londoner offiziellen zionistischen Kreisen als „jeder Begründung entbehrend" bezeichnet. Der Leiter des politischen Departments der Jewish Agency, Mosche Schertok, der in dem Bericht als einer der Unterhändler genannt war, erklärte, es sei ihm von der ganzen Sache a bsolut nichts bekannt. Erst, aus dem Bericht der „ New York Times" habe er von diesem Gerücht überhaupt Kenntnis erlangt. Jewish Agency verhandlungsbereit New York, 19. März. (JTA.) Der Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, Elieser Kaplan, hat an Bord des Dampfers „Normandie" die Rückreise nach Palästina angetreten. Vor der Abfahrt wurde Kaplan von Journalisten im Zusammenhang mit dem in der „New York Times" erschienenen Bericht über jüdisch-arabische Verhandlungen in Paris befragt, wie sich die Exekutive der Jewish Agency zu solchen Bemühungen stelle. Kaplan antwortete: „Die jewish Agency ist jederzeit bereit, mit den arabischen Führern zusammenzukommen, um jeglichen Vorschlag zur Herbeiführung des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in Palästina zu erörtern." Juden in französischen Kolonien Der Minister warnt vor Illusionen — Die Kapitalsfrage Der Ständige Chef des französischen Kolonienministeriums, Paul Bou teilte, hat eine neue Erklärung über die Aussichten jüdischer Einwanderung in französische Kolonien abgegeben. Er führte u. a. aus: Kolonienminister Marius Moutet weiß, daß es unter den um Einwanderung sich bewerbenden Juden erfahrene Ingenieure gibt; sie stellen einen sozialen Wert dar, der den französischen Kolonien zu großem Nutzen gereichen würde. Minister Moutet hat jedoch niemals ein Geheimiiis aus den Schwierigkeiten gemacht, die einer solchen Kolonisation entgegenstehen. Die Tatsachen über die überseeischen Besitzungen Frankreichs können folgendermaßen zusammengefaßt werden: in unseren Kolonien mit gemäßigtem Klima, z. B. Nordafrika, gibt es bereits eine zahlreiche eingeborene und weiße Bevölkerung. Unsere übrigen Kolonien mit tropischem Klima sind für Weiße ungeeignet, da sie dort nicht längere Zeit arbeiten können. Andererseits erfordern Arbeiten, zu denen sie fähig sind, nämlich industrielle Arbeit, ein großes Anfangskapital und die Entwicklung einer schwierigen Technik zur Erzielung guter Resultate. Eine sofortige Lösung für die Juden kann nur in einigen Wiserer Kolonien gefunden werden, die zwar in den Tropen liegen, aber infolge ihrer Höhenlage ein gesundes Klima haben und verhältnismäßig günstige Bedingungen für Weiße aufweisen. So wäre es in den höher gelegenen Gebieten von Madagaskar, in Neu-Kaledoni cn, in bestimmten Teilen von G u y a n a und der Neuen H e b r i d e n möglich, Raum für Einwanderer zu finden. Auf jeden Fall würde aber diese Verteilung von Einwanderern in keiner Weise eine endgültige Lösung der Judenfrägc darstellen. Minister Moutet will die jüdischen Organisationen auffordern, ihre Anstrengungen und Hilfsmittel einzusetezn, er will alle administrativen Erleichterungen gewähren, um Einwanderern die Niederlassung in gesunden Gebieten, die eine sofortige Kultivierung gestatten, zu ermöglichen. Wenn den Einwanderern das tägliche Brot gesichert ist, dann könnten sie sich der Entwicklung eines einträglichen Exporthandels widmen, Bei der Auswahl der Einwanderer würde eine strenge physische und moralische Kontrolle durchgeführt werden. Für den Erfolg in den Kolonien sind jugendliches Alter und Gesundheit wesentlich. Am wichtigsten ist jedoch die Geldfrage. Dem Kolonicnministcr stehen keine Mittel für Ansiedlung zur Verfügung. Die Investitionskosten für die erste Einrichtung müssen von jüdischen Organisationen getragen werden, die hoffen können, die notwendigen Summen aufzubringen. Später würde Regierungshilfe zur Durchführung öffentlicher Arbeiten zur Verfügung gestellt werden können für gute Straßen, öffentlichen Gesundheitsdienst, Volks- und Gewerbeschulen. Eine so organisierte Kolonisation muß nach unseren Erfahrungen Erfolg haben und wird einer großen Zahl Ausgewanderter ein ruhiges Leben sichern. Darüber hinaus würde eine solche Kolonisation zeigen, daß die Juden durch ihre Arbeit und ihre Fachkenntnisse dem Lande, das ihnen Gastfreundschaft gewährt, Gedeihen bringen. Es muß unterstrichen werden, erklärte Ministerialdirektor Bonteille zum Schluß, daß eine solche Kolonisation keinesfalls in Massen, sondern nur in Einheiten von wenigen Hundert durchgeführt werden kann; dies muß gesagt werden, um jedes Mißverständnis und grausame Enttäuschungen zu verhüten. Nach den Berichten, die das Ministerium aus den Kolonien erhalten hat, muß ein Einwanderer, wenn er Erfolg haben will, über mindestens 1000 Pfund verfügen. Aus diesen Mitteilungen — wie schon aus dem s. Zt. von Minister Moutet dem Vertreter der „Jüdischen Rundschau" gegebenen Interview — ist zu entnehmen, daß die Versuche einer Ansiedhing einiger weniger Juden als Kolonisationspioniere in tropischem Gebiet mit einem Kostenaufwand öffentlicher jüdischer Gelder verbunden wäre, der unter den heutigen Verhältnissen nicht zu rechtfertigen ist. Die Möglichkeiten müssen also — außer in Einzelfällen — leider recht gering bewertet weiden. Bei aller dankbaren Anerkennung der französischen Initiative darf dies nicht verkannt werden. Entspannung? Nach dem neuesten Bericht scheint sich die Lage in Jerusalem etwas entspannt zu haben. Die Nervosität war in der vorigen Woche sehr stark gestiegen, und insbesondere der Bombenwurf in der Jaffa-Straße vor der Endstation der Autobus-Verbindung Tcl-Awiw—Jerusalem erzeugte begreiflicherweise größte Erregung. Bei der Explosion wurden, wie wir bereits gemeldet haben, 27 Personen verwundet, glücklicherweise die meisten nur leicht. Einige Stunden später wurden aus einem vorüberfahrenden Auto in ein arabisches Cafe Bomben geworfen, und diese Vorfälle werden in den Berichten aus Palästina vielfach als jüdische „Racheakte" bezeichnet, obwohl kein Anhaltspunkt dafür besteht, daß die Bomben von Juden geworfen wurden. Ist doch in den letzten Wochen längst die Meinung widerlegt worden, wenn ein Araber angegriffen wird, müßte ein Jude der Wegen der Feiertag» erscheinen die nächsten Ausgaben 24/25 am Donnerstag, dem 25. März (Anzeigen Annahme-Schluß Millwoch, 10 Uhr) 26 am Donnerstag, dem 1. April (Anzeigen - Annahm» - SchluB Mittwoch, 10 Uhr) Wichtige Familien - Nachrichten für diese beiden Ausgaben nehmen wir jeweils bis Mittwoch, 15 Uhr (evtl. telefon.), entgegen Angreifer sein. Unzählige Araber sind von arabischen Terroristen angegriffen, verletzt und zum Teil auch getötet worden. Das Arabische Nationalkomitee hat nach der Rückkehr des Mufti aus Mekka eine Sitzung abgehalten, in der der Beschluß gefaßt wurde, Terrorakte und Gewalttaten zu mißbilligen. Es ist unseres Wissens zum ersten Male, daß das Arabische Komitee offiziell von den Terrorakten abrückt. Bisher wurde zwar öfter berichtet, daß die arabischen Führer dem High Commissioner gegenüber ihr Bedauern über Gewaltakte ausgedrückt haben; sie haben aber, wie es in den Communiques weiter hieß, zugleich darauf hingewiesen, daß solche bedauerlichen Akte die Folge der unglücklichen politischen Verhältnisse in Palästina seien — ein Nachsatz, der die Verurteilung der Taten zwar nicht dem Wortlaut nach, aber dem Sinn nach wieder authebt. Die letzte Proklamation fordert aber wirklich die Araber zur Unterlassung von Gewalttaten auf, wenn auch mit einer zeitlichen Einschränkung, nämiieh bis zu dem Bericht der Kgl. Kommission. Nach Erscheinen dieses Berichtes wird die arabische Führung anscheinend ihr Verhalten neu festsetzen und entsprechende Parolen ausgeben. Line Beschwichtigung der öffentlichen Meinung wurde nach einem Bericht der „Times" dadurch hervorgerufen, daß von arabischer Seite die Kommunisten als die Urheber der letzten Bomben-Attentate bezeichnet werden. Auch in Regierungskreisen, wenigstens bei einzelnen Personen, scheint diese Meinung vorzulierrschen, wie ein Vorfall beweist, über den die, „Times" wie folgt berichtet: Am letzten Freitag wurde ganz Jerusalem in größte Aufregung versetzt durch das Gerücht, daß ein bewaffneter Jude mit Bomben auf dem Haram Esch Schcriff (dem großen, die Omar- Moschee umgebenden Platz) während der Freitag-Gebete verhaftet wurde. Die Polizei hat jedoch nachher mitgeteilt, daß der Mann kein Jude war, sondern ein hebräisch sprechender moslemischer Polizei-Agent, der beauftragt war, nach Kommunisten zu forschen ... Wie immer dies nun sein mag, schon die Tatsache, daß die Gewaltakte den Kommunisten zugeschrieben werden, trägt zur Erleichterung der jüdisch-arabischen Spannung bei. Denn während die arabischen Nationalisten sich sonst zu ihren Taten bekennen und diese politischen Attentate ja nur dann einen Sinn haben, wenn sie als solche deutlich gekennzeichnet sind, beweist das Abschieben der Sache auf eine andere Ebene den Wunsch, momentan keine neuen politischen Konflikte zu schaffen oder zu überspitzen. Sir Arthur Waucliope wird nun zunächst strikt für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen haben. Denn politische Maßnahmen kann er wohl nicht treffen, weil die Politik der Regierung in Palästina erst nach dem Bericht der Peel-Kommission festgelegt werden wird. Bis zu diesem Zeitpunkt gelten jedenfalls die bisherigen Dokumente. Unter i «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.